Gdańsk (Danzig) & Berlin 04/2019

27.04.2019
Lechia Gdańsk – Legia Warszawa 1:3
Ekstraklasa (I)
Arena Gdańsk (Att: 25.000)

Ähnlich wie im Vorjahr, erwischte mich im Frühling wieder ein akutes Polenfieber. Plötzlich wollte ich am liebsten jedes Wochenende östlich von Oder und Neiße rumturnen. Da allerdings fast alle Wochenenden bis Mitte Juni schon verplant waren, gab es vorerst nur nochmal am Wochenende nach Ostern die Möglichkeit für einen Polen-Trip. Gut, geht es halt zwei Wochenenden nacheinander rüber. Die Konstellation war eben günstig.

Etwas, was Hannover 96 bald nicht mehr ist: 1.Klasse

Denn während es die Ansetzungen der Ekstraklasa-Endrunde am Vorwochenende bekanntlich nicht so gut mit mir gemeint haben (dafür gab es immerhin andere interessante Spiele), wurde mir nun eine Traumpartie auf dem Silbertablett serviert. Lechia und Legia, zwei große Rivalen und aktuell Erster und Zweiter in der Tabelle, trafen am Abend des 27.Aprils in Gdańsk (Danzig) aufeinander. Die späte Anstosszeit um 20:30 Uhr ermöglichte mir eine Anreise am Morgen des gleichen Tages (7:22 Uhr startete die Tour am hannoverschen Hauptbahnhof) und am Sonntagmorgen sollte es wieder nach Hause gehen. Kostete mich 150€ in der 1.Klasse. Wenn ich alleine und weit reise, gönne ich mir das bisschen Luxus gern und beim Hotel wurde mit dem Novotel theoretisch auch nicht gegeizt. Praktisch setzte ich jedoch meine Club-Accor-Bonuspunkte für eine fast kostenlose Übernachtung ein.

Umstieg in Berlin

Nach dem ersten Umstieg in Berlin, gab es leider schlechte Nachrichten. Der 1.Klasse-Waggon im EuroCity war defekt und ich musste doch zeitweilig zweitklassig reisen (30€ des Fahrpreises werden dafür erstattet). Nach dem zweiten Umstieg in Gniezno (Gnesen) startete mittags mein letztes Teilstück nach Gdańsk und dieses hatte auch wieder eine Überraschung für mich parat. Der entsprechende InterCity war proppenvoll und ich musste einen anderen Reisenden von meinem reservierten Platz vertreiben.

Kostenlose Aufmerksamkeiten für 1.Klasse-Reisende in Polen

Da war er wieder, der hässliche Deutsche! Ich dachte eigentlich, dass in Polen eine Reservierung im Fernverkehr obligatorisch ist (mindestens in der 1.Klasse). Doch vielleicht irre ich oder der Zug war so voll, weil viele Reisende ursprünglich einen anderen Zug gebucht hatten, es aber zu einem Zugausfall oder verpassten Anschluss kam. Na ja, egal, der Don saß und konnte arbeiten. Mein Bericht aus Ostrava vom Vorwochenende wurde somit fertig und ging am Samstagnachmittag online.

Gdańsk Główny (Danzig Hauptbahnhof)

Kurz nach 16 Uhr war ich schließlich am Ziel und hatte gute vier Stunden bis zum Anpfiff. Zum Hotel musste ich einmal quer durch die Innenstadt (ca. 1.896 Meter) und der Plan war auf dem Weg schon mal einen Teil der Altstadt touristisch abzufrühstücken. Der im Jahre 1900 eröffnete Bahnhof war natürlich die gleich die erste Sehenswürdigkeit. Ich besuchte anschließend den Stockturm aus dem frühen 14.Jahrhundert und schritt durch das Goldene Tor (von 1614) auf die berühmte Danziger Langgasse.

Katownia Gdańska (Stockturm)

Die Langgasse ist die Hauptachse der Altstadt von Gdańsk. Wobei Altstadt nicht ganz korrekt ist, denn dieser Teil des historischen Stadtkerns heisst eigentlich Rechtstadt. Als Altstadt wird dagegen eine ehemalige mittelalterliche Handwerkersiedlung vor der Toren der Rechtstadt bezeichnet. Das sorgt bei Touristen für Irritationen und man kann es natürlich keinem krumm nehmen, wenn er die Rechtstadt als Altstadt bezeichnet. Historisch und städtebaulich erfüllt die Rechtstadt nämlich alle Merkmale einer Altstadt.

Langgasser Tor

Ich erfreute mich nun an den wunderschönen Häuserfassaden in der Langgasse und hätte am liebsten jedem Gebäude ein paar Minuten gewidmet, so fasziniert war ich. Ein buchstabensparender erster Eindruck von Gdańsk: Wow! In den Häusern dieser Straße lebten früher die reichen Kaufleute Danzigs und weitere Mitglieder der städtischen Oberschicht. Die polnischen Restauratoren haben nach dem 2.Weltkrieg zum Glück ganze Arbeit geleistet (90% der hiesigen Gebäude waren 1945 zerstört gewesen), so dass dieses architektonische Erbe der Stadt nicht verloren ging.

Das Rechtstädtische Rathaus und der Artushof

An ihrem östlichen Ende geht die Langgasse in den Langen Markt über. An diesem Platz fand ich das Rechtstädtische Rathaus, den Artushof (einst Treffpunkt der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Oberschicht von Danzig) mitsamt dem Neptunbrunnen davor, sowie weitere reich verzierte Patrizierhäuser. Den Abschluss dieses historischen Markplatzes bildet das beinahe schlossartige Grüne Tor („Brama Zielona“) von 1568. Es ist prachtvoll im Stile des Manierismus erbaut und sollte ursprünglich auch als Residenz für den polnischen König dienen, so denn er Danzig, welches damals als Freie Stadt unter seinem Schutz stand, zu besuchen gedachte.

Artushof und Neptunbrunnen

Ein paar Worte zur Stadtgeschichte muss ich nun natürlich noch verlieren. Die ältesten Siedlungsspuren in dem sumpfigen Gebiet, in welchem die Motława (Mottlau) kurz vor der Ostsee in die Wisła (Weichsel) mündet, werden ins 7.Jahrhundert datiert. Ob jene Spuren auf slawische oder baltische Stämme zurückgehen, ist dabei noch nicht zweifelsfrei geklärt. Im 10.Jahrhundert wurde Pommern, was sich etymologisch vom slawischen „po more“ (dt.: am Meer) ableitet, mitsamt dem Gebiet an der Weichselmündung vom Piastenherzog Mieszko I. erobert (Vgl. mit meinem geschichtlichen Exkurs zu Szczecin / Stettin).

Das Grüne Tor

Nun begann die polnische Geschichte der Stadt und 997 ließen sich die neuen Untertanen der Piastenherzöge im heutigen Gdańsk christlich taufen, was 1997 groß unter dem Titel „1000 Jahre polnisches Gdańsk“ gefeiert wurde. Doch auch schon wenig später finden wir erste deutsche Spuren in der Stadt. 1224 bekam die am heutigen Langen Markt entstandene Siedlung deutscher Kaufleute (die erwähnte Danziger Rechtstadt) von Herzog Swantopolk II. das Stadtrecht nach Lübecker Vorbild verliehen. Im frühen 14.Jahrhundert fassten die Ritter des Deutschen Ordens im Zuge eines Erbfolgestreits Fuß in Danzig und gliederten die Stadt 1308 in ihren Ordensstaat ein.

Am Langen Markt

1361 wurde Danzig außerdem Mitglied der Hanse und entwickelte sich im Zuge dessen zu einer der größten und wichtigsten Handels- und Hafenstadt im Ostseeraum. Von 1454 bis 1793 unterstand die Stadt schließlich unter weitgehender Autonomie der polnischen Krone. Ein Streit der Stadtbewohner mit dem Deutschen Orden war diesem Machtwechsel vorausgegangen. Dem Reichtum der Stadt war das sehr zuträglich und trotz des Machtwechsels manifestierte sich das Deutschtum in der Stadt, so dass Danzig im 17.Jahrhundert zur bevölkerungsreichsten deutschsprachigen Stadt aufstieg, noch vor Wien, Köln und Hamburg.

Die Langgasse

Mit der Zweiten Polnischen Teilung fiel die Freie Stadt an das Königreich Preußen und Danzig blieb, abgesehen von einer franko-polnischen Episode im Rahmen der Napoleonischen Kriege zwischen 1807 und 1813, bis 1919 preußisch (womit sie ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehörte). Außerdem wurde es Hauptstadt der Provinz Westpreußen. Nach dem 1.Weltkrieg lebte, zur Schwächung des Kriegsverlierers Deutschland, die Tradition der „Freien Stadt“ wieder auf. Gegen den Willen der sich ungefähr zu 96% als deutsch definierenden Bevölkerung wurde die Stadt von den Siegermächten unter das Mandat des neugegründeten internationalen Völkerbundes gestellt, wobei auch dem neu entstandenen polnischen Staat gewisse Sonderrechte in der wichtigen Hafenstadt eingeräumt wurden.

Die Danziger Markthalle von 1895

Danzig war nun in der Zwischenkriegszeit einer der großen Konfliktpunkte zwischen Deutschland und Polen, was sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten weiter zuspitzte. Zumal die NSDAP in Danzig die demokratischen Senatswahlen von 1933 mit absoluter Mehrheit gewann und Danziger Nazis die Opposition in den Folgejahren marginalisierten. Schließlich kam es an der hiesigen Westerplatte am Morgen des 1.Septembers 1939 auch zu einer der ersten Kampfhandlungen des 2.Weltkriegs. Die Stadt erlitt nun während der Kriegsjahre schwerste Zerstörungen. Zunächst durch alliierte Luftangriffe und 1945, während der Schlacht um Danzig bzw. Ostpommern, durch die Rote Armee.

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Ein paar der historischen Fassaden in der Langgasse

Nach dem Kriegsende 1945 wurde Danzig im Zuge der von Stalin initiierten polnischen Westverschiebung zu einer polnischen Stadt. Die deutsche Bevölkerung wurde dabei fast vollständig vertrieben und durch zwangsumgesiedelte Polen aus den jetzt sowjetischen Ostgebieten ersetzt. In der Nachkriegszeit wurde die zerstörte Altstadt, wie bereits von mir gewürdigt, weitgehend originalgetreu rekonstruiert und Gdańsk erreichte schnell wieder ihren Status als wichtige Hafen- und Handelsstadt im Ostseeraum.

Heute heisst Danzig offiziell Gdańsk

In den 1980er schaute die Welt abermals auf Gdańsk, als sich aus den Streiks der Gdańsker Werftarbeiter unter Führung von Lech Wałęsa die Gewerkschaft „Solidarność“ (dt.: Solidarität) entwickelte. Diese Bewegung hatte großen Anteil am politischen Wandel in Polen, der die realsozialistische Volksrepublik Polen 1989 zusammenbrechen ließ. Gerade die bewegte Stadtgeschichte im 20.Jahrhundert verdient nochmal besondere Aufmerksamkeit beim nächsten Stadtbesuch.

Rekonstruierte Kornspeicher auf der Speicherinsel

Ich beschäftigte mich jetzt mit dem letzten Teilstück vom Grünen Tor zu meiner heutigen Unterkunft. Dafür musste ich die Motława (Mottlau) überqueren und ließ meinen Blick schon mal das Ufer entlang zu den unzähligen und wunderschönen Kontoren der Stadt schweifen. Nach dem Überqueren des Flusses befand ich mich auf der Speicherinsel (Wyspa Spichrzów). Diese Insel wurde im 16.Jahrhundert ausgehoben und wird von zwei Armen der Motława umströmt. Auf ihr befanden sich die alten Kornspeicher der Stadt. Einige, jedoch nicht längst nicht alle historischen Speicher, wurden rekonstruiert. Ansonsten interpretieren noch diverse Nachkriegsbauten die alte Speicherarchitektur, was auch ganz nett ausschaut.

Das Milchkannentor auf der Speicherinsel

Gegen 17:30 Uhr stand ich schließlich vor dem „Novotel Gdańsk Centrum“, welches gleich neben dem letzten erhaltenen historischen Stadttor der Speicherstadt, dem Milchkannentor („Brama Stągiewna“), zu finden ist. Ich machte mich kurz frisch und außerdem wurde noch der Voucher für einen Begrüßungscocktail eingelöst (Yeah, ich hab Status!). Die Bardame durfte mir einen Irish Coffee mixen, weil ich glaubte, dass dessen Koffein meine Müdigkeit vertreiben würde. Ich bildete mir ein, dass der Plan voll aufging und startete kurz nach 18 Uhr topmotiviert wieder in die Stadt, Richtung Hauptbahnhof. Diesmal wählte ich die „Wasserroute“ an der Motława entlang.

Das Krantor

Dabei passierte ich solch Kleinodien wie das Krantor („Brama Żuraw“) von 1444. Ein Stadttor mit Kranfunktion, welches gemeinhin als das Wahrzeichen der Stadt gilt. Heute ist das Krantor Teil des „Narodowe Muzeum Morskie w Gdańsku“ (Nationales Maritimes Museum in Danzig), dessen Hauptgebäude am gegenüberliegenden Ufer zu finden sind. Zum Museum gehört außerdem der Frachter „Sołdek“. Die „Sołdek“, benannt nach einem verdienten Werftarbeiter, lief 1950 in der „Stocznia Gdańsk“ (Danziger Werft) als erstes polnisches Schiff nach dem 2.Weltkrieg vom Stapel.

Am Ufer der Mottlau

Neben dem Krantor und dem bereits erwähnten Grünen Tor, sind auch die anderen historischen Stadttore der Danziger Rechtstadt am Ufer der Motława sehr sehenswert. Es handelt sich um das Kuhtor („Brama Krowia“), das Johannistor („Brama Świętojańska“), das Frauentor („Brama Mariacka“), das Brotbänkentor („Brama Chlebnicka“) und das Häckertor („Brama Straganiarska“).

Haus der Naturforschenden Gesellschaft (Bildmitte) und das Frauentor (rechts)

Bei meinem weiteren Innenstadtbummel fielen mir auch schon etliche Fans von Lechia auf. Sie hatten die Straßen der Stadt in ihre Clubfarben getaucht und beschallten die Kneipengassen mit Fangesängen. Nachdem ich mir noch die größte Kirche der Stadt, die Marienkirche (von 1343 bis 1502 im Stile der Backsteingotik erbaut), angeschaut hatte, schloss auch ich mich dem grünen Fanstrom zum Hauptbahnhof an und passierte dabei noch die erwähnte namentliche Altstadt, die nördlich an die Rechtstadt anschließt. Sie bietet auch einige historische Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Katharinenkirche, das Altstädtische Rathaus und die Große Mühle.

Die Katharinenkirche aus dem 13.Jahrhundert

Gegen 19:30 Uhr erreichte ich den öffentlichen Verkehrsknoten und nahm wenig später eine der kostenlosen Sonderbahnen zum Stadion. Sechs Minuten dauerte der Transfer und nach dem Ausstieg glänzte das Stadion in wenigen hundert Metern Entfernung. An Bernstein soll die Fassade des EM-Stadions von 2012 erinnern und 43.608 Besucher finden im Inneren einen Platz. Für den Ligaalltag ist das Stadion im hafenwirtschaftlich geprägten Stadtteil Letnica (Lauental) eigentlich überdimensioniert, doch heute, zum Topspiel, wurden wenigstens über 25.000 Besucher erwartet (Zuschauerschnitt inklusive der heutigen Partie: 14.862).

Auf einen glanzvollen Fußballabend!

Gute 30 Minuten vor Anpfiff saß ich auf meinem Premiumplatz und nutzte die Zeit für mein denkbar bescheidenes Abendessen. Da ich nichts von meinem knappen Sightseeingzeitkonto für einen Restaurantbesuch abknapsen wollte, gab es einen Snack im Stadion. Für 15 Złoty (ungefähr 3,50€) wurde ein Zapiekanka und ’ne große Cola im Menü gereicht. Das polnische Baguette dämmte das Hungergefühl ausreichend und ohne knurrenden Magen konnte ich dem aufziehenden Fußballsepktakel meine ganze Aufmerksamkeit widmen.

Zapiekanka

Zu Spielbeginn richteten sich meine Augen unweigerlich zum gut gefühlten Gästeblock. Die Hauptstädter hatten etwas vorbereitet und  eine Blockfahne mit dem Abbild eines Kamikaze hochgezogen. Auf einem großen Banner vor dem Block stand „Stawka większa niż życie“ (in etwa: Der Einsatz ist höher als das eigene Leben). Dazu zahlreiche Fackeln und einen Knallteppich, der nach Trommelfeuer klang. Das war schon mal ein zünftiger Auftakt.

Intro Legia

Die Heimkurve hatte derweil eine schöne Schalparade und machte akustisch gut Alarm. Auch ihr Team startete eindrucksvoll. Der Ex-96er Artur Sobiech konnte in der 2.Spielminute allein auf das Gästetor zulaufen. Er umspielte den herauseilenden Torhüter, doch sein Abschluss wurde von einem Legia-Verteidiger in letzter Sekunde geblockt. Die Gdańsker wollen ein Handspiel gesehen haben und nach vier Minuten Diskussion und Videostudium (auch in Polen gibt es den „Video Assistant Referee“) ging es schließlich mit Schiedsrichterball weiter.

Die Heimkurve zu Spielbeginn

Legias Mannschaft meldete sich in der 11.Minute erstmals zu Wort. Dabei musste der Schlussmann von Lechia einen Fernschuss über das Tor lenken. Nach 12 Minuten begannen derweil die Fans von Legia ihren Zaun zu beflaggen. Die Klassiker „Warriors“, „Teddy Boys ’95“, „Ultras Legia“ etc. erblickten das Stadionflutlicht. Auch ein Banner der Fanfreunde von Olimpia Elbląg hing nun am Gästeblock, während Lechia erwartungsgemäß unterstützenden Besuch aus Wrocław hatte (Lechia Gdańsk und Śląsk Wrocław zählt zu den bekanntesten Fanfreundschaften in Polen).

Kleine „Umziehblockfahne“ bei Legia

Lechia und alle, die es mit ihnen hielten, durften schließlich in der 17.Minute jubeln. Eine tolle Flanke von Konrad Michalak verwertete Lukáš Haraslín mit einem Flugkopfball zum 1:0. Das Stadion bebte und der „Władcy Północy“ (Herrscher des Nordens) begann wahrscheinlich von einem Heimsieg, der den Grundstein für den Meistertitel legen könnte, zu träumen. Leider gelang es den Akteuren Sobiech, Haraslin und Mladenović nicht den Träumen, bei ihren guten Torchancen in der Folgezeit, weitere Nahrung zu schenken.

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Spektakel im Gästebereich

Legia fand im ersten Durchgang dagegen nicht so richtig ins Spiel. Dafür trumpften ihre Fans im Laufe der 1.Halbzeit nochmal auf. Nach ca. 35 Minuten wurden im Gästeblock Fahnen verteilt. Es handelte sich um ungefähr 50 Handschwenker in den Clubfarben Grün-Weiß-Rot. Als das Procedere abgeschlossen war, stieg noch vor der Halbzeitpause hinter der Brüstung des leeren Oberrangblockes eine grüne Rauchwand empor. Außerdem gingen etliche Fackeln im Block an. Das war nochmal eine brutalbeeinbruckende Show. Respekt!

Die Haupttribüne

Die Geschlossenheit bei Legias Support war natürlich ebenso beeindruckend. Jeder gab 100% und niemand war nur zum Posen oder in Ruhe Fußball schauen da. Das würde für dieses Klientel auch nicht lange gut gehen, mutmaße ich mal. In der Lechiakurve ging es übrigens ähnlich geschlossen zu und gelegentlich stieg auch der Rest des Heimpublikums in die Fangesänge ein. Ich konnte also schon nach 45 Minuten einen äußerst stimmungsvollen Fußballabend bilanzieren.

Die Heimkurve zu Beginn der 2.Halbzeit

Zu Beginn der 2.Halbzeit schien Legia endlich besser ins Spiel zu finden.  Zunächst wurden zwei gefährliche Legia-Angriffe im letzten Moment vom Lechia-Schlussmann Dusan Kuciak entschärft. In der 61. Minute wagte dann Paweł Stolarski einen Torschuss aus 16 Metern. Der Ball wurde anscheinend noch abgefälscht und erwischte Kuciak auf dem falschen Fuß. Der Ausgleich nach einer guten Stunde! Der Gästeblock war entsprechend aus dem Häuschen. Dieses Tor gab den Hauptstädtern Auftrieb und in der 80.Minute war das Spiel vorläufig gedreht. Nach einem schönen Solo sah Legias Sebastian Szymański im Strafraum den bester postierten Mitspieler Kasper Hämäläinen und der Finne schob cool zum 1:2 ein. Im Freudentaumel entledigten sich nun fast alle Gästefans ihrer Shirts.

Oberkörperfrei

Diese Halbzeit lief bisher so gut für Legia, dass ich in den letzten 10 Minuten kein Geld mehr auf die Gastgeber gesetzt hätte. Doch die Fans standen natürlich weiterhin wie eine Eins hinter ihrem Team und versuchten den Funken kurz nach dem 1:2 nochmal mit ordentlich Pyrotechnik überspringen zu lassen. Dazu gab es zum Aufwecken noch ein paar ohrenbetäubende Böller aus lokaler Produktion. Sah auch ganz nett aus, konnte Legias Show jedoch nicht in den Schatten stellen.

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Auch Lechia ließ es lodern

Lechia versuchte die letzten 10 Minuten natürlich nochmal was auf dem Platz, doch der amtierende Meister bekam ihre Angriffsbemühungen gut unter Kontrolle und konterte gefährlich. Als Błażej Augustyn in der 90.Minute einen dieser Konter per Foul stoppte und mit Gelb-Rot runter musste, dürften auch die größten Gdańsker Optimisten einen Punktgewinn abgeschrieben haben. Stattdessen setzte Legia in der Nachspielzeit den Schlusspunkt mit einem Treffer zum 1:3 durch Iuri Medeiros (90+3.Minute). Der Torschütze war übrigens einer von sechs Portugiesen auf dem heutigen Spielberichtsbogen (zwei bei Lechia und vier bei Legia).

Blick ins Rund

Mit dem heutigen Auswärtssieg hat der 1916 gegründete Fußballclub Legia einen wichtigen Schritt in Richtung 14.Meistertitel gemacht. In diesem Falle hätte Polen fortan mit Ruch Chorzów, Górnik Zabrze und Legia Warszawa drei Rekordmeister. Mittelfristig würden sich die Hauptstädter wohl mit einem 15.Meistertitel den alleinigen Platz auf dem Thron sichern, da Górnik und Ruch gerade schwere bis sehr schwere Zeiten durchmachen. Doch noch ist die aktuelle Meisterschaft nicht entschieden. Lechia liegt nun zwar drei Punkte hinter Legia und der Trend spricht gegen sie (drei Niederlagen in den letzten vier Ekstraklasapartien), aber drei Spieltage sind es ja noch und Legia hat auf dem Papier die schwereren Gegner.

KS Lechia Gdansk

Für Lechia wäre es übrigens der erste Meistertitel überhaupt. Die einzige errungene große Trophäe ist bisher der Polnische Fußballpokal (1983) und die Gdańsker haben nur fünf Tage nach dem heutigen Spiel die große Chance ein zweites Mal im „Puchar Polski“ zu triumphieren. Mit Jagiellonia Białystok wartet allerdings ein anspruchsvoller Gegner im Pokalfinale auf sie (Vizemeister in der Vorsaison und aktuell Tabellenvierter). Schon bald wissen wir, ob Lechias Pokalvitrine diese Saison Zuwachs bekommt. Vielleicht sogar im Doppelpack.

Die massive Marienkirche

Nachdem ich Legias Equipe beim Feiern mit dem Anhang zugeschaut hatte und ebenso notierte, dass sich die geschlagene Heimelf aufmunternden Applaus in der Kurve abholen durfte, verließ ich die Szenerie und nahm die nächstbeste Bahn zum Hauptbahnhof. Der Weg von dort zum Hotel führte mich unweigerlich erneut durch die Altstadt und die Rechtstadt. Es war viel Feiervolk unterwegs und die unzähligen Bars und Clubs wirkten einladend. Auch die ganze Architektur machte im Laternenschein weiterhin eine gute Figur. Im gegen 23:30 Uhr erreichten Hotel fiel ich zwar sofort ins weiche Bett, doch die Ohrwürmer und die optischen Impressionen des großen Fußballabends ließen mich nicht auf der Stelle einschlafen. Ich würde mich wundern, hätte ich nicht von dem Spiel und den eindrucksvollen Fankurven geträumt.

Die Heier

Als der Wecker um 5:00 Uhr klingelte, waren maximal fünf Stunden Schlaf zusammen gekommen. Zum Glück lag alles bereit und nach der Morgentoilette war ich um 5:20 Uhr startklar. 23 Minuten später rollte mein erster Zug des Tages. Weil ich noch etwas Sinnstifterendes mit dem Sonntag anfangen wollte, als nur Bahn zu fahren, verschmähte ich jede spätere Verbindung. Wegen König Fußball nahm ich also schon im Morgengrauen Abschied von Gdańsk und ich hoffe, ich darf schon bald wieder zurückkehren. Die Idee eines Sommerwochenendes in der „Trójmiasto“ (Dreistadt) geistert jedenfalls schon lange in den Köpfen der „Polen-Fraktion“ meiner Reisegruppe rum. Am liebsten dann mit Fußball in Gdynia, Feiern in Gdańsk und einem Tag am Meer in Sopot.

28.04.2019
Berlin United – FC Spandau 06 3:1
Landesliga Berlin, Staffel 2 (VII)
Sportpark Westend (Att: 69)

Doch jetzt lag erstmal eine lange Zugreise vor mir und der Duft von gebratenen Eierspeisen in der Luft. Denn in den polnischen Fernzügen gibt es noch ehrliche Bordrestaurants mit Pfannen auf dem Herd. Darin durfte mir der Koch schön ein paar Eier zu Rührei verarbeiten (serviert mit Schinken, Tomaten, Brot und Butter). Faire 4,50€ kostete der Spaß und für weitere 2€ zauberte die Jura-Maschine mir einen sehr leckeren Cappuccino. Diese Zugrestaurants können zwar nicht gegen die tschechischen Pendants anstinken, wo auch richtig gekocht wird und außerdem alle Tische hübsch eingedeckt sind und die Speisen auf Porzellan serviert werden, aber die DB-Bordgastronomie steckt die polnische Bahn locker in die Tasche.

InterCity-Frühstück

Nach einem Umstieg in Poznań (Posen) erreichte ich die Bundeshauptstadt gegen 12 Uhr mittags. Im Vorfeld konnte ich mich nicht so recht entscheiden, welchen Mist ich schaue (1.FC Union gegen Hamburger SV wäre top gewesen, aber die Kartensituation stufte ich als hoffnungslos ein). SC Union 06, CFC Hertha und Berlin United schafften es in die engere Auswahl. Am Ende setzte sich das Projekt namens United durch. So kann ich in ein paar Jahren sagen, dass ich schon da war, lange bevor sie Champions League gespielt haben.

Posens moderner Hauptbahnhof

Doch zunächst musste es wieder touristisch zugehen. Ganz in der Nähe von Uniteds Stadionübergangslösung (Sportpark Westend), bis der „Super Dome“ steht, findet man das Schloss Charlottenburg. Das Schloss hat Hannover-Bezug, denn Friedrich III., Kurfürst von Brandenburg und ab 1701 erster preußischer König, schenkte dieses Schloss seiner Gemahlin Sophie Charlotte von Hannover (die Einweihungsfete stieg am 11.Juni 1699). Die beiden Blaublüter hatten zwar keine glückliche Ehe und lebten getrennt, aber dennoch schenkte Sophie Charlotte dem Haus Hohenzollern zwei potentielle Thronfolger. Der erstgeborene Friedrich August starb schon nach wenigen Monaten, doch der zweitgeborene Friedrich Wilhelm erreichte ein gesegnetes Alter und ging später als der Soldatenkönig in die preußische Geschichte ein.

Schloss Charlottenburg

Die gute Charlotte starb leider schon 1705, mit nur 36 Jahren. Der Witwer benannte nun ihr zu Ehren das Schloss und das angrenzende Dorf in Charlottenburg um. Für das Schloss war übrigens auch das legendäre Bernsteinzimmer bestimmt, welches, passend zu meinem Wochenendtrip, ab 1706 von den Danziger Bernsteinmeistern Ernst Schacht und Gottfried Turau gefertigt wurde. Allerdings erlebte auch Kurfüst Friedrich III. (bzw. nun König Friedrich I.) die Fertigstellung des Zimmers nicht mehr und der Sohnemann Friedrich Wilhelm ließ das Bernsteinzimmer in das Berliner Stadtschloss einbauen. Dort beeindruckte es den russischen Zaren Peter den Großen bei dessen Visite in Berlin. Weil der Zar für dieses Kunstwerk mehr übrig hatte, als der Soldatenkönig, kam es zu einem Deal zwischen den Monarchen. Das Zimmer wanderte nach Sankt Petersburg ab und im Gegenzug erhielt der preußische König einige russische Soldaten mit Gardemaß für seine „Langen Kerls“.

Unterwegs im Schlossgarten

Wäre das Bernsteinzimmer (oder eine Rekonstruktion davon) im Schloss Charlottenburg zu besichtigen, hätte ich bestimmt ein Ticket für das Innere gelöst. So sparte ich mir – natürlich aus Zeitgründen und nicht aus Geiz – das Eintrittsgeld und genoss in der knappen Stunde, die mir bis zum Fußballspiel noch blieb, nur das Äußere und den kostenlosen Schlossgarten. Der 55 Hektar große Garten ist wirklich sehr schön und neben barocker Gartenkunst gibt es u.a. noch ein Teehaus und ein Mausoleum zu entdecken. Letzteres wurde 1810 als Grabstätte für die populäre preußische Königin Luise errichtet und ihr Marmorsarkophag bekam in der Folgezeit prominente Gesellschaft aus dem Haus Hohenzollern (z.B. von Kaiser Wilhelm I.).

Das Mausoleum im Schlossgarten

Gegen 13:30 Uhr marschierte ich dann vom Charlottenburger Schloss zum nahen Sportpark im Westend. Das Projekt United, einsamer Spitzenreiter der siebtklassigen Berliner Landesliga, lud alle interessierten Fußballfreunde zum kostenlosen Besuch ihres Heimspiels gegen den FC Spandau 06 ein. Ich habe ja schon ein paar Andeutungen gemacht und die waren zwar mit spitzem Unterton formuliert, doch aus United-Perspektive ironiefrei. Die wollen wirklich hoch hinaus. Es läuft eine Machbarkeitsstudie für ein topmodernes Großstadion und außerdem sucht man Baugrund für ein Fußballleistungszentrum, welches denen der internationalen Branchenriesen oder anderen Projekten wie RB Leipzig in nichts nachstehen soll.

FC Spandau (weiß) vs. Berlin United (rot)

Der Visionär heisst Stefan Teichmann und kommt beruflich aus der Immobilienbranche. Sein Fußballprojekt geht er analytisch wie ein Immobilienprojekt an. Er glaubt, dass Berlin mit Spitzenfußball im Vergleich zu anderen Metropolen der Welt unterversorgt ist. Es sei noch ausreichend Platz neben Hertha und Union und das selbstverständlich von Profis entworfene Clublogo zeigt neben dem Berliner Bären auch den Brandenburger Adler. Und apropos „Profis“; unter dieser Überschrift findet man auf der Internetpräsenz berlinunited.com die 1.Herrenmannschaft des ehemaligen Club Italia (seit 12 Monaten heißt der Club erst Berlin United). Dort gibt es auch die Infos zu den Arena- und Campusvisionen von United. Übrigens hat der Verein tatsächlich schon den Grundstein einer „Academy“ auf Mallorca gelegt. Dort wird wohl in Zukunft die Saisonvorbereitung im Sommer und Winter stattfinden.

Uniteds Logo

United soll eine neue Fangeneration in Berlin und Brandenburg ansprechen und mittelfristig zu einer globalen Fußballmarke aufsteigen. Damit man zunächst einmal in die sechstklassige Berlin-Liga aufsteigt und mittelfristig in die Regionalliga Nordost, hat man ein paar in der 7.Liga unterforderte Kicker ins Westend geködert. Star ist Lennart „Lenny“ Hartmann. Einst ein Toptalent bei Hertha BSC und deren bisher jüngster Bundesligaspieler in der Vereinsgeschichte (1.Bundesligaeinsatz mit 17 Jahren, vier Monaten und 14 Tagen). Mit 27 Jahren führt er United nun von Sieg zu Sieg; Aufstieg nur Formsache. Auch Kevin Kruschke (früher u.a. 1.FC Magdeburg), Thiemo-Jérôme Kialka (früher u.a. Jahn Regensburg) oder Patrick Podrygala (12 U19-Länderspiele für Polen) kicken nun im besten Fußballeralter siebtklassig und in der Winterpause war man am Ex-Hertha-Star Ronny dran.

Kleiner Mann, kleine Bildauflösung

Trainer und zugleich Markenbotschafter von United ist der Welt- und Europameister Thomas Häßler. Doch weder der Star, noch die erfolgreiche Mannschaft, noch der kostenlose Eintritt, locken bisher die Massen an. Keine 100 Zuschauer waren gekommen und ohne die 2.Herrenmannschaft und deren Gegner SFC Friedrichshain II, wären es sogar nur rund 50 Zaungäste gewesen. Das Spiel hatte direkt vor dem Auftritt der Ersten stattgefunden und für einen verspäteten Anstoß gegen 14:15 Uhr gesorgt. 2:3 ging es aus und ein Großteil der Gästekicker blieb noch anwesend, um Bierchen schlürfend die erste Garde des gegnerischen Projekts mal in Aktion zu sehen. Übrigens haben die Friedrichshainer, inklusive Trainer, Englisch als Spielsprache verwendet. Genau das hätte ich ja eigentlich bei United erwartet.

Sportpark im Westend

Beim nun folgenden Landesligaspiel waren die Rollen natürlich klar verteilt und ein weniger knappes Ergebnis war zu erwarten. Nichtsdestotrotz begannen die Spandauer recht forsch und besonders ihr Offensivmann Burak Salantur konnte kicken. Der Namensvetter des Pferdes vom Propheten Mohammed holte auch einen diskussionswürdigen Strafstoß in der 19.Minute heraus. Sagen wir mal so, den wollte er haben und die United-Elf war mit der Schiedsrichterentscheidung überhaupt nicht einverstanden. Der Gefoulte trat nun selbst an und scheiterte an Uniteds Eric Niendorf. Doch Mitspieler Amoako Mannah stand parat und vollendete im Nachschuss zum 0:1. Dass Salantur kurz nach dem Strafstoß verletzt raus musste, sprach im Nachhinein vielleicht doch für ein Foulspiel.

Spandau freut sich und United diskutiert

Die Spandauer konnten die Führung auch in die Pause retten, hatten aber im weiteren Spielverlauf fast all ihre Offensivbemühungen eingestellt und der Ausgleich stürmischer Häßlerschützlinge schien nur eine Frage der Zeit. Mein Tipp beim Wurstessen und Fachsimpeln in der Halbzeitpause war, dass es am Ende trotzdem 4:1 für United ausgehen wird. Irgendwann ist das Glück aufgebraucht und irgendwann lassen die Kräfte nach, während United sicher nochmal ’ne Schippe darauflegen kann.

Wurst und Fritten für je 1,50€

Ob ein Umstehender meiner prophetischen Gabe vertraute und schnell noch ins nahe Café King aufbrach, um ein paar Taler auf United zu setzen, ist nicht überliefert. Es wäre schnelles Geld gewesen, denn Berlins zukünftige Top-Adresse startete sehr stark in die 2.Hälfte. Zunächst bekamen auch sie einen Strafstoß zugesprochen (51.Minute), den der Ex-Spandauer Hamdi Chamkhi sicher verwandelte, und drei Minuten später stellte Kevin Kruschke mit Saisontor Nr. 5 die Weichen auf Sieg. United blieb auch nach der Führung offensiv, doch die Spandauer hatten ihr Glück noch nicht aufgebraucht und Schlussmann Patrick Boel erwischte einen Sahnetag.

Das Westend ist Hertha-Gebiet

Somit fielen zunächst keine weiteren Treffer und durch den verspäteten Spielbeginn musste ich nun schon eine gute Viertelstunde vor Abpfiff los. Ich verpasste deshalb das späte 3:1 von Thiemo-Jérôme Kialka in der 88.Minute (hatte ich mich also doch um ein Tor vertippt). Ich sputete mich zum Berliner Hauptbahnhof, um dann zu erfahren, dass nicht nur mein gebuchter ICE ausfallen würde (das war mir via DB App schon seit morgens bekannt), sondern auch, dass der Ersatzzug 15 Minuten verzögert starten soll.

1.Klasse in einer altbackenen IC-Garnitur

Am Ende waren es 40 Minuten Verspätung und der Ersatzzug entpuppte sich als IC-Garnitur mit weniger Wagen als der gebuchte ICE 377 und umgekehrter Wagenreihung, weshalb keine Reservierungen mehr vermerkt waren. In der 2.Klasse wurde es kuschlig und wahrscheinlich auch etwas giftig im Kampf um Sitzplätze. Bei mir war es zum Glück entspannt (6er-Abteil in der 1.Klasse für mich allein) und so konnte ich nochmal zwei Stunden arbeiten, ehe mich Max und Ole in Hildesheim für ein gemeinsames Abendessen erwarteten.

Krönender Wochenendabschluss

Da die Völlerei auf der Tour viel zu kurz kam, machte ich im Hildesheimer Restaurant „Apollon“ keine Kompromisse und ließ mir allerlei Fleisch in sahniger Sauce überbacken. Dadurch hatte ich am Ende auch nicht so ein schlechtes Gewissen, dass ich an beiden Tagen schon wieder über 30 Kilometer zu Fuß gelatscht war. Nach solchen „Cheat Days“ bekomme ich sonst Schuldgefühle, weil ich meinen Followern als Influencer doch immer einen konsequenten „Unhealthy Lifestyle“ vorspiele.