- 30.01.2026
- 1. FC Magdeburg – Hannover 96 1:2
- 2. Bundesliga (II)
- Heinz-Krügel-Stadion (Att: 25.790)
Kaum war mein Bericht vom denkwürdigen Duell zwischen dem 1. FCM und der SG Dynamo abgetippt, ging es schon wieder nach Magdeburg. Diesmal an einem Freitagnachmittag per Deutschlandticket mit dem ÖPNV, um unter Flutlicht mit 25.789 weiteren Fußballfreunden dem abendlichen Gastspiel des Hannoverschen Sportvereins beizuwohnen.

Ich kam um 16:55 Uhr in der von ca. 245.000 Menschen bewohnten Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt an und nur wenige Minuten später durfte ich meinen aus der Bundeshauptstadt Berlin angereisten Kumpel Lumi begrüßen. Bei Minusgraden und Schneematsch reizte heute mal nicht der Fußmarsch zum ca. 3,5 km entfernten Heinz-Krügel-Stadion. Stattdessen stiegen wir in die erstbeste Tram gen HKS.

Weil wir beide direkt nach unserem Feierabend aufgebrochen waren und seit der Frühstückspause nichts mehr gegessen hatten, musste vor Spielbeginn allerdings dringend noch was in den Magen. So ließen wir uns bereits an der Käseglocke Bratwürste à 4 € vom Grillrost reichen und hinter den Drehkreuzen des 2006 eröffneten Stadions gab es sogleich eine weitere Bratwurst im Brötchen (ebenfalls 4 €). Die zweite Bra im Brö gewann dabei übrigens bei uns beiden das direkte Wurstduell.

Ohne knurrenden Magen, aber ausgestattet mit der ersten von insgesamt drei Runden Bier (0,5 l Hasseröder für 5,20 €), setzen wir uns kurz vor Spielbeginn auf unsere je Ticket 26,50 € teuren Haupttribünenplätze. Nach dem ersten Schluck Gerstensaft mussten die Becher jedoch sofort wieder abgestellt werden. Denn während die Szene des FCM für den heutigen Abend nichts Besonderes vorbereitet hatte, zwang einen die Gästekurve zum Zücken des Fotoapparats.

Im Carré hatten sich dort maskierte Menschen mit roten Signalfackeln aufgestellt und sorgten so für eine leuchtende und lodernde Umrahmung des heute einmal mehr mit 2.800 Fans komplett ausgelasteten Gästesektors. In diesem Rahmen wurden fleißig die mitgebrachten Fahnen geschwenkt, ehe kurz nach Anpfiff noch ein zweites Mal zur Pyrotechnik gegriffen wurde.

Diesmal hatten sich die Pyromanen im ganzen Block verteilt und setzten auf Fackeln mit goldgelben Flammen, sowie auf Stroboskop-Effekte und ordentlich Rauchentwicklung. An sich ’ne schöne Sache für Freunde von südländischer Stadionatmosphäre. Allerdings vernebelte sich die Spielstätte jetzt so sehr, dass der Unparteiische die Partie gleich wieder für fast zehn Minuten unterbrechen musste.

Außerdem war es fast schon zwangsläufig, dass heute beide Szenen auf die Auseinandersetzungen zwischen den FCM-Fans und der Polizei am Vorwochenende eingingen. Im Gästesektor tauchte hinter den Rauchschwaden die Botschaft „Bullen raus aus allen Kurven“ am Zaun auf. Der Block U wünschte parallel allen verletzten Clubfans gute Besserung.

Die Stadionkrawalle, die für etliche verletzte Stadionbesucher und Polizeibeamte gesorgt hatte, war unter der Woche natürlich auch über Magdeburgs Stadtgrenzen hinaus ein großes Thema. Nachdem Polizei und Politik nach dem Spiel sogleich ein paar Thesen und Forderungen in die Blöcke der Journalisten diktierten, nahm am Donnerstag der 1. FC Magdeburg Stellung. Ebenfalls wagte die Fanhilfe der Blau-Weißen vor der heutigen Partie eine erste Einordnung der Ereignisse.

Der vorschnellen und ziemlich wilden Theorie, dass das ein von langer Hand geplanter Angriff auf die Polizei gewesen sein könnte, wird in beiden Stellungnahmen deutlich widersprochen. Vielmehr wird das realistische Bild einer dynamischen Situation mit unglücklichen Verkettungen gezeichnet. Dabei wird mit keiner Silbe die Konfrontation mit der Polizei gerechtfertigt oder verharmlost. Allerdings bildet eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse natürlich das notwendige Fundament, um die richtigen Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen.

Man wird als 1. FC Magdeburg laut Stellungnahme weiter im engem Austausch mit der Polizei, dem Innenministerium, dem Ordnungsdienst, den Sanitätskräften und der Fanszene stehen, um alles bestmöglich aufzuarbeiten. Indes vermeldete die Polizei einen ersten Ermittlungserfolg. Ein 29jähriger FCM-Fan aus Aschersleben sitzt nun U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, einen Polizisten am vergangenen Samstag mit einer Steinplatte angegriffen und verletzt zu haben. Die genauen Tatvorwürfe lauten Verdacht des versuchten Mordes, schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte.

Doch nun zum Sport. Den 1. FC Magdeburg hatte die Niederlage gegen Dynamo (1:2) wieder in den Abstiegskampf gezogen. Ergo durfte man sich gegen den Hannoverschen SV von 1896 eigentlich keinen weiteren Fehltritt erlauben. Die Gäste hatten hingegen am Vorwochenende ihr Duell mit Fortuna Düsseldorf siegreich bestritten (2:1) und waren mehr oder weniger zurück im Aufstiegsrennen. Demgemäß war 96 der Favorit bei den Buchmachern und musste dieser Rolle auch gerecht werden, sofern man den Top 3 der Tabelle weiterhin auf den Fersen bleiben will.

Nach ein paar Minuten Abtastphase zeigte der gegenwärtig Fünfte dann die erhoffte Dominanz beim derzeit Vierzehnten. 96 setzte die offensive Spielidee von Magdeburgs Ex-Trainer Christian Titz gut um und kam zu mehreren vielversprechenden Torgelegenheiten an dessen langjähriger Wirkungsstätte. Allein Daisuke Yokota hätte im ersten Durchgang dreimal treffen können. Jedoch gelang dem Japaner lediglich ein Torerfolg (38.), der zugleich die verdiente Pausenführung markierte.

Der auffällige Yokota musste leider verletzungsbedingt in der Kabine bleiben. Allerdings hatte sein Torvorbereiter Benjamin Källman kurz nach Wiederanpfiff gleich das 0:2 auf dem Fuß. Nur leider war der nächste Treffer dieser Partie dem FCM vergönnt. Baris Atik brachte den Club mit einem schönen Schlenzer von der Strafraumgrenze zurück ins Spiel (53.). Schien die Quittung für den hannoverschen Chancenwucher gewesen zu sein. Gleichwohl wollte 96-Kapitän Enzo Leopold diese Bestrafung nicht akzeptieren und stellte mit dem 1:2 rasch die alten Verhältnisse her (56.).

Auf den Rängen wurde unterdessen mit einer etwas weird wirkenden Aktion auch noch was klar gestellt. Eine mit Fanartikeln der BSG Wismut Aue spärlich bekleidete Gummipuppe tauchte am Zaun des Gästeblocks auf. Dazu präsentierte die Gruppe Unterrang das Spruchband „Planet MD: Heute ein Aue-Schwein zu Gast“. Angeblich haben die Magdeburger in ihrem Infozine Planet MD jener Gruppe Unterrang fälschlicherweise freundschaftliche Kontakte ins Erzgebirge angedichtet.

Nachdem die Puppe wieder verschwunden war, ging es in eine spannende Schlussphase. Die Blau-Weißen stemmten sich noch lange gegen die Niederlage und mal verhinderte Noll, mal das Aluminium einen neuerlichen Ausgleich. Letztlich musste der Hannoversche Sportverein bis zum Ende zittern. Aber anders als jüngst in Nürnberg oder Kaiserslautern, schenkte die Titz-Elf ihre Auswärtsführung nicht mehr her. Lässt die Konkurrenz morgen und übermorgen obendrein noch was liegen, ist 96 tatsächlich wieder auf Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen. Dem FCM droht dagegen an diesem Spieltag das Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz.

Nach Spielende machten Lumi und ich uns umgehend auf zum Hauptbahnhof und verpassten somit noch ein paar Freudenfeuer im Gästeblock, als die Mannschaft sich dort von ihren mitgereisten Anhängern feiern ließ. Aber dafür bekamen wir um kurz nach 21 Uhr wie erhofft den jeweils erstbesten Nahverkehrszug gen Westen bzw. Osten. Heute war schließlich wieder so’n garstiger Winterabend, an dem man schnellstmöglich im warmen Bett liegen wollte.