Kaiserslautern & Bad Lauterberg 07/2022

  • 15.07.2022
  • 1.FC Kaiserslautern – Hannover 96 2:1
  • 2.Bundesliga (II)
  • Fritz-Walter-Stadion (Att: 40.579)

Zum Eröffnungsspiel der Saison 2022/23 empfinden die Roten Teufel die Roten Riesen auf dem Betzenberg. Und was soll ich sagen? Ich hatte mal wieder Bock auf 96. Optimal wäre natürlich eine Reise im von der Fanszene organisierten Sonderzug gewesen, aber das ließen meine beruflichen Verpflichtungen nicht zu. Ich war zum Glück kein Einzelfall und so traf ich mich nach Feierabend mit Bene, Abdi und Milano Pete. Mit einer Kühlbox voll mit Einbecker Brauherren und diversen belegten Brötchen ging es in den Südwesten. Auch Baustellen und der obligatorisch stockende Verkehr im Rhein-Main-Gebiet bremsten uns kaum aus und so blieb noch genug Zeit für ein Abendessen vor Anpfiff.

Knusprige Schnitzel-Pljeskavica-Rolle

Gegen 18 Uhr verließen wir die Autobahn und steuerten das Städtchen Alzey an. Dort erspähten wir im ersten Verkehrskreisel den Namen Georg Scheu in Beton gegossen. “Bestimmt der Erfinder der Scheurebe” mutmaßte Bene. Tatsache! Der Vater der Scheurebe ist zwar 1879 in Krefeld geboren, wirkte jedoch auf den Weinbergen rund um Alzey und ist hier schließlich 1949 verstorben. Aber tief ins Thema Önologie wollten wir natürlich nicht eintauchen, sondern zeitnah den Hunger stillen. Die Internetrecherche nach Balkanküche zwischen Mainz und Kaiserslautern hatte nämlich das Makarska in Alzeys Stadtzentrum ausgespuckt. Für unsere beiden Mitreisenden mit den kleinen Mägen gab es hier das Topangebot von vier Ćevapčići mit Salat, Zwiebeln und Ajvar im Fladenbrot für 4 €, während Bene auf den Grillteller (17,50 €) setzte und ich mir das das Schnitzel Makarska für 13,50 € gönnte (welches sich als knusprige Schnitzel-Pljeskavica-Rolle entpuppte).

Die Westkurve zu Spielbeginn

Trotz vollen Mägen waren wir immer noch hungrig auf Fußball und so ging es gegen 18:45 Uhr weiter nach Kaiserslautern. Wir folgten der Beschilderung zum Gästeparkplatz und wurden zum Parkplatz Messeplatz geleitet. Frohen Mutes machten wir uns von dort zum 1,896 km entfernten Stadion auf. Tatsächlich mussten auch 60 Höhenmeter überwunden werden, was fußkranke Fußballfans jedes Mal aufs Neue stöhnen lässt. Tja, der Name Betzenberg ist eben keine Mogelpackung.

1.896 mitgereiste Hannoveraner haben Bock auf die neue Saison

Da ein Stempelkasten der Pfälzer Wandernadel dennoch nicht zu finden war, betrat ich kurz nach 20 Uhr das auf dem Gipfel thronende Fritz-Walter-Stadion. Während meine Freunde Tickets für den Gästebereich hatten, zog es mich auf die Gegengerade. Der Beziehungsstatus zwischen Hannover 96 und mir ist halt immer noch kompliziert. Jetzt wo wir uns nach Jahren wiedersehen, wollte ich es langsam angehen lassen. Die Leidenschaft muss erst wieder richtig entfacht werden, bevor ich mich in einen Fanblock stelle und in die Gesänge der Anpeitscher einsteigen kann. Aber ich bin bereit 96 diese Saison eine neue Chance zu geben. In meinem Fall konnte Alte Liebe zwar rosten, aber ich probiere in den nächsten Wochen ergebnisoffen Cola, WD-40 und weitere anerkannte Rostlöser aus.

Das DFB-Sportgericht darf bald wieder eine Fantasiestrafe verhängen

Ich habe meine Fanleidenschaft zwar nie von sportlichen Erfolgen abhängig gemacht, aber ein Auswärtssieg am heutigen Abend wäre natürlich ein positives Signal von 96 gewesen. Am besten man knüpft an den Auswärtssieg 2016 an, als 96 zum Saisonauftakt ebenfalls auf dem Betze gastierte und den Teufeln dabei vier Tore einschenkte (2016/17 war nebenbei die vorerst letzte Saison, in jener ich mehr als null oder ein 96-Spiel im Stadion verfolgt habe). Ich hoffte also auf viele enttäuschte Pfälzer Gesichter um mich herum. Gemeinsam mit denen machte ich jedoch erstmal große Augen, als der Gästebereich seine Choreografie darbot. Fähnchen in den Vereinsfarben und zahlreiche blinkende Pyrotechnik. Dazu das zugegeben eher nichtssagende Banner mit der Parole „Immer voran, immer weiter“. Aber optisch sahen Banner, Fähnchen und Leuchtfackeln natürlich astrein aus.

Fritz Walter bleibt in Kaiserslautern unvergessen

Die Westkurve hatte dagegen zur Feier der Rückkehr in die 2.Bundesliga nichts besonderes vorbereitet. Ein Banner verkündete lediglich „Lautre is wieder da“, was natürlich auch alles andere als eine originelle Message war. Dazu eine schicke Schalparade, an der die Haupttribüne und Gegengerade ebenfalls rege teilnahmen. Immer schick sowas, weshalb eigentlich in jedem Stadion eine am Einlass zu kontrollierende Schalpflicht herrschen sollte. Die Fans der Roten Teufel stellten derweil andere Forderungen per Spruchband. In Richtung DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen wurde u. a. integrer Wettbewerb und eine gerechte Verteilung der TV-Gelder gefordert, während die gute Donata zunächst eine digitale Agenda mit z. B. Virtual-Reality-Features am Smartphone, Social Media Matchday Feeds und On-Field-Interviews per Mini-Drohne während der Spielunterbrechungen zu verfolgen scheint.

96 Fans machen Stimmung

Ein weiteres Banner richtete sich wenig später gegen den Einstieg der Pacific Media Group beim 1.FC Kaiserslautern (welche im Frühjahr 10 % der Clubanteile erwarb). Die PMG ist auch bei den Clubs FC Barnsley (Belgien), KV Oostende (Belgien), AS Nancy (Frankreich), Esbjerg fB (Dänemark), FC Den Bosch (Niederlande) und FC Thun (Schweiz) beteiligt und scheint ein europaweites Netz mit Clubs aus der zweiten oder dritten Reihe aufzubauen. Da wird es wie bei ähnlichen Konstrukten (Vgl. Zürich 02/2022) um sehr unromantische Ziele gehen. Außerdem machten die pfälzischen Fans noch Stimmung gegen den FIFA World Cup Qatar 2022. Auf einem Spruchband rechneten sie vor, dass pro 90 Minuten WM-Fußball ca. 300 Menschen auf den Baustellen des Emirats ihr Leben ließen. Bei dem Thema sind hoffentlich viele Fans sensibilisiert. Klar, es werden immer noch genug Menschen die Scheiße am TV verfolgen und ein paar Dullies sogar nach Katar reisen, aber ein merklicher Rückgang der Einschaltquoten wäre z. B. ein wünschenswertes Zeichen.

Die Westkurve macht Stimmung

Doch kommen wir zur heutigen Darbietung auf dem Rasen. Ich war nach den Transfers der letzten Wochen vorsichtig optimistisch, dass 96 dieses Saison ein Kandidat für das obere Tabellendrittel sein könnte. Aber bereits in der 12.Minute erlaubte sich Börner einen völlig vermurksten Rückpass. Terrence Boyd bedankte sich und bediente im Zentrum Wunderlich, der zum 1:0 vollenden konnte. Die alten Bekannten im 96-Dress lieferten heute mehrheitlich eine miese Darbietung. Insbesondere von Weydandt, Kerk und Beier war in der Offensive wenig Brauchbares zu sehen und in der Defensive schockte nicht nur Börners früher Fauxpas. Obendrein war Ondoua so foulfreudig, dass Leitl diesen bereits mit einem frühen Wechsel in der 27.Minute vor einem Platzverweis bewahren musste. Von den neuen Gesichter überzeugte mich heute nur Derrick Köhn (von Willem II verpflichtet). Der machte wirklich ein starkes Spiel, während Neumann (kam aus Kiel), Schaub (Köln) und Besuschkow (Regensburg) kaum glänzen konnten.

Der Betze brennt…

96 musste froh sein, dass es nur mit einem Tor Rückstand in die Pause ging. Während Leitl seinem kickenden Personal nun mutmaßlich die Leviten las, verschwanden im Gästebereich wieder einige Fans unter Fahnen und Bannern, um dort die Oberbekleidung zu wechseln, Sturmhauben aufzuziehen und sich anschließend mit Bengalos um eine kleine Blockfahne der Gruppe Unterrang zu verteilen. Denn jene Fangruppierung feierte heute ihren 5.Geburtstag (Glückwunsch!). Entsprechend wurde auch der zweite Durchgang seitens der Gästefans mit einer schönen Pyroaktion eingeläutet. Nebenbei hatte der Mob aus Hannover übrigens 90 Minuten Bock auf Stimmung und die Heimseite war auch sehr euphorisiert, so dass es wirklich ein stimmungsvoller Fußballabend wurde. So wie man das erwartet, wenn zwei große Traditionsvereine der Republik mit zusammen 74 Spielzeiten 1.Bundesliga, sechs Meistertiteln und drei Pokalsiegen aufeinandertreffen.

Um den vermummten Mann auf der Blockfahne gruppierten sich viele modische Nachahmer

In der zweiten Hälfte bot 96 tatsächlich eine ansprechendere Leistung. Dazu kamen in der 61.Minute mit Teuchert und Nielsen zwei frische Offensivkräfte für die enttäuschenden Akteure Weydandt und Besuschkow. Lautern verteidigte zwar gut, aber 96 konnte Luthe im Kasten der Roten Teufel mehrmals prüfen und in 80.Minute flankte Teuchert auf Nielsen, der den Schlussmann des FCK endlich überwinden konnte. Der weinschorlengeschwängerte Gästehaufen rastete mächtig aus und ich sah die Roten Riesen mit wenigstens einem Punkt im Gepäck gen Norden abreisen. Wenn nicht gar das Momentum für ein zweites Tor in der Schlussphase genutzt werden kann. 96 blieb tatsächlich am Drücker und kam noch zu weiteren Strafraumszenen, aber in der 2.Minute der Nachspielzeit hatte Lautern mehr Fortune und Kevin Kraus machte den vierfachen Deutschen Meister (1951, 1953, 1991 und 1998) zumindest für eine Nacht zum ersten Tabellenführer der Saison.

Vereins- und Stadtwappen einträchtig ans Stadion gepinselt

Der Teufelsmob rastete nun natürlich komplett aus und auch in meinem Block flogen dutzende Bierbecher in die Luft. Deren Inhalt ergoss sich zum Teil auf den Schreiber dieser Zeilen und das hatte schon Symbolkraft. Anstatt, dass ich mich wie erhofft an bedröppelten Pfälzern erfreuen konnte, stand ich hier nun wie ein begossener Pudel und hatte als Einziger nichts zu feiern. 96 Sekunden später war Schlusspfiff und ich machte mich sofort auf zum Parkplatz. Bergab ging das natürlich flott und um 22:45 Uhr waren Bene, Abdi, Milano Pete und ich wieder am Auto vereint. Mit einem „1954 hat euch bestimmt mehr weh getan, als 2022 uns“ auf den Lippen ging es punktlos nordwärts.

Samstag wurde der Wanderrucksack doch nicht wie geplant aufgeschnallt

Auf der Rückfahrt zahlte sich erneut aus, dass ein Rennfahrer am Steuer saß und der Motor ausreichend Leistung für seinen Fahrstil bot. In 3:22 h meisterten wir die 438 km lange Strecke vom Messeplatz in Kaiserslautern zu meiner Haustür in Hildesheim. Entsprechend lag ich bereits um 2:30 Uhr im Bett und war fast geneigt 5,5 Stunden später aufzustehen und meine für dieses Wochenende geplante Wanderung in und um Bad Lauterberg zu realisieren. Aber endlich mal wieder Ausschlafen war einfach zu verlockend. Ich blieb bis mittags im Bett und nach Einkaufen und Hausarbeit folgte ein Nachmittag auf dem Sofa.

Ruine Scharzfels

Am Sonntag schlief ich auch bis 9 Uhr und fühlte mich nach den erholsamen letzten 30 Stunden regelrecht jünger, schöner und geiler. Vor allem war ich geil auf neue Stempel der Harzer Wandernadel und saß bereits um 9:37 Uhr im Zug. Nach Umstiegen in Elze und Northeim erreichte ich zwei Stunden später den Bahnhof Barbis und startete von dort meine Wanderung rund um Bad Lauterberg. Erstes Ziel war die Ruine der Burg Scharzfels, die 1,75 km vom Bahnhof entfernt ist. Nach den ersten 600 Metern begann dabei ein fieser Anstieg mit durchschnittlich 15 % Steigung auf den nächsten 750 Metern. Dann waren die 120 Höhenmeter des Tages gemeistert und die letzten 400 Meter zum Etappenziel wurden wieder gemütlicher.

Dolomitfelsen

Mich empfing nun neben einem Stempelkasten die Ruine einer bereits im 10.Jahrhundert auf dem hiesigen Dolomitfelsen errichteten Höhenburg. Die Burg war wahrscheinlich ursprünglich in klerikalem Besitz, wurde jedoch 969 an die Grafen von Lauterberg übertragen. 1131 erwarb der spätere römisch-deutsche Kaiser Lothar von Süpplingenburg die Burg und baute sie zu einer Reichsfeste aus. Verschiedene Grafengeschlechter wie die Grafen von Scharzfeld und die Grafen von Hohnstein bekamen jene Reichsfeste als Lehen, ehe Burg Scharzfels im Jahre 1596 an die Welfen fiel.

Der Südharz hat noch dichte Wälder für den Wanderer zu bieten

Burg Scharzfels galt mehrere Jahrhunderte als uneinnehmbar und hielt selbst den Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) stand. Erst im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763), als das Kurfürstentum Hannover sich u. a. mit Frankreich im Krieg befand, konnten französische Truppen 1761 die von hannoverschen Invaliden verteidigte Burg nach zehntägiger Belagerung nehmen. Burg Scharzfels wurde nun von den Franzosen in Brand gesetzt und schließlich gesprengt. Die Reste lassen nur erahnen, wie mächtig die Burg einst war. Doch es gibt mittlerweile eine digitale Rekonstruktion, welche das einst imposante Bollwerk wieder greifbar macht. Ferner ist die Ruine natürlich seit annähernd 200 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, dem ein Gasthaus mit Panoramaterrasse Rechnung trägt.

Der Eingang zur Einhornhöhle

Die nächste Stempelstelle war nur 1,2 km von der Burgruine entfernt, aber dabei ging es zunächst 60 Höhenmeter abwärts ins Hasenwinkeltal und dann wieder 60 Höhenmeter hinauf. Entsprechend des Streckenprofils hatte ich für die ersten 3 km des Tages eine Stunde benötigt. Immerhin gab es nun bereits den zweiten Stempel ins Sammelheft. Dieser war am Eingang der so genannten Einhornhöhle montiert. Dies ist mit 700 Metern Länge die größte Höhle des Westharzes. Ihren Namen bekam die Höhle durch Knochenfunde, die im 17.Jahrhundert sogar der renommierte Otto von Guericke als Einhorngebeine interpretierte. Gottfried Wilhelm Leibniz rekonstruierte außerdem 1686 anhand der Beschreibungen von Otto von Guericke ein Einhornskelett.

Die Köte am Knollenkreuz

Während man mit vermeintlichen Einhornüberresten und deren magischen Kräften seinerzeit gute Geschäfte machen konnte (würde jetzt gerne über unsere dummen Vorfahren lästern, aber denke gerade an die Querdenker, Flat Earther und Homöopathiefans unserer Zeit), kann man heute natürlich maximal kleinen Kindern vermitteln, dass hier früher Einhörner lebten und die Knochen von denen stammen. Aber als Ausflugsziel nebst Gaststätte erfreut sich dieser Ort großer Beliebtheit. Regelmäßige Führungen durch die Höhle gibt es übrigens auch. Aber mich zog es alsbald weiter zur nächsten Stempelstelle. Einer 4,3 km entfernten Köte am Knollenkreuz, für die nochmal 170 Höhenmeter überwunden werden mussten.

Fernblick zum Brocken (links) und Wurmberg (rechts)

Die um 13:32 Uhr erreichte Stempelstelle war eigentlich nichts besonderes, aber persönlich konnte ich hier und heute Bergfest feiern. Das war mein Stempel Nr. 111, ergo habe ich die Hälfte der 222 Stempel der Harzer Wandernadel im Sack.* Vor exakt 770 Tagen drückte ich übrigens am 7.Juni 2020 am Ramseck bei Goslar meinen ersten Stempel ins Sammelheft. Jetzt, wo ich meine bisherigen 33 Wandertouren auf dem Weg zur Harzer Wanderkaiser nochmal vor dem geistigen Auge Revue passieren ließ, kam mir der Gedanke doch nochmal eine Extrarubrik auf Schneppe Tours zu eröffnen. Schließlich ist höchstens die Hälfte der Touren hier aktenkundig geworden (i. d. R. nur wenn nach dem Wandern noch ein Fußballspiel besucht wurde).

Ausblick vom Kummel auf die Odertalsperre (im Hintergrund ist der Große Stöberhai)

Aber zunächst musste die heutige Wanderung noch vollendet werden. Vom Knollenkreuz sollte es weiter zum Bismarckturm gehen und auf diesem Teilstück wurde die heutige Berg- und Talfahrt nochmal auf die Spitze getrieben. Auf den nächsten 1,7 km ging es zunächst von 480 m ü. NN ins Luttertal auf 320 m ü. NN hinab. An der Stelle wo sich Gerade Lutter und Krumme Lutter zur Lutter vereinen, war jener zwischenzeitliche Tiefpunkt erreicht. Mit dem Waldcafé Kupferhütte ließ ich hier übrigens die bereits dritte Einkehrmöglichkeit des Tages liegen. Stattdessen erwartete mich nun der strapaziöseste Aufstieg des Tages. Kurz hinter der Kupferhütte begann gleich mal ein 250 Meter langes Teilstück mit 25 % Steigung. Immerhin hatte mich die schweißtreibende Nummer wieder auf 400 m ü. NN gebracht. Die nächsten 1.000 Meter Wegstrecke bleib die Steigung moderat, so dass ich den schmalen Hangweg genießen konnte. Schöner alpiner Trail, so wie ich es mag.

Der Bad Lauterberger Bismarckturm

Erst auf den letzten 500 Metern wurde es nochmal eklig. Es mussten weitere 60 Höhenmeter gemeistert werden, zunächst mit 10 %, am Ende mit 18 % Steigung. Doch die Mühen wurden oben auf dem Gipfel des Kummel (536 m ü. NN) belohnt. Der Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen war fantastisch. Dafür musste man nicht mal zwingend auf den 1904 errichteten Bismarckturm steigen. Neben dem Turm erwartet den Wanderer außerdem ein Ausflugslokal (also daran mangelte es heute mal nicht), ein Waschbärgehege und natürlich ein Stempelkasten der Harzer Wandernadel. Gegen 15 Uhr war jener Stempel im Sammelheft und ich hoffte noch irgendwie den Zug um 16:19 Uhr in Barbis zu bekommen. Allerdings war das Ziel noch über 7 km entfernt und bei 10 bis 20 % Gefälle auf den nächsten 1,5 km kam ich nicht sonderlich schnell voran (wollte schon aufrecht und nicht rollend unten ankommen).

Hinab vom Weinberg nach Bad Lauterberg

Am Weinberg erreichte ich schließlich um 15:30 Uhr den Stadtrand von Bad Lauterberg. Die letzte Etappe wäre nun zwar schön flach gewesen und hätte größtenteils ganz nett am Ufer der Oder entlang geführt, aber 6 km in 54 Minuten hätten regelrecht Laufschritt erfordert. Bißchen zu viel des Guten mit 580 Höhenmetern in den Knochen. Und den Zug knapp verpassen und dann fast ’ne Stunde in Barbis in der Sonne zu vegetieren, war auch keine Wunschvorstellung. Also spazierte ich noch weitere 1,5 km durch Bad Lauterbergs Zentrum und stieg 15:55 Uhr am ehemaligen Bahnhof der Kurstadt – 2004 wurde das letzte Teilstück der Bahnstrecke Scharzfeld–St. Andreasberg von Scharzfeld nach Bad Lauterberg stillgelegt – in einen Bus nach Barbis.

Im Stadtzentrum war patriotisch geflaggt

So waren es doch nur 13,9 anstatt 18,5 Wanderkilometer, aber dafür der Zug um 16:19 Uhr kein Problem mehr. Zwei Stunden und zwei Minuten später betrat ich Hildesheimer Boden und natürlich hatte ich zwischenzeitlich geklärt, dass Kaiserslautern und Bad Lauterberg nicht nur Höhenlage und Weinanbautradition gemeinsam haben, sondern sich erwartungsgemäß beide Ortsnamen etymologisch von einem Wasserlauf namens Lauter ableiten. Da der Teufel bekanntlich in der Sagenwelt des Harzes auch sehr präsent ist, könnten die beiden Städte glatt mal über eine Partnerschaft nachdenken.

Dönerpizza mit Zwiebeln mal anders

Ich dachte natürlich auch noch darüber nach, wie ich mein heutiges Kaloriendefizit ausgleichen konnte und gönnte mir schließlich noch eine Dönerpizza mit Zwiebeln vom Oststadtgrill. Ich staunte allerdings nicht schlecht, dass der neue Mitarbeiter dieser geschätzten Imbissboutique der Meinung war, dass die Zwiebeln erst nach dem Backen auf die Pizza kommen. Gut, immerhin hat er das mit dem Käse nicht ebenfalls so gehandhabt und ich hatte zum Wochenendausklang noch etwas zum Schmunzeln.

Song of the Tour: Ein teuflisch guter Song

*Korrektur: Ich hatte mich doch tatsächlich verzählt. Bergfest hätte eigentlich erst am Bismarckturm gefeiert werden dürfen.