Vigo und der Nationalpark Peneda-Gerês 03/2018

05.03.2018
RC Celta de Vigo – UD Las Palmas 2:1
Primera Division (I)
Estadio de Balaidos (Att: 11.458)

Für unseren 5.Reisetag in Portugal hatten wir uns einen Mietwagen gesichert. Hertz war nur 200 Meter die Straße rauf zu finden und bekam daher trotz vergleichsweise hoher Preise aus Bequemlichkeit den Zuschlag. 90€ waren für einen Ford Focus oder ein gleichwertiges Fahrzeug zu investieren (Vollkasko ohne Selbstbeteiligung war bei dem Preis natürlich schon inclu). Das gleichwertige Fahrzeug war am Ende ein im Vormonat erstzugelassener Renault Clio Grandtour (mutmaßlich der größte Clio der Welt). Kurz nach 8 Uhr nahm Fat Lo die Schlüssel entgegen, während ich zum Glück nur als Vertragspartner, aber nicht als Fahrer fungieren musste.

Frühstück muss sein

Ein Ort namens Rio Caldo wurde im Navigationssystem als Destination ausgewählt. Doch bevor wir überhaupt aus Porto raus waren, wurde in einer Trabantensiedlung am Stadtrand noch eine willkürliche Panaderia & Cafeteira angesteuert. Mit leeren Mägen sollte es ja nicht losgehen. Es gab Kaffee, Tosta Mista, Fleischkroketten und Teigteilchen mit Würstchen, Käse und Schinken darin.

Blick hinunter nach Rio Caldo

Danach ging es wirklich non-stop nach Rio Caldo, einem Ort in Portugals ersten und bisher einzigen Nationalpark Peneda-Gerês (ca. 96km von Porto entfernt). Dichte Nebelwände und massive Regenschauer wechselten sich auf dem Weg dorthin ab und wir hofften, dass es noch etwas aufklaren würde. Auf Berge steigen, jedoch dort nur wenige Meter Sichtweite zu haben, wäre sicher nicht gerade das größte Vergnügen geworden.

Rio Caldo

Weit unterhalb der Straße tauchte irgendwann Rio Caldo an einer malerischen Talsperre auf. Hier wird der Zusammenfluss der Flüsse Rio Cávado und Rio Gerês gestaut. Man sucht bei Orten, die man erstmals bereist, ja gerne mal nach Vergleichen. Mich erinnerte die Gegend irgendwie an das Tessin oder die norditalienische Alpenausläufer. Gebirgige Landschaften mit mediterraner Vegetation und Architektur eben.

Basilica de São Bento da Porta Aberta

Unser erster Zwischenstopp war die Basilica de São Bento da Porta Aberta (Basilika St. Benedikt der offenen Tür) in Rio Caldo. Der Name ist damit begründet, dass die Basilika dem heiligen Benedikt von Nursia (Ordensgründer der Benediktiner) geweiht ist und ihre Tür immer offen steht, damit Reisende zum Gebet einkehren können. Der katholischste von uns vier Katholiken nutzte das auch gleich aus. Mögen wir alle unversehrt durch’s Gebirge kommen und möge der stählerne Karren trotz Vollkasko frei von Schaden bleiben, waren seine frommen Wünsche.

Ausblick von São Bento da Porta Aberta

Der Segenswunsch gen Himmel war gar nicht so unbegründet, ging es doch zum nächsten Ziel eine schmale Bergstraße, ohne Absicherung zum Abgrund, hinauf. Ungefähr sieben Kilometer waren es von der Landstraße im Tal zum Bergdorf Ermida, welches auf über 500 Metern Höhe liegt. Zum Glück war der einzige Gegenverkehr auf der Strecke (zwei forstwirtschaftliche Pritschenwagen) schon frühzeitig zu sehen und die nächste Haltebucht die unsere. Im Dorf fanden wir leider nicht die richtige Abzweigung zum eigentlichen Etappenziel und Fat Lo durfte in Kopfsteinpflastergassen mit 1,05facher Breite unseres Leihwagens zeigen was als Fahrer so in ihm steckt.

Die Ermida von Ermida

Ermida ist übrigens neben Capela das portugiesische Wort für Kapelle und als wir irgendwann die Ermida von Ermida passierten, wies ich Lo an das Fahrzeug auf dem für Ortsverhältnisse üppigen Kirchplatz abzustellen. Dann lieber zu Fuß weiter zu den circa zwei Kilometer entfernten Wasserfällen namens „Fecha de Barjas“. Zunächst ging es noch ein wenig durch das einsame Dorf, danach über einen Wanderweg und plötzlich waren wir auf der asphaltierten Serpentinenstraße, auf die wir eigentlich fahren wollten. Da wir insgesamt über 300 Meter bergab mussten, hatten Lo und Ole auf der Hälfte der Strecke die gute Idee, jetzt doch das Auto nachzuholen. So würden die beiden sich wenigstens den halben steilen Rückweg sparen. Man müsse ja nur einfach die Straße bergauf bis Ermida gehen, die gut sichtbare Kapelle ansteuern und würde dann den Weg zur Landstraße kennen.

Wandersmänner

Rund eine Viertelstunde nach der temporären Trennung waren Berger und ich am Ziel; den „Cascatas de Fecha de Barjas“. Da ein Schild Lebensgefahr propagierte, waren wir natürlich vorsichtig und schossen keine tödlichen Selfies. Ein paar Minuten später traf auch unser Auto ein und die beiden Freunde waren ebenso begeistert wie wir von dem Naturschauspiel. Der Rio Arado – Arado ist übrigens das portugiesche Wort für einen Pflug, lässt mich aber aufgrund der Arado Flugzeugwerke eher an den 2.Weltkrieg als an Landwirtschaft denken – überwindet auf seinen ca. 5 Kilometern Länge 840 Höhenmeter und hat daher etliche kleine und große Wasserfälle zu bieten.

Cascatas de Fecha de Barjas von oben

Hier an der Landstraße von Ermida nach Fafião ist daher auch nicht von einem Wasserfall, sondern von den „Cascatas“ die Rede, da es gleich mehrere kaskadenartige Wasserfälle hintereinander sind. Außerdem sollte der große Wasserfall des Arados an seiner Quelle (nördlich von Ermida) ebenfalls einen Besuch wert sein. Ergo war dieser Ort auch unser nächstes Ziel. Laut Karte war es möglich recht weit mit dem Auto an die Quelle ranfahren zu können.

Über Stock und Stein zur Cascata do Arado

Bis Ermida gab es die asphaltierte seriöse Straße, doch ab dem Dorf hatten wir dann vorwiegend eine Piste zu befahren, wo es Schlaglöcher und riesige Steinbrocken zu umfahren galt. Zum Glück auch alles ohne Gegenverkehr. Auf rund 750 Meter Höhe parkten wir die Karre auf mein Geheiß in einer Ausbuchtung und gingen den letzten Rest zu Fuß. Wir wären eh nur maximal 500 Meter näher gekommen. Nämlich bis zu einer Brücke über den Arado, bei der der steinige Pfad zum Wasserfall beginnt.

Brücke über den Arado

Die Mühe lohnte. Auch dieser Wasserfall war ein toller Spot für’s Auge und die Kameralinse. Nach den Erinnerungsfotos genossen wir noch weiter den Ausblick unserer exponierten Position und stiegen anschließend wieder zum Auto ab. 13 Uhr war durch und Hungergefühle kamen auf. Also wurde der Clio Grandtour zur nächsten Rallye-Etappe gepeitscht.

Cascata do Arado

Das Fernziel des heutigen Tages hieß Vigo in Spanien und wurde schon mal ins Navi eingegeben. Im nächstbesten Ort würden wir dann einkehren und das Mittagessen einnehmen. Da wir mit dem Navi nicht klar kamen, wurde es allerdings nicht die schnellste, sondern die kürzeste Route nach Vigo. Das war aber gar nicht so verkehrt, ging es so nun über weitere Schotterpisten und Bergstraßen durch das Gebirge. Weil der Himmel so langsam aufklarte, hatten wir tolle Aussicht auf bis zu 1.000 Metern über Normalnull und hielten immer mal wieder an.

Ein Gipfel der Serra do Gerês

Im erstbesten und touristisch erschlossenen Ort Gerês machten wir den Fehler noch nicht nach einem Restaurant oder Café Ausschau zu halten. Auch im nahen Campo do Gerês, wo der Fluss Homem gestaut wird und deshalb ein Dorf versunken ist (allerdings nur bei niedrigem Pegel zu sehen, was im niederschlagsreichen Winter nicht gegeben ist), hätte man vielleicht ein Lokal gefunden. Doch hier ließen wir uns von einer Reklametafel noch ein paar Kilometer weiter locken.

Der Nationalpark bietet viele Felsformationen

Das angepriesene „O Abocanhado“ im Bergdorf Brufe wäre mit seinem Ausblick in der Tat mindestens von der Örtlichkeit her eine tolle Wahl gewesen, hatte jedoch ausgerechnet am Montag seinen Ruhetag. Das allgäumäßige Panorama von der Terrasse des Restaurants genossen wir trotzdem kurz, ehe der Wagen sich über weitere Serpentinenstraßen durch das Gebirge schlängelte.

Ausblick vom Restaurante O Abocanhado

Die Bausubstanz der passierten Bergdörfer Brufe, Germil usw. war wirklich asbachuralt und wie auch die Kopfsteinpflasterstraßen aus den Steinen dieses Gebirgszuges erbaut. Daneben gab es in diesen pittoresken Ortschaften zuhauf die charakteristischen Feldfrüchtespeicher der Region namens „Espigueiros“ zu sehen. Die teilweise mehrere Jahrhunderte alten Speicher stehen auf steinernen Pfeilern, um die Ernte effizient vor tierischen Eindringlingen zu schützen.

Espigueiros im Bergdorf Brufe

Das zielt natürlich hauptsächlich auf die Nagetiere der Region ab, während größere Tiere hier in der Regel landwirtschaftliche Nutztiere sind. Allerdings laufen die Herden von Ziegen, Kühen etc. frei rum und somit gerne auch auf den Straßen hier. Zum Glück versperrte uns keine dieser Herden den Weg. Wir mussten lediglich ein paar Rindviecher passieren, die aber brav Platz machten.

Fies guckendes Rindvieh am Straßenrand

Ansonsten gibt es auch noch freilebende Wildpferde (Garranos) im Nationalpark, von denen uns leider keine über den Weg liefen. Und deren größten Feind, den iberischen Wolf, bekamen wir natürlich erst recht nicht zu Gesicht. Hier hat der scheue Jäger eines seiner letzten Refugien gefunden. Der Wolf ist dementsprechend in Portugal geschützt und darf nicht gejagt werden. Da er aber neben Wildpferden auch die Nutztiere der hiesigen Bauern reißt, wird doch immer mal der ein oder andere Wolf abgeschossen. Seit die Bauern vermehrt auf große Hütehunde der Rasse Castro-Laboreiro setzen, sind deren Verluste jedoch stark rückläufig. Der Wolf steht eben auf leichte Beute.

Klares Bergwasser

Apropos Beute. Ich hätte mittlerweile auch liebend gerne etwas erlegt, um meinen Hunger zu stillen. Seit dem Beusuch des „Cascata do Arado“ waren bereits über zwei Stunden Bergrallye vergangen, in denen wir mit kurzen Pausen und erzwungenem Niedrigtempo nur 50km Strecke zurückgelegt hatten. Nun wurde das Örtchen Entre Ambos-os-Rios im Tal des Flusses Lima erreicht. Hier waren wir nur noch auf ca. 50 Höhenmetern unterwegs und kamen auf die Nationalstraße 203.

Bergwälderwelten der Sierra do Gerês

In Entre Ambos-os-Rios hätte es zwar schon eine geöffnetes Café gegeben, aber die Stadt Ponte da Barca war lediglich 10 Kilometer und damit bei den jetzigen Höhen- und Straßenverhältnissen nur noch 10 Autominuten entfernt. Der Ort mit dem frei übersetzt etwas widersprüchlichen Namen „Brücke des Fährboots“ ist eines der Tore zum Nationalpark und ein Mittelzentrum der Region Norte. Hier gab es ausreichend Restaurants und diverse Supermärkte. Wir beschlossen den überall ausgeschilderten Riesensupermarkt „Continente“ aufzusuchen, um dort im integrierten Café warm zu snacken und in einem Abwasch noch Proviant einzukaufen.

Rainbowroad to Vigo

Also gab es gegen 15:30 Uhr endlich wieder etwas zwischen die Rippen (u.a. Fleischkroketten, Törtchen und Tosta Mista), sowie Espresso als Muntermacher. Anschließend kauften wir außerdem Softdrinks, ’ne 20er-Schachtel Super Bock und diverse Sorten Kartoffelchips als weiteren Reiseproviant im Supermarkt. Da bei Ponte da Barca eine Autobahn beginnt (die A27) brauchten wir für die letzten 100km nach Vigo auch nur noch rund eine Stunde und erreichten das örtliche Fußballstadion um ziemlich genau 17 Uhr. Doch beim Blick auf die Uhr war es plötzlich eine Stunde später. Wir hatten ganz vergessen, dass Spanien und Portugal nicht die selbe Zeitzone bewohnen.

Estadio de Balaidos von außen

Da erst um 21 Uhr Ortszeit angepfiffen werden sollte, war das nicht weiter schlimm. Lediglich bedeutete die Stunde Zeitverlust, dass ein Sightseeingbummel durch Vigo zu gehetzt werden würde. Also mussten wir, nach erfolgreicher Suche nach einem kostenlosen Parkplatz im Stadionumfeld, überlegen wie wir die Zeit sinnvoll überbrücken. Als erstes wurden logischerweise am vom Parkplatz 10 Minuten entfernten Stadion Eintrittskarten erworben. Die kosteten heute faire 15€ (Vollzahler) für Plätze im Oberrang der Gegengerade. Dann machten sich Dreiviertel der Reisegruppe auf in eine bei der Anfahrt entdeckte Spielothek, um das Eintrittsgeld wieder reinzuholen. Gelungen ist das natürlich wieder mal nur Lucky Lo, der aus 20€ Einwurf 60€ Auszahlsumme gezaubert hat.

Bier aus dem Hause Estrella

Ich genoss derweil schon ein erstes Bier in der stadionnahen „Cafetería Don Balón“. Natürlich gab es hier wie überall das lokale galicische Bier Estrella. Überhaupt schien sich im Umfeld des Fußballs die galicische Identität extrem zu manifestieren. Überall wehte die Flagge der Autonomen Gemeinschaft Galicien und der Vereinsname Celta de Vigo bezieht sich natürlich auf das historische keltische Erbe der Region. Wie auch Nordportugal war Galicien spätestens ab dem 7.Jahrhundert von dem keltischen Stamm der Gallaeker besiedelt. Besonders in der galicischen Volksmusik sind die keltischen Wurzeln dank der traditionellen Instrumente wie Dudelsack (galicisch: Gaita), Drehleier und Harfe zu spüren. Und um nochmal die Brücke zum Fußball zu schlagen; die Hooligans von Celta de Vigo nennen sich „Tropas de Breogán“ (Truppen des Breogán, welcher ein mystischer keltischer König ist).

Graffiti der Gruppe Tropas de Breogán

Neben dem Namen sind bei Celta de Vigo übrigens auch die Vereinsfarben und das Trikotdesign regionalpatriotisch. Im ebenfalls stadionahen Restaurant „El Olivo“, wo ich mit der zu 33,3% erfolgreichen Zockerbande verabredet war, hatten alle Bedienungen den aktuellen Spielerdress des Vereins am Leib. Hellblau-weiße Trikots mit einem roten Diagonalstreifen. Alles an die galicische Regionalfahne angelehnt, nur dass der Diagonalstreifen der Fahne nicht hellblau ist, sondern in der Stadtfarbe rot dargestellt wird.

Zorza mit Spiegelei und Fritten

Als ich eintraf, aßen meine Freunde bereits riesige Baguettes (Bocadillas) mit Hähnchenbrustfilets und Salat für 3,50€ das Stück. Ich entschied mich allerdings dafür 6,50€ für einen Teller Zorza mit Fritten und Spiegelei auszugeben. Zorza ist ein typisch galicisches Gericht (ich kenne die Küche bereits familiär bedingt), wo mageres Schweinefleisch geschnetzelt und mit Knoblauch, Paprikapulver und Kräutern mariniert wird. Geschmacklich atemberaubend (und atembetörend). Selbstredend gab es vor’m Spiel auch zwei weitere Runden Estrella (0,5l für 2,50€). Dem dadurch verursachten Blasendruck wurde kurz vor Anpfiff noch schnell hinter der vorurteilsbeladen designten Toilettentür des „El Olivo“ nachgegeben.

Hinter welcher Tür ist wohl das Herren-WC?

Dann ging es rüber in der das frischrenovierte Estadio de Balaidos. Soweit ich es mit alten Fotos vergleichen konnte, war logischerweise die futuristische Fassade neu, die Bestuhlung ebenso und auch die Überdachung wurde saniert und erweitert. Die ovale Grundform des Stadions ist zwar geblieben, aber die Laufbahn ist verschwunden und die Zuschauerränge sind näher ans Spielfeld gerückt. Rund 30 Millionen Euro kostete die 2015 begonnene und just abgeschlossene Sanierung des Stadions. Die Kapazität ist mit 31.800 Plätzen gegenüber zuvor 33.923 Plätzen kaum gesunken, der Komfort jedoch erheblich erhöht worden. Auch im Bereich der heute so unentbehrlichen VIP-Plätze.

Die Flagge Vigos

Pünktlich um 21:00 Uhr rollte der Ball zwischen Celta de Vigo (11.) und UD Las Palmas (18.). Ich habe, Kumpel wie ich bin, meinen Freunden natürlich noch den brandheißen Tipp gegeben, dass es zur Pause definitiv noch 0:0 stehen wird. Todsicheres Ding bei einer Quote von 1 zu 2,15. Im ersten Durchgang gab es hüben wie drüben addiert nicht mal eine handvoll Torschüsse und so ging mein Tipp tatsächlich auf und Ole und Lo hatten aus 20€ schon mal 43€ gemacht. Berger dagegen hatte einfach nur auf Heimsieg mit Handicap-1 getippt. Der musste also noch auf einen Sieg mit zwei Toren Unterschied für Vigo hoffen, während die anderen beiden mich nun für einen Wettguru hielten und meiner neuerlichen Eingebung eines 1:0 Endstands annahmen (mit 20€ Einsatz und 80€ möglicher Auszahlung).

Eine der raren Strafraumszenen

Stimmungsmäßig war das Ganze heute übrigens nicht so prall. Celta de Vigo hatte nur einen kleinen dauerhaft aktiven Fanblock in unserer benachbarten Kurve, sowie ein paar winzige Stimmungsnester in der gegenüberliegenden Kurve. Der Gästeblock dagegen war komplett leer. „Das Schiff aus Gran Canaria hat wohl Verspätung“, vermutete Berger. Immerhin wurde es zu Beginn der 2.Halbzeit mal richtig laut, als die Stadionregie bei der Rückkehr der Teams die Titelmelodie der populären TV Serie „A-Team“ spielte und nahezu alle im Stadion mitmachten. Inklusive natürlich mit dieser Serie sozialisierte deutsche Stadiontouristen.

Fankurve Vigo

Mein neuer Tipp, dass Celta de Vigo auf jeden Fall 1:0 gewinnt, war dann bereits in der 53.Minute obsolet. Erik Alexander Expósito Hernández brachte die Gäste in jener Spielminute überraschend in Führung und auf der Haupttribüne jubelten jetzt sogar zwei Typen mit UD Las Palmas Fahne. Für Ole und Lo war das Spiel nun gelaufen und Berger glaubte auch nicht daran, dass die Hausherren die Partie noch zu einem 3:1 Heimsieg drehen würden. Doch schon in der 62.Minute nährte ein Typ namens Jonny Castro das zarte Pflänzchen der Hoffnung bei meinem Kumpel. Danach passierte wieder lange nichts und die Diskussionen gingen los, ob wir nicht früher abhauen wollen. Der Reiseleiter blieb jedoch kompromisslos und in der 89.Minute hat Berger bei Vigos Führungstor, durch den chilenischen Nationalspieler Pedro Pablo Hernández, mindestens so frenetisch wie die Einheimischen um uns herum gejubelt.

Estadio de Balaidos

Jetzt hielt InterCityBerger nichts mehr auf dem Sitz und er versuchte „sein“ Team nach vorne zu peitschen. Blöd nur, dass die in den letzten fünf Minuten (inklusive Nachspielzeit) lieber die Führung über die Zeit retten wollten, anstatt noch irgendwelche Offensivbemühungen zu entwickeln. Ber gers Ratschlag „Schlag sofort ab, die stehen frei an der Mittellinie“, hatte Vigos Torwart anscheinend in der 90+3.Minute überhört. Der Keeper ließ sich viel Zeit, spielte seinen Abschlag kurz und sah zu, wie die Abwehrreihe den Ball ein wenig bis zum Abpfiff hin- und herschob. Ole und Lo gingen also dank der torlosen 1.Hälfte mit enem Mini-Gewinn von 3€ aus der Partie, während Berger eben einfach zuviel Glück in der Liebe haben muss.

Abschied vom Stadion

Es ging jetzt zügig zum Auto und noch zügiger nach Porto. Nach der Grenze gab es wieder den Effekt der Zeitumstellung und aus 23:30 wurde 22:30 Uhr. Von hier war noch eine gute Stunde bis Porto zu fahren und die verging dank der Hits von Finch Asozial und dem Karton Super Bock wie im Fluge. Nachteil des Bierkonsums: Es entstand Unruhe im Magen. Knoblauchlastige Bäuerchen dank des Zorzas von vorhin drangen nach draußen. Besonders jene, die wie einst Günter Netzer aus der Tiefe des Raumes kamen, tauchten das Auto in ein absolut vampirfeindliches Klima. Als man mich aus Protest von der Bierversorgung abschneiden wollte, konnte ich zum Glück eine Flasche Pepsi Max hervorholen und drohen alles nur noch schlimmer zu machen. Punktsieg für mich und bis zur Ankunft gegen 23:30 Uhr Ortszeit wurden weiterhin Super Bock von hinten zum Beifahrersitz gereicht.

Francesinha im Querschnitt

Das Fahrzeug hatten wir vollgetankt gleich vor Hertz abgestellt und mussten am kommenden Morgen nur nochmal kurz rüber, um den Schlüssel abzugeben und den Papierkram zu erledigen. Dann konnte es sogleich an einem äußerst sonnigen Tagesbeginn zum Frühstück ins von vorgestern bestens bekannte „Café Lobito“ gehen. Diesmal hatte ich natürlich auch Francesinha gewählt (8,50€ inklusive Fritten) und war hellauf begeistert davon. Bisher mein lokaler Favorit bei dieser Speise in Porto.

An der Ponte Dom Luis I.

Bei dem Wetter heute musste es natürlich nochmal runter ans Douro-Ufer gehen. Dort konnten wir in T-Shirts chillen und einige schöne Erinnerungsfotos knipsen. Da wir das Gepäck noch in der Wohnung gelassen hatten, war das alles auch ganz entspannt. Das war jetzt das Wetter, welches wir uns für die ganze Urlaubswoche gewünscht hatten, aber man kann nicht alles haben. Und in Anbetracht der Vorhersage von sechs Tagen Dauerregen, hatten wir es ja insgesamt doch besser als erwartet erwischt. Bei richtig schlechtem Wetter waren wir fast immer in einem Lokal oder in einem Stadion und die Balance aus In- und Outdoor-Aktivitäten hat trotzdem gepasst.

Altstadthäuser und die fernandinische Mauer

Um 12 Uhr ging es zurück zum Appartement. Der Check-Out-Prozess war einfach nur den Schlüssel auf dem Küchentisch platzieren und die Wohnungstür hinter uns zufallen lassen. Zwei Stunden blieben immer noch bis zum geplanten Flughafentransfer und die Markthalle „Mercado do Bolhão“, sowie umliegende Geschäfte und Cafés waren jetzt genau die richtigen Orte, um noch etwas Kleingeld loszuwerden. Dann ging es mit der Metro für 2€ pro Person zum Aeroporto do Porto. 2€ für 16km mit der Metro ohne Abzocke via Flughafensondertarif. In Lyon kosten 30 Minuten Tramfahrt vom Flughafen an den Rand der Innenstadt übrigens 14,90€. Nur eines von mindestens 1.896 Mosaiksteinchen warum ich Portugal liebe und Frankreich eben Frankreich ist.

Die Häuser der Ribeira

15:30 war Abflug und Hamburg wurde drei Stunden später pünktlich um 19:30 Uhr Ortszeit erreicht (Deutschland teilt sich im Gegensatz zu Portugal die Zeitzone mit Spanien). Die knapp 90minütige Autofahrt nach Hause wurde natürlich für ein Resümee des Trips (durchweg positiv) und neuerliche Portugalpläne genutzt. In den Nationalpark Peneda-Gerês muss ich unbedingt nochmal. Und Peneda-Gerês mag zwar der einzige Nationalpark Portugals sein, aber das Land ist voll von großzügigen Naturschutzgebieten und Biosphärenreservaten. In den „Parque Natural da Serra da Estrela“ möchte zum Beispiel gerne zeitnah zum Wandern reisen. Außerdem gibt es noch ein paar besuchenswerte Stadien im Land, aber bis diese fällig sind, stehen noch zig andere Reisen im Kalender. Vor 2019 werden Portugal und ich uns wohl nicht wiedersehen.