Cardiff 08/2015

17.08.2015
Cardiff City U21 – Sheffield Wednesday U21 3:0
Premier League Development 2 (II / U21)
Cardiff City Stadium (Att: 192)

Mein Sommerurlaub 2018 bot sich an, um zumindest die erste von zwei Wochen in Wales zu verbringen. Mit der Flybe-Direktverbindung von Düsseldorf nach Cardiff wurde diesmal eine neue Route getestet und für sehr gut befunden. 120€ für Hin- und Rückflug waren fair und dank sommerlicher DB-Preisoffensive wurde für 10,88€ pro Fahrt und Person im ICE von Hannover nach Düsseldorf gereist. Dazu kam mit der Dash 8Q-400 ein neues Muster in die Flugstatistik.

Willkommen an Bord

Cardiffs Airport befindet sich in Rhoose. Ein Ort 25km westlich von Cardiff und mit Zug und Bus an die Hauptstadt von Wales angeschlossen. 40 Minuten dauerte der Bustransfer und nach einer ersten Stärkung im „Prince of Wales“ Pub ging es zunächst ins Hostel. Aufgrund von zahlreichen Events an diesem Wochenende (Ritterfest im Castle, Cymru Pride und irgend so ein Kirchentag) waren alle annehmbaren Hotels ausgebucht oder die restlichen Zimmer mit horrenden Raten bepreist. Also eine Nacht für stolze 25€ pro Bett im Gruppensaal eines Hostels gebucht, was aber immer noch mindestens ein Tagesbudget Urlaubstaschengeld gegenüber allen anderen Optionen sparte. Die folgenden sechs Nächte sollten schließlich dank „Private Sale“ der Hotelgruppe Accor für sehr günstige 25€ pro Bett und Nacht im guten Ibis*** verbracht werden (die erste Nacht hätte dort z.B. mit 99€ zu Buche geschlagen).

Back in Cardiff

Also den Nie-Wieder-Hostel-Anspruch über Bord geworfen und den Schlafsaal mit einer Französin, einem portugiesischen Pärchen und einer Dame unbekannter Nation, die nachmittags ihren Rausch ausschlief und am nächsten Morgen früh verschwunden war, geteilt. Mit diversen Ales in diversen Pubs der Stadt wurde ein gesunder Pegel erreicht, der einen schnell einschlafen ließ, aber auch nicht zu hoch war, um weiterhin gesellschaftsfähig zu sein.
Morgens wurde noch ein Blick auf das inkludierte Frühstück geworfen, aber der Konsum sogleich verworfen. Außer Cereals taugte nichts davon, doch die nutzen einem auch nichts, wenn die Milch sauer ist.

Large Traditional Breakfast

Also brachen am ersten Morgen auf walisischem Boden zügig auf und stellten unser Gepäck schon mal ins Ibis. Ein anschließendes üppiges britisches Frühstück im Pub, machte den Tag wieder zu unserem Freund. Und um 14 Uhr sollte erstmals der Ball rollen. Zwar nur die Damenmannschaft von Cardiff City, aber sie boten zum einen mit dem „International Sports Stadium“ ein nettes Stadion, welches aktuell nur von ihnen bespielt wird (sonst nur Leichtathletik) und zum anderen habe ich noch nie Frauenfußball gesehen. Wurde also Zeit.

International Sports Stadium

Blöd, dass das Spiel kurzfristig und ohne unsere Kenntnisnahme nach Caerphilly verlegt wurde. Leider war man somit umsonst raus nach Leckwith spaziert und konnte das „International Sports Stadium“, sowie das benachbarte „Cardiff City Stadium“ lediglich von außen begutachten. Diese Niederlage am verschlossenen Stadiontor (Profis wäre das nicht passiert), wurde mit Premier League und Real Ale im Pub getröstet. Nach Abpfiff des zweiten und letzten Sonntagsspiels, bekam der angefangene Tag schließlich noch doch Dynamik. Kein Wunder wenn der „Prince of Wales“ diverse Biere für 99 Pence raushaut.

Drinking a Stein instead of a wine

Endstation eines alkoholreichen Abends war der „Bierkeller“. Cardiffs neuer Stern am Nachthimmel, wo man „German Gemütlichkeit“ richtig reudig imitierte. Genau das erwarteten wir auch und waren prächtig amüsiert. Der Plastik-Maßkrug hieß Stein und kostete heute gefüllt mit „German Style Beer“ 5£. „A Stein please“ klang wohl typischer deutsch als „A Mass please“. In der bierseligen Atmosphäre war das Kennenlernen von neuen Leuten jedenfalls kein Problem und man machte sich gut als Botschafter deutscher Tanz- und Trinkkultur. The Welsh Girls loved the German Boys… Und die Welsh Boys waren begeistert, dass wir tatsächlich ihr Angebot annahmen, was vorsah, dass sie eine Jägerbomb auf Ex trinken und wir einen „Stein“. Am Ende waren alle Blicke auf mich gerichtet, aber auch ich versagte auf den letzten zwei bis dreihundert Millilitern.

Unsere Partymäuschen

Es war dann also wieder der unscheinbare Sonntag, der zu einer wilden Partynacht ausartete. Aber was hilft besser gegen einen Kater, als das „Traditional Breakfast“ mit Würstchen, Eiern, Speck, Bohnen und Co? Höchstens noch frische Luft. Deshalb ging es nach dem Frühstück zur Burg „Castell Coch“ und von dort per pedes weiter zum „Caerphilly Castle“. Mit einer schönen neuen Route, wurde diese bereits bekannte Wandertour doch recht abwechslungsreich und das Wetter spielte erfreulicherweise auch mit.

Castell Coch

In Caerphilly mussten wir uns erstmal mit einer Lasagne im „Court House“ stärken, um dann noch das Castle von innen in Angriff zu nehmen. Alles zwar schon ein paar Mal gesehen, aber immer wieder beeindruckend. Der Weg vom Castle zur „Caerphilly Train Station“ wurde anschließend für einen kleinen „Pub Crawl“ genutzt und danach rief wieder der Fußballsport in Cardiff. Cardiff Citys U21 gegen die U21 von Sheffield Wednesday.

Caerphilly Castle

In Cardiff musste, aufgrund von Zeitdruck, spontan ein Taxi als Transportmittel zum Stadion herhalten. Für die 2,5km von der „Central Station“ zum „Cardiff City Stadium“  wurden 5£ veranschlagt, womit (geteilt durch zwei Personen) das Preisniveau der alternativen Bahnfahrt nicht überboten wurde. Vor’m Stadion drückte man uns dann Freikarten in die Hand und wir suchten uns gute Sitze auf der einzig geöffneten Haupttribüne (192 Zuschauer waren heute anwesend). Es fiel auf, dass Cardiff City seit meinem letzten Besuch 2013 nicht nur einen Oberrang auf die Gegengerade setzte (was schon mal den bisherigen 08/15-Look deutlich reduzierte), sondern auch das viele Grau im Bauch der Tribünen zum Teil einem blau-weißen Anstrich gewichen ist. Außerdem schmückten viele Bilder aus der Club-Geschichte die Wände. Die Rückkehr zur Club-Tradition war also nicht nur im neuen alten Logo und den blauen Heimtrikots zu erkennen. Sehr schön!

Cardiff City U21 vs. Sheffield Wednesday U21

Cardiff Citys Nachwuchs dominierte das Spiel von Beginn an sehr souverän. Sheffields lange Bälle nach vorne wurden fast immer abgefangen und der Ball zirkulierte zwischen Abwehr und Mittelfeld der Waliser sehr gut. Was allerdings kaum gelang, war aus der Überlegenheit Torchancen zu kreieren. Immer wenn der Ball den Sheffielder Strafraum erreichte, egal ob flach oder hoch, war Wednesdays Verteidigung zur Stelle. Der Ballbesitz von Cardiff dürfte so bei 75% gelegen haben und auch 75% der Spielzeit müsste der Ball sich in Sheffields Hälfte befunden haben. Dennoch vergingen die ersten 45 Minuten ohne 100%ige Torchancen. Dementsprechend war auch wenig Szenenapplaus auf den Rängen zu vernehmen. Von Stimmung konnte ja erwartungsgemäß sowieso keine Rede sein.

Cardiff City Stadium

Nach dem Seitenwechsel hatte zwar ausgerechnet Wednesday die erste richtige guten Torchance. Doch der Warnschuss schien bei City als Weckruf angekommen zu sein und läutete ab der 55.Minute eine Sturm- und Drang-Phase mit mehreren guten Chancen für die Waliser ein. Diese mündete in der 67.Minute im verdienten 1:0 für den CCFC. Eine Ecke ihres besten Manns (Matty Kennedy) erreichte einen frei stehenden Mitspieler (Theo Warten), der nur einnicken musste. Theo Warten machte in der 74.Minute auch das hochverdiente 2:0. Ebenso zappelte der nächste City-Angriff in der 76.Minute im Netz (Torschütze: Rhys Healey). Jetzt war die Partie gelaufen und Cardiffs 7er (Matty Kennedy) unterhielt uns nun mit zahlreichen schönen Dribblings. Die Freiheiten nahm sich der Nachwuchs-Nationalspieler Schottlands einfach mal, wo doch die Pflicht erfüllt war. Am Ende blieb es bei 3:0 für die Hausherren. Ein verdienter Sieg, denn Sheffield Wednesday überzeugte höchstens defensiv und das nur eine Halbzeit lang.

Die Stars von Morgen?

Nach Abpfiff kauften wir uns zunächst einmal Wegbiere für den bevorstehenden Spaziergang ins Zentrum. Wie gut, dass neben dem Stadion gleich ein Lidl war. Mit der Frage nach meinem Ausweis beim Bierkauf („You look younger than 25“), ließ die ebenfalls jünger als 25 aussehende Verkäuferin all ihren Charme mir gegenüber spielen und ich strotzte vor Selbstbewusstsein für den kommenden Abendausklang in Cardiffs Nachtleben. Nach Streicher-Livemusik und diversen Brains SA im erstbesten Pub („City Arms“), ließ ich mich dann gerne in der Endstation „Gwdihw“ von einer blonden Schönheit zum Tanz bitten. Das „Gwdihw“ (ja, das ist walisisch) konnte außerdem mit guten Craftbieren und alternativer Atmosphäre punkten.

Das Gwdihw

18.08.2015
Merthyr Town F.C. – Stratford Town FC 3:0
Southern League Premier Division (VII)
Penydarren Park (Att: 511)

Für das Ziel des nächsten Tages, Merthyr Tydfil, gab es im „Gwdihw“ übrigens noch eine Reisewarnung. Da könne man auch mal im falschen Pub landen, wo die Dorfjugend keine Fremden mag. Aber ob das Auswärtige Amt oder walisische Dreadlockträger; Warnungen ignoriere ich ja grundsätzlich, solange sie nicht beispielsweise von marokkanischen Muskelpaketen in Antwerpen erfolgen. Also ging es frohen Mutes nach Merthyr Tydfil in die Brecon Beacons. Der Ortsname heißt übersetzt übrigens „Märtyrerin Tydfil“ (eine Heilige aus Wales, die 480 n. Chr. von den heidnischen Angelsachsen wegen ihres christlichen Glaubens erschlagen wurde).

Cyfarthfa Castle

Im riesigen Tesco Extra am Bahnhof wurde letzter Proviant gekauft und dann ging es am Wanderweg „Taff Trail“ entlang zum „Cyfarthfa Castle“. Dieses Schloss war von weitläufigen und abwechslungsreichen Parklandschaften umsäumt. Am großen See machten wir eine kleine Pause, um danach am Fluss Taff weiterzuziehen. Der alte Aquädukt und den Ruinen von „Morlais Castle“ waren die nächsten Etappenziele. Landschaftlich fantastisch, mit steinigem Flusstal, kleinen Wasserfällen und tollen Ausblicken. Am „Morlais Castle Golf Club“ ging es dann unspektakulär durch Merthyrs Vororte bergab zum Stadion (insgesamt moderate 444 Höhenmeter auf dieser Tour).

Wandern auf dem Taff Trail

Der „Penydarren Park“ des Merthyr Town F.C. ist ein Traum von Stadion. Er liegt auf einer Anhöhe nördlich von Merthyrs Stadtzentrum und verfügt über zwei überdachte Sitzplatz-Tribünen längsseits und hinter dem Tor. Eine Stehhalle auf der Gegengerade und unüberdachte Stehtraversen hinter dem anderen Tor machen die Bebauung komplett. Bis auf der nagelneue Kunstrasen war alles extrem „Oldschool“, aber gut gepflegt. Das hatte Charme und mit 511 zahlenden Zuschauern war auch ein vernünftiger Zuschauerzuspruch für die 7.Liga zu verzeichnen.

Merthyr Town F.C.

Merthyr Town ist einer der fünf walisischen Clubs, die im englischen Ligasystem zuhause sind und hält sich zur Zeit im dreigleisigen Level 7 auf („Southern League Premier Division“). Dorthin kämpfte man sich nach der Insolvenz 2010 zügig zurück (jüngster Aufstieg diesen Sommer). Ligatechnisch kann man die Jahre von 1920 bis 1930 als beste Zeit betrachten, als Merthyr Town Teil der „Football League Division 3“ (3.Liga England) war. Und 1987 gewann man den Welsh Cup, wodurch man im Europapokal der Pokalsieger starten durfte (obwohl „englische“ Clubs ja eigentlich nach der Heysel-Katastrophe gesperrt waren). Man bekam in der 1.Runde Atalanta Bergamo zugelost und musste sich nach 2:1 Heimsieg und 3:1 Niederlage in Bergamo knapp geschlagen geben.
Bemerkenswert ist noch, dass der neue Club Faneigentum ist (100%iger Eigentümer ist ein „Supporter’s Trust“), worauf auch die große Tafel mit #weownourfootballclub im Stadion hinweist.

Hintertortibüne im Penydarren Park

Der heutige Gegner kam aus der Shakespeare-Stadt Stratford-on-Avon in den Midlands, also wie alle Gegner von Merthyr aus England. Sie sind ebenso just aufgestiegen, was den bisher größten Erfolg der Clubgeschichte darstellt (erstmals siebtklassig).

Vor’m Spiel (Eintritt: 10£ Vollzahler, 7£ Studenten) stärkten wir uns erstmal an der Imbissbude in der Stehhalle. Die Preise wirkten fair, die Auswahl war groß, doch der Geschmack war ungenügend. Na ja, mit viel Garlic-Mayo und Chili-Sauce kriegt man auch hellgelbe Fritten und fettige labbrige Würstchen runter (kosteten zusammen 2.20£). Alle Softdrinks für 1£ war auch günstig, aber die heiße Schokolade enttäuschte (das war eigentlich nur braunes heißes Wasser). Mit Cola (wie erwähnt für 1£) und Carling (jenes für 2.50£) konnte man jedoch nichts verkehrt machen. Ganz nett, dass man dort noch auf den Tribünen zechen darf.

Merthyr-Platte

Als sich das Stadion kurz vor Anpfiff füllte, sammelte sich ein kleiner Haufen junger Männer auf der unüberdachten Stehtribüne, hinter der einzigen Zaunfahne. Unsere Hoffnung auf ein paar Gesänge wurde allerdings während des Spiels enttäuscht. Dennoch war das Publikum alles andere als teilnahmslos. Gingen alle gut mit und neben den nicht jugendfreien Flüchen war auch immer mal was zum Schmunzeln zu vernehmen. Wenn man die Berg-Waliser denn verstehen konnte…

Der Ball rollte eindeutig besser in Merthyrs Reihen, obwohl Stratford 10 Sekunden nach ihrem Anstoß fast das 1:0 gemacht hätte. Doch die Märtyrer waren fortan wach und hatten die Spielkontrolle. Mit schnellen Außenspielern und einem wuchtigen, schwer vom Ball zu trennenden Mittelstürmer (Ryan Prosser, laut Einheimischen seit Jahren der Top-Torjäger), strahlten sie stets Gefährlichkeit aus. Tore blieben dennoch in den ersten 45 Minuten Fehlanzeige.

Stehhalle im Penydarren Park

In der 52.Minute gelang Merthyr Town das verdiente 1:0 (Ian Traylor). Merthyrs Fangruppe mit der Zaunfahne war übrigens in der Halbzeit hinter das andere Tor gewechselt, vermutlich um weiterhin den Gästetorwart zu bepöbeln und zu verunsichern. Vielleicht gelang ihnen das ja wirklich ein Stück weit, aber alles andere als verunsichert wirkten fortan Stratfords Feldspieler, die in Rückstand viel besser spielten und nun zweimal den Pfosten trafen. Auch die Hausherren hatten weiterhin ihre Chancen, so dass es ein munteres Spiel war. Es war dann erst ein Kontertor in der 90.Minute, durch den gerade eingewechselten Jaye Bowen, welches das Spiel vorzeitig entschied. Und kaum war wieder angepfiffen, krönte Ryan Prosser seine gute Leistung mit dem 3:0 für Merthyr Town.

Merthyr Downtown

Nach dem Spiel ging es gemütlich durch den netten Ortskern zurück zum Bahnhof. Für das Abendessen durfte sich heute der nochmal der 24 Stunden geöffnete Tesco Extra verantwortlich zeigen, bevor gegen 23 Uhr der letzte Zug nach Cardiff bestiegen wurde. Dort, 60 Minuten später, ging es ausnahmsweise schnurstracks ins Hotelbett. Rund 32km Fußmarsch am heutigen Tage, über Stock und Stein, forderten ihren Tribut.

19.08.2015
Cardiff Met FC – Aberbargoed Buds 4:1
Welsh Football League Division 1 (II)
Cyncoed Campus Field 1 (Att: 52)

Mittwochmorgen zwickte es doch etwas in den Muskeln. Also nicht planmäßig Jogging am Meer, sondern lieber ein bisschen Bummeln und Shoppen im Einkaufsparadies Cardiff.

Shopping in Cardiff

Gegen 11:30 Uhr brauchte man dann eigentlich auch nicht mehr Frühstücken und konnte sich gleich einen „Half-Pounder Cheeseburger“ reinpfeifen. Der gab die nötige Energie für die heutige Wander-Etappe am „Taff Trail“. Dabei ging es zunächst vom „Cardiff Castle“ hoch nach Llandaff. Das Wetter spielte heute nicht so mit, aber die stärkste Regenphase konnte bei einem Pint Cwrw im „Y Mochyn Du“ Pub ausgesessen werden. Der Pub liegt am SWALEC Stadium, wo Cardiffs Cricket-Club die Massen langweilen darf, und dementsprechend hängen im diesem alten Gemäuer viele Cricket-Devotionalien (insgesamt ein sehr uriger Pub). Dazu legt man hier besonders auf die walisische Identität wert, was sich im Speise- und Getränkeangebot und in der Sprache (Personal und Karte zweisprachig) niederschlägt. Lechyd da!

Y Mochyn Du

Bei etwas weniger Regen ging es dann weiter nach Llandaff. Eine eingemeindete Ortschaft, die Cardiffs große Kathedrale beherbergt. Das Stadtbild ist dort recht historisch und neben der Kathedrale von 1120, gibt es auch noch die Ruinen der bischöflichen Burg zu besichtigen. Ach ja, und urige Pubs hat’s dort überraschenderweise auch. Wollen wir ja nicht unterschlagen. Die Kathedrale ist Bischofssitz von Wales größter Diözese und die Vorgängerkirche angeblich von einem der großen walisischen Heiligen (St. Teilo) im Frühmittelalter errichtet worden. Sie gab auch an einem verregneten Tag ein schönes Fotomotiv ab. Einzig, dass das massive Westwerk direkt an einen Hügel grenzte und somit schlecht fotografierbar war, erzürnte die Sektion Instagram.

Llandaff Cathedral

Von Llandaff ging es den „Taff Trail“ wieder ein Stück zurück, um über den riesigen „Cathay’s Cementary“ und den schönen „Roath Park“ (da ist ein kleiner Cardiffer Maschsee) nach Cyncoed zu marschieren. In jenem Viertel sollte der Cardiff Met FC gegen die Aberbargoed Buds auf dem Sport-Campus der „Cardiff Metropolitan University“ spielen (walisische 2.Liga).

Die „Cardiff Metropolitan University“ verfügt über ein großes Sportangebot und Sportler und Mannschaften nehmen sowohl an studentischen Wettkämpfen teil, als auch an regulären nationalen Wettkämpfen. Daher spielt diese reine Studenten-Mannschaft im Liga-System der „Football Association of Wales“ mit, während eine weitere, noch hobbymäßigere Mannschaft in der überregionalen Uni-Liga spielt.

Roath Park

Der Kick fand nun auf einem 1a-Kunstrasenplatz, im Schatten der großen Sporthalle, statt und man konnte entweder auf der Hallenseite unter dem hervorragenden Hallendach stehen oder gegenüber auf einer kleinen überdachten Sitzplatztribüne Platz nehmen. Dennoch, nichts was die Kategorie Stadion verdient (offizielle Kapazität 1.000 Plätze).
Der Eintritt betrug 3,50£, es war kalt und nass (das war November-Wetter im August) und es gab nicht mal Bier. Aber wenigstens mühten sich die Akteure redlich, um die 52 Zuschauer zu unterhalten.

Eine walisische Erstligaspielstätte

Gerade Cardiff Met spielte einen schnellen Ball auf dem 3G-Pitch und das Spiel heute sah viel mehr nach Fußball aus, als das walisische Zweitligaspiel, welches ich jüngst im März sah. Das 1:0 konnten die Buds noch egalisieren, aber richtig gefährlich wurden sie den Mets nicht mehr. Das 2:1 für die Studenten fiel durch einen Schuss in den Torwinkel aus 30 Metern und die weiteren beiden Tore fielen im 2.Durchgang durch gut kombinierte Angriffe. Trotzdem, sollte ich plötzlich nochmal das Bedürfnis haben ein Sportstudium zu beginnen, wird mich dieses Gelände garantiert nie wieder sehen.

Cyncoed Campus Field 1

Der Donnerstag war dann fussballfrei. Gut, der Ball wäre gerollt, aber so tief im Hopper-Sumpf steckte ich zum Glück nicht, dass ich die Reserve eines walisischen Zweitligisten in Risca anschaue. Stattdessen wurde die Cardiff Bay entlang gejoggt und an den dortigen Freiluft-Fitnessgeräten der Körper weiter aufgepumpt. Die ca. 1.500 verbrannten Kalorien wurden danach mit Chicken Balti Extra Large zum Lunch wieder egalisiert. Und danach folgte ein üppiger „Pub Crawl“. Acht traditionelle Pubs erhielten die Ehre acht ihrer erlesenen Bier-Spezialitäten auszuschenken und als es dunkel wurde, sollte es noch auf einen Absacker ins „Gwdihw“ gehen, wo allerdings Live-Musik angesagt war. 4£ für angeblich fantastische Musiker wurden aufgerufen. Why not?

Chicken Balti

Die Musik war experimentell, teilweise etwas elektronisch und düster, aber viel bekamen wir davon im beheizten Biergarten eh nicht mit. Und drinnen ging auch nicht gerade der Punk ab und die Leute saßen auf Stühlen lauschend vor der Bühne. Die Acts waren H O R S E S (mit so Smashhits wie Sic), Carw, 5th Spear und CITIES, falls jemand mal reinhören will. Wir chillten darußen vor den Heizstrahlern und schliefen fast schon ein. Das Signal so langsam ins benachbarte Hotel zu wechseln.

Making new friends @Gwdihw

21.08.2015
Taff’s Well FC – Afan Lido 6:0
Welsh Football League Division 1 (II)
Rhiw Dda’r (Att: 125)

Freitag war dann wieder Matchday, aber zunächst hatte der Kulturbeauftragte eine Reise ins „St. Fagans Museum of Welsh Life“ angesetzt. Dabei handelt es sich um ein großes Freilichtmuseum unweit von Cardiff, wo 40 historische Gebäude aus allen Teilen von Wales wieder Stein für Stein aufgebaut wurden. Das Ganze inklusive einem dort schon lange stehenden Schlosses, dem „St. Fagans Castle“.

St. Fagans

Der Eintritt ist frei und dafür gibt es echt ’ne Menge zu sehen. Die Geschichte von Wales wird dort sehr erlebbar (da teilweise auch tatsächlich Handwerk betrieben und z.B. die Farm bewirtschaftet wird). Von einem Fürstenhaus aus der Eisenzeit, über mittelalterliche Kirchen und Wohnhäuser, eine Hahnenkampf-Arena, ein Arbeiter-Institut, Minenarbeiter-Häuser u.v.m. wird ein breites Spektrum abgedeckt. Und das Schloss lässt sich natürlich auch von innen und außen besichtigen. Da kann man theoretisch viele Stunden verbringen, aber es war ja Urlaub und keine Studienreise, also ging es nach zwei Stunden wieder zurück nach Cardiff, wo gute Katholiken sich heute an Fish & Chips labten.

Cardiffer Parkromantik

Mit den „Codfathers“ im Magen, wurde am frühen Abend ein Zug nach Taff’s Well bestiegen. Dieser Vorort liegt nicht nur am malerischen „Castell Coch“ und dessen Burgberg, sondern auch am Garth, einem rund 300 Meter hohen Berg, der mitsamt Taff’s Well Vorlage für den Film „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“ von Christopher Monger wuder. Ein nettes Filmchen (allerdings mit Hugh Grant in einer Hugh Grant Rolle), in dem die Waliser treffend charakterisiert werden. Ein Volk welches nicht so prominent wie die Iren oder Schotten in der Welt wahrgenommen wird (wer kennt z.B. schon Owain Glyndwr außerhalb von Großbritannien, aber Michael Collins oder William Wallace sind weltweit relativ bekannt). Doch auch die Waliser grenzen sich sehr klar von den Engländern ab und haben sich die eigene Identität bewahrt. Das nimmt man in Cardiff oft nur oberflächlich wahr (da zum Beispiel die Sprache nur schriftlich, aber kaum mündlich präsent ist), doch auf dem Land spürt man eigene Identität sehr deutlich. Dort, wo nahezu jeder Junge Rugby spielt, die Zahl der Walisisch-Sprecher steigt (besonders im Norden) und Schafe die menschlichen Einwohner um ein Vielfaches übertreffen.

The Garth

Rugby ist auch in Taff’s Well der beliebteste Sport, aber immerhin 125 Zuschauer wollten heute Abend den Taff’s Well FC gegen Afan Lido aus Port Talbot sehen. Der bisherige Zuschauerrekord in meinen drei walisischen Zweitligaspielen. Zunächst war jedoch ein Großteil der Zuschauer auf ein paar Biere im reich geschmückten Clubhaus. Da ein Schild an der Theke darauf hinwies, dass Anschreiben nicht mehr geduldet wird, bezahlten auch wir unsere Pints direkt in bar und waren ganz froh ein wenig im Warmen und Trockenen zu sitzen. Denn nachdem tagsüber gutes Wetter war, regnete es jetzt wieder mal in Strömen. Auch typisch walisisch…

Welcome to Taffs Well F.C.

Der Ground verfügt, neben durchgehender Bande, über eine winzige überdachte alte Tribüne auf der einen Gerade (ca. vier Auswechselbänke breit und zweireihig bestuhlt) und eine etwas größere Tribüne (mit immerhin rund 100 überdachten Sitzplätzen) auf der anderen Gerade. Netter als die anderen bisher gesehenen Plätze der zweithöchsten walisischen Spielklasse.

Der Ground des Taff’s Well F.C.

Der heutige Gast Afan Lido war mir bereits von seinem Auftritt im März beim Caerau Ely AFC bekannt und besser sind sie seitdem nicht geworden. Wie schon Ely, musste auch Taff’s Well den Bann mit einem Tor aus der Distanz brechen. Doch danach konnte eigentlich nichts mehr anbrennen, weil Afan Lido einfach keine Durchschlagskraft in der Offensive besaß. Das erste und zweite Tor für die Hausherren schoss deren 10er, der sowieso eine Klasse besser war, als der Rest (der da so auf dem Niveau der Bezirksliga Hannover kickte). Vielleicht ein ehemals großes Talent, den eine schwere Verletzung oder unsportlicher Lebenswandel hierhin gebracht haben? Man kann nur spekulieren.
Am Ende stand jedenfalls ein in der Höhe verdientes 6:0 für den Taff’s Well FC, der sicher Grundlage für einen feucht-fröhlichen Freitagabend der Kicker wurde.

D.I.S.C.O.

Wir wollten dem in nichts nachstehen und stürzten uns in Cardiff nochmal ins Nachtleben. Bereits am Nachmittag waren die Pubs ja schon gut gefüllt gewesen und nun war wieder Halligalli in den Partymeilen der Stadt. Nach einem Alkoholleichen-Slalom vom Hotel zur Greyfriars Road, ging es erstmal ins „Pryzm“. Um 22:30 Uhr zwar noch gähnend leer, aber das änderte sich bis Mitternacht. Bei den Frauen liefen wieder mal 50% rum, als gingen sie zum Abschlussball, 40% als gingen sie auf den Strich und 10% waren vermutlich keine Waliserinnen. Den Preis für das sparsamste Outfit gewann Ally aus Pontypridd. Immerhin die Nippel waren bedeckt. Solange sie nicht tanzte…

Miss Cardiff 2015

Im Laufe der Nacht wurde dann nochmal ins „Crockerton“ gewechselt, wo die Frauen reifer, aber nicht minder betrunken waren. Am besten gefielen mir die Muttis, die sich wie Hühner voreinander aufplusterten und dann ein Tanz-Battle veranstalteten. Ausklang fand so ein „Cardiff Nightout“ dann traditionell in der „Chip Alley“ (Caroline Street), wo alles frittiert wird, was frittierbar oder nicht frittierbar ist, die Speisen jedoch auf wundersame Weise einem Kater vorbeugen sollen.

Caroline Street Delikatesse

Den gab es am nächsten Morgen tatsächlich nicht, so dass ich nochmal an den Docks ’ne Runde Laufen ging, bevor kurz vor 12 Uhr Check-Out angesagt war. Nun konnte man eigentlich mit dem angefangenen Tag nicht viel Sinnvolleres anfangen, als noch ein paar Stunden im „Great Western“ Pub bei Speis und Trank zu verbringen und dann zum Flughafen zu fahren, wo kurz vor 16 Uhr die Maschine gen Düsseldorf abhob. Als wir landeten, konnten sogleich die frischen Bundesliga-Ergebnisse geprüft werden und bereits kurz nach 22 Uhr lag ich wieder im heimischen Bett. Denn Sonntag wollte ich gut ausgeruht und topfit (nach diesem sportiven Wales-Trip) selber 90 Minuten kicken.

Hafenromantik

Mittlerweile übrigens mit der Überzeugung, dass es mit etwas mehr Training und in meinen besten Jahren (nicht jetzt, als ü30-Fettsack), bestimmt auch für die zweite oder gar erste walisische Fußballliga gereicht hätte.