Nationalpark Iguazú 09/2018

Nach unserem letzten Abend in São Paulo kamen wir am Montagmorgen ganz passabel aus dem Bett. So konnten wir zwei Stunden vor dem Abflug nach Foz do Iguaçu am Flughafen Congonhas einchecken und das Gepäck aufgeben. Für’s Frühstück musste McD herhalten und nach der Sicherheitskontrolle orientierten wir uns zum für unseren Flug ausgewiesenen Gate 4. Nur Milano Pete war verschollen (aufgrund seiner Krücken wurde er durch die Fast Lane geschleust). 20 Minuten vor Abflug fragten wir erst uns und schließlich auch ihn, wo er denn abgeblieben sei. Er sitze im Bus an Gate 14… Erster Gedanke: Dieser Idiot! Zweiter Gedanke: Was steht hier eigentlich auf dem Monitor und warum beginnt das Boarding noch nicht? „Belo Horizonte“ flimmerte als Destination auf dem Bildschirm. Hatte der Milanese also exklusiv den Gatewechsel mitbekommen. Dann mal die Beine in die Hand genommen und eine Etage tiefer zum Gate 14 gesprintet. Final Call! Der letzte Transferbus zum Flieger war gerade weggefahren und mit vier weiteren Spätzündern standen wir da nun wie bestellt und nicht abgeholt. Das Personal organisierte jedoch noch einen Kleinbus und die erste kollektive Katastrophe der Reise war gerade so abgewendet (Handyverluste sind Einzelschicksale, solange es nicht um mein Smartphone geht).

Recep Tayyip bist du es?

Im Flieger saßen nun eine Omi und ein Opi auf den Plätzen von Glatto und mir, aber nimmt man sich halt was Freies. Man will ja nicht 96 Sekunden vor Abflug noch einen dicken Mecki wegen seinen Sitzplätzen machen. Kaum angeschnallt hob der Vogel von LATAM auch schon ab (übrigens 65€ p.P. inklusive 23kg Aufgabegepäck, aber ohne Essen und Getränke) und die Skyline der Megacity São Paulo wurde aus luftiger Höhe genossen. Kleiner Trost dafür, dass es gestern nicht mit einer Rooftop-Bar in einem der Wolkenkratzer geklappt hatte.

Unterwegs mit LATAM

Nach 96 Minuten setzte der Pilot zum Landeanflug an und der Iguazú, der übrigens Grenzfluss zwischen Brasilien und Argentinien ist, sowie der ihn umrahmende Regenwald tauchten auf. Beim Blick aus unserem Fenster mäanderte der Fluss so vor sich hin, während auf der anderen Seite schon die Iguazúwasserfälle aus dem Flugzeug zu sehen waren. Danke Omi und Opi, dass ihr mir diesen Anblick genommen habt!

Der Iguazu-Fluss

Am kleinen Flughafen von Foz organisierte ich erstmal 75 US$ zu einem erwartbar schlechten Kurs. Aber die brauchten wir halt für unsere Unterkunft am nächsten Tag auf der argentinischen Seite. Die anderen sollten derweil den Transfer zum Hotel klären und ließen sich gleich für ein Komplettpaket (alle benötigten Transfers heute und morgen) à 150 Reais begeistern (ca. 30€). Low-Budget-Backpacker hätten das bestimmt für die Hälfte in Eigenregie organisiert bekommen und Groundhopper hätten wahrscheinlich nur ein Viertel bezahlt. Doch durch üppige Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, ticken wir ja etwas anders als vorgenannte Gruppierungen.

Lange nicht mehr in der Hand gehabt

Erster Bestandteil des gebuchten Pakets war der Transfer zum Hotel. Wir hatten das Ibis Budget erwählt und daher wieder 3er-Zimmer. Kein Problem für eine Nacht, gerade wenn es pro Person auch nur 11€ kostet. Weil wir bis zur Abholung zum Nationalpark noch eine Stunde Zeit hatten, wurde die große Shopping Mall neben dem Hotel zur Nahrungsaufnahme aufgesucht. Am riesigen „Food Court“ im Obergeschoss wurde jeder fündig und pünktlich stand der Kleinbus wieder parat.

Freiheit für alle Nasenbären

Knapp 15km war der Parkeingang von unserem Hotel entfernt und am Ziel musste jeder umgerechnet 13,12€ Eintrittsgeld abdrücken. Bürger der Mercosur-Staaten kriegen es vergünstigter (ca. 20% weniger), Brasilianer müssen noch weniger zahlen (in etwa die Hälfte). So richtige Gringos wie die US-Amerikaner oder die Europäer sollen allerdings ihrer Kaufkraft entsprechend etwas mehr auf den Tresen legen. Konnten wir mit leben, zumal der Wechselkurs zur Zeit sehr günstig ist und man vor gut einem Jahr noch ca. 20€ hätte blechen müssen.

Zu Beginn war noch ein wenig Blau am Himmel

Im Eintrittsgeld inklusive war natürlich auch der Bustransfer im Doppeldecker für die restlichen rund 9km zu den Wasserfällen. Wir stiegen schon vorzeitig aus, um noch am Fluss entlang mit tollen Panoramen die letzten 1.000 Meter zu Fuß zu absolvieren.

Der Himmel hat sich aber schlagartig zugezogen

Wie auf Knopfdruck zog sich jetzt der Himmel zu und es ergoß sich ein Wasserfall der anderen Art auf uns. Ich erinnerte mich daran, dass ich extra für die Tage hier eine dünne Regenjacke eingepackt hatte. Die lag nur leider im Hotel. Da lag sie gut… Immerhin waren wir alle unvorbereit und durften wie die letzten Louies in unseren Shorts, Shirts und teilweise Flip Flops unter den Bäumen Schutz suchen.

Voll süß oder?

Als der Regen ein wenig nachließ, kämpften wir uns ein paar Meter weiter vor. Das Vergnügen war zwar nur von kurzer Dauer, doch beim nächsten großen Wolkenbruch war zum Glück schon ein Unterstand in Sichtweite. Dort hatten bereits ein paar dutzend Touris Schutz gesucht und einige davon kamen auf die Spitzenidee, man könnte die Zwangspause gut für einen kleinen Snack nutzen. Das wurde ein Fest für die wahren Herrscher des Parks; die Nasenbären! Eine ganze Rotte stürzte sich auf das Buffet und kletterte auch einfach mal an den Leuten hoch, um die lange Nase in die Rucksäcke zu stecken. Weil es bei uns eh nichts zu holen gab, konnten wir das Spektakel vergnügt verfolgen.

Mal nach Argentinien rübergezoomt

Irgendwann sahen wir ein, dass das Wetter so schnell nicht besser werden würde und marschierten noch vor der Meute (hier meine ich jetzt die Touris) wieder los. Ein Vorteil hatte das wirklich beschissene Wetter: Man war an diesem Touri-Hotspot relativ einsam unterwegs. So kam uns auf dem Weg zur Hauptattraktion kaum jemand die Quere.

Neben dem Schlund

Am „Garganta del Diablo“ (dem Teufelsschlund) suchten wir erstmal Schutz innerhalb der mehretagigen Plattform. Hier wrangen wir nun unsere T-Shirts und Socken aus (da konntest du jetzt geschätzt einen Literpott mit füllen) und nur in Shorts bekleidet turnten wir ein halbes Stündchen links vom Schlund herum. Immer wieder sexuell belästigt von den gierigen Blicken der passierenden Touristinnen… (Einbildung ist ja auch ’ne Form von Bildung)

Mit Ponchos zurück auf der Siegerstrasse

El Glatto ließ dann eine Runde Regenponchos aus dem Souvenirshop für die ganze Bande springen. Nun waren wir gerüstet für die Plattform, die raus auf den Fluss führte. Weil es jetzt heftig stürmte, war der Abstecher vielleicht keine gute Idee. Aber na ja, wenn es auch nur einen Hauch von gefährlich wäre, hätten die Park Ranger die Plattform schon längst gesperrt. Wir sind hier schließlich immer noch in Deutschl… Äh, halt… Ach egal, die Brüstung ist mindestens 96cm hoch und wir wiegen alle so ungefähr 96kg (+/- x). Da kann schon nichts passieren.

Einsame Plattform

Dennoch, den zwei Mitreisenden, die den Weg zunächst nicht wagten, kann man wirklich keinen Vorwurf machen. Außer einem Verrückten, der ununterbrochen Videos von sich drehte (wir vermuteten, er war Osteuropäer) und einer Latina, die sich im Bikini von ihrem Freund ablichten ließ (hinter jeder erfolgreichen Instagram-Influencerin steht ein geduldiger Fotograf), waren keine anderen Menschen auf der Plattform.

Blick in den Schlund

Als starke Hagelschauer einsetzten, wurde es auch uns nach einer geschätzten Viertelstunde zu bunt und wir bewegten uns wieder zum Ufer zurück. Mit dem Fahrstuhl ging es nach oben, wo die anderen sich bereits seit geraumer Zeit im Restaurant aufhielten. Wir gönnten uns auch Kaffee oder Tee und überlegten, dass man ja eigentlich nochmal runter könnte. Nachdem die Heißgetränke ausgeschlürft waren, war das Wetter auch wieder etwas besser und die anderen konnten die verpasste Gelegenheit von vorhin egalisieren.

Ausblick von der oberen Terrasse

Der Schlund hatte natürlich nichts von seiner Faszination eingebüßt und jeder bekam nochmal sein persönliches Erinnerungsfoto. Dank einer Schulklasse und einigen anderen Touris war es nun aber recht voll auf der Plattform und wir blieben nur kurz. Insgesamt war der Menschenauflauf natürlich immer noch im Rahmen. An Wochenenden in der Hauptsaison herrscht hier bestimmt ein mieses Gedränge.

Dolph Schlundgren

Am Ende dachten wir eh, dass das katastrophale Wetter eigentlich supergeil war. Diese gigantischen Wassermassen krachen vor dir herunter, der Wind peitscht einem um die Ohren und Hagel zerschiesst deine Plastik-Kutte. Echte Naturgewalt und diese auch noch so gut wie exklusiv. Einfach unvergesslich… Um die geflügelten Worte eines befreundeten Philosophen namens Gulle wieder zu bemühen: Mother Nature ist die geilste!

Blick den unteren Flusslauf entlang

Entsprechend geflasht traten wir nun auch die Busfahrt zum Parkausgang an. Und wenn einem dann noch gegenwärtig wird, dass man am morgigen Tag ja wieder hier ist, nur halt auf der anderen Seite, wird das Lächeln natürlich Dauermieter im Gesicht. Da konnte sogar Lo den Ärger darüber überspielen, dass seine Digicam das Unwetter nicht überlebt hatte. Weil seine Kamerafunktion am Mobiltelefon auch seit geraumer Zeit defekt ist und Ole und Languste bekanntlich ihre Smartphones im Frühstadium des Trips verloren hatten, konnten mittlerweile nur noch drei von sechs Reisenden Fotos machen.

Plattformen mit Fahrstuhl

Zurück in Foz do Iguaçu (Rücktransfer zum Hotel im Kleinbus war natürlich auch in unserem Touri-Paket enthalten), wurde heiß geduscht und sich anschließend in trockene Klamotten geworfen. Für die komplett durchnässten Schuhe organisierten wir in der Mall gegenüber noch Prospekte zum Ausstopfen und dann konnten wir uns dem Abendessen widmen. Auch in Foz gab es ein paar Rodizio-Optionen und wir hatten wahrscheinlich unbewusst die billigste davon erwählt.

Rodizio als Tagesabschluss

Die „Churrascaria do Gaúcho“ war halt die erstbeste und verlangte nur 40 Reais (ca. 8€) für das Rodizio. Das Fleisch kam natürlich geschmacklich bei weitem nicht an das in São Paulo genossene ran, war jedoch ganz okay. Wir waren auch entsprechend wählerisch und haben nur bei den ansprechendsten Spießen zugeschlagen. Das warme und kalte Buffet war dagegen für die Tonne. Trockener Reis, kalte Nudeln, wenig frisch wirkender Salat und Touri-Kinder, die mit den Händen in den Pommes rumwühlten. Dafür war die mit Zimt marinierte Ananas vom Grill nochmal ein Highlight zum Abschluss.

Am Ende kam der Ananasmann

Am nächsten Morgen griff Teil 2 des gebuchten Touri-Pakets. Pünktlich um 8 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt und eine mexikanische Kleinfamilie (Vater, Mutter und Kind) und ein in Berlin praktizierender serbischer Chirurg teilten sich den Bus mit uns. Neben dem Fahrer saß vorne noch ein englisch- und spanischsprachiger Guide. Der regelte auch die Formalitäten beim Grenzübertritt. Wir gaben ihm die Pässe und sollten im Bus sitzen bleiben. Ein paar Minuten später kam er mit den Stempeln im Pass wieder. Schon merkwürdig, dass die Argentinier nicht mal die Nasen live sehen wollen, die sie einreisen lassen.

Kappenblauraben

Nach der Kontrolle ging es mit Karacho zum ungefähr 20km entfernten Nationalpark. 600 Pesos, also beim aktuellen Kurs auch wieder so ungefähr 13,12€, hatten wir pro Person für den Eintritt zu zahlen. Wie schon gestern mussten Einheimische oder Mercosur-Staatsangehörige natürlich weniger zahlen. Aber wie angedeutet, das finde ich nur fair.

Neuweltäffchen

Im argentinischen Nationalpark wurde nicht auf Doppeldeckerbusse, sondern auf eine kleine Eisenbahn à la Freizeitpark als Massenfortbewegungsmittel gesetzt. Der Guide schlug allerdings vor, dass wir zum nächsten Bahnhof lieber 10 Minuten zu Fuß gehen, anstatt hier, an der „Estación Central“, eine Viertelstunde auf die nächste Bahn zu warten. Fanden alle besser und los ging es über den so genannten grünen Pfad („Sendero Verde“) durch schlappe 600m Dschungelflora und -fauna.

Es un mono

Am Ende des Pfads wartete der gut besuchte Bahnhof „Estación Cataratas“ und der Guide besorgte Bahntickets für den Transfer zum „Garganta del Diablo“ (dem Teufelsschlund). Unsere Bahn fuhr allerdings erst in einer guten Stunde und darauf zu warten wäre natürlich sterbenslangweilig gewesen. Also spazierten wir jetzt erstmal den roten Pfad entlang, der immerhin 1.600m lang war und vom Cataratas-Bahnhof quasi ein Rundweg war.

Oben am Salto Bossetti

Hier gab es schon die ersten sehenswerten Wasserfälle im Dschungel wie den „Salto Chico“ (benannt nach Hannovers berühmtesten Kampfhund) und den Doppelwasserfall „Dos Hermanas“ (die zwei Schwestern). Darauf folgten die ersten Exemplare, die sich breit in den Iguazú-Fluss ergossen. „Salto Bossetti“ und „Salto Adam y Eva“ waren schon sehr beeindruckend. Es folgte der mehrere hundert Meter breite „Salto San Martin“ und ihm gegenüber lag die große Flussinsel „Isla San Martin“. Diese ist nur mit einem Boot zu erreichen und dürfte auch fantastische Perspektiven auf die Wasserfälle eröffnen.

Vorn: Adam y Eva, hinten: San Martin

Erfreulicherweise führte wenig später ein Steg raus auf den Fluss, so dass man nochmal den Blick oberhalb des „Salto San Martin“ schweifen lassen konnte. Nach diesem Abstecher wartete die zweite Hälfte des Rundwegs mit wasserfallloser und sumpfiger Dschungellandschaft auf uns.

Unterwegs über dem Salto San Martin

Nachdem wir alle wieder versammelt waren (es gab doch unterschiedliche Tempos), fuhr auch unsere gebuchte Bahn und wir mussten doch einige Kilometer bis zur „Estación Garganta“ darin zurücklegen. Bequem war es dank zu hoher Fettsackquote in unseren Reihen nicht unbedingt, aber das Ziel sollte für die Unannehmlichkeiten entschädigen.

Oberhalb des Teufelsschlunds

Es war nun noch ein 1.100m-Steg über den oberen „Rio Iguazú“ zu meistern und dann standen wir oberhalb des gestern von unten bewunderten „Garganta del Diablo“. Wahnsinn was hier für Wassermassen in die Tiefe ballerten. U-förmig ergiesst sich der 80 Meter hohe Wasserfall auf üppigen 700 Metern Breite (Gesamtausdehnung aller Wasserfälle übrigens 2,7km). Aktuell führte der Fluss auch relativ viel Wasser, was daran zu erkennen war, dass das Wasser recht bräunlich war. Viele Regenfälle führten zur Errosion der Böden und diese sorgten aufgrund ihres hohen Gehaltes an Eisenoxid für eine rostbraune Wasserfärbung. Ja, ich habe dem Guide gut zugehört.

Blick in den Schlund

Nach den obligatorischen Touri-Fotos, verharrten wir hier relativ lange. Die schiere Naturgewalt war wie schon gestern einfach fesselnd. Da störte der größere Menschenauflauf im Vergleich zum Vortag auch nur bedingt. War halt ein bißchen Gedränge und es dauerte, bis man zum Geländer durchgekommen war. Allerdings war heute laut unserem Guide wenig los. Ergo möchte ich auch hier nicht an einem Wochenende in der Hauptsaison auflaufen.

Blick hinüber nach Brasilien

Nach und nach spazierten wir wieder gemächlich zur Bahnstation und organisierten dort Tickets für den nächstbesten Zug zurück zur „Estación Cataratas“. 20 Minuten Wartezeit wurden mit Cola und Empanadas überbrückt und dann ging es wieder eng an eng auf Schienen durch den Regenwald.

Der Touristrom zum Schlund riss nicht ab

Unser Guide erwartete uns dort (er musste den Serben zwischenzeitlich zu dessen additiver Bootsfahrt bringen) und zeigte uns die Optionen für die Mittagspause. Es war auch tatsächlich schon 13:45 Uhr. Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn der Kopf mit lauter tollen Impressionen gefüttert wird.

A so called Schmetterling

Zum Essen wählten wir das Asado-Restaurant, wo ein Grillmeister diverses Fleisch für einen von der Glut holt und dazu kaltes und warmes Buffet bereitstehen. Kostete rund 12€ pro Person, was für so einen Touri-Spot sicher okay ist. Zumal es auch qualitativ besser war, als das Essen vom Vorabend.

Zur Abwechslung mal Fleisch

Dafür fiel kurz nach unserer Ankunft der Strom aus. Da es draußen mittlerweile auch ordentlich regnete und die Hütte lichtscheu konstruiert war, tappte man nun wortwörtlich im Dunkeln zum Grill und Buffet. Ohne Strom funktionierte des Weiteren das Kassensystem nicht mehr und wir durften aufsagen, was wir konsumiert hatten. Bei sechsmal Essen und jeweils nur einem Getränk, hatten wir allerdings so oder so nicht die Chance etwas zu prellen (okay, Groundhopper hätten natürlich vehement bestritten etwas getrunken zu haben).

Der Rio Iguazu

Nach 50minütiger Mittagspause stieß auch der Serbe wieder zu seiner deutsch-mexikanischen Gruppe und berichtete von einem tollen Erlebnis auf dem Wasser und hinter den Wasserfällen. Gemeinsam ging es nun noch den blauen Pfad entlang. Der hatte auf seinen 1.400 Metern auch einige Höhepunkte parat. Übrigens sollte man sich von Längenangaben nicht täuschen lassen, sondern pro Kilometer mit mindestens 30 Minuten Wegzeit kalkulieren.

Am Salto Alvar Nunez

Zunächst ging es am Fluss entlang und bald waren die Wasserfälle „Salto Lanusse“ und „Salto Alvar Núñez“ erreicht (Alvar Núñez war übrigens der spanische Seefahrer und Entdecker, der als erster Europäer die Iguazù-Wasserfälle zu Gesicht bekam). Es folgte wenig später eine Rechtskurve und plötzlich hatte man einen fantastischen Panoramaweg. Immer wieder mit tollen Ausblicken auf die Isla San Martin und die breiteste Wasserfallformation der „Cataratas del Iguazú“ mit dem „Salto San Martin“ und Co.

Reisegruppe Schneppe Tours

Der letzte Pfad war somit vielleicht auch der schönste und später passierte man noch den „Salto Chico“ und die „Dos Hermanas“ an ihrem unteren Ende. Als alle wieder am Ausgangspunkt des Rundwegs beisammen waren, ging zusammen zurück zum Ausgang. Jedoch nicht, ohne dass vorher noch Zeit für den Kauf von Souvenirs war. Nutzten zwar nur die Mexikaner, dafür jedoch sogleich eine halbe Stunde. Zum Glück gab es Wi-Fi vor dem Shop.

Wahnsinnsausblick vom letzten Pfad

Als die Mexis schwer bepackt, aber glücklich zurückkehrten, konnte das letzte Segment unseres Touri-Pakets in Anspruch genommen werden: Der Transfer zu unserer Unterkunft auf der argentinischen Seite. Ich muss sagen, im Nachhinein kann man kein Stück meckern. Für 30€ die drei Transfers gestern und die heutigen zwei Transfers, plus auch noch zehn Stunden lang einen Guide, der fließend Englisch sprach und wirklich Ahnung hatte.

Feuchtes Vergnügen unten am Salto Bossetti

Auf dem Rückweg vom Nationalpark nach Puerto Iguazú waren übrigens noch 50 Pesos Kurtaxe oder was auch immer an einer Art Mautstelle zu entrichten. Der Guide meinte zuvor, wenn ihr hier übernachtet braucht ihr nicht zahlen, weil das Hotel diese 50 Pesos dann erhebt. Der „Sheriff“ kannte aber unsere Unterkunft nicht und wollte trotz mitgeführter Buchungsbestätigung Kohle sehen. Hatten wir aber nicht. Fünf brasilianische Reais würde er auch akzeptieren oder einen US-Dollar. „Nein Sir, wir haben nur Kreditkarten“ entgegnete ich. „Ja, gut, dann braucht ihr doch nicht zahlen.“

Salto Chico von unten

Im „Barrio“ unserer Ferienwohnung fand der Fahrer dann zunächst das Haus nicht. „Egal, lass uns raus, wir finden das schon“, meinten wir. „Nein, gebt mir nochmal die Adresse, das muss hier doch irgendwo sein“, meinte der Guide. Also ihm das Smartphone in die Hand gedrückt und derweil hatte auch schon eine Frau von einem Grundstück gewunken. Hier waren wir wohl richtig. Dann mal rein in die gute Stube und versucht der Frau die vereinbarten 75 US$ zu geben. Wollte sie nicht haben. Sie sei nur die Haushälterin, die Eigentümerin käme später noch. Okay, das erklärte auch, warum das im Garten tollende Kind eine andere Hautfarbe hatte.

Mach’s gut du Naturwunder

In der Bude warteten nun zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer und eine Wohnküche auf uns. Letztere auch mit einem Kamingrill. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir natürlich sofort ein Asado veranstaltet. Doch an Essen wollte ich spätestens ab dem Zeitpunkt nicht mehr denken, als ich realisierte, dass mein Smartphone weg war. „Fuck, das muss noch im Bus sein!“ Der Guide hatte es ja zuletzt in der Hand, um dem Fahrer den Weg zu erklären.

Der Grill in der Küche

Also bei der Agentur in Foz do Iguaçu angerufen (Gott sei dank hatte irgendwer die Visitenkarte eingesteckt) und die Problematik geschildert. Als der Bus mittlerweile schon wieder in Brasilien war, konnten sie endlich den Guide erreichen (Fahrer und Guide hatten anscheinend Roaming aus) und erzählten mir beim Rückruf, dass der Bus noch schnell die Mexikaner und den Serben bei deren Hotels abliefere und dann käme der Guide mit seinem PKW und meinem Telefon wieder nach Argentinien.

Mit dem Haushund haben wir uns sofort angefreundet

Die frohe Kunde verheimlichte ich zunächst den vier Freunden, die zwischenzeitlich Bier und Snacks kaufen gegangen waren. Sehr überzeugend, mit einem simulierten inneren Brodeln, schilderte ich, dass das Smartphone angeblich nicht im Bus sei und ich überlege jetzt noch zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Weil es könne nur im Bus sein und die müssen sich das eingesteckt haben.

Gemütlicher Abend am hauseigenen Pool

Um den Bogen nicht überspannen, löste ich jedoch schnell auf und freudig feierten wir mit etlichen Bieren die Reisehalbzeit. Es schien irgendwie, als wäre der größte Stein nicht mir, sondern meinen Freunden vom Herzen gefallen, als ich wenig später mein Mobiltelefon wieder in den Händen hielt. Die Jungs hatten doch tatsächlich zwischendurch Filme geschoben, dass ich den Rest der Reise unerträglich sein könnte, wenn meine Fotos und Berichtsfragmente (u.v.m. wie Buchungsbestätigungen und meine Offline-Maps mit zahlreichen markierten „Points of Interest“) unwiederbringlich verloren sein würden. Ich glaube dagegen, ich hätte das sportlich genommen.

Am Ende der zwei Tage an den Iguazúwasserfällen kam selbstverständlich noch die Frage aller Fragen auf. Welche Seite ist die schönere? Dazu kann man konstatieren, dass beide Seite ein Muss sind. Die argentinische Seite hat insgesamt das schönere und größere Areal und man kommt vielen Wasserfällen sehr nah. Die tollsten Panoramen hält jedoch die brasilianische Seite bereit. Man sollte dementsprechend wir wie mindestens einen halben Tag auf der brasilianischen und einen ganzen Tag auf der argentinischen Seite einplanen.

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