Worms & Darmstadt 04/2026

  • 11.04.2026
  • VfR Wormatia 08 Worms – FV Dudenhofen 1:1
  • Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar (V)
  • Wormatia-Stadion (Att: 585)

Das Zweitligatopspiel zwischen Darmstadt 98 und Hannover 96 konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Nachdem die Partie von der DFL fix auf den 11. April und die abendliche Anstoßzeit 20:30 Uhr terminiert wurde, buchte ich mir umgehend eine ICE-Reise für insgesamt 32,23 €. Zwischen Buchung und Reisetag musste die DB jedoch nochmal Änderungen am Fahrplan vornehmen, so dass die Zugbindung für Hin- und Rückfahrt aufgehoben war. Dadurch hatte ich jetzt sozusagen ein Flexticket und begriff das als gute Gelegenheit, um nun doch nicht nur für das 96-Spiel ins Rhein-Main-Gebiet zu fahren.

Der frühe Vogel fängt den Wurm fährt nach Worms

Die gewonnene Reisefreiheit nutzte ich am Spieltag erst einmal für einen Abstecher nach Worms. 6:54 Uhr ging’s in Hannover los und gute 4,5 Stunden später rollte ich in der Nibelungenstadt ein. Da deren Ursprünge bis in die vorchristliche Zeit zurückreichen und bereits von einer Siedlung des keltischen Stammes der Vangionen der Name Borbetomagus überliefert ist, freute ich mich sehr auf einen Streifzug durch das historische Zentrum der heute von etwas über 85.000 Menschen bewohnten Stadt.

Willkommen in der Nibelungenstadt

Ich begann mit einem Spaziergang entlang der Überreste der einstigen Stadtmauer. Deren Bau geht teilweise noch auf die Römer zurück, die vor etwas über 2.000 Jahren bei ihrer Expansion bis an den Oberrhein vordrangen und dabei auch die Vangionen unterwarfen. Sie errichteten bei Borbetomagus ein Kastell und die angrenzende zivile Siedlung wird in mehreren antiken Quellen als Civitas Vangionum erwähnt.

Teilstück der historischen Stadtmauer

Mit dem Niedergang des Weströmischen Reiches während der Zeit der großen Völkerwanderungen im 5. Jahrhundert fiel das Gebiet um Worms an den germanischen Burgunderstamm. Deren kurzlebiges Reich (411 bis 436) fand in Form des Nibelungenlieds ein sagenhaftes Vermächtnis, da der mittelalterliche Verfasser ältere nordische Legenden um Sigurd den Drachentöter ins Burgunderreich verlegte. Sigurd wurde im Nibelungenlied zu Siegfried und Worms wiederum zum Thronsitz der Burgunden erklärt, während der sagenumwobene Nibelungenschatz der Erzählung nach von Hagen im Rhein versenkt wurde.

Das Anfang des 20. Jahrhunderts als Durchbruch durch die Stadtmauer angelegte Raschitor

Der Sagenstoff um Siegfried, Kriemhild und Hagen von Tronje, der im 19. Jahrhundert zum Nationalepos der Deutschen stilisiert wurde, findet vielerorts in Worms seinen Widerhall. Zum Beispiel am Rheinufer, wo die im Jahre 1900 eröffnete Nibelungenbrücke das rheinland-pfälzische Worms mit den hessischen Nachbarstädten Lampertheim und Bürstadt verbindet. Zwar ist die ursprüngliche Brücke 1945 von den Nazis gesprengt worden, aber beim Wiederaufbau wurde in den 1950er Jahren zumindest einer der beiden markanten Brückentürme erhalten. Er ist heute als Nibelungenturm eines der Wahrzeichen von Worms.

Brückenturm der Nibelungenbrücke

Unweit der Nibelungenbrücke erwarteten mich weiters das Hagendenkmal und Kriemhilds Rosengarten. Als ich mich vom Rhein wieder zur Altstadt bewegte, stieß ich am Torturmplatz außerdem auf das vermeintliche Grab des Drachentöters Siegfried. Einen Steinwurf von jenem künstlich geschaffenen Hügelgrab steht ferner das Nibelungenmuseum. Doch leider es ist zur Zeit aus baulichen Gründen geschlossen, weshalb ich auf die dort gebotene multimediale Aufbereitung des Nibelungenlieds verzichten musste.

Hagen versenkt den Goldschatz der Nibelungen im Rhein

Nachdem das Burgunderreich in den Wirren der Völkerwanderungszeit untergegangen war, wurde die frühmittelalterliche Stadtgeschichte von den Franken geprägt. Sie christianisierten die Region ab dem 6. Jahrhundert und Worms wurde spätestens 614 Bischofssitz. Damit entwickelte sich die damals Wormatia genannte Stadt zu einem geistigen Zentrum des Frankenreichs und des mittelalterlichen Deutschen Reichs.

Die Westansicht des Wormser Doms

Von dieser Epoche zeugt heute zuvorderst der Wormser Dom St. Peter (siehe auch Titelbild). Er ersetzte im 11. Jahrhundert einen Vorgängerbau aus dem 7. Jahrhundert und zählt zu den bedeutendsten romanischen Kirchenbauwerken auf deutschem Boden. Nebenbei kommt man auch bei dieser Kathedrale nicht am Nibelungenlied vorbei. Vor der Bischofskirche soll der Legende nach der Streit zwischen den Königinnen Kriemhild und Brünhild stattgefunden haben, der schließlich zur Ermordung Siegfrieds und zum Untergang des burgundischen Königreichs führte.

Im Inneren des Doms

Aber Worms war im Hochmittelalter nicht nur ein geistliches, sondern auch ein weltliches Machtzentrum. Die deutschen Könige, bzw. die römisch-deutschen Kaiser hielten hier häufig ihre Reichstage ab. Bei diesen wichtigsten politischen Zusammenkünften des Heiligen Römischen Reiches (HRR) wurden in Worms oft wegweisende Entscheidungen getroffen. So beendete das Wormser Konkordat beim Reichstag 1122 beispielsweise den Investiturstreit zwischen Kirche und Krone.

Vermutlich um das Jahr 1200 herum entstandene romanische Häuserfassade in der Wormser Altstadt

An der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit war insbesondere der Reichstag zu Worms im Jahre 1521 ein geschichtsträchtiges Ereignis. Damals lud Kaiser Karl V. den Reformator Martin Luther vor, damit dieser vor ihm und all den anderen Würdenträgern des Reiches seine Lehren widerruft. Aber mit dem berühmten Satz „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ verweigerte sich der Theologe. Der Kaiser verhängte daraufhin die Reichsacht über Luther. Doch auch wenn der Reformator nun als vogelfrei galt und seine Schriften verboten wurden, war die Spaltung der Kirche nicht mehr aufzuhalten.

Das Lutherdenkmal

An die Reformation erinnert in Worms u. a. das 1868 enthüllte Lutherdenkmal. Die Anlage zeigt neben Luther auch weitere bedeutende Kirchenreformer wie Petrus Waldus, John Wyclef, Johann Hus oder Philipp Melanchthon. Es ist neben dem internationalen Reformationsdenkmal in Genève (Genf) weltweit das größte seiner Art. Weiters werden im Stadtarchiv über 600 Druckschriften aus der Reformationszeit aufbewahrt, darunter auch einige von Luther selbst verfasste Schriften.

Die Wormser Synagoge

Abseits christlicher Konfessionen, war Worms bis zur Shoah in den 1940er Jahren außerdem ein Zentrum jüdischen Lebens. Seit dem 10. Jahrhundert ist eine aschkenasische Gemeinde verbrieft und besonders beeindruckend fand ich den spätestens im 11. Jahrhundert geschaffenen Friedhof Heiliger Sand, der als älteste erhaltene jüdische Ruhestätte Europas gilt. Zwar wollten die Nazis nach der Deportation der Juden in die Vernichtungslager den Friedhof einebnen und überbauen, realisierten diese Pläne bis zum Untergang ihres so genannten Dritten Reichs im Jahre 1945 jedoch nicht. Die Wormser Synagogen überstanden den antisemitischen Furor der Nazis hingegen nicht. Wenngleich die älteste Synagoge (von 1034) in der Nachkriegszeit wieder rekonstruiert wurde und wie der Friedhof Heiliger Sand heute als Teil des Eintrages SchUM-Städte* zum Welterbe der UNESCO zählt.

Der mittelalterliche jüdische Friedhof Heiliger Sand

Nachdem ich in der 1945 leider großflächig zerstörten historischen Kernstadt die wichtigsten erhaltenen oder rekonstruierten Bauwerke abgegrast hatte, orientierte ich mich gegen 13:30 Uhr so langsam zum städtischen Fußballstadion. Dort empfing eine halbe Stunde später der VfR Wormatia 08 den FV Dudenhofen für ein Punktspiel der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar und ich kaufte mir am Kassenhäuschen für 16 € ein Ticket für einen Sitzplatz auf der Haupttribüne.

Die Gegengerade des einstmals bis zu 30.000 Zuschauer fassenden Wormatia-Stadions

Dem 1928 eröffneten Wormatia-Stadion sieht man allerdings sogleich an, dass der zwanzig Jahre ältere Hauptnutzer auch schon mal höherklassig gespielt hat. Bis zu 25.000 Zuschauer bevölkerten früher die Traversen, als Wormatia beispielsweise 1936, 1937 und 1939 Gauligameister wurde und sich somit dreimal für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte. In den 1940er und 1950er Jahren spielte der Verein für Rasenspiele außerdem eine gute Rolle in der damals erstklassigen Oberliga Südwest und nahm 1949 und 1955 erneut an der nationalen Meisterschaftsendrunde teil. Dabei wurde ’55 beim Duell mit dem späteren Meister Rot-Weiss Essen mit 30.000 Zuschauer übrigens der bis heute gültige Besucherrekord des Wormatia-Stadions aufgestellt.

Aktuell sind aufgrund mehrerer gesperrter Stadionbereiche nur noch 5.624 Zuschauer zugelassen

Von 1963 bis 1974 spielte die Wormatia dann in der seinerzeit zweitklassigen Regionalliga Südwest und kratzte zwischenzeitlich auch mal am Aufstieg zur 1. Bundesliga. Kleine Randbemerkung aus jener Zeit: In der Saison 1967/68 lief die Wormatia als erste deutsche Mannschaft mit Trikotwerbung auf. Doch nach drei Spielen mit dem Schriftzug des Baumaschinenherstellers Caterpillar auf der Brust, untersagte der DFB derlei kommerzielle Umtriebe vorerst.

Mit der Arbeit des sportlichen Leiters Aydin Ay scheinen aktuell nicht alle Fans zufrieden zu sein

In der Saison 1973/74, in der DFB nebenbei nach einem weiteren Präzedenzfall das Werbeverbot auf Fußballtrikots aufgehoben hatte, qualifizierte sich die Wormatia schließlich für die neu eingeführte 2. Bundeliga. Jenem Unterhaus der Bundesliga gehörte man bis 1982 immerhin sechs von acht Spielzeiten an. Dann ging es runter in die drittklassige Oberliga Südwest, ehe man 1993 sogar in die 4. Ligastufe abrutschte und seitdem nie wieder höher spielte.

Das Intro der FVD Ultras

Umso beachtlicher, dass die letzten Jahrzehnte verhältnismäßig viel auf den Rängen los war. So gab es in vielen Spielzeiten einen vierstelligen Zuschauerschnitt. Außerdem haben die 1997 gegründeten Supporters Worms immer mal wieder kleine Choreos ins Stadion gezaubert und die Mannschaft auch auswärts überall unterstützt. Ferner sorgte ihre Freundschaft zu den Ultras Mannheim zumindest in Szenekreisen für überregionale Aufmerksamkeit.

Die Raphael-Hügel-Vortribüne** vor der 1988 eröffneten und 2008 zuletzt modernisierten Haupttribüne

Leider haben sich die Supporters im November 2025 aufgelöst und bisher hat sich weder ein Nibelungenstadtkollektiv, eine Rheingoldbrigade oder ein Drachen Ensemble formiert, um in die Fußstapfen der Sups zu treten. Aber auf der Raphael-Hügel-Vortribüne** stehen immerhin noch viele langjährige Supporter und ab und an ließen sie sich wenigstens zu Schlachtrufen wie „Alla Wormatia“ hinreißen und wirkten auch sonst emotional sehr involviert.

Die Anfangsphase gehörte den traditionell in rot gekleideten Hausherren

Während sich die Supporters Worms u. a. aufgrund von Nachwuchssorgen auflösten, war der heutige Altersschnitt im Gästeblock vielleicht gerade so zweistellig. Doch die 2024 gegründeten SVD Ultras eiferten bestmöglich großen Vorbildern nach. So zeigten sie eine kleine Choreographie mit Luftballons, Fähnchen und einem großen Doppelhalter. Klar, solche Gruppen nimmt man frühestens für voll, wenn wenigstens ein paar Mitglieder den Stimmbruch hinter sich haben. Aber sie hatten sicht- und hörbar ihren Spaß und sollen den auch gerne haben.

In der Halbzeitpause gönnte ich mir eine Rindswurst im Brötchen (4 €)

Wobei der Spielverlauf für die Dudenhofener zunächst nicht erbaulich war. Die aktuell siebtplatzierte Wormatia ging bereits früh durch einen Treffer von Bobby Edet in Führung (7.) und hatte insgesamt ein deutliches Chancenplus. Unterdessen haderte der 1920 gegründete FV Dudenhofen mit zwei ausgebliebenen Elfmeterpfiffen des Schiedsrichters im ersten Durchgang. Aber immerhin in der bis dahin auf beiden Seiten chancenarmen 2. Halbzeit zeigte der Unparteiische auf den Punkt und ausgerechnet Ex-Wormate Irfan Ćatović besorgte per Strafstoß den Ausgleich (86.).

Dudenhofens Söhne freuen sich über den späten Ausgleich

Jene Strafstoßentscheidung war nebenbei der Auftakt einer hitzigen Schlussphase, bei der so manch wütender Wormatia-Anhänger auf den Zaun der Raphael-Hügel-Vortribüne kletterte. Seitens der abstiegsgefährdeten Gäste – derzeit 14. Platz – war wiederum die Bank in Rage, als in der 88. Minute mal wieder einer der ihren im gegnerischen Strafraum zu Fall kam und der Schiedsrichter weiterlaufen ließ. Stattdessen zeigte er unter großen Applaus des Heimpublikums zwei Betreuern des Effaudee rot.

Einer der Platzverweise für die Dudenhofener Betreuer

In der Nachspielzeit hatte SVD-Angreifer Julian Scharfenberger obendrein frei vor dem gegnerischen Gehäuse den Siegtreffer auf dem Fuß. Sein Torabschluss prallte allerdings an den Innenpfosten und von dort in die Arme des VfR-Torhüters John Dos Santos. Während Worms durch das heutige Unentschieden nun einen Platz im Tableau einbüßt, verbleibt Dudenhofen auf Rang 14 von 18.

  • 11.04.2026
  • SV Darmstadt 98 – Hannover 96 0:2
  • 2. Bundesliga (II)
  • Stadion am Böllenfalltor (Att: 17.810)

Ich hetzte nach dem Schlusspfiff in Worms zurück zum 1.896 m vom Wormatia-Stadion entfernten Hauptbahnhof und saß um 16:20 Uhr in einem Zug in Richtung Darmstadt. Nach einem Umstieg in Bensheim erreichte ich mein Ziel um 17:05 Uhr und eine knappe halbe Stunde später traf ich mich mit meinem den Lilien eng verbundenen früheren Mitbewohner im Restaurant Sitte. Weil der im norddeutschen Exil seinerzeit noch weitere Freundschaften geschlossen hatte, saßen aber noch ein paar mehr Leute am Tisch und labten sich an den Bieren der benachbarten Brauerei Grohe und an den Spezialitäten der hiesigen Küche.

Schnitzel mit Kochkäse

Gegen 19:30 Uhr hieß es Aufbruch und meinerseits wurden für ein paniertes Schnitzel
vom hessischen Landschwein mit Kochkäse und Bratkartoffeln, sowie zwei Helle von Grohe und einen Odenwälder Apfelwein vom Fass (je 0,5 l) insgesamt 33,50 € fällig. Nun ging es mit Wegbier vom Kiosk zum 20 Fußminuten vom Restaurant entfernten Stadion am Böllenfalltor. Eine gute halbe Stunde vor Spielbeginn waren wir durch‘s Drehkreuz der 1921 eröffneten und erst in jüngerer Vergangenheit komplett modernisierten Sportstätte.

Rund 2.000 Schlachtenbummler aus Hannover feuerten heute ihre Mannschaft in Darmstadt an

Heute waren alle 17.810 Plätze besetzt und ich freute mich, dass Jojo und ich dank meines früheren Mitbewohners Karten à 44 € direkt gegenüber vom Gästeblock bekommen hatten. Zwar gab es heute keine besonderen optischen Aktionen im Auswärtssektor des Stadions, aber was Lautstärke und Mitmachquote anging, war es ein guter Gästeauftritt. Auf dem Rasen wurde ebenfalls Ordentliches von 96 dargeboten und ich würde sagen, dass sich Fans und Mannschaft heute sehr gut gegenseitig bei ihrer Performance beflügelten.

Der Anpfiff naht

Die gastgebende Mannschaft, die beim Einlaufen zumindest von zwei Fackeln im Heimbereich begrüßt wurde, riss ihren Anhang dagegen kaum mit. Dass die Darmstädter (4. Platz) und Hannoveraner (5. Platz) als punktgleiche Tabellennachbarn ins Spiel gingen, spiegelte sich selten wider. Stattdessen merkte man, dass die Formkurve der Kohfeldt-Elf gerade nach unten zeigt (nur ein Sieg aus den letzten fünf Spielen) und wichtige Leistungsträger wie u. a. Toptorjäger Lidberg (bisher 14 Saisontore) fehlten. Heute schien also ein guter Tag für Darmstadt erste Heimniederlage in dieser Saison zu sein.

Hannoversche Schalparade

Der unterstellten Verunsicherung der Lilien begegnete 96 sogleich mit einer druckvollen Anfangsphase, in der Neubauer nach Vorarbeit von Pichler alles frühzeitig in die richtigen Bahnen lenkte (14.). Kurz darauf musste Pichler zwar verletzungsbedingt raus, aber der eingewechselte Källman hatte noch im ersten Durchgang mehrfach das zweite Tor auf dem Fuß. Nur das Aluminium und SVD-Schlussmann Schuhen verhinderten bis zum Pausenpfiff einen höheren Rückstand.

Blick in die Heimkurve

Nach dem Seitenwechsel blieben die Kräfteverhältnis unverändert und völlig verdient wurde alsbald die Führung ausgebaut. Direkt vor den Augen der mitgereisten Schlachtenbummler aus Hannover bekam Thordarson den Ball von Taïbi butterweich auf die Stirn serviert. Zwar konnte Schuhen den Kopfball mit einer weiteren Glanztat parieren, aber im Nachschuss war der Isländer eiskalt und rannte nach seinem Treffer zum 0:2 (56.) stante pede an den Zaun des Gästeblocks.

Der Torjubel nach dem zweiten Treffer

Während der euphorisierte hannoversche Anhang nun vom Europapokal sang, war heimseitig die Stimmung endgültig im Keller. Da fragte der Gästeblock irgendwann zurecht „Warum seid ihr Blumen so leise?“ (oder so ähnlich). Am Ende klang das 130. Jahr der Vereinsgeschichte des Hannoverschen SV von 1896 mit einem hoch verdienten Auswärtssieg aus, der die Titz-Elf in der Tabelle erstmal an den Lilien und auch an der SV Elversberg vorbeiziehen lässt. Entsprechend frenetisch feierten Fans und Spieler daher nach dem Schlusspfiff die drei Punkte und den vorerst erklommenen dritten Rang.

Nur der harte Kern der Darmstädter Fanszene sang trotzig gegen Niederlage an

Kommenden Sonnabend empfängt unser großer HSV dann den derzeit zweitplatzierten SC Paderborn zum nächsten Spitzenspiel im Niedersachsenstadion. Zugleich das erste Spiel nach dem morgigen runden Vereinsgeburtstag. Also seid alle Teil dieser Geschichte, wenn 130 Jahre Leidenschaft und Tradition beim nächsten Heimspiel mit einer großen Choreographie und vielen weiteren Aktionen gefeiert werden!

Nach Abpfiff feierten Spieler und Anhänger natürlich zu gern gemeinsam den Auswärtssieg

Während der nur für’s Spiel angereiste Jojo sich nach dem Abpfiff sogleich von mir verabschiedete, traf ich mich noch mit ein paar Darmstädtern und Chrischi in der Lilienschänke. Eine gute Stunde nach Abpfiff verlagerten Chrischi und ich unseren Standort aber zumindest schon mal in die Nähe unserer Unterkünfte. Wir steuerten per Tram den Luisenplatz an und nachdem dort noch ein plötzlich aufgetretenes Hungergefühl mit Döner (7 €) beseitigt wurde, ließen wir uns in der Kneipe Die Theke nieder. Hier wurde um Mitternacht mit zwei halben Litern Schlappeseppel auf den 130. Geburtstag des Hannoverschen Sportvereins von 1896 angestoßen.

Mitternachtsimbiss

Chrischi verriet mir außerdem, dass er zu diesem Anlass jüngst den Seemannschor Hannover für eine Shanty-Version von „96 Alte Liebe“ gewinnen konnte. Da sie heute allerdings erst im Laufe des Tages veröffentlicht werden soll, musste ich im kurzfristig für 50 € gebuchten IntercityHotel am Darmstädter Hauptbahnhof noch von anderen Musikern in den Schlaf singen lassen.

Song of the Tour: Meiner alten Liebe 96 alles Gute zum 130. Geburtstag

*SchUM ist ein Akronym aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte Speyer, Worms und Mainz. In diesen drei oberrheinischen Städten gab es seit dem Mittelalter bedeutende aschkenasische Gemeinden. Weil deren Religionsgelehrte Einfluss auf das gesamte jüdische Leben in Mitteleuropa hatten, spricht man auch von den drei heiligen Gemeinden.

**Raphael Hügel war eine prägende Figur der Supporters Worms, der sich überdies auch bei der Wormatia als Fanbeauftragter und Kassenprüfer engagiert hat. Im Jahr 2014 verstarb er im Alter von nur 33 Jahren an Leukämie.