Zagreb (Agram) 05/2019

26.05.2019
GNK Dinamo Zagreb – HNK Hajduk Split 3:1
1.HNL (I)
Stadion Maksimir (Att: 15.433)

Am Freitag den 24.Mai wurde die Balkanreise nach Zagreb fortgesetzt. Da der günstigste Privattransfer 200€ (also 66,66€ pro Person) kosten sollte, mussten Fat Lo, Ole und ich wohl oder übel auf einen Fernbus zurückgreifen (vom anonymen Balkantouristen trennten sich heute leider unsere Wege). Das Busticket schlug lediglich mit je 30€ zu Buche und die Fahrt sollte auf dem Papier auch nur 5,5 Stunden dauern. Außerdem handelte es sich mit „Niš Ekspres“ um ein mehrfach erprobtes und für gut befundenes ausführendes Unternehmen. Als dann auch noch Fat Lo seinen gestrigen Glücksspielgewinn in Frühstück für alle investierte (Burek und Sesamringe), konnte es um 7:30 Uhr frohen Mutes gen Kroatien gehen.

Serbische Panflöte

Die Grenze war bereits nach 90 Minuten erreicht und nachdem die dortigen Formalitäten eine halbe Stunde in Anspruch genommen hatten, ging es auf der ehemaligen „Straße der Brüderlichkeit und Einheit“ binnen drei weiteren Stunden in die Hauptstadt Kroatiens. Wir hatten uns unweit des Busbahnhofs im Hostel „My Way“ einquartiert (105€ pro Zimmer für drei Nächte). Die gebuchten Privatzimmer mit eigenem Bad waren nett und hatten jeweils einen Musiker als Paten. Ich lag im Elvis-Presley-Zimmer, während Fat Lo und Ole sich das Frank-Sinatra-Zimmer teilten.

Der amerikanische Ted Herold

Die ins Hostel integrierte Pizzeria „Kascheta“ durfte sogleich das Knurren in unseren Mägen in Wohlgefallen auflösen. Hier kosteten große Biere oder Radler umgerechnet 2€ und wirklich leckere und große Steinofenpizzen gab es für 6 bis 9€. Ich hatte die „Black Piggy“ mit Pancetta, Knoblauch und Salami vom schwarzem Schwein. Ole, der sich langsam wieder minimal gesünder ernähren wollte (und das auch sollte :-)), entschied sich für eine Thunfischpizza und Fat Lo hatte die “Peppone“ mit Schinken, Champignons, Pancetta, Knoblauch und sehr scharfen Jalapeños. Da wir eine florierende Tauschbörse für Pizzastücke betrieben, kann ich für alle drei Pizzen Bestnoten verteilen. Dass es auch noch 10% Rabatt für Hostelgäste gab, machte die Sache nicht schlechter.

Black Piggy

Um die aufgenommene Energie gleich sinnvoll einzusetzen, ging es nach dem Mittagessen auf die erste Erkundungstour durch Zagreb. Da sich unsere Unterkunft in der Unterstadt befand („Donji Grad“), fingen wir logischerweise dort an. Jene Unterstadt bekam ihr heutiges Gesicht ab Mitte des 19.Jahrhunderts. Zahlreiche repräsentative Bauwerke aus den Epochen des Historismus und des Jugendstils prägen dort das Stadtbild. Man merkt optisch schon, dass Zagreb (deutsch: Agram) zu dieser Zeit zum Habsburgerreich Österreich-Ungarn gehörte.

Einer der wenigen Serben, die in Kroatien verehrt werden

Seit 1527 herrschten die Habsburger über große Teile des heutigen Kroatiens und davor bildete das Königreich Kroatien im Mittelalter jahrhundertelang einen Staatsverband mit dem Königreich Ungarn. Bei der Frage warum der Vielvölkerstaat Jugoslawien scheiterte, darf man nicht außen vor lassen, dass die südslawischen Staatsvölker Jugoslawiens jahrhundertelang völlig unterschiedlichen Kulturräumen angehörten. Wenn man bedenkt, dass Deutsche in Ost und West nach 30 Jahren Wiedervereinigung immer noch fremdeln, aufgrund von 40 Jahren Teilung in verschiedenen Kulturräumen, dürften die Auswirkungen von grob 400 Jahren Teilung in christliches Habsburgerreich und muslimisches Osmanisches Reich nicht wundern.

Das Nationaltheater von 1895

Der Kampf der Habsburger und Osmanen um den Balkan führte überigens auch dazu, dass im Spätmittelalter gezielt orthodoxe Serben im römisch-katholischen Kroatien angesiedelt wurden. Sie kamen vorwiegend aus dem Kosovo, Serbiens Wiege der Nation, welche nun unter osmanischer Herrschaft stand. Als Wehrbauern sicherten sie die so genannte Militärgrenze in Kroatien und Slawonien gegen die Osmanen. Der ethnische Konflikt zwischen den Kroaten und den ca. 600.000 serbischen Nachfahren dieser treuen Wehrbauern, war einer Gründe für den Kriegsausbruch 1991. Aber das nur am Rande… (ausführlicher kann man es im Sarajevo-Bericht nachlesen)

Fontäne im Grünen Hufeisen und die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste

Von dem Krieg, der von 1991 bis 1995 vorwiegend in Ostslawonien und der Krajina tobte, hat Zagreb glücklicherweise wenig abbekommen, so dass die Stadt sich als narbenfreie europäische Hauptstadt präsentieren kann. Ost- oder südosteuropäisch wirkt Zagreb dagegen auf den ersten Blick nicht. In Kroatien (und Slowenien) ist es außerdem populär, sich geographisch nicht zur Balkanregion zu zählen, sondern sich als Teil Mitteleuropas zu sehen. Die römisch-katholischen Kroaten haben, wie auch die Slowenen, nie einen Hehl aus ihrer westlichen Orientierung gemacht und seit 2009 ist Kroatien NATO-Mitglied und seit 2013 in der Europäischen Union. Gleichwohl war wenig von der an diesem Wochenende stattfindenden Europawahl zu bemerken und letztlich nur 29% Wahlbeteiligung sprachen dafür, dass das kroatische Volk nur bedingt aus EU-Verfechtern besteht.

Der Kunstpavillon von 1898

Andererseits war es auch schön, dass kein optischer Wahlkampf im Straßenbild tobte und ein entspanntes Flair herrschte. Bei Temperaturen von 27°C lungerten viele Leute in den Parks des „Zelena potkova“ (Grünes Hufeisen). Mehrere Parkanlagen, gesäumt von wichtigen Bauwerken, verbinden hier hufeisenförmig den Bahnhofsplatz und den Ban-Jelačić-Platz. Hier findet man u.a. die Akademie der Wissenschaften und Künste, den Kunstpavillon, das Staatsarchiv und das Nationaltheater. Alles wirkt architektonisch, wie bereits erwähnt, sehr mitteleuropäisch.

Ein Taubenfreund auf dem Ban-Jelačić-Platz

Am oberen Ende des grünen Hufeisens kommt man schließlich auf den „Trg bana Josipa Jelačića“ (Ban-Jelačić-Platz). Dieser ist seit dem 17.Jahrhundert der zentrale Platz Zagrebs. In seiner Mitte steht das Reiterstandbild von Joseph Jelačić von Bužim (*1801, †1859). Ab 1866 rasselte der bronzene Jelačić hier mit dem Säbel in Richtung Ungarn. Denn 1848 war er es, der als Ban (höchster Fürst) von Kroatien in den Revolutionswirren dieses Jahres die Union mit Ungarn löste und seine Loyalität zum österreichischen Kaiser bekundete (Ungarn wollte sich damals von der Habsburgermonarchie lösen und Kroatien war Teil der ungarischen Reichshälfte). Im Zuge dessen setzte er sich außerdem für eine Vereinigung von Kroatien und Slawonien (ungarische Reichshälfte) mit Istrien und Dalmatien (österreichische Reichshälfte) ein, so dass die kroatischen Regionen innerhalb der Habsburgermonarchie einen geeinten Teilstaat bilden würden.

Joseph Jelačić von Bužim

Zum Lohne seiner kronloyalen Dienste als Feldherr bei der Niederschlagung der bürgerlichen Revolutionen in Österreich-Ungarn 1848/49 (im Vielvölkerstaat brodelte es damals flächendeckend und nicht nur in der ungarischen Reichshälfte), wurde sein territorialer Wunsch vom Kaiser teilweise erfüllt. Ein Großteil der mehrheitlich kroatisch besiedelten Reichsgebiete wurde zum rechtlich privilegierten Kronland Kroatien vereint, womit Jelačić zu einem kroatischen Nationalhelden aufstieg. Acht Jahre nach seinem Tod wurde allerdings vom Kaiser im Zuge des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs von 1867 wieder der geteilte Zustand von 1848 hergestellt. Der Traum von einem geeinten Kroatien musste erneut für viele Jahrzehnte begraben werden.

Das Reiterstandbild und die Einkaufspassage Galerija Mala

Das Reiterstandbild verschwand schließlich im sozialistischen Jugoslawien 1947 auch für viele Dekaden von der Bildfläche (der Herr passte ideologisch nicht), aber 1990 wurde es wieder als nationales Monument aufgestellt (allerdings diesmal in Blickrichtung Adria anstatt Ungarn). So wacht das Abbild von Joseph (Josip) Jelačić nun an seinem Platz über den regen Straßenbahnverkehr. Denn obwohl insgesamt acht Straßen aus allen Himmelsrichtungen in den Platz münden, ist er mittlerweile zur autofreien Zone geworden. Lediglich Straßenbahnen, von denen sich gleich sieben Linien hier treffen, Taxis und Busse dürfen den Platz im Schatten zahlreicher wunderschöner Bauwerke des Klassizismus und des Wiener Sezessionsstils queren. Ergänzt werden die alten Gemäuer des ausgehenden 19.Jahrhunderts dabei von einigen moderneren Geschäftsgebäuden. Denn der Einzelhandel und der Finanzsektor haben an diesem Platz und in seinem näheren Umfeld auch eine Heimat gefunden.

Die Marienstatue auf dem Kaptol-Hügel

Uns führte der Stadtrundgang nun nordöstlich auf den Kaptol-Hügel. Ab dem 11.Jahrhundert entwickelte sich hier eine mittelalterliche Bischofsstadt, die entsprechend von der Kathedrale, dem Bischofspalast und zahlreichen weiteren kirchlichen Bauwerken dominiert wird. Herzstück des Bezirks ist natürlich die Kathedrale des Erzbistums Zagreb (87% der Stadtbevölkerung bekennen sich hier zur römisch-katholischen Kirche), die zugleich ein Wahrzeichen der Stadt und somit ein großer Touristenmagnet ist. Der gotische Kirchenbau aus dem 13.Jahrhundert ist sowohl den beiden ungarischen Heiligen Stephan und Ladilaus, als auch der Himmelfahrt Marias geweiht (vollständiger Name in kroatischer Sprache: „Katedrala Uznesenja Blažene Djevice Marije i svetih Stjepana i Ladislava“).

Das Westwerk der Kathedrale von Zagreb

1880 zerstörte ein verheerendes Erdbeben ein Großteil des Bauwerks und der Wiederaufbau erfolgte im neogotischen Stil. Da die Kathedrale ein nationales Symbol Kroatiens ist, wird sie seit 1990 umfangreich restauriert. Diese Arbeiten dauern weiterhin an, wie ein Baugerüst am rechten Turm des Westwerks verriet. Drinnen ist dagegen alles in einem Topzustand und wer den Türsteher überwinden kann (der Katholizismus ist hier zu konservativ für zu viel Haut), kommt in den Genuss einer prunkvollen, hauptsächlich barocken Innenausstattung.

In der Kathedrale

Vom Kaptol-Hügel zog es uns anschließend zum Nachbarhügel, dem Gradec, auf welchem sich die historische Oberstadt („Gornji Grad“) befindet. Doch zunächst einmal unterquerten wir diesen Hügel durch den 350m langen Grič-Tunnel, der 1943 während des Zweiten Weltkriegs als Schutzraum gebaut wurde. Am westlichen Tunnelende erklommen wir schließlich den Hügel und genossen den Ausblick von der „Strossmayerovo šetalište“ (Strossmayer-Promenade) auf Zagrebs niedriger liegende Stadtteile.

Grič-Tunnel

Wer noch mehr Ausblick haben will, steigt an der Promenade für umgerechnet 2,70€ auf den „Kula Lotrščak“ (Lotrščak-Turm). Dazu waren wir allerdings in Anbetracht der bisher gemachten (Höhen)Meter zu faul. Stattdessen orientierten wir uns zum vielleicht markantesten Wahrzeichen der Stadt. Denn in der Oberstadt befindet sich auch die „Crkva sv. Marka“ (St.-Markus-Kirche). Ihr buntes Dach ziert gerne die Reiseführer über Zagreb oder dient Reisebloggern als Titelbild für ihre Zagreb-Berichte (ich möchte da natürlich keine Ausnahme machen). Wie auch die Kathedrale auf dem Nachbarhügel, hat die St.-Markus-Kirche ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert und bekam im 19.Jahrhundert ein neogotisches „Makeover“.

Auf zur St.-Markus-Kirche

Das Dach ist von 1880 und zeigt das Stadtwappen Zagrebs (weiße Burg auf rotem Grund) und das historische Wappen des dreieinigen Königreiches Dalmatien, Kroatien und Slawonien (das damals gültige Wappen, obwohl Dalmatien, wie erwähnt, 1867 administrativ wieder von Kroatien und Slawonien getrennt wurde). Da in der Kirche gleich eine Trauung stattfinden sollte, war uns ein Blick ins Innere leider nicht vergönnt. Aber drinnen soll alles auch sehr prunkvoll gestaltet sein. Geheiratet haben in der Nachbarschaft von „Sabor“ (dem kroatischen Parlamentsgebäude) und „Banski dvori“ (das Banuspalais, heutiger Regierungssitz) bestimmt nicht Herr Hinz und Frau Kunz. Dagegen sprachen die Limousinen, die vornehmen Hochzeitsgäste und die militärischen Ehren am Kirchenportal.

Nordseite Crkva sv. Marka

Zum Glück mussten die Soldaten nicht von ihren Schußwaffen Gebrauch machen, als mutmaßlich koreanische Touris mit ihren Selfie-Sticks die Kirche stürmen wollten. Man konnte sie mit guten Worten am Stören der Zeremonie hindern. Überhaupt, Koreaner gab es etliche in Zagreb. Eine Recherche ergab, dass eine populäre südkoreanische TV-Serie teilweise in Kroatien gedreht wurde und dies beste Werbung für das kleine, aber wunderschöne Balkanland war. Mittlerweile gibt es sogar Direktflüge von Seoul nach Zagreb und die kroatische Tourismusbranche hat sich bestens auf die Koreaner eingestellt.

Das Banuspalais

Den Markusplatz verließen wir am frühen Abend durch das „Kamenita vrata“ (Steintor). Es ist das letzte erhaltene Stadttor der „Gornji Grad“ und stammt aus dem 13.Jahrhundert. 1731 wütete hier ein großes Feuer und zestörte fast alle Holzgebäude der Oberstadt. Doch angeblich blieb ein am Steintor montierter Holzschrein mit dem Bildnis der Jungfrau Maria unversehrt. Seitdem strömen Gläubige zum Steintor, um vor dem Schrein zu beten und eine Kerze anzuzünden (Betbänke und ein Kerzenpult befinden sich im Torgebäude). So mischen sich nun jeden Tag Touris und Gläubige in dem schmalen Durchgang.

Steintor

Auf der anderen Seite spuckte uns das spirituelle Steintor (quasi das Gegenteil des hannoverschen Pendants) auf der „Tkalčićeva ulica“ aus. Die zwischen den Hügeln Gradec und Kaptol liegende Fußgängerzone beginnt im Süden am Ban-Jelačić-Platz. Die Straße ist eine von Zagrebs beliebtesten Ausgehmeilen und beherbergt unzählige Kneipen, Bars, Bistros und Restaurants. Klar, dass wir hier mal eine Pause einlegten. Immerhin war es schon Abend geworden und Fremdenführer Snepanovic hatte ein straffes Programm mit seinen Begleitern abgerissen.

Die Straße Tkalčićeva

Als Historiker votierte ich natürlich für ein Lokal namens „History“ und unter einem Sonnenschirm durfte jeder mal eine Runde Bier ordern. Die „Tkalčićeva“ entpuppte sich derweil als Zagrebs heimlicher Laufsteg. Kaltes Bier und kroatische Schönheiten lieferten sich nun ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen um unsere Aufmerksamkeit.

Bierpause

Nachdem jeder sich mit 1,5 Litern Bier gestärkt hatte, nahmen wir nochmal einen Spaziergang durch die Unterstadt in der Abendsonne in Angriff. Westlich vom Ban-Jelačić-Platz schlägt das Herz des Einzelhandels und nachdem ein, zwei Besorgungen erledigt waren, stellten wir fest, dass auch die Unterstadt mit etlichen Kneipen gesegnet ist. Wir setzten uns nun vor eine Kneipe namens „Buzz Bar“ und regten mit einem weiteren Krug Gerstensaft unseren Appetit an. Nach diesem bierigen Aperitif suchten wir schließlich das Restaurant „Purger“ für das Abendessen auf.

Abendspaziergang in der Unterstadt

Mit Šopska-Salat und „Miješano meso“ (einem Grillteller) wurde der Hunger für ca. 13,12€ überzeugend bezwungen. Übrigens gab es die Speisekarte, neben Deutsch, Englisch und Italienisch, auch auf Koreanisch übersetzt. Wie gesagt, man hat sich in Zagreb auf die mittlerweile rund 500.000 südkoreanischen Touristen pro Jahr eingestellt, die somit die größte außereuropäische Gästenation stellen.

Miješano meso

Nach dem Essen gab es gegen 22 Uhr noch einen Absacker auf der Terrasse des „Kascheta“. Hier hatten sich auch zwei Dutzend kroatische Teeniemädchen aus dem Hostel eingefunden, die offenbar eine Sportmannschaft bildeten und zu einem Wettkampf in Zagreb waren. Wir attestierten zunächst eine professionelle Einstellung, da kein Alkohol auf den Tischen stand und sie schon um 22:30 Uhr in ihre Schlafsäle verschwanden. Als wir jedoch wenig später auch die Nachtruhe einläuten wollten, kamen sie uns im Flur nochmal entgegen und wirklich jede von ihnen war nun mit einer Flasche Schnaps bewaffnet. Das „Kascheta“ hatte mittlerweile die Schotten dicht gemacht und die Teens tranken, lachten und sangen nun noch stundenlang auf der Terrasse. An Schlaf war zunächst nicht zu denken…

PAN – Pivo auch nachts

Am Samstagmorgen klingelten die Wecker trotzdem um 7:30 Uhr. Ab 8 Uhr hatte ich uns einen Mietwagen bei der kroatischen Autovermietung nebenan gemietet. Ein VW Polo kostete auf ihrer Website für einen Tag mit Vollkasko und zwei eingetragenen Fahrern 70€. Weil weder ein Polo, noch ein gleichwertiges Fahrzeug verfügbar waren, gab es ein kostenloses Upgrade auf einen Opel Grandland X. Ich hasse (selber) Auto fahren und kann mich nicht besonders für Automobile begeistern, aber die Karre überzeugte sogar mich.

Unser Mietwagen

Der Rüsselsheimer SUV hatte ein paar PS unter der Haube und brachte diese mit flotter Beschleunigung auf die Straße. Bei einer fast komplett leeren, schnurgeraden Autobahn in einem Topzustand, sah man das Tempolimit eher als Empfehlung und nachdem das Smartphone mit dem Bordcomputer verbunden war, lief der Song „Getunte Autos“ von Frauenarzt & Mr. Long und das Fahrvergnügen erreichte sein Maximum. Vier Räder die rollen, ein Bass der vibriert…

Die Korana bei Rastoke

Das kurze und mautpflichtige Stück Autobahn unserer Route endete in Karlovac. Dort wechselten wir von der A1 (Autobahn 1) auf die D1 (Nationalstraße 1), womit das Reisetempo wieder rapide sank. Denn da die D1 die gebührenfreie Alternative zur A1 als kroatische Nord-Süd-Verbindung ist, war sie wesentlich höher als die Autobahn frequentiert. Außerdem führt sie kurvenreich durch das Hochland und passiert viele Ortschaften. Dabei weckte besonders Slunj bzw. der Slunjer Ortsteil Rastoke unsere Aufmerksamkeit. Ein malerisches Dorf mit zahlreichen Wasserfällen. Hier wollten wir auf dem Rückweg unbedingt nochmal stoppen.

Das malerische Rastoke

Doch vormittags galt es erstmal so früh wie möglich den Nationalpark „Plitvička jezera“ (Plitvicer Seen) zu erreichen. Nach über zwei Stunden Fahrt waren wir gegen 10:30 Uhr am Parkplatz und 15 Minuten später am Eingang Nr.2 (Nr.1 soll angeblich höher frequentiert sein). Dort teilte man uns mit, dass der Park sein vorläufiges Besuchermaximum erreicht hat und wir ihn erst um 13 Uhr betreten dürfen. Klar, ein Wochenendbesuch war nicht die beste Idee (jedoch auf unserem Trip alternativlos) und die vollen Parkplätze ließen Schlimmes befürchten, aber das kam jetzt in der Nebensaison doch überraschend.

Ein Wasserfall in Rastoke

Na ja, was soll man machen? Also wurden drei Tickets à 13,50€ erworben (zwischen dem 1.Juni und dem 30.September kosten die übrigens stolze 34€) und die zwei Stunden gedachten wir nun in Slunj-Rastoke zu überbrücken. Wurde der Programmpunkt eben vorgezogen. In Rastoke machten wir einen kleinen Spaziergang durch das Dorf mit seinen zahlreichen Wasserfällen und alten Wassermühlen. Der Fluß Slunjčica fällt hier kaskadisch in die Tiefe und das Naturschauspiel wirkt somit wie eine kleinere Ausgabe der Plitvicer Seen.

Das klare Wasser der Plitvicer Seen

Nach dem Zwischenstopp ging es logischweise zurück zum Nationalpark und um 13 Uhr durften wir das Gelände auch tatsächlich betreten. Da das Auto um 20 Uhr wieder in Zagreb abgegeben werden musste, hatten wir maximal 4,5 Stunden und konnten nicht die ganz große Tour machen. Wir mussten uns entweder auf die oberen oder die unteren Seen beschränken und entschieden uns für Ersteres.

Galovac-See

Wir fuhren nun mit dem E-Bus hinauf zum See Batinovac, der am vierthöchsten gelegene der insgesamt 16 Seen. Über mehrere kleinere Seen, über die teilweise Stege führen, ging es hinunter zum Galovac. Das ist der drittgrößte See bei diesem Naturschauspiel. Er liegt ziemlich zentral und sowohl sein Zufluss, als auch sein Abfluss wird durch besonders schöne Wasserfälle gewährleistet. Nebenbei bemerkt; insgesamt überwindet das Wasser an den Plitvicer Seen 133 Höhenmeter (von 636 auf 503 Meter ü. NN).

Der beeindruckenste Wasserfall am Galovac (Höhe: 25 Meter)

Einem breiten Publikum wurde diese Perle der Natur, die zugleich seit 1949 Nationalpark ist, übrigens durch die Winnetou-Filme bekannt. Einige davon wurden hier in der Region gedreht und beim erfolgreichsten Film der Reihe, dem „Schatz im Silbersee“, mimte der Kaluđerovac-See den Silbersee. Das ist allerdings einer der vier unteren Seen, so dass wir ihn heute nicht zu Gesicht bekamen. Die Schlussszene des Films wurde jedoch an den Wasserfällen des Galovac-Sees gedreht, die wir heute passierten.

Eine Perle der Natur

Leider war der Park sehr voll, was das Vergnügen etwas trübte. Teilweise stand man sich mit großen Besuchergruppen, u.a. natürlich den obligatorischen Koreaner-Mobs, auf den Füßen oder musste im Schneckentempo über die Stege spazieren. Aber so ist das halt bei so einem weltweit nahezu einzigartigen Naturwunder. Nachdem die Winnetou-Filme in den 1960er Jahren einen ersten internationalen Touristenboom an den Plitvicer Seen auslösten, adelte die UNESCO die Seenplatte 1979 als Welterbe und die Besucherzahlen stiegen Jahr für Jahr weiter an. Erst der Bürgerkrieg von 1991 bis 1995 unterbrach das ständige Wachstum im Tourismussektor jäh.

Wunderschöne Symmetrie

Krieg tobte hier von 1991 bis 1995, weil die Region zur Zeit der Habsburgerherrschaft zur bereits erwähnten Militärgrenze gehörte. Die Grenze zu Bosnien- Herzegowina und somit die frühere Grenze zum Osmanischen Reich, ist nur ca. 10km Luftlinie von den Plitvicer Seen entfernt. Dieser Umstand führte dazu, dass hier seit dem Spätmittelalter viele Serben lebten (die einstigen serbisch-orthodoxen Wehrbauern). Da die Serben nicht Teil der 1991 ausgerufenen Republik Kroatien sein wollten, brachen in der Region tödliche Kämpfe zwischen serbischen Seperatisten und kroatischen Verbänden aus.

Überall plätschert es im Nationalpark

Die Plitvicer Seen waren fortan bis 1995 ein Teil der „Republika Srpska Krajina“ (die Serbenrepublik innerhalb Kroatiens Grenzen), ehe die Kroaten das Kriegsglück mit westlicher Unterstützung wenden konnten und das Gebiet wieder unter kroatische Kontrolle kam. Nachdem 1991 zunächst ein Großteil der kroatischen Bevölkerung vertrieben wurde, erlitten nun die Serben dieses Leid. Dazu waren Teile des Nationalparks zerstört und das Gelände stark vermint. Die kroatische Regierung begann jedoch sofort umfangreiche Minenräumungsarbeiten, um den Nationalpark alsbald wieder für Besucher öffnen zu können.

Über 16 Seen wandert das Wasser in Kaskaden

Der Tourismus lief schnell wieder an und mittlerweile kommen deutlich über eine Million Besucher pro Jahr in den Nationalpark (in der Hauptsaison über 10.000 pro Tag). Heute war es wahrscheinlich eine mittlere vierstellige Besucherzahl und trotzdem war es uns zuviel Andrang. Da Experten den Park am Limit sehen, gibt es nun anscheinend die Kontingentierung, die auch am heutigen Vormittag griff, sowie horrende Eintrittspreise in der Hauptsaison.

Schicker Einzelgänger am Galovac

Unsere kleine, aber höhepunktreiche Tour hatten wir nach rund 2,5 Stunden bewältigt. Weil der ungebrochene Menschenandrang nervte und es zu regnen begonnen hatte, beschlossen wir nun den Park vorzeitig zu verlassen. Eine weitere Tour machen wir lieber ein anderes Mal. Dann wieder in der Nebensaison, aber unter der Woche und mit Tickets im dieses Jahr eingeführten Online-Vorverkauf. Da werden die unteren Seen nachgeholt, die auch den mit Abstand größten Wasserfall (78m) besitzen und vielleicht noch Pfade abseits der Tourimassen eingeschlagen. Denn die ganzen Tagesausflügler und Reisegruppen schauen sich nur die Höhepunkte der oberen und unteren Seen an, während der Park noch tolle abseitige Routen in nahezu unberührter Natur bieten soll. Dort leben übrigens auch u.a. Braunbären und Wölfe.

Auch ausgedehnte Wälder hat der Nationalpark zu bieten

Die gewonnene Zeit beschlossen wir jetzt einem verspäteten Mittagessen bzw. vorgezogenen Abendessen zu widmen. Es gab an der D1 viele Gasthöfe auf deren Schildern knusprige Spanferkel den potentiellen Gast anlächelten (teilweise übrigens auch Schilder auf Koreanisch). Den Zuschlag bekam schließlich das Restaurant „Pino“ in Gornji Nikšić. Für ungefähr 13€ gab es für mich 350 Gramm Spanferkel, sowie diverse weitere Grillspezialitäten und Beilagen. Sieht auf dem Bild vielleicht nach weniger aus, als es wirklich war. Am Ende war jedenfalls jeder pappsatt.

Meine Grillteller

Den Rest der Rückfahrt fühlte man sich demenstprechend arg träge und nachdem die Karre kurz vor 20 Uhr abgegeben war, wirkte das Bett verlockend. Doch wir hatten auf dieser Reise noch nicht einmal einen über den Durst getrunken und heute war die beste Gelegenheit, um ein bißchen am Nachtleben der kroatischen Hauptstadt zu schnuppern. Uns war gestern auf dem Heimweg ein netter Biergarten mit Live-Musik aufgefallen, den wir nun als erstes ansteuerten.

Die Unterstadt am Abend

Leider gab es heute auf dem Außengelände des „The Beertija“ nur Musik von Tonträgern. Aber man kann nicht alles haben. Dafür haben wir uns mit zig Getränkerunden zugekachelt. Erst gab es Biere aus der großen Auswahl an Gerstensäften, die man für seine Gäste vorhält. Danach stiegen wir auf Cocktails um und diverse Kurze durften natürlich auch nicht fehlen. Besonders der Honig-Rakija gefiel dabei und bei dem blieben wir im Stile der Cantina-Band aus der Stars-Wars-Parodie von „Family Guy“ hängen. „Wenn ihr irgendwelche Getränkewünsche habt, ruft sie einfach rein!“ „Serviert den selben Schnaps nochmal.“ „Okay, den selben Schnaps nochmal, los geht’s!“

Cocktails und Kurze

Ab Mitternacht drangen schließlich Technobeats auf das Gelände. Der Urheber konnte im Keller des Nachbargebäudes lokalisiert werden und so ging es noch in den Club namens „KLUB.“. Dort brachten die DJs eine kleine, aber motivierte „Crowd“ zum Abzappeln. Techno-Jünger Fat Lo gefiel es da natürlich bombig, doch Ole und ich wollten nicht bis zum Morgengrauen durchfeiern. Der Kompromiss lautete schließlich Feierei bis 3 Uhr und da der Pegel durch etliche Gin-Tonics weiter gestiegen war, war das eine gute Entscheidung.

Untergrundklub

Am Sonntagvormittag hatte ich auf dieser Balkantour endlich mal einen Ansatz von Kater. Als ich um 12 Uhr aufwachte, hätte ich übrigens ursprünglich schon seit fünf Stunden im Zug gegessen. Ich hatte mir bei der Reisebuchung ein schönes 1.Klasse-Ticket für 99€ gekauft, da sich damals für den 27.Mai keine Urlaubsvertretung fand und ich wohl oder übel auf Dinamo gegen Hajduk als samstägliche Ansetzung hoffen musste. Zum Glück fand ich nach der Terminierung auf Sonntag doch eine kurzfristige Möglichkeit zur Dienstplanänderung und konnte mir Montag freinehmen. Leider war mein Sonderpreis-Zugticket nicht stornier- oder umbuchbar, aber immerhin konnte ich für die neu benötigte Rückreise einen Prämienflug mit meinen Bonusmeilen bei Eurowings buchen. Ebenso war es kein Problem das Elvis-Zimmer nochmal eine Nacht länger zu belegen.

Pizza gegen Kater

Da auch meine Freunde über etwas Kopfweh klagten und der Körper viele Nährstoffe verloren hatte, gab es erstmal wieder Pizzen im „Kascheta“. Diesmal hatte ich eine mit Hackfleisch (gewürzt wie Ćevapčići), Pancetta, roten Zwiebeln und Knoblauch, während Ole heute die „Black Piggy“ wählte und Fat Lo eine „Capricciosa“ verspeiste. Danach konnten wir zwar immer noch keine Bäume ausreißen, aber wenigstens zu welchen aufbrechen, um uns im Grünen Hufeisen für ein Stündchen in ihren Schatten zu legen.

Parkpavillon im Grünen Hufeisen

Danach reichte die Kraft für einen weiteren Stadtrundgang, wo allerdings nichts wirklich Neues im gegenüber Freitag angesteuert wurde. Eine Aufzählung erspare ich mir daher an dieser Stelle. Unterbrochen wurde die neuerliche Touritour von einer Eiscremepause in der „Tkalčićeva ulica“ und einer Kaffeepause in der Nähe der Kathedrale. Gegen 17:30 Uhr brachen wir schließlich mit einem über Uber organisierten Taxler zum ungefähr 3km vom Zentrum entfernten Stadion Maksimir auf.

Eiszeit in Zagreb

Am Stadion herrschte reger Andrang, aber nach 20 Minuten hatten wir unsere Haupttribünentickets à 70 Kuna (ca. 9,50€) in den Händen. Wir teilten uns das Stadion heute mit mehr als 15.000 weiteren Zuschauern, wovon über 2.000 der Gastmannschaft aus Split die Daumen drückten. Für hiesige Verhältnisse ein sehr hoher Zuschauerzuspruch. Aber klar, es war der letzte Spieltag und Dinamo stand als Meister fest. Außerdem zieht der ewige Rivale von der dalmatinischen Küste immer noch am besten. Auch wenn man zur Zeit sportlich nicht auf Augenhöhe ist und Dinamo mit 27 Punkten Vorsprung auf Hajduk in die Partie ging.

Ankunft am Stadion

Zu Spielbeginn hielten die beiden Fanblöcke sich optisch noch zurück, doch auf der Haupttribüne und der Gegengerade wurden fleißig vorab verteilte Meisterfähnchen des Vereins geschwenkt. Dazu war der verbale Support von Anfang an beidseitig sehr laut. Außer mit Pyroexzessen, Gewaltbereitschaft und Nationalismus (inklusive rassistischen Tendenzen), verbindet man die „Bad Blue Boys“ aus Zagreb (gegründet 1986) und die „Torcida“ aus Split (gegründet 1950) eben auch zurecht mit lautstarker Atmosphäre.

Mural an der Stadionfassade

Gegründet wurde die „Torcida“ übrigens ausgerechnet in Zagreb, als dort studierende Hajduk-Fans sich organisieren wollten und gemeinsam zum entscheidenden jugoslawischen Meisterschaftsspiel nach Split (gegen den FK Crvena zvezda) reisten, um dort im Kollektiv ihren Herzensclub zu unterstützen. Hajduk gewann 2:1 und sicherte sich die erste von insgesamt sieben Meisterschaften im sozialistischen Jugoslawien. Davor wurde der 1911 von kroatischen Studenten im Prager Lokal „U Flecku“ gegründete Verein schon 1927 und 1929 Meister im Königreich Jugoslawien und 1941 und 1945 Meister im faschistischen Kroatien während des 2.Weltkriegs.

Die Gegengerade kurz vor Anpfiff

Weil unabhängige Jugendorganisationen sich in sozialistischen Staaten nicht einfach so bilden können und der „Torcida“ sofort nationalistische Tendenzen unterstellt wurden, lebte die Gruppe die kommenden Jahrzehnte eher informell bzw. als loser Begriff für fanatische Hajduk-Fans weiter. Erst nach Titos Tod 1981 taucht der Name „Torcida“ wieder offenkundig auf. Der harte und gewaltbereite Kern der Fanszene trägt ihn damals wieder, um die Generation von 1950 zu ehren. Sie verfolgen in den 1980er Jahren, genau wie auch die 1986 gegründeten „Bad Blue Boys“ vom Erzrivalen Dinamo Zagreb, eine nationalistische Agenda. Beim Fußball wurde damals besonders offen sichtbar, dass die sozialistische Bundesrepublik Jugoslawien zu zerbrechen drohte.

Der Bereich der Bad Blue Boys

Speziell die Spiele von Dinamo oder Hajduk gegen die serbischen Topclubs Crvena zvezda und Partizan, die für die kroatischen Fanatiker sowohl das verhasste Serbien, als auch das sozialistische System repräsentierten, wurden Ende der 1980er Jahre zur politischen Plattform. Die Begegnungen von Dinamo gegen Zvezda (im Mai 1990) und Hajduk gegen Partizan (im September 1990), gingen dabei als fußballerischer Prolog des Bürgerkrieges in die Geschichte ein. Jedenfalls stilisieren die Fangruppen ihre Ausschreitungen bei diesen Spielen zum Volksaufstand und als ab 1991 scharf geschossen wurde, zogen Mitglieder der „Torcida“ und der „Bad Blue Boys“ in Scharen als Freiwillige in den Krieg. Den Opfern aus den eigenen Reihen wird in den Stadien mit entsprechenden Monumenten gedacht.

Gute Stimmung im Stadion Maksimir

Der Kriegsbeginn ist nun schon beinahe drei Dekaden und das Kriegsende fast ein Vierteljahrhundert her und während zur jugoslawischen Zeit Hajduk im internen kroatischen Vergleich die Nase vorne hatte (7:4 in Sachen Meistertitel), wurde Dinamo seit 1991 extrem vom kroatischen Staat und dessen ersten Präsidenten Franjo Tuđman gefördert. Dinamo, das gegen den Willen der „Bad Blue Boys“ von 1993 bis 2000 offiziell Croatia Zagreb hieß, gewann seit Kroatiens Unabhängigkeitserklärung bis dato 20 kroatische Meisterschaften (nach Split gingen ab 1991 nur sechs Meisterpokale).

Die Gästekurve

Auch am heutigen Abend schien der Hauptstadtclub eine Klasse besser zu sein und ging bereits in der 20.Minute durch den Ex-Bremer Izet Hajrovic mit 1:0 in Führung. Für Hajduk ging es noch darum Platz 3 zu verteidigen, so dass sie zu keiner Zeit das Spiel abschenkten. Jedoch blieben all ihre Ausgleichsbemühungen in der 1.Halbzeit fruchtlos.

Der Gästebereich brennt lichterloh

In der 2.Halbzeit sorgte dann ein früher Doppelpack des Ex-Schalkers und Ex-Mainzers Mario Gavranovic (49. und 56.Minute) für die Vorentscheidung. Die Gästefans hielt die mittlerweile gen Null tendierende Wahrscheinlichkeit eines Auswärtssieges natürlich nicht von ihrer großen Pyroshow ab. Nach ungefähr 60 Spielminuten wurde die Kurve in der Abenddämmerung in ein leuchtendes Rot getaucht und etliche Bengalos fanden den Weg in den Innenraum. Dabei verwendeten sie auch einige interessante Pyrofackeln, die im Innenraum wie Feuerwerksraketen explodierten.

Fröhlicher Funkenflug

Das traumhaft schöne Pyrospektakel sorgte natürlich für eine kleine Spielunterbrechung und der Austausch von verbalen Nettigkeiten erreichte zwischen den Lagern seinen Höhepunkt. Immerhin gab es kurz nach der Feuerwerksshow den Anschlusstreffer im Sektor der „Torcida“ zu bejubeln. Hajduk-Urgestein Mijo Caktaš traf in der 68.Minute zum 1:3 aus Gästesicht. Das nun die große Aufholjagd beginnen würde, war jedoch eher unwahrscheinlich.

BBB zündet die Konterattacke

Stattdessen spielte der Meister seinen Stiefel erstmal souverän runter und der wahre Höhepunkt der Schlussphase war der pyrotechnische Konter der „Bad Blue Boys“ nach etwa 75 Spielminuten. Auch die Zagreber Fanatiker hatten ordentlich eingekauft und tauchten ihren Sektor, inklusive den Innenraum, ebenfalls in einen roten Fackelschein. Dabei gab es bei ihnen eine höhere Rauchentwicklung und demenstsprechend eine noch längere Spielunterbrechung (mehrere Minuten).

Rote Leuchtfeuer und dichte Rauchschwaden

Nach der zweiten Pyropause wollte endgültig kein Spielfluss mehr aufkommen und es blieb folgerichtig beim 3:1. Während die Meisterspieler ihre Stadionrunde drehten, wurde eilig eine Bühne errichtet und dort rund 15 Minuten nach Abpfiff feierlich der Meisterpokal überreicht. Dabei blieb es nicht nur beim obligatorischen Bühnenfeuerwerk, sondern ein fantastisches Höhenfeuerwerk am Nachthimmel war ebenso zu bewundern.

Dinamo bekommt die Trophäe

Mindestens fünf Minuten leuchtete der Himmel in bunten Farben und mit immer neuen Fontänen. Da störte auch der einsetzende Regen im unüberdachten Stadion kaum. Diese Show mussten wir von Anfang bis Ende genießen! Hajduk hatte derweil durch die Niederlage seinen 3.Platz an NK Osijek verloren und muss nun bereits eine Runde früher in der EL-Quali einsteigen. Dinamo hat dagegen bewiesen, dass sie in der Post-Mamic-Ära immer noch das Non-Plus-Ultra in Kroatiens Fußball sind (Ex-Präsident Zdravko Mamic und bewegten letzten Jahre bei Dinamo muss ich aus Platzgründen ein anderes Mal aufgreifen).

Höhenfeuerwerk

Nach dem Ende des Feuerwerks gingen wir erstmal ein paar Meter zu Fuß in Richtung Innenstadt. Dann schnappten wir uns irgendwann ein Taxi und ließen uns zum Restaurant „Trnjanka“ südlich des Hauptbahnhofs fahren. Das sollte angeblich bis Mitternacht geöffnet haben, hatte jedoch um 21:45 Uhr schon seine Pforten geschlossen. Vertraue niemals dem Internet!

Noch ein Meisterfoto zum Abschluss

Also ging es mit leerem Magen in die Innenstadt nördlich des Bahnhofs, um auch dort auf Anhieb keine geöffnete Alternative zu finden. Der Kroate (oder Zagreber) geht wohl Sonntagabend nicht mehr spät zum Essen aus. Da nach der unergiebigen Restaurantsuche auch unsere „Kascheta“ bereits dicht gemacht hatte (mittlerweile war es 22:30 Uhr), blieb nur noch der Imbiß um die Ecke als Alternative. Da gab es 10 Ćevapčići im Brot, inklusive Fritten und 0,5l Softdrink, für 35 Kuna (knapp 5€). Dafür, dass die Fleischfingerchen nicht hausgemacht waren, hatten sie dennoch einen annehmbaren Geschmack und machten satt.

10 Fleischfinger

Am Montagmorgen mussten wir bereits um 5:45 Uhr aus der Heier und 30 Minuten später fuhr unser Chauffeur vor, der uns für 96 Kuna (ca. 13,12€) zum knapp 20km entfernten Flughafen brachte. Jener verfügt über ein modernes Terminalgebäude, in welchem heute wenig Betriebsamkeit herrschte. Fix noch eingecheckt und dann ging es durch die Kontrollen und zu einem Bistro im Abflugbereich. Ich hatte noch 70 Kuna und die konnte ich gegen eine große Cola, ein Omelette und eine Portion Fritten eintauschen.

Zagreb Airport

Im Flieger hatte ich bei meinem Meilenflug mit Eurowings (nur etwas über 20€ an Steuern und Gebühren fielen an) einen Premiumplatz zugewiesen bekommen und eine ganze Sitzreihe am Notausgang für mich. 8:15 Uhr hob der A320 ab und eine Stunde später waren wir in Stuttgart. In der Hauptstadt Baden-Württembergs hatten wir noch 90 Minuten Puffer, ehe es für 22,50€ pro Person mit einem ICE nach Hause ging. Da jener Zug Ostberlin als Destination hatte und der VfB Stuttgart heute zum Relegationsrückspiel bei Union antrat, wurden wir noch von ein paar Stuttgarter Zivis gemustert. Allerdings waren wir die einzigen Typen am Bahnsteig, die potentiell nach Fußballszene ausschauten.

Der Zug zurück in den Alltag

Auf der Bahnfahrt war genug Zeit zum ersten Bilanzieren der Tour. Es war einfach wieder der Wahnsinn. Fünf Spiele in drei Ländern – darunter drei Derbys, zwei Meisterfeiern und ein Pokalfinale – sowie tolle Städte, wunderschöne Natur, nette Menschen und grandioses Essen. Der Balkan ist einfach immer eine Reise wert. Ein fantastisches (vorgezogenes) Finale meiner persönlichen Reisesaison 2018/19. Jetzt steht noch eine kurze Auslandsreise über Pfingsten an, ehe „Schneppe Tours“ einen Monat Sommerpause macht.