Porto, Gaia & Guimarães 03/2018

04.03.2018
Vitória SC Guimarães – Os Belenenses 0:0
Primeira Liga (I)
Estádio Dom Afonso Henriques (Att: 10.941)

Weil am Vorabend für den kommenden Morgen ein paar Stunden Sonnenschein im Wetterbericht angesagt wurden, quälten sich InterCityBerger und ich wie schon am Vortag um kurz nach 6 Uhr aus dem Bett. Das ist Urlaub! Denn der Mann mit dem professionellen Foto-Equipment wollte gerne einen Sonnenaufgang an Portos berühmter Brücke „Ponte Dom Luis I.“ knipsen und ich dachte mir, dass das auch ohne richtige Kamera was für’s Auge werden könnte.

Morgengrauen in Porto

Kurz frischmachen, Jogger anziehen und dann runter an’s Ufer des Douro hieß die Devise, während die Langschläfer Ole und Fat Lo für zwei Stunden den Luxus eines Einzelzimmers hatten. Der Douro lag ungefähr 100 Höhenmeter niedriger als unsere Wohnung und war in Frühnebel getaucht. Die Sonne vermochte die Wand aus Wolken und Nebel leider nicht zu durchbrechen, aber es war dennoch ein schöner Anblick und wir waren sonntags um 7 Uhr nicht die einzigen Hobbyfotografen am Douro.

Frühnebel an der Ponte Dom Luis I.

Der Frühnebel war bei uns Laienmeteorologen außerdem ein Anzeichen für schönes Wetter und ich hatte auch schon Pläne das auszunutzen. Dazu marschierten wir durch die langsam erwachenden Gassen der Altstadt wieder hoch zum Appartement und weckten Ole und Lo. 100 Meter höher schien die Sonne bereits fröhlich auf die Erde hernieder und dementsprechend hielt die beiden Freunde auch nichts mehr im Bett.

Santo Ildefonso

Mein Plan war von Porto nach São Pedro de Afurada zu spazieren, wozu mich mein hannoverscher Bloggerbuddy Wolfgang jüngst inspiriert hat. Doch für die zu bewältigenden Kilometer musste natürlich noch eine Grundlage geschaffen werden. Unweit des Platzes „Praça da Batalha“, an dem u.a. das sehenswerte „Teatro Nacional São João“ und die mit Azulejos gefließte Kirche „Santo Ildefonso“ zu bewundern sind, gab es mit dem „Café Lobito“ die perfekte Frühstücksoption.

Teatro Nacional São João

Man darf sich auf keinen Fall vom englischsprachigen „Tourist Menu“ abschrecken lassen. Diese Sonderspeisekarte ist ausnahmsweise kein Indikator für Touri-Nepp, sondern den vielen in dieser Gegend herumstreunenden Touristen, bei zugleich rudimentären Englischkenntnissen des Personals, geschuldet. Die Preise sind äußerst fair und die zahlreichen lokalen Frühstücksgäste sprachen ebenfalls eine deutliche Sprache.

Francesinha in Vollendung

Weil ich schon gleich am Eingang diverse Teigwaren aus den Auslagen bestellt hatte, bekam die Toruristenkarte leider erst am Tisch zu Gesicht. Deshalb wusste ich auch nicht, dass es hier Francesinhas gab. Als meine Freunde dann richtig geile Kalorienbomben für 8,50€ das Stück serviert bekamen, war ich etwas neidisch. Doch ich sagte nur: „Not yet Kameraden! Not yet!“ und dachte an die zwei weiteren Urlaubstage, die genug Zeit ließen, um selbst noch in den Genuss dieser Krone der Francesinha-Schöpfung zu kommen. Außerdem stibitzte ich schon mal fleißig von den als Beilage servierten und mit Rosmarinsalz gewürzten Fritten. Die Bedienung war sogar so zuvorkommend, mir eine Extra-Gabel für die Diebestouren auf fremde Teller zu bringen. Obrigado!

Mein Frühstück

Ferner waren meine Fleischkroketten und mein Schnitzelbrötchen (zusammen ungefähr 3,50€) auch nicht schlecht und wir alle konnten zufrieden zum Douro-Ufer weiterziehen. Dort war es nun wieder etwas bewölkter, aber Regen drohte nicht unmittelbar, so dass wir via „Ponte Dom Luis I.“ den Übertritt nach Vila Nova de Gaia wagten. So heißt die Stadt, die Portos Altstadt direkt gegenüber liegt und welche die berühmten Portweinhäuser der Region beheimatet.

Runter ans Ufer

Beide Städte wirken zwar wie eine Großstadt und man teilt sich die Infrastruktur, aber Vila Nova de Gaia (kurz Gaia) legt Wert auf Eigenständigkeit. Gaia als Verwaltungseinheit („Município“) hat mit über 300.000 Einwohnern sogar mehr Bewohner als die Verwaltungseinheit Porto (ca. 239.000) vorzuweisen. Gemeinsam mit ein paar weiteren „Municípios“ bilden Porto und Gaia allerdings die Metropolregion Porto und der ganze Staat Portugal ist obendrein auch noch nach Porto benannt. Bei soviel Ruhm kann die städtische „Königin des Nordens“ sicher verkraften, dass in Gaia ein paar Menschen mehr gemeldet sind.

Rabelos (Portweinboote) am Cais de Gaia

Wir spazierten nun den „Cais de Gaia“, die Uferpromenade, entlang. Vorbei an den Stammhäusern der Portweingrößen Sandeman, Graham, Cockburn und Co. Wie die Namen vermuten lassen, ist die Erfolgsgeschichte des Portweins eng mit dem Handelspartner Großbritannien verbunden. Da Portugal und Großbritannien schon jahrhundertelang Partner sind (der Vertrag von Windsor besiegelte 1386 das bis heute älteste noch gültige diplomatische Bündnis in Europa), kamen die Portugiesen auch ins Spiel, als die Briten Ersatz für Dauerfeind Frankreich als Weinlieferanten brauchten. Das war im späten 17.Jahrhundert und es entstand ein prosperierender Handel zwischen Portugal und England, der sich 1703 im Methuenvertrag weiter manifestierte (und beide Nationen auch außen- und verteidigungspolitisch noch enger aneinander band).

Spaziergang am Douro

Eigentlich trinke ich ja sehr gerne Portwein, aber um sich damit die Rübe vollzukleistern, war es jetzt (10 Uhr) noch etwas früh. Stattdessen waren die knapp 4 Kilometer Spaziergang von der „Ponte Dom Luis“ nach Afurada zu meistern. Nachdem man den „Cais de Gaia“ mit seinen kulinarischen Verlockungen und dem schönen Ausblick auf Portos Altstadt hinter sich gelassen hat, beginnt ein Weg aus Holzplanken am Ufer. Man geht quasi über’s Wasser. Hier waren auch zahlreiche Angler aktiv, sowie etliche Läufer. Denn heute war der schmale Weg ausgerechnet Teil des 10km langen „Petrus Run“ in Gaia und wir vier Kolosse kamen den Athleten dauernd in die Quere.

São Pedro de Afurada

Trotzdem kamen wir nach rund 50 Minuten unfallfrei im netten Fischerdorf São Pedro de Afurada an. Betagte Frauen hielten Schwätzchen vor ihren kleinen bunten Häusern und die alten Männer waren Frühschoppen in den vielen kleinen Cafés des charmanten Örtchens. Auch wir hatten uns jetzt das erste Bier des Tages verdient und kehrten auf ein paar Runden kleine Super Bock ins Café „Abrigo do Pescador“ ein. Da mein Spanisch bedeutend besser als mein Portugiesisch ist, übersetzte ich meinen Freunden den Namen fälschlicherweise als Mantel des Fischers. Doch die richtige Übersetzung lautet Zufluchtsort des Fischers. Passt natürlich auch noch besser in dieses Fischerdorf.

Das Kreuz des Südens

Nach den Bieren spazierten wir noch ein wenig durch die Gassen Afuradas, aber man hat schnell mehr oder weniger alles gesehen. Jetzt noch die letzten zwei Kilometer zum offenen Atlantik weitergehen, war aus Zeitgründen leider keine Option (12:30 Uhr war durch und 14:20 Uhr sollte unser Zug nach Guimarães fahren). Stattdessen zog uns der Grillduft eines Restaurants magisch an. Bei der „Taberna do São Pedro“ standen große Holzkohlegrills auf der Straße und mutmaßlich fangfrischer Fisch kam auf’s Rost. Der Hunger war groß genug, um hier einzukehren. In einer schönen Speisehalle, wo der alte Angelprofi Petrus als Ikone an der Wand hing und von der Decke diverse Fischernetze grüßten, ließen wir uns zwei Bänke und einen Tisch zuweisen.

Afuradas typische Fischerboote

Das Restaurant war gut gefüllt und sogleich wurden leckere Fischkroketten („Pasteis de Bacalhau“), ein Korb mit frischem Brot und eine große Schüssel gemischter Salat auf den Tisch gestellt. Alte gastronomische Portugal-Regel: Wenn man es anrührt, muss man es auch bezahlen. Ansonsten wird es unberechnet wieder abgeräumt Aber wir hatten eh Bock auf die servierten Vorspeisen und alles zusammen kostete auch nur ungefähr 3€ pro Person. Die Speisekarte bot dann eine große Auswahl lokaler Atlantikbewohner (alle Gerichte so 10 bis 15€), jedoch reichten Berger, Lo und mir vorerst die Fischkroketten in Sachen maritimer Nahrung. Ein Rindersteak für 11€ frisch vom Grill, das wär‘ ja auch was, dachten wir, während Ole sich einen Spieß mit Gambas und Tintenfisch kommen ließ.

Pasteis de Bacalhau und grüner Salat

Unser Freund guckte dann etwas sparsam, als uns kolossale Steaks aufgetischt wurden. Doch er hatte Glück im Unglück. Ich schaffte nach der Vorpeise meine geschätzt 0,75kg Fleisch nicht ganz, so dass Ole nachträglich auf „Surf & Turf“ upgraden konnte. Dazu gab es Softdrinks und eine Karaffe Vinho Verde (wir nahmen mittelpreisigen für 10€ und wurden nicht enttäuscht). Als die Verdauung einsetzte, lief ein Sänger mit Gitarre auf und klimperte „Despacito“ und weiteren Latino-Pop. Das war also Gustavo, der kubanische Musiker, von dem ich bei Wolfgang (Groovy Planet) bereits gelesen hatte.

Was ein Steak

Wir ließen uns noch ’ne Karaffe kommen und verloren die Zeit völlig aus den Augen. Mittlerweile war es 13:45 Uhr. Shit! „A conta, por favor!“ Und als die Rechnung kam, ließen wir uns auch gleich ein Taxi rufen. Wenn das jetzt in spätestens fünf Minuten vor der Tür steht, würden wir unseren Zug vielleicht noch kriegen. Dauerte allerdings 20 Minuten und so mussten wir auf den Zug um 14:20 Uhr abhaken und auf 16:20 Uhr umschwenken (Scheiß Sonntagsfahrplan!). Wir löhnten nun inklusive Trinkgeld faire 8€ für 5km Taxifahrt und durften uns in strömendem Regen eine überbrückende Freizeitbeschäftigung überlegen. Wir kehrten schließlich in Bahnhofsnähe in die „Adega do Quim“ ein. Im Erdgeschoss wirkte es wie eine Bahnhofspinte, doch im Obergeschoss wurde seriös gespeist. Das hatten wir ja gerade erst hinter uns, also wurde nur weiterer Vinho Verde bestellt.

São Bento en detail

Um kurz nach 16 Uhr gingen schließlich nur Ole und ich rüber ins Bahnhofsgebäude. Es würde nach der Ankunft (17:36 Uhr) ja schon bald dunkel werden, wir würden wieder vor verschlossenen Burgtoren stehen und nur für das Spiel lohne sich die Fahrt ja nicht. Stattdessen könne man später bei Sonnenuntergang und in der Blauen Stunde bestimmt noch coole Fotos am Douro schießen. Diskussion zwecklos. Also wurde lediglich zweimal 3,60€ für die einfache Fahrt gelöhnt.

Marktplatz von Guimarães

Durch das regnerische Wetter war es leider auch schon eine Stunde vor Sonnenuntergang ziemlich duster in Guimarães. Nichtsdestotrotz marschierten wir vom Bahnhof runter in die Unterstadt, um uns am anderen Ende der „Baixa“ durch die Altstadt zum Burgberg hochzuquälen. Habe ich schon mal erwähnt, dass in Portugal alle Städte hügelig bis bergig sind? In diesem Bericht noch nicht.

Portugal, Land der hügeligen Städte

Hat sich die Mühe gelohnt? Bedingt. Die Altstadt von Guimarães ist nicht ohne Grund UNESCO Welterbe. Allerdings ist sie touristisch natürlich bei vollem Tageslicht und gutem Wetter interessanter. Oben an der Burg hatten die Wächter wie erwartet schon Feierabend und uns blieb nur die Inspektion von außen. Dabei fiel auf, dass die romanische Burg von Guimarães ziemlich klein ist. Zum Beispiel viel kleiner als die gestern besuchte Burg von Leiria oder auch die mir bereits bekannte Burg von Lissabon. In Anbetracht der historischen Bedeutung dieser Burg, hatte ich mir zuvor eine eindrucksvollere Festung ausgemalt.

Die Burg von Guimarães

Immerhin soll er hier geboren sein, der erste König Portugals. Ungefähr 1109 erblickte Dom Afonso Henriques (König Alfons, Sohn des Heinrich) das Licht der Welt. Sein Vater Heinrich von Burgund hatte eine uneheliche Tochter von König Alfons VII. von Kastillien geheiratet und die Gebiete nördlich des Douro als Mitgift bekommen. Heinrichs Sohn gab sich allerdings nicht damit zufrieden als Graf von Portucale ein Vasalle Kastilliens zu sein und begann seine eigene Reconquista, um den Mauren Gebiete südlich des Douro abzutrotzen und sein eigenes Königreich zu gründen.

Dom Afonso Henriques als Statue

1139 errang Graf Afonso 500 Kilometer südlich von Guimarães in der Schlacht von Ourique einen großen Sieg über die Mauren. Beflügelt von diesem militärischen Erfolg rief er das Königreich Portucale aus und machte Guimarães zur Hauptstadt des neuen Königreichs. 1143 erkannte der alte Lehnsherr Kastillien mit dem Vertrag von Zamora das Königreich Portugal an und im gleichen Jahr verlegte Dom Afonso Henriques die Hauptstadt ins im neuen Reich zentraler gelegene Coimbra (wo wir gestern auch sein Grab besucht hatten).

Paço dos Duques de Bragança

Guimarães verlor nun etwas an Bedeutung und wurde erst im 15.Jahrhundert wieder eine Residenzstadt. Der Herzog von Bragança (namentlich auch ein Afonso I.) ließ den Palast „Paço dos Duques de Bragança“ errichten, der gleich neben der mittelalterlichen Burg steht. Außerdem sehenswert im Umfeld der Burg sind die Nonnenkloster „Convento dos Capuchos“ und „Lar De Santa Estefânia“. Durch die mittelalterliche Gasse „Rua de Santa Maria“ (angebliche die älteste Gasse der Stadt) spazierten von letzterem Kloster wieder in die Unterstadt. Es war mittlerweile dunkel und in gut 1,5 Stunden (20:30 Uhr) sollte Anpfiff bei der Partie Vitória Guimarães versus Belenenses sein.

Convento dos Capuchos

Wir gingen zum auch sehr zentralen Stadion und erwarben für 10€ Karten für den überdachten Oberrang der Hauptribüne. Bei dem Wetter verstehe ich gar nicht, warum der Verkäufer überhaupt gefragt hat, ob wir über- oder unüberdacht sitzen wollen. Nach dem Ticketerwerb hielten wir Ausschau nach einer Einkehrmöglichkeit im Stadionumfeld und wurden mit dem „Restaurante Condado“ fündig. Es gab eine Karaffe Vinho Verde, Steak vom Porco Preto (iberisches schwarzes Schwein) im Brötchen und für jeden drei Kroketten mit unterschiedlichen Fleisch- bzw. Fischfüllungen. Lecker, aber mit insgesamt mit 11€ p.P. etwas über Landesniveau.

Fleischkroketten

Fünf Minuten vor Anpfiff ging es ohne Anstehen und Abtasten ins Stadion und das Ding überzeugte optisch sehr. Drei Tribünen sind leicht hufeisenförmig und verfügen über einen kleinen unüberdachten Unterrang und einen großen überdachten Oberrang. Letzterer wurde eventuell im Zuge der Komplettrenovierung für die EM 2004 einfach auf das bestehende Stadion draufgesetzt. Die vierte Tribüne war bündig mit der Torauslinie und Heimat des Fanblocks von Vitória Guimarães.

Beste Sicht von unseren Plätzen

Die Gruppe „White Angels“ und ihre zahlreichen Sektionen machten 90 Minuten lang auch wirklich gut Alarm. Vor allem hatten die ein paar Melodien, die mir bisher unbekannt waren. Die Szene war mir bereits von der umgekehrten Ansetzung Belenenses – Vitória SC im Januar 2016 positiv in Erinnerung geblieben und konnte diesen Eindruck heute noch verstärken. Die sangesfreudige Heimkurve war eines der drei Highlights dieses Spiels. Das zweite war das Stadion und das dritte war der Ausschank von Vollbier.

Die Heimkurve mit den Ultras im Unterrang

Eigentlich war, wie in der 1.Liga vorgeschrieben, nur der Verkauf von alkoholfreien Getränken gestattet, doch am Stand hinter unserem Block gab es Sagres mit den gewohnten 5,1% unter der Hand. An der Preistafel ausgeschrieben und im Kühlschrank sichtbar war zwar nur Sagres „sem álcool“, aber auf Nachfrage griff der Mann in eine Kühltruhe unter’m Tresen, schaute links und rechts nach Ordnungshütern, präsentierte mir kurz die richtige Flasche und füllte dann für 1,50€ 0,33 Liter alkoholisches Bier in einen Becher. Saugeil!

Flüchtlinge

Ansonsten überzeugten weder die Gästefans aus Lissabon (für die ein 9er-Bus zur Anreise ausreichend war), noch das Spiel. Auf den Rängen war mehr Bewegung als auf dem Platz. Das stand spätestens fest, als aus Nieselregen Starkregen wurde und der Unterrang kollektiv in den Oberrang zu klettern begann. Da das Stadion mit knapp 11.000 Zuschauern nur zu einem Drittel ausgelastet war, sorgte das nicht für Platzprobleme. Im Durchschnitt haben bisher übrigens 17.000 Zuschauer die Heimspiele von Vitória besucht (vierbester Wert der Liga). Die vielen Daheimgebliebenen bewiesen einen guten Riecher, denn wie gesagt, auf dem Rasen war das mal gar nichts.

Die etatmäßige Gästekurve

Schon die ganze Saison läuft nicht nach Wunsch für die Nordportugiesen. Platz 4 (wie in der Vorsaison) war eigentlich das Ziel, doch Platz 10 ist zur Zeit die tabellarische Realität. Vor diesem Spiel hatte man drei Ligaspiele in Serie verloren und den Trainer getauscht. Auch ohne tiefgreifende Portugiesisch-Kenntnisse war auf der Tribüne eine enttäsuchte Fanseele und kritische Grundeinstellung zu spüren. Neutrainer José Peseiro (führte u.a. 2005 Sporting ins UEFA-Pokal-Finale) wollte anscheinend im ersten Spiel erstmal hinten sicher stehen. Da der Tabellennachbar Belenenses auswärts auch nicht gedachte die Iniative zu ergreifen, passierte 45 Minuten so ziemlich genau nichts innerhalb der Strafräume.

Der Fanblock von Vitoria

In der 2.Hälfte schien das Selbstvertrauen bei den „Conquistadores“ aus Guimarães soweit zurückgewonnen, dass sie mehrere Angriffe wagten. Der Trainer tat mit einem offensiven Doppelwechsel in der 63.Minute sein Übriges für die Bemühungen um einen Heimsieg. Das Publikum goutierte dieses Treiben und unterstütze die Mannschaft nun von allen Rängen. Dabei erwies sich die Oma hinter uns als sehr textsicher. Der gefährlichste der insgesamt sechs Torschüsse von Vitória ging allerdings nur ans Lattenkreuz (der eingewechselte Rafael Martins in der 89.Minute), während sich ansonsten Gästetorwart André Moreira als unüberwindbar entpuppte.

Immerhin gab es illegales Vollbier

Das 0:0 war nicht zufriedenstellend für das Publikum und das Stadion leerte sich rapide. Auch wir trödelten nicht, da in knapp 30 Minuten der letzte Zug nach Porto fahren würde. Dabei egalisierte der anstrengende Anstieg von der Unterstadt zum Bahnhof von Guimarães natürlich nochmal die Effekte des Alkohols auf den Geisteszustand und die Kalorienbilanz. Doch das ist ja gar nicht so verkehrt, wenn man am nächsten Tag schon wieder Spitzenleistungen bringen will. Im Zug gingen bereits die Augen zu, aber São Bento war zum Glück eh die Endstation um kurz nach Mitternacht.

Bahnhof São Bento bei Nacht

Unsere Freunde hatten den Schlüssel für’s Appartement und erwarteten uns in der Touri-Falle „Café Java“, wo sie sich mit anderen deutschen Touristen verbrüdert hatten. Wir schlossen uns jedoch nicht mehr der Achse Allgäu – Hildesheimer Börde an und gingen alsbald ins ca. 1.000 Meter entfernte Bett. Eine Stunde Vorschlafen war noch drin, bevor uns die Portweinrüben aus dem Schlaf klingelten.