Mazedonien 08/2017

21.08.2017
FK Shkupi Skopje – FK Skendija 0:3
Prva Makedonska Liga (I)
Čair Stadium (Att: 2.500)

Bei der Jahreshauptversammlung meines Tourismus-Kollektivs wurde als Hauptreise für 2017 eine ausgedehnte Balkantour beschlossen. Mit dem neuem Player am Himmel über Hannover, der preiswerten ungarischen Airline WizzAir, wurde der ideale Beförderer für die Reise gefunden. Am 20.August ging es von Hannover nach Skopje und am 2.September sollte es von Belgrad zurück nach Hannover gehen. Inklusive Gepäck hatten Milano Pete, Fat Lo, Ole, die Krake und ich etwas über 100€ pro Person zu zahlen. Das ging klar in der Hauptsaison. Außerdem hatte ich im Reisezeitraum Entbindungsjubiläum und Serbiens Spielplangestalter schenkten mir an meinem Geburtstagswochenende das Belgrader Derby im „Marakana“. Ebenso meinte es zuvor die UEFA-Mafia nicht so schlecht mit uns. Sie setzten das Europa League Play-off von FK Skendija Tetovo gegen AC Milan am 24.August im mazedonischen Nationalstadion zu Skopje an. Und bis zum ersten Anstoß sollten uns zunächst die touristischen Höhepunkte Mazedoniens verzaubern (Hauptstadt Skopje, die Matkaschlucht und der Ohridsee).

Macedonia is calling again

20.08.2017
SC Harsum – FC Algermissen 3:1
Bezirksliga Hannover (VII)
Sportanlage Förster Straße (Att: 215)

Abgeflogen wurde am späten Sonntagabend, so dass der Trip nach Mazedonien wie schon im März im Langenhagener „Balkan House“ eingeläutet wurde. Und zuvor gab es noch leichte Fußballkost in Harsum. Der Traditionsverein SC Harsum empfing Algermissens Emporkömmling FC (est. 1990) zum Bezirksligaduell. Da ich Harsum unterstelle diese Saison in die Landesliga aufsteigen zu wollen, rechnete ich fest mit einem Heimsieg. Die schwarz-weiß-grünen Fußballer von der Förster Straße begannen auch gut und gingen bereits in der 3.Minute durch Robin Westphal in Führung.

Der Teamgeist-Klassiker

Nach dem Seitenwechsel wurde der Vorsprung um ein Tor ausgebaut (Schröder, 56.Min), aber nachdem in der 58.Minute ein gelbwürdiges Foul nahe des Mittelkreises mit Rot geahndet wurde, gerieten die Harsumer in Unterzahl. Vier Minuten später folgte der Anschlusstreffer, für den sich der Schiri somit quasi einen Scorerpunkt eintragen kann. Spätestens nach dem Platzverweis wurde nun auch bei jedem Zweikampf die Algermisser Kleinkunstbühne aktiv, was vom Publikum mit viel Gepöbel gewürdigt wurde (Stilblüte bezüglich eines sterbenden Schwans aus der Nachbargemeinde: „Holt Schlachter Wedig. Der macht ’nen Kehlschnitt, dann ist das Problem erledigt.“)

Eine zweikampfbetonte Partie

Beinahe hätte Harsum in der 66.Minute wieder den 2-Tore-Vorsprung hergestellt, doch der Pfosten rettete den FCA. Dann drückte der FCA nochmal auf den Ausgleich und bei der bunten Mischung aus richtigen Fouls und Schwalben, sammelten auch noch ein paar Harsumer gelbe Karten (O-Ton zum Schiedsrichter: „Der wirft mit Karten um sich. Man, man, man. Sind wir hier beim Skat oder was?“). In den letzten 10 Minuten ebbten Algermissens Angriffsbemühungen wieder etwas ab und Harsum wirkte einem 3:1 näher, als der FCA dem Ausgleich. In der Nachspielzeit kam es schließlich auch so und Niklas Schröder konnte einen schönen Spielzug zum dritten Harsumer Treffer und persönlichen Doppelpack abschließen. Der Schiedsrichter pfiff gar nicht wieder an und die Hausherren dürfen sich über die maximale Punkteausbeute aus den ersten zwei Spielen freuen.

Der Abschied vom deutschen Sommer fällt schwer

Nachdem halb Harsum uns einen schönen Urlaub gewünscht hatte, wurden wir vom Holzmichel und Bene bei strömendem Regen nach Langenhagen ins „Balkan House“ gefahren. Dabei leistete uns Bene noch Gesellschaft beim Essen, während der Holzmichel tatsächlich eine Fleischplatte ausschlug und sofort wieder umdrehte. Danke an beide für den Taxiservice, aber vom sonst immer so hungrigen Holzmichel war ich schon etwas enttäuscht. Naja, der Fleischberg schmeckte auch ohne ihn und weil die Damen im Service so begeistert von unserer Urlaubsplanung waren, gab es sogar gleich zwei Schnäpse (Julischka und Slivovica) auf’s Haus. Hvala!

Nun beginnt es also

Zwei Stunden vor Abflug ging es dann zum Flughafen, aber weder am Schalter (das erste Mal Aufgabegepäck seit über fünf Jahren und ca. 50 Flugreisen dazwischen), noch bei der Sicherheitskontrolle war etwas los. So blieb am Gate noch genug Zeit für vier Pakete Underberg. Jetzt saufen wir die Scheisse tatsächlich sogar schon ohne von Schirm dazu gezwungen zu werden. Krank!

Selbstgeißelung am Terminal

Im Flugzeug gab es passenderweise eine große Story über den Ohridsee im Wizzair-Magazin. Der soll dieses Jahr bereits von „Lonely Planet“ und „National Geographic“ ordentlich gehyped worden sein, so dass unser Ausflug dahin hoffentlich gerade noch so vor dem ganz großen Ansturm stattfinden würde. Nach gut zwei Stunden kreisten wir auch schon über Mazedonien, aber unten war kein Slot frei, so dass der stählerne Vogel noch 45 Minuten in der Luft bleiben musste. War nervig und leider waren wir dadurch sogar erst eine halbe Stunde später als planmäßig am Boden. Und an der Passkontrolle hatten wir auch noch die zwei richtigen Hipster-Strategen vor uns, die den Laden ordentlich aufhielten. Ein Deutsch-Mazedonier hinter uns bot sich als Dolmetscher an und weil er glaubte, der Betroffene wäre unser Kumpel, teilte er uns mit, dass Hipster Nr.2 gedachte mit abgelaufenem Perso einzureisen und nun nach einer Nacht an diesem schönen Flughafen nach Deutschland zurück muss. Leute gibt’s!

Kreisen über Skopje bei Nacht

Zum Glück hatte unser Hotel (wie bereits im März 2017 die Pansion Bianko) einen Shuttleservice für Mr. Snepanovic und seine Freunde organisiert. So waren wir zügig am Schlafquartier und konnten noch ein paar Biere aus dem Automaten ziehen. Dann war endgültig die nötige Bettschwere erreicht und die Gruppe tankte Kraft für einen pickepackevollen ersten richtigen Urlaubstag.

21.08.2017
FK Shkupi Skopje – FK Skendija 0:3
Prva Makedonska Liga (I)
Čair Stadium (Att: 2.500)

Acht Uhr klingelten in all unseren Zimmern die Wecker und ich beschloss den Tag wie beim ersten Trip nach Skopje zu starten. Es ging also zunächst einmal auf einen Frappucino in das „Izlet Kafe“, bzw. dessen katzen- und pflanzenreichen Innenhof, und anschließend zum Frühstücken zu „Fast Food 7“ (Hacksteak und Fritten im Fladenbrot). Von hier spazierten wir am Nationalstadion vorbei zur mittelalterlichen Festung, welche Skopjes Stadtzentrum überragt. Und deren Nachbar, die Mikrobrauerei „Temov“, wurde natürlich auch wieder beehrt. Heute aber ohne weibliche Bedienung und gefühlt mit gestiegenen Bierpreisen oder Touri-Zuschlag (3€ für 0,5l IPA). Daher blieb es bei einem Pint und beim Kommunizieren mit der Heimat wurden wir vom Abt darauf hingewiesen, dass doch tatsächlich heute kurzfristig noch ein Spiel der 1.Liga in Skopje angesetzt wurde.

Blick von der Festung auf’s Nationalstadion

Skendija, die Donnerstag 0:6 in Mailand verloren hatten, durften sich einen Tag länger als ursprünglich geplant von der Peitsche erholen und gastierten erst heute bei FK Skopje (bzw. FC Shkupi, wie ihn die den Club tragende albanische Minderheit nennt). Da aufgrund jener haushohen Niederlage im Hinspiel das Rückspiel gegen AC Milan zum besseren Testspiel degradiert wurde, hatten wir auch mittlerweile für kommenden Donnerstag umdisponiert (wir wollten lieber nach Belgrad) und hätten eigentlich kein Spiel in Mazedonien bei diesem Trip gesehen. Oder in Hoppersprache ausgedrückt; Ole, Lo und der Krake wäre ihr neuer Länderpunkt eigentlich durch die Lappen gegangen.

Unterwegs im orientalischen Viertel

Doch nun kam alles anders und nach einem obligatorischen Rundgang durch das Basar-Viertel und über die mittelalterliche Steinbrücke zum repräsentativen „Macedonia Square“, war das Wichtigste an Touri-Kram in Skopje abgehakt und wir zogen unseren Naturausflug zeitlich vor. Für detaillierte touristische und kulturelle Angaben verweise ich an meinen alten Skopje-Bericht, da ich ja ungern zweimal mit dem Gleichen nerven will. Allerdings kann ich ergänzend anmerken, dass weiter rege im Stadtzentrum gebaut wird und sich zur Hauptsaison die Zahl der vermeintlich Hilfebedürftigen an den Touri-Spots schlagartig erhöht hat.

Alexander der Große ihm sein Vater

Der Matka Canyon unweit von Skopje war ein nicht verhandelbarer Programmpunkt der Reise und dank Taxitransfer konnten dort nun 2,5 Stunden verbracht werden, ehe König Fußball uns wieder einmal seinem Diktat unterwarf. Und was soll ich sagen, es hat sich mega gelohnt dort hinzufahren (mit dem PKW / Taxi ist der Canyon rund 30 Minuten von Skopjes Stadtzentrum entfernt, der Stadtbus soll wohl 45-60 Minuten brauchen). Hier wird seit den 1930er Jahren der Fluss Treska gestaut, um Elektrizität für die Hauptstadt zu gewinnen, und schon nach dem Passieren der Staumauer bot sich uns ein wunderschöner Anblick.

Sveti Andrej am Matkasee

Die Felswände ragen hier vom grünlich schimmernden Wasser steil in die Höhe und sind reich bewachsen. Über 200 verschiedene Pflanzenarten soll es hier geben, wovon viele endemisch sind. Ein großer Botaniker, dass ich da jetzt mehr erzählen könnte, bin ich nicht, aber die Flora wusste natürlich optisch zu gefallen. Genau wie die kleine Kirche am Ufer (Sveti Andrej), das Restaurant mit Terrasse (natürlich gehobenes mazedonisches Preisniveau) und die kleinen bunten Boote auf dem Wasser.

Kleine bunte Boote auf dem Matkasee

Am Bootssteg wurde eine einstündige Bootsfahrt inklusive einer Höhlenbesichtigung für 400 Denar (ca. 6,50€) angeboten. Bootsmann Bayram, ein Albaner, der fließend Deutsch und Englisch sprach, musste nicht mal offensiv werben. Das gute Angebot nahmen wir zusammen mit ein paar Franzosen und Polen an. Am erwähnten Restaurant „Matka Canyon“ holte die Krake noch schnell zwei Tüten Bier und dann konnte die wilde Fahrt losgehen. Dabei konnten wir einer schönen Polin aus Opole ihren Wunsch nach Bier natürlich nicht ausschlagen. Ihren Wunsch es auch zu bezahlen dagegen schon. Und schon lief es wieder mit der Völkerfreundschaft.

Ein herrlicher Flecken Erde

An der Höhle Vrelo angekommen, trafen wir dann auch auf eine andere Ausflugsgruppe, bestehend aus unseren sympathischen Landsleuten. Die hätten gar nicht reden brauchen, die waren sofort zu identifizieren. Aber sie ergriffen uns gegenüber natürlich trotzdem das Wort: „Guckt ihr euch eigentlich auch die Höhle an oder sauft ihr nur Bier?“ Liebe Funktionskleidungsträgerin mit süddeutschem Spracheinschlag, jeder gute Spot wird mit Bier noch zu einem besseren Spot! So auch die wahrscheinlich tiefste Süßwasserhöhle der Welt a.k.a Fledermausland. Über 200 Meter tief konnten Forscher bereits vordringen, aber es geht definitiv noch tiefer runter. Wir spazierten einige Dutzend ungeflutete Meter hinein, bis man nicht mehr weiter konnte. Sah auch schon sehr beeindruckend aus.

Expedition in die Tiefe

Nach der Expedition in die feuchte Höhle, machten wir mit Bayram ab, dass er uns am gegenüberliegenden Ufer rauswirft und wir zurück zum Parkplatz wandern. War kein Problem und wir sprangen in einer kleinen Einbuchtung vom Boot. Nur gab es keine Treppe hier. Es ging lediglich gefühlt 96 Meter einen steilen und rutschigen Hang hoch. Was habe ich gefeiert! Bootsmann Bayram machte auch zunächst keine Anstalten weiterzufahren, so dass unsere neuen Freunde sich die Mordsgaudi noch angucken konnten und das Gelächter für Rückenwind sorgte. Aber auch diese Mühe hatte sich gelohnt. Der Panoramaweg war der Wahnsinn und die Kameras knipsten was das Zeug hielt. Eine gute Stunde Wanderung mit zum Glück nur ein, zwei heiklen Passagen stand uns jetzt noch bevor und wir genossen jede Minute davon.

Wandervergnügen

Punkt 16 Uhr waren wir zurück am Parkplatz und 16:02 Uhr rauschten unsere beiden Taxifahrer wieder an. Für 16€ konnten wir natürlich erwarten (ich glaube 10€ ist eher der Standardpreis, aber wir ham’s ja), dass sie uns gleich zum etwas weiter entfernten Stadion Čair fahren. Dabei wurden wir vor dem Viertel und den Ultras gewarnt und uns wurde der örtliche Drogenboss gezeigt, der gerade vor seinem Haus Hof hielt. Gut, für Otto-Normal-Touristen oder Standard-Backpacker-Kartoffeln wäre das jetzt keine empfehlenswerte Gegend gewesen, aber zumindest vor Einbruch der Dunkelheit würde ich es da nicht als besonders gefährlich einschätzen.

Eine Perle der Natur: Matka

Vor’m Stadion wurde man natürlich von allen Leuten angestarrt, weil man da einfach nicht hingehörte, aber das ist ja auch das Normalste der Welt. Ole und ich ließen uns jetzt von den Polizisten erklären wo der Presseeingang ist, welcher angeblich links der Tribüne bei der Tankstelle sein sollte. War dort nicht ersichtlich, aber dann ging die Tür der Waschstraße plötzlich auf und das war tatsächlich der Eingang für Presse, Polizei und Offizielle (wie praktisch, ein Wasseranschluss für Autowaschanlage und Kabinentrakt des Stadions). Schnell Leibchen übergestreift und ab in den Innenraum. Leider hatte das Stadion nur eine Tribüne mit ca. 5.000 Plätzen, aber es war schon ’ne schöne Anlage und offiziell sollen heute runde 2.500 Zuschauer die Stadiontore passiert haben.

Skendija trifft letzte Vorbereitungen

Rechtsaußen auf der Tribüne hatte sich ein Ultrà-Mob versammelt, der den Zaun auch schon ordentlich beflaggt hatte. Die Jungs (harter Kern ca. 100 Leute, ganzer Block ca. 300 Leute) legten einen guten Support hin. Gästefans waren leider keine zugelassen (in Mazedonien angeblich oft so), obwohl beide Lager nicht verfeindet sein sollen und beide einen albanischen Hintergrund haben. Dennoch war es mehr ein stimmungsvolles, als ein hochwertiges Fußballspiel. Skendija tat sich ganz schön schwer gegen den Aufsteiger und kam im ersten Durchgang zunächst nur zu ein paar Halbchancen und zwei, drei Eckstössen. Die erste wirklich gute Torchance des Spiels hatte das Heimteam in der 38.Minute, aber der Schuss von Mittelfeldspieler Adem aus ca. 25 Metern wurde ein Stückchen über das Tor gesetzt. Eine Minute später machte es der Kameruner Mbella aus ebenfalls über 20 Metern besser, aber Skendijas Torwart Zahov konnte zur Ecke fausten. Es lag jetzt doch noch ein Tor in der Luft und auch Skendija hatte nun noch zwei richtige Chancen.

Die Tribüne

Nichtsdestotrotz ging es mit 0:0 in die Pause, in der wir dann mit den anderen schnackten, die auch das Glück hatten umsonst reinzukommen (also wahrscheinlich ganze zwei Euro gespart ;-)). Das Mustern vor’m Spiel hörte für sie natürlich nicht auf und irgendwann kam ein Typ mit Peaceful-Hooligan-Shirt und Seidenschal zu ihnen, der wissen wollte wer die Fremden sind. Deutschland und Hannover fand er super („I love Hamburger SV and 96 and Hamburg are friends“) und schleppte daher die Jungs sofort zu seinem Ordnerkumpel, der sie für lau reinließ. Und auch drinnen waren die Albaner sehr interessiert an den exotischen Gästen, aber die Sprachbarriere war zu groß für vernünftige Gespräche und der friedvolle Hooligan mit den passablen Englischkenntnissen war in den Ultra-Block verschwunden.

Ecke für Shkupi

Für die 2.Hälfte schien Skendija Motivationspillen gefressen zu haben, jedenfalls machten sie jetzt richtig Power und der frisch eingewechselte Kroato-Albaner Besart Abdurami knallte in der 47.Minute seinen ersten Torschuss an die Latte. Noch besser machte es Mitspieler Armend Alimi zwei Minuten später, als er einen Volleyschuss aus 20 Metern in den Winkel nagelte. 0:1! Wenig später hatte irgend ein anderer Spieler von Skendija auch einen guten Wums, aber kein Zielwasser getrunken. Sein Torschuss traf mich am Rücken, während ich gerade die Spielfeldseite wechseln wollte. So kann man also auch den Spielball berühren. Es zog immer noch etwas im Kreuz, als Besart Ibraimi seine Farben per Strafstoß ein zweites Tor in Front brachte (61.Minute). Danach schaltete der Vizemeister aus Tetovo wieder einen Gang zurück und das Spiel plätscherte weitgehend in der Abendsonne von Skopje vor sich hin. Lediglich Skendijas Toptorjäger Radeski sorgte mit dem 0:3 in der 82.Minute nochmal für einen nennenswerten Höhepunkt. Standesgemäßer Sieg, der dem bis Mai 2017 von Thomas Brdaric trainierten Team eine harsummäßige Bilanz von 6 Punkten aus 2 Spielen einbrachte.

Fanblock der Heimmannschaft

Da man im Urlaub ja nie genug zu Fuß gehen kann, spazierten wir nach Abpfiff frisch vereint via Altstadt ins Bohème-Viertel Debar Maalo. Hier gibt es eine ganz tolle Kopfsteinpflasterstraße namens „Zhivko Chingo“, deren Restaurants rege von Einheimischen frequentiert werden. Und etwas weiter stadtauswärts erreichten wir die Kafana, die wie das Viertel heisst, bzw. von Einheimischen (von denen wir auch den Tipp hatten) einfach nur „DM“ genannt wird. Hier gab es erstmal eine Vitaminspritze namens Šopska Salat und dann als Hauptgang mit Kaymak gefüllte Pljeskavica. Sollen angeblich die besten der Stadt sein. Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten, aber sie waren definitiv fantastisch und das Restaurant sicher nicht ohne Grund auch auf einem Montagabend proppenvoll. Inklusive je zwei Bier und je zwei Rakija wurden wir jeder rund 8€ los. Da kann man nicht knurren.

Pljeskavica na kajmaku

Auch gut; die bereits beim letzten Mal für gut befundene Cocktailbar „Drinker’s Paradise“ war von hier nicht mehr weit. Dementsprechend gab es dort noch ein paar Absacker. Wieder junges studentisches Publikum mit hohem Frauenanteil und immer noch Cocktails zu deutschen Tafelwasserpreisen. Kurzum; eine gute Partynacht, die noch einen Ausflug ins glitzernde Zentrum der Stadt aufgesetzt bekam, aber aufgrund der Verpflichtungen des Folgetages deutlich vor Sonnenaufgang beendet wurde. Der einzige Nachteil dieser Erfolgsstory waren nur die ungewollten Ohrwürmer von den heftig rotierenden Songs wie „Rockabye“ und „Feels“. Mangels Radio- und Fernsehkonsum höre ich so etwas im Urlaub oft das erste Mal und der Despacito-Ohrwurm aus meinem Portugal-Urlaub bekam würdige Nachfolger. Verschwindet bitte alle wieder aus meinem Gehirn!

Nächtliche Poser

Weil der zeitlich zurechtgestutzte Ausflug nach Ohrid wenigstens noch maximal ausgekostet werden sollte, ging es am besagten Folgetag bereits morgens um 8:00 Uhr zum Busbahnhof von Skopje. Der erstbeste Bus war bereits ausgebucht, aber um 9:00 Uhr war für uns Abfahrt in einem ebenso randvollen Reisebus von Delfina Tours (Einzelfahrt ca. 7,50€). Über Tetovo (gefühltes Albanien) und Kichevo rollte der Bus gen Süden und 12:30 Uhr tauchte nach einer Fahrt mit schönen Gebirgspanoramen der Ohridsee am Horizont auf. In Ohrid sammelten wir zunächst Informationen für unsere morgige Weiterreise (mit unbefriedigendem Ergebnis) und suchten nun in einer doch sehr abgerockten Gegend die „Villa Lila“. Immerhin war es das einzige Mehrfamilienhaus im Barrio, welches im Postsozialismus eine Renovierung erfahren hatte. Wer Appartements für bis zu 8 Personen à 4,50€ pro Person und Nacht bucht, sollte wissen, was einen erwartet. Daher konnten wir höchstens positiv, aber nicht negativ überrascht werden. Es gab herzliche Gastgeber, die einfache, aber saubere Appartements anboten. Für den lediglichen Anspruch auf Schlafen und Duschen allemal ausreichend.

Willkommen am Ohridsee

Nachdem das inklusive Wi-Fi kurz für Kontakt mit der Heimat genutzt wurde, marschierten wir auch schon wieder los. 10 Minuten waren es bis zum kleinen Fischerhafen von Ohrid, wo uns sofort das klare Wasser des Sees und das Panorama umwarfen. Der See ist einer der ältesten der Welt und die maximale Tiefe beträgt fast 300 Meter. Ein großer Zoologe bin ich bekanntlich ebenfalls nicht, aber auch hier habe ich mir ein bißchen was angelesen und kann berichten, dass der See viele endemische Fischarten beheimatet. Allen voran die Ohridforelle, die auch mazedonisches Münzgeld zieren darf. Geld, dass heute so langsam mal in Essen investiert werden musste.

Typische Altstadtbebauung in Ohrid

Aber natürlich hatte ich nicht das erstbeste Lokal im Auge, sondern eins erwählt, zu dem wir nochmal die malerische Altstadt Ohrids durchqueren mussten. Als seit über 5.000 Jahren besiedelter Ort, weist die Stadt natürlich eine reiche Geschichte auf. 355 v. Chr. wurde sie von den Makedoniern erobert und das damalige Lychnidos (Stadt des Lichts) erfuhr eine hellenistische Blütezeit. Die Makedonier wurden 148 v. Chr. von den Römern als Herren der Stadt abgelöst und bei der Reichsteilung 395 n. Chr. fiel sie an Ostrom (Byzantinisches Reich). Im Frühmittelalter kamen die Slawen auf den Balkan und auch Lychnidos fiel irgendwann in ihr Siedlungsgebiet (die Quellenlage dazu ist dürftig). Die nunmehr Ohrid (Hrid = Felsen) genannte Stadt wurde ab dem 9.Jahrhundert ein Zentrum der Christianisierung der Slawen auf der Balkanhalbinsel, wovon die vielen alten Klöster und Kirchen Zeugnis geben. Allen voran die Sophienkirche („Sveti Sofija“, 11.Jhr.) und das Kloster St. Panteleon („Sveti Pantelejmon“, ursprünglich 9.Jhr, zwischenzeitlich von den Osmanen zerstört und mittlerweile rekonstruiert).

Sveti Sofija

Nachdem vorerst genug geschichtsträchtige Luft geatmet war, wurde auf der Seeterrasse des Restaurants „Kaneo“ gespeist. Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich… Und die höhere Marge erzielte der Gastwirt zum Glück mit Einsparungen bei der Portionsgröße anstatt bei der Qualität. Ob Šopska Salat, Shish Kebab oder Martini Chicken, war alles geschmacklich ein Traum. Und der Wein Temjanika aus der mazedonischen Kellerei „Tikves“ war ebenso fantastisch. Gelungene Empfehlung des Hauses und mit ca. 10€ pro Flasche preislich auch noch im unteren Drittel der Weinkarte.

Erste Anzeichen von Urlaub

Nach dem Essen war erstmal chillen mit weiterem Wein angesagt und beim Sonnen auf dem Bootssteg des Restaurants bekamen wir erste Urlaubsbräune. Nächster Stopp war am Abend das Postkartenmotiv der Kirche „Sveti Jovan“ auf dem Kaneo-Felsen. Dieser byzantische Kirchenbau aus dem 13.Jahrhundert thront über dem See und oberhalb der Kirche befindet sich der vielleicht meistgenutzte Foto-Spot Mazedoniens. Wir machten dort natürlich nicht nur kurz Fotos, sondern setzten uns nochmal nieder und chillten erneut ein Stündchen (jetzt wo chillen in den Duden aufgenommen wurde, kann ich das Wort auch inflationär verwenden). Wie toll es hier live aussah, können Fotos gar nicht wiedergeben. Und überraschenderweise war gar nicht so viel los.

Sveti Jovan Kaneo

Anschließend ging es weiter den Berg hoch, wo anscheinend gerade ein riesiger Hotelkomplex entsteht, der sich Anleihen bei der hiesigen historischen Architektur erlaubt. Dennoch gewagt, da er direkt neben das bereits erwähnte Kloster „Sveti Pantelejmon“ gesetzt wird und hoffentlich am Ende nicht zu sehr die Kulisse dominiert. Gedanken über Massentourismus machend, spazierten wir noch höher und erreichten auf dem Gipfel die Festung des Zaren Samuil. Unter jenem Zaren war Ohrid von 992 bis 1018 Hauptstadt des ersten bulgarischen Reiches. Seine immer noch gut erhaltene Festung bot einen tollen Rundumblick über Stadt, Umland und See.

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Samuil’s Fortress

Nach dem Festungsbesuch steuerten wir das unterhalb der Festung gelegene Amphitheater an. Das war bereits in der hellenistischen Epoche Ohrids entstanden (also noch vor den Römern) und wird heute immer noch in den Sommermonaten für Konzerte und Theaterstücke genutzt. Heute Abend diente es wiederum als beliebte Kulisse für frisch vermählte Paare. Ohrid bietet wirklich erstaunlich viele sehenswerte Bauwerke und architektonische Überreste aus verschiedenen Epochen. Kein Wunder, dass die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Das Amphitheater

Oberhalb des Amphitheaters erspähten wir schließlich noch ein einladendes Restaurant in einem der typischen mittelalterlichen Altstadthäuser von Ohrid. Das „Gladiator“ ist ein schnuckeliges Familienrestaurant, wo Vater und Mutter in der Küche stehen und an ruhigen Abenden wie heute der fließend Englisch sprechende Sohnemann den Service alleine wuppt. Wir hatten den begründeten Verdacht, dass Touristen hier mehr als Einheimische zahlen müssen. Aber scheiss darauf, es war ja trotzdem günstig. Sarma (mit Hackfleisch und Reis gefüllte Weinblätter) und Mešano Meso (gemischter Grillteller) mundeten vorzüglich und der hausgebrannte Rakija ging gut durch die Glieder. Am Ende waren wir mit diversen Getränken rund 9,50€ pro Person los.

Schlemmen im Gladiator

Im Anschluss an das Essen gab es in Ohrids Unterstadt noch ein bisschen mazedonische Folklore auf dem Marktplatz und zum krönenden Abschluss ein paar Biere in einem Pub. Außerdem fanden meine Mitstreiter noch einen spät geöffneten Friseur, der ihnen für umgerechnet 2€ die Haarpracht kürzte. Gegen 23 Uhr lagen wir schließlich alle im Bett, denn Mittwoch hieß es frühmorgens schon wieder Abschied nehmen vom schnell liebgewonnenen Ohridsee.

Spaziergang am See

Wie erwähnt, war uns das zum Testspiel degradierte EL-Play-off-Rückspiel von Skendija gegen Milan keinen Besuch mehr wert. Dagegen würde es Donnerstag parallel in Belgrad sehr spannend und stimmungsvoll zugehen, da Crvena zvezda in Krasnodar das Hinspiel nur 2:3 verloren hatte. Dementsprechend wurde die bisherige Planung wieder über den Haufen geworfen und der zweite Tag Ohridsee, sowie eine Rückkehr nach Skopje wurden gestrichen. Stattdessen ging es nun in zwei Etappen von Ohrid nach Belgrad. Eine Abreise am Donnerstagmorgen mit geschätzten 14 Stunden im Bus war unattraktiv und bei Stau oder anderen Behinderungen wäre es auch heikel geworden rechtzeitig zum Spiel in Belgrad zu sein. Also ging es Mittwoch nach Niš, womit schon mal zwei Drittel der Kilometer nach Belgrad gemeistert waren und noch eine weitere interessante Stadt und ein weiteres Fußballspiel die Reise bereicherten. Dass wir nun für zwei Nächte zwei Unterkünfte zu bezahlen hatten (kostenlose Stornierung war leider nicht mehr möglich), störte keinen. Wir sind hier ja nicht bei CTM-Tours und selbst Ole hat mittlerweile sein geliebtes Haustier (den Igel in der Tasche) eingeschläfert. Also, auf nach Serbien!