- 27.06.2026
- Berliner FC Dynamo – MKS Pogoń Szczecin 0:3
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- Sportforum Hohenschönhausen (Att: 2.119)
Ende Juni hatten Jojo und ich erste Testspielkracher zur Überbrückung der Sommerpause ins Auge gefasst. Nur als wir Zugtickets für die beiden deutsch-polnischen Vergleiche BFC Dynamo vs. Pogoń Szczecin (27. Juni) und Hallescher FC vs. Górnik Zabrze (28. Juni) buchten, hatten wir natürlich keine Glaskugel für die Wetterlage am entsprechenden Wochenende. Denn leider sollte Deutschland gleich zum Sommeranfang von einer rekordverdächtigen Hitzewelle erfasst werden. Demgemäß riet Ende Juni sogar die Deutsche Bahn von allen nicht dringend notwendigen Reisen ab und erstattete per Sonderkulanz jedwede Tickets.

Tja, so richtig notwendig waren unsere Fußballausflüge natürlich nicht. Aber will man wirklich das ganze Wochenende in seiner klimatisierten Wohnung oder irgendwelchen Schwimmbädern verbringen? Wofür hat man sich schließlich jahrelang mit Sommerurlaub in Süd- und Südosteuropa auf die neue deutsche Klimarealität vorbereitet? Mit literweise Wasser, Kopfbedeckungen, nassen Mikrofaserhandtüchern im Nacken und natürlich ausreichend Sonnencreme auf der Haut, würden wir schon keine medizinischen Notfälle werden.

Die deutsche Infrastruktur ist allerdings noch nicht fit für die von uns fleißig mitverantworte Klimakatastrophe. Die aktuell hohen Außentemperaturen brachten die Klimaanlagen der Züge teilweise an ihre Leistungsgrenze, so dass einiges an Rollmaterial ausfiel. Genauso war es mancherorts für die Schienen und die Weichentechnik zu heiß. Entsprechend fielen am 27. Juni etliche Züge aus oder hatten erhebliche Verspätungen. Darunter auch der meinerseits für die Hinfahrt für 11,24 € gebuchte ICE. Nun war die Zugbindung meines Sparpreistickets aufgehoben und ich musste eine Alternative finden. Letztlich war ich aber kaum später als der vornherein anders angereiste Jojo in Berlin und wir trafen uns gegen 14 Uhr in Kreuzberg am Rio-Reiser-Platz.

Zu diesem Treffpunkt kam es, weil Jojo dort um die Ecke freundlicherweise einem heute verhinderten Berliner Bekannten dessen zwei Tickets abgekauft hatte. So bekam ich beim Händedruck auch gleich meine 15 € teure Eintrittskarte überreicht und wir beschlossen aus praktischen Gründen direkt am hiesigen Platz den Imbiss Rüya Gemüse Kebap für ein kleines Mittagessen aufzusuchen. Bei Jojo wurde es der Dürüm Kebap (8,50 €) und ich orderte mir den Kebap Teller (13,90 €).

Nach dem leckeren Schmaus machten wir uns per U-Bahn erst einmal zum Alexanderplatz auf und von dort ging es mit der Tram weiter zum Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen. Den größten Sportkomplex Ostberlins mit seinem 1959 eröffneten Fußballstadion erreichten wir um 15:30 Uhr und damit eine halbe Stunde vor Anpfiff. Verpasst hatten wir einen gemeinsamen Fanmarsch der befreundeten Anhänger beider Clubs, die nun auch nebeneinander ihre Verkaufsstände im Sportforum aufgebaut hatten. Reißenden Absatz fanden dort natürlich insbesondere jene Artikel, welche die schlagkräftige Allianz zwischen Pogoń und dem BFC visuell aufgriffen.

Auch das Spiel, welches der 1966 gegründete BFC als Jubiläumsspiel zum 60. Geburtstag deklariert hatte, wurde ab 16 Uhr Seite an Seite verfolgt. Wobei insbesondere die wenigen schattigen Plätze im Sportforum beliebt waren und wahrscheinlich rund die Hälfte der offiziell 2.119 Zuschauer nicht eine Spielminute gesehen hat. Unter den Bäumen im Umlauf oder unter den Sonnenschirmen der Stadiongastronomie war es einfach viel besser auszuhalten, als auf den Traversen des altehrwürdigen Sportforums.

Ein paar unentwegte Weinrotweiße und Granatowo-bordowy hatten sich allerdings tatsächlich auf die Gegengerade gestellt, um gemeinsam im etatmäßigen Fanblock der Ostberliner den einen oder anderen Schlachtruf zum Besten zu geben. Bei 39° C Lufttemperatur verzichtete man allerdings auf angedachte pyrotechnische Einlagen und insgeheim wünschte sich manch einer im ACAB- oder CHWDP-Shirt vielleicht sogar ein paar Wasserwerfer der Berliner Polizei her. Denn die waren dieses Wochenende tatsächlich auf großer Stadtrundfahrt und beregneten die Bürger an vielen verschiedenen Plätzen der Hauptstadt.

Erfrischender Fußball war natürlich auch nicht zu erwarten. Das seit der Clubgründung des BFC mittlerweile 16. Aufeinandertreffen von Pogoń und Dynamo wurde zwangsläufig ein lahmer Sommerkick. Zumal die von Schiedsrichter Kai Kaltwasser (!) gewährten Hydration Breaks mit knapp einer Minute viel zu kurz ausfielen. Schließlich wissen wir dank des gegenwärtig in Nord- und Mittelamerika ausgetragenen FIFA World Cup 2026, dass die erfolgreiche Rehydration von Fußballern mindestens einen dreiminütigen Werbeblock benötigt.

Im Hohenschönhäuser Glutofen fielen aber tatsächlich auch ein paar Tore. Filip Čuić gelang in der 40. Minute der erste Treffer des Tages, so dass der Gast aus der erstklassigen polnischen Ekstraklasa immerhin mit einer Führung zum Pausentee schreiten konnte. Nach dem Seitenwechsel sorgte Pogońs Sturmneuzugang Karol Angielski schließlich mit einem Doppelpack (48. / 71.) für ein standesgemäßes Endergebnis. Nichtdestotrotz hatte sich der deutsche Regionallist ganz gut verkauft und kam einem Ehrentreffer ein paar Mal recht nahe.

Nachdem der für die Spieler und Zuschauer erlösende Schlusspfiff um 17:54 Uhr ertönt war, blieben Jojo und mir noch knapp zwei Stunden bis zu unserer Zugabfahrt um 19:47 Uhr am Berliner Hauptbahnhof. Die Zeit nutzen wir für einen Zwischenstopp an Curry-Baude am Bahnhof Gesundbrunnen, wo wir ein kleines Abendessen in Form von Currywurst mit Pommes (je 4,50 €) genossen. Anschließend kauften wir noch Erfrischungsgetränke im Gesundbrunnen Center und erreichten den Hauptbahnhof schließlich um 19:10 Uhr.

Eigentlich wollten wir die verbleibende halbe Stunde bis zur Abreise in der klimatisierten DB Lounge verbringen. Doch wenige Minuten nach der Ankunft erreichte uns die Meldung, dass unser gebuchter ICE erst 21:17 Uhr anstatt 19:47 Uhr fahren sollte. Entsprechend war auch in diesem Fall die Zugbindung des abermals 11,24 € teuren Sparpreistickets aufgehoben und wir freuten uns, dass der ICE um 18:47 Uhr ebenfalls mächtig Verspätung hatte. Mit uns als Insassen verließ jener Fernzug den Hauptbahnhof der Hauptstadt letztlich um 20:06 Uhr. Unterwegs gab es leider auch noch ein paar Widrigkeiten, aber Jojo und ich waren nichtsdestotrotz weit vor Mitternacht in unseren jeweiligen Domizilen.

Für den angedachten Sonntagsausflug nach Halle konnten wir uns am Folgetag allerdings beide nicht mehr motivieren und nutzten für die Fernverkehrstickets die eingangs erwähnte Sonderkulanz der DB. Gut so. Denn der für die Hinfahrt gebuchte InterCity fiel aus und auf der Rückfahrt hätte uns ein Feuer an der Strecke ausgebremst. In meinem auf 18,96° C herunter gekühlten Wohnzimmer erreichte mich abends noch die Push-Up-Meldung, dass der entsprechende IC letztlich mit rund zwei Stunden Verspätung in Hannover einrollen sollte. Also alles richtig gemacht…