Warszawa (Warschau) 08/2018

25.08.2018
Ursus Warszawa – Polonia Warszawa 2:3
III Liga Grupa I (IV)
Stadion Gminny (Att: 450)

An meinem diesjährigen Geburtstag sollte ausgerechnet 96 bei Werder Bremen gastieren. Da ich schon lange vor dem so genannten Stimmungsboykott die Unterstützung für das Konstrukt 96 drastisch reduziert hatte, war ich nicht besonders motiviert dort meinen Ehrentag zu verbringen. Glasflaschen- und Dosenverbot in den Zügen, Shuttlebuszwang zum Stadion anstatt Kneipenbummel in Bremen… Nee, so kann ich keinen Geburtstag feiern! Allerdings wollte ich keine Konkurrenzveranstaltung in meinem 96-affinen Freundeskreis aufziehen und auch der Soli-Party der 96-Szene am Abend nicht einen einzigen potentiellen Gast abgraben. Dann lieber still und leise einen Single-Trip organisieren. Mal als Kontrast zu den Geburtstagstouren mit den Jungs 2016 in Cardiff und 2017 in Belgrad.

Warschauer Wappenausschnitt

Dementsprechend suchte ich mir gescheite Ziele mit gescheiten Fußballspielen raus und aufgrund des schmalen Zeitfensters von Freitagmittag bis Sonntagabend waren die Optionen gar nicht so zahlreich. Nach London oder Wien kostenarm mit Bonusmeilen fliegen oder eine Zugreise nach Prag oder Warschau schafften es in die engere Auswahl. Am Ende gewann wenig überraschend die Stadt im Quartett, die ich bisher noch nie betreten hatte. Die Bonusmeilen kann ich anderweitig sicher nochmal sinnvoller einsetzen und Warschau hatte gegenüber Prag neben dem Neuland- auch den Fußballbonus (eigentlich die interessanteren Spiele).

Vorgezogenes Geburtstagsessen am Vorabend

Hannover-Warschau kostete abzüglich Nutella-Coupon 33€ und Warschau-Berlin 129 Zloty (ca. 29€). Nach einem fußballerischen Stopover in Deutschlands Hauptstadt sollte es dann für 19,90€ (noch einen Nutella-Coupon eingelöst) wieder nach Hause gehen. In der Nacht von Freitag auf Samstag startete der Trip um 1:35 Uhr und ich hatte immerhin 5 Stunden vorgeschlafen, sowie vor der Bettruhe noch alle nahen Verwandten gesehen, deren Gesellschaft ich mich ja ebenfalls an meinem Geburtstag entzog.

Spitzenplatz…

Die erste Etappe nach Berlin wurde mit lesen und dösen verbracht. In der Bundeshauptstadt schnell noch die Stunde Aufenthalt zum Frühstück genutzt und dann rollte um 6:37 Uhr der EC 41 nach Warszawa (Warschau) los. Platz 15 in Wagen 267 hatte leider dort, wo eigentlich der rechte Oberschenkel hingehört, einen Mülleimer montiert. Zum Glück blieb der Sitz neben mir leer, zumindest bis Swiebodzin (Schwiebus), so dass ich erstmal gemütlich auf dem Nebenplatz zu Ehren von Dieter Thomas Heck (R.I.P.) den Film „Das Millionenspiel“ gucken konnte.

Warszawa Centralna & Zlota44

Am pünktlich um 13 Uhr erreichten Bahnhof Warszawa Centralna kam mir dann alles erstaunlich vertraut vor. Gut, ist wie Berlin Hbf (tief) ein unterirdischer Durchgangsbahnhof, aber die ganze Optik kannte ich irgendwie en detail. Das Gehirn ratterte und schließlich fiel mir ein, dass hier viele Szene vom deutschen Graffiti-Spielfilm „Wholetrain“ (ein Werk u.a. mit dem damaligen Nachwuchsschauspieler Elyas M’Barek) gedreht wurden. An der Oberfläche jedoch sogleich echte neue Eindrücke. Zlota44, das vom Stararchitekten Daniel Libeskind entworfene und 2014 fertiggestellte größte Wohngebäude Polens (192m) und der 1955 eröffnete Kultur- und Wissenschaftspalast schossen in den heute bewölkten Hauptstadthimmel.

Der Kulturpalast

Letzteres ist mit 237m Gesamthöhe (und 189m bis zum Dach) immer noch Polens und somit auch Warszawas höchstes Gebäude. Jedoch dominiert es dank Nachbarn wie Zlota44 oder dem sich gerade im Bau befindlichen Varso Tower längst nicht mehr allein die Skyline der polnischen Metropole. Die einstige Dominanz hatte sich Stalin ausgemalt und 1952 den sowjetischen Architekten Lew Rudnew mit dem Bau beauftragt. Der Architekt hatte bereits das ähnlich ausschauende Hauptgebäude der Moskauer Lomonossow-Universität realisiert. Das war damals das höchste Gebäude Europas und der Kulturpalast in Warszawa sollte das Zweithöchste werden.

Die Hochhäuser der Hauptstadt

Das Gebäude trug auch zunächst Stalins Namen und wurde zum unbeliebten Symbol des realsozialistischen totalitären Unrechtsstaates, welcher unter dem polnischen Stalinisten Boleslaw Bierut in der Nachkriegszeit besonders repressiv gegen das Volk vorging. „Stalinstachel“ ist einer der vielen Namen, den der Volksmund dem Gebäude gegeben hat. Im zeitgenössischen Polen hat man sich weitgehend mit dem ungeliebten Wahrzeichen arrangiert. Es ist halt da und wird auch nicht verschwinden. Meiner Meinung nach sollte man es weiterhin sinnvoll nutzen (es beherbergt u.a. Radio- und TV-Sender, mehrere Theater, ein Kino, Museen und weiterführende Schulen) und zugleich als Mahnmal gegen den Totalitarismus begreifen. Und nicht, wie es manche rechte Polen wünschen, mit der Abrissbirne anrücken.

Das Finanzministerium

Um den architektonischen Spuren der realsozialistischen Volksrepublik Polen weiter zu folgen, spazierte ich nun ins südlich vom Kulturpalast gelegene MDM-Viertel. Das erinnerte optisch ziemlich an Ost-Berlin rund um die Karl-Marx-Allee. Wobei das MDM-Viertel minimal älter ist und dem Berliner Pendant als Vorbild diente. In beiden Hauptstädten entstanden damals repräsentative Viertel im Stile des Sozialistischen Klassizismus (auch Zuckerbäckerstil genannt). Wenn ich durch die Metropolen des ehemaligen Ostblocks streife, kann ich mich den steinernen Zeugen dieser Epoche nur schwer entziehen. Ähnlich wie eine Kathedrale aus dem Mittelalter, erzählen solche Gebäude mir etwas aus einer Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe.

Heilig-Kreuz-Kirche

Aus dem MDM-Viertel ging es anschließend nordwärts Richtung Altstadt. Natürlich den Warschauer Königsweg entlang (erst die Ulica Nowy Świat und dann die Krakowskie Przedmieście), so dass ich vielen beeindruckenden Gebäuden begegnete. Gerade die Krakowskie Przedmieście ist die Prachtstraße Warschaus (und heisst irritierenderweise übersetzt Krakauer Vorstadt, obwohl es sich um eine Straße handelt). Auf überschaubarer Länge findet man hier zunächst die Akademie der Wissenschaften mit dem Kopernikus-Denkmal davor, und die leider aktuell eingerüstete dreischiffige Heilig-Kreuz-Kirche. Das ist Warszawas größte Barockkirche, in der das Herz des Komponisten Chopin aufbewahrt wird. Fryderyk Franciszek Chopin starb in Paris und wurde dort beigesetzt. Jedoch wurde sein Herz in Cognac eingelegt und heimlich nach Warszawa in die Heimat überführt.

Hauptportal der Universität

Es folgen nordwärts das Hauptgebäude der Universität, der Präsidentenpalast und zahlreiche andere Paläste und Kirchen. Vor der barocken Visitantinnen-Kirche fand ich ein Mahnmal für die am Warschauer Aufstand beteiligten Frauen und wenige Meter weiter eine Ausstellung mit Fotoportraits von Freiwilligen des Aufstands in der Galeria Kordegarda. Dieser für die Polen enorm wichtige Aufstand von 1944 findet glaube ich im deutschen Geschichtsunterricht nicht wirklich statt, während der Warschauer Ghetto-Aufstand von 1943 bei uns relativ bekannt ist. Das führte sogar dazu, dass der deutsche Bundespräsident Roman Herzog 1994 in einem Interview des Sterns so zitiert wurde, als würde er glauben zu einem Gedenken für den Ghetto-Aufstand nach Warschau reisen, obwohl es der 50.Jahrestag des Warschauer Aufstands war. Ein Interview, welches trotz Herzogs Beteuerungen falsch zitiert worden zu sein, in Polen natürlich hohe Wellen schlug, aber später mit einer in meinen Augen klugen und angemessenen Rede in Warszawa bereinigt wurde.

Präsidentenpalast (davor Gedenktafeln für den Flugzeugabsturz von Smolensk 2010)

Da man in Warszawa an diesem Aufstand noch weniger als an Chopin vorbeikommt (besonders im August, wenn der Aufstand sich jährt), widmete auch ich ihm die notwendige Aufmerksamkeit. Für das Museum des Warschauer Aufstandes reichte die Zeit leider nicht, aber die Foto-Ausstellung in der Kordegarda-Galerie war auch schon sehr interessant. Von den Zehntausenden, die sich gegen die deutschen Besatzer erhoben, bestand die Mehrheit aus Heranwachsenden. Viele gar eher Kinder, denn Erwachsene. Der Blick in die jungen Gesichter erinnerte mich u.a. an Prag oder Budapest, wo ich ebenfalls mit den Aufständen der jüngeren Vergangenheit konfrontiert wurde (Ungarischer Volksaufstand  von 1956 und der Prager Frühling 1968) und bei den Erhebungen vorwiegend die Jugend rebellierte.

Weibliche Gesichter des Aufstands

Insgesamt immer super interesssiert die Weltgeschichte, heute explizit den 2.Weltkrieg, aus einer ausländischen Perspektive zu betrachten. Was die Deutschen, zumindest in der Sek I, aus Gründen des Umfangs des Geschichtsunterrichts nur oberflächlich gelernt haben können, wird in entsprechenden polnischen Schulbüchern natürlich sehr detailliert behandelt. Die polnische Sicht des 2.Weltkriegs erzählt von einem Zwei-Fronten-Krieg gegen die Wehrmacht und die Rote Armee, sowie der vierten polnischen Teilung durch die Kriegsverbündeten Hitler und Stalin. Sie erzählt vom im Stich gelassen werden durch die Briten und Franzosen und von der polnischen Exilregierung und polnischen Streitkräften, die an der Westfront unter alliiertem Oberkommando Europa von den Nazis mitbefreit haben. Und sie erzählt von einer unfassbar brutalen deutschen Besatzungspolitik in Polen und dem Widerstand dagegen. Der größte Widerstand in ganz Europa. Gegenüber der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) mit ihren 350.000 Mitgliedern war die französische Résistance, die den meisten Deutschen beim Widerstand in den besetzen Ländern gegen Hitler als erstes einfällt, ein kleiner Verein.

Ein Ausstellungsfoto von  jungen Aufständischen

Der Höhepunkt des Widerstands war der Aufstand vom 1.August 1944. Das Deutsche Reich war durch die sowjetische Sommeroffensive ’44 bis an die Weichsel zurückgedrängt worden. Die Wehrmacht war diesmal selbst Opfer eines Blitzfeldzuges geworden und stand nun kurz vor ihrer Niederlage an der Ostfront (die Heeresgruppe Mitte war regelrecht vernichtet worden). Außerdem hatten die Alliierten mit der Landung in der Normandie wenige Wochen zuvor eine weitere Front gegen Hitler eröffnet.

PW steht für Polska Walcząca (Kämpfendes Polen)

Die Rote Armee vor den Toren Warszawas; das motivierte den polnischen Widerstand jedoch nicht nur aus der Perspektive, dass die Deutschen jetzt verwundbar wirkten. Denn im Schlepptau hatten die „Befreier“ auch polnische Kommunisten und die Sowjetunion galt keineswegs als Verbündeter, sondern bereits als der drohende neue Besatzer. Der Überfall der Sowjets und die Annexion der polnischen Ostgebiete war erst fünf Jahre her, ebenso war das schreckliche Massaker von Katyn bereits bekannt (1940 ließ Stalin in Katyn rund 4.400 polnische Kriegsgefangene, größtenteils Offiziere, ermorden). Wenn die Polen aus eigener Kraft ihre Hauptstadt (und vielleicht auch noch andere Teile ihres Landes) befreien würden, so stünde die Rote Armee vor vollendeten Tatsachen und könne nicht einfach über die polnischen Interessen hinweggehen, war das Kalkül.

Streetart zum Thema

Dass Stalins Sowjetunion als Feind des Feindes nicht automatisch der Freund Polens war, zeigte sich schließlich auch wieder beim Warschauer Aufstand. Wenn ich schreibe, Stalin lehnte sich genüsslich zurück und schaute sich aus sicherer Distanz an, wie Polen und Deutsche sich bekämpften, ist das vielleicht etwas zu plakativ ausgedrückt. Zumal die sowjetischen Dokumente zum Warschauer Aufstand immer noch unter Verschluss sind, welche die polnische Position des gewollten Ausblutens ihrer Heimatarmee be- oder widerlegen könnten. Jedoch gab es keine ernsthaften Hilfsbemühungen für die polnische Heimatarmee. Ebenso wurde den Westalliierten erst sehr spät und nur einmalig ein Flug mit Hilfsgütern nach Warschau ermöglicht. Wie Osteuropa nach dem Krieg auszusehen habe, hatte der Führer der Sowjetunion bereits festgelegt und da war kein Platz für eine unabhängige polnische Republik. Da war es von Vorteil, wenn sich zuvor der potentielle Widerstand gegen eine Sowjetisierung Polens an den Deutschen aufreiben würde.

Denkmal des Kleinen Aufständischen

Am Ende kostete die 63tägige Erhebung der Heimatarmee in Warszawa über 200.000 polnischen Zivilisten und Soldaten das Leben und die Stadt wurde von den Deutschen zu 90% zerstört. Obwohl der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, wollte das Hitler-Regime mit einem Fanal nochmal ein abartiges Zeichen seiner Menschenverachtung setzen. Die Stadt sollte als Vergeltung systemisch ausradiert werden und die überlebenden Bewohner wurden aus den Trümmern ihrer Stadt vertrieben. In Polen gibt es eine entsprechende Kontroverse, ob der Aufstand von 1944 vielleicht doch ein sinnloses Blutvergießen war. Man hätte nur bei voller Rückendeckung der West-Alliierten und der Sowjets losschlagen sollen, meinen manche Historiker. So habe man unzählige Menschenleben und eine Stadt geopfert, sowie ungewollt der sowjetischen Herrschaft über das Nachkriegspolen den Roten Teppich ausgerollt. Mehrheitsfähig ist in der polnischen Gesellschaft jedoch der Epos von Tapferkeit, Freiheitsliebe und Opferbereitschaft und die Alternativlosigkeit einer Erhebung gegen die Nazis.

Fassade in der Krakowskie Przedmieście

Mit den Bildern einer im Racheakt 1944 dem Erdboden gleichgemachten Stadt, zog ich nach meiner Geschichtsstunde weiter zur Altstadt. Das war schon unglaublich, dass diese Altstadt da stand, als wäre nichts gewesen. Ein stärkeres Symbol, dass die Nazi-Tyrannei nicht gewonnen hatte und sich die polnische Kultur nicht ausradieren ließ, konnte ich mir gerade nicht vorstellen. Es wäre einfacher gewesen die letzten Gebäudereste auch noch abzutragen und eine neue moderne Stadt entstehen zu lassen. Doch dazu waren selbst die neuen stalinistischen Machthaber zu sehr überzeugt von der Symbolkraft dieses Wiederaufbaus.

Das Königsschloss

Am Rande der Altstadt erwartete mich nun das Königsschloss, der sich daran anschließende Palast unter dem Blechdach und ein Ausblick über die Weichsel rüber zum polnischen Nationalstadion (Ort des Eröffnungsspiels der EM 2012). Außerdem gab es hier ein sehr fotowürdiges Panorama der Altstadt (siehe Titelbild). Unauffällig schloss ich mich ab jetzt immer mal wieder geführten deutsch- oder englischsprachigen Tourigruppen an. An einem Samtagnachmittag war die Altstadt eh übervoll mit denen und zwangsläufig ging man die gleichen Strecken und stoppte an den gleichen Sehenswürdigkeiten.

Der Palast unter dem Blechdach

So lernte ich noch Einiges über die Geschichte der Altstadt und den Wiederaufbau. Der war wirklich sehr gelungen und wirkte nicht so artifiziell wie anderswo. In Deutschland gibt es da ja ein paar Beispiele, wo die Rekonstruktionen eher wie Kulissen, denn wie historische Gebäude aussehen. Hier dagegen hat man sich alle Mühe gegeben so originalgetreu wie möglich vorzugehen und konnte zum Glück auf detaillierte Unterlagen des Vermessungsamtes und umfangreiches Bildmaterial zurückgreifen. Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich nicht geglaubt durch ein Stadtviertel der 1950er zu spazieren.

Typische Altstadtbebauung

Die UNESCO würdigte diese Leistung entsprechend und setzte die Altstadt von Warszawa 1980 aufgrund des gelungenen Wiederaufbaus in die Liste des Welterbes. Zitat (von mir aus dem Englischen übersetzt): „Das historische Zentrum von Warszawa ist ein außergewöhnliches Beispiel einer umfassenden Rekonstruktion einer Altstadt, die absichtlich und vollständig zerstört worden war. Die Basis der materiellen Wiederherstellung war die innere Stärke und Entschlossenheit der polnischen Nation, welche es ermöglichte ein historisches Erbe auf eine einzigartige Weise in der Weltgeschichte wiederherzustellen.“

Der Rynek

Am schönsten hat mir bei der Altstadttour der Rynek (Marktplatz) mit seinen bunten Fassaden gefallen. Hier erschlich ich mir bei einer geführten Gruppe u.a. die Information, dass zunächst geplant war nur drei Seiten zu rekonstruieren und mit einem u-förmigen Marktplatz weichselseitig einen Panoramablick zu ermöglichen. Aber davon wurde doch wieder abgesehen. Auch die Stadtmauer mit der Barbikane (maximal die zweitgrößte Europas, wie ich seit dem Kraków-Besuch weiß) war sehr schön. Ebenso die kleinen Gassen in Richtung Weichsel, die meist an Aussichtsterrassen über eben jenem Fluß endeten.

Die Barbikane

Auch die nördlich an die Altstadt angrenzende Neustadt wusste optisch zu überzeugen. Sie wurde ebenfalls (allerdings nur in Teilen) so exakt wie möglich rekonstruiert und besticht mit mehreren Barockkirchen. Unter anderem der 1692 geweihten Kasimirkirche, die während des Aufstandes 1944 als Lazarett diente und in der durch einen Bombenangriff über 1.000 Verwundete, Ärzte und Krankenschwester den Tod fanden. Oder auch die Franziskaner-, die Paulaner- und die Dominikanerkirche. Außerdem findet man das Geburtshaus der Nobelpreisträgerin Marie Curie hier im Viertel.

Kasimirkirche

Von der Neustadt spazierte ich anschließend noch außerhalb der Altstadt an ihrer Stadtmauer entlang und wurde von frisch renovierten altstädtischen Kupferdächern immer noch eher geblendet, als von der nur zaghaft zwischen den Wolken auftauchenden Sonne. Nichtsdestotrotz war es den ganzen Nachmittag trocken geblieben und ich stellte am Nationaltheater beim Blick auf auf die Uhr fest, dass ich so langsam zum Hotel und anschließend raus nach Warszawa-Ursus muss. Jetzt war nämlich 16 Uhr durch und um 17 Uhr sollte Ursus versus Polonia angepfiffen werden. Mein Zeitplan jedenfalls war bisher ganz gut aufgegangen.

Just Married

Ich hatte im Vorfeld recherchiert, das man in drei Stunden einen sehr guten Stadtrundgang absolvieren kann, wenn man Pausen auslässt und sich weitgehend auf das Äußere beschränkt. In der Tat hatte ich nun sehr viel gesehen und auch viel gelernt, so dass für eine oberflächliche, aber umfassende Erkundung von Warszawas Zentrum tatsächlich drei Stunden ausreichen. Beim nächsten Besuch wird jedoch weiter in die Tiefe gegangen und so Gebäude wie der Kulturpalast oder das Königsschloss werden bestimmt noch von innen besichtigt. Außerdem sollen andere Stadtviertel ebenfalls etwas zu bieten haben und die Weichsel hat auch noch ein anderes Ufer.

Nationaltheater

Jetzt ging es mit einem Taxi zum Hotel. Im Campanile nächtigte ich für 29€ und bei der Frage „Do you prefer a quiet room or a room with a view?“ votierte ich für letzteres (ich werde eh unfassbar müde sein und keinen Straßenlärm wahrnehmen). Es gab ein Zimmer im 8.Stock mit schönem Ausblick und wenige Minuten nach dem Bezug saß ich schon wieder im Taxi und erreichte kurz vor Anpfiff das Stadion von Ursus Warszawa im gleichnamigen Stadtteil (ungefähr 10km westlich der Innenstadt). Beide Taxifahrten zusammen kosteten etwas über 50 Zloty (circa 13,12€). Bei solchen Preisen bin ich kein Taxigegner. Zumal jede preiswertere Alternative den eh schon knapp bemessenen Stadtbummel verkürzt hätte.

Mein Zimmer im Campanile

Am Stadion war ein bißchen was los und auch einiges an Polizei da. Inklusive berittenen Polizisten. Gästefans waren zwar nicht erlaubt, allerdings hatte sich vor ein paar Jahren mal der Polonia-Mob am Stadion von Ursus beim Derby gezeigt. Vielleicht rechnete man wieder damit? Ursus ist nämlich (wie ganz Warszawa) in der Hand von Legia und Polonia ist der einzige Verein in der Hauptstadt, der auch eine respektable Fanszene hat. Wenngleich diese in keinem Viertel etwas zu melden hat oder im Stadtbild präsent ist. Warszawa ist Legia!

Die Haupttribüne bei Ursus

Ist schon komisch, dass in der zweitgrößten und drittgrößten Stadt des Landes regelrechte Fankriege toben (gemeint sind Kraków und Łódź), während sich in der Hauptstadt mit ihren 1,75 Millionen Einwohnern (3,5 Mio im Ballungsgebiet) nur ein Verein alles dominiert. Andere Vereine der Stadt und Region (außer der Sonderfall Polonia) haben höchstens Fanszenen, die zugleich Fanclub von Legia sind. Bei Ursus ist das auch so, wobei die lokalen Jungs anscheinend bei ihrem Heimatverein nicht mehr so richtig aktiv sind. In etwa zwanzig Legia-Leute standen am Rand der Tribüne und fielen durch Schmähgesänge gegenüber Polonia auf. Banner, Fahnen o.ä. hatten sie allerdings nicht.

Blick rüber zur Anzeigetafel

Na ja, wenigstens etwas Stimmung bei dem Kick, der die Reise nach Warszawa allein natürlich nicht rechtfertigen konnte. Abgepfiffen wurde wegen des Andrangs von immerhin rund 500 Zuschauern mit fünf Minuten Verspätung und alle 5 bis 10 Zloty zahlenden Zaungäste sahen zunächst überlegene Polonen, die jedoch ihre Vorteile selten zu Chancen ummünzten. Bei den zwei, drei Torschüssen der Schwarzhemden in der ersten halben Stunde war der Torwart von Ursus außerdem immer auf dem Posten. Dennoch war sofort zu erkennen wer Bock hatte heute die Tabellenführung zu erobern und auch gerne aufsteigen will (2018/19 steht Polonia nicht wieder so eine Übermannschaft wie Widzew in der Vorsaison im Wege).

Der Ursus-Keeper in Aktion

Den Spielverlauf auf den Kopf stellte dann ein Strafstoß in der 35.Minute. Arkadiusz Ciach brachte die Heimelf in Führung. Allerdings glich Polonia ebenfalls durch Strafstoß in der 45.Minute aus und kam auch nach Wiederanpfiff erneut besser in die Partie. Aus dem Spiel heraus schoss Krystian Pieczara (kurz vor der Pause auch schon sicherer Strafstoßschütze) den Gast in der 50.Minute in Führung. Der kleine Ursus- bzw. Legia-Haufen saß mittlerweile nur noch still rum und sah zu wie das verhasste Polonia schon in der 61.Minute den dritten Strafstoß der Partie zugesprochen bekam und abermals Pieczara auf 1:3 erhöhte.

Strafstoß zum 1:1

In der 70.Minute hatte der Schiedsrichter dann mal bei einem Foul im Strafraum keine Lust auf den Punkt zu zeigen (zum Nachteil von Ursus) und ich glaubte die Partie so langsam entschieden. Nichtsdestotrotz machten die Orangefarbenen die letzten 20 Minuten nochmal Druck, aber es wurde natürlich von Minute zu Minute aussichtsloser. Erst in der 90.Minute konnte der Ursus-Angreifer Patryk Kaminski auf 2:3 verklürzen. Zu spät! Polonia machte nach Wiederanpfiff im Stile der französischen Weltmeister den Ball an der gegnerischen Eckfahne fest, bis der Unparteiische die Partie beendete. Polonia mit neun Punkten nach vier Spielen nun Erster, Ursus mit 0 Punkten Letzter.

Eckstoß in der Ursus-Schlußoffensive

Eigentlich wäre jetzt der Hauptreisegrund an der Reihe gewesen. Um 20:30 Uhr sollte laut Spielplan bei Reisebuchung Legia Warszawa die Elf von Wisla Plock empfangen. Bei der Terminierung ging der polnische Verband wahrscheinlich tollkühn davon aus, dass Legia unter der Woche CL-Play-off auf einem Dienstag oder Mittwoch spielen muss. Allerdings war AS Trenčin aus der Slowakei in der 2.Qualirunde schon Legias Endstation. Nun schien der Verband damit zu rechnen, dass das in die EL-Quali versetzte Legia unter der Woche donnerstags im EL-Play-off ran muss und verlegte das Ligaspiel gegen Wisla Plock auf Sonntag. Da hatten sie die Rechnung aber ohne Legias Gegner in der 3.Runde gemacht. Denn Legia war den Luxemburgern von F91 Düdelingen nicht gewachsen und schaffte es nicht ins EL-Play-off.

Legia-Graffito

Die Spielverlegung wurde jedoch beibehalten und ich stand wieder mal blöd da. Nur für ein paar Stunden Sightseeing und für Ursus versus Polonia, schon gar nicht bei Heimrecht Ursus, wollte ich eigentlich nicht extra nach Warszawa reisen (dieses Spiel wäre höchstens noch optional auf die Agenda gekommen). Aber eine Abreise am Sonntag nach Abpfiff bei Legia hätte nicht nur eine weitere Zugbuchung erfordert, sondern auch einen arbeitsfreien Montag (Ankunft erst Montagvormittag). Ein spontaner Urlaubstag war in der Haupturlaubszeit nicht zu realisieren und diese ganzen Sparpreistickets und der Spezialtarif im Hotel waren von jeglichem Storno ausgeschlossen. Bei all meiner Dekadenz, rund 110€ schreibe ich dann doch nicht gegenleistungslos ab.

Kulturpalast bei Nacht

Nun war ich halt hier und hatte bisher das Beste daraus gemacht. Der nächste Programmpunkt war die erste feste Nahrung seit dem Frühstück. Dazu ging es mit der mit über 19 Mio Schweizer Franken von der Eidgenossenschaft geförderten S-Bahn (worauf Tafeln an jedem Bahnhof hinwiesen) wieder in die Innenstadt. Knapp einen Euro kostete ein Billet und die alten Kisten, die ich aus dem Film „Wholetrain“ kannte, waren modernen Nahverkehrszügen gewichen (übrigens frei von jeglichem Graffiti).

Im Grand Kredens

Im Zentrum dachte ich mir, es wird schon etwas Passendes zum Abendessen auf dem Weg zum Hotel liegen. Doch zwischen Bahnhof Centralna und dem Campanile Hotel dominierten die Filialen globaler Ketten und ansonsten gab es indische, chinesische, türkische und italienische Restaurants. Gut, in deutschen Innenstädten gibt es deutsche oder regionale Küche ja auch nicht an jeder Ecke und kurz vorm Hotel fand ich mit dem „Grand Kredens“ doch noch ein Restaurant mit lokalen Spezialitäten. Der Hunger war riesig, aber ich wollte nicht wieder den Fehler machen und mit Pierogi oder einer Suppe im Brotlaib schon die Sättigung vor dem Hauptgang erreichen. Deshalb gab es Wildragout im Brotlaib. Mit Reibekuchen und einem Saure-Gurken-Salat mit Senfkörnern. Sah erst nicht nicht nach so viel aus, aber die letzten von Ragout durchzogenen Brotreste musste ich mir schon fast reinquälen.

Wildragout

Geschmacklich war es gut (der Brotlaib hätte vor dem Servieren noch kross gebacken werden dürfen) und preislich in Ordnung (erwähnter Hauptgang plus eine Cola und ein großes Bier 75 Zloty inkl. 10% Service). Dass das Hotel nur 400 Meter entfernt war, erfreute mich nun mit meinen schweren Beinen und meinem vollen Bauch enorm. Um 22 Uhr lag ich im Bett und schlief bis 5 Uhr wie ein Stein.

Streetart zum polnisch-sowjetischen Krieg von 1920

5:55 Uhr war Abfahrt am einen Kilometer von meinem Hotel entfernten Bahnhof Centralna. Der Zug rollte pünktlich los, ich hatte einen Top-Platz mit viel Beinfreiheit und es gab neben Strom und Wi-Fi auch Kaffee, Tee oder Mineralwasser gratis. Ich hackte schon mal einen Großteil dieses Berichts in die Tasten und schaute noch eine deutschsprachige Dokumentation über den Warschauer Aufstand.

Bequemer als auf der Hinfahrt

26.08.2018
Hertha BSC II – FC Viktoria 1889 4:2
Regionalliga Nordost (IV)
Stadion auf dem Wurfplatz (Att: 518)

In Berlin rollte der Zug pünktlich um 12:15 Uhr ein. Eigentlich war nun ein kurzer Spaziergang zum Poststadion geplant, wo der Berliner AK um 13:30 Uhr Rot-Weiß Erfurt zum Oberligaduell empfangen sollte. So stand es zumindest bei der Reisebuchung im Kalender. Aber auch das hatte sich noch geändert und die Thüringer gastierten bereits Freitagabend in der Hauptstadt. Die beste Alternative Union gegen St. Pauli war mir nun zu jwd und außerdem ausverkauft. Die nächstklassenhöchste Partie in Berlin hieß Hertha BSC II versus FC Viktoria 1889. Geil, das zweite Wahnsinnsderby in einer europäischen Hauptstadt an diesem Wochenende…

Back in Berlin

Als ich nun S-Bahn Richtung Olympiastadion fuhr, hob ich mir gedanklich die Vorteile dieser Begegnung hervor. Immerhin ein bisher unbekanntes Stadion und außerdem für mich heute verkehrtechnisch gut gelegen. Nach Abpfiff konnte ich bequem nach Spandau weiter und dort in den gebuchten ICE zusteigen. Außerdem sah ich auf dem Weitermarsch zum Stadion noch das olympische Reiterstadion und den Glockenturm aus nächster Nähe. Bei letzterem war heute auf dem Maifeld ein Polo-Turnier. Das erklärte die Nobelkarossen am Wegesrand und den geleckten Camp David Mob, mit dem ich den Fußweg teilen musste. Ich dachte erst, was für ein seltsames Publikum geht bitte zu Hertha BSC II?

Am Glockenturm

Am Stadion auf dem Wurfplatz, wie das Hertha-Amateurstadion heisst, waren 10€ zu löhnen und sogleich erfreute mich ein solider Biergarten am Tribünenrand mit Sicht auf’s Spielfeld. Allerdings war dieser fest in der Hand der Wespen, die die Menschen im Stadion wahrscheinlich zahlenmäßig übertrafen. Also zunächst auf die Tribüne gesetzt und Fußball geschaut. Gegessen wird dann später.

Viktoria vor Anpfiff

Die Viktoria (wo jüngst chinesische Investoren eingestiegen sind und Berlin das dritte Profiteam bescheren wollen) bezeichnet sich im Internetauftritt keck als „Berlins echte alte Dame“. Doch auch dieser Seitenhieb gegen Hertha BSC sorgte nicht wirklich für Brisanz unter den ungefähr 500 Zuschauern, wovon nur ein Bruchteil dem Gast die Daumen drückte. Aber tatsächlich war der älteste Ursprungsverein von Viktoria drei Jahre älter als die Hertha. Dafür wurden letztere 1892 als erster reiner Fußballclub Berlins gegründet. Den Berliner Fußball des späten 19. und frühen 20.Jahrhundert dominierte dennoch Viktoria und nicht die Hertha. Man schmückt sich mit einer inoffiziellen ersten Deutschen Meisterschaft von 1894 (dessen Endpsiel gegen den FC Hanau 93 allerdings erst 2007 nachgeholt wurde) und konnte außerdem 1908 und 1911 zweimal die offizielle Deutsche Fußballmeisterschaft des 1900 gegründeten DFB gewinnen.

Ecke Hertha

Die kommenden 100 Jahre nach der letzten Meisterschaft waren leider von einem konstanten Niedergang mit wenigen Ausschlägen nach oben geprägt. Eine Fusion anno 2013 mit dem LFC Berlin stellte allerdings mit dem gleichzeitigen Aufstieg in die viertklassige Regionalliga Nordost die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft. Der FC Viktoria 1889 hat nun die größte Zahl aktiver Fußballer aller Berliner Vereine vorzuweisen und ist außerdem nach fünf Jahren am Stück in der Regionalliga etabliert. Jetzt soll mit dem chinesischen Investorengeld alsbald der Schritt in die Drittklassigkeit folgen.

Die Haupttribüne

Heute gab es aber zunächst von Hertha die Hucke voll. Von Anfang an war die Zweitvertretung des Bundesligisten das aktivere Team. Besonders der Niederländer Dilrosun auf Linksaußen empfahl sich für höhere Aufgaben und scheint auch eher für die 1.Mannschaft verpflichtet worden zu sein. Außerdem auffällig: Pal Dardai, der Sohn des gleichnamigen Bundesligatrainers und Torschütze des 1:0 in der 18.Minute. Und wo wir gerade bei Vater und Sohn sind; an der Linie coachte Ex-Profi Ante Covic den Hertha-Nachwuchs und auf dem Platz versuchte sein Sohn Maurice Covic den Sprung zum Fußballprofi zu schaffen. Nicht im Einsatz dagegen Jonathan Klinsmann. Der Sohn von Jürgen Klinsmann hütet zwar gelegentlich das Tor von Hertha II, war heute jedoch nicht nominiert. Dafür war noch der Sproß von Klinsmanns altem Weggefährten Andreas Köpke für Hertha im Spiel.

Stadion auf dem Wurfplatz

Eigentlich ist Pascal Köpke als Stürmer für das Bundesligateam vorgesehen, dort jedoch momentan hinten dran. Und eigentlich sollte der gar nicht in Berlin landen. Jedenfalls behauptete Hannover 96 im Sommer mit Köpke einig zu sein, bevor dieser doch bei Hertha unterschrieb. Als ich einen in seinen Aktionen sehr glücklosen Köpke sah, dachte ich darüber nach, dass der vielleicht den Kaderplatz für Hendrik Weydandt blockiert hätte bzw. dieser in der Saisonvorbereitung nicht seine Chance bekommen hätte. Stattdessen traf der ehemalige Kreisligastürmer Weydant gestern bei seinem Bundesligadebüt für 96 gegen Werder (sowie in der 1.Pokalrunde gegen den KSC zweimal) und Köpke spielt heute 4.Liga. Vielleicht nur eine Momentaufnahme, aber doch eine Erwähnung wert.

Viktorias Wappen

Bei Herthas 2:0 durch Kiprit (35.Minute) war ich dann gerade am Imbissstand und orderte mir Berliner Currywurst mit Pommes. Eine Gemeine Wespe stürzte sich anschließlich im Biergarten in das mit Chili und Zwiebel gepimpte Essen (übrigens faire 6€ für eine große Portion), fand aber keinen Geschmack daran und warnte wahrscheinlich auch noch die Artgenossen. Jedenfalls durfte ich in Ruhe essen, während die Softdrink- und Eis-Vertilger in meiner Nachbarschaft keinen Frieden mit den Plagegeistern machen konnten.

Currywurst Pommes

Nach der Halbzeitpause erhöhte Hertha BSC nochmals. Diesmal durch Julius Kade (58.Min), der auch stark spielte und wahrscheinlich zu Höherem berufen ist. 3:0 nach einer guten Stunde, da sollte nichts mehr anbrennen. Zumal man Viktorias bisherige Torschüsse an einer Hand abzählen konnte. Doch ein junger Kroate namens Petar Sliskovic machte die Nummer nochmal spannend und schnürte in der 70. und 79.Minute einen Doppelpack. Sehr zur Freude nerviger Viktoria-Fans neben mir, die sich sehr witzig fanden und unentwegt Unsinn brüllten und sich dafür gegenseitig auf die Schulter klopften. Als der Hertha-Torwart mal einen Ball wegfaustete, wurde zum Beispiel „Hand!!! Elfmeter!!!“ gerufen. Auf diesem Humorniveau bewegte es sich die ganze Zeit. Aber gut, in Berlin gibt es Hertha, Union, den BFC und für Paradiesvögel eigentlich auch noch TeBe. Was bleibt da noch für Viktoria übrig? Anscheinend nichts Gutes!

Hektische Schlussphase

Natürlich gönnte ich den Viktoria-Vögeln keinen Punkt und war froh, dass der eingewechselte Irwin Pfeiffer in der 88.Minute den Sack für Hertha zumachte. Nach dem Tor ging ich bereits zum Ausgang und passierte mit dem Schlußpfiff das Stadiontor. Jetzt bekam ich am Pichelsberg sogar eine Bahn früher als geplant und mein vorm Spiel am Glockenturm abgestelltes polnisches Mineralwasser war auch noch da (für Pfandsammler und erst recht für Sektion Camp David uninteressant). Hätte ich jetzt noch einen Sitzplatz im ICE 1195 Richtung Stuttgart bekommen, wäre ich wieder halbwegs zufrieden gewesen mit dem Tagesverlauf. Aber eine Stunde Bodenturnen war auch zu verschmerzen. Denn ich stieg bereits in Wolfsburg aus (ja, er hielt wirklich dort) und wechselte in einen Nahverkehrszug nach Hildesheim.

Ein schöner Anblick

In der verbotenen Stadt schließlich noch ein letzter Aufreger. Lauter blau-gelbes Volk enterte den Nahverkehrszug. Die kamen wohl alle gerade vom Fußball. Die 3.Liga habe ich natürlich nicht so auf dem Schirm und mir war nicht bewusst, dass heute Fortuna Köln in BS gastiert hatte. Doch schon ein Blick in die Gesichter reichte, um zu wissen, dass die Eintracht weiterhin sieglos durch die 3.Liga taumelt. Ich labte mich nun an den desillusionierten Gesprächen meiner neuen Mitreisenden. Versöhnlicher hätte dieser Wochenendausflug kaum enden können.

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