Watford 12/2018

29.12.2018
Watford FC – Newcastle United 1:1
Premier League (I)
Vicarage Road (Att: 20.336)

Ich glaube am 28.12.2018 bin ich zum sechsundneunzigsten Mal in meinem Leben von Hannover nach London geflogen. Jedenfalls gefühlt. Aber mein Heimatflughafen HAJ hat eben nicht so viel Auswahl und London geht ja eigentlich immer. Da Weihnachten und Silvester 2018 günstig lagen, wollte ich mir ursprünglich vom 2.Weihnachtsfeiertag bis Neujahr eine große Fußballdosis in England zuführen. Doch als sich herauskristallisierte, dass berufliche Aufgaben am 27. und 28.Dezember nicht abzuwenden sind, lief es letztlich nur auf den Jahreswechsel im Ausland hinaus. Immerhin waren trotzdem, dem englischen Spielplan sei Dank, zwei Spieltage und somit drei bis vier Spielbesuche zwischen dem 29.Dezember und 1.Januar drin.

Underberg ist ein Muss

Mit von der Partie waren Schirm, Schlenn, Ole und Max. Die drei Erstgenannten flogen mit mir von Hannover nach London, während Max am 29.Dezember aus Edinburgh dazustoßen wollte. Am Abflugtag trafen wir uns nach Feierabend am hannoverschen Hauptbahnhof und kamen letztlich 70 Minuten vor Abflug am Flughafen an. Es war viel los, aber 30 Minuten vor Abflug waren wir dennoch schon am Gate und hatten noch Zeit für ein paar Runden Underberg. Dass zur geplanten Abflugzeit erst mit dem Boarding begonnen wurde, kam uns dabei entgegen, raubte im Umkehrschluß jedoch Zechzeit in Londons Pubs am heutigen Abend.

Hamilton Hall an der Liverpool Street

Um 18:55 Uhr Ortszeit betraten wir britischen Boden und nach der kleinen Bahnfahrt vom Gate zur Passkontrolle, probierten wir aufgrund des riesigen Andrangs mal etwas Neues aus. Einfach mal bei Nicht-EU angestellt, wo die Wartezeit 45 Sekunden statt geschätzt 45 Minuten dauerte. Dort dumm gestellt, eine Belehrung bekommen, aber aus Kulanz trotzdem durchgelassen worden („Normally I’ve to send you to the end of the right queue!“). Damit bekamen wir einen deutlich früheren Zug, aber Nachahmung auf eigene Gefahr!

Erste Biere auf britischem Boden

Im Zug saßen wir übrigens neben einem schwäbischen Hipsterpärchen, welches in London lebt und gerade aus Stuttgart von den Weihnachtsfeierlichkeiten mit der Familie zurückkehrte. Natürlich fragten wir gleich mal, welches Viertel der britischen Hauptstadt denn gerade angesagt ist. Camden Town und Shoreditch müssten bei den Locals ja schon längst wieder out sein, da sie in jedem Touriführer als Geheimtipp stehen. Sie empfahlen Hackney allgemein und Dalston speziell. Na das prüfen wir doch mal im Laufe der nächsten Tage.

Schaurig schöne Streetart im Londoner East End

Bereits kurz nach 20:00 Uhr waren wir an der Liverpool Street. Meine Prognose, dass London sich zwischen Crimbo und NYE verhältnismäßig ’ne Ausgehauszeit gönnt, bewahrheitete sich. Zum ersten Mal seit Jahren bekamen wir im Pub „Hamilton Hall“ an einem Freitagabend gegen 20/21 Uhr auf Anhieb einen Tisch. Dafür funktioniert in dieser Filiale von „Wetherspoon’s“ die Order & Pay App noch nicht, so dass man sich selbst bewegen musste, um an seine Kalorien via Bier und Burger zu kommen. Gibt Schlimmeres!

London Pride

Nach zwei Stunden und drei Runden, zogen wir weiter Richtung Ibis Hotel in Whitechapel. Jedoch nicht ohne nochmal für eine Runde Fuller’s „London Pride“ in den gemütlichen Pub „The Hoop and Grapes“ einzukehren. Die machten dann um 23 Uhr dicht und wir beschlossen im nahen Hotel einzuchecken und danach noch ein paar Biere im „Indo“ gegenüber zu trinken (das hat an Wochenenden immer bis ca. 3 Uhr auf). Es gab wie bei den bisherigen Besuchen in den letzten Jahren die fiktiv wirkenden Biere „Stüttgarter Helles“ (wirklich mit ü), „Sanwald Weissbier“ und „Meister Pils“. Alle Indizien deuten auf die Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG in Stuttgart als Urheber hin, aber Beweise sind im Netz nicht zu finden. Ich glaube ich werde die mal anschreiben.

Large Breakfast

Am nächsten Morgen ging es zunächst einmal um 10 Uhr zum Frühstücken in den Pub „Goodman’s Field“. Die von uns allen gewählte Variante „Large Breakfast“ ließ den Körper schnell vergessen, dass am Vorabend doch so ungefähr 5 Liter Bier pro Person konsumiert wurden. Gegen 11 Uhr machten wir uns schließlich auf nach Watford. Von der Station Aldgate ging es via Bahnhof Euston in die kleine Nachbarstadt, die in Londons Verkehrsverbund integriert ist. Ich glaube mit ungefähr 5£ wurde die Oyster Card belastet.

Watford Palace Theatre

Kurz nach 12 Uhr wurde der Bahnhof Watford Junction erreicht und von dort spazierten wir in das kleine und unspektakuläre Zentrum der 80.000-Einwohner-Stadt. Sehenswürdigkeiten, so genannte „Listed Buildings“, gibt es in Watford gerade mal eine Handvoll. Ergo fiel das Thema Sightseeing knapp aus und mit dem Watford Palace Theatre (Theater aus der Edwardischen Epoche, 1908 eröffnet), der St Mary’s Church (frühgotische Kirche aus dem 12.Jahrhundert) und der Holy Rood Church (neogotische Kirche aus dem 20.Jahrhundert) liegen drei davon auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion.

St Mary’s Church

Ansonsten schritten wir noch die High Street von Watford ab. Dort existieren ein paar ältere Fachwerkhäuser und in den alten Gemäuern, sowie in einer modernen Mall erwarten einen die üblichen Verdächtigen aus Gastronomie und Einzelhandel mit ihren Niederlassungen (kennste eine englische High Street, kennste alle englischen High Streets…). Wer in Watford lebt muss dementsprechend nicht für jeden Mist nach London reinfahren. Selbst Party machen kann man in Watford ganz gut. Aber dazu später mehr.

Fachwerk auf der High Street

Wir ließen uns nun erstmal im größten Pub der Stadt nieder; dem „The Moon Under Water“. Dort waren auch dutzende Lads aus Newcastle eingekehrt, die im Dreieck Haupteingang-Theke-Toiletten alles an Tischen und Freifläche bevölkert hatten. Wir fanden aber im hinteren Bereich des Pubs noch ein ruhiges Plätzchen und konnten nach der absolvierten Touri-Pflicht das erste Bier des Tages genießen.

The Moon Under Water

Weil die Gäste aus dem Norden immer sangesfreudiger wurden, hielten wir es hier noch eine zweite Rutsche Biere aus. In Kombination mit den Kaffees zum Frühstück, meldete sich nun unweigerlich die Blase zu Wort. Auf der proppenvollen Toilette gab es dann lange Schlangen vor den Klokabinen und wenig Andrang an den Urinalen. Viele der Nordlichter litten wohl unter einer Paruresis oder einem nervösen Darm 😉 !?

Zeit für das erste Bier des Tages

Gegen 14 Uhr gab es doch nochmal einen Tapetenwechsel. Es ging für ein letztes Pint vor Spielbeginn in den ältesten Pub der Stadt. Im gemütlichen „The One Crown“, wo seit dem 16.Jahrhundert Alkohol ausgeschenkt wird, durften wir wenig später auch Max begrüßen, der gegen 12 Uhr in London eintraf, sein der Gepäck noch schnell im Ibis bunkerte und uns anschließend nach Watford nachreiste. Er hatte in Schottland u.a. Rangers vs. Hibs besucht und entsprechend was zu erzählen.

Im The One Crown

Nachdem die erste gemeinsame Runde als Quintett runtergespült war, mussten wir auch schon los. Der Anpfiff um 15 Uhr rückte näher und der Kilometer vom Pub bis zum Stadion erforderte auch noch seine 10 bis 15 Fußminuten. Immerhin gab es beim bereits ausverkauften Spiel keine Kartenproblematik und die hinterlegten Tickets für die Haupttribüne wurden ohne Wartezeit im Ticket Office ausgehändigt.

To the ground

Die Haupttribüne („The Graham Taylor Stand“) war nun auch die älteste und einzige zweirangige Tribüne des Stadions. Sie wurde 1986 gebaut bzw. grunderneuert durch ein 3.000.000£-Darlehen eines gewissen Elton John. Der Rest wurde zuletzt vor vier, fünf Jahren modernisiert und alles zusammen ergibt ein schönes enges britisches Stadion ohne übertrieben viel Komfort. Die uns gegenüber liegende Gegengerade wurde übrigens zu Ehren des berühmtesten Fans und Gönners des Watford FC anno 2014 „Sir Elton John Stand“ getauft.

Ab in den Graham Taylor Stand

Der in Watford aufgewachsene Sir Elton hatte 1976 seinen Herzensverein übernommen und große Pläne. Der damalige Viertligist sollte mittelfristig eine erstklassige Adresse werden. Dazu wurde 1977 der Namenspatron unserer Tribüne als Trainer verpflichtet und binnen fünf Jahren schaffte das Team unter Graham Taylor den Sprung in die 1.Liga. Und als wäre das noch nicht Leistung genug, gelang prompt die Vizemeisterschaft und damit die Qualifikation für den Europapokal. In den folgenden Jahren etablierten sich die „Hornets“ in der First Division (Vorgänger der Premier League) und 1984 stand man außerdem im Finale des FA Cups (0:2 gegen den Everton FC).

Elton John im Watford-Dress

In dieser Ära brachte der Watford FC logischerweise auch ein paar Fußballer groß raus. Zuvorderst denke ich da an John Barnes (1981 bis 1987 dort aktiv). Einer meiner Lieblingsspieler überhaupt, der nach seinem Wechsel zum Liverpool FC (1987) etliche Trophäen sammelte (u.a. zwei Meisterschaften und zwei FA-Cup-Siege) und weiterhin ein Eckpfeiler des Englischen Nationalteams blieb, für das er 1983 erstmals nominiert wurde. Legendär sein Tor 1984 gegen Brasilien im Maracanã und vielleicht noch legendärer sein Rap-Auftritt 1990 im WM-Song „World in Motion“ von New Order bzw. Englandneworder (während die Deutsche Nationalmannschaft mit Udo Jürgens „Wir sind schon auf dem Brenner“ trällerte).

Unsere Tribüne

Ein weiterer Star der 80er Jahre wurde wie John Barnes auf Jamaika geboren und wie Barnes 1983 einer der ersten dunkelhäutigen Nationalspieler Englands. Es handelt sich um Watfords Stürmer Luther Blissett, der von 1975-1983, 1984-1988 und 1991/92 für die „Hornets“ auf Torejagd ging. Sein kurzes Gastspiel beim AC Milan (1983/84) wird wohl der Auslöser dafür gewesen sein, dass ein anarchistisches italienisches Künstlerkollektiv sich den Namen Luther Blissett gab bzw. unter diesem Massenpseudonym Aktionen startete. Das machte seinen Namen in Italien später jedenfalls noch berühmter als sein fußballerisches Wirken.

Los geht’s

Doch jede Ära geht mal zu Ende und nachdem sich Taylor sich 1987 in Richtung Aston Villa verabschiedete, begann sogleich eine Abwärtsspirale für den Club. Nach Abstiegen 1988 und 1996 befand man sich wieder in der Drittklassigkeit. Graham Taylor kehrte 1997 nochmal auf den Trainerstuhl zurück und schaffte auf Anhieb den Durchmarsch von der 3.Liga in die Premier League. Allerdings mißlang eine abermalige Etablierung im Oberhaus und nach dem Wiederabstieg 2000 und dem gescheiterten Wiederaufstieg 2001, verabschiedete sich der Erfolgscoach in den Ruhestand und die kommenden 1,5 Jahrzehnte blieben wechselhaft.

Inseltypisch nah dran am Geschehen

Immerhin erkannte Sir Elton, dass die Premier League im 21.Jahrhundert seine Mittel tendenziell übersteigt und weitere Investoren kamen ins Boot. 2012 wurde die italienische Unternehmerfamilie Pozzo Mehrheitseigentümer und mittlerweile läuft es wieder ganz gut. Seit 2015 ist man erneut Teil der Premier League und nach den Endplatzierungen 13, 17 und 14 ist man aktuell Zehnter (27 Punkte) und ging heute gegen den Newcastle United FC (z. Zt. 15.Platz mit 17 Punkten) als Favorit ins Spiel.

Blick zum Gästeblock

Dem wurde man aber zunächst nicht gerecht. Die Geordies, bei denen Ex-96er Joselu nur auf der Bank saß, kamen besser ins Spiel und gingen schließlich in der 29.Minute mit 0:1 in Führung (durch Rondón per Kopf). Gute Laune beim Gästeanhang, der jedoch insgesamt im Pub sangesfreudiger wirkte als im Stadion. Da auch Watfords kleine „Singing Area“ keine Bäume ausriss, wurde es mal wieder einer meiner stimmungsärmeren Spielbesuche auf der Insel (zuletzt wurde ich bei Spielen wie QPR vs. Brentfort oder Tottenham vs. Arsenal ja doch sehr verwöhnt).

Halbzeitbier

Bester Song auf der Heimseite war heute das „Since I was young, I followed them. Watford FC, the team for me.“ Highlight bzw. Kuriosum des Newcastle-Anhangs: Nach 34 Minuten sang der Mob der Geordies geschlossen „Last Christmas“ von Wham. Das war natürlich mies kopiert von Mainz 05. Aber wer auf der Insel kopiert nicht von Mainz 05? (Vgl. „You’ll Never Walk Alone“, welches Anhänger des Liverpool FC der Legende nach von einer Rheinhessen-Hoppingtour an die Mersey mitbrachten)

The Vicarage Road Stadium

In der 2.Halbzeit stellte sich Watford etwas besser an und Trainer Javi Garcia bewies mit seinen Einwechslungen ein gutes Händchen. So war es der Joker Abdoulaye Doucouré, der in der 82.Minute, ebenfalls per Kopfball, den Ausgleich erzielen konnte. Watford versuchte anschließned das Momentum zu nutzen und machte nochmal 10 Minuten Dampf. Auch das Publikum merkte, dass vielleicht noch etwas geht und „C’mon Watford“-Rufe breiteten sich auf allen Tribünen aus. Am Ende blieb es jedoch ein gerechtes 1:1, mit dem die Fans aus Newcastle wohl etwas zufriedener ihren Heimweg antraten.

Watford zelebriert den Ausgleich

Nach Spielschluss arbeiteten wir uns an deren zahlreichen Fanbussen aus dem Norden vorbei in Richtung Innenstadt, um erneut den „The Moon Under Water“ zu beehren. Diesmal auch zum Essen. Es gab für alle Pizza. Wetherspoon’s hat Italiens Fast-Food-Schlager mittlerweile in etlichen Pubs ins Programm aufgenommen und die Dinger schmeckten nicht mal übel. Allerdings hätten sie durch die Bank einen Tick länger im Ofen bleiben können. Außerdem waren identische Pizza-Bestellungen teilweise mit Rucola und teilweise ohne Rucola.

Pub Pizza

Die Theorie von Max: Er hatte Rucola, weil er bar mit schottischen Pfundnoten bezahlt hat. Denn Rucola ist die Nationalpflanze Schottlands… „Ist das nicht die Distel?“ „Nee, nee. Das ist ein populärer Irrtum. Das ist definitiv Rucola!“ „Das klingt völlig bescheuert.“ „Wales hat Lauch als Nationalpflanze, also warum sollte Schottland nicht Rucola als Nationalpflanze haben können?“ „Alle Nationen hier auf der Insel haben eine genießbare Nationalpflanze. Die Engländer Minze, die Waliser Lauch und die Schotten eben Rucola.“ Die Schotten und ihr Rucola wurde die nächsten Tage zum Running Gag, aber das kann ich gar nicht alles en Detail wiedergeben und wahrscheinlich muss man auch dabei gewesen sein, um es so lustig wie wir zu finden.

Jägerbomb

Wie dem auch sei, nach dem Rucola-Gate schauten wir am TV, wie Liverpool Arsenal zerlegte (5:1) und stiegen in Form von Jägerbombs langsam ins Schnaps-Business ein. Per App wurden die rundenweise bequem an den Tisch bestellt. Nur Ole war technisch überfordert und orderte trotz mehrmaliger Nachfrage der App seine Runde an Tisch 114 eines gleichnamigen Pubs in einer anderen Stadt. Tja, da blieb einem nur zu hoffen, dass dort motivierte Zecher saßen. Unsere Fantasie war jedenfalls schon wieder angeregt und wie malten uns etliche Szenarien aus. Zum Beispiel ein Pärchen am besagten Tisch 114, wo ein Partner sich schon extrem glatt gemacht hat und kurz vor Oles Getränkespende von der so genannten Regierung aufgefordert wurde auszutrinken, um zusammen den Heimweg anzutreten. „Schatz, ich schwöre, ich hab das nicht bestellt!“ „Halt’s Maul! Meine Mutter hatte recht, du bist ein Scheiß-Alkoholiker!“

Im Colombia Press

Gegen 21 Uhr dachten wir uns dann, was wollen wir eigentlich in London? Lasst uns doch hier feiern. Denn Watford hat ’ne kleine Partymeile (The Parade) mit diversen Clubs. Erstes Ziel: das „Colombia Press“, wo es zwei Cocktailpitcher zum Preis von einem gab. Mit Long Island Iced Tea kam weiterer Schwung in die Sache und weil sich die Tanzfläche nur spärlich füllen wollte (kein Wunder vor 22 Uhr), zogen wir danach weiter ins benachbarte „Walkabout“.

Synchrongießen von Long Island Iced Tea

Ob in Cardiff, Bournemouth, Manchester oder sonstwo im Vereinigten Königreich, „Walkabout“ hat sich bisher immer gelohnt. So auch in Watford. Unter anderem spazierte eine Mitarbeiterin mit einem Tablett voll Jägerbombs permanent durch den Laden, um den „Point of Sale“ an den Tischen zu realisieren. Ratet mal, wer ihre besten Kunden wurden…

Jägerbombs, frische Jägerbombs…

Die etlichen „Bombardements“ wurden mit Bieren gelöscht und wem es in der Abwurfzone zu heikel wurde, der konnte auf die immer voller werdende Tanzfläche flüchten. Ein Zufluchtsort, der landestypisch mit leichtbekleideten und kontaktfreudigen Damen gesegnet war. Während unsere Leiber nun im Lichtspiel zwischen grell und dunkel zu Eurodance abzappelten, liefen wir natürlich Gefahr den letzten Zug nach Hause zu verpassen. 23:30 Uhr musste für diesen spätestens Abmarsch sein. Quasi auf dem Höhepunkt der guten Laune.

Feierei

Klappte alles nicht so ganz reibungslos und trotz schnellen Schrittes verpassten wir die Bahn um zwei Minuten. Zum Glück gab es noch einen doppelten Boden. Wir hatten lediglich die letzte Bahn verpasst, wo wir noch Underground-Anschluss in unser Barrio gehabt hätten. Der letzte Zug nach London sollte erst in einer halben Stunde fahren, so dass wir nun nochmal in den Pub am Watforder Bahnhof auf eine Runde Cider einkehrten („The Flag“, an Wochenenden immer bis 1:00 Uhr geöffnet).

Scheidebecher in Watford

0:20 Uhr fuhr nun wirklich die letzte Bahn und direkt zum Hotel kamen wir, wie gesagt, im Anschluss nicht mehr. Aber immerhin vom Bahnhof Euston bis zur Liverpool Street Station, von wo es nur 15 Fußminuten bis zum Hotel sind. Das Ganze via Underground mit Umstieg an der Tottenham Court Road. Schirm und Schlenn ersparten sich derweil den mühsamen Weg und fuhren ab Euston mit Uber. Wer hat, der kann…

Ole sucht Gleis 9 3/4

Ihren Zeitvorsprung nutzten sie sinnvoll mit Bieren im „Indo“, während unser Öffi-Trio lieber um 2 Uhr nachts den nahen Spätimbiss „Mahdiya Peri Peri Grill“ aufsuchte, anstatt auch noch in den Pub einzukehren. Wir mussten im Gegensatz zu den anderen beiden nämlich früh raus und außerdem hatte der fürstliche Alkoholexzess in Watford hungrig ohne Ende gemacht.

Mmhh, lecker!

Entgegen der Tradition, wählte ich mal nicht das Dauerangebot Fritten und Kebabfleisch für 3£, sondern vier kleine Hähnchensteaks mit Fritten für 4.45£. Blöd, dass ich schon auf dem Zimmer war, als ich merkte, dass ich vergessen hatte den Fraß mit Salz und Saucen genießbarer zu machen. War ’ne trockene Angelegenheit, im Gegensatz zum bisherigen Abend.