Magdeburg 01/2026

  • 24.01.2026
  • Hannover 96 – Fortuna Düsseldorf 2:1
  • 2. Bundesliga (II)
  • Niedersachsenstadion (Att: 35.100)

Dank der Deutschen Fußball Liga sollte es mich im Januar gleich zweimal nach Magdeburg verschlagen. Denn vergangenen Sommer hielten es die Spielplangestalter der DFL für eine gute Idee, dass der 1. FC Magdeburg seine zwei Heimspielhöhepunkte binnen weniger Tage erleben darf. So kam es am 24. Januar zum Ostklassiker gegen Dynamo Dresden und am 30. Januar sollte Hannover 96 ins Heinz-Krügel-Stadion reisen. Diese Gastspiele der Giganten aus Sachsen und Niedersachsen wollte ich mir ungern entgehen lassen, zumal letztlich sogar beide Kracherspiele auf abendliche Anstoßzeiten terminiert wurden.

Heimspielauftakt in Hannover

Doch bevor ich am 22. Januar erstmals in dieser Saison Magdeburger Boden betreten sollte, hatte ich noch einen Termin im Niedersachsenstadion. Dort empfing der Hannoversche SV die Fortuna aus Düsseldorf um 13:00 Uhr zum ersten Heimspiel der Rückrunde und nach einem Frühschoppen in der Markthalle ging es auf den Stammplatz im Oberrang der Osttribüne.

Die Fortunafans

Da es keine besonderen Vorkommnisse gab und ich generell nicht sehr motiviert bin über Heimspiele zu schreiben, möchte an dieser Stelle lediglich erwähnen, dass die Fanszene der Fortuna einen richtig guten Auftritt im Niedersachsenstadion hatte. Ich habe die Düsseldorfer wahrlich schon oft gesehen, aber nie haben mich deren Darbietungen besonders abgeholt. Heute dagegen ein gelungenes optisches Kurvenbild mit vielen Schwenkern und Doppelhaltern. Dazu wurden mit Pyrotechnik immer mal wieder weitere Akzente für’s Auge gesetzt und dem Ohr gefielen die Gesänge und die Mitmachquote aus der Gästekurve heute ebenfalls sehr gut.

Die Nordkurve durfte einen Heimsieg feiern

Glücklicherweise wurde der meines Erachtens diese Saison bisher beste Gästeauftritt im Niedersachsenstadion nicht von einem sportlichen Erfolg flankiert. Hannover 96 gewann erstmals seit dem 28. November ein Pflichtspiel und machte mit dem mühsam erarbeiteten 2:1 wieder Boden in Richtung Aufstiegsplätze gut. Jetzt muss am kommenden Wochenende in Magdeburg nachgelegt werden und vielleicht halte ich mir den Mai doch noch für Relegationsspiele und eine etwaige Aufstiegsfeier frei…

  • 24.01.2026
  • 1. FC Magdeburg – Dynamo Dresden 1:2
  • 2. Bundesliga (II)
  • Heinz-Krügel-Stadion (Att: 27.815)

Beim heutigen Heimsieg tat sich außerdem noch eine Mitfahrgelegenheit für meinen heutigen Ausflug an die Elbe auf. Leon und Jojo fuhren diesen Monat nämlich ebenfalls zweimal nach Magdeburg und hatten im PKW noch eine ganze Rückbank für mich frei. Nachdem unterwegs bei Hämis in Hämelerwald noch drei Dönerteller à 13,50 € verputzt wurden, erreichten wir unseren Zielort gegen 17:45 Uhr und ich sprang im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld aus der Karre.

Hämelerwalder Dönerteller

Denn während Leon und Jojo direkt zum Stadion wollten, war ich in der Schankwirtschaft Schöne Ecke in der Schopenhauerstraße noch auf ein paar Biere mit meinem Kumpel Joey verabredet. Der war mit zwei weiteren Atzen aus Berlin angereist und nach zwei gemeinsamen Runden Hasseröder fuhren wir per Tram zum rund 5 km entfernten Heinz-Krügel-Stadion.

Schöne Eckkneipe

An der Käseglocke gab es noch eine weitere Runde Bier auf die Faust und dann trennten sich am Stadioneingang aufgrund unterschiedlicher Tribünen vorerst die Wege. Ich saß für 31,50 € auf der Haupttribüne des heute mit 27.815 Zuschauern natürlich ausverkauften Stadions und erwartungsgemäß konnte ich von dort in beiden Fankurven Vorbereitungen für Choreographien beobachten.

Choreo der Heimseite

Der Block U und dessen Nachbarbereiche hatten sich je nach Sektor blaue oder weiße Plastikponchos über die Winterjacken gestreift. Dazu zogen sie die Schriftzüge „FCM unser Leben“ und „So haben wir das gewollt“ hoch. Zwei Zeilen aus einem Fangesang der Magdeburger und mit jenem Lied wurde dieses Intro selbstredend akustisch untermalt. Das gelungene Gesamtbild wurde außerdem mit einer großen Pyroshow abgerundet. Eine sicher dreistellige Anzahl an roten Signalfackeln erleuchtete pünktlich zum Anpfiff die Tribüne (siehe Titelbild).

Hoffentlich entsprachen die Ponchos der EN 469

Am anderen Stadionende hatten sich Ultras Dynamo & Co für eine detailreiche Blockfahne entschieden, die den gesamten Gästesektor überspannte. Auf ihr stand der sächsische Kurfürst Friedrich August I., besser bekannt als August der Starke, im Mittelpunkt. Wie auf dem berühmten Dresdner Standbild Goldener Reiter saß der Kurfürst hoch zu Ross. Er hatte mit seinem Schwert offenbar Magdeburgs große historische Berühmtheit Otto von Guericke niedergestreckt und ein Banner am Zaun untertitelte das Werk mit der einfachen Botschaft „Sachsen regiert!“.

Blockfahne im Gästesektor

Da August der Starke übrigens Sachsen und Polen in Personalunion regierte, können wir von ihm gleich mal zu Freundschaftsbesuchen übergehen. Denn heute wäre sicher ein würdiger Anlass gewesen, um die guten Kontakte zwischen gewissen Fankreisen von Dynamo Dresden und Motor Lublin auf die nächste Ebene zu heben. Doch in fremden Farben war heute lediglich ein kleines Banner von Red Kaos aus Zwickau am Zaun zu erspähen. Heißt natürlich nicht, dass im Gästeblock keine Kibice aus Ostpolen am Start waren. Aber der Beziehungsstatus bleibt wohl weiterhin bei einem informellen „Dobre Relacje“.

August vs. Otto

Über dieses Stadium sind die deutsch-polnischen Beziehungen zwischen den Szenen des 1. FC Magdeburg und des HKS Hutnik Kraków schon lange hinausgewachsen. Seit bereits zwei Jahrzehnten ist man freundschaftlich verbandelt und heute wurden rund 80 Gäste aus Krakóws Trabantenstadt Nowa Huta im Hans-Krügel-Stadion empfangen. Auch sichtbar gemacht durch ein HKS-FCM-Freundschaftsbanner und mehrere Zaunfahnen des 1950 gegründeten Hutniczy Klub Sportowy.

Insignien einer Fanfreundschaft

Den Jungs aus Nowa Huta dürfte der gewohnt brachiale Liedvortrag der deutschen Freunde gut gefallen haben. Heute fand ich es im ersten Durchgang sogar noch einen Tick lauter, als bei meinen bisherigen Visiten in Magdeburg. Da die Düdüdü-Truppe im Gästesektor auch nicht ausgerechnet heute einen schlechten Tag hatte, erfüllte dieser Ostklassiker atmosphärisch zumindest im ersten Durchgang meine hohen Erwartungen.

Schalparade der Heimkurve

Ein Ostklassiker kann ein Duell natürlich nur sein, wenn es bereits in grauer DDR-Vorzeit denkwürdige Aufeinandertreffen gab. In diesem Falle geht die Rivalität bis mindestens in die 1970er Jahre zurück, als beide Clubs fast jährlich direkte Titelkonkurrenten im FDGB-Pokal und in der DDR-Oberliga waren. So hat der FCM in jenem Jahrzehnt alle seine drei Meistertitel und drei seiner sieben Pokalsiege feiern dürfen. Krönen konnten die Blau-Weißen ihr goldenes Jahrzehnt außerdem mit dem Gewinn des Europapokal der Pokalsieger in der Saison 1973/74 (siehe auch Magdeburg 05/2024). Die SGD feierte indes zwei der insgesamt sieben Pokalsiege und vier der acht Meistertitel in den 1970er Jahren.

Auch die Sachsen legten ihre Hälse zwischenzeitlich frei

Von nationalen oder gar internationalen Triumphe sind die beiden alten Rivalen derzeit natürlich weit entfernt. Stattdessen wären der FCM und die SGD vorerst mit der dauerhaften Etablierung in der 2. Bundesliga zufrieden. Dass die Hausherren als Zwölfter (20 Punkte) und die Gäste als Siebzehnter (16 Punkte) in die Partie gingen und somit zur Zeit gemeinsam im Abstiegskampf stecken, sorgte demgemäß für weitere Brisanz.

Schwarz-gelber Bannerteppich

Bei so einer Ausgangslage sprechen Sportjournalisten gerne von einem Sechs-Punkte-Spiel und bereits zu Beginn sah es aus, als wolle Dynamo unbedingt den besonders wertvollen Sieg einfahren. Mit hohem Pressing ließen sie den alten Rivalen die ersten Minuten zunächst nicht ins Spiel kommen und zugleich verbuchten die Sachsen in der Anfangsphase ein paar Torannäherungen. Da mussten die Magdeburger im eigenen Stadion auf Konter setzen und einen davon schloss Mateusz Zukowski zum frenetisch gefeierten 1:0 ab (29.)

Freude über die Führung

Doch die am 12. April 1953 gegründete SG Dynamo war nicht um eine Antwort verlegen. Bei einem Eckball konnte Kofi Amoako rasch für den Ausgleich sorgen (34.). Ein Treffer, dessen Jubel fanseitig schnell in Provokationen überging. Als aus dem Sektor der Sachsen dann sogar noch Pyrotechnik in Richtung der Heimfans geschossen wurde, schien die Lage völlig zu eskalieren. Während es die auf den Trennzaun gekletterten Dynamos nur bei Drohgebärden beließen, versuchte ein großer Magdeburger Mob offenbar hinter den Tribünen zu den Rivalen vorzudringen. Aber in den Weg stellten sich ihnen natürlich das anwesende Großaufgebot der Polizei.

Nach dem 1:1 lag Ärger in der Luft

Von den Tribünen konnte man nur erahnen, was sich dahinter abspielte. Doch im Nachgang sollte natürlich reichlich Bildmaterial auftauchen, welches eine regelrechte Schlacht von etwa 250 Fans des FCM (und mutmaßlich auch des HKS) mit der Polizei zeigte. Dabei flogen teils massive Gegenstände wie Absperrgitter, Mülltonnen, Gehwegplatten und sogar ein Gullydeckel auf die Beamten, so dass selbst die Körperschutzausrüstung nicht mehr ausreichend vor Blessuren schützte. Entsprechend wurden nicht nur etliche Fans durch Schlagstöcke und Reizgas ein Fall für die Sanitäter, sondern laut Behördenangaben wurden auch 70 Polizisten verletzt, wovon 17 ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Ermittelt wird nun u. a. wegen schweren Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und in drei Fällen sogar wegen versuchten Mordes.

Derlei Lodern im Mundloch ließ die Auseinandersetzungen hinter der Tribüne erahnen

Weil es an diesem Abend zu keinen Festnahmen kam und ein Großteil der Angreifer vermummt war, konnten bisher noch keine Verdächtigen identifiziert werden. Aber bei den drastischen Tatvorwürfen wird sicher mit Hochdruck ermittelt. Außerdem muss man kein Prophet sein, um der aktiven Szene des 1. FC Magdeburg insgesamt eine schwere nahe Zukunft vorauszusagen. Schließlich gibt es in so einer Causa naturgemäß auch enormen politischen Druck, der vielleicht sogar nicht nur zu Konsequenzen im Heinz-Krügel-Stadion führen wird. Denn wir wissen ja, welche für Pläne in den Schubladen der Innenminister nur auf ein günstigeres politisches Klima warten.

Der Gästeblock beheizt das eisige Heinz-Krügel-Stadion

Doch verlassen wir wieder das Feld der Wahrsagerei und kehren zurück zum Stadiongeschehen. Dort besorgte Thomas Keller in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs nach einer weiteren Ecke das 1:2 (45.+3). Danach war zumindest auf dem Rasen erstmal Pause und ich traf mich mit zwei weiteren Freunden zum Halbzeitplausch. Denn auch Lumi und Niklas waren für dieses Topspiel aus Berlin bzw. Frankfurt angereist und erhofften sich wie meiner einer einen stimmungsvollen Fortgang der Partie.

Gorillas im Nebel

Diesbezüglich lieferten Ultras Dynamo & Co gleich zum Wiederanpfiff eine schöne Pyroshow, die aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse allerdings für weitere neun Minuten Pause sorgte. Als der Ball danach wieder rollte, bemühte sich der 1965 aus der Taufe gehobene FCM natürlich um den Ausgleich. Leider nicht mehr ganz so lautstark angetrieben vom Heimpublikum, da die Szenen hinter der Tribüne offenbar direkte Auswirkungen auf den Support hatten. Mitte der 2. Halbzeit wurden sogar fast alle Zaunfahnen abgehangen. Allerdings nicht aus Protest gegen irgendwen oder irgendwas. Das dürfte lediglich prophylaktisch gewesen sein, weil man wahrscheinlich noch mit einem Blocksturm durch die Polizei rechnete.

Der frühzeitig entflaggte Heimbereich

Am Ende konnte die heute ganz in schwarz* auflaufende Dynamo-Elf die Führung über die Zeit bringen und durfte mit ihren 2.800 mitgereisten Fans drei ganz wichtige Punkte feiern. Man bleibt zwar vorerst Siebzehnter, aber vom rettenden Ufer trennt die Schwarz-Gelben nur noch ein Punkt. Die Magdeburger sind hingegen wieder mitten drin im Abstiegskampf und stehen kommenden Freitag gegen Hannover 96 ziemlich unter Zugzwang.

Die Dresdner feiern drei Punkte, die sich wie sechs anfühlen

Nach Abpfiff verzichtete ich auf das eigentlich verlockende Angebot wieder Auto mit Leon und Jojo zu fahren. Stattdessen wollte ich mit Joey & Co noch ein paar weitere Biere in Magdeburg konsumieren und gemäß meiner Ursprungsplanung erst einen nächtlichen ICE gen Westen besteigen. Es ging nun mit der Tram zum Hasselbachplatz und dort nahmen wir das Spieltagsangebot von Curry 54 wahr (gegen Vorlage der Eintrittskarten gab drei Fassbier zum Preis von zwei).

Im Glas ist Köpi, aber das Outfit im Hintergrund ist noch mehr King

Eigentlich wollten wir uns auch noch in eine richtige Kneipe setzen. Aber die Uhr tickte doch schneller, als gedacht. Da der Zug der Berliner um 0:37 Uhr fuhr, machten wir uns stattdessen kurz nach Mitternacht mit Wegbier auf zum Hauptbahnhof. Ich hatte allerdings noch fast ’ne Stunde länger in Magdeburg auszuharren, so dass ich mich sehr über eine Einladung ins bahnhofsnahe Café Amsterdam freute. Denn Lumi und Niklas hatten Nachtasyl bei einem alten Studienfreund im Stadtfeld bekommen und ließen in jener Lokalität noch den Abend ausklingen.

Ach hätte ich doch nur die Untappd App…

Nach einer Bierlänge musste ich mich aber leider auch aus dieser Runde verabschieden, um meinen planmäßig 1:23 Uhr fahrenden ICE zu bekommen. Der aufgrund einer Preisaktion gerade einmal 5,24 € teure Hochgeschwindigkeitszug brachte mich binnen 96 Minuten zurück nach Hannover und von dort sollte es per ÖPNV schnellstmöglich heimwärts gehen. Die Betonung liegt auf auf sollte. Aber ich erspare euch an dieser Stelle einen Abschlussabsatz über defekte Oberleitungen und nächtliche Überlandfahrten mit dem Taxi.

*Dieser Dress wurde in Erinnerung an die vor fast genau vier Jahren verstorbene Vereinslegende Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner getragen, der zugleich am 25. Januar seinen 75. Geburtstag gefeiert hätte.