Bad Harzburg 07/2021

  • 16.07.2021
  • Goslarer SC 08 – MTV Wolfenbüttel II 1:3
  • Friendly (VII / VII)
  • Sportpark an der Rennbahn (Att: 120)

Am Abend des 16.Juli war irgendwie der Hund begraben. Nachdem ich, wie Freitagnachmittag üblich, nach Feierabend meine Eltern besucht und ihnen Nahrungsmittel abgerungen hatte, brauchte ich dringend eine Aufgabe. Nachher mache ich noch etwas im Haushalt oder gehe Joggen oder so’n Quatsch. Also mal die Spielpläne im Umkreis von 96 km geprüft und gesehen, dass in Bad Harzburg der “Harz Energie Cup” stattfindet. 20:30 Uhr sollten der Gastgeber TSG Bad Harzburg und die Tuspo aus Petershütte das letzte Gruppenspiel bestreiten. Da in der Nähe des Stadions auch noch eine einsame Stempelstelle der “Harzer Wandernadel” platziert war, machte ich Nägel mit Köpfen. Also Zugticket gebucht und ab in das Kurbad namens Harzburg.

Das Stempelbuch füllt sich langsam

18:07 Uhr sollte ich ankommen und hatte somit noch gute zwei Stunden für die benötigten 7,5 Wanderkilometer zwischen Bahnhof, Stempelstelle und Stadion. So gesehen optimal… Nur machte mir die Tuspo einen Strich durch die Rechnung. Bei meiner Vorabrecherche auf der Hinfahrt, die für ein Qualitätsmedium wie “Schneppe Tours” natürlich obligatorisch ist, erfuhr ich in den sozialen Medien, dass die Petershütter nicht antreten wollen bzw. können. Also blieb mir für die Mission “Ground” nur das andere Gruppenspiel um 18:30 Uhr, welches der MTV Wolfenbüttel II und der Goslarer SC 08 bestreiten sollten. Okay, wurde die Tour eben andersrum aufgezogen und es ging zunächst zur Spielstätte und erst im Anschluss zur Stempelstelle.

St.-Andreas-Kirche in Bündheim (17.Jahrhundert)

Um zum Sportpark an der Rennbahn zu gelangen, musste ich den Stadtteil Bündheim durchqueren. Dessen Schloss (siehe Titelbild) lag dabei unmittelbar auf meinem Weg. Wenn ich derlei Bauwerken begegne, verbietet meine Natur es mir bekanntermaßen diese einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Also musste kurz recherchiert werden… Da im 16.Jahrhundert die mittelalterliche Harzburg zusehends zerfiel, ließ Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel ein Schloss neben dem Bündheimer Gutshof errichten. Dieses sollte der neue Sitz seines herzöglichen Amtmannes werden. Zwar wurde das Bauwerk im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) zerstört, jedoch 1685 wiederaufgebaut. Es handelt es sich um einen schlichten, zweigeschossigen Renaissancebau mit achteckigem Treppenturm an der Südseite.

Bündheimer Schlossteich

1861 wurden Schloss und Gutshof zum Bündheimer Gestüt umgewidmet, was die Harzburger Tradition als Pferdezucht und -sportstadt begründete. So lief ich auch alsbald auf die Galopprennbahn zu, in deren Mitte sich die Sportplätze der TSG Bad Harzburg befinden. Da just 18:30 Uhr durch war, hörte ich auch schon den Anpfiff. Im Sinne einer vollumfänglichen Berichterstattung, lief ich nun nicht einmal um den Pudding zum Eingang, sondern nahm die verbotene Abkürzung über die Rennbahn. Wirklich abgezäunt war da nämlich nichts.

Rennbahnromantik

Als fairer Sportsmann suchte ich dennoch als erstes das Kassenhäuschen auf und entrichtete die fälligen 3€. Ich wurde zwar aufgrund meiner Ankunft aus der falschen Richtung komisch beäugt, aber mein Geld war dennoch willkommen. Die nächsten 3€ investierte ich nun in ein Alsterwasser am Bierwagen. Kulmbacher und irgend eine preiswerte Brause sind allerdings keine leckere Mischung, stellte ich fest. Dafür war die Sportstätte durchaus delikat.

Kleine Erfrischung

Der Platz ist zu weiten Teilen von Graswällen umschlossen und ein paar Sitzbänke stehen auch zur Verfügung. Dazu hat das Clubhaus einen schönen Rundum-Balkon in exponierter Lage und eine Terrasse mit Bierbänken nebendran. Obwohl nur ein Spiel geboten wurde und ausgerechnet jenes vom Gastgeber ausfiel, waren trotzdem deutlich über 100 Zuschauer anwesend. Dabei war das Publikum bunt gemischt. Von Jugendspielern, über Vereinsrentner bis zu Aperol-Spritz trinkenden Bullterrierhalterinnen war alles vertreten. Auch liefen dort ein paar junge Männer rum, die nach Fußballszene aussahen. Da es sich in dieser Region oft um Mitglieder von Fanszenen handelt, in denen man seine Verehrung für „Schneppe Tours“ nicht offen bekennen darf, musste ich natürlich keine spontane Autogrammstunde fürchten.

Sportpark an der Rennbahn

Ansonsten war noch das erweiterte Stadionumfeld schick. Zum einen die bewaldeten Harzhänge auf der Südseite und zum anderen die beiden Tribünen der Galopprennbahn auf der Nordseite. Als ich mir gerade ausmalte, wie ich irgendwann alle Pferderennbahnen der Welt abhoppe (aber natürlich erst nachdem ich alle Fußballstadien der Welt besucht habe), stellte ich fest, dass ich heute sogar passend gekleidet war. Auf meinem T-Shirt saß Thomas Shelby hoch zu Ross und philosophierte „Fast woman and slow horses will ruin your life“.

Harzpanorama

Da es hier heute jedoch weder leichte Mädchen, noch langsame Gäule gab, war meine Lebensqualität nicht in Gefahr. Im Gegenteil; das Fußballspiel war eigentlich recht unterhaltsam. Die zweite Garde vom MTV aus Wolfenbüttel (Bezirksliga) spielte einen ganz guten Ball, in Führung ging jedoch die Mannschaft aus Goslar (ebenfalls Bezirksliga) per Strafstoß (30.Minute, Dominik Bahlo). Mit 1:0 verabschiedeten sich die Teams auch in die Pause und der GSC durfte sich noch ein bißchen Hoffnung auf das Weiterkommen machen. Ich glaube die Tabellenkonstellation war so, dass ein Sieg mit zwei oder drei Toren Unterschied dafür nötig war.

Goslar geht in Führung

Für die Halbzeitbeschallung sorgte nun der Song “Albatros” von Karat. Cleverer Schachzug vom Stadion-DJ, da dieser DDR-Musikhit über acht Minuten lang ist. Da braucht man nur zwei Songs auflegen und hat trotzdem seine Schuldigkeit getan. Doch anstatt noch einen sieben- oder achtminütigen Song zu servieren, stellte der Musikmann sein Wirken vorzeitig ein. Ich wollte schon rufen: „Spiel den selben Song nochmal…“ Aber es herrschte fünf Minuten Stille, ehe der Unparteiische bereits um 19:28 Uhr wieder anpfiff.

Bester Platz am Spielfeldrand

Jetzt spielte die Musik wieder auf dem Platz und Wolfenbüttels Oliver Kühl besorgte in der 48.Spielminute den Ausgleich. Nur fünf Minuten später brachte Jakob Schöngart die Mannen aus der Jägermeisterstadt in Führung und das Publikum war entzückt. Was vermuten lässt, dass man in Harzburg dem Nachbarn aus Goslar nicht unbedingt gewogen ist. Von Goslar kam auch nichts mehr und Aleksandar Jovanovic erhöhte irgendwann noch auf 1:3. Spielminute habe ich mir tatsächlich nicht notiert, was die Zahlung eines Eintrittsgeldes im Nachhinein erst recht rechtfertigte. Denn mit guter journalistischer Arbeit hatte das nichts mehr zu tun.

Bachquerung am Waldrand

Der Schiedsrichter ließ nicht unnötig nachspielen und pfiff bereits um 20:13 Uhr ab. Ich realisierte, dass nun bei gutem Tempo auch schon der Zug um 21:48 Uhr realistisch war. Beim anvisierten Spiel um 20:30 Uhr wäre natürlich erst die Verbindung um 22:48 Uhr möglich gewesen. Hm, vielleicht doch eine glückliche Fügung, dass der zweite Kick abgesagt wurde?

Der Elfenstein

Auf jeden Fall war jetzt trödeln verboten, damit ich auch wirklich am Ende eine Stunde früher daheim sein würde. Ich steuerte also schnurstracks auf mein Lieblingsmittelgebirge zu. Ungefähr 2 km waren es bis zur Stempelstelle Elfenstein. Aber natürlich nur bergauf. Genauer gesagt musste ich noch 215 Höhenmeter überwinden, was bei schwülem Klima nicht ganz ohne Schweiß zu bewältigen war.

Ausblick vom Elfenstein

Natürlich hatte ich für so einen kleinen “Spaziergang” auch nicht extra Trekkingstöcke eingepackt. Aber mit meinen trainierten Wanderwaden kam ich fix den Berg hoch und konnte um 20:45 Uhr den Stempel mit der Nummer 120 ins Sammelheft drücken. Dann kraxelte ich noch auf den Elfenstein und genoss den Ausblick. Schade, dass dieser witterungsbedingt etwas bescheiden ausfiel. Aber man kann nicht immer alles haben.

Reh von nah

20:58 Uhr, also exakt 50 Minuten vor Abfahrt, hatte ich den Blick genug schweifen gelassen und machte mich an den Rückweg. 3,11 km sagte das “Wandernavi”. Na das wird in jedem Fall passen und ich konnte den Abstieg gemütlich angehen. Jetzt war es wirklich mehr ein Spaziergang und 20:40 Uhr erreichte ich Bad Harzburgs Bahnhof. Bis auf, dass nun der beschissene Automat am Bahnsteig meine 2€ schluckte, ohne dafür eine Cola rauszurücken (Kurwa!), war es ein gelungener Spontantrip. Für das Fußballspiel allein wäre ich sicher nicht gefahren und für lediglich den Stempel ebenfalls nicht. So war es aber eine runde Sache.

Abendstimmung in Bad Harzburg

Da am Restwochenende alles andere als der Hund begraben war und ich sogar auf mehreren Hochzeiten tanzen musste / durfte / konnte, kamen auch keine weiteren Wanderkilometer oder Fußballspiele hinzu und ich war echt froh, dass meine Sehnsucht nach Sportstätten und Stempelkästen bereits am Freitagabend befriedigt wurde. So gab es Sonntag nicht diesen Druck doch irgendwann vor die Tür zu gehen, obwohl man nach kurzen Nächten tagsüber im Bett doch eigentlich am besten aufgehoben ist.

Song of the Tour: Ja, was auch sonst?