Ostrava (Mährisch-Ostrau) 04/2019

21.04.2019
FK Banik Ostrava – SFC Opava 2:0
1. ceska fotbolova liga (I)
Městský stadion – Vítkovice Aréna (Att: 15.100)

Die tschechische Honzarepublik begrüßte mich bisher verhältnismäßig selten als Gast. Dabei gibt es in CZ schöne Städte, tolle Stadien, bildhübsche Frauen, leckeres Bier, geile Würste und weitere deftige Delikatessen. Allerdings findet man das auch alles in Polen und Tschechiens nordöstliches Nachbarland hat obendrein noch eine richtig interessante Fankultur. Die fehlt mir in Böhmen und Mähren so ein bisschen. Klar, Slavia gegen Sparta kann man sich mal geben und ein paar weitere gute Szenen existieren in CZ ebenso. Doch was ist schon ein Prager Derby verglichen mit den Lokalduellen in Łódź oder Kraków? Welche Zweit- und Drittligisten in der Tschechischen Republik haben überhaupt eine aktive Fanszene? Wenn also mal wieder ein Wochenende im östlichen Mitteleuropa möglich ist, schlägt das Pendel bei mir fast immer zugunsten der „Rzeczpospolita Polska“ aus.

Rybnik auf der Durchfahrt

Ostern 2019 sollte es allerdings, wie schon im Vorjahr, Polen und Tschechien im Doppelpack geben. Denn im katholischen PL (96% der Polen sollen papsttreu sein) rollt Ostersonntag nirgendwo der Ball, im atheistischen CZ (angeblich 71% Konfessionslose) jedoch schon. Und gab es letztes Jahr mit Vitkovice versus Varnsdorf nur eine Verlegenheitslösung, stand diesmal sogar ein richtiger Kracher auf dem Programm; Banik Ostrava empfing den SFC Opava zum mährisch-schlesischen Fußballderby! Doch vorweg gönnte ich mir erstmal einen Appetitanreger in Havířov. Da mir Alkoholkonsum nur in guter Gesellschaft Spaß macht und ich diesmal solo unterwegs war, bereitete mir das notwendige frühe Aufstehen am Ostersonntag kein Problem. 4:45 Uhr schellte mein Wecker und durch menschenleere Straßen bewegte ich mich zum Katowicer Hauptbahnhof. Um 5:26 Uhr startete meine etwas umständliche Bahnreise und für das erste Teilstück bis Bohumin waren umgerechnet 3,50€ zu entrichten (insgesamt sollten alle fünf meine Bahnfahrten am heutigen Tag zusammen ca. 15€ kosten).

Am Rynek von Wodzisław Śląski

Die frühe Anstoßzeit in Havířov (10:15 Uhr) und der Feiertagsfahrplan erzwangen nach 71 Reiseminuten einen Umstieg in Wodzisław Śląski (Loslau). Da der Aufenthalt stolze 75 Minuten umfasste und Wodzisław Śląski bzw. Loslau schon seit über 1.000 Jahren besiedelt ist, war ein wenig Sightseeing obligatorisch. Dabei schien mir die Sonne schon so sehr auf den Kopf, dass ich die Idee hatte bei Wodzisław den Zusatz Śląski durch „Baby, don’t hurt me“ zu ersetzen. Schlimmer Ohrwurm!

Die Kirche Mariä Himmelfahrt

Die Altstadt ist nicht weit vom Bahnhof entfernt und der hiesige Rynek (Marktplatz) machte einen netten Eindruck. Über dem historischen Stadtkern thront die sehenswerte neogotische Mariä-Himmelfahrts-Kirche (von 1909 bis 1911 erbaut). Während die Stadt ansonsten erwartbar ausgestorben wirkte (es war schließlich 7:00 Uhr morgens an einem Feiertag), war bei der Kirche mächtig Andrang. Es lief bereits ein Gottesdienst und die Gläubigen standen bis raus auf die Straße. So ist das in Polen eben.

Stadion von Odra Wodzisław Śląski

Vorläufig letzte Attraktion auf meiner Liste war das Stadion von Odra Wodzisław Śląski. Es ist auch im Stadtzentrum zu finden und fasst rund 7.000 Zuschauer (fast ausschließlich Sitzplätze). Erfreulicherweise stand das Stadiontor offen und ich konnte ein paar Fotos knipsen. Der Club spielt zur Zeit nur in der 6.Liga (Klasa okręgowa, grupa Katowice III), war aber mal eine große Nummer im polnischen Fußball. Insgesamt 14 Jahre war man erstklassig und größter Erfolg war der 3.Platz in der Ekstraklasa 1996/97. Damit spielte man in der Folgesaison UEFA-Pokal, schied jedoch bereits in der 2.Qualifikationsrunde gegen Rotor Wolgograd aus. Nach finanziellen Problemen im neuen Jahrtausend setzte man ein paar Saisons aus und starte 2015 ganz unten neu. Mittlerweile klopft man immerhin an das Tor zur 5.Liga und ich werde sicher mal Gelegenheit finden für einen Spielbesuch wiederzukehren.

Bahnhof Bohumin

7:54 Uhr sollte es dann laut DB Auskunft weitergehen. Doch dieser Zug fuhr Ostermontag gar nicht, wie ich dem Aushang entnehmen konnte. Stattdessen rollte heute ein Zug um 8:01 Uhr nach Bohumin (CZ), der auch noch 10 Minuten Verspätung hatte. Damit war mein Anschluss an jenem tschechischen Grenzbahnhof nicht mehr erreichbar. Zum Glück hatte ich einen doppelten Boden und konnte noch einen Zug später nehmen. Den wollte ich lediglich vermeiden, weil ich nun in Ostrava (Mährisch-Ostrau) nur vier Minuten Umsteigezeit hatte. Doch auf die „Cesky Drahy“ ist Verlass. Der Umstieg klappte und 9:48 Uhr war ich am Bahnhof Havířov-Suchá. 

21.04.2019
MFK Havířov – 1. HFK Olomouc 2:1
4.Liga – Divize E (IV)
Stadion Dukla (Att: 200)

Zum Glück stiegen hier auch drei deutsche Groundhopper aus und die haben bekanntlich einen „Stadioninstinkt“. Dementsprechend brauchte ich nicht extra einen Stadtplan studieren und nahm die Verfolgung des Trios auf. Da es nichts Sehenswertes am Wegesrand gab, machte ich mir auf dem 15minütigen Fußmarsch zum Stadion erstmal Gedanken über den seltsamen Buchstaben in Havířovs Stadtnamen. Ein R mit einem umgekehrten Zirkumflex darüber, das war mir im Polnischen oder Serbokroatischen bisher nicht begegnet. Aber konnte es auch nicht, denn die Internetrecherche ergab, dass nur die tschechische und die sorbische Sprache das „ř“ verwenden. Ausgesprochen wird es angeblich wie ein rollendes R mit einem stimmhaften Sch. Aha! Auf das Einfügen einer Tonaufnahme verzichte ich an dieser Stelle.

Wo bitte geht es zum Ground? Immer den Hoppern nach!

Kurz nach 10 Uhr erreichte ich das schönste Bauwerk von Havířov („Das sieht von außen schon wieder genial aus“). Gegen das Stadion Dukla kann in dieser sozialistischen Planstadt nichts anstinken! Besonders die historische Haupttribüne, die jetzt eigentlich die Gegengerade ist, ist ein echter Blickfang. Also nichts wie hinein da! Weil der Bankautomat in Bohumin meine 1.000 CZK Tagesbudget in Form eines einzigen Scheines ausspuckte, konnte mir der Kassierer leider nicht rausgeben. Er war bereit auf die 30 CZK Eintritt verzichten, doch ich brauchte so oder Kleingeld und kaufte mir ein Bier (0,5l) für ebenfalls 30 CZK, um diesen blöden Tausender klein zu bekommen.

Willkommen beim MFK Havířov

Jetzt bekam auch der Kassierer seine umgerechnet 1,15€ und ich suchte mir sonnenbrandgeplagt ein schattiges Plätzchen auf Höhe der Mittellinie. Fanatische Fans gab es unter den knapp 200 Zuschauen leider keine, aber ein paar Jungs in Szenklamotten von Banik Ostrava waren auszumachen. Banik hat hier im Umland von Ostrava natürlich eine starke Fanbasis. Außerdem war noch über ein Dutzend deutsche Hopper nicht zu übersehen. Aber dieser Schlag Menschen liebt ja bekanntlich CZ und so wie andere Leute über’s Wochenende in den Kurzurlaub fahren, ist für dieses Klientel ein echter „Tschechenknaller“ die pure Erholung. Wissen wir schon seit der legendären Groundhopper-Reportage auf DSF.

Die alte Haupttribüne

Die Hopper, die Tschechen und ich sahen einen flotten Spielbeginn mit Chancen hüben wie drüben. Auch Tore blieben dabei nicht aus. In der 14.Minute durfte Pavel Malchárek nach einer Flanke frei zum 1:0 einschieben. Doch diese Führung konnte Vojtěch Cycrit bereits in der 25.Minute egalisieren. Es gab im ersten Durchgang noch viele weitere Torgelegenheiten und mit einer besseren Chancenverwertung wäre es nicht mit 1:1 in die Pause gegangen. Diese Unterbrechung nutzte ich übrigens zum Erwerb einer fettigen Klobasa. Solide Wurst für 40 CZK (ca. 1,50€). Die ganzen Hopper holten sich glaube ich auch eine. Weil das in dieser Kultur in Tschechien einfach Kult ist, habe ich gelernt.

Die neue Haupttribüne

Überhaupt können sich die Jungs hier frei bewegen und brauchen kaum Angst haben angelungert zu werden. Dazu haben die Stadien viel Patina, was mich auch sehr anspricht. Außerdem haben die Hopper, trotz ihrer in der Regel bescheidenen finanziellen Ausstattung, in CZ immer noch eine üppige Kaufkraft. Um die Hoppinglegende Jens-Uwe H. aus besagter DSF-Reportage mal zu zitieren: „Hier in Tschechien können wir uns auch schon mal besser geben, als wir eigentlich sind.“

Klobasa

Mit meiner Wurst auf der Hand drehte ich zu Beginn der 2.Halbzeit eine Stadionrunde. Ein Groundhopper würde wohl sagen: „Das Stadion ist wirklich phänomenal. Sowas gibt bei uns in Deutschland gar nicht mehr. Zum Beispiel so ’ne Absperrung zum Spielfeld. Einfach nur gigantisch! Hier ist der Tschechei ist es einfach nur geil…“ Sätze, die so oder so ähnlich auch gestern in Będzin oder Czeladź von mir hätten fallen können. Allerdings war der Kick heute bedeutend besser als das gestrige polnische Amateurgerumpel. Dafür, dass es nur zwei Mittelfeldteams der 4.Liga waren, sah das in beiden Durchgängen ganz gut aus.

Ein schickes Sporthotel gibt es auch

Der MFK Havířov wurde übrigens 1922 gegründet und hatte seitdem ostblocktypisch schon so ungefähr ein dutzend Vereinsnamen. Die sportlich erfolgreichste Zeit herrschte von 1987 bis 1997. Damals war man zweitklassig, was auch den verhältmäßig üppigen Stadionausbau erklären dürfte. Ihr Spitzname lautet „Indiáni“ (Indianer) und das Haupt eines Stammeshäuptlings nordamerikanischer Ureinwohner ziert das Vereinswappen (damit der zweite mir bekannte und zugleich besuchte europäische Fußballclub mit einem Indianerhäuptling im Wappen).

Stadion Dukla (7.500 Plätze)

Angeblich war Havířov vor dem 2.Weltkrieg überregional für einen Händler bekannt, der us-amerikanischer Motorräder der Marke „Indian Motorcycles“ vertrieb. Deshalb wurden die Kicker in der Fremde „Indiáni“ gerufen. Doch zurück zum heutigen Spiel, denn ein Tor fiel noch. In der 76.Minute schoss Tomáš Wojnar den „Městský fotbalový klub“ (dt.: Städtischen Fußballclub) Havířov nochmal in Front.

Havířov Hauptbahnhof

Erfreulicherweise das letzte Tor der Partie, denn ich brach nun schon etwas früher auf. Ich wollte unbedingt den Zug um 12:33 Uhr am 4km entfernten Hauptbahnhof der Stadt bekommen. Ansonsten hätte ich eine Stunde Wartezeit im trostlosen Havířov gehabt und außerdem nicht direkt den zentralsten Bahnhof von Ostrava ansteuern können (Ostrava-Stodolni), sondern noch einen halbstündigen Umstieg an einem Vorortbahnhof von Ostrava gehabt.

21.04.2019
FK Banik Ostrava – SFC Opava 2:0
1. ceska fotbolova liga (I)
Městský stadion – Vítkovice Aréna (Att: 15.100)

Somit war ich schon kurz vor 13 Uhr anstatt 14 Uhr am Bahnhof Ostrava-Stodolni. Dort erwartete mich bereits Moe aus Celle, der beschwerlich über Nacht per Bus angereist war. Gemeinsam steuerten wir den Marktplatz der Stadt an und gönnten uns ein paar Runden Pivo und ein Mittagessen. Mir durfte die Kellnerin der Gastwirtschaft „Radegastovna“ ein Gulasch mit böhmischen Serviettenknödeln servieren. Für ein Hauptgericht und 1,5 Liter Bier war ich am Ende rund 10€ los.

Gulasch

Nach der Stärkung spazierten wir noch ein wenig durch die mir aus dem Vorjahr bereits bekannte Innenstadt. Viele touristische Höhepunkte hat Ostrava nicht zu bieten, aber neben dem Marktplatz ist auch die „Katedrála Božského Spasitele“, Ostravas große Bischofskirche von 1889, einen Besuch wert (siehe Titelbild). Ansonsten kann man sich die Burg Ostrava noch geben. Doch mir genügte der einmalige Besuch im Vorjahr.

Marktplatz

Es war mittlerweile außerdem 16 Uhr und so langsam mussten wir mal zum rund 6km entfernten Stadion aufbrechen. Wir suchten im Stadtzentrum vergeblich nach Taxis und fanden ebenfalls keine taugliche Straßenbahnverbindung. Also ging es wieder zum Bahnhof Ostrava-Stodolni und von dort binnen weniger Minuten nach Vitkovice. Sogar kostenneutral, da die Schaffnerin uns unbehelligt ließ (weil nachlösen in CZ normal ist, war das natürlich kein geplantes Schwarzfahren und ich möchte hier auf keinen Fall zum Erschleichen von Leistungen aufrufen ;-)).

Unterwegs in Ostravas Innenstadt

In Vitkovice hatten wir in der prallen Sonne kurz vergessen, dass gleich Anpfiff ist und gönnten uns noch zwei Kannen Radegast im Bahnhofskiosk. Blöd, dass öffentliches Zechen im Stadionumfeld nicht erlaubt war, so dass wir die Biere noch schnell am wirklich herrlich abgerockten Bahnhof, des sehr industriell geprägten Stadtbezirks, stürzen mussten. Nichtsdestotrotz waren wir eine gute Viertelstunde vor Anpfiff im 15.123 Zuschauer fassenden „Městský stadion – Vítkovice Aréna“ (Städtisches Stadion – Vitkovice Arena), welches sich der FK Banik (Banik heißt übrigens übersetzt Bergmann) mit dem Zweitligisten FK Vitkovice teilt (den ich bekanntlich in der Vorsaison beehrt hatte).

Bahnhof Vitkovice

Offiziell war heute, trotz kleiner Lücken, ausverkauft und uns Pressevertretern wurden 15.100 Zuschauer kommuniziert. Darunter waren etwas über 1.100 Gästefans aus dem 30km entfernten Opava (Troppau). Beide Fanlager sind sich in inniger Abneigung verbunden und aufgrund oft unterschiedlicher Ligazugehörigkeit ist dieses Derby noch etwas besonderes. Das Ganze ist außerdem eine historisch gewachsene Städterivalität, die sich nicht nur auf den Fußball bezieht (ähnlich wie z.B. zwischen Köln und Düsseldorf oder Hannover und Braunschweig in Deutschland).

Hooliganchoreo

Bereits beim Hinspiel (2:1 Sieg für Opava) hatten die Fangruppen ordentlich Rabatz gemacht und 2016 gab es beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams in Ostrava einen Platzsturm der Hooligans von Banik. Für Brisanz war also gesorgt und das Etikett „Hooligan“ ist in CZ noch nicht so geächtet wie beispielsweise in Deutschland. Anders kann ich mir nicht erklären, dass die Heimszene zum Anpfiff die tschechische Entsprechung „Chuligani“ über die gesamte Gegengerade als Papptafel-Choreographie präsentierte (mit dem Untertitel „Unsere Stadt – Unsere Regeln“). Auch gab es prominent platzierte Zaunfahnen wie „Konflikt Team“ und „Hooligans von Bazaly“ (Bazaly hieß das ehemalige Stadion von Banik) in der Heimkurve zu erspähen.

Die Gästechoreo zu Spielbeginn

Die Gäste aus Opava wiesen wiederum choreografisch darauf hin, dass sie aus der „Metropole Schlesiens“ kommen. Sie definieren Opava als Hauptstadt und Metropole (sportlich formuliert, bei nur 60.000 Einwohnern) des tschechischen Teils der historischen Region Schlesien, während sie das ungleich größere Ostrava (rund 300.000 Einwohner) als mährische Stadt betrachten.

Anti-Opava-Fahne

In der Tat liegt der Großteil des Stadtgebiets historisch auf mährischem Boden. Ostrava ist ein Zusammenschluss aus Moravská Ostrava (Mährisch-Ostrau) und Slezská Ostrava (Schlesisch-Ostrau). Zwei Gemeinden, die bis zur Industrialisierung nur in bescheidenem Maße wuchsen und keine überregionale Bedeutung hatten. Opava war dagegen schon im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt und seit 1318 Residenzstadt des Herzogtums Troppau. Dieses fiel 1526 an die Habsburger und Troppau a.k.a. Opava wurde nach Österreichs Verlust weiter Teile Schlesiens von an Preußen (1742) zur Hauptstadt vom restlichen österreichischen Schlesien.

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Ganz in weiß

Dieses Österreichisch-Schlesien, mit u.a. Opava und Slezská Ostrava als Städten, bekam der neu entstandene Staat Tschechoslowakei nach dem 1.Weltkrieg zugesprochen. Seit 1941 sind Moravská Ostrava und Slezská Ostrava inzwischen als Ostrava vereint und mittlerweile bilden das alte Österreichisch-Schlesien bzw. Tschechisch-Schlesien (České Slezsko), wie es nun korrekt heisst, sowie der Nordosten von Mähren (grob die Gegend südlich von Ostrava) die Mährisch-Schlesische Region (Moravskoslezský kraj) mit Ostrava als Hauptstadt. Dieses im Schatten von Ostrava stehen, können die Menschen in Opava anscheinend nicht so richtig verknusen.

Ein bißchen Pyro bei den Gästen

Das angeblich beste Derby der Tschechischen Republik (soll besser als das Prager Derby sein, aber mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten) versprach also viel und hielt auch einiges davon. Sehr beeindruckend, dass auf Heimseite alle in weißen Shirts die Tribünen bevölkerten und der Gästeblock komplett in gelb gewandet erschienen war. Auch der Support war von beiden Lagern wirklich sehr laut. Wobei die verhältnismäßig kleine Schar aus Opava es natürlich schwer hatte gegen die weiße Masse anzusingen.

Anti Banikovci

Auch choreographisch wurde einiges geboten. Nach den erwähnten Intros ging es noch munter weiter. Die Fans vom SFC (Slezský fotbalový club) zündeten nach sieben Spielminuten ein paar Fackeln im oberen Teil des Gästeblocks, was allerdings etwas verloren wirkte, und präsentierten zur 23.Minute außerdem eine blau-gelbe Papptafelchoreo mit „Anti Banikovci“-Banner vor dem Block. Das Banner sollte nun bis Spielende den Zaun zieren. In der Heimkurve wurde dagegen mit einer Choreo gekontert, die einen Banik-König und einen SFC-Hofnarren zeigte.

Banik stellt da was klar

Auch die Mannschaften waren sich der Bedeutung des Derbys bewusst und gingen sehr konzentriert zu Werke. Banik (5.Platz) hatte gegen den aktuell Elften, entsprechend seiner Favoritenrolle, etwas mehr vom Spiel. Es dauerte jedoch eine knappe halbe Stunde, ehe sie sich die erste Großchance erarbeitet hatten. Die wurde auch prompt genutzt und der Senegalese Dame Diop markierte in der 29.Minute das 1:0 für Banik. Der entsprechende Torjubel des Publikums war natürlich frenetisch und ein weiterer Höhepunkt des Tages.

Hüpfeinlage in der Heimkurve

Mit Hüpfeinlagen und Wechselgesängen brachten Ultras von Ostrava in der Folgezeit das Stadion zum Brodeln. Für die Banik-Spieler schien die Führung auch ein Brustlöser zu sein und sie besaßen noch vor der Pause mehrere Gelegenheiten auf 2:0 zu erhöhen. Gelungen ist dies jedoch vorerst nicht, so dass der dreifache tschechoslowakische (1976, 1980 und 1981) und einfache tschechische Meister (2004) mit knappem Vorsprung in die Kabine ging.

Was für Genießer

Ich war zum Pausentee mit Moe verabredet, der auch auf der Haupttribüne saß, und verschmähte somit das Pressebuffet. Stattdessen gab es Wurst und Bier auf eigene Rechnung und wir analysierten gemeinsam das Gebotene. Moe war der Meinung, dass dieses Derby bisher seine Ochsentour nach Ostrava wert war und ich fand, dass die Partie es vorläufig auf Platz 3 meiner 2019er Hitliste geschafft hatte (hinter den Derbys in Beograd und Saloniki).

Sie vermissen mutmaßlich ihr altes Stadion

Zu Beginn der 2.Halbzeit hatte der Gästemob überraschenderweise nichts vorbereitet, während auf der Heimseite eine Choreografie den 60.Geburtstag des alten Stadions Bazaly würdigte. Das war von 1959 bis 2015 die Heimat von Banik und wurde übrigens im historisch schlesischen Teil der Stadt errichtet. Der Club wurde 1922 auch in Slezská Ostrava als SK Slezská gegründet und ist somit eigentlich wie der SFC Opava ein schlesischer Verein (Lokalrivale FK Vitkovice ist dagegen einer der mährischen Vereine von Ostrava).

Pyro passend zum 2:0

Auch in der zweiten Hälfte blieb es ein kampfbetontes Spiel. Die Gäste mussten natürlich etwas mehr machen, wollten sie Zählbares nach Opava mitnehmen. Jedoch fehlte es ihnen an Ideen und Durchschlagskraft. Die defensiv stabilen Hausherren lauerten dagegen auf Konter und konnten in der 79.Minute das wichtige 2:0 durch Robert Hruby feiern. Damit war das Spiel praktisch entschieden und simultan zum Treffer startete nun die unabhängig davon seit Minuten vorbereitete Pyroaktion in der Heimkurve.

Üppiger Einsatz von pyrotechnischen Erzeugnissen

Dutzende Bengalos und Rauchschwaden in den Clubfarben zogen die Blicke und Kameralinsen des Restpublikums auf sich. Die letzten 10 Minuten herrschte nochmal Partystimmung mit vielen Fahnen und vereinzelten Fackeln im Fanblock. Auf dem Spielfeld brannte dagegen nichts mehr an und Moe und ich konnten nach dem Schlußpfiff noch die ausgedehnten Feierlichkeiten der Fans mit der Mannschaft genießen. Danach nahmen wir den nächstbesten Zug zum Hauptbahnhof der Stadt (wieder ein Geschenk von „Cesky Drahy“), um dort noch ein paar Bierchen im Bahnhofsbistro à 30 CZK zu genießen. Bis 21 Uhr konnte ich dem Celler Genossen Gesellschaft leisten. Dann fuhr mein EuroCity nach Katowice und er musste die Zeit bis zur Busabfahrt um 1 Uhr allein totschlagen.

Ostrava hat was zu feiern

Ich teilte mir den Zug nun mit einigen Jungs aus der Fanszene von GieKSa (GKS Katowice), welche eine langjährige Fanfreundschaft zu Banik pflegen und alkoholisiert und euphorisiert für Stimmung im Waggon sorgten.  Nach einem langen planmäßigen Halt am schnell erreichten Grenzbahnhof Bohumin, rollte der EuroCity im Schneckentempo über die oberschlesischen Schienenwege. Kein Wunder, dass der „Schnellzug“ für 96km zwei Stunden benötigte (alles planmäßig). 22:55 Uhr war ich schließlich in Katowice und 15 Minuten später im Bett. Jede Minute Schlaf zählte, da ich am nächsten Morgen keine entspannte Zugverbindung zur Frühstückszeit gebucht hatte, sondern unbedingt auf dem Rückweg noch Fußball schauen wollte. Mein Dessert des österlichen Derbymenüs wurde mittags in Sachsen serviert und deshalb musste ich am Ostermontag schon um 5:09 Uhr den nächsten Zug besteigen.