Stockholm 04/2026 (II)

  • 27.02.2026
  • AIK – Malmö FF 0:1
  • Allsvenskan (I)
  • Nationalarenan (Att: 30.492)

Nachdem El Glatto und ich am Sonntag die Gamla Stan und Södermalm touristisch erkundet hatten, standen am Montag die Stockholmer Stadtteile Norrmalm und Östermalm auf unserer Liste. So spazierten wir nach dem Frühstück im Thon Hotel Kungsbron zunächst ein wenig durch Norrmalm. Es ist das eigentliche Stadtzentrum von Stockholm, wo nicht nur der Hauptbahnhof, sondern auch die Hauptgeschäftsstraßen und wichtige Verkehrsachsen der schwedischen Kapitale zu finden sind.

Ein Ausschnitt aus dem Angebot der Warmtheke unseres Hotelfrühstücks

Analog zum gestern besuchten Södermalm, setzte die Urbanisierung Norrmalms ab dem 17. Jahrhundert ein, als sich Stockholm über die Grenzen der Gamla Stan hinaus ausdehnte. Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt der Stadtteil allerdings zu großen Teilen der 1945 beschlossenen Norrmalmsregleringen. Das war ein städtisches Sanierungsprogramm, dem zunächst hunderte Altbauten zum Opfer fielen. Dieser tiefe Eingriff ins historisch gewachsene Stadtbild war natürlich nicht unumstritten, schien aufgrund der wachsenden Wohnraum- und Verkehrsprobleme jedoch alternativlos.

Die Kungsgatan (Königsstraße) ist eine der zentralen Achsen in Norrmalm

Um jenen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, legte man in den kommenden zwei Jahrzehnten autogerechte Straßen und großzügige Plätze an, die jeweils von mehrstöckiger Bebauung gesäumt sind. Ebenfalls erweiterte man im Zuge die Norrmalmsregleringen die U-Bahn nach Norden und erschloss somit weitere Stadtteile für die Mitte des 20. Jahrhunderts weiterhin stark wachsende Hauptstadt.

Uferbebauung Blasieholmen

Aber in Norrmalm herrscht nichtsdestotrotz ein interessantes Nebeneinander von alt und neu. Alles was bereits 1945 unter Denkmalschutz stand, wie beispielsweise Kirchen oder das königliche Opernhaus, blieb selbstverständlich erhalten. Außerdem ließ man die zu Norrmalm gehörende Halbinsel Blasieholmen baulich nahezu unverändert. Dort erspähten wir u. a. das zwischen 1844 und 1866 erbaute Nationalmuseum und das 1874 eröffnete Grand Hôtel.

Der vornehme Strandvägen in Östermalm

Im Nordosten grenzt Blasieholmen an Östermalm. In jenem Stadtteil setzten wir unseren Spaziergang an der eleganten Uferpromenade Strandvägen fort. Östermalm wurde im 19. Jahrhundert bewusst als Wohnquartier für das gehobene Bürgertum konzipiert. Straßen und Plätze wurden symmetrisch am Reißbrett entworfen und nahezu jede Fassade der Gebäude ist elegant und verspielt.

Historisches Eingangstor zum einstigen königlichen Jagdrevier Djurgården

Zu Östermalm gehört außerdem die Insel Djurgården. Wie bereits im vorigen Bericht erwähnt, war die Insel einst königliches Jagdrevier, sowie 1891 Gründungsort und Namensgeber des Sportvereins Djurgårdens IF. Mittlerweile fungiert Djurgården insbesondere als Museumsinsel von Stockholm. Aus den zehn derzeit hier beheimateten Museen hatten wir uns für heute das 1990 eröffnete Vasamuseet herausgepickt und sollten die pro Ticket investierten 195 SEK (ca. ca. 18 €) nicht bereuen.

Hinter dem Eingang des Vasamuseet eröffnet sich sogleich dieser majestätische Anblick

Das Museum wurde zwar mehr oder weniger nur für ein Ausstellungsstück gebaut, aber dieses Exponat versetzt wahrscheinlich jeden Besucher ins Staunen. Es handelt sich nämlich um das 1628 auf seiner Jungfernfahrt gesunkene Kriegsschiff Vasa. Das Wrack dieser über 60 m langen und fast 12 m breiten Galeone wurde 1961 vor Stockholm geborgen und präsentierte sich nach 333 Jahren noch in einem erstaunlich guten Zustand. Restaurateure machten sich anschließend ans Werk und konnten der Öffentlichkeit nach vielen Jahren der Arbeit schließlich ein zu ca. 96 % original erhaltenes Schiff aus dem 17. Jahrhundert präsentieren.

Ansicht von der obersten Besucherplattform

Das Museum ist dabei so gestaltet, dass der Besucher sich dem Schiff schrittweise von allen Seiten und auf verschiedenen Ebenen nähern kann. Besonders faszinierend fanden wir dabei die prächtige Gestaltung der Galeone. Offenbar sollten die Feinde Schwedens nicht nur mit den 64 Kanonen des Schiffes, sondern auch mit den mehreren hundert geschnitzten Figuren und Ornamenten beeindruckt werden. Form follows function war bei diesem Prestigeobjekt offenbar nicht das Leitmotiv und letztlich sorgten eklatante Konstruktionsfehler für den Untergang des Schiffes.

Heckansicht I

Die Baugeschichte der Vasa, das Drama ihrer Jungfernfahrt und die Bergung und Konservierung werden auf den Ausstellungsflächen rund um das Wrack natürlich ebenfalls ausführlich beleuchtet. Genauso widmet sich das Vasamuseet den Menschen hinter der Katastrophe, ihrem Alltag auf See, der damaligen Seekriegsführung und dem historischen Kontext im 17. Jahrhundert. Alles durch viele Originalfundstücke und multimediale Aufbereitung sehr anschaulich.

Heckansicht II

Nach gut zwei Stunden rekapitulierten wir unsere Eindrücke gegen 12:30 Uhr gern noch bei einer Fika im Museumscafé. Kaffee und Kuchen gab es hier für zusammen 98 SEK (ca. 9 €). Wobei noch angemerkt sei, dass beim Heißgetränk free refill möglich war.

Fika im Vasamuseet

Nach der Kaffeepause setzten wir unsere Erkundung von Östermalm fort. Absolute Pflicht war dabei natürlich ein Abstecher ins für die Olympischen Spiele des Jahres 1912 errichtete Olympiastadion. Dieser auch als Stockholms stadion bekannte Backsteinbau orientiert sich mit seinen Türmen, Torbögen und Zinnen ganz offensichtlich an den Burgen des Mittelalters und ist dank Denkmalschutz noch sehr nah am Originalzustand von 1912. Ergo war machten somit die gleich die nächste Reise in eine längst vergangene Epoche.

Das Marathontor des Olympiastadions

Nach den Olympischen Spielen wurde AIK der Hauptnutzer des Olympiastadions. Als der schwedische Fußballverband 1937 allerdings sein Nationalstadion Råsunda in Stockholms nördlicher Vorstadt Solna eröffnete, zog der bestens mit dem Verband vernetzte Allmänna Idrottsklubben dorthin um und verließ somit sein angestammtes Einzugsgebiet (AIK wurde 1891 nur 1,5 km vom Olympiastadion entfernt an der Adresse Biblioteksgatan 8 gegründet). Das eröffnete wiederum Djurgårdens IF die Option nach Östermalm zurückzukehren (1910 hatte DIF Östermalm verlassen und die Sportanlage Tranebergs IP im Vorort Bromma gepachtet). Djurgården trug seine Heimspiele noch bis 2012 im Olympiastadion aus, ehe es zusammen mit Hammarby IF in die gestern besuchte Stockholmsarenan nach Johanneshov umzog.

Die Osttribüne mit dem Uhrturm und der königlichen Loge

AIK ist Solna hingegen bis heute treu geblieben, spielt aber mittlerweile auch nicht mehr im 2013 abgerissenen Råsunda fotbollsstadion, sondern in der 2012 eröffneten Nationalarenan. Jenes neue Nationalstadion stand heute ebenfalls auf unserer Liste, doch zunächst fuhren wir am Nachmittag per U-Bahn vom Olympiastadion in Stockholms nördliche Satellitenstadt Sundbyberg. Die grenzt direkt an Solna und bei meiner Planung für den heutigen Tag war ich auf die dortige Omnipollos Kyrka gestoßen.

Hier wollten wir allerdings nicht die sakrale Architektur der Stockholmer Vorstadtkirchen studieren, sondern uns mit Bier und Burgern auf das abendliche Fußballspiel einstimmen. Denn die besuchte Kirche wurde bereits vor vielen Jahren profaniert und ist seit 2020 Heimat der schwedischen Mikrobrauerei Omnipollo. Die produzieren im Kirchenschiff ihr Bier und auf der Empore können Besucher sich die Brauerzeugnisse sogleich reinorgeln.

Die Omnipollos Kyrka

Außerdem wurde die frühere Sakristei zu einer Küche umfunktioniert, so dass wir hier auch zu Abend essen konnten. Glatto entschied sich für den Double Cheeseburger und ich bestellte mir einen Maple Bacon Burger. Als Beilage wählten wir beide die Västerbotten fries, die mit dem gleichnamigen Hartkäse, Kaviar und Dill beladen waren.

Ich bin sicher Gott liebt das Nachnutzungskonzept

Eine kleine Bierverkostung war natürlich ebenfalls obligatorisch. Das Essen ließen wir von je 40 cl Isac (Pilsner) begleiten. Bei der nächsten Runde ließ ich mir 20 cl vom Tokyo (Rice IPA) und Glatto 20 cl vom Flora (Session IPA) zapfen. Zum Abschluss trank mein Gegenüber noch 20 cl Church Titan (Double IPA) und ich probierte die gleiche Menge vom Space Trip Cookie (Triple IPA). Letzteres dürfte mit einem Literpreis von ca. 50 € übrigens das bisher teuerste Bier meines Lebens gewesen sein. Das leckerste war es aber definitiv nicht.

Unser letztes Abendmahl in Stockholm

Nachdem die Gesamtrechnungssumme in Höhe von 1.000 SEK (ca. 90 €) in der Omnipollos Kyrka beglichen war, ging es am frühen Abend per Tram von Sundbyberg nach Solna. Wir erreichten die dortige Nationalarenan gegen 18:30 Uhr und hatten somit noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Anpfiff. Die nutzte ich, um im Fanshop für 399 SEK (ca. 37 €) den 400 Seiten starken Bildband AIK Tifo – Svartgul Kultur zu erwerben. Dieser 1,7 kg schwere Einband zeigt die Choreographien und Pyroshows der Jahre 1998 bis 2025 und liefert in geschriebenen Kapiteln den jeweiligen Kontext.

Ankunft am 2012 eröffneten neuen Fußballnationalstadion

Material für eine etwaige Fortsetzung gab es erfreulicherweise gleich heute. Anlass war das Karriereende des früheren AIK-Außenstürmers Nabil Bahoui. Der Schwede mit marokkanischen Wurzeln lief von 2013 bis 2015 und nochmal von 2018 bis 2022 in 166 Pflichtspielen für den Allmänna Idrottsklubben auf. Dabei erzielte er 66 Tore, darunter mehrere entscheidende Treffer in Derbys gegen Djurgården und Hammarby. Ferner gehörte er zur Meistermannschaft 2018 und nachdem Bahouis Laufbahn vergangenes Jahr bei seinem Jugendverein IF Brommapojkarna ausgeklungen war, wollte man seitens AIK gerne auch nochmal Danke sagen.

Willkommen in der schwedischen Nationalarenan

Der Verein wählte dafür das heutige Spiel gegen Malmö FF und die Fanszene sorgte mit einer Choreographie für einen würdigen Rahmen. Sie zogen Nabil Bahoui in Jubelpose vor der Norra Stå (Nordtribüne) hoch. Dahinter ein schwarz-gelbes Fahnenmeer, während an der Brüstung des Mittelrangs die Botschaft „Läget är guldish, alltid detsamma“ (Der Ort ist Guldish, immer das Gleiche) zu lesen war. Das wiederum ist eine Zeile aus dem Song „Borta bra, men hemma bäst“ (Anderswo ist es gut, aber zu Hause ist es am besten) des Rapduos Ison & Fille. Die Zeile wurde gewählt, weil Guldish der Spitzname der Wohnsiedlung Gulddragaren im Stockholmer Bezirk Bredäng ist. Dort ist Nabil Bahoui nicht nur zusammen mit Ison und Fille aufgewachsen, sondern er ist auch bis heute gut mit den beiden Rapmusikern befreundet.

Nabil Bahoui in Jubelpose

Um 19 Uhr wurde schließlich vor über 30.000 Zuschauern einer der großen Klassiker des schwedischen Fußballs angepfiffen. Es traf der erfolgreichste Hauptstadtclub (12 Meistertitel / 8 Pokalsiege) auf den schwedischen Rekordmeister und Rekordpokalsieger (24 / 16). Wobei man anmerken muss, dass AIK im 21. Jahrhundert die Allsvenkan lediglich zweimal für sich entscheiden konnte und die Trophäe im selben Betrachtungszeitraum gleich zehnmal nach Malmö ging. Außerdem standen die Südschweden 1979 im Europapokalfinale der Landesmeister und erreichten im Nachfolgewettbewerb UEFA Champions League schon mehrfach die Gruppenphase. AIK kann dagegen kaum vergleichbare internationale Erfolge vorweisen.

Das Intro der Gästefans

Doch wo wir im vorigen Bericht bereits die Vorurteile über die Fans von Djurgården und Hammarby angerissen haben, können jetzt auch gleich mit AIK weitermachen. Denn einem Klischee zufolge, haben die Anhänger des Allmänna Idrottsklubben ein Selbstverständnis, als wären sie der unangefochtene Rekordmeister und nebenbei der einzige schwedische Club, den der Rest der Welt kennen muss. Da man sich zugleich – in diesem Fall vielleicht sogar einigermaßen berechtigt – für die größte und bedeutendste Fanszene des Landes hält, hassen eigentlich alle AIK und AIK hasst ebenfalls alles und jeden. Zumindest in Schweden.

Die rot-gelbe Skånes flagga hat Malmö immer und überall dabei

Entsprechend dieser Ausgangslage bedachten sich die Heimfans und die etwa 1.000 mitgereisten Anhänger aus der Region Skåne (Schonen) mit vielen Schmähungen. Ferner fühlen sich die Hauptstädter traditionell von den zur Malmöer Identität gehörenden schonischen Farben und Fahnen provoziert. Die stehen zwar mehr für Regionalstolz, als für ernsthafte separatistische Bestrebungen, triggern aber nichtsdestotrotz zumindest den patriotischen Flügel der weltanschaulich jedoch insgesamt ziemlich heterogenen AIK-Fanszene. Daher überraschte es uns nicht, dass heute im Bereich der mit den Ultras Hannover befreundeten Stockholmer Gruppe Ultras Nord mehrere schwedische Nationalfahnen geschwenkt wurden.

Schwedische Nationalfahnen und die Forderung der Abschaffung von Ligaspielen unter der Woche

Außerdem provozierten die Ultras Nord die verhassten Südschweden mit dem Konterfei des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Der trug auf dem mehrfach gezeigten Banner ein Trikot von Malmö FF. Im Laufe des Spiels wurde dazu obendrein ein Spruchband mit der Aufschrift „Jeffrey Epstein håller på Malmö“ (Jeffrey Epstein hält zu Malmö) entrollt, womit der Gastverein seitens der Stockholmer einmal mehr in die Nähe von Pädokriminalität gerückt wurde. Diese Form der Schmähung ist 2013 aufgekommen, als der damalige MFF-Spieler Miiko Albornoz wegen sexueller Handlungen mit einer Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, der Club jedoch weiter an seinem Leistungsträger festhielt. Dazu stand fünf Jahre später mit Kingsley Sarfo ein weiterer MFF-Spieler wegen Missbrauchs einer Vierzehnjährigen vor Gericht. In diesem Fall wurde jedoch eine Haftstrafe verhängt, in Folge derer Malmö FF das Vertragsverhältnis mit Sarfo aufkündete.

Epstein wird zum MFF-Anhänger erklärt

Beim Duell der gleich gut in die Saison gestarteten Rivalen (jeweils sieben Punkte aus den ersten vier Spielen), geizte auch die Gästeschar nicht mit optischen Aktionen. Als Intro stellten sie das Vereinswappen ihres 1910 gegründeten Malmö FF mit Papptafeln dar und mehrere Vermummte waren ebenfalls im Gästeblock zu erspähen. Diese maskierten Fans sorgten dafür, dass die Gesänge immer wieder von vereinzelten Fackeln begleitet wurden. Ein paar mehr Feuer leuchteten außerdem in den Reihen der Gruppen Supras und Block 3 auf, als MFF in der 25. Minute durch einen Treffer von Erik Botheim in Führung ging.

Freude über den Führungstreffer

Kurz nach diesem Tor gab es wiederum am anderen Stadionende eine Fanaktion. In der 27. Minute gedachte man dem früheren AIK-Spieler Ivan Turina. Der vor fast genau 13 Jahren am 2. Mai 2013 im Alter von nur 32 Jahren aufgrund eines Herzfehlers verstorbene Kroate wurde mit Leuchtfeuern und den schönen Worten „En aldrig sviktande övertygelse, ett stadigt berg att luta sig mot, ett svartguld ideal förkroppsligat, ett minne som binder oss samman“ (Eine unerschütterliche Überzeugung, ein fester Fels, an den man sich anlehnen kann, ein schwarz-goldenes Ideal, eine Erinnerung, die uns verbindet) gewürdigt. Dazu skandierten die Tribünen im Wechsel Turinas Namen.

Erinnerung an Ivan Turina

Außerdem will ich nicht unterschlagen, dass beide Fanszenen im Laufe des ersten Durchgangs Spruchbänder gegen die Ansetzung am heutigen Montagabend präsentierten. Aber eigentlich war man sich selbst hier nicht ganz einig. Denn der Heimanhang postulierte mit „Fotboll ska spelas på helger. Nej till vardagsmatcher!“ (Fußball soll am Wochenende gespielt werden. Nein zu Spielen unter der Woche!) die totale Ablehnung von derlei Ansetzungen. Das MFF-Lager plädierte hingegen mit der Forderung „Max 30 mil till bortamatcher på vardagar“ (Maximal 300 km zu Auswärtsspielen an Wochentagen) lediglich für eine Kilometerbegrenzung an Tagen wie dem heutigen Montag.

Alle aus Skåne heben jetzt mal bitte die Arme

Nachdem eine vor allem auf dem Rängen ereignisreiche und unterhaltsame 1. Halbzeit schließlich abgepfiffen wurde, stand erneut Nabil Bahoui im Fokus. Der kam mit seinem sechsjährigen Sohn Hamza auf’s Feld und richtete warme Worte ans Publikum. Er berichtete von seiner Ergriffenheit bei der ihm gewidmeten Choreographie und dass er nur Dank der Unterstützung der Fans sein volles Potenzial bei AIK ausschöpfen konnte. Während Hamza anschließend unter lautem Jubel einen Ball in das Tor vor der Norra Stå drosch, entrollte die Gruppe Sol Invictus außerdem Spruchbänder mit der Botschaft ”Frän Bredäng till Solna, derbydräpare av klass. För alltid en av oss, tack Nabbe!” (Von Bredäng nach Solna, Derbyheld der Extraklasse. Für immer einer von uns, danke Nabbe).

Die Gruppe Sol Invictus hat sich nach dem Sonnensymbol im Vereinswappen von AIK benannt

Es sollte leider der einzige Torjubel der schwarz-goldenen Fans an diesem Abend bleiben. Denn in in der mit einer großen Pyroshow auf der Norra Stå eingeläuteten zweite Spielhälfte, drängte Gnaget* zwar stark auf den Ausgleich, verfehlte das gegnerische Tor jedoch mehrfach knapp oder scheiterte am mittlerweile 39jährigen Malmöer Schlussmann Johan Dahlin. Entsprechend nahmen die Gäste die drei Punkte mit nach Skåne und stießen zugleich auf den 3. Tabellenplatz vor. AIK muss sich dagegen vorerst mit Rang 7 begnügen. Übrigens auch die Endplatzierung der Stockholmer in der Vorsaison, während die Malmöer lediglich einen Platz besser waren und ebenfalls das angestrebte internationale Geschäft verpassten.

Große Pyroshow zu Beginn der 2. Halbzeit

Zusammen mit etwas enttäuschten, aber dennoch sehr gesitteten Heimfans, ging es nach dem Schlusspfiff mit einer der erstbesten Bahnen zurück zu unserem Hotel. Dort startete der nächste Tag natürlich wieder am Frühstücksbuffet. Anschließend hätten wir gerne noch ein weiteres Museum in Stockholm besucht. Aber fast alle interessanten Museen öffneten erst um 11 Uhr und wir mussten bereits 12:34 Uhr abreisen.

Unser letztes Frühstück im Thon Hotel Kungsbron

Letztlich stießen wir bei unserer Recherche aber noch auf das Riddarhuset (Ritterhaus) in der Gamla Stan, welches zwar auch erst um 11 Uhr öffnen sollte, aber zugleich keine zehn Fußminuten von unserem am Hauptbahnhof gelegenen Hotel entfernt war. Also spazierten wir nach dem Frühstück zunächst ein weiteres Mal durch die malerische Stockholmer Altstadt und wurden dann pünktlich zur Öffnung am Riddarhuset vorstellig.

Das Riddarhuset

Für 60 SEK (ca. 5,50 €) bekamen wir Zutritt in dieses zwischen 1640 und 1674 im Stile des Barock errichtete Versammlungshaus des Adels und lernten in der kommenden Stunde nochmal einiges über die schwedische Nobilität und die frühere Ständegesellschaft. So bildete der Adel neben Klerus, Bürgertum und Bauern seit dem Mittelalter einen der vier Reichsstände. Während der im vorigen Bericht bereits skizzierten Frihetstiden (Freiheitszeit) im 18. Jahrhundert stieg das Riddarhuset schließlich zum mächtigsten Organ des Königreichs auf und gestaltete die Politik im Riksdagen (Reichstag) maßgeblich.

Der Versammlungssaal des Riddarhuset, in dem jedes schwedisches Adelsgeschlecht sein Wappen an den Wänden hat

1866 wurde der Vierständereichstag jedoch aufgelöst und stattdessen ein Zweikammernreichstag eingeführt. Dabei verlor der Adel formell seine politischen Privilegien, war allerdings fortan in der stark an Besitz geknüpften ersten Kammer überrepräsentiert. Bis diese Kammer 1970 abgeschafft wurde und der Riksdag seitdem nur noch ein Einkammerparlament mit 349 direkt vom Volk gewählten Abgeordneten ist. Das Riddarhuset führten die über 2.000 schwedischen Adelsfamilien ab 1866 wiederum als so eine Art Clubhaus weiter und nutzen es bis heute u. a. als Adelsarchiv und Veranstaltungsort.

Das Zimmer des Landmarschalls (gewählter Vorsitzender des Ritterhauses) mit Gemälden der Amtsinhaber

Nach unserem Rundgang im Riddarhuset, schnappten wir uns schließlich unser Gepäck im Thon Hotel Kungsbron und fuhren um 12:34 Uhr mit einem InterCity von Stockholm nach Norrköping. Dort erwartete uns noch ein drittes Fußballspiel auf dieser Reise, von dem ihr im nächsten Bericht lesen könnt.

Song of the Tour: Nabil Bahouis Buddys

*Gnaget (Nagetier) ist der weitverbreite Spitzname von AIK und dessen Fans. Wann und wieso der Name aufkam, ist leider unklar. Eine gängige Theorie besagt, dass AIK sich in den 1920er Jahren aus finanzieller Not jahrelang keine neuen Trikots leisten konnte. Die eigentlich schwarzen Hemden waren daher irgendwann völlig ausgewaschen und eher rattengrau. Allerdings datiert die älteste bisher gefundene Erwähnung des Namens Gnaget in der Berichterstattung über AIK bereits aus dem Jahre 1914.