Klagenfurt 05/2026

am
  • 01.05.2026
  • Linzer Athletik-Sport-Klub – Sportclub Rheindorf Altach 4:2 n. V.
  • ÖFB-Cup (Finale)
  • Wörtherseestadion (Att: 22.000)

Als ich am Mittwochabend aus Schweden zurückkehrte, war gerade einmal die halbe Urlaubswoche rum. Entsprechend hatte ich mir noch einen zweiten Trip für die kommenden Tage ersonnen. Es sollte nach Österreich gehen, wo am 1. Mai in Klagenfurt das Pokalfinale zwischen dem Linzer ASK und dem SCR Altach steigen würde. Eine 49 € teure Eintrittskarte war problemlos zu bekommen. Jedoch waren am Endspielort keine Hotelbetten mehr frei. So bekam die mit Bonuspunkten gebuchte Bahnfahrt noch einen Zwischenstopp in Bad Gastein, wo das direkt am Bahnhof gelegene Hotel Goethehof seine Einzelzimmer für 50 € pro Nacht anbot.

Vitaminreich gen Österreich

Meine Reise startete am Vortag des Endspiels um 9:21 Uhr in Hildesheim. Es sollte mit einem Umstieg in Darmstadt per ICE in besagtes Bad Gastein gehen. Ich erreichte mein Zwischenziel um 19:29 Uhr und checkte 96 Sekunden später im Goethehof ein. Da dort die hiesige Gastronomie jedoch bereits im Begriff zu schließen war, musste ich für’s sehnlich gewünschte Abendessen einen kleinen Spaziergang machen.

Ausblick von meinem Hotelfenster

Die Wahl fiel auf’s Klapotetz am Fuße des 2.246 m hohen Stubnerkogel, wo immerhin noch bis 21 Uhr warme Küche serviert wurde. Aus der Speisekarte suchte ich mir nun das Cordon Bleu vom Wildschwein aus. Zwischen zwei rosa gegrillten Steaks erwarteten mich cremiger Camembert und würziger Tiroler Schinken. Begleitet wurde das Fleisch von saisonalem Pfannengemüse (u. a. Spargel), Kartoffelspalten und Schwammerlsauce.

Mein Hauptgang im Klapotetz

Das war wirklich ein Hochgenuss und ich war verlockt mir auch noch ein Dessert anrichten zu lassen. Hier fiel die Wahl auf ein Kürbiskernparfait mit Sahne und Fruchtgarnitur. Ebenfalls eine Gaumenfreude. Als ich anschließend für die zwei Gänge und ein großes Stiegl vom Fass eine Rechnungssumme in Höhe von 43,60 € beglich, ärgerte ich mich regelrecht, dass ich am Folgetag erst nach 21 Uhr zurück in Bad Gastein sein würde. Ins Klapotetz wäre ich gerne noch ein zweites Mal eingekehrt.

Das Dessert

Nach einer angenehmen Nachtruhe im Goethehof drehte ich am Freitagmorgen zunächst einmal eine kleine Runde durch Bad Gastein. Im noblen Bergkurort wusste besonders der Wasserfall zu beeindrucken, der dreistufig auf eine Gesamtfallhöhe von 341 m kommt und zu den bekanntesten Wasserfällen Österreichs zählt.

Der Gasteiner Wasserfall

Meine etwa zwei Kilometer langer Ortserkundungsspaziergang endete dann gegen 8 Uhr im Salzburger Hof. Denn von diesem bekannten Grand Hotel ist der Goethehof ein Nebenhaus und erfreulicherweise wurde hier das im Übernachtungspreis inkludierte Frühstück serviert. Mit Rührei, dreierlei Würstchen, Laugenstange und Obstsalat startete ich nun auch kulinarisch in den Tag und war ganz zufrieden mit der Auswahl und Qualität bei diesem Buffet.

Frühstück im Salzburger Hof

Außerdem weckten die vielen Fotos von prominenten Übernachtungsgästen mein Interesse an der Geschichte des 1889 eröffneten Grand Hotels. Dieses hat seit Jahrzehnten schwedische Eigentümer und jener Familie Magnusson gehören inzwischen stolze sieben Hotels in Bad Gastein. Dort dürfen sie überproportional viele Landsleute beherbergen, weshalb der Ort mittlerweile den Beinamen Little Sweden hat. Ergo habe ich in Österreich unbewusst die perfekte Ergänzung zu meiner Schwedenreise gebucht.

Ankunft am Klagenfurter Hauptbahnhof

9:30 Uhr ging es mit meiner Freifahrt weiter nach Klagenfurt und ich durfte mir den Railjet der ÖBB mit etlichen Fans des Linzer ASK teilen. Denn offenbar führte die beste Bahnverbindung von Linz über Salzburg (und Bad Gastein) nach Klagenfurt. Gemeinsam erreichten wir den Endspielort um 11 Uhr, aber hatten dort erstmal unterschiedliche Pläne. Die Landstrassler* wollten selbstredend die nächsten Biere organisieren und sich im klassischen Stil auf ihr großes Spiel einstimmen. Ich hatte mir indes ein nüchternes Kulturprogramm ersonnen.

Der Der Lindwurmbrunnen (16. Jahrhundert) am Neuen Platz

Mein Stadtspaziergang durch die Geschichte Klagenfurts begann mehr oder weniger auf dem großzügig im Herzen der Stadt angelegten Neuen Platz. Der ist von vielen repräsentativen Gebäuden gesäumt. An seinem Kopfende befindet sich beispielsweise das Palais Rosenberg (17. Jahrhundert), welches seit 1918 als Rathaus der Stadt fungiert. Außerdem ziert die Mitte des Platzes der Lindwurmbrunnen (16. Jahrhundert). Dessen monumentale Drachenfigur erinnert an die Gründungssage Klagenfurts, laut der an dieser Stelle dereinst ein Lindwurm in einem Sumpf hauste und erst erst ein paar mutige Drachentöter vonnöten waren, damit des Lindwurms Habitat für ein Urbanisierungsprojekt trocken gelegt werden konnte.

Der Alte Platz ist bereits im 13. Jahrhundert bei der Stadtgründung angelegt worden

Während der Lindwurm sich leider nicht belegen lässt, deuten Urkunden auf eine planmäßige Stadtgründung im 12. Jahrhundert hin. Im 13. Jahrhundert wurden zum Schutze der noch recht jungen Siedlung außerdem eine Burg und eine Stadtmauer errichtet. Doch schon 1514, als Klagenfurt nahezu vollständig niederbrannte, musste ein Neuanfang her. Der Kaiser überließ die Ruinenstadt nun den Kärntner Landständen (Vertreter von Adel und Klerus), die im 16. Jahrhundert eine komplett neue Stadt im Stile der Renaissance erbauen ließen.

Altstadtbummel durch Klagenfurt

Das architektonische Erbe dieser Epoche war bei meinem Altstadtspaziergang noch sehr präsent. In herausragendster Form wahrscheinlich durch das zwischen 1574 und 1594 erbaute Landhaus. Früher der Ort, an dem die Landstände zusammentrafen und auf aristokratische Art Politik gemacht haben. Heute Sitz des demokratisch gewählten Kärntner Landtags.

Das Landhaus Klagenfurt (16. Jahrhundert)

Außerdem wurde Klagenfurt im 16. Jahrhundert von der Reformation erfasst. Die protestantischen Ideen fanden in Kärnten so großen Anklang, dass der damalige österreichische Erzherzog Karl II. im Jahre 1572 zunächst dem Kärntner Adel und 1578 schließlich auch den Bürgern der dortigen Städte die Religionsfreiheit gewährte. Dabei nahm die Reformation fortan Einfluss die weitere Stadtplanung der größtenteils protestantisch gewordenen Landstände. Bei Kirchen, Schulen und Spitälern der damaligen Zeit kann man bis heute eine protestantische Handschrift in der Gestaltung erkennen.

Die Innenhöfe der Altstadt haben die für die Renaissance typischen Arkaden

Die katholischen Habsburger ließen der Reformation allerdings nur wenige Jahrzehnte freie Hand. Anfang des 17. Jahrhunderts forcierten sie in ihrem Machtbereich die Gegenreformation, deren Druck der Kärtner Adel 1627 nachgab. Anschließend blieb dem gemeinen Volk nur übrig ebenfalls wieder zum Katholizismus zurückzukehren oder die Heimat zu verlassen. Die Kirchen und Schulen Klagenfurts gingen im Zuge der Gegenreformation an den katholischen Jesuitenorden und protestantische Renaissancearchitektur bekam oft ein opulentes Makeover im Stile des Barock.

Turm der Hauptpfarrkirche St. Egid (17. Jahrhundert)

Weitere wirklich große städtebauliche Veränderungen wurden erst wieder während der Napoleonischen Kriege angestoßen. Denn die französischen Besatzer sprengten 1810 vor ihrem Abzug die Stadtmauern und sorgten so dafür, dass Klagenfurt in den kommenden Jahrzehnten mit seinen Vorstädten verschmelzen konnte. 1863 folgte außerdem der Eisenbahnschluss, was einerseits den Fremdenverkehr förderte und andererseits für die Ansiedlung von Industriebetrieben sorgte.

Das im Jugendstil gestaltete Stadttheater (1910)

Einher mit diesen Entwicklungen ging ein Bevölkerungswachstum von ca. 20.000 (1863) auf über 45.000 Einwohner (1910) und dieser Zuwachs sorgte wiederum für einen Boom in der Baubranche. Es entstanden an die historische Kernstadt angrenzend mehrere Gründerzeitwohnquartiere und auch die Architekturstile Historismus und Jugendstil sollten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen.

Gründerzeitwohnbebauung aus dem späten 19. Jahrhundert

Die Krisen und Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gingen ebenfalls nicht spurlos am Stadtbild vorüber. Gerade die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg sorgten für eine Zäsur. So mussten große Teile Klagenfurts ab 1945 wieder aufgebaut werden und nicht immer konnte oder wollte man die alte Bausubstanz restaurieren. Entsprechend war mein etwa zweistündiger Innenstadtspaziergang ein ziemlich facettenreicher Streifzug durch die Kärntner Architekturgeschichte der letzten 500 Jahre.

Spaziergang am Lendkanal

Das zeitgenössische Klagenfurt profitiert nun einerseits von seiner Hauptstadtfunktion des Bundeslandes Kärnten, mitsamt führender Rolle in Bildung und Wirtschaft. Andererseits zieht es als größte Stadt am Wörthersee auch viel Nutzen aus dem Tourismus rund um dieses Gewässer. Entsprechend fand ich gegen 13 Uhr, dass ein Abstecher zum fünftgrößten See Österreichs (ca. 19,3 km²) meinen Ersteindruck von Klagenfurt noch abrunden würde.

Der Wörthersee

Ich folgte nun einfach dem 4,5 Kilometer langen Lendkanal, der bereits 1527 von den Landständen zum Warentransport zwischen Stadt und See und zur Wasserversorgung Klagenfurts angelegt wurde. An der Halbinsel Maria Loretto mündet jener Kanal in den Wörthersee und im Schatten einer Wallfahrtskapelle aus dem 17. Jahrhundert und eines Schlosses aus dem 18. Jahrhundert ließ ich auf der Halbinsel erstmal für ein Stündchen die Seele baumeln.

Zwischen Wörthersee und Wörtherseestadion gab es einen schönen Ausblick auf die Karawanken

Um ziemlich genau 15:00 Uhr brach ich schließlich zum etwa 2,5 km vom Ufer entfernten Wörtherseestadion auf. Ergo erreichte ich nach einem halbstündigen Spaziergang das für die EM 2008 errichtete Stadion, welches auf seinen Rängen bis zu 30.000 Zuschauern Platz bietet. Das entpuppte sich nach dem Turnier natürlich als völlig überdimensioniert für den lokalen Vereinsfußball. Aber immerhin schiebt der ÖFB regelmäßig ein paar Länderspiele nach Klagenfurt. Außerdem werden hier durchgängig seit 2014 die Endspiele des ÖFB-Cups ausgetragen, so dass sich das 92 Mio € teure Bauprojekt mittlerweile als eine Art Wörthersee-Wembley etablieren konnte.

Ankunft am Wörtherseestadion

Als sich 2023 und 2024 jeweils Sturm und Rapid im Endspiel gegenüberstanden, erlebte Klagenfurt sogar schon zweimal ausverkaufte Finalspiele des ÖFB-Cups. So eine Kulisse war dem heutigen Duell zwischen dem oberösterreichischen Linzer ASK und dem vorarlbergischen SCR Altach zwar nicht vergönnt, aber mit immerhin ca. 22.000 weiteren Menschen teilte ich mir die Ränge. Davon hielten es wohl an die 15.000 mit dem LASK und rund 5.000 mit dem SCRA. Der Rest dürfte wie ich neutral an die Sache gegangen sein.

Die Landstrassler sind was am Planen dran

Weniger neutral waren dagegen die vielen Schweizer im Stadion. So hatte das Linzer Lager fanfreundschaftliche Unterstützung aus Bern (Young Boys) und beim Altacher Anhang war viel Verstärkung aus Zürich (Grasshopper Club) auszumachen. Wobei Ketzer jetzt behaupten würden, dass in den SCRA-Sektoren fast ausschließlich Schweizer standen, wovon jedoch lediglich eine Minderheit den Pass der Confoederatio Helvetica besitzt. Aber warum die Vorarlberger quasi Schwizerdütsch sprechen und ob die eigentlich viel lieber Schweizer als Österreicher wären, könnt ihr bei Interesse an anderer Stelle nachlesen (siehe Vorarlberg 08/2023). Da will ich jetzt nicht zu sehr abschweifen.

Die Landstrassler legten sie die Karten

Um für ein möglichst uniformes Erscheinungsbild im Stadion zu sorgen, hatten die Anhänger der beiden schwarz-weißen Vereine die gemeinsamen Farben fair aufgeteilt. So riefen die Landstrassler dazu auf geschlossen in schwarzer Oberbekleidung zu erscheinen und alle Altacher wurden von ihrer organisierten Fanszene angehalten weiße Shirts zu tragen. Den Aufrufen wurde flächendeckend Folge geleistet, so dass auch auf der Gegengerade bereits auf ersten Blick klar war, wer von meinen Sitznachbarn mit wem sympathisiert.

Das Objekt der Begierde

Um dem großen Spiel einen würdigen Rahmen zu verleihen, hatten beide Fanlager natürlich auch große Choreographien vorbereitet. Die Linzer bedienten sich dabei der Bildsprache des Okkulten. Eine Wahrsagerin legte dem LASK auf einer Blockfahne sozusagen die Karten. Den Rücken der insgesamt drei Tarotkarten zierte dabei das Stadtwappen von Linz. Nach und nach wurden die Karten umgedreht und sie standen offenbar gut für die Landstrassler. Denn sie prophezeiten allesamt einen erfolgreichen Nachmittag, bei dem letztlich Linzer Arme den Pokal in die Höhe strecken würden. Garniert wurde diese Kreativleistung mit etlichen zu großen Kerzen stilisierten Leuchtfackeln.

Schickes Gesamtbild in der Linzer Kurve

Die Fanszene des Sportclubs Rheindorf Altach hatte den Unterrang ihrer Tribüne derweil in Gänze mit einer Blockfahne bedeckt. Auf ihr waren das Akronym des Clubs, die heute zu gewinnende Trophäe und ein Löwe mit einer Königskrone abgebildet. Dazu prangte am Zaun die Botschaft „Wia Löwa kämpft für des historische Ziel – Krönand üsre Geschichte im entscheindenda Spiel“. Wie gesagt, die sprechen wie (Ost-)Schweizer…

Die Blockfahne der Altacher

Als die Blockfahne pünktlich zum Anpfiff um 16 Uhr wieder eingerollt war, waren die Altacher je nach Sektor mit weißen oder schwarzen Plastikponchos bekleidet. Diese zweiteilige Aktion konnte in Sachen Kreativität zwar nicht ganz mit der Linzer Darbietung mithalten, aber für eine kleine Szene aus einer 7.000-Einwohner-Gemeinde war das auf jeden Fall aller Ehren wert.

Unter der Blockfahne streiften sich die Fans Ponchos in den Vereinsfarben über

Auch sportlich erzielt das kleine Altach seit vielen Jahren sehr respektable Ergebnisse. So ist der aktuell einzige Bundesligist aus dem Bundesland Vorarlberg seit 2014 durchgängig erstklassig unterwegs und durfte sich in den Spielzeiten 2015/16 und 2017/18 sogar zweimal in europäische Abenteuer stürzen. Allerdings verfehlte man die Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Europa League in beiden Fällen in den Play-Offs. Würde der 1929 gegründete SCRA heute den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte gewinnen, bekäme man diesen Sommer seine dritte Chance in jenem internationalen Wettbewerb.

Lautstarke Linzer wollten ihre Elf zum dritten großen Titel der Clubgeschichte anpeitschen

Favorit war allerdings der LASK, der anders als der SCRA in den letzten Jahren Dauergast in den Gruppenphasen der UEFA-Wettbewerben war. Auch müssen die Linzer aktuell nicht wie die Altacher um den Bundesligaverblieb kämpfen, sondern haben als gegenwärtiger Tabellenführer der Meistergruppe gar den Meistertitel im Visier. Durch den gleichzeitigen Einzug ins Pokalfinale ist damit wie 1965 das Double in greifbarer Nähe. Waren damals übrigens die ersten und zugleich letzten großen Titelgewinne der Oberösterreicher. Entsprechend wollte man heute unbedingt eine 61 Jahre andauernde Durststrecke beenden.

Freudenfeuer nach dem ersten Tor des Nachmittags

Doch zunächst konnten die Vorarlberger ihre Titelträume unterfüttern. Patrick Grell sorgte bereits in der 5. Minute mit dem 0:1 für erste Freudenfeuer beim Altacher Anhang. Danach ging es munter weiter und dem LASK gelang durch einen Treffer von Moses Usor der schnelle Ausgleich (11.). Zehn Minuten später bejubelten die Landstrassler außerdem das vermeintliche 2:1 durch Samuel Adeniran. Allerdings meldete sich der VAR zu Wort und der Schiedsrichter kassierte das Tor wieder. Stattdessen war dem SCRA bald die neuerliche Führung vergönnt, weil Vesel Demaku nach einer halben Stunde das Leder aus ca. 18,96 m Entfernung wunderschön in den Torwinkel bugsierte.

Auch beim Ausgleichstreffer der Linzer fehlte es nicht an Pyrotechnik

Das 2:1 war eine gute Viertelstunde später auch der Pausenstand eines bisher auf Rasen und Rängen gleichermaßen mitreißenden Cupfinals. Ich nutzte die Unterbrechung nun gern, um im Umlauf der Tribüne 12 € ärmer zu werden. Die Gegenleistung des von mir begünstigten Caterers waren eine Weißweinschorle (0,5 l) und eine große, schön würzige Kärntner Bratwurst nebst Semmel.

Halbzeitimbiss

Gestärkt und erfrischt, erhoffte ich mir natürlich, dass die Kurven auch die 2. Halbzeit mit besonderen Aktionen einleiten. Doch erst in der 60. Minute musste ich die Kamera wieder zücken. Denn nun brannten die Altacher ein großes Feuerwerk ab und nebelten dabei auch das Stadion ordentlich ein. Das verursachte eine kleine Zwangspause auf dem Spielfeld und nachdem der Ball wieder rollte, gehörte das Momentum ausgerechnet dem Gegner. Adeniran konnte für den LASK sehenswert per Volleyschuss ausgleichen (66.).

Altacher Jungs, Supporting Patriots, Black Crusader und Co nebeln sich ihre Sektoren ein

Anschließend übernahm der 1908 gegründete Linzer Athletik-Sport-Klub größtenteils die Spielkontrolle und war dem dritten Tor näher als die Vorarlberger. In der 4. Minute der Nachspielzeit schien sogar der späte Siegtreffer durch Adeniran gefallen zu sein. Doch der us-amerikanische Angreifer in Diensten des LASK stand offenbar hauchzart im Abseits und der SCRA konnte sich somit in die Verlängerung retten.

Die Fanszene vom LASK gedachte auch denen, die den heutigen Tag leider nicht mehr erleben konnten

Zur Erleichterung der von 22.224 titellosen Tagen geplagten Anhängerschaft, machte die Linzer Elf nach Wiederanpfiff weiter Druck und belohnte sich dafür in der 101. Minute, als George Bello der ersehnte Führungstreffer glückte. Zwei Minuten später fiel obendrein das 4:2 durch Adeniran, so dass die Athletiker mindestens schon mal eine Hand am Pokal hatten. Zumal die Altacher zu Beginn der 2. Hälfte der Verlängerung auch noch einen Platzverweis kassierten.

Die siegreiche Mannschaftlässt sich von ihren Fans feiern

Letztlich brachten elf Oberösterreicher die Führung gegen zehn Vorarlberger ungefährdet über die Zeit und nach sechs sieglosen Endspielteilnahmen seit 1965 gelang beim siebten Streich endlich der zweite Cupgewinn. Entsprechend groß war die Freude der Linzer Akteure und Anhänger. Aber noch bevor Sieger und Besiegte ihre Medaillen und einen Händedruck von den Verbandsoffiziellen bekamen, durfte sich auch die Altacher Mannschaft einen verdienten Applaus in ihrer Kurve abholen. Schließlich hatte man sich wirklich teuer verkauft.

Die angereisten Berner haben sich besondere Glückwünsche für ihre Linzer Freunde überlegt

Nichtsdestotrotz waren der Pokal und der Konfettiregen auf der eilig aufgebauten Bühne nur dem Sieger vorbehalten. Anschließend ging es mit der Trophäe natürlich noch auf eine Ehrenrunde, bei die Mannschaft von Erfolgstrainer Didi Kühbauer – der übrigens im Vorjahr an gleicher Stelle mit dem Wolfsberger AC den ÖFB-Cup gewinnen konnte – in 15.000 glückliche Gesichter blicken durfte. Holen die Linzer jetzt auch noch die Meisterschaft, dürfte die diesjährige Kampfmannschaft definitiv Legendenstatus erhalten.

Siegerfoto

Nachdem ich den Jubelszenen noch ein wenig beigewohnt hatte, ging es gegen 19:15 Uhr zurück zum etwa drei Kilometer vom Wörtherseestadion entfernten Hauptbahnhof. Dort fuhr bereits um 19:59 Uhr mein Zug nach Bad Gastein, so dass mir die Verlängerung leider die Zeit für das angedachte Abendessen in Klagenfurt geraubt hatte. Doch zum Glück kam ich in Bad Gastein auch noch an meine Kilokalorien…

Ein Österreichtrip ohne Schnitzel ist möglich, aber sinnfrei

Ich musste lediglich vom 21:29 Uhr erreichten Bad Gasteiner Bahnhof nochmal zum Dorfkern hinabsteigen, wo das Jägerhäusl bis spätabends warme Küche servieren sollte. Ein leckeres Schnitzel mit Röstkartoffeln und Preiselbeeren und 0,5 l Trumer Pils kosteten hier zusammen 25,70 €. Dann ging’s hinauf zum Hotel und weil ich laut Smartphone heute insgesamt 22,8 km und 49 Stockwerke in den Knochen hatte, wunderte ich mich überhaupt nicht darüber, dass ich direkt nach dem Zähneputzen einschlief.

Song of the Tour: Ein wunderschönes Lied von Klagenfurts vielleicht größtem Sohn

*Die Fans des proletarisch geprägten Lokalrivalen FC Stahl (heute FC Blau-Weiß) haben die bürgerlichen LASKler früher gerne als die Landstrassler geschmäht, weil die Linzer Landstraße sozusagen die Prachtstraße im Stadtzentrum ist. Doch mit der Zeit wurde Landstrassler zur stolzen Selbstbezeichnung transformiert, so dass die 2014 gegründete Dachgruppe der LASK-Fankurve darin den perfekten Namen sah. In ihr sind u. a. die Fangruppen Viking LinzCommando UrfahrLinz City GroupLinzer Jungs und Südachse organisiert.