Wuppertal 03/2018

24.03.2018
Wuppertaler SV – Aachener TSV Alemannia 2:2
Regionalliga West (IV)
Stadion am Zoo (Att: 5.199)

Länderspielfreies Wochenende im Profifußball der Bundesrepublik Deutschland, jedoch keine guten Auslandsoptionen für einen Wochenendtrip. Also guckt man mal, was das Heimatland fußballerisch so hergibt ab Liga 3 abwärts. Die Wahl fiel auf das Duell der Traditionsvereine Wuppertaler SV und Alemannia Aachen im Wuppertaler Stadion am Zoo. Immerhin zwei ehemalige Bundesligisten, die immer noch Tausende von Fans mobilisieren können. Dazu eine mir bisher nur von der Durchreise bekannte Großstadt (ca. 350.000 Einwohner, siebzehntgrößte Stadt Deutschlands) und ein großes unbesuchtes Fußballstadion (23.067 Plätze). Mit Languste, Olbert, Ole, Max und mir war schnell ein Schönes-Wochenende-Ticket gefüllt und morgens am Bahnhof staunte ich nicht schlecht, dass das Ticket mittlerweile 68€ kostet. Da hätten wir ja auch Auto fahren und dann vor allem nicht nur um 14:00 Uhr WSV gegen Alemannia gucken können, sondern obendrein noch 16:30 Uhr das Heimspiel von Westfalia Herne und 19:30 Uhr das Heimspiel von den Sportfreunden Siegen. Olberts tödlicher Blick war es wert dieses Groundhopper-Gedankenspiel laut auszusprechen.

Unterwegs mit Kaiser Bier

Doch Olbert musste sich keine Sorgen machen und wurde in der Nordwestbahn nach Löhne ab 7:37 Uhr von uns dabei unterstützt seinen Reiseproviant, eine Palette pfandfreies belgisches Dosenbier, kontinuierlich zu verkleinern. Der Umstieg in Löhne wurde schließlich für Frühstückserwerb bei einem Discounter genutzt. Brötchen mit italienischem Landschinken und spanischem Serrano Schinken waren das Einkaufsergebnis. Es gab dann noch einen Umstieg in Dortmund und pünktlich um 11:56 Uhr wurde der Wuppertaler Hauptbahnhof erreicht. Olberts Palette war ebenfalls just-in-time leer und folglich hielt er mal so gar nichts von meinem nicht ganz ernst gemeinten Plan das Wuppertaler Bibelmuseum zu besuchen und dort die Zeit bis zum Anpfiff zu verbringen. Aber bei mir weiß man ja nie, daher gab es erneut einen tödlichen Blick.

Wuppertal Hbf

Wir orientierten uns nun erstmal in der Baustelle des Wuppertaler Hauptbahnhofs. Eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands (von 1848) steht natürlich unter Denkmalschutz, aber die Vorhalle aus der Nachkriegszeit und der Bahnhofsvorplatz bekommen gerade ein neues Gesicht. Die den Bahnhof einst von der Fußgängerzone abschneidende verkehrsreiche B7 verläuft nun unterirdisch und optisch sah das alles nicht schlecht aus. Die Symbiose aus 1848 und 2018 ist ansprechend und den Bahnhof als Anfang bzw. Ende einer Einkaufsmeile zu haben, ist in vielen anderen Städten bereits ein Erfolgsrezept.

Neues Geschäftsgebäude am Hbf

Was ebenfalls bei den ersten Eindrücken auffiel, war zwei Stunden vor Spielbeginn das Fehlen von größeren Polizeikräften am Hauptbahnhof. Wir sollten später noch erfahren, dass die Wuppertaler Fanszene gerade einen Fanmarsch zum Stadion veranstaltete und der Aachener Mob bereits am Stadion war und beide Gruppen die Polizeikräfte gebunden haben dürften. Nichtsdestotrotz wurden wir auf Höhe der Schwebebahnstation vor’m Hauptbahnhof noch Zeuge der Festnahme eines Wuppertaler Sportsfreunds, der wohl mit ebenfalls gerade eingetroffenen Zugfahrern aus Aachen Unfrieden hatte. Die örtliche Pennerszene pöbelte den mutmaßlichen Gewalttäter mehrstimmig an und gab den Polizisten noch sachdienliche Hinweise zum Tathergang. Welcome to Wuppertal!

Rathaus Wuppertal

Bei 120 Minuten bis zum Anpfiff war üppiges Sightseeing zeitlich nicht möglich, aber zumindest bis zum Wuppertaler (bzw. Elberfelder) Rathaus wollten wir spazieren (ungefähr 750 Meter vom Hauptbahnhof) und dort irgendwo in der Nähe auf ein Bier einkehren. Zwischen Bahnhof und Rathaus machte Wuppertals Innenstadt einen beliebigen westdeutschen Eindruck. Lauter Einzelhändler (i.d.R. Filialen von Ketten) in Nachkriegsgeschäftsgebäuden. Dazu noch Konsumtempel (neudeutsch: Malls) wie die „City Arcaden“ und die „Rathaus Galerie“, sowie gastronomisch die Kaliber von Nordsee, McDonald’s, Sausalitos, Extrablatt und Co. Am Rathaus zerschlug dann die Steakhauskette Maredo als Pächter die Hoffnung auf einen urigen Ratskeller. Zum Glück fanden wir unweit des im Jahre 1900 eröffneten neogotischen Bauwerks die „Rathaus Schenke“, wo sich bestimmt seit den 1970er Jahren nicht viel verändert hat.

Skulptur „Ein erfolgreicher Tag“

Auch wenn in NRW schon seit 2013 selbst nicht mehr in kleinen Kneipen wie dieser geraucht werden darf (viel mehr mehr als den Tresen und einen Tisch gab es nicht), wirkte der von dunklem Holz dominierte Gastraum doch noch schön vergilbt. Wir waren die einzigen Gäste an diesem Mittag und fragten deshalb höflich, ob schon offen sei. Wirtin Gitta erwiderte im breiten Dialekt des Bergischen Landes: „Wenn nit geöffnet wär, wie hättet ihr dann durch die Tür kommen sollen?“, um noch hinterherzuschieben: „Ihr seid nit von hier, oda?“. Fünf Pils (Brinkhoff’s aus dem nahen Dortmund) gab es trotzdem und die Mittfünfzigerin schien nicht undankbar über etwas Unterhaltung, auch wenn sie zunächst die sämstaglichen Reklameprospekte noch nicht beiseite legen wollte. Warum hier keiner außer uns zecht, wollten wir natürlich wissen. „Hömma, es is Samstachmittach. Jestern war Freitach. Da jing’s lange. Da wollen unsere Stammgäste doch nit schon wieder weitersaufen.“ „Gibt es in Wuppertal keine Starkstromalkoholiker, die morgens gleich weiterzechen?“ „Solche Leute jibbet hier zwar auch, aber die lasse mer jar nit erst rin. Wir ham nur anständige Jäste hier. Und ihr benehmt euch auch!“

Rathaus Schenke

Gutes Benehmen war natürlich Ehrensache und wir erfuhren in den kommenden 60 Minuten noch einiges über die Stadt und die Menschen hier von Gitta. Nur Olbert traute sie nicht über den Weg, weil der schon so einen glasigen Blick hatte. Die beiden warfen sich auf jeden Fall schlagfertig die Sätze um die Ohren, dass wir alle viel zu lachen hatten und Olbert versprach beim Bezahlen eine baldige Wiederkehr. „Ich glaub nit, dass ich dich nochma reinlass. Später is jeschlossene Jesellschaft. Lotto-Party!“ Einmal im Quartal haut die Lottospielgemeinschaft der „Rathaus Schenke“ laut Gitta ihre Gewinne auf den Kopf. Olbert dagegen haute noch ein paar Taler für eine Runde Hansa Pils am Kiosk auf den Kopf, damit wir nicht alkoholfrei zum Stadion schweben mussten.

Die Schwebebahn

Selbstverständlich verschmähten wir alle Alternativen zur Schwebebahn in Sachen Transfer zum Stadion. Wenn wir schon zum an den Bahnstationen fleißig beworbenen „Westschlager – Der Löwe darf endlich wieder von der Leine“ extra nach Wuppertal kommen, müssen wir auch mit diesem berühmten Verkehrsmittel fahren. Vor 117 Jahren muss den Menschen diese einschienige Hängebahn wie eine Reise in die Zukunft vorgekommen sein. Der Kaiser fehlte 1901 natürlich auch nicht bei der Eröffnung dieses Meisterwerks deutscher Ingenieurskunst und passenderweise war heute der historische Kaiserwagen von damals auf Nostalgiefahrt unterwegs und passierte unsere mit Fussballfans prall gefüllte Bahn dabei.

Kaiserwagen der Schwebebahn

Die Schwebebahn verband zur Jahrhundertwende die Städte im Tal der Wupper namens Barmen, Elberfeld und Vohwinkel, die erst 1930 mit einigen anderen Gemeinden zur Stadt Wuppertal zusammenschmelzen sollten. Die Städte (nun Stadtteile) liegen wie an einer circa 20km langen Schnur im engen Tal der Wupper. Zur Verbindung der Orte eine schwingungstaugliche Bahn über eben jenen biegungsreichen Fluss zu bauen, war wirklich eine geniale Idee. Das gemeinsame Wahrzeichen wurde dann auch identitätsstiftend für die Menschen in Wuppertal, die natürlich als Barmener, Elberfelder usw. lokalpatriotisch blieben und erst zu Wuppertalern werden mussten (oder es vielleicht teilweise immer noch werden müssen?).

Stadion am Zoo, Außenfassade

Ein erfolgreicher Fußballverein kann natürlich ebenso identitätsstiftend sein. Um der Stadt diesen zu schenken, setzte der damalige Wuppertaler Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing im Weltmeisterjahr 1954 sein ganzes diplomatisches Geschick ein, auf dass die beiden rivalisierenden Vereine TSG Vohwinkel 80 und SSV 04 Wuppertal (bis 1938 SSV 04 Elberfeld) fusionieren mögen. Die Elberfelder waren vor dem Krieg erfolgreicher und sollen die vermögenderen Gönner gehabt haben, während die Vohwinkeler nach dem Krieg zur sportlichen Nummer 1 der Stadt avancierten. Gemeinsam als Wuppertaler SV gelang gleich 1955 die Meisterschaft in der 2.Liga West und damit der Aufstieg in die erstklassige Oberliga. Für die Qualifikation zur Bundesliga 1963 reichte es zwar nicht, aber der Wuppertaler SV schaffte es 1972 in Deutschlands Eliteklasse aufzusteigen. In der von Stürmer Günter „Meister“ Pröpper geprägten Ära, konnte sich der WSV sogleich als sensationell Vierter für den UEFA-Pokal qualifizieren. Damit war allerdings der Zenit erreicht und bereits 1975 mussten die Wuppertaler als bisher zweitschlechtester Absteiger aller Zeiten die Bundesliga wieder verlassen (nur 14 Punkte aus 34 Spielen nach der 3-Punkte-Regel).

Historische Stadiongaststätte

Wie auch dem heutigen Gegner Alemannia Aachen, war es dem WSV nicht vergönnt sich dauerhaft im deutschen Spitzenfußball des Bundesliga-Zeitalters festzusetzen. Im Gegensatz zum WSV hatte die Alemannia aber wenigstens noch einen zweiten Höhenflug (der erste waren die Bundesligajahre 1967-70, inklusive Vizemeisterschaft 1969), der noch gar nicht so lange her ist und sicher für die meisten Leser nicht nochmal im Detail nacherzählt werden muss (Pokalfinale, UEFA-Pokal, Aufstieg in die 1.Bundesliga…). Doch in den letzten Jahren können der WSV und die Alemmannia ein gemeinsames Lied von Insolvenzen und Abstiegen singen und würden beide gerne die undankbare 4.Liga so schnell wie möglich verlassen. Blöd, dass der Ausgang aus dieser Liga nach oben besonders eng ist. Meister muss man werden und dann auch noch in Aufstiegsspielen einen anderen Regionalligameister (oder den Südwest-Vizemeister) ausschalten. Die Regionalliga West führt zur Zeit der Aufsteiger KFC Uerdingen an (noch so ein ehemaliger Bundesligist), doch Wuppertal (zur Zeit Sechster) könnte mit einem Sieg heute auf 8 Punkte rankommen (bei noch zwei Spielen weniger als der KFC). Und Aachen (aktuell Dritter) sogar auf drei Punkte (bei noch einem Spiel weniger als der KFC).

Reste des alten Stadions

Ergo passierten stolze 5.199 zahlende Zuschauer die Stadiontore, davon minimum 1.500 aus der Kaiserstadt (Bad) Aachen. Wir hatten uns Karten à 11€ für die Gegengerade des altehrwürdigen Stadions am Zoo (von 1924) gekauft, welches sein Antlitz in jüngster Vergangenheit deutlich verändert hat. Denkmalgeschützte Stadionteile wie die Fassade der Haupttribüne und die Stadiongaststätte blieben erhalten, doch die Leichtathletikanlagen und die Radrennbahn im Stadion sind Geschichte. Die Zuschauerränge, die dereinst weit weg vom Rasen oberhalb der Radrennbahn waren, sind nun innerhalb der alten Stadionwälle bis ans Spielfeld herangerückt. Aus dem einstigen Multifunktionsstadion ist in ähnlicher Art wie beim Leipziger Zentralstadion ein reines Fußballstadion geworden.

11€ für einen Steh- bzw. Sitzplatz

Insgesamt ein interessantes Umbauprojekt. Aus Kostengründen war jedoch bisher nur die Haupttribüne überdacht worden. Die WSV-Fans hinter dem Tor forderten via großem Banner dementsprechend zumindest noch die Überdachung ihres Fanblocks, was sicher der Lautstärke ihres Supports zugute kommen würde. Ferner hatte die Gegengerade den Schönheitsfehler, dass unten Sitzplätze auf flachen Rängen installiert waren. Von hier war die Sicht sitzend sehr bescheiden (erst recht in den vorderen Reihen, wo die Auswechselbänke im Weg waren). Von den Stehplätzen darüber hatte man stattdessen beste Sicht. Wahrscheinlich gab es deshalb keinen Preisunterschied bzw. keine Kontrollen zwischen den Sitz- und Stehsektoren der Gegengerade.

Los geht’s

Langfristige Probleme, wie eine fehlende Überdachung oder Sichtbehinderungen, traten jedoch heute für den harten Kern der WSV-Fans in den Hintergrund. Aus Sicherheitsgründen gab es nämlich nicht nur ein Alkoholverbot im Stadion (ja, Olbert war sehr wütend), sondern auch die geplante Choreographie der Ultras Wuppertal wurde verboten. Die angedachte Gestaltung entzieht sich meiner Kenntnis, jedoch soll die Polizei, namentlich ein szenekundiger Beamter, eine Untersagung forciert haben. Folge war zunächst ein 10minütiger Stimmungsboykott der Wuppertaler. Dazu gab es diverse Spruchbänder zu der Problematik. Zum Beispiel: „Ganzen Tag am Schreibtisch gammeln und aus Frust Choreos verbieten. So ist der der SKB-Job in Wuppertal zu kriegen.“ Die Aachener hingegen beklagten heute auf mehreren Bannern den Tod eines langjährigen Alemannia-Fans, gaben dann aber von Spielbeginn an akustisch Gas.

Der gut gefüllte Gästeblock

Wegen des Choreoverbots rechnete die Polizei anscheinend mit einer Trotzreaktion und hatte den Fanblock des WSV von der Gegengerade aus ins mehrfache Kamera-Visier genommen. Gefiel den Kutten drumherum gar nicht. Zitat: „Ich kann euch 100 Orte in Wuppertal nennen, wo ihr mehr Straftaten filmen könnt. Aber da traut ihr euch ja nicht hin!“ Polizist: „Ja, natürlich trauen wir uns das nicht. Wir haben voll die Angst…“ (selbstverständlich mit sarkastischem Tonfall, nicht dass ich hier noch dubiosen Fake-News-Seiten Futter liefere à la „Der Beweis: Polizei traut sich nicht an Wuppertaler Brennpunkte“ 😉 ). Als Wuppertals Trompeter nach 10 Minuten zur „Attacke“ blies und nun doch eine kleine unanstößige Fähnchenchoreographie der Ultras Wuppertal präsentiert wurde, gaben die Polizisten schließlich ihren Beobachtungsposten auf und zogen mit ihren Kameras von dannen.

Choreo der Wuppertaler

Auf dem Platz schien die nun einsetzende Unterstützung Wirkung zu zeigen. Das Abtasten der ersten 10 Minuten war vorbei und der WSV kam durch Saric (13.Min, knapp neben das Tor) und Windmüller (15.Min, Glanzparade von Alemannia-Torwart Depta) zu sehr guten Chancen. Der Alemannia dagegen fehlte es an Ideen und es brauchte einen Standard um ins Spiel zu finden. In der 29.Minute konnte der WSV-Keeper einen Freistoß nur abprallen lassen und Aachens Matti Fiedler staubte zum 0:1 ab. Die Antwort auf die schmeichelhafte Führung kam jedoch im Eilverfahren. In der 31.Minute setzte Windmüller den WSV-Spielmacher Pagano in Szene, der aus kurzer Distanz zum Ausgleich traf. Danach wiederum hatte die Alemannia durch Azaouaghi die Chance zur erneuten Führung, doch er traf aus fünf Metern das leere WSV-Tor nicht (33.Minute). Eine bisher sehenswerte Partie ging mit 1:1 in die Pause.

Wuppertaler Gegengerade

Auch die zweiten 45 Minuten, bei sonnigem Frühlingswetter, sollten munter bleiben. Schon in der 48.Minute ballerte Dennis Dowidat eine Hereingabe von Saric in den Torwinkel des Gästegehäuses. Der WSV-Anhang war kaum zu halten. Überhaupt gefielen die mir gar nicht so schlecht. Aus dem Gästeblock kam nur melodisches Zeug, getragen von den rund 200 Ultraorientierten um Karlsbande und Yellow Connection. Die Ultras Wuppertal (unterstützt von örtlichen Fenerbahce-Fans und den Amici Berna aus Bern) hatten dagegen viele Gassenhauer, die auch mal andere Sektoren zum Einstieg animierten. Auch war es durchaus mal etwas Anderes, dass eine Szene zu mehreren Melodien die eigene Asozialität besang und preiste. Dazu passend eine große Schwenkfahne mit der Aufschrift „Ultra, Hool & Asi“ im Stile von „George, Gina & Lucy“.

Diesen Fan weckt auch kein noch so spannender Kick auf

Viel mehr als die eigene Asozialität zu feiern, gab es nach der Führung auch erstmal nicht, da die Chancen auf weitere Tore ungenutzt blieben. Topal scheiterte nach einer Stunde im Eins gegen Eins am herauseilenden Torwart der Alemannia und Kramers Versuch eines Fallrückzieher in der 65.Minute verfehlte den Ball. Nach 70 Minuten setzte dann nochmal der Gast zum Schlußspurt an und kam zu ein paar guten Chancen, während beim WSV die Kräfte schwanden. Nichtsdestotrotz ließen die Hausherren so wenig wie möglich zu, nur der Abwehrriegel wurde in der Nachspielzeit abermals durch einen Standard bezwungen. Eine Ecke in der 91.Minute konnte Aachens Heinze am ersten Pfosten ins lange Eck verlängern. Natürlich großer Jubel bei den mitgereisten Fans. Doch letztlich war der Last-Minute-Punkt gegen insgesamt bessere Wuppertaler zu wenig, um im Meisterschaftskampf Boden gut zu machen.

Stadion am Zoo in der Nachmittagssonne

Uns zog es mit der Schwebebahn gleich nach Abpfiff wieder in die Innenstadt, während die Polizei hektisch Position bezog, um die Fanlager auch nach der Partie getrennt zu halten. Olbert wollte wie angekündigt nochmal in die „Rathaus Schenke“ und der Zug um 15:56 Uhr war ja eh nicht zu kriegen, so dass wir noch eine Stunde Zeit hatten. In der Kneipe hatte sich Gitta in der Zwischenzeit tatsächlich für die Party ordentlich mit Osterdeko ausgetobt und das Schild „Geschlossene Gesellschaft“ hing auch schon draußen an der Tür. Doch es war noch so leer wie bei unserem Abmarsch vor rund 3 Stunden, außer dass ihr Ehemann und eigentlicher Besitzer der Kneipe noch aufgetaucht ist. „Noch is ja keiner da, aber ich muss mal meinen Mann fragen, ob ihr noch was kriegen könnt.“ Der nickte und erwies sich im Gespräch auch als netter Zeitgenosse. 30 Minuten später wies er uns noch den Weg zu einem Supermarkt, damit wir auch ja nicht trocken nach Hause fahren müssen.

Portwein (der Gute!)

Über Hamm und Löhne ging es mit einer Kiste Brinkhoff’s nach Hause. Und weil wir so sozial sind, haben wir auch noch ein Aachener Vater-Sohn-Duo  bewirtet (bzw. ursprünglich aus Aachen, nun schon lange im Schaumburger Land wohnhaft, aber immer noch der Alemannia treu). Die „Öcher“ ärgerten sich selbstredend darüber heute nur einen Punkt geholt zu haben, blieben jedoch optimistisch. Nächste Woche muss Uerdingen im Spitzenspiel in Aachen natürlich geschlagen werden (genau wie der aktuelle Zweite Viktoria Köln am 2.Mai), aber dann spräche das angeblich leichteste Restprogramm für die Alemannia. Ich werde es mit einem Auge aus der Ferne verfolgen. Da das Bier in Löhne schon wieder alle war, wurde noch auf Portwein vom Discounter umgestiegen. Böser Fehler, aber durch die frühe Ankunft daheim (21:25 Uhr) war man wenigstens früh im Bett, um den Kater in Grenzen zu halten. Wir wollten schließlich (fast) alle am frühlingshaften Sonntag noch selber Fußball spielen.