Beograd (Belgrad) & Inđija (India) 05/2019

23.05.2019
FK Crvena zvezda – FK Partizan 0:1
Kup Srbije / Serbian Cup (Final)
Stadion „Rajko Mitic“ (Att: 20.000)

Bezüglich des serbischen Pokalendspiels 2019 ereilte mich ein kleines Déjà-vu. Zwar hatte ich bei der Urlaubsplanung richtig spekuliert, dass das Finale in der Woche nach dem letzten Spieltag steigen wird, allerdings war der zunächst vom Verband announcierte Spielort Niš mit Vorsicht zu genießen. 2017 war bekanntlich Novi Sad als Gastgeber bestimmt, verlor diese Ehre jedoch aus Sicherheitsgründen wieder, als die Paarung nach den Halbfinals Zvezda versus Partizan lautete. Da wir bereits Novi Sad gebucht hatten, mussten wir damals umdisponieren und hatten überschaubaren, aber dennoch ärgerlichen Mehraufwand. Aus Schaden wird man klug und so warteten wir dieses Jahr die Halbfinalrückspiele am 15.Mai ab. Wieder einmal setzten sich Zvezda und Partizan durch und gleich nach dem Halbfinale kamen Gerüchte über eine Verlegung nach Belgrad auf. Am 17.Mai, also sechs Tage vor dem Finale, tagte der Verband und bestimmte das Stadion „Rajko Mitic“ in Belgrad zum Endspielort.

Unterwegs auf serbischen Autobahnen

Gut, dass wir noch nichts gebucht hatten, aber schlecht, dass nun mein alerter Reiseplan Belgrad-Sofia-Skopje-Niš-Zagreb Essig war. Am 22.Mai sollte nämlich im Nationalstadion zu Skopje das mazedonische (bzw. neuerdings nordmazedonische) Pokalfinale stattfinden. Nach Niš hätte ich von Sofia einen Umweg über Skopje in Kauf genommen, nach Belgrad via Skopje war mir allerdings zu viel Juckelei (da hätte ich fast den kompletten Donnerstag im Bus gesessen). Immerhin hieß die nordmazedonische Finalpaarung FK Makedonija Gjorče Petrov (graue Maus aus Skopje) gegen Akademija Pandev (2009 gegründeter Club der mazedonischen Fußballlegende Goran Pandev). Somit war keines der fünf, sechs nordmazedonischen Teams mit relevanter Fanszene involviert (ich lege Relevanz gerade sehr großzügig aus) und ein stimmungsarmer Abend vor zwei- bis dreitausend Zuschauern zu erwarten. Fantechnisch war da selbst ein serbisches Relegationsspiel von FK Inđija (2.Liga) gegen Dinamo Vranje (1.Liga) interessanter und so ging es am 22.Mai nicht von Sofia nach Skopje, sondern nach Belgrad bzw. Inđija.

Hotel Impressionen

Meine unspektakuläre Rückreise aus Sofia ließ mich um 14:15 Uhr wieder Belgrader Boden betreten. Da die Jungs zu dieser Zeit bereits in Inđija (deutsch: India) waren und sich schon mal das nette Städtchen anschauten, deponierte ich mein Gepäck im neuen gemeinsamen Hotel „Kasina“ (25€ pro Nacht und Nase) und überlegte gleich eine neue Unterkunft zu buchen. Das war schon eine Bruchbude vor dem Herrn, mit Wasserschäden und einem offenen Kabelschacht in der 0,5m²-Dusche (technisch und optisch war das alles schon bei Titos Tod 1980 retro). Aber egal, für zwei Nächte würde es schon gehen.

Katholische Peter- und Paulskirche in Inđija

Nach einer erfrischenden Dusche kehrte ich wieder zum Busbahnhof zurück und nahm den nächstbesten Linienbus (den 15:15er) nach Inđija. Die Kleinstadt liegt 65km nördlich von Belgrad in der Vojvodina und weil der Bus (ca. 5€ für Hin- und Rückfahrt) an jeder Milchkanne hielt, dauerte die Hinfahrt 85 Minuten. Zum Glück befindet sich das städtische Stadion im Zentrum, nur 500 Meter von der zentralen Kreuzung des 25.000-Einwohner-Ortes entfernt.

Das Billet

22.05.2019
FK Indija – FK Dinamo Vranje 3:0
Promovisanje Plej-of (II/I)
Gradski Stadion (Att: 2.500)

Im Windschatten eines Teenager-Corteos der Heimfans erreichte ich fünf Minuten vor Anpfiff die Spielstätte und entrichtete 100 Serbische Dinar (ca. 0,85€) für ein Ticket. 2.500 Zuschauer sollen heute die Stadiontore passiert haben (damit waren wahrscheinlich mehr Zuschauer als beim mazedonischen Pokalfinale zugegen) und während die Jugend von Inđija sich auf der Gegengerade platzierte und für etwas Stimmung sorgte, hatte sich im Gästeblock immerhin eine ganze Busladung aus Vranje (ca. 50 Mann) eingefunden. Die hatten, ähnlich wie ich, über 400km Anreise hinter sich. Aber was tut man nicht alles für ein Relegationsspiel der 1.Liga in Serbien?

Der Kampf um die 1.Liga beginnt

Als würden ein nettes Stadion, ein akzeptabler Zuschauerzuspruch und der Mangel an fußballerischen Alternativen an jenem Tag nicht schon als Rechtfertigung für diesen Spielbesuch reichen, hatte sich der FK Inđija auch noch überlegt, dass er uns zumindest im ersten Durchgang ein Bombenspiel liefert. Zwischen dem bisherigen Erstligisten und dem bisherigen Zweitligisten war ein eindeutig ein Klassenunterschied erkennbar. Allerdings zugunsten von Inđija!

Hatten nichts zu feiern: Die Fans von Dinamo Vranje

Schon bei einem der ersten Angriffe zeigte der Unparteiische im Gästestrafraum auf den Punkt. Ivan Rogač, früher serbischer U-Nationalspieler, verwandelte den fälligen Strafstoß in der 4.Spielminute im zweiten Anlauf sicher (die erste Ausführung wurde pariert, jedoch gab es eine Wiederholung wegen eines Regelverstoßes). Knapp 2.500 „Inđijaner“ freuten sich tierisch und durften bereits in der 22.Minute abermals jubeln. Srđan Dimitrov – bisher Weltenbummler auf sportlich niedrigen Niveau, mit Stationen in Lettland, Thailand und auf Malta – erhöhte auf 2:0. Als nun Nikola Dimitrijević in der 33.Minute das 3:0 erzielte, herrschte endgültig Volksfeststimmung im 4.000 Zuschauer fassenden „Gradski Stadion“.

Viel los im städtischen Stadion

Ich bin mir sicher, Dinamo Vranje (denen am Ende nur ein Punkt zum direkten Klassenerhalt fehlte), sehnte sich nichts mehr als die Halbzeitpause herbei. Denn während der FK Inđija bisher mit flottem Vortrag und tollen Toren begeisterte, klappte beim (Noch-)Erstligisten gar nichts. Im zweiten Durchgang gelang ihnen dann wenigstens Schadensbegrenzung. Zwar mussten sie nach dem Platzverweis ihres griechischen Stürmers Lefteris Matsoukas (probierte sich vor 10 Jahren mal in der 2.Mannschaft des SV Werder Bremen) endgültig ihre Offensivbemühungen einstellen (51.Minute). Doch der FKI schaltete auch einen Gang runter und die Partie, die phasenweise sehr hitzig wurde, sah in der 2.Halbzeit keine weiteren Tore mehr.

Fouls, Schubsereien usw. gab es in Hülle und Fülle

Nach dem Abpfiff amüsierten wir uns noch über einen rothaarigen deutschen Hopper, der tatsächlich zu geizig für 85 Cent Eintrittsgeld war und nahmen den erstbesten Bus in die Hauptstadt. In Belgrad schnappten wir uns sogleich die nächstbeste Bahn der Linie 11 und ließen uns direkt zum Restaurant „Polet“ transportieren. Hier gab es ein freudiges Wiedersehen mit Oberkellner Saša und für mich ein leckeres Karađorđe-Schnitzel (panierte Schnitzelrolle mit Kajmak und Schinken gefüllt) auf den Teller. Vorweg wurde außerdem ein Šopska Salat und das geröstete und marinierte Hausbrot serviert.

Abendessen im Restaurant Polet

Für nettes Ambiente sorgte derweil ein Streicherquartett auf der kleinen Bühne des „Polet“. Ergo klang der Abend sowohl kulinarisch, als auch kulturell hochwertig aus. Während meine Freunde spätabends noch dem Glücksspiel frönten, zog es mich zeitig ins Bett. Dem strapaziösen Programm seit Sonnabend musste leider Tribut gezollt werden.

23.05.2019
FK Crvena zvezda – FK Partizan 0:1
Kup Srbije / Serbian Cup (Final)
Stadion „Rajko Mitic“ (Att: 20.000)

Am nächsten Morgen ging es 8:30 Uhr aus der Heier und 30 Minuten später an den Frühstückstisch. Das im Zimmerpreis inkludierte Frühstück wurde in Form eines vielfältigen Buffets im modernen Lokal nebenan dargeboten. Mit deftigen Dingen im Magen, ließen sich die Aufgaben des Tages gleich viel motivierter angehen. TOP 1: Friseurbesuch!

Hotelfrühstück

Während die anderen beiden schon versorgt waren, brauchten auch Fat Lo und ich, wie jedes Mal, noch einen militärischen anmutenden Kurzhaarschnitt für das Derby. Der Friseur vom letzten Mal war zu weit weg, aber „Frizerskis“ gibt es in Belgrad ja fast so viele wie Balkan-Bet-Niederlassungen. Leider hatten die ersten fünf davon heute entweder gar keine Zeit für uns oder frühestens nachmittags Luft. In der Nähe des „Trg Slavija“ konnte uns eine Friseuse jedoch einen Termin um 11 Uhr, also in einer guten halben Stunde, geben. Es ging nun auf einen Kaffee ins benachbarte Café und dann hieß es schnipp-schnapp. Die erfahrene Fachkraft leistete hervorragende Arbeit und mit freiwillig 33% Trinkgeld aufgeschlagen, mussten wir umgerechnet 4€ in dem Salon lassen.

Moin Belgrad

Mit deutlich reduzierter Haarpracht trafen wir uns anschließend mit Ole und dem anonymen Balkantouristen in der Haupteinkaufstraße „Knez Michailova“ zu TOP 2. Wie immer in Belgrad, bekamen die Burg und ihre grüne Umgebung einen Besuch abgestattet. Innerhalb der Festungsmauern wurde übrigens gerade wieder das serbische Regionalfest aufgebaut, welches uns schon vor zwei Jahren begeisterte (es soll Leute geben, die träumen noch heute von der Weinkönigin aus Irig). Wie blöd, dass wir Morgen schon wieder weiterreisen würden.

Knez Michailova

Als nach ein paar Bieren aus dem Hause „Jelen Pivo“ dunkle Wolken aufzogen, flohen wir klugerweise in den überdachten Teil des Biergartens „Mala Kalemegdan“. Dieser liegt im Schatten der Festungsmauern und wurde schon im März für gut befunden. Auf dem Weg zum Biergarten stellte sich derweil heraus, dass Teile der Reisegruppe das epische Frauenarzt-Werk „Lass dich gehen“ immer noch auswendig beherrschen. Respekt!

Auf den Mauern über der Donau lauern

Im Biergarten gab es kleine Snacks und große Biere, sowie ein paar lütte Obstbrände. Schließlich wollte man sich so langsam auf TOP 3, das „Večiti Derbi“ (das ewige Derby), einstimmen. Der Umstand, dass es sich um ein Pokalfinale handelte, sorgte nochmal für besondere Brisanz. Entweder würde Zvezda den Rivalen mit dem Gewinn des Doubles richtig demütigen oder Partizan könnte eine enttäuschende Saison (nur Dritter in der Liga geworden) halbwegs versöhnlich ausklingen lassen.

Honigbrand

Weil es so kribbelte, ging es bereits drei Stunden vor Anpfiff zum großen verkehrskreisel nahe des Stadions. Nachdem sich dort wieder mal bei „Kod Nas“ mit Balkan-Grillgut gestärkt wurde, wollten wir noch ein Bier im „Contra Pab“ trinken. Offiziell war der Ausschank schon wieder von der Polizei untersagt, aber in dieser Pinte nahm man das Verbot nicht so genau. Wir sollten lediglich mit unserem Bier nicht auf die Terrasse raus. Doch kaum war angestoßen, wollten wir eh schon wieder los. Draußen wurde es nämlich unruhig, der Marsch einer Partizan-Gruppe kündigte sich an.

Cevapi von Kod Nas

Weil ich es nicht über das Herz brachte ein halbes Bier zurückzulassen, kam ich erst 30 Sekunden nach meinen drei Freunde aus dem Lokal und wurde nicht mehr durch die Polizeikette gelassen. Mehr noch, ich wurde mit Nachdruck wieder in den „Contra Pab“ gebeten. Nun musste ich erstmal den Marsch der Gästefans abwarten und zu allem Überfluss durfte ich nicht mal raus auf die Terrasse (wo die Bedienungen nach einer Polizeiaufforderung hektisch alle Flaschen und Aschenbecher abräumten), um mir das Spektakel anzuschauen. Ich hörte lediglich Schlachtrufe und viele Kanonenschläge. Tja, die Letzten beißen die Hunde.

Policija am Kreisel

Nach rund 15 Minuten wurde die Straße zum Stadion wieder freigegeben und ich konnte mich mit meinen Freunden hinter der Nordkurve wiedervereinigen. Heute hatten wir Karten à 1.300 RSD (ca. 11€) für die Osttribüne (Gegengerade). Von dort erhofften wir uns einen guten Blick auf Zvezdas Nordkurve, sowie auf zwei der drei großen Partizan-Fraktionen im Süden. Von der Haupttribüne hat man die „Grobari“ (die Totengräber) im Zentrum der Südkurve und die „Zabranjeni“ (die Verbotenen) in der Südostecke gut im Blick, während man von der Gegengerade neben den „Grobari“ auch die „Partizanovci“ in der Südwestecke gut sehen kann.

Zeitig im Stadion

Im März saßen wir bekanntlich auf der Haupttribüne, daher war die Gegengerade jetzt ein interessanter Perspektivwechsel. Warum Partizans Szene sich in drei verfeindete Gruppen gespalten hat, kann übrigens auch im März-Bericht nachgelesen werden. Mit einer Wiederholung der dort geschilderten Hintergründe will ich meine Stammleser nicht langweilen.

Zuschauerzuspruch eher mäßig

Beschäftigen wir uns lieber mit dem heutigen Derby. Rund 20.000 Zuschauer hatten den Weg ins Stadion „Rajko Mitic“ gefunden und davon dürfte rund ein Drittel Partizan die Daumen gedrückt haben. Es gab die erwähnten drei Fanblöcke und noch eine mutmaßlich unorganisierte Gruppe auf der Gegengerade (also in unserer direkten Nachbarschaft). Bei den Fans des Roten Sterns existiert dagegen weiterhin eine vereinte Fankurve unter dem Dach der Gruppe „Delije“.

Nicht jugendfreie Choreo zu Spielbeginn

In jener Heimkurve gab es heute zu Spielbeginn wieder eine Choreographie zu sehen. Auf rot-weißem Grund wurde ein Monolog aus dem jugoslawischen Film „U raljama života“ (in etwa auf deutsch: In den Klauen des Lebens) von 1984 zitiert. Nicht ohne Grund gab es dazu noch ein Warnschild „18+“. Denn in dem alles andere als jugendfreien Zitat wurde Partizan nun vermittelt, dass sie die nächsten zwei Stunden gefickt werden.

Der Sektor der Grobari

Tja, die Mannschaft mit dem Roten Stern auf der Brust hatte leider andere Pläne und kam trotz Bestbesetzung heute nicht richtig aus dem Knick. Partizan konnte dagegen die erste Torchance des Spiels gleich zur Führung nutzen. In der 14.Minute zappelte ein Kopfball von Bojan Ostojic im Netz. 0:1! Das Tor wurde natürlich in der Gästekurve ekstatisch gefeiert und im Sektor der „Partizanovci“ gingen etliche Fackeln an, die teilweise auf dem Platz entsorgt wurden.

Die Partizanovci feiern das 0:1

Eine schnelle Antwort blieb aus, denn Milan Pavkov ließ zwei gute Gelegenheiten zum Ausgleich in der 20. und 21.Minute ungenutzt. Kurz danach war dann wieder das Tribünengeschehen interessanter als Gekicke auf dem Rasen. Da Partizan-Legende Saša Ilić seine Spielerkarierre beendet (im Alter von 41 Jahren), gab es in der 22.Minute eine Nr.22 aus Bengalischen Lichtern im Sektor der „Grobari“. Schicke Aktion, zumal die Fackeln im Laufe der Brenndauer ihre Leuchtfarbe veränderten.

Pyro in der 22.Minute

Kurz danach hätten die Partizani beinahe erneut jubeln dürfen. Denn in der 32.Minute musste Zvezda-Tormann Borjan einen Bombenschuss von Đorđe Ivanović mit den Fingerspitzen entschärfen. Anschließend klang die 1.Halbzeit chancenarm aus, während die „Grobari“ um die 40.Minute rum noch ein provokantes Banner am Zaun befestigten. Darauf sah man im Stile eines alten Fairplay-Logos zwei Zvezda-Spieler Arm in Arm mit einem Schiedsrichter. Da beiden Clubs ein guter Draht zur Verbandsspitze (und zu politischen Kreisen) nachgesagt wird, zündete der Subtext nicht so richtig. Zumal es diese Saison keinen Schiedsrichterbeistand für die souveräne Meisterschaft von Zvezda und den Einzug ins Pokalfinale brauchte.

Zu Ehren von Clublegende Saša Ilić #22

Der Rote Stern stellt zur Zeit für die hiesige Konkurrenz einfach ein fast unschlagbares Ensemble. Blöd, dass Marin, Pavkov, Ben und Co heute alle einen Tag zum Vergessen hatten. Dementsprechend ging es verdient mit Rückstand in die Pause und die Wettscheine meiner im Vorfeld optimistischen Freunde drohten wertlos zu werden.

Die Zabranjeni nölen über den 3.Stern…

Der Beginn der zweiten Halbzeit stand dann auf Gästefanseite ganz im Zeichen des dritten Meistersterns von Zvezda und die Kontroverse um den nachträglich anerkannten Meistertitel von 1946, der diesen dritten Stern kurzfristig schon diesen Sommer ermöglichte (dieses Medium berichtete ausführlich).

…und fackeln ein bißchen

Während bei den „Grobari“ und den „Zabranjeni“ jeweils nur ein bissiges Spruchband gezeigt wurde, griffen die „Partizanovci“ das Thema in größerem Stil auf. Sie hatten eine Blockfahne mit dem Wappen von Roter Stern gepinselt und fügten alsbald ein Banner mit drei Meistersternen hinzu. Außerdem hatten sie eine ganze Tapetenrolle zu Spruchbändern verarbeitet.

Verleihung des 4.Meistersterns

Der Inhalt ihres visuellen Vortrages: Wenn Roter Stern 1946 Meister geworden ist, so kann man ihnen auch den Titel von SK Jugoslavija (inoffizieller Vorgängerverein von FK Crvena zvezda) anno 1924 zusprechen. Außerdem unter anderem eine Regionalmeisterschaft von Zvezdas „Farmteam“ FK Grafičar, einen Publikumspreis des populären Musikers Dragan Kojić „Keba“ (bekennender Fan von Zvezda), einen US-Open-Titel von Novak Đoković (ebenfalls bekennender Fan von Zvezda), einen Titel für die Schlacht auf dem Amselfeld 1389 und einen „Super Bowl“.

Zvezda fackelt zu Beginn der 2.Halbzeit

Insgesamt kam die Aufzählung auf zehn weitere Titel für den FK Crvena zvezda und dem Wappen im Block wurde „feierlich“ ein vierter Stern hinzufügt. Eine kreative Aktion, die einen doch schmunzeln ließ. Sie war allerdings vom Adressaten nur schwer zu erkennen, da in der Heimkurve parallel in großem Stil gefackelt wurde und sich ein üppiger Rauchschleier über den Rasen und die Ränge legte.

The Fog

Das Pyrospektakel der Heimseite sorgte nun auch erstmal für eine kurze Spielunterbrechung. Als sich der Nebel legte, sahen wir ein weiterhin schwaches Fußballspiel. Der FK Partizan war dabei der Einäugige unter den Blinden und ließ gegen ideenlos angreifende Gegner wenig zu. Auch Zvezdas drei Wechsel im Laufe der 2.Halbzeit brachten keine Belebung ihres Offensivspiels. Ging der der erste Durchgang wenigstens noch als mäßig interessantes Fußballspiel durch, war es nun ein echter Grottenkick.

Pyro on the pitch

Wie gut, dass auf den Rängen weiterhin eine ordentlich Show geboten wurde. Um die 60.Minute rum zündeten die „Grobari“ nochmal im großen Umfang und in der Nordkurve, bei „Delije“, brannte es eigentlich permanent. Irgendwo riss immer mal jemand ein oder zwei Fackeln an. Dazu war es natürlich auch akustisch von beiden Seiten ein guter Auftritt, bei dem mit gegenseitigen Provokationen nicht gegeizt wurde. Außerdem wurde es kurz vor Abpfiff auf Gästeseite schon sehr emotional, als Saša Ilić nochmal für sein letztes Mal im Partizan-Dress eingewechselt wurde.

Es brennt bei den Totengräbern

Am Ende hieß der sportlich verdiente Sieger dieser Partie FK Partizan und nachdem auf der eilig aufgestellten Bühne der Pokal überreicht war (inklusive Feuerwerk und Lametta wie üblich), liefen die Akteure mit ihrer frisch errungenen Trophäe (siebter Pokalsieg in Serie!) in die Kurve. Sie ließen sich gleichermaßen von ihren drei untereinander verfeindeten Fanlagern feiern und zumindest in den Sektor der „Grobari“ wanderte der Pokal zwischenzeitlich als freundliche Leihgabe.

In der Nordkurve…

Sah so aus, als wenn die bisher verkorkste Saison doch ein versöhnliches Ende für den einstigen Armeesportklub und seinen Anhang gefunden hatte. Bei Zvezda wurde übrigens ebenso die Mannschaft in der Kurve gefeiert. Klar, ein Double und überhaupt der erste Pokalsieg seit 2012 wäre toll gewesen, aber dennoch war das heute der Schlusspunkt der vielleicht erfolgreichsten Spielzeit seit 1991.

…hat’s permanent gelodert

Rund 30 Minuten nach Abpfiff räumten wir schließlich unsere Plätze im Stadion „Rajko Mitic“ und sehnten uns nach einem gemütlichen und kulinarischen Abendausklang (TOP 4). Das im September 2017 bereits für gut befundene Restaurant „Trešnjin hlad“ bekam aufgrund der Stadionnähe den Zuschlag. Zu den Klängen traditioneller Musik gab es würziges Pljeskavica und erfrischedes Pivo. Da dort alles so lecker ist, ärgerte ich mich doch sehr, dass ich zu wenig Appetit für Vorspeisen, Brot o.ä. mitgebracht hatte. Dafür reichten die knapp 1.000 Dinar, die ich noch bar hatte, perfekt für meinen Anteil an der Gesamtrechnung.

Abendessen im Restaurant Trešnjin hlad

Allgemeine Devisenknappheit führte beim Aufbruch gegen Mitternacht auch zum Verzicht auf ein Taxi. Knappe 3.000 Meter waren es bis zum Hotel, da kann man auch mal einen schönen Abendspaziergang machen. Während Ole und ich am Ziel sofort schlafen gingen (am kommenden Morgen würden wir früh nach Zagreb weiterreisen), ließ sich Fat Lo vom anonymen Balkantouristen noch zu einem Abstecher bei „Balkan Bet“ überreden. Es sollte nicht zu seinem Nachteil sein, machte er doch am Spielautomaten aus seinen letzten 100 Dinar nochmal 1.000 Dinar. Lucky Lo hatte wieder einmal zugeschlagen!

P.S.: Der FK Inđija steigt nach einem 0:2 im Relegationsrückspiel in Vranje in die Super Liga auf. Herzlichen Glückwunsch!