- 16.08.2026
- Hannover 96 – VfL Wolfsburg 0:1
- 2. Bundesliga (II)
- Niedersachsenstadion (Att: 49.000)
Als ich mich mit meinem Vater im Frühjahr über Reiseplanungen austauschte, fiel uns auf, dass wir zufällig beide in der KW 37 Urlaub haben. Schnell stand die Idee einer gemeinsamen Tour im Raum und wir einigten uns schließlich auf eine kleine Rundfahrt durch Nieder- und Oberschlesien. Allerdings ging es erst nach der Terminierung der ersten Spieltage der Saison 2026/27 an die konkrete Planung und weil der Heimauftakt von Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg leider auf Sonntag den 16. August gelegt wurde, konnte die Reise wirklich erst am ersten Tag der besagten Kalenderwoche starten.

Tja, in einer idealen Welt hätte der Hannoversche SV von 1896 beim letzten Pflichtspiel der Saison 2025/26 den VfL Wolfsburg im Niedersachsenstadion empfangen und in die 2. Bundesliga geschossen. Aber diese Welt ist nun mal wie sie ist und dementsprechend durfte der SC Paderborn 07 den hochverdienten und bundesweit gefeierten Abstieg der Wölfe herbeiführen. Jetzt reüssiert der SCP in der 1. Bundesliga und wir müssen uns mit dem vermeintlichen Plastikclub aus Ostniedersachsen in der 2. Bundesliga auseinandersetzen.

Dabei ist leider zu befürchten, dass der Absteiger am 34. Spieltag einen der zwei Aufstiegsplätze belegt. Denn bei der Kaderplanung unseres Kontrahenten war zunächst wenig davon zu spüren, dass es dem Volkswagenkonzern angeblich sehr schlecht geht und derzeit von bis zu 100.000 Entlassungen die Rede ist. Die hundertprozentige Konzerntochter VfL Wolfsburg-Fußball GmbH durfte indes mit u. a. Fabian Reese, Fraser Hornby, Muhammed Damar und Robert Glatzel jede Menge neues und sicher nicht besonders günstiges Fachpersonal für die Mission Wiederaufstieg einstellen. Nachdem die neuen Stars präsentiert waren, kam es allerdings auch noch zu prominenten Abgänge (u. a. Konstantinos Koulierakis und Dženan Pejčinović), so dass der VfL letzten Endes ein Transferplus erzielt hat.

Nichtsdestotrotz hat der aktuelle Wolfsburger Kader einen Marktwert, von dem alle anderen 17 Zweitligisten nur träumen können. Ergo gleich ein ganz dicker Brocken zum Heimauftakt der Roten Riesen, bei jenem übrigens auf den restlos ausverkauften Rängen vieles im Zeichen des 10. Geburtstags der Gruppe Unterrang stand. Die feierten ihren ersten runden Geburtstag zunächst mit einer großen Choreographie in der gesamten Nordkurve und zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es als Nachschlag noch eine Rauchwand in den Vereinsfarben schwarz, weiß und grün.

Während der Rauch durch das Stadion waberte, lautete der Spielstand übrigens immer noch 0:0. Was für den favorisierten VfL durchaus schmeichelhaft war. Allerdings nutzte 96 wie bereits beim verlorenen Auftaktspiel in Cottbus die herausgespielten Chancen nicht und am Ende kam es, wie es wohl kommen musste. Der von immerhin 5.000 Anhängern begleitete Gast bekam kurz vor Spielende einen Strafstoß zugesprochen. Reese trat an und der heute etwas überraschend zwischen den Pfosten stehende Leo Weinkauf konnte seine bisher fehlerfeie Debütleistung leider nicht mit einem parierten Elfmeter krönen.

Am Ende stand trotz insgesamt 27 Torschüssen von 96 ein 0:1 auf der Anzeigetafel und mindestens die gemeinsame Sportredaktion von HAZ und NP wird in gewohnt unqualifizierter, aber schön reißerischer Manier den Trainer anzählen und dafür sicher auch wieder auf begleitende O-Töne von Martin Kind bauen können. Wie gut, dass ich davon im Urlaub nichts mitbekommen werde.

Montagmorgen stand Vattern um 9 Uhr bei mir auf der Matte und stress- und staufrei ging es heute zunächst einmal ins sächsische Meißen. So musste der Fahrer einerseits nicht den ganzen Tag am Steuer sitzen und andererseits waren wir beide noch nie in der mutmaßlich sehr sehenswerten Mittelstadt (ca. 29.000 Einwohner) gewesen. Nach unserer Ankunft um kurz nach 13 Uhr bestätigten sich jene Mutmaßungen auch sehr schnell, wenngleich es das Wetter heute nicht besonders gut mit uns meinte. Es goss zeitweise in Strömen und wir huschten schneller als geplant durch die Altstadt, um Zuflucht in den Sehenswürdigkeiten auf dem Meißener Burgberg zu suchen.

Dort erwarben wir jeder ein 17,50 € teures Kombiticket für den Dom und die Albrechtsburg und begannen zunächst mit dem sakralen Bauwerk. Dessen Wurzeln findet man bereits im 10. Jahrhundert, als Kaiser Otto I. (HRR) das Bistum Meißen stiftete und wenig später ein erster Dom geweiht wurde. Mitte des 13. Jahrhunderts (ca. 1250) begann man diesen romanischen Vorgänger durch eine bis heute im Wesentlichen erhaltene hochgotische Kathedrale zu ersetzen, deren Bau nach rund 150 Jahren vollendet war.

Über die Geschichte des Bauwerks und des Bistums informierten wir uns nun etwas genauer im angeschlossenen Dommuseum, während beim Streifzug durch die besonders mit ihren Proportionen beeindruckende Kathedrale vor allem das farbenfrohe Ostfenster und der reich verzierte Chor im Gedächtnis blieben. Beides Meisterwerke aus dem 13. Jahrhundert, womit das Ostfenster nebenbei Sachsens älteste erhaltene Glasmalerei ist.

Außerdem studierten wir in der ab dem 15. Jahrhundert als Begräbnisstätte der Wettiner angelegten Fürstenkapelle des Doms noch den Stammbaum dieser jahrzehntelang die Geschichte Sachsens prägenden Dynastie. Das war zugleich der perfekte Prolog für unseren anschließenden Rundgang in der benachbarten Albrechtsburg. Doch bevor es dorthin ging, erlaubten wir uns noch eine kurze Pause im Domkeller und ließen uns zur Stärkung das Meissner Schwerter Privat-Pils zapfen (0,5 l für 5,60 €).

Die Privatbrauerei Schwerter aus Meißen beruft sich übrigens auf eine Brautradition seit 1460. Damals war Meißen das Machtzentrum der Wettiner und 1471 beschloss Markgraf Albrecht der Beherzte, das aus der hiesigen mittelalterlichen Burg – deren Bau und damit zugleich Stadtgründung Meißens auf das Jahr 929 datiert wird – ein repräsentatives spätgotisches Schloss werden muss. Entsprechend bezeichnet man es heute nach dem Begründer der albertinischen Linie* des Hauses Wettin als Albrechtsburg.

Darüber, sowie vieles mehr (u. a. die Stadtgeschichte Meißens und die Landesgeschichte Sachsens), wurden wir nun nach der Bierpause in besagter Albrechtsburg aufgeklärt. Und als diese Basics abgehakt waren, musste es im Schlossmuseum natürlich auch unweigerlich um Meissener Porzellan gehen. Schließlich wurde die seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) leerstehende Albrechtsburg im Jahre 1710 zur ersten europäischen Porzellanmanufaktur umfunktioniert, nachdem es einer Gruppe um den Alchemisten Johann Friedrich Böttger kurz zuvor gelungen war das Geheimnis der Herstellung von weißem Porzellan zu lüften.

Zwar hatte Böttger seinem Auftraggeber Friedrich August I. (August der Starke) eigentlich die Herstellung von Gold versprochen, aber der sächsische Kurfürst und polnische König in Personalunion war am Ende mit dem „Weißen Gold“ ebenfalls zufriedenzustellen. Denn auch die Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur verschaffte dem wohl berühmtesten Wettiner ab 1710 üppige Einnahmen, die dazu beitrugen seine prunkvolle Hofhaltung zu finanzieren.

Nach unseren musealen Programmpunkten des Tages gönnte sich der Regen endlich mal eine Pause und die nutzten wir für einen Besuch der Panoramaterrasse des Café am Dom. Hier labten wir uns nicht nur am Ausblick, sondern auch an Kaffee (5,20 € pro Kännchen) und der sächsischen Kuchenspezialität Eierschecke (5 € pro Stück).

Nach der Kaffeepause ging es wieder hinunter in die Altstadt, wo wir erstmal ins für die kommende Nacht gebuchte Hotel Goldener Löwe eincheckten (65 € pro Einzelzimmer inklusive Frühstück). Der Plan war nun ein weiterer, hoffentlich trockener Altstadtspaziergang, bei dem wir uns außerdem ein Restaurant für’s Abendessen ausgucken wollten. Doch nach etwa einer Stunde nahm uns ein heftiger Regenschauer die Entscheidung ab. Wir standen nämlich gerade vor dem Restaurant Oda und suchten sofort Zuflucht in diesem.

Jenes albanische Restaurant am Meißener Kleinmarkt hatte erst vor wenigen Wochen eröffnet und ich rechnete eigentlich mit ähnlicher Küche wie in griechischen oder „jugoslawischen” Restaurants. Allerdings gab es auf der Speisekarte keinerlei Grillfleisch, sondern nur Ofengerichte. Am Ende fiel die Wahl bei uns beiden auf Fërgesë (16,90 €). Ein im Ofen gebackener Auflauf aus Paprika, Tomaten, Schafskäse und Kalbfleisch, zu dem laut Speisekarte ein Brotkorb gereicht würde.

Klang eigentlich ganz vielversprechend, aber entpuppte sich leider als Enttäuschung. Denn einerseits war der Auflauf oben kalt und unten heiß, so dass der Gast mittels Umrühren selbst für die optimale Temperaturverteilung in der Schale sorgen musste. Andererseits taugte dieses Hauptgericht überhaupt nicht zum Sattwerden. Das lag auch daran, dass ausgerechnet an der Sättigungsbeilage gespart wurde. Erwartet hatten wir wenigstens ein paar Streifen Fladenbrot, doch in unserem Brotkorb lagen lediglich zwei Scheiben Weizenmischbrot aus dem Supermarktregal.

Demgemäß war auf der Rechnung am Ende nur der Bierpreis angemessen (0,5 l Feldschlösschen kosteten 4 €) und diese Enttäuschung musste umgehend mit weiteren Gerstensäften verarbeitet werden. Nun allerdings in der nahen Kneipe Zum Löchlein, wo der Abend mit ein paar fassfrischen halben Litern Sankt Jaro der mährischen Brauerei Pivovar Litovel (je 4 €) versöhnlich ausklang.

Am nächsten Morgen ging es mit ordentlich Appetit aus dem Bett und erfreulicherweise war das Frühstücksbuffet im Goldenen Löwen vernünftig bestückt. Egal ob man Freund des süßen oder deftigen Start in den Tag war; die Warmtheke und das kalte Buffet hatten für jeden Geschmack etwas parat. Sogar Prosecco gab es auf Wunsch, doch Fahrer und Beifahrer verzichteten gleichermaßen auf dieses Angebot.

Nach der ersten Mahlzeit des Tages durfte der Caddy sodann weiter in sein Fertigungsland Polen rollen. Zielort war heute das ca. 260 km von Meißen entfernte Świdnica (Schweidnitz). Um etwas mehr von Land und Leuten zu sehen, fuhren wir dorthin übrigens hauptsächlich abseits der Autobahnen und legten um 12 Uhr außerdem noch einen Zwischenstopp in Jelenia Góra (Hirschberg) ein. Für das leibliche Wohl sorgte dort erst einmal ein 18 Złoty (ca. 4,20 €) teurer Cappuccino am Marktplatz, ehe wir ausgerüstet mit Hot Dogs vom Żabka à 6,99 Złoty (ca. 1,60 €) zum Altstadtbummel schritten.

Die rund 75.000 Einwohner leben in einer sehr schönen Stadt, in der ich durchaus nochmal einen etwas längeren Aufenthalt mitsamt des Besuches eines Fußballspiels bei KS Karkonosze Jelenia Góra verbringen würde. Wenn das eines Tages realisiert wird, gibt es natürlich auch einen ausführlichen Bericht mit touristischen und kulinarischen Tipps. Heute möchte ich euch aber schon mal empfehlen, dass ihr wie wir auf den Wieża zamkowa (Burgturm) steigt und herrliche Ausblicke auf die Stadt und das umliegende Karkonosze (Riesengebirge) genießt.

Gegen 14 Uhr rollte der Caddy wieder aus Jelenia Góra raus und 96 Minuten später erreichten wir Świdnica (ca. 53.000 Einwohner). Dort checkten wir sogleich im zentral gelegenen Hotel Great Polonia ein (60 € pro Zimmer mit Frühstück). Anschließend gingen wir zum benachbarten Rynek (Ring) und begannen auf diesem großzügig dimensionierten Marktplatz unsere Erkundung der historischen Altstadt.

Deren Geschichte reicht rund 800 Jahre zurück, als mutmaßlich Anfang des 13. Jahrhunderts die planmäßige Stadtgründung erfolgte (die erste urkundliche Erwähnung ist auf 1243 datiert). Ab 1290 ist die Stadt dann Sitz des Piastenherzogs von Schweidnitz-Jauer. Unter den Piasten stieg Schweidnitz u. a. dank seines viel gerühmten Bieres zu einer der reichsten Städte Schlesiens auf, wovon bis heute u. a. das Rathaus und zahlreiche prächtige Bürgerhäuser am Rynek zeugen.

Als die hiesige Piastenlinie 1368 ausstarb, fiel das Herzogtum an den böhmischen König Wenzel und 1526 wiederum ging der böhmische Besitz mitsamt dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer an die Habsburger über. Kein Nachteil für die hiesigen Bierbrauer, da der böhmische Adel total auf das Schweidnitzer Bier abfuhr. Erst als in Böhmen vergleichbar gutes Bier gebraut wurde, brach die Nachfrage ein. Aber hier reden wir bereits über das 18. Jahrhundert, als die Habsburger nebenbei fast ganz Schlesien an das Königreich Preußen abtreten mussten (1741) und die Region somit ab 1871 zum Deutschen Reichs gehören sollte. Aber die Verbrechen eines gewissen Adolf Hitler sorgten bekanntermaßen dafür, dass nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) nahezu alle Deutschen aus Schweidnitz vertrieben wurden und die Stadt mittlerweile seit 81 Jahren zu Polen gehört.

Nahezu alle Herrscher kommen und gehen sah übrigens die Katedra ŚŚ. Stanisława i Wacława (Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel). Diese Kirche wurde im 14. Jahrhundert im gotischen Stil als Stadtpfarrkirche erbaut, im 17. Jahrhundert von den Jesuiten im Inneren prächtig barockisiert und ist seit 2004 Kathedrale des in jenem Jahr neu geschaffenen römisch-katholischen Bistums Świdnica. Bis heute überragt ihr 103 m hoher Kirchturm die geschichtsträchtige Stadt.

Doch tatsächlich ist die katholische Kathedrale nicht das sakrale Highlight von Świdnica. Denn ausgerechnet eine protestantische Kirche verschaffte der Stadt einen Eintrag ins Welterbe der UNESCO. Es handelt sich hierbei um die am Rande der Altstadt gelegene Kościół Pokoju pw. Świętej Trójcy (Friedenskirche Zur heiligen Dreifaltigkeit), die auf unseren Stadtrundgang selbstverständlich nicht fehlen durfte.

Für deren Besichtigung entrichteten wir am späten Nachmittag sehr gerne je 18 Złoty (ca. 4,20 €) Eintrittsgebühr und wurden anschließend über die bemerkenswerte Geschichte der heute größten Fachwerkkirche der Welt aufgeklärt. Ihr Baubeginn im Jahr 1656 war ein widerwilliges Zugeständnis der katholischen Habsburger an die protestantischen Untertanen in Schlesien. So wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) zwar alle Kirchen im damals wie erwähnt zum Habsburgerreich gehörenden Schlesien rekatholisiert, aber Kaiser Ferdinand III. (HRR) hatte sich im Westfälischen Frieden verpflichtet, dass die Protestanten in Glogau, Jauer und Schweidnitz** drei neue Gotteshäuser bauen dürfen.

Jedoch überlegte sich der katholische Herrscher strenge Auflagen. Die Kirchen durften nur außerhalb der Stadtmauern gebaut werden und durften weder einen Turm noch Glocken haben. Als Baumaterial waren lediglich Holz, Sand, Lehm und Stroh erlaubt. Als weitere Hürde wurde den evangelischen Gemeinden in Glogau, Jauer und Schweidnitz ferner auferlegt, dass die Bauzeit nicht länger als ein Jahr in Anspruch nehmen durfte. Aber die Schweidnitzer Gemeinde meisterte alle Schikanen und errichtete zwischen dem 23. August 1656 und 24. Juni 1657 eine 1.090 m² große Fachwerkkirche mit Platz für bis zu 7.500 Gläubige.

Außerdem verabschiedeten sich die Schweidnitzer Protestanten sich aus Trotz vom reformatorischen Grundsatz, dass Prunk, Bilder und Figuren vom eigentlichen Glauben ablenken und daher in evangelischen Kirchen nichts zu suchen haben. Stattdessen wollte man die prächtigen zeitgenössischen Barockkirchen der Katholiken regelrecht übertrumpfen. Das Ergebnis dieser Bestrebungen ließ uns staunen. Überall ist das Holz bunt bemalt und reich verziert. Das hatten wir aufgrund bisheriger Erfahrungen mit protestantischen Kirchen keineswegs erwartet.

Neben Altarraum und Kanzel fällt dabei besonders eine Loge über dem Haupteingang ins Auge. Diese wurde im Jahr 1698 aus Dankbarkeit für die Familie des Grafen Johann Heinrich von Hohberg errichtet. Denn der zum protestantischen Glauben konvertierte Graf hatte aus seinen Wäldern 2.000 Eichen und somit etwa zwei Drittel des für den Bau der Kirche notwendigen Holzes gespendet und sollte sich fortan stets als Ehrengast in der Friedenskirche fühlen.

Nach dem touristischen Höhepunkt der Stadt, war es Zeit für’s Abendessen. Dazu ging es wieder zum Rynek, wo sich in den historischen Bürgerhäusern etliche gastronomische Betriebe niedergelassen haben. Nur war dort gegenwärtig kein Restaurant mit klassischer polnischer Küche zu finden, so dass ich meinen Vater diesbezüglich auf den kommenden Abend in Katowice (Kattowitz) vertrösten.

Stattdessen ging es in die Schankwirtschaft Garaż, wo wir zur Würdigung der lokalen Biertradition zunächst das Pils Świdnickie Jasne (0,5 l) bestellten. Dann entschieden wir uns beide für einen wirklich köstlichen Wildfleischburger mit u. a. Cheddar, Spiegelei und Whisky-Senfsauce, der von Steakhouse Fries und Knoblauchcreme begleitet wurde.

Nachdem die Rechnungssumme in Höhe von 160 Złoty (ca. 37 €) entrichtet war, ging es anschließend noch zur fünf Fußminuten vom Rynek entfernten Kneipe Pod Kasztanem. Unter der namensgebenden Kastanie klang der Abend nun in Begleitung von frisch gezapften Holba aus, wobei für 0,5 l jener mährischen Bierspezialität je 13 Złoty (ca. 3 €) fällig wurden.

Am nächsten Morgen trafen mein Vater und ich uns um 8 Uhr beim Frühstücksbuffet des Hotels wieder. Wie bereits erwähnt, sollte uns die Reise heute weiter ins oberschlesische Katowice führen. Doch zuvor wollten wir noch die nähere Umgebung von Świdnica in Augenschein nehmen und steuerten den Caddy in die 15 km südlich gelegene Gemeinde Zagórze Śląskie (Kynau).

Dort thront auf einem Felssporn seit über 700 Jahren die Burg Grodno (Kynsburg), die dereinst vom Schweidnitzer Herzog Bolko I. am Lauf des Flusses Bystrzyca (Weistritz) zur Grenzsicherung gegenüber dem benachbarten Königreich Böhmen errichtet wurde. Vom Parkplatz im Dorf mussten wir dementsprechend noch einen etwa viertelstündigen Spaziergang mit ein paar Dutzend Höhenmetern meistern, ehe wir von den Toren der Burganlage standen.

Für eine Besichtigung wurden nun 40 Złoty (ca. 9,50 €) pro Person fällig. Lohnte sich, da die 1774 aufgegebene Burg eine sehenswerte Mischung aus teils romantischer Ruine und teils noch gut erhaltenen, respektive restaurierten Räumen bot. In ihnen sind u. a. historische Waffen, Rüstungen und Folterwerkzeuge ausgestellt. Außerdem wird man auf mehrsprachigen Schautafeln auch über die Geschichte der Burg und ein paar lokale Legenden informiert.

Der Höhepunkt ist allerdings im doppelten Wortsinn der auf etwas wackligen Treppen zu besteigenden Burgturm. Von dort bot sich ein herrlicher Ausblick über das umliegende Bergland und das Tal der Bystrzyca, welche unterhalb der Burg mittlerweile in einer großen Talsperre gestaut wird. Spätestens jetzt konnte man nachvollziehen, welcher strategische Nutzen sich für Erbauer Bolko im späten 13. Jahrhundert eröffnete, als er mit dieser Burg den Fluss und dessen Nebenwege überwachen konnte.

Der nächste Tagesordnungspunkt führte uns ebenfalls zu einer Ruine. Allerdings einer aus dem 20. Jahrhundert, die sich obendrein unter Tage befindet. Es ging zu einem ca. 8 km von der Burg Grodno entfernten Stollensystem, dessen Bau die Nazis im Zweiten Weltkrieg im Rahmen ihres Geheimprojekts Riese im Góry Sowie (Eulengebirge) geplant und teilweise auch bereits in die Berge getrieben hatten.

Die Arbeiten wurden ab 1943 unter unmenschlichen Bedingungen von bis zu 20.000 Zwangsarbeitern durchgeführt und offenbar sollten dort unter Tage, ergo gut geschützt vor alliierten Bombern, vermeintlich noch die Kriegswende bringende Rüstungsgüter wie der Düsenjäger ME 262 und die ballistische Rakete V2 produziert werden. Dazu kam es allerdings nicht mehr, weil die Rote Armee bereits vor Inbetriebnahme der Anlagen nach Niederschlesien vorrücken konnte.

Da alle Baupläne verschollen sind und Zeugen nach dem Krieg kaum ausfindet gemacht werden konnten, ranken sich bis heute viele Mythen um das Bauprojekt. Bis hin zu Legenden über einen hier versteckten Zug voller Nazigold oder Spinnereien über Reichsflugscheiben. In jedem Fall ist mittlerweile ein Großteil des Stollensystems erkundet und Teilbereiche wie der heute von uns besuchte Wolfsbergkomplex sind touristisch erschlossen. Für abermals 40 Złoty konnten wir deshalb an einer etwa einstündigen Führung teilnehmen.

Zwar war die Führung ausschließlich in polnischer Sprache, aber einen Eindruck über die Dimensionen der Anlage und die Leiden der Zwangsarbeiter konnte man natürlich trotz Sprachbarriere gewinnen. Den Rest erschlossen wir uns online auf den zahlreichen deutschsprachigen Websites zu dem Themenkomplex.

Wieder über Tage, steuerten wir erstmal die nächstbeste Tankstelle an und gönnten dem Caddy Super für gerade einmal umgerechnet knapp 1,50 € pro Liter. Außerdem gab es als kleinen Mittagsimbiss noch Hot Dogs mit Sos Amerykański à 10,99 Złoty (ca. 2,50 €). Danach waren Mensch und Maschine bereit für die Weiterfahrt nach Górny Śląsk (Oberschlesien). Was wir dort erlebt haben, lest ihr dann im nächsten Bericht.
*Die Brüder Ernst und Albrecht teilten sich nach dem Tod ihres Vaters Kurfürst Friedrich II. von Sachsen (* 1412; † 1464) zunächst das Erbe. 1485 kam es jedoch zur Teilung des Herrschaftsgebiets. So entstanden die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses Wettin. Während die Ernestiner sich später auf viele kleine Herzogtümer aufspalten sollten (viele davon im heutigen Thüringen), verzichteten die Albertiner auf weitere Teilungen und regierten Sachsen bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918.
**Während die Friedenskirche in Glogau (heute Głogow) 1758 einem Brand zum Opfer fiel, ist jene in Jauer (heute Jawor) immer noch erhalten und ebenfalls ins Welterbe aufgenommen. Auch sie soll über sehr prächtiges Interieur verfügen und ist garantiert eine Visite wert.