London 11/2018

10.11.2018
Queens Park Rangers FC – Brentford FC 3:2
Championship (II)
Loftus Road (Att: 17.609)

Wer diese Seite schon länger verfolgt, dem dürfte aufgefallen sein, dass Schneppe Tours sich gerne von O(ktober) bis O(stern) in Großbritannien aufhält. Denn die kalte Jahreszeit ist da meist gar nicht so kalt. Und wenn doch, was kann es schöneres geben, als mit einem Pint in einem gemütlichen Pub am Kamin zu sitzen? Nach dem relativ spontan geplanten Trip nach Liverpool Ende Oktober, folgte nun ein klassischer London-Trip. Klassisch bedeutet wieder mal Hannover-Stansted für 60€ return, wieder das Ibis in Whitechapel für rund 60€ pro Person und wieder jede Menge Pubs, Sightseeing & Football.

Altbekannter Ibis-Ausblick

Mit von der Partie waren Ole, Schirm und Fat Lo und Abflug war am Freitagabend um 18:10 Uhr in Hannover, so dass es sich nach Feierabend gar nicht mehr lohnte noch nach Hause zu fahren. Wie immer, wenn man mit Schirm reist, musste man natürlich vor Abflug diverse Underberg am Gate trinken. Angeblich sammelt er immer noch Flaschendeckel für den Underberg-Truck als Loyalitätsprämie. Doch rekapitulieren wir die letzten Jahre, hat er wahrscheinlich schon einen ganzen Fuhrpark zu Hause.

Vino

Weil Eurowings mit Warsteiner ein uns weniger genehmes Bier serviert, wurde im Flieger in Rotwein investiert und kaum war die Pulle leer, setzte der Flieger auch schon zum Landeanflug an. 18:40 Uhr wurden wir entboarded und knapp zwei Stunden später waren Grenzkontrolle und Stansted Express überstanden. Leider waren rund um die Liverpool Street alle Pubs zum Bersten gefüllt, so dass wir doch zunächst im Ibis in Whitechapel eincheckten und uns dann dem ersten Bier des Abends widmeten.

Remembrance at Liverpool Street Station

Im Wetherspoon’s „Goodman’s Field“ gab es den Empire State Burger und ein Pint Guinness zur Steigerung des Wohlbefindens. Außerdem waren bis 23 Uhr immerhin noch drei Runden Ale („London Pride“ von Fuller’s) drin. Dann bereitete der Pub seine Schließung vor und Schirm organisierte uns einen Uber-Unternehmer. Somit hatten die 3km nach Stepney zur „George Tavern“ keine Chance die frisch erworbenen Kalorien wieder aufzuzehren.

Burgertime

Die „George Tavern“ hatte Ole und mir (und Max) vor exakt zwei Jahren sehr gut gefallen und vor allem hat sie am Wochenende bis 3 Uhr morgens auf. Das Bier war wohl etwas teurer geworden (aktuell 4,50£ für ein Pint Carling), die Musik vom Plattentelleraber wieder abwechslungsreich (die Live-Band „Seeds of Doubt“ baute leider bei unserer Ankunft schon auf der Bühne ab) und das Publikum war ganz okay (hatten wir aber besser in Erinnerung).

The George Tavern

 Heute waren viele Leute offensichtlich unter starkem Drogeneinfluss. Die nervten teilweise auch an unserem Tisch, taten aber keinem was. Stattdessen waren sie aus der Distanz ganz lustig, wenn sie auf der Tanzfläche abspackten. Gezogen wird ja eh auf fast jeder britischen Pub- und Clubtoilette, dass einen das nicht wirklich überraschte. Als es so ab 1 Uhr langsam leerer wurde, stieg die Ballerquote allerdings weiter an, da eher die „normalen“ Leute weitergezogen waren oder nach Hause verschwanden.

Eine Runde Carling

Es waren mittlerweile auch drei Typen aufgetaucht, wo wir gleich beim Reinkommen unisono meinten, dass die optisch so gar nicht reinpassten (finstere Typen halt…). Nach einer geschätzten Viertelstunde streckten diese schließlich eins der Drogenopfer auf der Tanzfläche nieder. Ihre Gläser zertrümmerten sie auf dessen Schädel und traten dann beherzt ein paarmal auf den armen Bengel ein. Wir realisierten gerade erst was da abging, als die drei Gangstertypen die Türsteher überrannten und in die Nacht verschwanden. Das Opfer regte sich kein Stück und wir hatten schon ein ganz mieses Gefühl. Zum Glück hatte er noch Puls und der Krankenwagen war auch schnell da. Spekulativ wirkte das wie eine geplante Aktion und könnte mit Drogen zu tun gehabt haben.

Out of service

Damit war die Party um 1:30 Uhr vorbei und als die Polizei bereits da war, rastete auch noch eine junge Frau aus, die mit der Sache zuvor überhaupt nichts zu tun hatte. Jedenfalls bewarf die einen Typen mit ihrem Bierglas und attackierte ihn noch körperlich. Zeit zu gehen für die vier Touristen aus Deutschland, denn hier würde es kein Bier mehr geben.

Was die Nachbarn halt so im Pub auslegen

Das nächste Ziel war das „Indo“ gegenüber von unserem Hotel, welches wir auch bereits in der jüngeren Vergangenheit schon einmal beehrt hatten und welches ebenfalls bis 3 Uhr geöffnet haben sollte. Hier gönnten wir uns noch ein zwei Runden „Stüttgarter“ (wird wirklich so geschrieben) und widmeten uns verstärkt dem anderen Geschlecht. Bzw. dieses widmete sich uns. Der Beginn der Konversation soll an dieser Stelle reichen: „Guys, you are so hot“ „Yes, we know“

Nächtliche Katervorbeugung

Am nächsten Morgen ging es uns ganz gut und ein ehrliches englisches Frühstück sollte den Gemütszustand noch weiter verbessern. Dazu ging es wieder ins „Goodman’s Field“ und 5.99£ wurden für die ersten 1.500kcal des Tages fällig. Dazu Kaffee mit „Free Refill“ für 1.55£. Zum „Refill“ kam es jedoch nicht, da Schirm uns gleich nach dem Essen einen Streich mit der Order & Pay App von Wetherspoon’s gespielt hat. Plötzlich stellte uns eine Kellnerin vier Pints „London Pride“ auf den Tisch. „Äh Fräulein, das muss falsch sein!?“ Mit „Nee, nee!“ fiel Schirm uns ins Wort und grinste nur.

Large English Breakfast

Doch bevor der Tag schon viel zu früh seine vorbestimmte Richtung einschlagen konnte, rief ich nach diesem ersten Bier zum Aufbruch. Wir hatten uns für heute das vielversprechende Fußballspiel Queens Park Rangers vs. Brentford rausgesucht (Karten für die Gegengerade traten bereits im Vorverkauf für jeweils 29£ die postalische Reise über die Nordsee an). Und weil das sehenswerte Viertel Notting Hill auf dem Weg zum Stadion von QPR lag, wollten wir dort nochmal vorbeischauen. Tourikram muss ja auch sein und so ging es mit der U-Bahn vom Tower Hill zum Notting Hill Gate.

Notting Hill

Die Portobello Road in Notting Hill war Samstagmittag erwartungsgemäß gut besucht, aber da muss man durch. Hier ist samstags immer großer Trödelmarkt und zusammen mit den bunten Häusern der Straße zieht dieser Heerscharen von Touristen an (siehe Titelbild). Dazu kommt auch noch, dass in Notting Hill ein gleichnamiger romantischer Spielfilm mit Hugh Grant und Julia Roberts spielt. Das lockt obendrein einige Fans dieser Zelluloidschnulze an.

Notting Hill ist voll von Selfiegirls

Wir entkamen den Massen schließlich per Einkehr in den schönen viktorianischen Pub „The Earl of Lonsdale“. Das war einst ein so genannter „Gin Palace“ und verfügt dementsprechend über ein paar Separees. Wir gönnten uns mit dem „Old Brewery Bitter“ aus dem Hause Samuel Smith ein sehr leckeres Ale und stellten fest, dass der Anpfiff an der Loftus Road immer näher rückte. Eigentlich wollten wir einen kleinen Pubcrawl mit vier bis fünf Pubs durch Notting Hill veranstalten. Doch bei nur noch einer guten Stunde bis zum Spielbeginn, musste das Vorhaben zurechtgekürzt werden.

Some Pints at The Earl of Lonsdale

Also spazierten wir nach dem Pint abseits der proppevollen Portobello Road durch das touriarme westliche Notting Hill (rund um die Straße Ladbroke Grove). Es ist wirklich ein sehr schönes Viertel und dementsprechend durch und durch gentrifiziert. Mit unseren geschätzten 1.000£ Wochenmiete für eine 50m²-Wohnung haben wir beim Spekulieren wahrscheinlich sogar zu niedrig angesetzt. Aber das Londons gepflegte und gut gelegene Gegenden für Durchschnittsverdiener unbezahlbar geworden sind, ist ja kein neues Phänomen. Da die Nachfrage immer noch das Angebot übersteigt, ist auch weiterhin kein Ende der Fahnenstange in Sicht.

Nobles Notting Hill

Wir kehrten in dieser ruhigen Gegend nochmal in den Pub „The Ladbroke Arms“ ein, der auch sehr gut besucht war, allerdings im Gegensatz zum von Touris bevölkerten „The Earl of Lonsdale“ wohl eher die Anwohner bewirten durfte. Es stand mehr Wein als Bier auf den Tischen und gut gekleidet waren die daran nippenden Damen und Herren obendrein. Wirkten alle eher wie Polo- oder Cricketfreunde anstatt wie Fußballasis, aber das „Autumn Red“ aus dem Hause Twickenham (4.80£) schmeckte uns trotzdem.

The Ladbroke Arms

Es musste beinahe schon zu schnell gestürzt werden, da die Uhr jetzt 14:25 Uhr anzeigte. Doch Schirm organisierte wieder einen Uber-Fahrer und so waren wir zeitnah am Stadion im benachbarten Stadtteil Shepherd’s Bush. Das abermalige Nichtvorhandensein einer Leibesvisitation an einem britischen Stadioneingang ließ die Massen flüssig die Drehkreuze passieren und pünktlich zur Schweigeminute und Trompete anlässlich des „Remembrance Day“ waren wir drinnen.

Welcome to QPR

An dem Spieltag, der dem 11.11. am nächsten liegt (am 11.11.1918 um 11 Uhr trat der Waffenstillstand an der Westfront zwischen den Kriegsparteien des 1.Weltkriegs in Kraft), wird in den britischen Stadien vor jedem Fußballspiel eine Schweigeminute abgehalten und den Opfern des 1.Weltkriegs gedacht. Ein Krieg, in dem die Briten einen deutlich höheren Blutzoll als im 2.Weltkrieg zu beklagen hatten und dessen man optisch rund um den 11.11. außerdem flächendeckend mit „Poppies“ (stilisierten Mohnblumen) gedenkt.

Natürlich verzichtete auch ich nicht auf mein Remembrance Poppy

Nach der Schweigeminute konnte der Ball im nahezu ausverkauften Stadion rollen. Das „West London Derby“ zwischen QPR und Brentford (die Stadien der Rivalen sind nur 4 Meilen voneinander entfernt) hatte wieder einmal die Massen mobilisiert. Die Gästefans bevölkerten dabei eine komplette Hintertortribüne und wir saßen auf der Gegengerade nah an ihnen dran.

Die Gästefans

Außerdem ganz in unserer Nähe: Diverse Pöbler von QPR, die den Gästeblock immer wieder mit Gesten und Gesängen provozierten. Besonders der uns zugewandte Teil des Unterrangs, wo alle Gästefans permanent standen, stieg gern darauf ein. Ergo herrschte von Anfang an eine gute Stimmung in der engen Bude.

Frei von jeglicher Beinfreiheit

Und wenn ich eng sage, dann meine ich auch eng! Selbst für britische Verhältnisse war man hier extrem nah am Spielfeld dran. Einwerfenden Fußballern hätte man aus der 1.Sitzreihe an der Spielkleidung zupfen können. Leider Gottes waren die Sitzreihen auch unfassbar nah aneinander gereiht. Nur so war es wohl möglich, die Kapazität auf immerhin noch 18.439 Plätze zu reduzieren, als das Stadion 1994 zum „All-Seater“ umgebaut wurde. Davor waren es mit Stehplätzen 27.000 Plätze und ein Ausbau der Tribünen (des erst in der 1980er Jahren generalüberholten Stadions) war aufgrund der Lage in einem Wohngebiet nicht möglich. Also quetschte man einfach so viele Sitze wie möglich in das bestehende Stadion und quält damit jeden Fan über 1,70m.

Grimmiges britisches Wetter

Die 1980er und 1990er Jahre waren auch eine relativ erfolgreiche Zeit für den 1882 gegründeten Fußballclub. 1982 stand man pünktlich zum 100.Geburtstag als Zweitligist im FA-Cup-Finale, unterlag jedoch Tottenham Hotspur im Wiederholungsspiel (nach 1:1 im ersten Spiel) denkbar knapp mit 0:1. Von 1983 bis 1996 spielte man erstklassig und war somit auch Gründungsmitglied der Premier League im Jahre 1992. In jener Premierensaison wurde man übrigens Fünfter und ein gewisser Les Ferdinand schaffte mit 20 Saisontoren den Durchbruch.

Gut gefüllte Ränge beim Derby

Aber die eigentliche Glanzepoche der Rangers waren die 1970er Jahre. Man schloss mehrere Jahre am Stück als bester Londoner Erstligist ab und 1976 wurde man mit nur einem Punkt Rückstand Vizemeister hinter dem Liverpool FC. Mit Stan Bowles wurde heute auch eine der prägenden Spielerpersönlichkeiten dieser Epoche per Blockfahne geehrt. Außerdem wurden vorm Stadion Bowles-Kalender für 2019 verkauft. Bowles gehört zu dieser außergewöhnlichen Generation von britischen Offensivkünstlern, zu der auch sein Freund George Best und sein Vorgänger bei QPR, Rodney Marsh, gehören. Auf dem Trainingsplatz schlampig, auf dem Spielfeld meist genial und neben dem Grün voller Leidenschaft für Frauen, Sportwetten, Alkohol usw. („Birds, Bets & Booze“).

Stan Bowles Banner

Übrigens ließ Bowles seine Spielerkarriere in den Lebensjahren 33 bis 35 bei Brentford ausklingen (damals 3.Liga). So wird er trotz der Wahl zum Jahrhundertspieler beim Erzrivalen QPR auch im Brentforder Anhang respektiert. Nebenbei wird die Rivalität in West London auch erst seit den frühen 2000er Jahren so richtig ausgelebt. Während Brentford von 1935 bis 1947 mal erstklassig war, spielten sie in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts eigentlich immer klassentiefer als QPR. Doch seit 2001 begegnete man sich wieder in der Mehrzahl der Saisons auf Augenhöhe.

Die Gäste pöbelten ganz gern mal rüber

Auch heute vermochte es keinen Favoriten zu geben und beide Teams duellierten sich als Fast-Tabellennachbarn. Bei pünktlich zum Anpfiff einsetzendem strömenden Regen setzten die Gäste (13.Platz) das erste Ausrufezeichen. In der 3.Minute musste QPR-Tormann Lumley mit seinen Fingerspitzen einen Schuss aus 18 Metern von Sergi Canos parieren. Dann meldete sich QPR (aktuell Elfter) mit seiner Burnley-Leihgabe Nahki Wells zu Wort. Doch sowohl aus kurzer (7.Min) als auch langer Distanz (11.) verfehlten seine Warnschüsse das Gehäuse. Noch knapper wurde es bei Geoff Camerons Torschuss aus 23 Metern, da fehlten nur Zentimeter (17.Min).

Diese Fans durften als erste jubeln

Das erste Tor des Tages verbuchten schließlich die Gäste. Toptorjäger Neal Maupay brachte „The Bees“ mit seinem 12.Saisontor in der 22.Minute in Führung. Eine Torwartabwehr konnte er aus kurzer Distanz mit dem Kopf abstauben. Es blieb nun bis zur Halbzeit eine intensiv geführte Partie und kurz vor dem Seitenwechsel musste der bisher einzige Torschütze des Spiels leider mit einer Kopfverletzung ausgewechselt werden. Wir gönnten uns in jener viertelstündigen Pause ein Halbzeitbier (hier gab es neben der Carlsbergplörre überraschenderweise auch das wohlschmeckende walisische „Brains SA“) und freuten uns auf weitere packende 45 Minuten.

Brains mitten in London

Das Oberwasser des Brentford FC hielt im zweiten Durchgang nicht lange. Brentfords Abwehr pennte bei einer Flanke in der 50.Minute und Luongo konnte aus zwei Metern einschieben. Eine sofortige Antwort verhinderte Lurmley mit zwei starken Reflexen gegen Brentfords Benrahma in der 52.Minute. Nun war QPR wieder am Drücker und markierte in der 58.Minute das 2:1. Ein Freistoß aus dem Halbfeld wurde vom deutschen Spielführer Toni Leistner (ehemals u.a. Dynamo Dresden und Union Berlin) per Kopf auf Lynch verlängert. Der kam ebenfalls aus zwei oder drei Metern frei zum Abschluss.

Packende Partie

Nun herrschte natürlich extrem gute Laune beim Anhang der Rangers und die wurde noch besser, als Wells in der 60.Minute eine flache Hereingabe von Wszolek gegen seinen Manndecker behaupten konnte und am Torwart vorbei aus 10 Metern ins Tornetz vollstreckte. Das Spiel wirkte jetzt endgültig gedreht und der Gästeanhang bekam die volle Breitseite an Spott ab. Ich mag dieses „Who are ya?! Who are ya?!“ immer sehr gern.

Schickes Ding, diese Loftus Road

Wie es sich für ein gutes Derby gehört, meldete sich Brentford jedoch nochmal zurück. In der 81.Minute verkürzten sie durch Dalsgaard auf 3:2. Nach einem Zuspiel von Sawyer fand der trotz drei Abwehrspielern und Keeper Lumley im Weg die passende Lücke und traf aus 12 Metern. Die „Super Hoops“, wie sie aufgrund ihrer gestreiften Jerseys genannt werden, mussten nun nochmal 9+4 Minuten volle Aufmerksamkeit zeigen. Das gelang mit großem Einsatz, so dass drückende Gäste kein weiteres Mal zu einer richtig guten Schussgelegenheit kamen. Am Ende durfte sich QPR also über alle drei Punkte freuen und wir hatten ein richtig gutes Spiel auf dem Rasen und den Rängen erlebt.

Abmarsch Richtung warme und trockene Pinte

Nach dem Kick erfreuten wir uns auch noch an guten Nachrichten aus der Heimat (Eintracht Braunschweig hatte schon wieder verloren und darf so langsam für die 4.Liga planen) und spazierten mit der Masse Richtung Hauptverkehrsstraße von Shepherd’s Bush. Die erstbesten Pubs waren zu voll, aber der Wetherspoon’s in der lokalen Shopping Mall hatte etwas Platz. Zunächst nur Stehplätze an der Theke, doch als einer der rund 100 Tische der „Central Bar“ frei wurde, waren wir sofort zur Stelle.

Deutsches Delikatessengeschäft in Shephard’s Bush

Sehr zu unserer Freude konnten wir im Pub auch gleich den Programmpunkt Abendessen preiswert abhaken. Als „Manager’s Special“ gab es heute „Mixed Grill“ oder „Chicken Tikka Masala“ für je 3.99£. Zugegeben, der Grillteller war eine lieblose Darreichung von Lamm-, Schweine- und Rindfleisch, aber was soll man auch für unter 5€ groß erwarten?

Auf dem Balkan würde man sich schämen so etwas zu servieren

Auf jeden Fall war der Pub insgesamt weit vom Preisniveau der Innenstadt entfernt. Diverse Biere und Cider vom Faß, z.B. John Smith’s Extra Smooth und Strongbow Cider, kosteten nur 1.99£ pro Pint. Klar, dass Schirm und ich die Order & Pay App von Wetherspoon’s glühen ließen. Fat Lo war natürlich auch schnell zu faul geworden seine Runden persönlich vom Tresen zu holen und Ole kam irgendwann vom Klo zurück und verkündete nun auch die App zu haben. Allerdings hatte er zunächst Anwendungsprobleme mit der App. Ungewollt doppeldeutiges Zitat: „Ich musste eben auf dem Klo auch erstmal rausfinden, dass man wischen muss.“

Cheers Mates!

Mittels Weiterwischen kam Ole in der App auch irgendwann zu der Kategorie „Shots“ und das „Jägerfest“ nahm an Fahrt auf. Man fragt sich halt schon, ob es außer Wetherspoon’s Gewinner im heiteren Spiel „Ich habe gerade 4 Jägerbombs mit der App bestellt.“ „Ja, und ich sogar 8!“ gibt? Ach na ja, eigentlich konnten wir uns alle als Gewinner fühlen. Kunden voll und Kasse voll…

Ich zeche also bin ich

Angeschlagen ging es gegen Mitternacht mit einem Uber-Unternehmer an das andere Ende der Stadt (das kostete nun auch über 40£) und dort steuerten wir wieder die „George Tavern“ an. Eigentlich hatte ich keine Lust auf den Laden und noch mehr Alkohol, aber den Plan in Hotelnähe an einer Kreuzung aus dem Auto zu springen, verwarf ich trotzdem wieder. Mitgefangen, mitgehangen!

Wieder in der Taverne von Schorse

Samstag um 00:45 Uhr erwartete uns in „Schorses Taverne“ eine kleine Crowd, aber im Gegensatz zum Vorabend sehr angenehme Menschen und diverse Lokalmatadorinnen entpuppten sich als topmotiviert. Allerdings schlug Sektion Romeo das Angebot aus, um 3 Uhr nachts noch in irgend einen Club weit weg mitzufahren, so dass wir gegen 3:30 Uhr alle brav und vor allem ohne Neuzugänge (abgesehen von Cheeseburgern) in den Kojen lagen. Die Mitreisenden von Schneppe Tours sind auch gar nicht so die Aufreißertypen. Nicht, dass da ein falscher Eindruck entsteht.

Ein Ausschnitt unseres Konsumverhaltens

11.11.2018
Barnet FC – Bristol Rovers FC 1:1
FA Cup (First Round)
The Hive (Att: 1.705)

Am nächsten Morgen wurde erstmal Bilanz gezogen: 15 Pints, 12 Jägerbombs und 1 Gin mit Lemon wurde pro Person am Vortag bzw. zwischen 11 Uhr vormittags und 3 Uhr nachts konsumiert. Heute ging es also keinem von uns so richtig gut. Aber was willste machen? Immerhin gab es keine Widerworte, als der alkoholfreie Sonntag ausgerufen wurde. Um 10 Uhr checkten wir aus spazierten bei guter Luft und etwas Sonnenschein wieder mal zum „Goodman’s Field“.

The Castle in Whitechapel

Kaffee und deftiges Frühstück brachten uns nun etwas nach vorn für die Aufgaben des Tages. Denn vor der Abreise war noch Fußball angesagt. Für das favorisierte PL-Duell Chelsea vs. Everton ging zwar nichts an Tickets in den freien Verkauf, aber mit einer Partie der 1.Runde des FA Cups hatten wir eine vernünftige Alternative.

Die nächste Ladung Frühstück

12:30 Uhr war Kick-off bei Barnet vs. Bristol Rovers. Doch noch bevor wir aufbrachen, stand die Stadt um 11 Uhr kurz still. Zu dieser Stunde waren landesweit zwei Schweigeminuten zur Erinnerung an den Waffenstillstand von 1918 angesetzt. Das passiert jedes Jahr, jedoch gab es zum 100jährigen Jubiläum ein besonders großes Zeremoniell ganz in unserer Nähe. Erstmals war dazu mit Frank-Walter Steinmeier auch ein deutsches Staatsoberhaupt zu Gast in London. Eine überfällige Geste der Versöhnung und schon das zweite Mal dieses Jahr, dass Steinmeier und ich zeitgleich irgendwo auf Staatsbesuch sind (vgl. Porto 03/2018).

Streetart im East End

Nach den Schweigeminuten wurde im Pub wieder geredet (und gearbeitet) und wir packten unsere Sachen. Mit der U-Bahn ging es weit raus zur Station Canons Park in den Nordwesten von London. Etwas nördlich von Wembley befinden sich die „Prince Edward Playing Fields“ mitsamt „The Hive“, dem Heimstadion des Fünftligisten Barnet FC. Das kleine, aber moderne Stadion mit seinen 5.100 Zuschauerplätzen teilt sich der Club mit den London Bees (Erstligist im Damenfußball).

Sunday League auf den Prince Edward Playing Fields

Eigentlich hatte der 1888 gegründete Barnet FC eine Ewigkeit das Underhill Stadium in Barnet als Heimstätte (1907-2013). Doch man sah sich außerstande das altehrwürdige Stadion an die Anforderungen des Profifußballs des 21.Jahrhunderts anzupassen. Da Barnet von 1991 bis 2001 und von 2005 bis 2013 der Football League angehörte (i. d. R. in der viertklassigen Division 3 bzw. später League Two zuhause), musste etwas geschehen und so zog man pünktlich zum Abstieg aus der Football League anno 2013 nach Canons Field um. 2015 bis 2018 spielte man dann auch wieder League Two, stieg aber vergangenen Sommer abermals in die Conference ab.

Welcome to Barnet FC

Faire 10£ waren heute tribünenunabhängig für das Pokalspiel gegen den Drittligisten Bristol Rovers (League One) zu löhnen. Wir platzierten uns auf der Längsseite mit dem geringeren Ausbau und hatten somit die Sonnenseite erwischt. Neben dieser Tribüne, mit integriertem VIP-Bereich, gab es noch zwei größere Tribünen mit Sitzen und eine kleine überdachte Stehtribüne hinter dem einen Tor. Dort war Barnets kleiner, aber aktiver Supporter-Haufen daheim, während die Gästefans ihnen gegenüber saßen (heute mehrere Hundert unter den rund 1.700 Zuschauern).

Gleich rollt der Ball

Nach der obligatorischen Schweigeminute begann das Duell Fünft- vs. Drittligist und schon in der 7.Minute mussten die favorisierten Gäste all ihre taktischen Planungen über den Haufen werfen. In des Gegners Hälfte, zwischen Mittelkreis und Strafraum, grätschte Stuart Sinclair von den Rovers mit beiden Beinen voran in seinen ballführenden Gegenspieler. „Off! Off! Off!“ skandierte der komplette Heimanhang und der Schiedsrichter schloss sich ihrer Meinung an.

Barnet und die Sonne schafften in der 1.Hälfte den Durchbruch

„The Bees“ (gleicher Spitzname also wie Brentford) witterten sofort ihre Chance in Überzahl und in der 14. und 15.Minute durfte Bristols Tormann Adam Smith schon zweimal in höchster Not retten, ehe er sich in der 16.Minute geschlagen geben musste. Am Fünfer konnte Robson eine Flanke zum sich ankündigenden 1:0 einköpfen. Mit einem Doppelwechsel in der 23.Minute änderte Coach Clarke (übrigens ein echter Wüterich an der Linie) seine Formation und fortan standen die Gäste bis zur Pause stabiler. Nichtsdestotrotz gab es noch ein paar Gelegenheiten zum 2:0, die beste hatte Fonguck in der 30.Minute mit einem parierten Torschuss von der Strafraumkante.

Lungern in der Halbzeitpause

Dass man nicht rechtzeitig nachlegte, sollte sich noch rächen. Denn je weiter die Uhr im zweiten Durchgang tickte, desto mehr rissen die Rovers die Partie an sich. Schon kurz nach Wiederanpfiff musste Keeper Cousins im Eins gegen Eins gegen den eingewechselten Bennett retten und nach einer Stunde stand es schließlich wieder Unentschieden. Der ebenfalls eingewechselte Chris Lines war vom Punkt erfolgreich und die mitgereisten Fans meldeten sich endlich mal lautstark zu Wort.

Blick zu den Gästefans

Es blieb spannend und Barnets Taylor leitete in der 75.Minute die Aluminium-Schlussviertelstunde des Spiels ein (Fernschuss an die Latte). Nach ihm knatterte in der 81.Minute das Gebälk auf der anderen Seite, als Ollie Clarke ebenfalls zum Fernschuss ansetzte und Cousins den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte. Auch bei der folgenden Ecke ging der Ball nochmals an die Latte (82.Min) und in der Nachspielzeit schreckte der Heimanhang ein letztes Mal auf, als ein Flachschuss von Bristols Lines gegen den Pfosten knallte.

1:1 after 90 Minutes

Das leistungsgerechte Remis erfordert nun gemäß Statuten ein Rückspiel auf dem Platz der heutigen Gastmannschaft. Am 21.November wird sich in Bristols Memorial Stadium entscheiden, wer von beiden in die 2.Hauptrunde des FA Cups einzieht (in der dann auch die Teams aus der Premier League und Championship einsteigen). Auf heimischen Geläuf und möglicherweise 90 Minuten zu elft, sollte man sein Geld dann wohl auf die Rovers setzen. Aber lassen wir uns überraschen.

Karma Cola

Nach Abpfiff ging es via Underground zur Liverpool Street und die Zeit war noch ausreichend für ein vorgezogenes Abendessen. Dazu ging es zu „Honest Burgers“, einer Bilderbuchburgerklitsche mit Hipster-Publikum. Ich gönnte mir neben der weltverbessernden „Karma Cola“ den Chimichurri Burger (aktueller Aktionsburger). Kurz nach meinem Argentinien-Aufenthalt kam der ja quasi wie vorbestellt daher und die Kombi aus Beef, Chorizo Relish, Taleggio und Chimichurri (scharfes argentinisches Pesto, wenn man so will) mundete sehr. Da zahlt man gern 15£ inklusive Getränk und Rosmarinfritten.

Chimichurri Burger

Revitalisiert fuhren wir nun 2,5 Stunden vor Abflug zum Stansted Airport und ohne jeglichen Anflug von Stress wurde das dortige Prozedere absolviert. War wieder mal ein nettes Wochenende (London geht irgendwie immer) und die Wiederkehr in die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland wird sicher noch vor dem Vollzug des so genannten Brexits absolviert.

London Liverpool Street Station

Bis dahin gönnt Schneppe Tours sich eine Pause für die geschäftlichen Jahresabschlussarbeiten und eine gesellige Vorweihnachtszeit in der Heimat. Lieber Leser, bleiben sie uns auch im Jahr 2019 gewogen. Die ersten Touren sind bereits geplant…