Porto 03/2018

02.03.2018
FC Porto – Sporting Clube de Portugal 2:1
Primeira Liga (I)
Estádio do Dragão (Att: 48.405)

Aufgrund von Mitarbeitermangel musste ein irrer Ire namens Michael O’Leary seinen Winterflugplan 2017/18 drastisch zusammenstreichen. Darunter auch zwei Flüge à 9,99€ von Hamburg nach Manchester bzw. von Manchester nach Hamburg, die InterCityBerger, Fat Lo, Ole und ich gebucht hatten. Da wir die nur auf Verdacht für ein Wochenende im November erstanden und noch keine Folgebuchungen für Unterkunft und Transfers angefallen waren, konnten wir mit dem Storno gut leben und freuten uns nicht nur über 19,98€ Rückerstattung, sondern auch über 80€-Gutscheine als Wiedergutmachung für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Diese mussten bis Mitte März 2018 verflogen werden und unser Quartett entschied sich in eben jenem März für sechs Tage und 4,06€ Restsumme nach Porto zu fliegen.

Kulinarischer Urlaubsstart

Zeitnah buchten wir noch ein Appartement mit vielversprechenden Bewertungen, für 15€ pro Nacht und Person, welches mitten im Stadtzentrum lag. Dann vergingen erstmal viele Monate mit diversen anderen Reisen, ehe der 1.März auf dem Kalenderblatt grüßte. Wir hatten alle schon frei, mussten jedoch erst gegen 15:30 Uhr los in Richtung Hamburg. Daher wurde schon mal in der Himmelsthürer „Villa dell’Angelo“ ein reichhaltiges mediterranes Mittagsgrillbuffet für 9,50€ pro Person getestet. Kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen! Danach ging es noch auf Kaffee und Eiscreme ins Hildesheimer „Antik Café & Pfannkuchenhaus“, bis die Glocke zwischen 15 und 16 Uhr zweimal geschlagen hatte und InterCityBerger vorfuhr (der hatte als frischgebackener Hausbesitzer den bisherigen Tag für Heimwerken genutzt).

Breitmachen 1.0

Gegen 17:30 Uhr wurde das Auto an der Hamburger Alsterkrugchaussee abgestellt und der nicht benötigte Zeitpuffer konnte unserem lieben Hobby Bierkonsum gewidmet werden (Augustiner Edelstoff vom Airport-Edeka). 19:30 Uhr waren wir am Gate und eigentlich hätte jetzt das Boarding beginnen müssen. Doch unsere Maschine erreichte Hamburg aus Porto eine Stunde später als geplant und somit bekamen auch wir 60 Minuten Verspätung. Trostpreis für mich: Im Flugzeug hatte exakt ein Passagier eine ganze 3er-Reihe für sich allein und der hieß Sasa Snepanovic.

Nächtlicher Landeanflug auf Porto

Vermieter Marco wurde bereits vorab über die Verspätung informiert und nach der Landung schnappten wir uns ein Taxi mit einer lebenslustigen Fahrerin und zahlten aus Höflichkeitsgründen gegenüber dem wartenden Vermieter halt lieber 8€ p. P. für die schnellste Transfervariante, als 2€ für die Metro (20-Minuten-Takt und circa 35 Minuten Fahrzeit ins Zentrum). Check-In war offiziell sowieso nur bis 22 Uhr möglich und Marco kam uns bereits entgegen, indem er sagte, dass 23 Uhr auch okay ist. Dann muss man ihn ja nicht noch über Gebühr warten lassen. Letztlich wurde es 23:33 Uhr und wir gaben unaufgefordert 20€ Trinkgeld für den Freizeitraub, was den Herrn doch überraschte und sehr freute.

Eines unserer Schlafzimmer

Nach dem kurzen Einrichten im Domizil ging es in den Kiosk im Erdgeschoss des Hauses und der Kühlschrank wurde mit Getränken gefüllt. Nun konnten wir guten Gewissens nochmal losziehen. Bei unserer zentralen Lage würde es ja auch unter der Woche nach 0 Uhr noch gastronomische Optionen geben. Marcos Restauranttipp „Restaurante Cunha“ wurde wegen zu noblem Eindruck für einen Mitternachtssnack ignoriert und wir kehrten ins bistromäßige „Gostos & Paladares“ ein. Die Küche war zwar schon geschlossen, aber dann musste halt wenigstens ein Super Bock vom Fass her. Das liefert dem Körper schließlich auch viele Kalorien und Nährstoffe.

Breitmachen 2.0

Da die beiden Tresenkräfte nun das Putzen begannen, zogen wir nach dem verhätnismäßig teuren Hunken (3€ für 0,5l) weiter zum nächsten Laden. Im Café „Sinatra’s“ waren Grill und Sandwichtoaster allerdings auch schon geputzt, so dass uns wieder nur die Option Flüssignahrung blieb. Immerhin war der Laden nach Mitternacht noch gut gefüllt und 1,20€ für 0,25l Super Bock (je nach Gusto gezapft oder aus der Flasche) waren fair. Für Leser mit keiner bis wenig Portugalerfahrung, erwähne ich gerne noch, dass ein Café in Portugal eher als Bar oder Bistro durchgeht, denn als in Deutschland gewohntes Café. Daher auch die langen Öffnungszeiten vieler dieser Cafés. So mindestens eine handvoll Besuche im Café seines Vertrauens realisiert der João-Normal-Portugiese pro Tag. Morgens gibt es Espresso mit süßen Teigwaren, vormittags Espresso (Arbeitspausen werden i.d.R. auch für einen Gang ins Café genutzt), mittags Espresso mit deftigen Teigwaren, nachmittags nochmal Espresso und abends gerne noch einen Espresso und Snack, ehe auf Bier mit Knabbereien umgeschwenkt wird.

Queríamos dois cafés, se faz favor

Am nächsten Morgen hatte ich zwar keinen Wecker gestellt, aber der Teil der Reisegruppe mit den in meinen Augen ausreichenden, aber letztlich wohl doch unzureichenden Fettreserven, lärmte bereits vor 9 Uhr und forderte baldigen Aufbruch zum Frühstück. Da war ich wohl der Einzige, der wirklich ein effektives Fettpolster angespart hatte. Nun gut, mit dem Restaurante „Dom Alkroque“ hatten wir gleich nebenan eine tolle Frühstücksgelegenheit und nach einem ersten Espresso war Francesinha für 7,50€ genau das Richtige für die leeren Mägen. Bei Portos kulinarischem Geschenk an die Freunde der deftigen Kost wird viel Fleisch zwischen zwei große Toastscheiben gepackt und dieses Sandwich schwimmt mit Käse überbacken in einer Tomaten-Senf-Biersauce.

Francesinha zum Frühstück

Hier war der Fleischanteil der obligatorische Schinken, ein dickes Schweinesteak und zwei Würstchen (eine ungefähr nach Art einer Bratwurst und eine nach Art einer Chorizo). Prinzipiell sehr lecker, aber ich vermisste das gewohnte Spiegelei obendrauf. Dafür gab es Abzüge in der B-Note, wie auch für den noch zu wenig zerlaufenen Käse. Satt wurden wir natürlich trotzdem, zumal die Frittenbeilage ständig aufgefüllt wurde. Es gab noch „Um café, se faz favor“ hinterher und wir waren ganz begeistert von der herzlichen Betreiberfamilie, die wiederum ganz begeistert war, dass jemand bei uns sich ganz passabel auf Portugiesisch verständigen konnte.

Capela das Almas

Gegen 10 Uhr verließen wir voller Tatendrang das Restaurante (welches man in Deutschland eher als Bistro einordnen würde). Das Wetter war heute entgegen düsterer Prognosen doch vorerst nur wolkig mit vereinzelten Sonnenstrahlen und so fand meine erste Stadtführung bei einem angenehmen Klima statt. Ich führte die Jungs natürlich zunächst ein wenig durch unser „Bairrio“ namens Santo Ildefonso, wo es u.a. die 1850 erbaute Markthalle „Bolhão“ und die kleine, aber feine Kapelle „Das Almas“ (die Kapelle der Seelen) mit ihrer tollen Azulejo-Fassade zu bestaunen gab. Die Kachelbilder der barocken Kapelle aus dem 17.Jahrhundert zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus.

Igreja da Santissima Trindade

Mit bemalten Fliesen an der Fassade konnte auch der nächste Stop aufwarten. Allerdings sind diese bei der barocken Front der „Igreja da Santissima Trindade“ (Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit) nur schmückendes Beiwerk. Der imposante Kirchenbau aus dem frühen 18.Jahrhundert gehört zu einem Krankenhaus des Dritten Ordens der Heiligsten Dreifaltigkeit. Von hier waren es nun nur noch wenige Meter zu Portos Rathaus, welches am nördlichen Ende des Prachtboulevards „Avenida dos Aliados“ steht.

Câmara Municipal do Porto (Rathaus)

Am Südende der „Avenida dos Aliados“ betraten wir schließlich das Alstadtviertel Sé mit seiner namensgebenden Kathedrale. Doch bevor wir uns der „Sé do Porto“ widmeten, machten wir erstmal einen Abstecher zum Bahnhof São Bento. Wahrscheinlich ist es dank seiner reich mit Azulejos geschmückten Bahnhofshalle einer der schönsten Bahnhöfe der Welt. Ich komme bei jedem meiner Porto-Besuche sowieso hier hin, aber diesmal konnte ich das Angenehme auch mit dem Nützlichen verbinden.

Bahnhof São Bento

In diesem Kleinod der Bahnhofsarchitektur war nämlich ein offizieller Fanshop des FC Porto, den ich für den Ticketerwerb für das abendliche Fußballspiel vorgesehen hatte. Doch der junge Mann am Verkaufstresen hatte kein entsprechendes Papier für den Ticketdruck mehr. Ausverkauft war die Partie allerdings noch nicht, es gäbe noch ein paar Restkarten der teuersten (normalen) Kategorie für 65€, wir müssten zum Kauf nur zum großen Fanshop nahe der Markthalle. Na gut, dann halt nochmal bergauf gelatscht und Karten für stolze 65€ erworben. Socios a.k.a Mitglieder hätten nur 40€ für die teuerste Kategorie löhnen müssen, aber Mitgliedsausweise hatten wir leider nur von dem Verein, dessen Hannover-Modell bisher rund 85.000 Menschen weniger als das Porto-Modell überzeugt hat.

Sé do Porto

Arm wie Kirchenmäuse ging es nun wieder bergab zur Kathedrale der Stadt. Der Bau wurde im frühen 12.Jahrhundert begonnen und daher sind das Langhaus und die Doppelturmfassade noch der Romanik zuzuordnen. Im 14.Jahrhundert bekam die Bischofskirche des Bistums Porto einen gotischen Kreuzgang und im 17.Jahrhundert und 18.Jahrhundert gab es große Veränderungen der Kirchengestalt im Stile des Barocks und des Rokoko (z. B. wurde der Chor neugestaltet und der Kreuzgang wurde mit Azulejos gefliest). Ein wenig vom Blick ins Detail lenkten heute unzählige Polizisten rund um die Kathedrale ab. Zig Streifenpolizisten, ’ne ganze Kolonne Motorrad-Cops und diverse hochdekorierte Polizisten in Gala-Uniform turnten hier rum. Es musste gerade etwas Wichtiges abgehen. Irgendwann fuhr sie an uns vorbei, die Limousine mit der Standarte des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland! F.-W. Steinmeier war also auch in der Stadt. Nach Schneewittchen (Insider) jedoch höchstens der zweitinteressanteste Mensch hier.

Der Bundespräsident war auch in town

Als der Trubel sich gelegt hatte, stiegen wir von der Kathedrale die Stufen zur „Igreja de São Lourenço“ herab. Das ist die Renaissancekirche (16.Jahrhundert) des einstigen Jesuitenkonvents von Porto. Von hier begannen wir unseren Spaziergang durch die Gassen und Treppenaufgänge der Altstadt (UNESCO Welterbe seit 1996). Der Rundgang mit seinen Höhenunterschieden ist Ertüchtigung und Muße zugleich, denn für letzteres sorgen die An- und Ausblicke dieses Viertels. Unser vorläufiges Ziel war der Aussichtspunkt „Miradouro da Vitoria“, von wo man einen tollen Ausblick auf die Altstadt, die Kathedrale, die Ponte Dom Luis und die Portweinkellereien am gegenüberliegenden Flußufer des Douro hat.

Ausblick vom Miradouro da Vitoria

Von besagtem Miradouro waren es auch nur wenige Meter bis zum „Torre dos Clérigos“, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt. Es handelt sich dabei um den 76 Meter hohen Turm der Barockkirche „Igreja dos Clérigos“ (die Kirche der Geistlichen). Doch vor dem Aufstieg sollte es noch ein stärkender Kaffee im banachbarten Café „Portas do Olival“ sein. Als wir glaubten genug Energie für die 225 Stufen des Kirchturms gesammelt zu haben, mussten wir leider feststellen, dass der Turmwächter gerade Mittagspause hatte. Warten war keine Option und so zogen wir weiter zur nächsten eindrucksvollen Kirche.

Altarraum der Igreja do Carmo

Als guter Guide wollte ich meinen Freunden natürlich nicht die „Igreja do Carmo“ vorenthalten. Portos Karmeliterkirche besticht auch mit einer tollen Azulejo-Fassade und der Innenraum spart ebenfalls nicht mit üppiger Barockkunst. Als wir wieder aus der Kirche heraustraten, setzte allerdings ein erster Regenschauer ein. Ich war bekanntlich bereits das dritte Mal in Porto und nun nicht mehr ganz so durstig nach den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auch die bisherigen 10km per Pedes, mit ihren deutlichen Höhenunterschieden, machten sich bemerkbar, so dass ich kein Unmensch war und die Einkehr in eine Bar gestattete. Den ersten Guss von oben verbrachten wir auf den überdachten Außenplätzen der „Cervejaria do Carmo“ im Schatten der „Igreja do Carmo“.

Zechen im Schatten der Igreja do Carmo

Es gab dort diverses Craftbeer und um noch ein zweites Mal zu zeigen, dass ich kein Tyrann bin, entschied ich mich nicht für eine Runde der mich reizenden IPAs, sondern kaufte Letra B Pilsner (portugiesisches Craftbeer nach Pilsener Brauart). Als der Regen vorerst aufhörte, sollte es noch ein wenig durch die Stadt gehen, doch schon nach ein paar hundert Metern setzten wieder ein Schauer ein. Zuflucht fanden wir diesmal in der „Confeitaria ML“. War allerdings auch eher Pinte, denn Konditorei. Zumindest am Nachmittag. Es gab 0,25l Super Bock vom Fass für 1€ und natürlich holte jeder eine Runde. Bei bescheidenem Wetter und in Anbetracht der weiteren Urlaubstage, kann man das Sightseeing natürlich ruhig vorzeitig abbrechen und sich klassisch auf das bevorstehende Fußballspiel einstimmen.

Super Bock super preiswert

Gegen 17 Uhr schien es draußen wieder trocken zu sein und wir marschierten Richtung Appartement. Dort machten wir uns frisch für’s Stadion, doch zuvor ging  es nochmal nach nebenan zu „Dom Alkroque“ zum Abendessen. Diverse Tagesgerichte („Prato do dia“) gab es dort für 6€ (inklusive Getränk dazu und Espresso hinterher). Ich nahm Reis, Entenfleisch, Schinken und Wurst (mit Käse überbacken) und die anderen entschieden sich jeder für Hähnchenbrust mit Reis und Fritten. Schmackthafte Angelegenheit und nach dem Kaffee kam das Bier zurück auf die Agenda. Wir wollten erst gegen 19 Uhr zum Stadion und hatten daher noch Zeit für ein paar kleine Biere aus dem Hause Sagres, die kostenlos mit marinierten Oliven, gelben Bohnen (Tremoços) und Kartoffelchips ergänzt wurden. Im TV lief derweil die Vorberichterstattung für das heutige Toppsiel auf Hochtouren. Minutenlang wartete die Kamera am Straßenrand auf den Mannschaftsbus des FC Porto und als der endlich um die Ecke bog, wurde er die restlichen Kilometer zum Stadion vom Kamerawagen begleitet. Gott, war das interessant.

Pato y Arroz

Dann ging es wie geplant rund 90 Minuten vor Anpfiff mit der Metro zum Stadion. Die gestrige Taxifahrerin vom Flughafen hatte uns gewarnt auf keinen Fall Taxi zu fahren, sondern die Metro aufgrund zu erwartenden Höllenstaus zu nehmen. Die Metro war natürlich auch gut ausgelastet und wir ließen die erstbeste Bahn mangels Platz ohne uns weiterrauschen. Da jedoch klar war, dass es auslastungstechnisch wohl erst nach Anpfiff besser werden würde, war die nächste Metro halt unsere. Irgendwie ging es, die Türen müssen anscheinend großzügige Lichtschranken haben.

Probably my most expensive match ticket

Am Stadion verlässt man die Bahn unmittelbar am Stadioneingang, so dass wir zeitig im Fußballtempel drin waren. Natürlich hatten wir jetzt was an unseren Plätzen zu meckern. Aus Reihe 6 der Gegengerade war die Sicht auf das Spielfeld gar nicht so toll wie gedacht und bei Regen würde man nass werden, wie die bereits nassen Sitze verrieten. Außerdem saß man unterhalb vom Auswärtsblock, so dass man diesen zwar gut hören, aber kaum sehen konnte. Mussten wir optisch halt ganz auf die Heimseite bauen, wo vor Spielbeginn schon mal dutzende Fahnenträger auf den Platz liefen. Das war jedoch eine vom Verein gesteuerte Aktion, aber schon mal besser als die auf den Sitzen der Haupt- und Gegentribüne ausliegenden Sponsorenpapptafeln.

Buntes Programm

Erfreulicherweise wurden kaum welche der Sponsorentafeln hochgehalten. Stattdessen gab es sowohl auf der Haupttribüne, als auch auf unserer Tribüne Blockfahnen. Hinter dem Tor wurde rechts von uns eine Choreographie aus blauen und weißen Doppelhaltern präsentiert, doch von unseren Plätzen war nicht wirklich nicht zu erkennen, was dargestellt werden sollte (noch ein Malus der vermeintlichen Top-Plätze). Der eigentliche Fanblock hinter dem anderen Tor tauchte derweil seinen Sektor in ein blau-weißes Fahnenmeer, welches zum Anpfiff temporär hinter einer Wand aus blauem und weißem Rauch verschwand. Für das Auge war also einiges bei diesem Klassiker geboten!

Blockfahnen beim Einmarsch der Teams

Auch die akustische Unterstützung im nun beginnenden Topmatch der Primeira Liga war bemerkenswert. Die Heimkurve rund um die Hauptgruppe „Super Dragões 1986″ machte konstant Stimmung und schaffte es regelmäßig weitere Teile des Stadions zu animieren. Und der Gästeblock über uns lieferte 90 Minuten abwechslungsreichen und lautstarken Support, der mir prinzipiell sogar noch besser gefiel. Der Anhang des FCP bekommt die Note 2+, während Sporting sich ’ne 1 verdient hat. Diesbezüglich waren wir alle zufrieden mit unserer Investition.

Auch Pyro war im Spiel

Um auch richtig mitzufiebern zu können, hatten meine Freunde außerdem ein Wette platziert. Da der FC Porto diese Saison noch ungeschlagen ist, fünf Punkte mehr als der Tabellendritte Sporting auf dem Konto hat und beim Gast auch noch mit Bas Dost (20 Tore in 21 Spielen) und Gelson Martins zwei Topleute fehlten, setzten sie 40€ auf einen Heimsieg. Nur weil ihnen die Quote von 1,66 zu niedrig war, setzten sie außerdem darauf, dass die Hausherren mit drei Toren Unterschied gewinnen. Das war wiederum sehr gewagt, hätte jedoch bei Erfolg die Kosten der Eintrittskarten wieder eingespielt. Da ich nie zocke, hielt ich mich raus und drückte sowieso „meinem“ Sporting die Daumen. Auch wenn ein Auswärtssieg nicht besonders realistisch erschien.

Doppelhalter-Choreographie

Der FC Porto hatte von Beginn an die Spielkontrolle und erarbeitete sich gute Chancen durch Marcano (11.Minute) und den bulligen Mittelstürmer Marega (12.Minute). Sporting dagegen musste sich weitgehend auf’s Verteidigen beschränken und hatte zunächst nur eine gute Kontergelegenheit. In der 20.Minute konnte Dost-Ersatz Doumbia beinahe einen Abstimmungsfehler zwischen Innenverteidiger Ivan Marcano und Torwatlegende Iker Casillas für das 0:1 nutzen. Doch das erste Tor des Tages fiel eine Minute später auf der anderen Seite des Platzes. Eine Flanke von Mannschaftskapitän Herrera verließ den rechten Flügel und fand im Zentrum den zielsicheren Kopf von Marcano. 96% des Stadion waren am Toben und zündeten unter anderem bengalische Freudenfeuer.

Unsere Tribüne

Nach dem 1:0 blieb Porto die dominierende Mannschaft und die Wettjunkies neben mir machten sich schon zarte Hoffnungen, dass es am Ende 3:0 ausgehen könnte. Doch es fehlte etwas Fortune im Abschluss und aus heiterem Himmel glich das 18jährige Talent Rafael Leão in der Nachspielzeit der 1.Halbzeit für Sporting aus. Das Sturmjuwel (die halbe Premier League und Real Madrid sollen Interesse haben) war erst der in der 44.Minute für den offenbar verletzten Doumbia gekommen. Was ein Einstand!

Die Fans feiern das 1:0

Sehr zur Freude meiner Zockerkumpels ließ sich der FCP jedoch nicht vom Gegentor zum angeblich psychologisch ungünstigen Zeitpunkt verunsichern. Sie begannen auch die 2.Hälfte dominant und druckvoll. Folgerichtig klingelte es bereits in 49.Minute wieder im Gästetor. Einen tollen Pass, von Gonçalo Paciência auf den freistehenden Außenstürmer Brahimi, konnte der Algerier zu einem wahrscheinlich unhaltbaren Torschuss in den Winkel abschließen. Danach wurde es zunehmend eine ruppige Partie, wo sich besonders die Hausherren mit taktischen Fouls, um Konter zu unterbinden, hervortaten. Höhepunkt der Nickligkeiten war eine Massenrudelbildung vor den Auswechselbänken in der 60.Minute. Der Haupttribünenpöbel schaltete sich mit Wurfgeschossen ein und fortan postierte sich eine Kette aus Polizei und Ordnungsdienst hinter Sportings Bank.

Massenrudelbildung

Nachdem das Rumgeschubse aufgelöst war, lief die Partie wieder flüssiger und es gab noch ein paar Chancen zu sehen. Porto hatte erneut mehr vom Spiel und die beste von mehreren guten Gelegenheiten in dieser Spielphase vergab Marega mit einem Lupfer, den Battaglia von der Linie kratzen konnte (79.Minute). Die Handicap-2-Zocker wurden nun immer unruhiger und beinahe platzte ihr Traum vom großen Geld in der 86.Minute, als der gerade eingewechselte Fredy Montero auf dem Weg war das zweite Jokertor für Sporting zu erzielen. Doch eine Glanzparade von Casillas stand dem im Weg. Für zwei weitere Tore der Heimmannschaft lief dennoch die Zeit davon und Rafael Leãos letzte Chance auf den Ausgleich in der 89.Minute wurde schon fast gleichgültig zur Kenntnis genommen. Doch der junge Kerl schoss knapp neben das Tor und in der Nachspielzeit hielt sich Portos Defensive nochmal vier Minuten schadlos.

Handylichtermeer

Am Ende hatten sich die Drachen verdient gegen die Löwen in diesem Fußballklassiker durchgesetzt. Die Fans sangen enthusiastisch von der Meisterschaft und zumindest Sporting war nun mit acht Punkten Rückstand auf vorerst sicherer Distanz. Lediglich Benfica könnte mit einem eigenen Sieg an diesem Spieltag mit fünf Punkten Abstand halbwegs auf Schlagdistanz bleiben und muss auf einen Sieg im direkten Duell (am 30.Spieltag) und mindestens noch einen weiteren Ausrutscher der saisonübergreifend seit 34 Spielen ungeschlagenen „Dragões“ hoffen.

Gruß an den Gästeblock

Nach dem Spiel ging es flott mit der Metro zurück ins Zentrum und nochmal auf zwei kleine Super Bock vom Fass und Tosta Mista ins „Sinatra’s“. Dabei konnte man eine ausufernde Nachberichterstattung am TV verfolgen. Nahezu jede Spielszene wurde von der Expertenrunde aufgedröselt und die Zuschauer konnten natürlich auch fleißig voten. War es ein Foul in Minute X? War es eine Abseitsposition in Minute Y? Es ist eben ein fußballverrücktes Land. Erst recht wenn eines oder zwei der drei großen Teams involviert sind. Bevor es dann gegen Mitternacht ins Bett ging, wurden noch die Fanfotos des Spiels auf den einschlägigen Seiten gesichtet und wir entdeckten eine große 96-Fahne im Gästeblock. Ein Teil der Konkursmasse der einstigen Brigade Nord aus Hannover unterhält Kontakte zur Brigada Ultras ’04 von Sporting. Ich bin also nicht der einzige Hannoveraner, der hin und wieder Sportings Spiele besucht.