Portugal 05/2017

  • 30.04.2017
  • Sporting Clube de Braga – Sporting Clube de Portugal 2:3
  • Primeira Liga (I)
  • Estádio Municipal de Braga (Att: 14.907)

Mein Bruder, der so genannte Ziii, gönnte sich zusammen mit seiner Freundin Xeniii im Masterstudiengang nochmal ein Auslandssemester. Kurz nachdem die beiden 2016 die Zusage für für’s Sommersemester 2017 „Ege University“ in Izmir bekamen, wurde es bekanntermaßen politisch ziemlich unruhig in der Türkei. Die Lust auf ein Land im Ausnahmezustand und „Erdowahn“ war gering und die Ansprechpartner an der „Ege University“ waren schon bald nicht mehr erreichbar. In diesem besonderen Fall gewährte das Erasmus-Programm eine „Umbuchung“. Die beiden mussten nehmen, was sie kurzfristig kriegen konnten und das war das „Polytechnic Institute of Beja“ in Portugal. Beja hat circa 25.000 Einwohner und liegt mitten in der Subregion Baixo Alentejo (180km südöstlich von Lissabon, 150km nördlich von Faro). Ergo; dort ist eher der Hund begraben. Aber egal ob nun türkische Metropole oder portugiesische Provinz, für die Familie fliege ich, natürlich ganz uneigennützig, überall hin. Bereits am Tag ihres Abfluges nach Portugal (22.02.2017) hatte ich eine Besuchsreise für Anfang Juni nach gebucht. Und weil sich für meine Urlaubswoche Anfang Mai angedachte Touren nach Osteuropa zuschlugen, besuchte ich meinen Bruder sogar zweimal in Portugal.

Das pädagogische Pärchen in Portugal

Damit die beiden Portugaltrips binnen fünf Wochen nicht wie ein Ei dem anderen gleichen, beschlossen wir zunächst zusammen ein Wochenende weit weg von Beja in Porto zu verbringen (knapp 500km nördlich), wohin ich für wenig Taler von Hamburg flog. Leider hatte der FC Porto an jenem Wochenende ein Auswärtsspiel (in Chaves) und Boavista spielte bereits vor meiner Ankunft.  Doch mein fußballerischer Favorit für dieses Wochenende war sowieso das Heimspiel des SC Braga gegen Sporting am Sonntagabend. Und um nicht schon total sportlich unterversorgt in Portugal anzukommen, schaute ich vor Abflug noch ein wenig Fußball in der Hansestadt Hamburg.

Rudi-Barth-Sportanlage
  • 29.04.2017
  • SC Victoria II – FC Union Tornesch 2:3
  • Landesliga Hammonia (VI)
  • Sportanlange Lokstedter Steindamm (Att: 39)

Mein Ziel war der HFC Falke, der Obdach auf der charmanten Sportanlage des SC Union 03 in Altona gefunden hat. Gegner sollte heute eigentlich die 2.Herren des SV Lurup sein (deren 1.Mannschaft vor 20 Jahren noch in der selben Liga wie Hannover 96 spielte). Jedoch trat der Gegner nicht an. Das schien auch rechtzeitig bekannt gemacht worden zu sein, aber da ich kein professioneller Groundhopper bin, habe ich diesen fußballerischen Beifang meiner Urlaubsreise nicht gewissenhaft vorbereitet. Es blieb mir also nur Groundspotting auf der Rudi-Barth-Sportanlage übrig und ich sah dabei wirklich ein nettes, kleines Fußballstadion mit rundum Ausbau (ca. 6.000 Stehplätze). Hier hätte ich heute gern mein erstes Spiel der Falken gesehen, aber es war nicht zu ändern.

Stadion Hoheluft

Ich prüfte nun kurzfristig die Alternativen. Die 2.Mannschaft des SC Victoria bot heute den klassenhöchsten Fussball in der Hansestadt Hamburg und so zog ich von Altona weiter zum Lokstedter Steindamm. Hier gastierte der FC Union Tornesch im Rahmen der sechstklassigen Landesliga Hammonia bei Vickys zweitstärksten Männern. Anstatt im Stadion Hoheluft, kickte die Reserve jedoch schräg gegenüber auf Kunstrasen. Zuvor sah ich unerwartet noch 45 Minuten der spannenden U19-Partie von Vicky gegen den SC Condor (Endstand 2:3), ehe um 14 Uhr endlich „Spitzenfussball“ auf dem Sportplatz im Schatten des Wasserturms Lokstedt angesagt war. Dieser Platz verfügte nicht wirklich über Ausbau für Zuschauer und nur wenige Menschen zahlten heute die fälligen 3 bis 5€ Eintritt. Bei einsetzendem Regen dachte ich über die Sinnlosigkeit dieses Spielbesuchs nach und aus Regen wurde auch mal kurz Hagel. Umso mehr freute ich mich, dass ein alter Schulkamerad von der altehrwürdigen Michelsenschule – trotz noch recht frischen Nachwuchsglücks – ein paar Stunden für mich freischaufeln konnte.

Victoria SC II – FC Union Tornesch

Obendrein war der „Sinnloskick“ wenigstens ein munterer Schlagabtausch, bei dem der Aufsteiger aus dem Kreis Pinneberg die Hausherren bezwang (Endstand abermals 2:3). Nach Abpfiff ging es dann zusammen mit meinem einstigen Mitschüler Henrik M. nach Eimsbüttel ins „La Paz“. Dort verfolgten wir bei Tapas, Nachos und ein paar Halben die Bundesliga und wärmten natürlich obligatorisch alte Geschichten aus der Schulzeit auf. Anschließend schlichen wir noch über das gut besuchte Straßenfest in der Osterstraße und dann schied ich zum Flughafen. Dort lief ich der heute in Regensburg siegreichen Mannschaft von Holstein Kiel in die Arme. Außerdem  gab es in der ansonsten restlos vollen Maschine, dank Trick 17 beim Check-In, eine ganze Reihe für mich allein.

Abendlicher Abflug

Erste Amtshandlung auf portugiesischem Boden war das Metro-Ticket in die Stadt zu ziehen. Mit 1,95€ zwar 15 Cent teurer als vor 28 Monaten, aber man bedenke, Lyon verlangt für das gleiche Verkehrsmittel und die gleiche Distanz / Reisedauer 15€! Ich habe diesbezüglich immer noch Hass! Die zweite Amtshandlung war eine Flasche Sumol (Geschmacksrichtung Ananas) zu erwerben. Mit den vielen Kohlenhydraten der Zuckerbrause waren die letzten Meter von der Metrostation Lapa zum Hostel „Republica Prime“ kein Problem und um Mitternacht war das 3,5qm-Einzelzimmer bezogen (17€ pro Nacht).

Meine Schlafkammer in Porto

Mein Bruder und seine Freundin hatten erfreulicherweise ihre Bude (via Airbnb) auch im Viertel Lapa, so dass ich Sonntagmorgen ganz gemütlich binnen 12 Minuten zu Fuß bei ihnen war. Nachdem die Grüße und Geschenke aus der Heimat pflichtschuldig übergeben waren, gingen wir im gut besuchten Café an der nächsten Straßenecke gemeinsam frühstücken. Anschließend ging es mit dem Zug vom schönsten Bahnhof der Welt (São Bento) für preiswerte 3,15€ ins 55km entfernte Braga. Für die, die meinen Porto-Bericht von 2015 noch nicht gelesen haben; São Bentos Schönheit rührt von den tollen Azulejos (bemalte Fliesen) in der Vorhalle, die Szenen aus Portugals mittelalterlicher Geschichte zeigen. Dazu Marmor und Stuck, ergo einfach edel!

Bahnhof São Bento

Nach 75 Minuten Bahnfahrt erreichten wir Portugals nördlichste Großstadt. Braga macht, ähnlich wie Porto, einen recht wohlhabenden Eindruck und war am heutigen Sonntag überraschenderweise fast komplett tourifrei. Den Nordportugal-Touristen zieht es wohl neben Porto eher nach Guimarães, weil diese Stadt, wie auch Porto, von der UNESCO als Welterbestätte geadelt wurde. Doch auch Braga muss sich nicht verstecken, wie wir bei unserem Erkundungsspaziergang festgestellt haben.

Bischoflicher Palast zu Braga

Braga wurde im 1.Jahrhundert v. Chr. von den Römern als „Bracara Augusta“ gegründet und zu einer der wichtigsten Städte auf der iberischen Halbinsel. Dementsprechend kann der Ort auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Braga war lange Hauptstadt der römischen Provinz Gallaecia, welche das heutige Nordportugal und das spanische Galicien umfasste. Der römischen Epoche wollten wir uns heute besonders widmen, aber zunächst marschierten wir ein paar Kirchen, Klöster und weite Teile der gepflegten Innenstadt ab. Wie in so einer alten Stadt üblich, gab es architektonische Spuren aus mehreren Epochen. Sowohl Paläste, als auch viele normale Wohnhäuser waren reich mit Azulejos dekoriert. Als besonders schön hebe ich da mal den „Palácio de Raio“ hervor (18.Jahrhundert, Rokoko auf Portugiesisch).

Palácio do Raio (i see faces)

Zur Mittagszeit unterbrachen wir unseren Rundgang erstmal für Burger in der „Hamburgueria DeGema“. Ich entschied mich für einen pervers guten Burger, bei dem das Beef mit Ei gefüllt war und zusammen mit Bacon, Röstzwiebeln, Barbecue- und Pfeffersauce zwischen die Brötchenhälften gepackt wurde. Mit handgemachten, frisch zubereiteten Kartoffelchips war das eine äußerst delikate Angelegenheit. Ein Super Bock dazu, ein Espresso hinterher und inklusive Trinkgeld war ich faire 10€ los.

Burger in Braga

Satt, aber weiterhin wissensdurstig, ging es nun zur Kathedrale der Stadt. Im 11.Jahrhundert, nachdem Braga den Mauren nach rund 300 Jahren Besatzung wieder entrissen werden konnte, wurde diese ursprünglich romanische Kirche gebaut. Wie bei wichtigen Kirchen üblich, gab es über die Jahrhunderte zahlreiche An- und Umbauten, so dass von Romanik nicht mehr viel zu sehen ist. Aber gerade der architektonische Mix war natürlich spannend und im Kreuzgang erwarteten uns diverse Heilige für Votivgaben, wo sich der Ziii als guter Katholik natürlich nicht lumpen ließ (ich hatte wie so oft kein Bargeld dabei, komme aber hoffentlich trotzdem in den Himmel). Braga ist übrigens Portugals ältestes Bistum. Schon im 4.Jahrhundert wurde es gegründet und im 12.Jahrhundert zum Erzbistum erhoben. Der Erzbischof von Braga ist zugleich der Primas von Portugal, was Braga gegenüber den anderen portugiesischen Erzbistümern von Lissabon und Évora nochmal hervorhebt.

Sé de Braga

Mit dem Segen von Santo Ovídio (den hatte der Ziii mit seiner Votivgabe bedacht) zogen wir danach weiter zum Archäologischen Museum der Stadt („Museu de Arqueologia D. Diogo de Sousa“). Die beiden Jungakademiker Ziii und Xeniii durften 1,50€ zahlen und ich alter Zosse musste das Doppelte löhnen. Für einen Historiker jedoch jeden Cent wert und über steinzeitliche und keltische Relikte arbeiteten wir uns zur römischen Blüte von „Bracara Augusta“ vor. Natürlich durfte auch das heitere Kaiserraten bei den zahlreichen verwitterten Exponaten im Münzkabinett nicht fehlen. Ja, okay, etwas nerdy sind mein Bruder und ich schon… Bei Kaffee und Limonade im Museumscafé wurde uns im Anschluss übrigens noch angeboten, sich gratis an den Resten des Mittagsbuffet zu bedienen. Schade, dass wir noch so satt von den Burgern waren und ablehnen mussten. Aber dennoch an dieser Stelle ein Lob für die portugiesische Gastfreundschaft!

Bom Jesus do Monte

Anschließend zog es uns zur Wallfahrtskirche „Bom Jesus do Monte“, welche, der Name verrät es ja schon, auf einem Berg liegt (rund 5km östlich vom Stadtzentrum). Über knapp 600 Stufen, eine Standseilbahn oder auch per Taxi ist die barocke Bergkirche erreichbar. Wir entschieden uns aus Zeitgründen für letzteres (10€ kostete die Taxifahrt aus dem Stadtzentrum). Durch unsere motorisierte Anreise verschmähten wir jedoch den eigentlichen Zweck der Wallfahrt. Denn die Freitreppen haben diverse Stationen parat, bei denen sich der Pilger mit seinen fünf Sinnen und seinen christlichen Tugenden auseinandersetzen soll. Oben gibt es neben der Kirche auch noch eine Grotte und vor allem einen tollen Ausblick auf Braga. Die Kirche ist dagegen nicht so spektakulär von innen, wie das Äußere und das Umfeld vermuten lassen. Dafür sorgen richtige Pilger zwischen den zahlreichen Touristen für spirituelles Flair.

Die Grotte

Mit Kirchengesängen im Ohr und Weihrauchduft in der Nase, kauften wir für unsere liebe Frau Mutter noch eine Kork-Postkarte im Souvenirshop und wählten, mangels warteten Taxis, den „Elevador“ als Abreisemittel. Die Wasserballast-Standseilbahn von 1882 ist ein technisches Meisterwerk und die älteste Bahn dieser Art auf der Welt. Fast 300 Meter ist die Strecke lang und über 40% Steigung werden überwunden, bzw. in unserem Fall jetzt über 40% Gefälle. Da unten bereits ein Bus ins Stadtzentrum wartete, verzichteten wir auf eine erneute Taxifahrt. Bahn und Bus zusammen kosteten übrigens auch über 3€ p. P., so dass wir als Trio auf dem Hinweg mit dem Taxi kostentechnisch nichts verkehrt gemacht hatten.

Back in Braga Downtown
  • 30.04.2017
  • Sporting Clube de Braga – Sporting Clube de Portugal 2:3
  • Primeira Liga (I)
  • Estádio Municipal de Braga (Att: 14.907)

Unsere Zeitersparnis war sehr wertvoll, da wir Amateure zunächst von einem Spielbeginn um 19 Uhr ausgingen (aber die Zeitabgabe war CEST, ergo wurde bereits 18 Uhr Ortszeit angepfiffen) und nun gegen 17:30 Uhr ein bißchen unter Zeitdruck kamen. Wir verließen den Bus dank Internetrecherche recht nah am Stadion und folgten einfach dem Fanstrom. Erst durch enge Gassen und anschließend einen Berg hinauf. Kurz vor 18 Uhr erreichten wir einen Eingang, den man aber nur mit Eintrittskarte passieren konnte. Kassenhäuschen gab es weit und breit keine und wir verstanden auch nicht richtig, wo der Ordner uns hinschicken wollte. Also gingen wir wieder ins Wohngebiet und der Ziii sprach zwei junge Damen an, wo man denn „Bilhetes“ kaufen kann. „Aqui“ war die überraschende Antwort und eine der beiden holte einen Stapel Eintrittskarten aus der Bauchtasche. Je 10€ ärmer konnten wir nun pünktlich zum Anpfiff das Tor zum Stadiongelände passieren und die ersten Spielminuten schon mal vom Hang aus verfolgen.

Das „Steinbruch-Stadion“

Denn wie die meisten wissen dürften, ist das EM-Stadion von 2004 direkt an einen Felsen gebaut. Es verfügt nur über zwei große Tribünen an den Längsseiten und ist in Richtung Innenstadt von der steilen Felswand des Berges Monte Castro begrenzt. Dort führt ein Panoramaweg von der Haupttribüne (wo wir das Gelände betraten) zur Gegengerade (wo unsere Plätze waren) und ein bißchen roter Rauch lag noch in der Luft, als wir jenen Weg entlang spazierten. Karten hatten wir für den Fanblock von Braga erworben, was in Anbetracht des günstigen Preises fast zu erwarten war. Wir setzten uns an den Rand und hatten unsere Ruhe. Leider waren die mitgereisten Fans aus Lissabon von dort nicht zu sehen, weil jene am anderen Ende unserer Tribüne im Oberrang untergebracht waren (und wir im Unterrang). Doch zu hören waren die Hauptstädter immerhin gut.

Die massive Gegengerade von hinten

Auch der Heimanhang ließ sich akustisch nicht lumpen. Dabei spielte ihnen in die Karten, dass Ricardo Horta bereits in der 13.Minute einen Pfostenschuss von Mitspieler Rui Fonte zum 1:0 abstauben konnte. Der Gast aus der Hauptstadt fand danach jedoch besser ins Spiel und erarbeitete sich bis zur Pause eine Reihe von Chancen zum Ausgleich. In der 31.Minute hatte der Sporting Clube aus Lissabon die beste Gelegenheit dazu, allerdings scheiterte Europameister Adrien Silva vom Elfmeterpunkt. Insgesamt waren das schon mal 45 ansehnliche Minuten beim Duell des Dritten (Sporting) gegen den Fünften (SC Braga) und es sollte noch besser werden.

Die Gegengerade

Beim Blick auf die statistischen Daten fiel uns auf, dass Sportings Bas Dost (zu Saisonbeginn noch beim VW-Konzern berufstätig) bereits 28 Tore in 27 Spielen erzielt hatte. Dazu war in der Sporting-Abwehr mit Douglas ebenfalls ein alter Bekannter zu finden (war zweimal in den Reihen des FC Twente Europapokalgegner von 96) und der hatte von seiner Robustheit nichts eingebüßt. Marvin Zeegelaar machte das niederländische Trio in Sportings Startelf komplett, während der Ex-Frankfurter Luc Castaignos zu 90 Minuten Bankdrücken verdammt war. Neben den vier namhaften Legionären aus den Niederlanden, konnte der SCP mit international gefragten Stars wie Adrien Silva, William Carvalho und Gelson Martins aufwarten (übrigens alle aus der eigenen Akademie). Da musste doch noch was gehen…

Blick zur Haupttribüne

Und es ging wirklich noch so einiges. In der 49.Minute wurde der quirlige Gelson Martins im Strafraum des SCB zu Fall gebracht und es gab den nächsten Strafstoß für Grün-Weiß. Bas Dost machte es besser als Teamkamerad Silva zuvor und erzielte damit sein 29.Saisontor im 28.Spiel. Jetzt nahm der Hauptstadtclub das Heft in die Hand und drängte auf die Führung. In der 75.Minute sah Zeegelaar seinen Landsmann Dost frei am Fünfer stehen und flankte platziert zu dessen Stirn. Mit dem Köpfchen machte der Stürmer die 30 voll. Die für uns unsichtbaren Sporting-Fans waren nun erst recht nicht mehr zu überhören. Zum zweiten Mal wurde Bas Dost zur Melodie von AC/DC’s „Thunderstruck“ besungen und beklatscht. „Na nanna na, nanna na na, Bas Dost…“

Die Felswand mit der Anzeigetafel

Doch auch der SC Braga hatte noch ein paar Pfeile im Köcher. Denn während Sporting den 3.Platz (CL-Quali) im Prinzip schon sicher hat, müssen die Nordlichter am besten noch ein paar Punkte einfahren, um ihren 5.Platz (EL-Quali) zu verteidigen. In der 78.Minute kam zu diesem Zwecke mit Alan eine neue Offensivkraft. Das 37jährige Urgestein hat mittlerweile ein paar Pfunde zuviel auf den Rippen, aber für 15 Minuten Wirbel machen reicht die Luft anscheinend noch. So leitete er mit seinem ersten Ballkontakt den Angriff zum 2:2 durch Rui Fonte ein (79.Min). Doch Sporting zeigte sich erstaunlich unbeeindruckt und konnte weiterhin auf die Torgefahr und Lufthoheit von Bas Dost bauen. In der 84.Minute bekam die niederländische Tormaschine wieder eine Flanke auf den Kopf serviert (diesmal von Schelotto) und Dost machte seinen lupenreinen Hattrick perfekt.

Regen zum Abschied

Die letzten fünf Minuten schauten wir dann wieder vom Panoramaweg, wo das heute sehr wechselhafte Wetter noch eine kalte Dusche für uns parat hatte. Der Sporting Clube de Portugal hielt seinen knappen Vorsprung und die Gästefans waren völlig aus dem Häuschen. Spiel und Stadion hatten sich heute beide die Note 1 verdient und die Stimmung war alles in allem auch ganz gut. Bisher hat mich Portugal fußballerisch noch nicht enttäuscht. Allerdings war bei meinen Spielbesuchen auch immer mindestens ein Team der Top 5 involviert. Keine Ahnung wie der Erlebnisfaktor bei z. B. GD Chaves gegen FC Moreirense ist.

Wir haben schon wieder Super Bock

Nach Abpfiff ging es zeitnah zurück nach Porto. Dort zog es uns wieder in das Café vom Frühstück („Café Macau“), wo um diese fortgeschrittene Uhrzeit einige motivierte Zecher aktiv waren und im TV argentinischer Fußball (Boca vs. Arsenal de Sarandi) übertragen wurde. Neben eiskalten Super Bock und Fußball, war Leute gucken das Gebot der Stunde. Vor allem der mutmaßliche Junkie, der kurz vor Mitternacht auftauchte, war ein Highlight. Der fing mit einer wahnsinnigen Hyperaktivität an jeden unbesetzten Stuhl an die Tische ranzurücken, jeden leeren Tisch abzuwischen und servierte uns nebenbei auch die nächste Runde Bier, die ich tatsächlich unfallfrei auf Portugiesisch beim offiziellen Personal bestellt hatte („tres mais faz favor“). Zum Dank bekam der noch ziemlich junge Freund von aufputschenden Substanzen einen Kaffee und ein Wasser auf’s Haus und war so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.

Igreja do Carmo am Morgen

Montagmorgen entschied ich mich dafür schon zum Sonnenaufgang aufzustehen und nochmal allein durch Porto zu spazieren. Ich liebe es einfach eine Stadt für mich allein zu haben und außer den letzten Nachtschwärmern und ein paar Straßenkehrern war niemand an diesem Feiertagsmorgen (1.Mai) noch oder schon auf den Beinen. Gerade in Porto gab es wieder soviel zu entdecken, wofür man bei großstädtischer Hektik vielleicht nicht das Auge hat. Den vielen barocken Kirchen, den bunten Fassaden der Altstadt und der Streetart in den Gassen konnte ich so die verdiente Aufmerksamkeit schenken. Besonders die „Igreja do Carmo“ mit ihrer Azulejo-Fassade und der „Torre de Clerigos“ offerierten mir, angestrahlt von den ersten Sonnenstrahlen des Tages, tolle Anblicke.

Torre de Clerigos am Morgen

Nachdem ich das historische Porto südlich meiner Unterkunft abgegrast hatte, kehrte ich letztmals in das Hostel zurück, um mein Gepack dort aufzunehmen und auszuchecken. Nun spazierte ich nochmal durch den Stadtteil Lapa, wo mir besonders die „Igreja da Lapa“ gefiel. Eine Rokoko-Kirche mit prächtigem Interieur und mit schönem Friedhof daneben. Friedhöfe sind in Portugal eigentlich immer ’ne Sehenswürdigkeit. Die Gräber sind meist sehr monumental. Wer kein irgendwie geartetes Problem damit hat Friedhöfe zu besuchen, sollte in Portugal mal einen Blick zu den Gräbern und Gruften wagen.

Igreja da Lapa

Um 10 Uhr sammelte ich dann Ziii und Xeniii ein und mit einem fabrikneuen KIA Rio rollten wir nach Beja. Sie hatten die Karre für uns von Freitag bis Dienstag für schlappe 42€ gemietet (bei meinem internationalen Stammanbieter, der zufällig wie eine portugiesische Königsdynastie heisst). Wenn man, wie wir heute, fast das ganze Land an einem Tag durchqueren muss, macht man das natürlich nicht an einem Stück und so hieß der erste Halt unseres heutigen Roadtrips Coimbra. Unweit der Altstadt wurde die Karre kostenneutral geparkt und nachdem der Fluss Mondego überquert war, erklommen wir den Altstadthügel von Coimbra. War bei der heutigen Hitze ein wenig schweißtreibend, aber der Campus der Universität Coimbra war es definitiv wert.

Malerisches Coimbra

Die Uni wurde 1290 von König Dinis gegründet (allerdings in Lissabon) und ist damit die älteste Hochschule des Landes. Am höchsten Punkt der Stadt steht das wunderschöne historische Hauptgebäude der 1308 erstmals nach Coimbra transferierten Uni (sie pendelte mehrfach zwischen den beiden Städten, ist seit 1537 aber endgültig in Coimbra beheimatet). 30.000 Menschen sollen pro Semester in Coimbra studieren und bei nicht einmal 150.000 Einwohnern, prägen junge Studenten natürlich nachhaltig das Stadtbild. Am 1.Mai machten allerdings auch die meisten angehenden Akademiker frei und wir durften uns die Stadt mit zahlreichen Touristen teilen.

Universität Coimbra

Leider so viele davon, dass uns die Schlange vor der berühmten und wunderschönen Universitätsbibliothek eindeutig zu lang war. Daher beließen wir es bei äußeren Anblicken der Hochschulgebäude und dem schönen Ausblick vom Plateau vor der Universität auf das Umland Coimbras und den Fluss Mondego. Neben universitären Gebäuden, war die alte Kathedrale von Coimbra („Sé Velha“) in der Altstadt noch unbedingt einen Besuch wert. Im Gegensatz zur Kathedrale in Braga, hatte diese Kirche aus dem 12.Jahrhundert noch deutlich ihr romanisches Ursprungsantlitz behalten. Zinnenbewehrt wie eine Burg, passt der Kirchenbau zur kriegerischen Zeit der Reconquista. Denn 1117 wurde Coimbra den islamischen Mauren endgültig entrissen und ab 1143 war es sogar für über 100 Jahre Hauptstadt des 1139 gegründeten Königreichs Portugal (von 1139 bis 1143 war Guimarães erste Hauptstadt).

Sé Velha

Anschließend verließen wir den „Bildungsberg“ am Aquädukt (ursprünglich aus römischer Zeit, 1583 erneuert) zum deutlich tiefer gelegenen und schattigen Praça da República. Irgendwann hatten wir hier ein Lokal für uns gefunden und mit Bifanas und Fritten holten wir die verbrannte Energie zurück. Wer sie nicht kennt; Bifanas sind dünne unpanierte Schweineschnitzel, die nach dem Braten in einen Weißweinsud mit Knoblauch und diversen weiteren Zutaten eingelegt werden und warm im Brötchen serviert werden (gibt es an jeder Ecke und kosten immer so um die 2€). Danach noch ein Shot Koffein und der Rückweg zum Auto (wieder über den Berg) war biophysikalisch machbar.

Aquädukt Coimbra

Auf wunderbaren neuen Straßen (Obrigado EU!) setzten wir den Roadtrip, bei Ignoranz aller mautpflichtigen Autobahnen, fort. Beim Passieren von Ortschaften fiel uns das interessante System der Geschwindigkeitskontrolle in Portugal auf. Brettert man mit über 50km/h in einen Ort, wird dank automatischer Geschwindigkeitsmessung die erste Ampel rot. Natürlich etwas angenehmer als Erinnerungsfotos oder Polizisten mit Radarpistole, aber irgendwann hatten wir den Verdacht, dass die Dinger auch schon recht willkürlich bei knapp unter 50 auslösen. Egal, je langsamer wir fuhren, desto mehr konnten wir die vielen kleinen befestigten Städte, wie z. B. Penela, optisch genießen.

Penela

Unser nächster Zwischenstopp war die Stadt Tomar, etwa 80 Kilometer südlich von Coimbra. Dieses Mittelzentrum mit rund 43.000 Einwohnern wird vom „Convento de Cristo“, der Ordensburg der Templer bzw. der Christusritter, überragt. Nachdem Papst Clemens V. auf Betreiben des französischen Königs im Jahre 1312 den Templerorden verbot (ich versuche jetzt nicht zu weit auszuholen), beteiligte sich der portugiesische König Dinis (der schon wieder!) nicht wirklich an der Verfolgung und Auslöschung der „Armen Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“. Die Templer in Portugal wurden zwar offiziell verboten, aber nach sechs Jahren „Moratorium“ wurden sie als Christusritter wiedergegründet. Denn Dom Dinis wusste was sein Königreich den Templern, die Frankreichs König Philipp IV. zu reich und mächtig geworden waren, zu verdanken hatte. Schließlich waren sie im 12.Jahrhundert maßgeblich bei der Vertreibung der Mauren aus Portugal (Reconquista) beteiligt gewesen. Daher bekam der Orden auch vom damaligen König Alfonso I. Henriques das vormalige Maurenkastell Tomar überlassen.

Templer-Bollwerk Tomar

Die Templer bauten die Burg massiv aus und errichteten innerhalb der Mauern einen herrlichen Nachbau der Jerusalemer Grabeskirche. In späteren Jahrhunderten wurde das Innere der Kirche reich verziert und der ganze Komplex wanderte 1983 ins Weltkulturerbe der UNESCO. Wir Amateure kamen heute ausgerechnet nicht an einem der jährlich 360 Öffnungstage des „Convento de Cristo“ an und mussten mit äußeren Anblicken vorliebnehmen. Sehr ärgerlich, aber ich werde wiederkommen!

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Convento de Cristo

Nachdem wir etwas um die Burgmauern geschlichen waren und den Ausblick über Tomar und sein Umland genossen hatten, sollte die Tour wenigstens auf den Spuren der Templer fortgesetzt werden. Dazu fuhren wir jetzt zum Tejo, südlich von Tomar. Der mächtige Fluss, der bei Lissabon in den Atlantik mündet, hat nahe der Stadt Constância im Herzen Portugals eine weitere spektakuläre Templerburg zu bieten. Das „Castelo de Almourol“ erhebt sich auf einem Granitfelsen im Fluß und zählt gewiss zu den romantischten Burgen dieses Landes. Im 12.Jahrhundert hatten die Templer bei der Reconquista die bereits bestehende Burg von den Mauren erobert. Wie auch im Falle Tomars, wurde die Burg dem Orden vom König überlassen.

Castelo de Almourol von Westen

Als viele Templer ab 1307 (da begann die Verfolgung bereits) aus anderen Ländern Schutz vor Verfolgung in Portugal suchten, war Almourol als grenznaheste Templerburg aus Richtung Spanien ihre erste Zuflucht. Legenden zufolge sollen sie auch ihre Schätze erst nach Almourol und von dort an einen unbekannten Ort gebracht haben. Aber wie gesagt, Legenden. Davon ranken sich ja so einige um die Templer. Fakt ist, dass die Burg im Spätmittelalter ihre strategische Bedeutung einbüßte und zusehends verfiel. Erst im 19.Jahrhundert, im Zuge der auch Portugal erfassenden Epoche der Romantik, wurde die Burg restauriert. Heute ist sie zurecht eine der Attraktionen in Zentralportugal.

Das Castelo vom Nordufer des Tejo

Unweit der Burg von Almourol überquerten wir anschließend den Tejo und waren damit in Portugals größter, aber dünnbesiedelster Region angekommen; dem Alentejo. Bis Beja waren es immer noch rund 200km und die Straßen waren gesäumt von geschälten Korkeichen und Weidetieren. Ortschaften wurden rarer, aber wenn, waren sie auch sehenswert und gut befestigt. So z. B. Arraiolos mit einer sechstürmigen mächtigen Burg, strategisch wertvoll an der Straße von Lissabon nach Badajoz in Spanien gelegen. Oder Évora, eine Stadt mit römischer Vergangenheit und komplett erhaltener mittelalterlicher Stadtmauer. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir schließlich Beja und außer zu einer kleinen Stadtrundfahrt, einem Snack bei meinen Gastgebern und einem „Feierabendbier“ fehlte nach einem tollen, aber anstrengenden Tag die Motivation.

Römischer Aquädukt von Évora (durch die Windschutzscheibe)

Als ich nach meiner ersten Nacht in Beja aufwachte, waren Ziii und Xeniii bereits in der Schule, um kleine Portugiesen zu unterrichten. Zum Glück hatten sie heute nur zwei Stunden und wir konnten um 10 Uhr gemeinsam in ihrem Stammcafé „Fofocas“ frühstücken. Wirt Ruiz, den die beiden landestypisch ein oder zweimal am Tag auf einen Kaffee aufsuchen (kostet nur 50 Cent), begrüßte uns herzlich. Im Gegensatz zu dem Alkoholiker an der Theke, der etwas undefinierbar zu uns gesprochen hat. Aber Fremdsprachen sind natürlich gelallt schwer zu verstehen und daher wurde der Mann etwas pöbelig, weil wir ihn ignorierten. Wenige Minuten später torkelte er, um einen Tadel des Wirts reicher, laut singend nach Hause, während wir köstliche Bifanas und Tosta Mistas serviert bekamen.

Bifana und Tosta Mista

Da der Kia noch bis 17 Uhr in unserem Besitz war, brachen wir nach dem Frühstück nach Serpa auf. Die Kleinstadt liegt 30km östlich von Beja, ganz kurz vor Grenze zu Spanien. Mittags unter der Woche und in der Nebensaison eine „Silent City“, die man beim Streifzug fast für sich allein hat. 1267 wurde Serpa von den Mauren befreit und Teil des noch jungen Königreichs Portugal. König Dinis (once again!) verlieh Serpa im Jahr 1295 die Stadtrechte und ließ die Stadt massiv befestigen. Daher hat nicht nur das bereits von den Mauren genutzte Castelo massive Mauern, sondern die ganze Altstadt ist eine regelrechte Festung. Das besagte Castelo hatte bei unserer Ankunft Mittagspause, aber die Altstadt war natürlich auch ohne die Burg absolut begutachtenswert. Es war toll zwischen den weißen alten Gemäuern umherzuziehen und mit dem Uhrturm aus der maurischen Zeit (damals aber noch ohne Uhr) und dem Aquädukt gab es interessante Bauwerke zu sehen.

Uhrturm und Igreja de Santa Maria

Um 14 Uhr öffnete das Castelo wieder. Ein Eintritt wird nicht erhoben, aber dafür wird dennoch ein formidabler Ausblick von der begehbaren Mauer und den Türmen geboten. Ein Teilstück ist dank Fahrstuhl sogar barrierefrei erreichbar, so dass auch Besucher mit eingeschränkter Mobilität den Blick über die weiten Ebenen des Alentejo schweifen lassen können. Im Westen war übrigens mühelos das 30km entfernte Beja zu erspähen. Nachdem ein paar Bilder von der Landschaft und den Dächern der Stadt gemacht waren, gab es noch einen „Bica“ (Espresso) im Café der Burg und dann ging es zurück nach Beja.

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Ausblick vom Burgturm in Serpa

Wir gaben dort den Mietwagen ab und danach machten meine inzwischen perfekt in die portugiesische Gesellschaft integrierten Gastgeber erstmal Siesta. Ich dagegen kümmerte mich nun intensiv um die kulturelle Erschließung ihrer temporären Heimat. Nebenan von Avis war praktischerweise gleich das Stadion des Clube Desportivo de Beja. Die waren in den 1990ern sogar mal zweitklassig, spielen aber heuer nur noch auf Bezirksebene. 3.500 Plätze soll ihr Stadion den Zuschauern bieten, gebraucht werden jedes zweite Wochenende aber nur ein paar Dutzend Sitzschalen.

Complexo Desportivo Fernando Mamede

Sportlich gibt es in Beja also nicht so viel für mich zu erleben, aber der Historiker in mir kam dafür voll auf seine Kosten. Die Geschichte Portugals und im Prinzip der gesamten iberischen Halbinsel lässt sich hervorragend in Beja nachvollziehen. Denn hier gibt es bereits antike Siedlungsspuren von Ibero-Kelten und den Römern. Kein Geringerer als Julius Caesar gründete Beja 48 v. Chr. als „Pax Iulia“. Und zwar nach seinem Sieg über die Lusitanier. Jenem keltischen Stamm, der damals im heutigen Portugal lebte. Ausgrabungen in und um Beja zeugen von der romanischen Epoche der Stadt. Da „Pax Iulia“ Provinzhauptstadt wurde, fanden die Archäologen z. B. große Villen mit Thermalbädern im Umland und im eigentlichen Stadtgebiet haben sich hier und da Mauerreste, Tore und Brücken aus römischer Zeit erhalten.

Römische Fliesen und Fundamente

Dann kam die Völkerwanderung, wo u. a. die Vandalen auf der Durchreise nach Nordafrika kurz in Beja vorbeigeschaut haben. Vandalen, Alanen, Sueben und Co stellten die (west)römische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel im 5.Jahrhundert mächtig in Frage, aber letztlich wurden die Römer dauerhaft durch einen bisherigen „foederati“, nämlich den germanischen Stamm der Westgoten, in „Hispania“ abgelöst. Die festigten im 6.Jahrhundert ihre Herrschaft auf der Halbinsel. War gar nicht so leicht, denn die Vandalen zogen zwar mit den Alanen im Schlepptau nach Nordafrika gen Karthago, doch die Sueben blieben südlich der Pyrenäen zäher Rivale der Westgoten, während das „alte Westgotenreich“ nördlich der Pyrenäen von den Franken und Burgunden fast vollständig erobert wurde. Auf dem Boden des heutigen Frankreichs blieb den Westgoten schließlich nur kleines Territorium am Mittelmeer (Septimanien), so dass die iberischen Besitzungen mit Mérida als Hauptstadt (unweit von Beja gelegen) zwangsläufig das Zentrum des Westgotenreichs wurden.

Römischer Torbogen in Beja

Neben den erfolgreichen Feldzügen gegen die Sueben (die immer noch das heutige Nordportugal und Galicien beherrschten), war der Übertritt der Westgoten vom Arianismus zum Katholizismus unter König Rekkared I. anno 589 ein Meilenstein der Festigung ihrer Macht. Für die einheimische römisch-katholische Bevölkerung war das arianische Christentum ihrer weit angereisten Eroberer ein Riesenproblem. Über Arianismus habe ich ja schon mal etwas mehr bei meinem Reisebericht aus Jerusalem geschrieben, daher nur nochmal kurz der entscheidende Gegensatz: Katholiken glauben an die Dreifaltigkeit (Trinitätslehre: Gott, Gottes Sohn und der heilige Geist sind göttlich) und die Arianer sagen (wie die Muslime) nur „God himself“ ist göttlich. Nachdem die Westgoten auch Fans der Dreifaltigkeitslehre geworden waren, war zumindest innenpolitisch etwas Dampf vom Kessel. Und gemeinsamer Judenhass (es gab damals viele Juden auf der iberischen Halbinsel) wurde zum weiteren gesellschaftlichen Kitt der zusammenwachsenden Christen im Westgotenreich. Denn die Juden waren jetzt die einzigen „Ungläubigen“ im Reich und sollten zwangschristianisiert (katholisiert) werden.

Igreja do Santo Amaro

Zu ihren kriegerischen Auseinandersetzungen und dem Antisemitismus setzten die Westgoten allerdings auch kultiviertere Kontraste. Beja beispielsweise wurde Bischofsstadt und mit der „Igreja de Santo Amaro“ steht hier eine der ältesten Kirchen der iberischen Halbinsel (aus dem 5.Jahrhundert). Heute ist darin ein Westgoten-Museum untergebracht. Wer also mal meinen historischen Exkurs etwas plastischer nachvollziehen will, ist dort gut aufgehoben. Die Sammlung dort verleiht einen Eindruck über die bildenden Künste der Westgoten. Außerdem brachte das iberische Westgotenreich einige bemerkenswerte Gelehrte wie zum Beispiel Isidor von Sevilla hervor. Dessen Abschriften haben wir zu verdanken, dass in den Wirren der Spätantike / Völkerwanderungszeit nicht nahezu alles an antikem Wissen verloren gegangen ist. Und der Chronik seines Schülers Ildefons von Toledo verdanken wir einiges von unserem Wissen über die Goten.

Die Burg von Beja

Auch leisteten die Westgoten frühmittelalterliche Pionierarbeit bei den Themen Recht und Staatsidee. Im Jahre 654 erließ ihr König Rekkeswinth ein einheitliches Gesetzbuch für Goten und die nichtgotische Bevölkerung gleichermaßen. Sie waren damit der erste germanische Stamm, der Recht an ein territoriales Staatsvolk anstatt ein ethnisch reines Stammesvolk band. Ebenso gaben sie zu Gunsten ihrer Staatsidee die Reichsteilung auf (das Reich wurde bis dahin unter den Söhnen eines verstorbenen Königs aufgeteilt), wie sie z. B. von den Franken jenseits der Pyrenäen weiterhin praktiziert wurde. An der Schwelle von der Spätantike zum Frühmittelalter entwarfen die Westgoten außerdem Protoformen des späteren mittelalterlichen Feudalismus. Lange hielt die gotische Blütezeit jedoch nicht an, denn im frühen 8.Jahrhundert fiel Beja, wie fast die gesamte iberische Halbinsel, an die islamischen Mauren (Araber und Berber).

Rittergrab in der Burg von Beja

Beja wurde zwar von den Mauren neu befestigt, aber der Aufstieg zu einem wichtigen Zentrum von „al-Andalus“ war der Stadt nicht vergönnt. Es blieb ein strategisch wichtiger Posten zwischen Lissabon im Westen, sowie Córdoba und Sevilla im Osten, musste aber deutlich hinter den genannten Städten zurückstehen. Bedeutenster Sohn Bejas in dieser Epoche war zweifelsohne Muhammad al-Mu’tamid ibn Abbad (*1040). Erbe des Emirats Sevilla und ein großer maurischer Dichter des Hochmittelalters. Sein Vater Abbad II. hatte für das Emirat Sevilla weite Teile Portugals von einer konkurrierenden Mauren-Dynastie erobert und der Sohn al-Mu’tamid festigte zunächst die Vorherrschaft des Emirats Sevilla in „al-Andalus“. Doch im späten 11.Jahrhundert rieben sich die vielen kleinen maurischen Emirate untereinander auf. Das machte sich der katholische König Alfons VI. von Kastilien zunutze, der den geschwächten Emiraten Gebiete abtrotzte. Die Mauren wiederum riefen ihre Glaubensbrüder der Almoraviden aus Nordafrika zu Hilfe. Deren Herrscher Yusuf erkannte jedoch nach einiger Zeit die günstige Gelegenheit und riß sich die maurischen Emirate selbst unter den Nagel. Zwischen 1090 und 1091 fielen nacheinander Granada, Málaga, Córdoba und letztlich auch Sevilla an die Almoraviden, wobei ihnen al-Mu’tamid in die Fänge geriet und bis an sein Lebensende (1095 ist er gestorben) im heutigen Marokko gefangen gehalten wurde.

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Burg und Kathedrale von Beja

Doch auch der Berberdynastie der Almoraviden war keine lange Herrschaft vergönnt. Von Marrakesch aus ließen sich die iberischen Besitzungen schlecht verwalten und die Statthalter bekamen viel Autonomie und verfolgten dabei ihre eigene Agenda. Schon nach dem Tod von Yusufs Sohn Ali im Jahre 1143 nutzte die christliche Reconquista die Schwäche des Berberreiches aus und drang nach Süden vor. Das 1139 gegründete Königreich Portugal eroberte Beja im Jahre 1162, verlor es zwischenzeitlich wieder, konnte es aber 1235 endgültig den Mauren abtrotzen. In der kleinen archäologischen Sammlung der Burg Beja, wird diese Epoche etwas greifbarer.

Portugals höchster Bergfried (40 Meter)

Unter König Dinis (wer auch sonst?) wurde die Stadt in späten 13.Jahrhundert stark befestigt und die Burg mitsamt dem 40 Meter hohen Bergfried bekam weitgehend ihr heutiges Gesicht. Denn die Zeiten blieben vorerst kriegerisch und die Region war ein Zankapfel zwischen Portugal und Kastilien. Aus dieser Zeit stammt zum Beispiel der Uhrturm der „Igreja de Santa Maria“, einer ursprunglich gotischen Kirche aus dem 13.Jahrhundert, die im 18.Jahrhundert mit Gold überzogene Barock- und Rokokoaltäre bekam. Ein Blick hinein lohnt also! Ebenso wie in die „Sé“ (Kathedrale aus dem 16.Jahrhundert), welche direkt neben der Burg ist und innen schöne Azulejo-Bilder zu bieten hat.

Igreja de Santa Maria

Ein paar Meter weiter als „Sé“ und „Igreja de Santa Maria“ von der Burg entfernt, findet man außerdem das ehemalige Kloster „Convento do Nossa Senhora da Conceição“ aus dem 15.Jahrhundert. Hier erlebt man architektonisch noch ein schönes Beispiel der Manuelinik, Portugals eigener Interpretation der Spätgotik. Heute ist in dem säkularisierten Kloster das Regionalmuseum von Beja untergebracht. Dort lässt sich nochmal in großem Umfang die von mir dargestellte Stadt- und Regionalgeschichte nachvollziehen. Ich beendete hier meinen mehrstündigen Rundgang und stellte fest, dass Beja nach dem Mittelalter peu à peu an Bedeutung einbüßte. In vielerlei Hinsicht steht es heute im Schatten der 80km nördlichen „Nachbarstadt“ Évora. Nichtsdestotrotz lohnt definitiv ein Tagesausflug nach Beja, wenn man mal in der Gegend ist. Gerade für Reisende, denen Évora vielleicht zu touristisch ist.

Museo Regional

Zum Abendessen, welches landestypisch nicht vor 20 Uhr stattfinden brauchte, entführten mich Ziii und Xeniii ins „Gost’ti Café“. Hier würde angeblich der kulinarische Endgegner auf mich warten. Aber zunächst begrüßte uns Besitzer Vitor, der auch schon ein „Homie“ der beiden Gaststudenten war. Hier konnte mein Bruder vor zwei Wochen den Derbysieg von 96 live schauen und spätestens seitdem hat Vitor ein Stein bei ihm im Brett. Außerdem gibt es 5 Sagres für 4,50€ und große Portionen Essen zu kleinen Preisen. Ich sollte mich hier an das Francesinha wagen. Diese kalorienreiche Spezialität esse ich immer in Portugal, aber so massiv wie hier, wurde sie mir noch nie serviert. Die Toastscheiben bei diesem Sandwich waren 150x150x20mm groß, so dass ein großer Teller gut ausgefüllt war. Zwischen den Scheiben verbarg sich Kochschinken, ein Steak, Wiener Würstchen und Chorizo. Überbacken war das Sandwich mit einem Spiegelei und circa 150 Gramm Käse und alles schwamm in der Tomaten-Senf-Biersauce. Dazu gab es unweigerlich einen Kuchenteller mit Fritten (zusammen 6€).

Francesinha

Mittlerweile lief auch das Champions-League-Halbfinalhinspiel zwischen Real Madrid und Atlético und mühsam wurden weitere 0,90€-Biere in den eigentlich überfüllten Magen gegossen. Nachdem uns Portugals Nationalheld Ronaldo mit einem Tor, sowie Toni Kroos mit 100% Passquote begeisterten, regte ich in der Halbzeit einen Verdauungsspaziergang an. Unweit der Wohnung meiner beiden Gastgeber war schließlich noch die einladende „Sporting Bar“. Eine Fanbar für alle Freunde des portugisischen Fußballclubs, der in Deutschland immer fälschlicherweise „Sporting Lissabon“ genannt wird. Es war quasi das Clubhaus der örtlichen Sporting-Vereinsmitglieder (insgesamt hat der Verein über 100.000 Mitglieder) und mein Bruder wusste zu berichten, dass Sporting in Beja deutlich beliebter als Benfica ist. Natürlich hielt man in dieser Bar zum Club des Sporting-Sprößlings Cristiano Ronaldo und bejubelte dessen zwei weitere Treffer in der Partie (3:0 war der Endstand).

Ein paar kleine Biere

Den angefangenen Abend ließen mein Bruder und ich anschließend auf der Dachterrasse seiner Wohnung ausklingen. Unter einem sternenklaren Himmel (im Alentejo ist Lichtverschmutzung nicht so das Problem) genossen wir weitere Biere und klärten die wichtigen Fragen unserer Zeit. Zum Beispiel ob unsere Demokratie auf ein Diktat der Babyboomer hinsteuert oder ob die Eurozone eine 5€-Münze braucht, weil die 2€-Münze einfach zu keiner Zeit den Heiermann und seine Symbolkraft (besonders für Kinder) ersetzen konnte. Außerdem karrten wir mühsam die großen Deutschen der früheren D-Mark-Banknoten zusammen und stellten fest, dass die Bundesbank nicht so richtig auf die erste Reihe der deutschen Geschichte setzte, wie z. B. Goethe, Gutenberg, Bach, Beethoven oder Einstein. Stattdessen Figuren mit denen ein Gros der Bundesbürger sonst wohl nie in Berührung gekommen wäre. Klar, ich will die Leistungen von Balthasar Neumann oder Maria Sibylla Merian nicht kleinreden, aber auf die muss man erstmal kommen.

Das Fliesenfest

Am nächsten Morgen erhob ich mich erst aus den Federn, als Ziii und Xeniii bereits in der örtlichen Justizvollzugsanstalt waren (neben Schulkindern, unterrichten sie in Beja auch straffällig gewordende Jugendliche). Vormittags tauchten sie aber schon wieder auf, denn sie waren nur zwei Stunden hinter Schloss und Riegel, und wir spazierten gemeinsam nochmal durch Beja. Heute war in der Altstadt nämlich das große Fliesenfest zu Ehren des portugiesischen Kulturguts Azulejo. Auf dem Marktplatz hatten diverse Schulklassen ihre künstlerischen Beiträge dazu ausgestellt und meine beiden Gastgeber wurden von einigen ihrer Schüler (die aus der regulären Schule, nicht die aus dem Knast ;-)) erspäht und freundlich gegrüßt.

Eine der Goldkirchen von Beja

Dadurch, dass anscheinend alle Schulklassen aus Beja und Umgebung auf den Beinen waren, hatte man auch in allen Kirchen der Stadt „Tag der offenen Tür“, wo Guides den Kids (und uns) jede Kirche näherbrachten. Dabei stolperten wir in mehrere kleine unscheinbare Kirchen, die dann mit prächtigem Interieur überraschten. Das ganze Gold dazu kam vorwiegend zur Kolonialzeit aus Brasilien, wurden wir aufgeklärt.

Altstadt von Beja

Das Thermometer kletterte derweil in Richtung 30° und ich ließ mich in der Mittagsonne beim Spaziergang abermals von Bejas bunt gekachelten Altstadtfassaden verzaubern. Wir gönnten uns anschließend ein Mittagessen bei Ruiz im „Fofocas“. Dort gibt es auch immer Tagesgerichte für 4€, die Mutter und Ehefrau zuhause vorkochen und vormittags ins Lokal schleppen. „Prato do Dia“ war heute ein krustiger Schweinebraten mit kleinen Kartoffeln, Salat und natürlich dem obligatorischen Brotkorb dazu. Superlecker und ich freue mich schon darauf im Juni nochmal Alentejo-Hausmannskost genießen zu dürfen.

Schweinebraten Alentejo-Art

Danach brachten meine Gastgeber mich zum Busbahnhof. Denn während sie nachmittags wieder Unterricht hatten, zog ich es vor das berühmte Évora zu erforschen. Da ich wegen des morgigen frühen Abflugs in Lissabon eh in der Hauptstadt übernachten musste, war das ein optimaler Zwischenstopp. Um 14:30 Uhr fuhr mein Bus (für 8€) und mittlerweile war die 30°-Marke geknackt. Aber der Bus von „Rede Expressos“ war natürlich klimatisiert und verfügte ebenso über Wi-Fi, so dass ich den Streifzug durch Évora gewissenhaft vorbereiten konnte.

Praça do Giraldo

Vom Busbahnhof war es ein Kilometer zum zentralen „Praça do Giraldo“ im Herzen der Altstadt. Dieser Giraldo hatte übrigens 1165 Évora von den Mauren befreit. Die Kirche „Santo Antão“ am Kopf des Platzes, der Marmorbrunnen im Zentrum und die mit Arkaden versehenen Häuser am Rande stammen alle aus der Renaissance. Erfreulicherweise war die hiesige Tourismusinformation auch an Giraldo ihm seinen Platz zu finden. Denn dort durfte ich mein Gepäck kostenlos im Büro zwischenlagern, als ich mich nach Schließfächern erkundigte.

Sé de Évora

10kg leichter war ich voll motiviert in die reiche Geschichte Évoras abzutauchen. Dazu suchte ich als nächstes Évoras Kathedrale, die „Sé de Évora“, auf. Da schlug das Herz des Kathedralen-Dons wieder höher! Die Türme des Westwerks sind auf den zweiten Blick ziemlich uneineiige Zwillinge. Der Linke kommt noch sehr romanisch daher und rechte trägt schon deutlich Merkmale der Gotik. Der ca. 1190 begonnene und 100 Jahre später vollendete Bau markiert damit sehr plastisch den architektonischen Übergang zur Gotik in Portugal. Ein Blick in die Kathedrale lohnte ebenso, nur das Erklimmern des fliesenverkleideten Vierungsturms ersparte ich mir (Stufen gab es schon genug in diesem Urlaub). Könnte sich aber vom Ausblick her lohnen.

Diana-Tempel

Mein nächstes Objekt der Begierde befand sich einen Steinwurf links vom Hauptportal der Kathedrale. Dort steht der römische Diana-Tempel aus dem 2.Jahrhundert nach Christi Geburt. 14 der ehemals 18 korinthischen Säulen stehen noch. Der Tempel wurde im Mittelalter als Schlachthof genutzt und hat durch diese interessante Umwidmung wahrscheinlich überhaupt nur die vielen Jahrhunderte überstanden. Im Schatten des Tempels liegt übrigens ein netter Park mit schöner Aussicht, aber ich blieb vorerst rastlos.

Capela dos Ossos

Ich schlich nun nochmal um die Kathedrale rum und landete zunächst am netten Platz „Largo das Portas de Moura“ und anschließend bei der frischrenovierten „Igreja Real de São Francisco“ (Obrigado EU!). Diese hell strahlende Kirche (um 1500 gebaut) war eindeutig dem manuelischen Stil zuzuordnen. Doch das Highlight hier war eigentlich nicht die Hauptkirche, sondern die Knochenkapelle nebenan („Capela dos Ossos“). Eine schaurig-schöne Angelegenheit, für die ich gerne 4€ investierte. Der Anblick von Tausenden Totenschädeln und Knochen als Baustoff reizte einfach. Über dem Portal stand übrigens frei übersetzt: „Unsere hier liegenden Knochen warten auf die eurigen“. Na dann mal „Auf Wiedersehen“!

Palastruine

Ruhe, nur noch nicht die letzte, suchte ich anschließend im benachbarten „Jardim Público“. Unter Schatten spendenden Bäumen und mit Mango-Eistee entspannte ich dort mal ein Stündchen auf einer Bank. Ganz im Stile der Einheimischen. War ein schöner Park, mit den Resten eines königlichen Palastes der Avis-Dynastie. Hier soll Vasco da Gama mit König Manuel I. (Namensstifter der Manuelinik) seine Indienreise geplant haben, woran ein Denkmal des Seefahrers erinnert. Gestört wurde meine Ruhe allerdings von mysteriösen Tierlauten, die ich wenig später Pfauen zuordnen konnte. Königliche Tiere für einen einstmals königlichen Park.

In den Gassen der Altstadt

Am Abend streifte ich nochmal durch die mittlerweile tourifreien Gassen Évoras, holte mein Gepäck ab und schlich noch etwas um die sehr gut erhaltene Stadtmauer. Dann war Abfahrt nach Lissabon angesagt (12€) und 96 Minuten später überfuhr ich die Brücke des 25.April (Lissabons „Golden Gate Bridge“). Angekommen am Busbahnhof, ignorierte ich die Existenz eines öffentlichen Personennahverkehrs und ging die 5 km zu meinem Hostel zu Fuß. Der Weg führte eh durch mir bestens bekannte Viertel und die ein oder andere Erinnerung an die bisherigen Lissabon-Besuche wurde geweckt.

Back in Lisbon

Mein Hostel für eine Nacht war das „Seven Hills“ in der Avenida Almirante Reis. Ich bin ja mittlerweile in einem Alter, in dem man Hostels eher meidet, aber man muss auch mal Glück haben. Für läppische 10,90€ teilte ich mir lediglich mit einer Brasilianerin ein 4er-Zimmer. Und nachdem Ricarda eingeschlafen war, war nichts mehr von ihrem Temperament zu spüren, so dass ich locker durchschlafen konnte. Dazu schöne Gemeinschaftsräume, topmoderne 1-Personen-Duschräume (mit Ganzkörpermassagedusche) und freundliches Personal. Ich war dementsprechend Donnerstagmorgen viel fitter als erwartet und machte mich 2,5 Stunden vor Abflug zu Fuß auf zum Aeroporto. Ich erwähnte es ja bereits, ich liebe es einfach frühmorgens durch langsam erwachende Städte zu spazieren.

Portugalia Brauhaus im Norden Lissabons

Kurz vor’m Flughafen checkte ich wieder „Last Minute“ per App ein und hatte dadurch erneut eine ganze Reihe für mich. Dann noch schnell einen letzten Tosta Mista zum Abschied, rein in die Maschine und nach einer Stunde hatte die Boeing bereits die Biscaya erreicht. Und noch ’ne Stunde später die Normandie, so dass der Vogel überpünktlich um 13:30 Uhr Ortszeit in der Hansestadt Hamburg landen konnte. Meine letzte kulturelle Erkenntnis der Reise: Portugiesen sind begeisterte Käufer der Ryanair-Rubbellose. Aber hat mich auch nicht gewundert, die fahren namlich auch total auf Lotto spielen ab.

Wieder viel Platz für den Don

In fünf Wochen darf mich Portugal dann schon wieder in seine Arme schließen und der nächste Bericht wird wahrscheinlich in Sachen Geschichte nicht so ausufern. Ich will mich schließlich nicht wiederholen. Gleichwohl wird es noch einiges Neues zu entdecken geben und der Ball wird natürlich auch wieder rollen. Kurzum; ich brauche in „Almanha“ nicht mal aus dem Fenster zu schauen (beim Schreiben dieser Zeilen: 8°C, Regen), um mich bereits jetzt tierisch darauf zu freuen.

Song of the Tour: Extra für Bas Dost.