Mallorca 09/2021

  • 05.09.2021
  • CD Atlético Baleares – Albacete Balompié 4:1
  • Primera División RFEF (III)
  • Estadio Balear (Att: 2.200)

Als ich 1997 das erste Mal den Film “Ballermann 6” gesehen habe, hatte ich plötzlich einen großen Traum. Ich wollte unbedingt mal als Sauftourist nach “Malle” und dort rauschhafte Proletenfeste feiern. Eimersaufen! Sauerkrautwettessen! Doch dann wurde ich erwachsen. Das entdecken anderer Kulturen stand für mich im Vordergrund und nicht die Verlagerung der teutonischen Sauf- und Feiersitten in ein mediterranes Setting. Ja, Mallorca hat mehr zu bieten als Ballermann und Bierkönig. Aber trotzdem zog es mich einfach nicht auf die Lieblingsinsel der Deutschen. Wahrscheinlich unter anderem wegen der Deutschen.

Werde ich auch lernen Mallorca zu lieben?

Nun geschah es jedoch, dass eine Pandemie sechs Freunden von mir ein langes Partywochenende auf Mallorca im Sommer 2020 verhagelte. Deshalb schwirrte bei ihnen ein Gutschein für vier Nächte in drei Doppelzimmern rum, der 2021 im Arenaler “Hostal Tierramar” eingelöst werden musste. Aus mannigfaltigen Gründen schrumpfte die Reisegruppe jedoch auf zwei Personen namens Kräftchen und InterCityBerger. Die bewarben ihre Tour nun wie Sauerbier und eine Unterkunft für lau war natürlich ein Argument. Außerdem hatte ich noch zigtausend Bonusmeilen und somit würden mich die Flüge lediglich eine geringe zweistellige Gebühr kosten. Weil immer noch Pandemie ist, war ferner ausgeschlossen, dass es ein traditioneller „Ballermann Urlaub“ werden kann. Stattdessen wurden mir Ausflüge in die Natur und eine Erkundung der historischen Sehenswürdigkeiten von Palma angedeiht. Tja, alle meine Argumente gegen den Trip waren entkräftet und ich buchte.

Europapokal – Vierschanzentournee

Aber wer braucht eigentlich Ballermann-Partys, wenn ausgerechnet Fat Lo am Vorabend der Abreise seinen 30.Geburtstag feiert? Nachdem er in seinem Skispringerkostüm pflichtschuldig bis zum erlösenden Kuss einer Jungfrau den Hof der Harsumer Feuerwehr fegen durfte, wurde an der Aseler Mühle im Anschluss die ganze Nacht so richtig geballert. Weil der Gastgeber in den letzten Monaten unterdessen nahezu jeden Freund und Familienangehörigen mit Impfstoff versorgt hatte, war die Geburtstagsgesellschaft außerdem quantitativ nahezu auf Prä-Corona-Niveau. Kleiner Piks, große Wirkung!

Ein Bier am Gate geht immer

Um 1:30 Uhr tauchte Frau Berger schließlich bei der Party auf und brachte ihren Gatten und mich zum hannoverschen Flughafen. Zum Glück waren wir trotz hoher Konsumfreudigkeit in den letzten Stunden nicht total verballert und schafften auch mit 1,896 Promille den Check-In und die Sicherheitskontrolle. Darauf erstmal ein Bier am Gate! Über den Wolken war neben der Freiheit auch die Müdigkeit grenzenlos und ich nuschelte nur noch „Flieger, grüß mir die Schlagersippe von Fat Lo“, ehe meine Äuglein zufielen. Ich bin auch tatsächlich erst wieder bei der Landung gegen 6:30 Uhr aufgewacht und litt unter etwas Konfusion. Zum Glück gab es von Mitreisenden sachdienliche Hinweise, dass ich vor dem Abflug zunächst auf einem völlig falschen Platz saß und mein Rucksack entsprechend einige Reihen weiter hinten aufbewahrt wurde.

Nach 21 Monaten Pause mal wieder abgehoben

Am Gate traf ich dann Berger wieder, der in der komplett ausgebuchten Maschine in der letzten Reihe verwahrt wurde und ebenfalls die ca. 2:30 h Flugzeit für Schlaf genutzt hatte. Nächste positive Überraschung war, dass wir wenige Stunden zuvor auch das pandemiebedingte Einreiseformular korrekt und vollständig ausgefüllt hatten und somit berechtigt waren den Flughafen zu verlassen. Für 5€ ging es nun mit dem Bus in ein rund fünf Kilometer entferntes romantisches Fischerdörfchen namens S’Arenal. Okay, romantisches Fischerdorf ist seit mindestens 50 Jahren nicht mehr. Stattdessen stehen hier diverse Betonklötze für Pauschal- und Partytouristen und einige der berüchtigsten Lokalitäten der Insel haben ebenfalls in Arenal ihre Heimat gefunden.

Bierfrühstück um 8 Uhr

Am so genannten ”Ballermann 1” (Balneario 1) der Platja de Palma war in der Calle Berlin unser gebuchtes Hotel zu finden. Um 8 Uhr wurden wir dort schon mal unser Gepäck los, ehe Berger und ich von unserem neuen Freund Andi in seine nahe “Sansibar” gelockt wurden. ”Guten Morgen die Herren. Ihr schaut aus, als könntet ihr erstmal ein Frühstück vertragen.” ”Ja, oder ein Bier.” ”Ja, Bier hab‘ ich natürlich auch.” Wir ließen uns auf seiner Terrasse mit Meerblick nieder und gönnten uns jeder die ersten 500 Milliliter San Miguel des Urlaubs. In den nächsten acht Stunden sollten viele weitere Milliliter folgen. Aber zwischendurch tranken wir auch immer mal einen Kaffee zum Wachbleiben und irgendwann bestellten wir tatsächlich noch Frühstück. Es gab leckeres Omelette mit Käse und Schinken, was den geschundenen Körper ebenfalls wieder ein Stück auf Trab brachte.

Omelette bei Andi

Wir waren natürlich nicht die einzigen Gäste, denen das Bier schon vor 4 (Uhr nachmittags) schmeckte und freundeten uns mit einer ü50-Reisegruppe aus den Niederlanden an. Sie kamen aus dem Raum Enschede und besonders ihren Mobführer Henk schlossen wir ins Herz. Überhaupt schien dieser Teil der Platja der ”Holländer-Ballermann” zu sein. Das und viel mehr erfuhren wir bereits von Andi, der nun schon über 12 Jahre Gäste in Arenal bewirtet und ursprünglich aus Ansbach stammt. Der fränkische Zungenschlag war auch nach wie vor vorhanden. Neben der ”Sansibar” gehört ihm auch “The Q” zwei Häuser weiter, wo sich die Küche für beide Lokale befindet.

Unser Strandabschnitt am Balneario 1

Nachdem der erst am frühen Nachmittag aus Düsseldorf abgeflogene Kräftchen mitsamt Mietwagen auch eingetroffen war, erfolgte der Check-In im ”Hostal Tierramar”. Der schwedische Eigentümer Karl betreibt eine Unterkunft einfachen Standards, was der Name Hostal – allerdings nicht mit Hostel zu verwechseln – auch schon suggeriert. Aber es war sauber und von der Ausstattung war nichts kaputt oder völlig aus der Zeit gefallen. Dazu waren unsere Einzelzimmer mit Klimaanlage ausgestattet. Jedenfalls die von Berger und mir im 2.OG. Kräftchen im dritten Stock musste sich mit einem Ventilator begnügen. Aber diese Unterkunft war eh nur zum Schlafen, zur Körperpflege und zur Gepäckaufbewahrung eingeplant. Entsprechend zog es uns auch schnell wieder vor die Tür.

Wir wollten uns in der Abendsonne mal zum berüchtigten ”Ballermann 6” vorarbeiten. Zunächst kamen wir aber nur 150 Meter weit und ließen uns auf den Außenplätzen des ”Bier Express” nieder. Eine der vielen ”Holländer-Pinten” an diesem Strandabschnitt und deshalb wurde uns Heineken serviert, als wir drei große Bier orderten. Nachdem auch das gefühlt sechsundneunzigste Bier in den letzten 24 Stunden die Kehle hinunter geflossen war, schafften wir sogar schon 300 Meter am Stück. ”Hoek van Holland” hieß der nächste Stopp auf dem niederländischen ”Sunset Strip” in der Bucht von Palma.

Burger im Hoek van Holland

Hier wurde vom Rest des Publikums um 20:40 Uhr fleissig “Het Wilhelminus” gesungen, da einen Augenblick später Anstoss bei ”Oranje” versus Montenegro war. Unsere neuen niederländischen Freunde aus der ”Sansibar“ waren natürlich auch am Start. Wobei uns der Kick nicht interessierte. Stattdessen gab es Burger und Bier, bzw. bei InterCityBerger Kipcorn und Cola. Das war vor ein paar Jahren die Kultbestellung auf seinem Junggesellenabschied in Utrecht. Was daran so kultig war, kann man für Außenstehende nicht erörtern, aber Kräftchen und ich mussten sehr schmunzeln und grüßen an dieser Stelle Olbert.

Die berühmteste Theke der Insel

Quasi mit dem Halbzeitpfiff des Fußballspiels zogen wir weiter und erreichten um 21:35 Uhr den legendären Balneario 6, der mittlerweile als ”Beach Club Six” firmiert. Man will weg vom alten Image und obendrein versuchen die lokalen Autoritäten seit Jahren den Sauftourismus einzudämmen. Aber für uns wird es immer der ”Ballermann 6” bleiben. Auch ohne Eimersaufen. Arenal bleibt Asi! Den Traum vom gehobenen Tourismus sollte die Regionalregierung lieber in anderen Teilen der Insel verwirklichen und einfach Arenal und Magaluf als Reservate für hemmunglose Sauftouristen belassen. Gerade in diesen schweren Zeiten für die Tourismusbranche, wo jeder Gast zählt.

Willkommen in der Schinkenstraße

Nachdem der “Pflichtground” abgehakt war, zogen wir weiter in die nahe ”Schinkenstraße”. Dort sind bekanntlich u. a. die Institutionen ”Bierkönig” und ”Bamboleo” zu finden. Bei ersterem war gegen 21 Uhr eine relativ lange Schlange, so dass wir erstmal mit dem “Bamboleo” Vorlieb nahmen. Da mussten wir nur kurz am Eingang warten, bis ein Tisch frei wurde. Wir stiegen nun auf Gin Tonic um und der Schnaps sorgte anscheinend für eine Bewusstseinsveränderung bei uns. Plötzlich waren wir empfänglich für die Ansprache der fliegenden Nippeshändler mit westafrikanischem Migrationshintergrund. Sonnenbrillen oder Penisnasen verschmähten wir noch, aber so eine Kapitänsmütze ist ja schon ziemlich kleidsam. Besonders bei so einem Bierkapitän wie Berger.

Der Bierkapitän trinkt Gin Tonic

Übrigens firmieren die fliegenden Händler landläufig als ”Helmut”. Als überprivilegierte weiße heterosexuelle Cis-Männer, jedoch mit mittlerweile induzierter Wokeness, scheuten wir uns zunächst den Begriff in unser Vokabular aufzunehmen. Aber das hatte sich doch kein biergeschwängerter Rassist als schlechtes Wortspiel oder so ausgedacht, sondern lag einfach daran, dass die Verkäufer jeden mutmaßlich deutschen Touristen mit ”Hey! Hallo Helmut!” ansprachen. Dadurch ist man einfach dazu übergegangen die Sonnenbrillenverkäufer selbst als Helmuts zu bezeichnen. Gewissermaßen ist sogar ein kleiner Kult um die Helmuts bei den deutschen Ballermanntouristen entstanden, wenngleich es hin und wieder auch zu rassistischen Sprüchen oder Übergriffen kommen soll. Ein signifikanter Prozentsatz der Deutschen möchte seine alte Liebe zum Rassismus eben nach wie vor nicht aufgeben. Erst recht unter Alkoholeinfluss gibt es öfter mal braune Schmetterlinge im Bauch.

Er hat wohl nicht nur den Impfstoff von Pfizer bekommen

Aber am heutigen Abend fielen uns keine Landsmänner und -frauen negativ auf. Der ganz große Exzess war allerdings auch nicht möglich. Die Balearen hatten tagesaktuell immer noch eine Inzidenz von 88 ausgewiesen. Tendenz zwar seit Wochen sinkend, nachdem Ende Juli die 400er-Marke gerissen wurde, aber es galten weiterhin mehr oder weniger strenge Auflagen zur Eindämmung der Pandemie. Beispielsweise ab 22 Uhr keinen Alkoholverkauf außer Haus mehr, Verbot von Ansammlungen mehrerer Haushalte in der Öffentlichkeit, Diskotheken (wie ”Mega-Park” oder ”Oberbayern”) waren natürlich noch geschlossen und in Gaststätten war Sitzzwang und um 1 Uhr Sperrstunde. In den Lokalen galt ferner ebenso pro Tisch nur ein Haushalt, allerdings galten gemeinsam Reisende als ein Haushalt.

El rey de la cerveza

Gegen Mitternacht wechselten wir dann doch nochmal in den ”Bierkönig”, wo mittlerweile nur noch eine Schlange von 18,96 Metern Länge Einlass begehrte. Man konnte drinnen erahnen, was hier vor Corona in der Hauptsaison los gewesen sein dürfte. Es dröhnten die obligatorischen Ballermannschlager aus den Boxen und immerhin alle Tische waren ausgelastet. Nichtsdestotrotz war nur Schunkeln und Mitsingen am Platz erlaubt und übereifrige, auf die Stühle kletternde Feierbiester wurden von der Security schnell zurechtgewiesen. Dass der Laden wegen irgendwelchen Verstößen gegen die Auflagen nochmal komplett schließen muss, wollte der Eigentümer natürlich tunlichst vermeiden.

In der Schinkenstraße nachts um halb zwei

Kurz nach 1 Uhr ging die Musik aus und die Security komplimentierte routiniert die Gäste hinaus. Im ”Bamboleo” und Co das selbe Spiel, so dass nun einige hundert junge Menschen auf der Straße standen. Ins Hotelbett wollte längst nicht jeder und etliche Grüppchen ließen sich am Strand nieder. Die Helmuts hatten derweil ihr Sortiment nachfrageorientiert auf eiskaltes Dosenbier umgestellt und fanden auch in uns willige Abnehmer. Drei Dosen kosteten 5€ und bis kurz vor 3 Uhr genossen wir noch Erzeugnisse wie ”Aurum” und “Steinburg Clásica”. Der mangelhafte Geschmack ließ eine hohe Gewinnspanne für die Helmuts vermuten. Aber nach mittlerweile 33 Stunden Alkoholkonsum, nur mal kurz vom Hinflug unterbrochen, existierten eh keine Ansprüche mehr. In jeglicher Hinsicht…

Das vorerst letztes Bier

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker nach nur sechs Stunden Schlaf. Denn beim Check-In hatten zumindest Berger und ich ausgeschlossen am ersten Abend noch alt zu werden und uns deshalb bei Karl um 9:30 Uhr zum Frühstück angekündigt (das war coronabedingt nur in festen Slots möglich). Immerhin konnten die schlimmsten körperlichen Konsequenzen des exzessiven Alkoholmißbrauchs noch kurz vor dem Schlafen abgemildert werden. Wir hatten beim fliegenden Helmut-Späti Wasser erworben und außerdem Elotrans und Ibu 600 konsumiert. Nichtsdestotrotz ging es uns allen ziemlich dreckig. Aber wir saßen tatsächlich wie vereinbart um 9:30 Uhr am Frühstückstisch. Als gäbe es dafür irgend eine beschissene Auszeichnung oder als wären wir so räudige Backpacker, die eine im Preis inbegriffene Dienstleistung natürlich nicht verfallen lassen können. Karl hatte kleine Aufbackbrötchen und -croissants mit Konfitüre, Aufschnitt und Schnittkäse serviert. Außerdem Wassermelone, Cornflakes und echt ekligen Erdbeerjoghurt mit 0% Erdbeeranteil (ihr kennt ja diesen Ramsch vom Discounter für 0,19€ oder so). Aber richtig geil waren wir eh nur auf Kaffee. Der brachte uns wenigstens etwas voran.

Der Club Nàutic Portitxol in Palma

Unterdessen machten wir mit ordentlich Restalkohol den Tagesplan. 12 Uhr Fußball bei Atlético Baleares, anschließend den Nachmittag in Palmas Altstadt verbringen und abends zum Zechen rüber nach Magaluf. Entsprechend stiegen wir kurz vor 11 Uhr in einen Bus nach Palma und verließen das Vehikel am Bootsclub in Portitxol, halbwegs in der Nähe des Stadions. Auf den nächsten Metern in der Mittagssonne merkten Kräftchen und Berger dann, dass sie gar keinen Bock auf Fußball haben. So langsam entwickelte sich wieder selbstständiges Denken bei ihnen und sie beschlossen sich lieber für zwei Stunden an den Strand zu legen. Ich bewaffnete mich dagegen noch mit einer Cola im Eroski Center (leider doch nur ein Supermarkt) und enterte um 12 Uhr das Estadio Balear.

Auf zum Estadio Balear

Natürlich war ich zu geizig für die schattige Haupttribüne (20€) und saß stattdessen hinter dem Tor (10€) in der prallen Mittagssonne. Ich war anscheinend ebenfalls noch nicht wieder im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Na ja, der krebsrote Sonnenbrand würde später in Magaluf zwischen all den Briten die perfekte Tarnung sein. Ich kann mir halt alles schön reden. So auch diesen Spielbesuch, bei dem immerhin viele Tore fielen und über 2.000 Zuschauer erschienen waren. Sogar ein kleiner Fanblock trällerte ab und an mal ein Lied. Von mir sind deutlich sinnlosere Spielbesuche dokumentiert.

Die schicke Haupttribüne

Es war nunmal auch Länderspielpause und 3.Liga das höchste der Fußballgefühle. Obendrein kratzen die balearischen Kicker letzte Saison am Aufstieg zur 2.Liga und Albacete war aus eben jenem Unterhaus just in die 3.Liga abgestiegen. Also zu Saisonbeginn gleich zwei Aufstiegskandidaten im direkten Duell. Albacete war mir außerdem ein Begriff. Der Club aus Kastillien-La Mancha verbrachte die Hälfte der 1990er Jahre und die Saisons 2003/04 und 2004/05 in der erstklassigen Primera División. Vielleicht daher dem ein oder anderen ü30-Leser aus Managerspielen oder von Sendungen wie „Laola“ im DSF oder „Eurogoals“ auf Eurosport ein Begriff. Außerdem lernten Andres Iniesta und Fernando Morientes bei Albacete Balompié das Kicken, während Keylor Navas hier seine ersten Schritte im europäischen Fußball machte.

Mein Platz an der Sonne

Der 1942 gegründete Club Deportivo Atlético Baleares kann als höchste sportliche Sphäre in der Clubgeschichte nur insgesamt vier Saisons in der 2.Liga vorweisen und die liegen schon einige Jahrzehnte zurück (zuletzt in der Saison 1962/63). Allerdings träumt der deutsche Clubbesitzer Ingo Volckmann seit einigen Jahren von der Rückkehr in die Segunda División und langfristig vielleicht sogar von der Primera División. Auf jeden Fall eine interessante Persönlichkeit, die ihr Geld unter anderem im Bereich Lüftungstechnik gemacht hat und sich nun im Fußball und im Boxsport engagiert. Sollte Atlético aufsteigen möchte er übrigens einen Spielerpass beantragen, damit er sich selbst bei FIFA an der Konsole spielen kann.

Dokumentation über Ingo Volckmann und seinen Fußballtraum auf Mallorca

Um Atlético auch infrastrukturell fit für die 2.Liga zu machen, wird das Estadio Balear aktuell modernisiert. Vom alten, aber sehr charmanten Betonklotz – mit dereinst 20.000 Plätzen Kapazität – ist nur noch die Haupttribüne stehen geblieben. Sie wurde allerdings einer Frischzellenkur unterzogen, während hinter den Toren zwei provisorische Stahlrohrtribünen entstanden. Die Gegengerade ist noch ohne neuen Ausbau, so dass gegenwärtig nur ca. 4.500 Zuschauerplätze vorhanden sind. Pandemiebedingt dürfen 50% der Plätze besetzt werden, so dass heute fast ausverkauft war. Der Club scheint auch durchaus beliebt in Palma. Mit der Tradition als Arbeiterclub steht man im Kontrast zum bürgerlichen und erfolgreicheren RCD Mallorca.

Atlético durfte heute viermal jubeln

Vor heimischem Publikum drückte die Atlético-Offensive von Beginn an und ging per Strafstoß in der 5.Minute in Führung (verwandelt von Dioni). Zwar konnte Albacete in der 12.Minute durch Jordi Sanchez ausgleichen, doch die balearischen Kicker blieben am Drücker und gingen in der 33.Minute erneut in Führung (Kopfballballtor von Olaortua nach Eckstoß). Kurz vor der Pause erhöhte Dioni sogar noch auf 3:1 (42.Minute). Außerdem war der 31jährige Mittelstürmer in der 51.Minute wieder zur Stelle und besorgte das 4:1. Die Vorentscheidung, womit die Mallorquiner das Spiel die restlichen ca. 40 Minuten nur noch verwalten mussten.

Fangraffiti im Stadionumfeld

Entsprechend machte ich auch schon vorzeitig den Abflug und brach damit hoffentlich wieder mal die Groundhoppinggesetze. Aber mittlerweile drohte mir neben dem Sonnenbrand auch ein Sonnenstich und obendrein meldeten Berger und Kräftchen in unserer Threema-Gruppe Badespaß mit frisch erworbenen Luftmatratzen. Also bestieg ich den nächstbesten Bus nach Arenal und gesellte mich dazu. Der geplante Touri-Nachmittag in Palma war natürlich gestorben, aber wir waren immerhin wieder so weit regeneriert, dass wir gegen 15:30 Uhr erneut ins Glasbiergeschäft einstiegen. Das ”Restaurante 1955” an der Strandpromenade servierte eiskalte San Miguel und dabei entwickelten wir den Plan mit dem Mietwagen nach Magaluf zu fahren. Der ganz große Suff würde es mutmaßlich heute nicht nochmal werden. Da kann auch einer fahren und wir sparen uns Bus oder Taxi.

Zurück im Glasbiergeschäft

Gegen 17 Uhr schlugen wir schließlich an dem Ort auf, der noch berüchtigter als Arenal bzw. das Umfeld des ”Ballermann 6” ist. Magaluf ist ein einziger Sündenpfuhl, an dem die rotzevolle Zukunft des Vereinigten Königreichs die Nachtleben von Cardiff, Newcastle, Blackpool, Glasgow & Co an einem sonnigen Badeort komprimiert. Jedenfalls in der Hauptsaison und vor Corona. Doch kaum am Strand angekommen, folgte die große Ernüchterung. Hier war heute die Bulldogge begraben. Kaum ein Mensch im Sand oder Wasser, geschweige denn an einer der Theken der zahlreichen Strandbars. Dabei sollte um 18 Uhr sogar England gegen Andorra kicken. Wir hatten uns schon proppevolle Pubs ausgemalt, wo wir in bierseliger Stimmung als Nazis und ”Fucking German Wankers” beschimpft werden und letztlich alle einen Turban von mallorquinischen Rettungssanitäterinnen um den Schädel gewickelt bekommen.

Magaluf, die Copacabana des kleinen Mannes

Stattdessen freute sich eine aus UK migrierte Kellnerin, bereits mit brauner Gürteltierhaut gesegnet, endlich mal wieder den Carling-Hahn bedienen zu dürfen. Aus Sicherheitsgründen allerdings nur im Plastikbecher. Tja, wir genossen nun die Abendsonne und wunderten uns auch schon gar nicht mehr, dass hier nur zwei Helmuts für den ganzen Strandabschnitt zuständig waren. Dafür gab es noch ein paar Helmutinnen (hoffentlich korrekt gegendert), die gegen kleines Entgelt bei Kunden beider Geschlechter ”Cornrows” frisierten. Ich bot meinen Mitreisenden nun viel Geld, aber keiner von beiden war bereit auf seinem Kopf mal neue Wege zu gehen.

Burger im Blackbeards

Gegen 18 Uhr gab es weiteres Bier (Estrella) und dazu als Abendessen Burger in ”Blackbeards Beach Bar”. Hier war noch am meisten los und die Burger mundeten sehr. Ich gönnte mir einen mit Chili con Carne, begleitet von würzigen Fritten, knackigem Coleslaw und gegrilltem Maiskolben. Obwohl es die erste richtige Mahlzeit des Tages war, hatte ich mit der Portion etwas zu kämpfen. Aber der Körper war dankbar nicht nur via Bier mit den notwendigen Kalorien versorgt zu werden und erst als auch das letzte Maiskorn abgenagt war, ließ ich den Teller abräumen.

Wenigstens haben wir noch den Yeti gesehen

Anschließend machten wir noch einen Bummel durch die berüchtigte Feiermeile “Punta Ballena”, aber auch die war gegen 20 Uhr nahezu menschenleer. Die Werber und Werberinnen der Pubs bettelten regelrecht, dass wir ihnen folgen. Fehlte nur noch, dass sie sich an unsere Beine klammerten. Aber hier irgendwo alleine an der Bar zu sitzen, reizte nicht wirklich. Man konnte als UK-Nightlife-erprobter Mensch allerdings erahnen, was hier vor der Pandemie in der Hauptsaison los gewesen sein dürfte. Vielleicht hat auch schon mal der ein oder andere Leser aus Versehen eines der schockierenden Videos aus Magaluf gesehen. Wo britische Touristinnen ihre Brüste in jede Kamera halten oder sich für einen Cocktail zu Oralsex überreden lassen. Heute hätte man dagegen das Familiensiegel des balearischen Tourismusverbandes verleihen können.

Die Kathedrale in der Blauen Stunde

Also nichts wie weg und ab zur Kathedrale von Palma. Wir wollten uns das Wahrzeichen der Inselhauptstadt mal zur Blauen Stunde anschauen. War in der Tat ein sehr schöner Anblick und am Bassin unterhalb des sakrakalen Höhepunkts der Insel spielte so ein Rodrigo auf seiner Klampfe diverse Lieder mit viel Weltschmerz. Wir spazierten auch nochmal durch die Altstadtgassen um die Kathedrale, ehe es zurück nach Arenal ging und wir gegen 22 Uhr allesamt im Bett lagen.

Wolfsmilchschwärmer im Raupenstadium

Das frühe und nüchterne Ende des Sonntags ermöglichte uns am Montagmorgen ein Aufstehen um 7 Uhr. Die Akkus waren nun so weit aufgeladen, dass wir den Urlaubsordungspunkt Wandern angehen wollten. Das hatte temperaturbedingt natürlich nur vor der Mittagshitze Sinn. Also war um 7:30 Uhr Abfahrt und circa eine Stunde später erreichten wir das Bergdorf Orient in der Serra de Tramuntana. Wir stellten das Fahrzeug auf dem 498 Metern hohen Pass Coll d’Orient ab und begannen unsere Wanderung in den umliegenden Olivenhainen. Mit Eseln, Ziegen, Pfauen und diversen Kleintieren teilten wir uns das Areal, ehe es stetig und steinig bergauf ging.

Hoch hinaus in der Serra de Tramuntana

Ziel war der 825 Meter hohe Puig d’Alaró mit der Ruine des Castell d’Alaró auf seinem Gipfel. Die rund 300 Höhenmeter auf circa 3.000 Metern Wegstrecke waren für trainierte Wandersmänner natürlich keine große Herausforderung. Aber der Schweiß lief trotzdem wie ein Torrent (bei fast 30° C am Vormittag) und Trittsicherheit war auch ein Muss. Dafür bot schon allein der Weg hinauf tolle Panoramen. Die bis zu 1.445 Meter hohe Serra de Tramuntana ist wirklich ein sehr schönes Gebirge und als Kulturlandschaft seit 2011 im Welterbe der UNESCO eingetragen.

Castell d’Alaró

Oben auf dem Gipfel des Puig d’Alaró wird der Ausblick natürlich noch traumhafter und auch die Ruinen der Burg versprühen einen besonderen Charme. Bereits im frühen 10.Jahrhundert war hier eine mächtige Festung, die acht Jahre und sechs Monate lang den islamischen Eroberern trotzen konnte. Ausgrabungen deuten sogar darauf hin, dass der Berg bereits in der Bronzezeit besiedelt und befestigt war. Als Jakob I. von Aragón im 13.Jahrhundert die Mauren von Mallorca vertrieb, war wiederum das Castell d’Alaró die letzte Bastion der bisherigen islamischen Herren der Insel.

Gipfelstürmer

Im Spätmittelalter verlor die Burg an militärischer Bedeutung und diente im 16.Jahrhundert als Quarantänelager für Pestkranke. Außerdem ist sie seit Jahrhunderten ein beliebter Wallfahrtsort, da hier in der Kapelle Nostra Senyora del Refugi die Gebeine der mallorquinischen Märtyrer Cabrit und Bassa aufbewahrt werden. Diese leisteten 1285 als Festungskommandanten erbitterten Widerstand gegen Alfons III. von Aragón, der das Königreich Mallorca endgültig der Krone Aragóns einverleiben wollte und letztendlich auch erfolgreich war. Was wiederum dazu führte, dass Cabrit und Bassa am Spieß auf Holzkohle gegrillt wurden. Es waren barbarische Zeiten…

Ausblick fast über die ganze Insel

Wir wagten gegen 10 Uhr wieder den Abstieg und die glühende Sonne sprach gegen jeden Versuch diese Wanderung noch auszubauen. Also ging es auf kürzestem Wege zurück zum Auto und mit selbigem weiter nach Alcúdia, einem wunderbaren Badeort im Norden der Insel. In der Bucht von Alcúdia erwarten den Urlauber immerhin 10 km Sandstrand. Dazu erfolgt der Einstieg ins Meer ganz sanft über feinen Sand und das Wasser wird gleichmäßig tiefer, so dass man auch nach 50 Metern noch stehen kann. Doch bevor wir diesen mit der Blauen Flagge ausgezeichneten Premiumstrand genossen, musste zunächst ein Mittagessen in den Magen.

Der Badestrand von Alcúdia

Dazu ließen wir uns auf der Terrasse des Strandlokals „Mirablau“ bewirten. Es gab eine Flasche Rosé und eine Flasche Mineralwasser. Ferner als Entré gebackene Schinkenkroketten und Brot mit Butter und Oliven. Als Hauptgang hatte ich das Pilzrisotto, dessen Portion überraschend groß war, aber welches mich geschmacklich nicht so wirklich abholte. Kräftchen genoss unterdessen eine Käse-Schinken-Platte und Berger eine Schinkenpizza. Höchstnoten wollte keiner vergeben, aber es war okay.

Risotto in Alcúdia

Dann wurde sich am Auto umgezogen und die Luftmatratzen unter die Arme geklemmt. Wertsachen wollten wir keine mitnehmen und stattdessen im Kofferraum lassen. Nur der Autoschlüssel musste natürlich mit ins Wasser. Aber dafür hatten wir einen „Lifehack“. 0,5 l Flasche Eistee gekauft, ausgetrunken, ausgeschüttelt und darin den Schlüssel nahezu wasserdicht platziert. Zumal die Luftmatratzen Öffnungen für Dosen bzw. kleine Flaschen hatten. Entprechend noch Getränke gekauft und circa drei Stunden im und auf dem Wasser gechillt. Genau das Richtige nach den Anstrengungen des Vormittages.

Ausblick vom Mirador Es Colomer

Gegen 16 Uhr brachen wir dann wieder auf. Weil wir eh schon im Norden der Insel waren, konnten wir auch gleich noch das Cap Formentor mitnehmen. Seines Zeichens der nördliche Ausläufer der Serra de Tramuntana. Ganz bis ans Kap und damit an Mallorcas nördlichsten Punkt scheuchten wir unseren Kraftfahrer nicht, aber bis zum bekannten Aussichtspunkt Mirador Es Colomer musste er den Fiesta die Serpentinen hochpeitschen. Doch auch diese Mühe hatte sich gelohnt. Toller Ausblick auf’s Meer und die schroffen Felsen der mallorquinischen Nordküste. Sicherlich einer der beliebtesten Fotospots der Insel.

Frituur Mix

Als wir alle unsere Erinnerungsfotos im Kasten hatten, war 17 Uhr durch und so langsam stieg die Lust auf Bier. Also auf dem schnellsten Weg zurück nach Arenal und in Andis „Sansibar“ den ersten Halben des Abends genossen. Weitere Biere folgten im „Hoek van Holland“, wo wir auch wieder auf Henk und seine Bande trafen. Zum Abendessen gönnte ich mir heute den großen Frituur-Mix mit Frikandel, Bitterballen, Kaassouffle, Bamihapjes und Kipcorn (alles im handlichen Miniformat), während Berger wieder Kipcorn-Cola orderte und Kräftchen sich mit Fritten und Saus speciaal begnügte.

Wir saßen passenderweise unter den 96-Schals im Bamboleo

So ungefähr 21:30 Uhr enterten wir dann erneut das „Bamboleo“. Da nur ein 5er-Tisch frei war, bat man uns im Zweifelsfall noch zwei Personen aufzunehmen. Der Türsteher versicherte uns, dass es sich selbstverständlich um zwei hübsche Frauen handeln wird. Aber natürlich wurden es doch zwei Kerle. Die kamen aus dem Siegerland und hatten vier Tage AI im nahen „Riu San Francisco“ für 600€ p. P. gebucht, aber alkoholische Getränke, sogar Bier, waren nicht inkludiert. Mehr als zwei kleine Pils verdrückten die beiden AI-Bändchenträger allerdings auch im „Bamboleo“ nicht und waren somit schnell wieder verschwunden.

Mitternachtssnack

Da die Platzsituation sich entspannt hatte, konnten wir nun bis zur Sperrstunde allein weiterkacheln. Heute war natürlich insgesamt etwas weniger los, als in der Nacht von Samstag auf Sonntag. An den Strand zog es uns auch nicht mehr und stattdessen gab es noch Döner oder XXL-Bratwurst auf die Faust. Geschmacklich natürlich wieder keine Offenbarung, aber warum sollten Suffsnacks auf einer Partymeile auch besonders lecker oder hochwertig sein? Das wäre doch Perlen vor die Säue. Auch wir stopften uns die Kalorien anspruchslos rein und Berger machte sogar den Doppler Döner und Currywurst. Ne verdammte Maschine!

Start in den Tag mit Rührei

Dienstagmorgen ging es uns allen ziemlich gut. Nach dem Frühstück bei Andi wollten wir erstmal eine Runde im Mittelmeer planschen. Allerdings wehten an der Platja de Palma rote Flaggen. Kurz bei der balearischen Baywatch-Truppe nachgefragt und zur Antwort erhalten, dass die Fäkaliengrenzwerte überschritten wurden. Hatte Karl etwa seinen Schwedentrunk direkt vor der Haustür entsorgt? Aber nein, es ist ein altbekanntes Problem auf Mallorca. Nach heftigen Regenfällen, die es wohl kurz vor unserer Anreise gab, laufen immer wieder die Kläranlagen über und ungeklärtes Abwasser gelangt ins Meer. Sobald bei den obligatorischen Wasserproben der Grenzwert gerissen wird, gilt in den betroffenen Strandabschnitten Badeverbot, bis wieder alles im gesundheitlich unbedenklichen Bereich ist.

Schroffe Kaps an Mallorcas Südostküste

Nun suchte uns Berger eine nette Badebucht an der Ostküste heraus und Kräftchen schlüpfte gegen 11 Uhr abermals in die Rolle des Chauffeurs. Caló des Moro, die kleine Maurenbucht, wurde ins Navi getippt und mit Rapmusik cruisten wir ca. 45 Minuten über die Insel. Im Küstenörtchen Cala Llombards fanden wir schließlich den offiziellen und gut ausgelasteten Parkplatz für Besucher der Caló des Moro. Scheint alles andere als ein Geheimtipp zu sein und sicher aus gutem Grund dürfen nur Anwohner das Wohngebiet an der Bucht befahren. Touristen müssen stattdessen circa 1,5 km Fußweg in Kauf nehmen, ehe es eine sehr steile Treppe mit 120 Stufen zur Bucht hinunter geht. Respektive zu den Buchten.

Der westliche Abschnitt der Bucht Cala s’Almunia

Am Fuße der Treppe öffnete sich nämlich bereits die sehr schöne Bucht Cala s’Almunia, während man zur Caló des Moro noch einen Ziegenpfad durch’s Gestrüpp nehmen muss. Wir beschlossen gleich in der Cala s’Almunia ins türkisblaue Wasser zu springen. Wobei ich zunächst einmal auf den Felsen rumturnte und diverse Fotos knipste. Einfach ein schönes Fleckchen Erde, welches aus jeder Perspektive höchst fotogen war. Die Bucht wird von zwei felsigen Kaps eingefasst und an ihrer Ostseite stehen ein paar Fischerhäuser mit dazugehörigen Bootsschuppen. Dort kann man auf einem kleinen Strandstück mühelos ins Wasser steigen. Ebenso auf der Westseite, wo bei ausreichend Niederschlägen ein Torrent (Sturzbach) ins Meer mündet. Aktuell war die Mündung aber einfach nur versandet.

Die Luftmatratzen sind fast so aufgepumpt wie ihre Nutzer

Der Umstand, dass ich diverse Wertsachen wie den Autoschlüssel und mein Smartphone dabei hatte, ließ uns nun nacheinander baden. Ich glaubte zwar an die Ehrlichkeit der anderen Badegäste, andererseits konnten sich etliche Frauen offenbar nicht mal ein Bikini-Oberteil leisten. Vielleicht war doch Vorsicht geboten? Abwechselnd auf den Felsen in der Sonne brutzeln und im Meer schwimmen war aber top. Zumal hier auch ein bißchen Strömung war und stundenlanges Baden noch in sportliche Betätigung ausgeartet wäre.

Mallorcas Ostküste bei Cala Llombards

Wir taperten nach 2,5 Stunden Bade- und Brutzelspaß zurück zum Auto und nun war der Hunger groß. Meine beiden Mitreisenden hatten beim Dösen in der Sonne Appetit auf Spaghetti Bolognese entwickelt und ihre Begeisterung für den Pastaklassiker war ansteckend. Mal kurz gegoogelt, ob ein italienisches Restaurant in Reichweite war. Fehlanzeige. Aber ein nahes Restaurant hatte „Mediterrane Küche“ im Eintrag stehen und Spaghetti Bolognese war auf der online abrufbaren Speisekarte zu finden. Also ins nahe Cala Satanyi gebraust und einen Tisch vor der „Pambolieria Es Pontàs“ besetzt.

Gang Nr. 1

Weil das Lokal einen guten Eindruck machte, gönnten wir uns als Vorspeisen zunächst einmal Pimientos de Padrón (Paprikaschoten in Olivenöl geröstet und mit Meersalz bestreut), Patatas Bravas (Kartoffelecken mit würziger Tomatencreme) und Oliven, Aioli und Brot. Alles war sehr lecker und wurde brüderlich geteilt, ehe dreimal Spaghetti Bolognese auf den Tisch kamen. Neben Hackfleisch hafteten auch Pinienkerne, Kirschtomaten und Rucola an der Pasta. Etwas entfernt vom Originalrezept, aber sehr schmackhaft. Dazu waren Sangria und hausgemachte Limonade erfrischende Begleiter.

Gang Nr. 2

Nach dem späten Mittagessen realisierten wir, dass die „Pambolieria Es Pontàs“ nach einer nahen Sehenswürdigkeit benannt ist. Nur 300 Meter entfernt gibt es einen schönen Aussichtspunkt auf das der Küstenlinie vorgelagerte Felsentor Es Pontàs. Ferner hat Cala Santanyi auch eine schöne Badebucht, in welcher durch angrenzende Hotels und Ferienwohnanlagen allerdings viel Betrieb herrschte. Auch hatten wir heute schon genügend Strandzeit gehabt, so dass nur noch kurz eiskalte Cola im Minimarkt gekauft wurde, bevor es wieder gen Arenal ging. Die Fahrzeit reichte übrigens exakt für das Album „Nordachse 2“ von Shacke One und MC Bomber. Just nach dem Outro stand der Fiesta wieder in der Nähe unseres Hotels.

Das Felsentor Es Pontàs

Wir machten uns kurz frisch und dann ging es gegen 18 Uhr wieder auf die Piste. Heute hatten wir uns die so genannte Bierstraße am „Ballermann 7“ für das abendliche Trinkvergnügen ausgeguckt. Dort war um 18:30 Uhr allerdings noch tote Hose. Wir ließen uns auf zwei Runden Bier im „Deutschen Eck“ nieder. Tendenziell freie Platzwahl, aber ab 20 Uhr war fast jeder Tisch reserviert. Die Bedienung prognostizierte dann auch, dass es sicher noch gut voll werden wird und wir später höchstens einen Tisch drinnen bekommen würden. Lassen wir uns überraschen.

Romantik pur

Als alte Romantiker genossen wir zwischen 19:30 Uhr und 20:30 Uhr erst einmal mit Dosenbier den Sonnenuntergang am Strand. Dann ging es wieder zurück in die Bierstraße und tatsächlich pulsierte hier bereits wie auf Knopfdruck das Leben. So gut wie jedes Lokal hatte volle Auslastung. Der Köbes im „Et Dömsche“ offerierte uns allerdings bei einem sichtlich angezechten ü60-Kölner mit am Tisch sitzen zu können. Der wäre fertig und würde eh gleich gehen… Gut, letztlich blieb er noch länger als wir, schlief jedoch auch die meiste Zeit. Nur gelegentlich gingen die Augen auf und er prostete uns mit seiner Stange Kölsch wortlos zu.

Currywurst im Et Dömsche

Wir ließen uns ebenfalls drei Stangen Reißdorf Kölsch servieren und studierten die Speisekarte. Zumindest für Currywurst mit Pommes frites war wieder Platz im Magen. Nach dem Essen folgten noch diverse Runden der milden Kölner „Bierspezialität“, ehe wir die Idee hatten nochmal weiterzuziehen. Mittlerweile tanzten „Best Ager“ Discofox auf der Straße und man ließ uns nirgendwo mehr rein. Zum Glück sprach uns irgendwann ein Typ auf der Straße an und meinte auf der Terrasse vom „Büdche“ hat er noch drei Plätze. Wir folgten und er nahm drei blonden Muttis, die zu dritt an zwei zusammengeschobenen Tischen saßen, einen Tisch und drei Stühle weg.

Sie organisieren ihr Zusammenleben mit nur elf althergebrachten Gesetzen

Wir saßen nun wirklich in der letzten Ecke, aber dafür hatten wir die feiernden Boomer aus Köln und Umgebung bestens im Blick und die Kölsch-Versorgung vom hiesigen Köbes klappte auch einwandfrei. Man muss noch erwähnen, dass alle Lokale und Biergärten in dieser Straße vom selben DJ beschallt wurden und dieser adressatengerecht Schlager und kölsche Stimmungshits auflegte. Die ganze Bierstraße war eine Kölner Kolonie am Ballermann und hier war – zumindest aktuell – tatsächlich noch mehr los als in der so genannten „Schinkenstraße“. Zwar herrschte natürlich ebenfalls das pandemiebedingte Sitzgebot, aber zum Tanzen ging es eben einfach temporär auf die Straße.

Stammesrituale der Rheinländer

Auch waren die Rheinländer hervorragende Kunden für die Helmuts. Mit vermeintlich afrikanischen Gewändern, blinkenden Haarreifen und albernen Kopfbedeckungen trafen die umsatzsteuerbefreiten Einzelunternehmer aus Westafrika beim karnevalsliebenden Völkchen aus Westdeutschland natürlich einen Nerv. Wir blieben dagegen nordisch kühl und sahen uns mehr in der Rolle von ethnologischen Beobachtern. Diese Rheinländer haben schon eine exotische und faszinierende Kultur. Musik, Tanz und Körperkontakt stehen bei ihnen hoch im Kurs. Sprachlich versteht man außerdem immer wieder einzelne Lehnwörter aus dem Deutschen. Dieses Kölsch scheint also eine Pidgin-Sprache zu sein.

Mitternachtsdöner

Gegen Mitternacht erhofften wir uns keine neuen Erkenntnisse mehr und gönnten uns lieber Döner bei „Gran Joy“ neben dem weiterhin geschlossenen „Mega-Park“. Eine Öfffnung als Biergarten mit ca. 200 Sitzplätzen wäre wohl aktuell möglich, scheint sich aber für den Betreiber der Kultdiskothek nicht zu rechnen. So bleibt man wie fast alle Diskos und Clubs der Insel vorerst geschlossen und geht nicht übergangsweise den Biergarten- bzw. Kneipenweg wie der „Bierkönig“. Mal sehen ob im kommenden Sommer wieder alles wie früher ist und ob der Atem diverser Gastronomen lang genug ist.

Sandwich Diablo

Am letzten Tag der Reise ging es abermals zu Andi frühstücken. Ich gönnte mir das Sandwich Diablo mit Hacksteak, Guacamole und Chilisauce. Da das Wasser an der Platja de Palma heute wieder zum Baden freigegeben war, wollten Berger und Kräftchen nochmal einen halben Tag planschen. Ich sah jedoch meinen Kultur- und Bildungsauftrag gefährdet, wenn ich nicht noch die Kathedrale und Altstadt von Palma erkunde. Also trennten sich unsere Wege nach der ersten Mahlzeit des Tages und ich bestieg den nächstbesten Bus nach Palma.

La Seu von Süden

Gegen 8€ Gebühr gab es dort eine Zugangsberechtigung für die Kathedrale der Heiligen Maria, die im Volksmund eigentlich nur La Seu (dt.: der Bischofssitz) genannt wird. Für ein höheres Entgelt hätte es noch einen Audio-Guide oder Zutritt zur Dachterrasse des Gotteshauses gegeben. Aber wir wollen ja nicht gleich übertreiben. Stattdessen reichten mir die Infotafeln an den Exponaten aus, um die wesentlichen Informationen zum Bauwerk und seinem Interieur zu bekommen.

Hauptschiff der Kathedrale

Nachdem Jakob I. von Aragón die Insel von den Mauren befreit hatte (der Kollege, dem wir quasi schon im Castell d’Alaró historisch über’n Weg gelaufen sind), mussten natürlich wieder Gotteshäuser her. Aus Moscheen wurden Kirchen und 1230 erfolgte die Grundsteinlegung der Kathedrale von Palma. Gemäß der Epoche handelt es sich um einen gotischen Grundentwurf. Doch über die Jahrhunderte kamen durch Um- und Ausbau viele weitere Architekturstile hinzu. Die für Kirchen aus Spanien und Lateinamerika so typischen plateresken Stilelemente aus dem 16. und frühen 17.Jahrhundert sind an einigen Portalen zu finden. Ebenso existieren mehrere Barockaltare aus dem 18.Jahrhundert in den Seitenkapellen.

Das von Gaudi gestaltete Presbyterium

In jüngerer Vergangenheit (frühes 20.Jahrhundert) gestaltete außerdem der berühmte katalanische Jugendstilarchitekt Antoni Gaudi den Altarraum neu und von 2001 bis 2007 brachte der mallorquinische Künstler Miquel Barceló zeitgenössische Kunst in der Kapelle des rechten Seitenschiffs ein. Seine Altargestaltung soll an die wundersame Vermehrung von Brot und Fisch im Neuen Testament erinnern. Doch am beeindruckendsten fand ich das nun schon Jahrhunderte alte Lichtkonzept im Hauptschiff. Über große Rosetten im Westen und Osten und 60 Fenster an der Nord- und Südfassade kommt das Sonnenlicht durch kunstvoll gestaltetes Buntglas in den Raum.

Miquel Barcelós künstlerischer Beitrag aus dem 21.Jahrhundert

Nach einer guten Stunde in der Kathedrale war es an der Zeit die Gassen der Altstadt zu erkunden. Auch definitiv keine Zeitverschwendung. Palma versprüht im Zentrum an nahezu jeder Ecke pitorresken Charme. Ich ließ mich einfach treiben und stieß auf vereinzelte Spuren aus römischer und maurischer Zeit. Die Römer hatten Mallorca 123 v. Chr. in Besitz genommen und die Stadt Palma gegründet. Als das Weströmische Reich im 5.Jahrhundert zerfiel, rangen die Vandalen und das Oströmische Reich (Byzanz) um die Mittelmeerinsel. Im 8.Jahrhundert wurde Mallorca weitgehend unabhängig von Byzanz und das Frankenreich avancierte zur Schutzmacht der Insel. Man konnte sich im 8. und 9.Jahrhundert mehrerer Eroberungsversuche der Araber erwehren, doch im frühen 10.Jahrhundert griff das Emirat von Córdoba erfolgreich nach den Balearischen Inseln. Die Araber und Mauren herrschten nun wie bereits erwähnt bis ins Jahr 1230 über Mallorca.

Unterwegs in den Altstadtgassen von Palma

Dann begann die bis heute währende christlich-spanische Hoheit über Mallorca. Das Königreich von Aragón hinterließ Palma mit der Kathedrale, der Seehandelsbörse (Llotja de Palma), dem Castell de Bellver und der Stadtbefestigung bis heute prägende Landmarken. Im Umfeld der Kathedrale legen die Altstadtgassen flächendeckend Zeitzeugnis vom Spätmittelalter und der frühen Neuzeit ab. Je man man sich nach Norden vorarbeitet, desto neuzeitlicher wird schließlich die Architektur. Man findet etliche Gebäude aus Jugendstil und Modernismus (spätes 19. und frühes 20.Jahrhundert).

Der Plaça Major

Am Rande des historischen Kerns wirkt Palma obendrein sehr geschäftig. Unterhalb des Plaça Major ist ein Einkaufszentrum zu finden und verlässt man den zentralen Altstadtplatz nach Westen in die Unterstadt, findet man am Fuße der Treppen die Allee La Rambla, welche optisch sehr an das Vorbild in Barcelona erinnert. Mich zog es jedoch nach Süden, wo man die Prachtstraße Paseig des Born passiert. Hier befinden sich diverse Boutiquen für Shoppingfreunde mit gut gefülltem Portemonnaie. Mein Budget reichte aber gerade noch für eine eiskalte Cola, ehe ich um 14 Uhr wieder einen Bus nach Arenal bestieg.

Modernisme am Plaça del Mercat

Dort wurde ich Zeuge wie Berger und Kräftchen ein letztes Stück Pizza bei Andi verputzten. Nun holten wir die zwischengelagerten Sachen aus dem „Hostal Tierramar“ und fuhren gen Flughafen. Da Kräftchen allerdings vier Stunden vor Berger und mir nach Düsseldorf abheben sollte, ließen wir uns von ihm in Can Pastilla rauswerfen. Hier, in unmittelbarer Flughafennähe, befindet sich der westlichste der insgesamt 15 Balnearios an der Platja de Palma und auch am „Ballermann 15“ schmeckte das San Miguel. Berger und ich gönnten uns davon ein paar Halbe in der „Cafeteria Playa“ und gegen 17:30 Uhr suchten wir noch einen Burgerimbiss auf.

Biergenuss in Can Pastilla

Bei „Tomy Burguer“ wurde mit einem Menü bestehend aus Burger, Fritten, Spiegelei und kleinem Bier die nötige Kraft für den Spaziergang zum Terminal getankt. Wir hatten nämlich irgendwie keine Lust auf Bus oder Taxi und gingen die 2,5 km zu Fuß. Ist nicht unbedingt gängige Praxis, aber ein Schleichweg führt von Can Pastilla zu einer Fußgängerbrücke über die Autobahn. Auf der anderen Seite schlendert man dann über die Parkplätze der Autovermietungen zum Terminalgebäude. Gegen 18:30 Uhr waren wir schließlich an der Sicherheitskontrolle, wo kaum Betrieb herrschte. Ergo waren wir über eine Stunde vor Abflug am Gate. Der Vogel hob pünktlich um 20:20 Uhr ab und vor dem hannoverschen Flughafen sammelte uns abermals Frau Berger ein. Muchas gracias!

Zum Abschluss nochmal einen Burger

Das waren fünf abwechslungsreiche Tage auf der Lieblingsinsel der Deutschen und ich bin jetzt auch ein bißchen Fan geworden (also von Mallorca, nicht von den Deutschen ;-)). In ein, zwei Jahren kann man das ruhig nochmal wiederholen und dann hoffentlich Arenal und Magaluf unter annähernd Prä-Pandemie-Bedingungen erleben. Hauptsache es gelingt trotzdem wieder ein guter Mix aus Kultur, Natur und alkoholischer Tortur. Denn diese Insel hat wirklich für jede Interessenlage einiges zu bieten.

Song of the Tour: Ja, mein Herz schlägt jetzt ein bißchen für den Ballermann