Birmingham 01/2019

26.01.2019
Aston Villa – Ipswich Town 2:1
Championship (II)
Villa Park (Att: 33.653)

Meine vorausschauende Marktbeobachtung ergab bereits im August 2018 für Januar 2019 einen preiswerten Wochenendtrip von Hannover nach Birmingham (Freitagabend hin und Sonntagabend zurück). In der Regel ruft Flybe für diese nachgefragten Flugzeiten ungefähr 150€ für Hin- und Rückflug auf. Jetzt zahlten der Holzmichel, Fat Lo und ich knapp 90€ return. Kann man mal machen, dachten sich auch Milano Pete, El Glatto und Languste, zahlten jedoch schon rund 105€. In den kommenden Wochen bekamen immer mehr Freunde von der Tour Wind bzw. entschlossen sich nachträglich mitzureisen. Das „Yield Management“ von Flybe sorgte nun natürlich für stetig steigende Flugpreise. Doch das schreckte die Kunden von Schneppe Tours nicht ab und es wurde weiter fleißig gebucht. Die letzten mussten wohl rund 160€ für die Flüge löhnen.

Diesmal dabei: Gulles Aggro-Berlin-Fischerhut (Vgl. Israel-Palästina-Tour 2018)

Am Ende bestand die Reisegruppe aus 18 Personen (exklusive drei kurzfristigen Absagen wegen Krankheit oder „Karriere“). Ich fragte mich schon ein bisschen nach den Gründen der hohen Resonanz. Ich mein, klar, wenn ich Bock auf die Tour habe, warum sollte es bei meinen Freunden nicht so sein? Aber es ist nur Birmingham und es sind verhältnismäßig teure Flüge geworden (für über 100€ return bin ich innerhalb Europas in der Regel zu geizig). Die Mischung aus genereller UK-Lust, Peaky-Blinders-Fandom oder auch Birminghams Armut an Sehenswürdigkeiten (O-Ton: „Geil, da gibt es nicht viel zu sehen. Dann können wir die ganze Zeit im Pub saufen!“) sorgten wohl für die ungewöhnlich hohe Nachfrage. Dazu Abflug vor der Haustür und null benötigte Urlaubstage. Außerdem gab es im Dezember 2018 keine Neuauflage der traditionellen Weihnachtstour und so ging das Ding auch noch als zeitversetztes Derivat jenes Events durch.

Vorglühen

Rund ein Dutzend Mitreisende traf sich Freitag ab 15 Uhr im hannoverschen Pub „Jack The Ripper“ und war dementsprechend schon bei der Ankunft am Gate angeheitert. Das dort stattfindende Underberg-Massaker brachte den Rest auch langsam auf Pegel und das Vorglüh-Dutzend teilweise in einen bereits bedenklichen Zustand. Diesem Exzess kam nun auch noch der verspätete Start der Flybe-Maschine von über einer Stunde zupass. Außerdem bekamen wir Gesellschaft von der hannoverschen Groundhoppinglegende Wasi. Der flog am Gate nebenan nach Heathrow und wollte in Großbritannien bis zur kommenden Wochenmitte diverse Grounds wegscheppern. Beim Anblick unseres Alkoholkonsum fielen ihm zwar glatt die Augen aus, aber unser fußballerisches Reiseprogramm konnte der Waschmaschinen verkaufende Weltenbummler nur belächeln. Villa Park sei zwar ein absoluter Top-Ground, aber schlechter als gegen Ipswich Town wäre höchstens noch gegen Wigan. Ich erwähne nur der Vollständigkeit halber, dass Wasi parallel Nottingham Forest versus Wigan Athletic zu schauen gedachte.

Das Underberg-Massaker

90 Minuten später als erwartet, öffnete schließlich das Gate und so manch eine Promillezahl dürfte schon nicht schlecht gewesen sein. Aber alle schafften es noch zu boarden und über den Wolken gingen bei ein paar Leuten sofort die Lichter aus, während der wache Teil mit Gin Tonic, Ale, Cider und mitgeführten Underberg-Restbeständen weiterkachelte. In Birmingham, welches wir fast zwei Stunden verspätet erreichten, war ich jedenfalls jenseits von Gut und Böse. Bei der Passkontrolle merkte ich nun, dass mein Reisepass mal wieder verschwunden war. Aber das war mir in dem Moment total egal. Ich hatte schließlich noch einen deutschen Personalausweis und da ich den Pass beim Boarding in der Hand hatte, wird er wohl im Flieger verschütt gegangen sein und Sonntag im besten Fall wieder zu seinem Inhaber zurückkehren.

Finsterer Flug für Flybe

Aufgrund der Verspätung, einigten wir uns auf Uber anstatt Öffis und fuhren für ca. 4€ pro Person direkt zum gebuchten Ibis. Jenes Ibis war übrigens eigentlich oder ursprünglich ein Motel. Dementsprechend waren unsere neun Doppelzimmer in einem zweigeschossigen Gebäude zu finden und hatten alle Außentüren (praktisch für Raucher). Mein Zimmergenosse Schirm und ich waren nun beide kaputt und gingen sofort ins Bett (1 Uhr war es bereits). Rund die Hälfte dürfte es uns gleichgetan haben, während der Rest noch ins „Walkabout“ feiern ging.

Fuchsige Streetart

Soll noch eine sehr spaßige Nacht gewesen sein, aber beim sonnabendlichen Abmarsch zum Frühstück (9:30 Uhr), war ich doch ganz froh rund 8 Stunden Bettruhe gehabt zu haben und nicht, wie andere Reisende, nur ein oder zwei Stunden. Der erste Eindruck von Birmingham erfüllte auch gleich die Erwartungen. Es gab in der Innenstadt wirklich nicht viel Touristisches zu sehen. Nichtsdestotrotz hatte ich eine nette Tour ausgearbeitet, die nach dem Frühstück das Wichtigste abhaken sollte. Gepaart mit vier bis fünf Pubbesuchen.

Birmingham Grand Central

Für das Frühstück hatte ich ein „Greasy Spoon“ namens „Grand Central Kitchen“ rausgesucht. Doch der Laden war so voll, dass es keine Rolle spielte, dass wir über zehn Leute waren (rund ein Drittel der Gruppe schlief noch). Es war eh kein Tisch frei und wir suchten uns den nächstbesten Wetherspoon’s raus. Das war „The Briar Rose“, wo nun der gewohnte Frühstücksstandard gereicht wurde. Auch die ersten alkoholischen Getränke flossen bereits um 10 Uhr. Denn einige hatten berechtigte Sorgen, dass sonst der Kater einsetzt. Und der Rest war auch nicht abgeneigt, es war schließlich „Matchday“!

Erstmal ein ehrliches Frühstück

Mit der App von Wetherspoon’s wurde nun wild weiterbestellt und ich musste besser handeln, damit wir nicht sofort im ersten Pub versacken. Also habe ich das Etikett Sklaventreiber wieder bewusst in Kauf genommen und zum Aufbruch gedrängt. Wer Bock auf Kultur habe, möge nun binnen fünf Minuten austrinken und mir folgen. Machten tatsächlich fast alle und der Rest gelobte zumindest in den nächsten Pub nachzukommen.

Town Hall

Wir schauten uns nun die Sehenswürdigkeiten rund um den Victoria Square und den Chamberlain Square an. Durch rege Bautätigkeit war der Anblick der dortigen Gebäude leider eingeschränkt. Besonders betroffen war davon die Town Hall. Ein herausragendes Bauwerk des Neoklassizismus aus den frühen 1830er Jahren, welches aktuell von hohen Bauzäunen mit Sichtschutz umschlossen ist (zum Glück hatte ich Languste für ein Foto über den Zaun hinweg dabei). Übrigens ist es nicht das Rathaus von Birmingham, wie manche aufgrund des Namens nicht ganz unberechtigt dachten, sondern eine Konzerthalle.

Council House

Das eigentliche Rathaus der zweitgrößten Stadt Großbritanniens (ca. 1,1 Mio Einwohner) ist das Council House gleich nebenan. Auch ein denkmalgeschütztes neoklassisches Bauwerk (1879 fertiggestellt), welches mit einer Kuppel und einem „Clocktower“ typisch viktorianisch ausschaut. In der sonst recht arm an älterer Bausubstanz wirkenden Innenstadt, bilden Town Hall und City Council zusammen mit dem „Birmingham Museum and Art Gallery“ ein schönes Ensemble.

Library of Birmingham

Östlich davon sind auch ein paar Straßenzüge mit schönen Gebäuden aus viktorianischer und edwardischer Epoche. Im Westen wird diese architektonische Insel jedoch schon wieder von sehr modernen Bauwerken kontrastiert. Neben den verglasten Büroturmen, Hotels und Malls, wovon sich zur Zeit diverse weitere Vertreter im Bau befinden, ist da besonders die „Library of Birmingham“ zu erwähnen. Ein postmoderner Bibliotheksbau aus diesem Jahrzehnt, dessen Kosten sich auf circa 188,8 Mio £ beliefen.

Old meets new

Von der Bibliothek ging es nun durch das ebenfalls moderne „International Convention Centre“ zur „Canalside“. Birmingham verfügt über ein rund 160km langes Kanalnetz, wovon wir uns den zentrumsnahen Teil mal anschauen wollten. Am netten „Gas Street Basin“ erwarteten uns historische „Narrowboats“, Backsteinkontore und viele Gastronomieangebote. Alte und neue Bauwerke präsentieren sich hier ziemlich einträchtig, da man sich bei der Revitalisierung der Gegend um eine Backsteinoptik der neuen Gebäude bemüht hat. Als die Touri-Fotos im Kasten waren, entschieden wir uns für den Pub „The Brasshouse“ als nächste Einkehr.

Canalside / Gas Street Basin

Hier schlürften wir jeder ein Pint Ale oder Cider (bzw. ein besonders durstiger Mitstreiter gleich mal einen Pitcher Whisky-Cola) und empfingen alsbald die Nachzügler aus dem „Briar Rose“, die nach der Übermittlung des neuen Standorts von dort aufgebrochen waren und den neuen Pub ohne lästige Sightseeing-Umwege schnell erreichten. Ich blieb jedoch weiterhin bemüht der Gemütlichkeit Grenzen zu setzen. Immerhin hatte ich noch einiges auf der Touri-To-Do-Liste und es gelang mir tatsächlich nochmal alle mitzuziehen.

An den Kanälen entlang

Ich wollte ich nun eigentlich, entlang der Kanäle, ins angeblich sehenswerte „Jewellery Quarter“ aufbrechen und dort die nächste Bierpause in der „Rose Villa Tavern“ abhalten. Doch der Mob kam nur wenige hundert Meter weit. Der zugegeben sehr urig wirkende Pub „Malt House“ war zu einladend und ich konnte meinen Zeitplan vor meinem geistigen Auge im Kanal wegtreiben sehen. Wir wurden nach der ersten Runde in jenem Pub noch kurzzeitig vollzählig (die Langschläfer stießen auch noch dazu), doch dann sprengte ich die Gruppe schon wieder.

Auf ins Malzhaus

Das „Jewellery Quarter“ musste ich zwar streichen und mein Endziel Digbeth, mit dem historischen Pub „The Old Crown“ (in einem Fachwerkhaus aus dem 15.Jahrhundert), würde auch hinten runterfallen. Aber ich wollte wenigstens noch die beiden historischen Pubs „The Queens Arms“ und „The Old Joint Stock“ von meiner Liste abhaken. Inklusive Besichtigung der Kathedrale von Birmingham (eine barocke Kathedrale von 1725), welche unweit von letztgenanntem Pub zu finden ist.

The Queens Arms

Gegen 12:45 Uhr ließen wir zehn gemütliche Freunde im „Malt House“ zurück und setzten den Stadtrundgang als Oktett fort. Nach einem viertelstündigen Marsch am Wasser war „The Queens Arms“ in Sicht. Den Pub gibt es seit 1870 und er ist einem denkmalgeschützten Jugendstilgebäude untergebracht. Da Schirm noch ein Scotch Egg verputzen wollte und jenes auf sich warten ließ, klappte es erneut nicht nur eine Pintlänge zu bleiben. Als dann auch noch ein edler Gönner ein Tablett Jägerbombs servieren ließ, war der Zeitplan endgültig nicht mehr zu halten und wir blieben bis 14 Uhr in diesem Pub.

Bombenstimmung im Queens Arms

Dann ging es für Fat Lo, Languste, Schirm, Tobert, Bene, Ole, Max und mich mit zwei Uber-Autos zum Villa Park bzw. in dessen Nähe. Ich ließ uns nicht direkt zum „North Stand“ kutschieren, für den wir die Tickets hatten, sondern auf die Südseite des Stadions. Zum einen ist der Anblick der historischen Backsteinfassade der Südtribüne („The Holte End“) ein Muss, wenn man den Villa Park besucht. Zum anderen waren in der Nähe der Tribüne noch weitere touristische Highlights zu finden, die ich zumindest mir nicht vorenthalten wollte.

Aston Parish Church

Zu unserer rechten Hand war nämlich die Aston Parish Church aus dem 15.Jahrhundert zu finden und zu unserer linken Hand lag Aston Hall, ein Landhaus aus dem 17.Jahrhundert. Dieses herausragende Bauwerk der jakobinischen Architektur (zwischen 1618 und 1635 erbaut) steht natürlich, wie auch das Gotteshaus nebenan, unter Denkmalschutz („Grade I listed“). Auftraggeber und erster Eigentümer war der Adlige Sir Thomas Holte. Heute ist das Herrenhaus längst in öffentlicher Hand und das Gelände somit frei zugänglich. Das Innere kann zu bestimmten Öffnungszeiten auch besichtigt werden, aber dazu war 30 Minuten vor Anpfiff eines Fußballspiels nun wirklich keine Zeit.

Aston Hall

Stattdessen ging es für Ole und mich nebenan noch in einen Pub  (die anderen sechs Freunde wollten entweder schon ins Stadion oder mussten noch ihre hinterlegten Karten abholen). Der Pub „The Holte“ ist nach Sir Thomas Holte benannt und direkt am Stadionparkplatz. Dort treffen sich die Heimfans vor den Spielen von Aston Villa in großer Anzahl. Nach dem letzten Pint vor Spielbeginn, bewunderten wir noch die Backsteinfassade der Tribüne „Holte End“ (ergo auch nach Sir Thomas Holte benannt) aus der Nähe.

The Holte Pub

Die altehrwürdig wirkende Fassade passt perfekt zu einem der größten Traditionsvereine auf der Insel. Aston Villa wurde 1874 gegründet und ist 7facher englischer Fußballmeister (zuletzt 1981), 7facher Gewinner des FA Cups (zuletzt 1957) und 5facher Gewinner des Ligapokals (zuletzt 1996). Größter Triumph der Vereinsgeschichte ist jedoch zweifelsfrei der Gewinn des Europapokals der Landesmeister, also des Vorgängerwettbewerbs der UEFA Champions League, am 26.Mai 1982. Peter Withe erzielte damals in Rotterdam das Tor des Tages, mit welchem der FC Bayern bezwungen wurde.

The Holte End mit seiner Backsteinfassade

Ein Jahr zuvor feierte übrigens auch der heutige Gegner Ipswich Town seinen größten Erfolg. Sie holten 1981 den UEFA-Pokal (heute Europa League) auf die Insel. Auf dem Weg ins Finale schaltete Ipswich damalige Schwergewichte wie den 1.FC Köln oder AS Saint-Étienne aus und bezwang schließlich in den Endspielen AZ Alkmaar. Das Hinspiel, übrigens geleitet von DDR-Schiedsrichter Adolf Prokop, gewannen die Engländer 3:0 in Ipswich. Da man das Rückspiel in den Niederlanden nur 4:2 verlor (Spielleitung: BRD-Schiedsrichter Walter Eschweiler), hieß das Gesamtergebnis der Endspiele 5:4 aus Ipswich-Sicht und das damals von Bobby Robson trainierte Team hatte seinen Zenit erreicht.

Die Fassade aus einem anderen Blickwinkel

Und wo wir gerade beim Thema Europapokal sind, der Villa Park war Austragungsort des letzten Endspiels um den Europapokal der Pokalsieger. Am 19.Mai 1999 schlug S.S. Lazio hier den RCD Mallorca mit 2:1 (Tore für Lazio: Christian Vieri und Pavel Nedved). Also war uns heute Europapokalnostalgie ohne Ende geboten. In der Gegenwart hieß es jedoch Dreizehnter (Villa) gegen Vierundzwanzigster (Ipswich) in der Championship, ergo der englischen 2.Liga.

Welcome to Aston Villa FC

Es war also von Anfang an wahrscheinlich, dass der Star des Tages das Stadion von 1897 sein wird, für dessen Betreten wir je 25£ entrichtet hatten. Ein bißchen Paroli bot ihm nur der Spieler Kevin Oghenetega Tamaraebi Bakumo-Abraham (Kurzform: Tammy Abraham). Der 21jährige Stürmer ist einer der herausragendenster Spieler der Championship und erzielte heute seine Saisontore 18 und 19 (im 23.Spiel). Damit ist er auf dem besten Wege der erste Spieler seit Peter Withe 1980/81 zu werden (der schon wieder!), der 20 oder mehr Saisontore für Villa erzielt.

Inside Villa Park

Seinen ersten Treffer am heutigen Nachmittag durften wir gleich in der 6.Minute bewundern. Conor Hourihane brachte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld vor’s Tor und Abraham vollendete volley aus fünf Metern. Da hier das dritttorgefährlichste Team auf die Schießbude der Liga traf, schienen sich möglicherweise die heutigen Prognosen meiner Glückspielfreunde zu bewahrheiten. Heute auf Villa und den BVB mit jeweils Handicap 3 zu setzen, soll laut den Wettbaronen ein todsicheres Ding a.k.a. „Schnelles Geld“ gewesen sein.

Die Haupttribüne

Da es sowohl in Birmingham, als auch in Dortmund nur mit 1:0 in die Pause ging, hätte jedoch auf beiden Plätzen noch einiges passieren müssen. Bei Ale und Cider wurde die Unterbrechung in großer Runde zum Fachsimpeln genutzt. Das war so eine eloquente Expertendiskussion, dass wir beschlossen die 2.Hälfte fast ausschließlich am Bierstand zu verbringen. Das Spiel wurde derweil nur noch halbherzig auf den Monitoren verfolgt. Wir sind schon so richtige Fußballfans!

Die Gegengerade, inklusive den Gästefans unten links

Aber gut, als die Rolläden der Verkaufskioske zur 50.Minute heruntergingen, stoppte ein motiviertes Mitglied das Personal in letzter Sekunde und wir bekamen nochmal alkoholischen Nachschub, der fast bis Spielende reichte. Da das Erworbene eh nicht auf den Tribünen konsumiert werden darf und das Spiel und die Stadionatmosphäre sich bisher höchstens die Schulnote 4- verdient hatten, bestand da eigentlich auch kein Diskussionsbedarf. Außerdem versorgte uns Gulle mit den Zwischenständen aus Dortmund, wo 96 in der 2.Halbzeit zerlegt wurde (um 16 Uhr englischer Zeit stand es bereits 4:0 für den BVB).

Zecherrunde

Nach einer Stunde ging es nochmal kurz in den Block, da McGinn bei einem Eckstoß der Heimmannschaft im gegnerischen Strafraum zu Fall kam und der Schiedsrichter auf den Punkt zeigte. Tammy Abraham lief an, traf und jubelte (61.Minute). Die Fans feierten ihren Star, wie schon nach dem 1:0, mit dem Gesang „Oh Tammy, Tammy! Tammy, Tammy, Tammy, Tammy Abraham!“ Da Marvin Bakalorz fast zeitgleich in Dortmund den Anschlußtreffer für 96 erzielte (um 16:15 Uhr GMT), fühlte sich Gulle, der wohl größte 96-Loyalist in unserer Runde, inspiriert den Song umzudichten. „Oh Marvin, Marvin! Baka, Baka, Baka, Baka, Bakalorz!“ fanden in der derzeitigen bierseligen Stimmung viele sehr witzig, verfluchten den Urheber jedoch später für diesen unfreiwilligen Ohrwurm (bis zum Ende des Trips stimmte immer mal wieder jemand den Song an).

Der Villa Park unter Flutlicht

Na ja, zurück zum Kick. Im strömenden Regen versuchte Villa nun die Führung souverän zu verteidigen, wurde allerdings in der 76.Minute bestraft. Freddie Sears traf aus ca. 25 Meter wunderschön in den rechten Torwinkel. Ipswichs erstes Auswärtstor nach über 1.000 Spielminuten auf fremden Plätzen! Und beinahe hätte Trevoh Chalobah wenige Minuten später noch den Ausgleich besorgt. Doch sein Kopfball in der 80.Minute prallte vom Torpfosten ins Toraus. Am Ende musste sich Villa, trotz deutlichem Chancenplus (allein Abraham hätte fünf Tore machen können), glücklich schätzen, dass es beim 2:1 blieb und eine Serie von sechs sieglosen Heimspielen ihr Ende gefunden hatte. Damit bleiben auch die Play-off-Ränge zur Premier League in Reichweite. Das chinesisch-ägyptisch-us-amerikanische Investoren-Konsortiums will natürlich unbedingt ins Oberhaus, damit sich ihre Investments endlich rentieren. Jedoch müsste man als aktuell Zehnter, mit vier Punkten Rückstand und einem Spiel mehr auf dem Konto, schon eine große Siegesserie starten. Denn das halbe Dutzend, mit dem man im Verfolgerfeld konkurriert, wird das Punkten wohl kaum kollektiv einstellen.

Im Witton Arms

Unser Ziel war nun der von unserer Tribüne aus gesehen nächstbeste Pub. Als jener entpuppte sich „The Witton Arms“. Hier ließen sich zahlreiche Heimfans nach dem Spiel das Bier schmecken. Zeit, um mal ein paar Infos zum Mann des Tages zu recherchieren. Tammy Abraham ist kein Eigengewächs der Villans, sondern nur eine freundliche Leihgabe des Chelsea FC. Dementsprechend wird der Club aus der Premier League entweder ab kommenden Sommer wieder auf die Dienste des englischen Nationalspielers zurückgreifen (zwei A-Länderspieleinsätze bisher) oder ihn am Transfermarkt zu Geld machen (geschätzter Marktwert: 10 Mio £).

Aufbruch!

Gegen 18 Uhr brachen wir wieder auf und nahmen vom nahen Bahnhof Witton eine Bahn ins Zentrum. Dort war die Bar „The Solomon Cutler“ unser Ziel. Beim Weg vom Hauptbahnhof (Birmingham New Street) zur Bar, fiel uns das erhebliche Verkehrschaos in der Innenstadt auf. Auf allen passierten Straßen war Stillstand. Wie sich im Nachhinein herausstellte, verursachte ein 19jähriger Influencer aus New York, der auf Youtube Schminktipps gibt, das Chaos. Der junge Mann namens James Charles hatte am Samstagnachmittag einen neuen Kosmetikshop in der Mall „Bullring“ eröffnet und es gab nur 250 Tickets für das exklusive „Meet & Greet“ mit dem Promi. Mehrere Tausend Teens (und vielleicht auch Twens) wollten jedoch trotzdem wenigstens einen Blick auf den Influencer erhaschen und fluteten das Stadtzentrum. Da die Mehrzahl sich wahrscheinlich von Mami oder Papi fahren ließ, kam der Straßenverkehr für mehrere Stunden nahezu zum Erliegen. Klang zunächst nach einer 1a Räuberpistole, aber Gulle hatte Links zu seriösen Medien und Twittervideos parat. Ich verlinke an dieser Stelle auch nochmal ein Video von ITV News: ->KLICK<-

Mein Abendessen aus der Küche Kashmirs

Kranker Scheiss! Aber um ausgiebig über die Jugend von heute den Kopf zu schütteln, war die Zeit in Birmingham dann doch zu kostbar. Im „The Solomon Cutler“ wurden lieber Burger oder Currys gespeist (ich hatte „Lamb Rogan Josh“ mit Fritten). Es folgten unzählige Biere, Jägerbombs (2 for 5£) und Cocktailpitcher (2 for 12£) und als die Tanzfläche am späteren Abend öffnete, waren die Singles aus unserer Runde topmotiviert zum Flirten und Tanzen. Inseltypisch waren die auserkorenen Damen zu 96% auch immer interessiert, aber eine Abhandlung über Ausgehen und Anbahnung von Liebesakten im Vereinigten Königreich gab es ja schon oft genug. Da will ich mich nicht in jedem Bericht wiederholen.

Eine Cocktailspezialität aus Long Island

In Brum, wie die Einheimischen Birmingham nennen, war es nicht anders. Dazu brachte der DJ mit Songs wie „Chelsea Dagger“ und „Mr Brightside“ den Saal zum Kochen. Das ist in UK halt so, als wenn der DJ in D etwas von Helene Fischer oder irgendwelchen Barden vom Ballermann auflegt. Also eigentlich total unkreativer Mainstream, zu dem alle textsicher abgehen, aber im Vergleich zu Deutschland wenigstens gute Musik und kein Schrott (imho).

Auf die Freundschaft

Leider machte der eine oder andere Mitreisende am heutigen Abend vorzeitig schlapp. Doch wie gut, dass in dem mittlerweile von einer Bar zur Disco gewordenen Schuppen ein kommerzieller Fotograf rumlief. Der knipste nicht nur für irgendwelche „Nightlife Websites“, sondern fertigte auf Wunsch für 4£ auch ad hoc Schlüsselanhänger seiner Schnappschüsse an. Aber ich will über niemanden lästern. Über den Tag gesehen haben alle recht gut am Glas performt und kurz nach Mitternacht bekam ich selbst Altersschwäche. Ich wollte nun mit Tobert und ein paar anderen aufbrechen und Tobert wollte eigentlich auch noch den mutmaßlich Tagesvollsten a.k.a. InterCityBerger zum Aufbruch motivieren. Doch der entgegnete nur: „Hast du einen an der Waffel? Hotel? Ich bleib hier. Ich bin ja noch nicht mal richtig voll!“

Schicker neuer Schlüsselanhänger

Bei mir reichte wiederum ein „Mensch, bleib doch noch“ vom Abt, um mich auch von Tobert loszusagen. 20 Minuten später hatte ich es mir wieder anders überlegt (mein Körper trällerte „Snepi, hör die Signale“) und ich brach allein und zu Fuß auf. War ja nur ein Kilometer… Aber irgendwie war mein sonst so vielgerühmter Orientierungssinn beeinträchtigt und ich brauchte ’ne gute Dreiviertelstunde. Dafür hatte ich noch eine interessante Begegnung in einem Tunnel. Mir kam ein Typ in Kapuzenpullover und Jogginghose entgegen gelaufen und ich dachte mir nur „komische Zeit zum Joggen!?“. Kaum war die dunkle Gestalt keuchend an mir vorbei, bog sein uniformierter Verfolger in den Tunnel ein. Der keuchte noch mehr und mir rutschte ein „He’s a fast one, isn’t he?“ raus. Fand der Bobby nicht so witzig und brüllte mich an. Aber ich krieg nicht mehr zusammen, was genau er geschrien hat.

Let’s Dance

Im Bett sinnierte ich noch darüber, wie ich zum Helden hätte werden können, wäre der Polizist ein paar Sekunden früher aufgetaucht. Ich hätte den mutmaßlichen Kriminellen umgerannt oder ihm ein Bein gestellt und sah die Schlagzeile schon vor mir: „Drunken tourist overwhelms Birmingham’s most notorious criminal“. Dazu Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, Ehrennadel der West Midlands Police und einen Empfang bei der Queen. Hach, es hat einfach nicht sollen sein.

Let’s Dance 2.0

Am nächsten Morgen wachte ich ich nicht wirklich verkatert, aber sehr hungrig auf. Da ungefähr die Hälfte des Mobs ebenfalls früh auf den Beinen war, konnten wir gegen 9 Uhr zum Frühstück aufbrechen. Es ging ins nahe „Chinese Quarter“ und dort frühstückten wir im Wetherspoon’s „The Dragon Inn“ (gegenüber von Birminghams letzter und denkmalgeschützter „Back to Backs“-Bebauung aus dem 19.Jahrhundert). Fast allen ging es überraschend gut und nach Large Breakfast, Eggs Benedict, Breakfast Wraps, Ham & Sausage Rolls oder einem großen Burger (Olbert musste wieder aus der Reihe tanzen) sogar noch besser.

Eggs Benedict

Weil im Raum Birmingham nirgendwo der Ball rollen sollte, jedenfalls nicht hochklassig, musste ein Alternativprogramm her. Ich hatte da das „Black Country Living Museum“ im Sinn. Ein großes Freilichtmuseum im Umland der Metropole, welches dem Besucher das Leben in dieser Gegend während des 19. und frühen 20.Jahrhunderts näher bringt. Mit 18.45£ für Vollzahler kein Schnapper, aber dass dort einige Szenen der „Peaky Blinders“ gedreht wurden, war ein Pfund mit dem ich in der Reisegruppe wuchern konnte. Der Frühstücksmob, der im Laufe der Zeit auf 15 Lads angewachsen war, reiste nun tatsächlich geschlossen mit mir nach Dudley zu einem Freilichtmuseum. Lediglich auf die drei Langschläfer Marlon, Abto und die Krake musste ich verzichten.

Back to Backs in Birmingham

Da der Ticketkauf am Bahnhof sich etwas zog und außerdem keiner sprinten wollte, verpassten wir die Bahn um 11:08 Uhr knapp. Die Stunde bis zum nächsten Zug wurde jetzt mit Cider und alten Geschichten versüßt. Während der 20minütigen Bahnfahrt wurde das anekdotenreiche Geklöne fortgesetzt und man wäre fast geneigt gewesen, den ganzen Tag nur Bahn zu fahren und die lustigsten Ereignisse der letzten Jahre wieder aufzuwärmen. Irritierte Blicke der bahnfahrenden Bewohner des Black Countrys inklusive.

Black Country Living Museum in Dudley

In Tipton stiegen wir aus dem Zug und machten uns zu Fuß zum Museumsgelände auf. Das waren rund 1,7km, doch schon nach wenigen hundert Metern zeigte sich, dass ein Teil der Gruppe nur aus Herdentrieb mitgekommen war. Vier Freunde kehrten in den erstbesten Pub namens „The Fountain Inn“ ein (und gaben dem klassischen Dorf- bzw. Vorortpub im nachhinein Bestnoten). Der Rest erreichte mit mir eine Viertelstunde später das „Black Country Living Museum“ und ärgerte sich, dass die Gruppenkonditionen erst ab 15 Personen gewährt wurden.

Historischer Haushaltswarenladen

Drei Kulturknauser sprangen nun auch noch ab, da ihnen die 15.45£ für Studenten (waren wir ja alle) immer noch zu teuer waren. Na ja, die staatliche Förderung fließt hier eben nicht so üppig und „in so’n Freilichtmuseum musste auch Geld reinstecken, so’n Baby will unterhalten werden!“ Zu acht ging es also durch die Bezahlschranke und dahinter wurde Fat Lo, Languste, Ole, Schirm, InterCityBerger, Tobert, dem Holzmichel und mir einiges geboten. Historische Fahrzeuge, ein Jahrmarkt, originalgetreue Häuser aller Art, eine Kohlegrube, ’ne Werft u.v.m. erwarteten uns.

Newcomen’s Steam Engine

Zu Beginn besichtigten wir eine rund 300 Jahre alte Dampfmaschine von Thomas Newcomen. Newcomen hatte seine Dampfmaschine bereits 1712 erfunden und sie fand trotz des geringen Wirkingsgrades von nur 0,5% reißenden Absatz in der britischen Montanindustrie. Ab 1764 entwickelte dann James Watt die Dampfmaschine von Newcomen entscheidend weiter (er erfand u.a. den Kondensator) und kam so zu Weltruhm.

Ab unter Tage

Da Dampfmaschine und Bergbau eng miteinander verknüpft sind und der Name Black Country den hiesigen Kohlevorkommen zu verdanken ist, ging es anschließend unter Tage. Ein Guide klärte uns beim rund 25minütigen Rundgang über das einstige Arbeiten in dieser Kohlegrube namens „The Racecourse Colliery“ auf. Sechsmal die Woche, von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, lebensgefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit in fast totaler Finsternis. Installationen untermalten das gesprochene Wort. Über Bergbau und die Arbeitsbedingungen im frühen 19.Jahrhundert, hat man jetzt ja nicht das erste Mal etwas erfahren. Dennoch, jedes Mal interessant und außerdem lässt es einen wieder mal die Gnade der späten Geburt spüren. Auch wenn immer mehr Spinner etwas anderes suggerieren wollen, wir leben schon in goldenen Zeiten.

The Village

Zurück im Lichte im Gegenwart, steuerten wir nun das „Village“ an. Ein Café, ein Pub und ein Fish & Chips Shop boten dort in historischem Ambiente Speisen und Getränke an. Dazu gab es einen alten Kohlehandel, eine Dorfschule, eine Kirche, diverse originalgetreue Krämerläden, einen Schmied und vieles mehr zu sehen. Alles in historischen Häusern der Region untergebracht.

Charlie Strong’s Scrap Metal Yard

Nach einem stärkenden „Mulled Wine“ (Glühwein) im Pub, wo übrigens auch die sanitären Anlagen über 100 Jahre alt waren, steuerten wir schließlich ein paar Spots an, die für die Dreharbeiten der „Peaky Blinders“ genutzt wurden. Vorwiegend war das der museumseigene Kanalarm mit seinen Docks, wo man „Charlie Strong’s Yard“ entstehen ließ. In der Schmiede und im Walzwerk wurde auch mehrfach gedreht und die Schule des Museumsdorfes wurde z.B. für den Mord an Father Hughes in der 3.Staffel genutzt.

Narrowboat

Auch fanden diverse weitere Außendrehs auf dem Gelände statt. Doch in der Kürze der Zeit schafften wir es nicht alle Spots abzugrasen. Dadurch, dass wir den angepeilten Zug verpasst hatten, blieben uns nur rund zwei Stunden für das Museum. Als wir die voll hatten, fuhren wir mit einem historischen Trolleybus wieder vom „Village“ zum Haupteingang. Während wir auf unseren Transfer zum Flughafen warteten, wurden die zahlreichen Peaky-Blinders-Souvenirs im Museumsshop durchstöbert und gegen den kleinen Hunger gab es noch einen Pie mit Hack und Steckrüben auf die Hand.

Historischer Trolleybus

Um 15 Uhr ging es schließlich mit zwei Uber-Chauffeuren zum Flughafen (10£ pro Person) und mir blieb genug Zeit, um noch das Fundbüro aufzusuchen. Via Flybe hatte ich erfahren, dass sie Fundsachen aus ihren Flugzeugen an den entsprechenden Flughäfen abgeben. Das Fundbüro zu entdecken war allerdings eine kleine Herausforderung. „Lost Property“ war zwar ausgeschildert, aber da wo es sein sollte, waren nur der Schalter einer orientalischen Airline, ein Koffershop namens „Luggage Point“ und ein weiterer verwaister Schalter zu finden. Nach weiterer Suche und Rumfragerei stellte sich heraus, dass der „Luggage Point“ nicht nur Gepäck und weiteren Reisebedarf verkauft, sondern auch als Fundbüro fungiert. Mein Pass war tatsächlich dort („Darling, you’re a lucky one“), musste jedoch für 20£ ausgelöst werden. Dementsprechend setzten die „Great News!“ beim „Darling“ nicht wirklich Endorphine frei, zumal ich nur noch 18£ übrig hatte.

Die Quittung für mein nachlässiges Verhalten

Ich wollte nun eigentlich meinen Charme spielen lassen, um den Preis zu drücken. Doch wie es der Zufall so will, hörte ich just im Hintergrund bekannte Stimmen, drehte mich um und sah Bene, Pumba, Milano und Co gerade ihre Köfferchen am Ladenlokal vorbeiziehen. Schnell die fehlenden zwei Pfund bei ihnen geschnorrt und im Kollektiv über diese Praxis echauffiert. Hätte der Pass da bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gelegen, wenn ich ihn nicht ausgelöst hätte? Hätten sie ihn nach x Tagen zu einer Fundsachenversteigerung gegeben oder einfach entsorgt? Hätten sie mir irgendwann schriftlich angeboten, den Pass für 50£ Expresskosten nach D zu schicken? Gibt es kein UK- oder EU-Gesetz, dass den Finder verpflichtet, den Pass den hiesigen Behörden bzw. der deutschen Botschaft zu übergeben?

Lecker Curry mit Chicken und Paneer

Fragen über Fragen, die nach der Sicherheitskontrolle am besten bei einem Getränk und einer warmen Mahlzeit im Wetherspoon’s des Flughafens erörtert werden konnten. Die Gemütlichkeit wurde dabei so groß, dass wir erst 30 Minuten vor Abflug zum Gate aufbrachen. Massig Zeit, dachten Ole, Max, PeeWee und ich und kauften noch ein paar Getränke. Wenig später kontaktierte uns der Rest und forderte vehement unseren Aufbruch. „Beeilt euch!“ „Müssen wir laufen?“ „Ihr müsst auf jeden Fall laufen!“ Es entpuppte sich, dass die anderen schon sehr spät dran waren und unser Gate maximal weit entfernt lag. In dem langen Gang dorthin ertönte nun zweimal der „Last Call“ für uns.

Urlaubssouvenir

Völlig außer Atem (zumindest ich, als Fettsack der Laufgruppe) erreichten wir ein verwaistes Gate und in Sekundenbruchteilen lief folgender Albtraum vor meinem geistigen Auge ab: Hotel buchen, neuen Flug buchen und bei der Arbeit für Morgen abmelden (optisch umrahmt von diesen blinkenden Symbolen: $, € und £). Aber hier war nichts abgesperrt, also das dunkle Treppenhaus runtergehetzt und tatsächlich stand unten noch der Bus zum Flieger. Man muss auch mal Glück haben! Im Flugzeug, heute übrigens eine Embraer 195, saß ich dann wenigstens mit weiteren ruhigen Vertretern im mittleren Teil. Während ganz hinten eine Zecherfraktion, angeführt von Gulle, den ganzen Flug über Halligalli machte. Der brasilianische Düsenjet schaffte die Strecke natürlich flotter als die Propellermaschine vom Hinflug (das war eine Bombardier Dash 8Q-400) und schon um 22:02 Uhr durfte ich meinen Schlüssel ins heimische Türschloss stecken. Das war wieder ein Trip ganz nach meinem Geschmack. Guter Auftakt für das Reisejahr 2019!