Nancy & Freiburg 12/2013

20.12.2013
AS Nancy – Stade Laval 2:1
Ligue 2 (II)
Stade Marcel Picot (Att: 14.022)

Nachdem wir 2012 einen tollen fußballerischen Jahresabschluss mit der Tour nach Valencia hatten, wollte unsere Clique auch dieses Jahr mit einer gemeisamen kleinen Auslandsreise beenden. Am 17.Spieltag in Freiburg antreten zu müssen, war dafür der ideale Aufhänger. In Freiburg selbst könnte man sicher ein cooles Wochenende verbringen oder man verbindet das Spiel mit einem weiteren Kick im nahen Frankreich. Letztere Variante bekam den Zuschlag, da Frankreichs 2.Liga immer freitags spielt und die nette Stadt Nancy recht verkehrsgünstig auf dem Weg nach Freiburg lag. Deren Heimspiel gegen Stade Laval am Vorabend des Freiburg-Spiels passte perfekt in unseren Zeitplan.

Neun Leute (neben mir der Ziii, Fat Lo, Johnny Power, Pumba, Bene, Milano Pete, El Glatto und InterCityBerger) waren schnell zusammen und wir buchten einen Kleinbus in Hildesheim und drei Zimmer bei unserer französischen Lieblingshotelkette in Nancy. Die groundhopperische Niederlage in Frankreich im August 2010 war unvergessen und so war am Freitag für alle Urlaubspflicht. Damit wir morgens schon früh los können und Staus oder andere Behinderungen nicht nochmal einen Spielbesuch im Nachbarland versauen können (bzw. das Risiko wenigstens enorm minimiert wird).

Mal wieder ein Pub Quiz gewonnen

Das hatte dann auch den Vorteil, dass wir Donnerstag schon mal auf die Tour im Pub anstoßen konnten und Freitag dennoch halbwegs ausgeschlafen aufsattelten. Mit harter Mettwurst und guter Musik preschten wir nach Süden vor. Unser erstes Etappenziel war Darmstadt, genauer gesagt der in Darmstadt beheimatete größte Biermarkt der Welt. Ein örtlicher Getränkemarkt behauptet das jedenfalls von sich und nach einer Begehung kamen wir zu dem Schluss, dass das durchaus stimmen könnte. Ich gönnte mir eine internationale Mischung (z.B. mit Cruzcampo und Mahou als Remiszenz an Sevilla und Valencia) und gemeinsam luden wir ein paar Kisten Pfungstädter (nur echt mit dem Frischestern) als allgemeines Tour-Bier ein.

Hachte Mettwurst

Nach diesem Stopp mussten wir komischerweise öfter anhalten als zuvor, aber wir erreichten Nancy dennoch früh genug, um vor dem Anpfiff in Ruhe im Hotel einzuchecken. Danach ging es zu Fuß zum „Stade Marcel Picot“ in der Nachbargemeinde Tomblaine, wozu wir die sehenswerte Innenstadt Nancys einmal durch- und den Fluß Meurthe überqueren mussten. Besonders herausragend war der „Place Stanislas“ mit seinem klassizistischen Gebäudeensemble und dem Triumphbogen „Arc Héré“. Nancy (oder Nanzig, wie ein Deutschtümmler sagen würde) hat es mit diesem architektonischen Gesamtkunstwerk (inklusive der zwei angrenzenden Plätze „Place de la Carrière“ und dem „Place d’Alliance“) in die Liste des UNESCO Welterbes geschafft.

Place Stanislas

Das „Stade Marcel Picot“ wird es dagegen wohl nicht auf eine etwaige Liste des UNESCO Stadionerbes schaffen. Es liegt nett am Wasser und ist stimmungsfreundlich gebaut, aber der besondere Pep fehlt dem vollüberdachten Stadion für 20.000 Besucher. Der Baustil des zuletzt von 1999 bis 2003 renovierten Stadions ist zu beliebig. Arenen wie diese durchziehen heuer ja den halben Kontinent. Aber das soll jetzt nicht zu negativ ausgelegt werden, es ist nichtsdestotrotz ein schönes Stadion mit dem ich als Fan des AS Nancy Lorraine gut leben könnte. Es ist nur eben sehr beliebig.

Stade Marcel Picot by night

Heute passierten rund 14.000 Besucher die Stadiontore, wovon ca. 200 den Gästeblock bevölkerten. Dafür dass ihre Anreise 30km länger als unsere war, war das auf einem Freitag in der 2.Liga okay, denke ich. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zündeten sie sogar drei bengalische Fackeln. Pyro ist ja irgendwie immer, wenn wir mal hoppen. Nancys Ultras zündeten bereits zu Spielbeginn eine handvoll Fackeln und bevölkerten einen Block hinter dem Tor. Sie sind mit Saarbrücken befreundet und so waren auch ein paar Saarbrücker heute mit am Start, die uns bereits vor dem Stadion als Deutsche identifizierten und mit denen wir dann etwas Smalltalk hatten.

Heimfanblock

Wer von uns nicht gerade den VIP-Bereich plünderte, schaute angrenzend zur Nancy-Fantribüne das mittelmäßige Spiel, bei dem ASNL erstmals nach 35 Minuten in Führung gehen konnte. Von einem Mitglied unserer Gruppe scheint dieser französische Verein in Windeseile das Herz erobert zu haben. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, dass er bei diesem Tor so heftig aufspringt, dass er ein paar Reihen nach unten in einen Kindergeburtstag purzelt. Milano und ich trieben dagegen in der Halbzeit Kindereien mit dem seltsamen Maskottchen des ASNL. Néné hieß das Ding glaube ich, passend zu unserer Reaktion auf das unansprechende Catering-Angebot hier.

Néné avec Pété et Snépé

In der 2.Hälfte glich der Gast aus dem unteren Tabellendrittel überraschend aus (Nancy dagegen peilt als Absteiger den Wiederaufstieg in die Ligue 1 an). Nancy jedoch brachte das Tor nicht uns dem Konzept und fünf Minuten danach (’73) gingen sie nochmals in Front. Diese erneute Führung brachten sie ungefährdet über die Zeit und bleiben damit nah dran an den Aufstiegsplätzen (2 Punkte Abstand auf die punktgleichen Plätze 2 und 3).

Nach dem Spiel waren die Saarbrücker komischerweise nicht so freundlich wie vorm Spiel und lungerten uns mit ihren französischen Ultra-Freunden an. „Annover? Annover?“ brüllte einer wild gestikulierend und wir fragten uns ob es in seiner Sprache nicht (H)annovre heißen müsste? Mehr als mal kurz ihr Revier markieren, wollten die Knaben eh nicht und wir zogen unbeschadet in die Innenstadt ab.

Haupttribüne Stade Marcel Picot

Dort wollten wir eigentlich in einen Irish Pub, aber der war proppenvoll und wir zu durstig. Also ging es in eine Karaokebar oder eine Bar in der heute Karaokeabend war (whatever). Nach ein paar Bier fühlten wir uns berufen zu den Mikros zu greifen, nur unsere Performance war wenig überraschend erbärmlich. Das wiederum rief junge Französinnen auf den Plan, die versuchten stimmlich und harmonisch zu retten, was noch zu retten war (Danke für den Support!). Am Ende war die Rechnung astronomisch hoch und nach dem Verlassen der Bar, verloren wir uns alle ein bißchen aus den Augen. Die einen wollten rumdönern, die anderen noch in einen Pub und wieder andere suchten, wie immer in Frankreich, nach diesem ominösen „Sauf Bus“, der vielerorts ausgeschildert ist.

Ein Hit jagte den nächsten…

Fast genauso erfolglos wie die Suche nach dem Sauf Bus, verlief für so manchen auch die nächtliche Suche nach unserem Hotel, aber irgendwie waren wir am nächsten Morgen doch alle wieder vollzählig. Und nach dem Check-Out suchten wir erstmal einen Supermarkt auf. Dort war zur Freude aller neben Baguette auch Knoblauch sehr erschwinglich, so dass mehrere Knollen den Weg in unseren Bus fanden. Dass dieser 9er der wahre Sauf Bus ist, wurde schon wieder auf den ersten Kilometern deutlich. Noch vor Erreichen der deutsch-französischen Grenze waren die Bierflaschen bereits zu Dutzenden ausgesaugt. Gegen diese Biervampire half wirklich nur Knoblauch.

Le Petit Déjeuner

21.12.2013
SC Freiburg – Hannover 96 3:1
1.Bundesliga (I)
Dreisamstadion (Att: 23.200)

Das schöne Freiburg erreichten wir gegen Mittag. Das ließ noch genug Zeit für ein paar Getränke vor dem Spiel. In Freiburg bin ich immer gern. Lage und Architektur dieser Stadt haben mich schon vom ersten Besuch an überzeugt. Ein historischer Stadtkern mit imposanter Kathedrale, viel studentisches Flair und schöne Natur drumherum sind genau die Kombination, die ich liebe. Dazu ist das Klima dort unten in der Regel angenehmer, aber davon war kurz vor Weihnachten natürlich weniger etwas zu merken. Das Stadion liegt übrigens auch nett. Ziemlich zentral und dazu Ausblick auf die Berge. Nur gehört der Gästeblock darin zu den schlechstesten der Liga.

Martinstor Freiburg

Aber bevor wir den betraten, gab es noch ein paar frisch gezapfte Tannenzäpfle vor’m Stadion (ja, das lokale Bier ist auch sehr lecker). Wir lernten dort ein paar Freiburg-Fans aus dem Schweizer Kanton Wallis kennen und hatten einen netten Plausch über 96, Freiburg und den FC Sion (dessen Stadion Tourbillon ich jedem Leser wärmstens empfehlen kann). Da mehr und mehr betrunkene Hannoveraner auftauchten, war es wichtig das Bier mit Knoblauch vor diesen durstigen Biervampiren zu schützen. Das klappte auch ganz gut, so dass wir ohne Freibierspende ins Freiburger Stadion kamen.

Dort versuchte Capo Calli die mitgereisten Fans zum Singen zu animieren, was heute nur mäßig klappte. Die Mannschaft auf dem Rasen war ihm auch nicht wirklich eine Hilfe. Diese Saison setzt sich der Abwärtstrend unter Mirko Slomka deutlich fort. Ein gutes Jahr sind die Ergebnisse jetzt schon in der Mehrzahl unbefriedigend und die Transformation von der Kontermannschaft zum Ballbesitzfußball ist dem Trainer bisher gehörig mißlungen. Dazu fehlt mittlerweile das gute Spieler ranschaffende Duo Schmadtke und Jakobs schmerzlich (woran der Fußballlehrer aus Lühnde seinen Anteil haben dürfte). Die Transfers von Dirk Dufner diese Saison haben die Mannschaft jedenfalls nicht wirklich qualitativ nach vorn gebracht.

Gästeblock in Freiburg

Heute schaffte man es die Partie gegen eine Mannschaft auf einem Abstiegsplatz 25 Minuten offen zu halten. Aber nach Freiburgs 1:0 durch Mehmedi dominierte der Gastgeber und in der 36.Minute konnte Mehmedi seinen Doppelpack schnüren. Vom großen Aufbäumen der 96er war im zweiten Durchgang nicht viel zu sehen. Offensivbemühungen waren vorhanden, aber zündende Ideen hatten sie in Strafraumnähe nicht. Der Treffer zum 1:2 aus hannoverscher Sicht in der Nachspielzeit (Bittencourt) war dann auch nur noch Ergebniskosmetik. Der deutliche und kontinuierliche Abwärtstrend und die abstiegsreife Auswärtsbilanz (8 Spiele, 0 Punkte) dürften Slomka ein unruhiges Weihnachtsfest bescheren.

Unsere Gang im Dreisamstadion

Aus unserer Reisegruppe bekamen einige die 2.Hälfte schon gar nicht im Stadion mit. Zu verlockend war ihnen das kulinarische Angebot des stadionnahen Lokals „La Playa“. Diese Tapas Bar weckte natürlich Erinnerungen an die Europapokalzeiten, die wohl so schnell nicht wiederkehren. Wenn’s blöd läuft, heißt es bald Sandhausen statt Sandstrand.

Nach dem Spiel rieben wir noch das ein oder andere bekannte Gesicht mit Knoblauch vor den Stadiontoren ein (sollte ja nicht nur unser Bus so ein schönes Aroma haben) und hörten, dass das harte Kern die Mannschaft noch zum Gespräch bat. Was die Mannschaft dort von sich gab, war auch nicht gerade ein Plädoyer für den Trainer. Aber die Debatte interessierte uns gerade kaum, denn wir hatten ja noch so manche Bierspezilität im Kofferraum und die sonst so ewig lange Rückfahrt aus Freiburg kam mir nie so kurz wie heute vor. Wohl denen, die am nächsten Tag nicht nochmal nüchtern das Knoblauchmobil besteigen und reinigen mussten. Unglaublich wo man in so einem Auto überall Knoblauchzehen finden kann und wie lange sich Knoblauchduft hält.