- 22.01.2026
- Malmö FF – FK Crvena zvezda 0:1
- UEFA Europa League (League Phase)
- Nya Malmö Stadion (Att: 16.852)
Als ich mich auf die Urlaubsplanung für 2026 stürzte, fiel mir eine Partie der UEFA Europa League am 22. Januar ins Auge. Der FK Crvena zvezda sollte am vorletzten Spieltag der Ligaphase dieses Wettbewerbs bei Malmö FF gastieren. Die Ticketbeschaffung war unkompliziert und eine Hin- und Rückfahrt mit der Bahn kostete mich lediglich 73,86 €. Also ging es zum Auftakt eines neuen Reisejahres mal nicht in den warmen Süden, sondern ins eisige Nordeuropa.

Los ging es in Hannover am Spieltagsmorgen um kurz nach 7 Uhr. Nach Umstiegen in Hamburg und København (Kopenhagen) war ich um 14:40 Uhr im erwartungsgemäß kalten, aber heute leider auch ziemlich grauen und windigen Malmö. Böen von bis zu 50 km/h würden aktuell für eine gefühlte Temperatur von -13° C sorgen, warnte mich die Wetter App. In dieser Eiseskälte spazierte ich zunächst einmal zur für die kommende Nacht gebuchten Unterkunft. Dabei handelte es sich um das bahnhofsnahe First Hotel Jörgen Kock, welches mir für ein Einzelzimmer mit Frühstück 600 SEK (ca. 56 €) berechnete.

Da bisher nur ein in Hamburg erstandenes Franzbrötchen für Kalorienzufuhr gesorgt hatte, musste nach dem Check-in dringend ein verspätetes Mittagessen her. Die Wahl fiel auf die Spoonery im Zentrum von Schwedens drittgrößter Stadt (ca. 334.000 Einwohner). In jenem Lokal ließ ich mir sieben leckere Köttbullar in Rahmsauce, nebst gekochten Drillingen, frischen Preiselbeeren und Gurkensalat reichen. Im Preis von 148 SEK (ca. 14 €) waren außerdem Brot, Butter und Wasser soviel man wollte inkludiert. Nichtsdestotrotz gönnte ich mir auch noch ein schwedisches Italian Style Lager namens Prego, Prego für 75 SEK (ca. 7 €), welches in einer kleinen Brauerei unweit von Malmö produziert wird.

Nach dem Essen schlenderte ich durch die Gassen der Gamla staden (Altstadt) und begegnete dort sehr vielen serbischen Schlachtenbummlern. Zur Freude der Polizei waren allerdings weit und breit keine Fans von Malmö FF und vor allem keinerlei kroatische Provokateure zu erspähen. Denn spannenderweise war das heutige Fußballspiel direkt zwischen zwei EM-Auftritten der kroatischen Handballnationalmannschaft in Malmö angesetzt. Bei dieser Gemengelage hatten die ganzen Revolverblätter vom Balkan schlimme Ausschreitungen befürchtet und auch schwedische Medien griffen das Thema gern auf.

Der Polizeichef von Malmö versicherte daher in einer Pressemitteilung die höchste Sicherheitsstufe und an der Grenze verweigerte man ein paar aktenkundigen Anhängern des Gastvereins tatsächlich die Einreise. Außerdem wurden am heutigen Morgen sieben Serben abgeschoben, weil sie am Vorabend bei Zusammenstößen mit Heimfans festgenommen wurden. Doch am heutigen Nachmittag lag auf dem zentralen Altstadtplatz Lilla torg kein Ärger in der Luft. Nur wenige Beamte hatten ein Auge auf die Fans des FK Crvena zvezda, die aufgrund der Minusgerade größtenteils in den Bars saßen und lautstark über ihren Verein, ihre Heimat und die so genannte UEFA Mafia sangen.

Es heißt bekanntlich „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. Allerdings wurde heute bereits um 18:45 Uhr angepfiffen, so dass ich mich 2,5 Stunden vor Spielbeginn nicht mehr um einen freien Stuhl in einer der Lokalitäten bemühen musste. Stattdessen setzte sich alsbald der obligatorische Fanmarsch zum gut drei Kilometer entfernten und 2009 eröffneten Nya Malmö Stadion in Bewegung.

Ich machte die Vorhut, fand auf der Route aber leider keine schöne exponierte Stelle für richtig gutes Bildmaterial. Nichtsdestotrotz weiß ich von einem sanges- und fackelfreudigen Marsch mit über 1.000 Teilnehmern zu berichten. Weil Iris Spranger oder Daniela Behrens in Malmö nichts zu melden haben, waren dabei übrigens weder verletzte Fans, noch verletzte Beamte zu beklagen. Ich mein, klar, schwedische Fußballfans können dir auch genug Schlechtes über ihre Polizei erzählen. Aber im internationalen Vergleich wird hier meines Erachtens doch noch mehr auf Deeskalation gesetzt.

Zusammen mit Delije & Co erreichte ich das Stadion gegen 17:30 Uhr. Ich hatte mir ein 280 SEK (ca. 26 €) teures Ticket für die Gegengerade der 22.000 Zuschauer fassenden Sportstätte gekauft und beobachtete von dort wie sich der Gästeblock rasch füllte. Insgesamt 1.500 Karten und damit etwas mehr, als die von der UEFA festgeschriebenen 5 %, hatte Malmö FF dem FK Crvena zvezda zugestanden.

Ferner hatten sich noch hunderte weitere Fans und Sympathisanten des serbischen (und jugoslawischen) Rekordmeisters mit Tickets in anderen Sektoren eingedeckt. Darunter sicher viele Schweden mit Wurzeln auf dem Balkan (insbesondere in Malmö gibt es da eine große Community). Außerdem hatte man es aus Norwegen, Dänemark oder Deutschland ja auch nicht besonders weit nach Malmö. Dabei kam den unorganisierten Fans aus der serbischen Diaspora sicher zugute, dass Malmö FF am vorletzten Spieltag der Ligaphase bereits keine Chance mehr auf’s Weiterkommen hat und die Ticketnachfrage heimseitig geringer als üblich ausfiel.

Die Norra Läktaren (Nordtribüne), wo u. a. die Gruppen Supras, Rex Scania und Block 3 für die Stimmung sorgen, war jedoch voll ausgelastet. Auch eine optische Aktion hatte man vorbereitet, wenngleich der Anlass leider ein trauriger war. So gedachte man dem im Dezember verstorbenen früheren Erfolgstrainer Åge Hareide* mit den Abschiedsworten „Du gav oss tron, du visade oss vägen. Vila i frid, Åge” (Du hast uns den Glauben gegeben, du hast uns den Weg gezeigt. Ruhe in Frieden, Åge), sowie einer Blockfahne mit seinem Konterfei.

Am anderen Stadionende hatte man unterdessen mit roten und weißen Schals ein schönes optisches Bild erzeugt. Auch ein wenig Pyrotechnik durfte beim Einlaufen der Mannschaften nicht fehlen. Doch man wurde bei diesem Intro von der Schweigeminute für Åge Hareide mehr oder weniger überrascht und so endete das Ganze etwas abrupt.

Nach der one minute of silence glänzten beide Fanlager mit einem ziemlich lauten und ausdauernden Support. Vom serbischen Schwergewicht erwartet man als verwöhnter Fußballreisender ja sowieso nichts anderes. Aber auch die Schweden deuteten immer wieder an, dass ihr Stadion möglicherweise nicht zu unrecht den Beinamen Häxkittel (Hexenkessel) trägt. Ich glaube, wenn es für den 1910 gegründeten Malmö Fotbollförening sportlich noch um was gegangen wäre, hätte es von deren Seite sogar eine richtig eindrucksvolle Darbietung werden können.

National lief es im Vorjahr übrigens auch unbefriedigend für Malmö FF. Der Meister und Pokalsieger des Jahres 2024 schloss die traditionell im Herbst endende Saison lediglich als Fünfter ab und unterlag obendrein im Pokalfinale dem BK Häcken. Das schlechte Abschneiden im Jahr 2025 hatte dafür gesorgt, dass heute ein neuer Trainer das erste Mal an der Seitenlinie stand. Miguel Ángel Ramírez (zuletzt Real Zaragoza) hatte übernommen und setzte zumindest bei seiner Premiere auf junge Gesichter. Insbesondere im Mittelfeld hatte er der Jugend eine Chance gegeben (Durchschnittsalter in diesem Mannschaftsteil: 19,25).

Bei seinem Gegenüber Dejan Stanković muss der Nachwuchs allerdings ebenfalls nicht auf der Bank versauern. So erzielte der erst 17jährige Serbe Vasilije Kostov, um dessen Gunst angeblich mehrere europäische Topclubs buhlen, die frühe Führung für die Gäste (16.). Übrigens vorbereitet durch einen tollen Lauf und ein perfektes Zuspiel seines routinierten Mitspielers Marko Arnautović. Der prominente 36jährige Doppelstaatsbürger Österreichs und Serbiens war im Sommer zu Zvezda gewechselt, um seine Karriere bei seinem Herzensverein in Beograd (Belgrad) ausklingen zu lassen.

Dieses Tor war wichtig, da den Crveno-beli (Rot-Weißen) als aktuell Siebzehnter der Ligaphase ebenfalls noch das vorzeitige Ausscheiden aus dem Wettbewerb drohte. Nun war man früh auf die Siegerstraße eingebogen und der Gegner machte anschließend nur selten den Eindruck, als würde er die Serben dort noch ausbremsen können. Arnautović und seinen Mitstreitern musste man höchstens vorwerfen, dass sie gute Gelegenheiten für den Ausbau der Führung liegen ließen und es somit lediglich mit einem Spielstand von 0:1 in die Pause ging.

Die MFF-Fans dürften mit der Darbietung der Heimmannschaft zwar nicht zufrieden gewesen sein, verzichten jedoch auf verbalen Unmut. Stattdessen artikulierten sie zu Beginn der 2. Halbzeit ihr Missfallen über eine sportpolitische Entwicklung, die ihrem Club wahrscheinlich perspektivisch schaden wird. Die Szene zeigte auf drei Spruchbändern die Statements „Nej till danska intressen i svensk fotboll“ (Nein zu dänischen Interessen im schwedischen Fußball), „Nej till multiklubbsägande“ (Nein zu Mehrfachbesitz von Vereinen) und „FCR en skam för staden – FCC ut ur Malmö!“ (FCR ist eine Schande für die Stadt – FCK raus aus Malmö!). Dabei geht es um den geplanten Einstieg der dänischen Aktiengesellschaft Parken Sport & Entertainment, ihres Zeichens auch Eigentümer des FC København, beim Malmöer Drittligisten FC Rosengård 1917. Mehr dazu in den Fußnoten**.

Auf dem Rasen war indes weiterhin wenig Mitreißendes vom schwedischen Rekordmeister (24 Titel) zu sehen. Trotz ein paar Wechseln bot sich dem Publikum ein ähnliches Bild wie im ersten Durchgang. Der 1945 gegründete FK Crvena zvezda behielt die Spielkontrolle, ohne den Sack jedoch frühzeitig mit einem zweiten Tor zuzumachen. Erst in der Schlussphase verzeichnete MFF mal ein, zwei gefährliche Torannäherungen. Aber der Ausgleich war ihnen nicht vergönnt, so dass die Schweden weiterhin das Schlusslicht der Tabelle bleiben.

Die Gäste klettern mit dem heutigen Arbeitssieg hingegen auf den 9. Platz und haben mit nun 13 Punkten die Teilnahme an der K.O.-Phase der UEFA Europa League sicher. Man darf sich am letzten Spieltag (Heimspiel gegen Celta de Vigo) sogar noch Hoffnungen auf die Top 8 machen, was wiederum für den direkten Einzug ins Achtelfinale sorgen würde. Andernfalls geht es Ende Februar noch in eine Playoffrunde für die Plätze 9 bis 24.

Bei immer noch gefühlten -13,12° C machte ich mich nach Spielende wieder auf den Weg ins Stadtzentrum und erreichte gegen 21:30 Uhr gut durchgefroren mein Hotel. Die Vorfreude auf’s Bett war derweil so groß geworden, dass ich mich sofort hinein legte und erst einmal gute neun Stunden schlief.

Am nächsten Morgen wachte ich mangels Abendessen ziemlich hungrig auf. Zum Glück wurde das Frühstücksbuffet bereits um 6:30 Uhr eröffnet. Ich freute mich dort einerseits über Brötchen und Aufschnitt und andererseits musste die Warmtheke natürlich auch geplündert werden. Für ein preiswertes Mittelklassehotel war die Auswahl und Qualität ziemlich ansprechend. Wunderte mich eh, dass die Zimmer hier trotz Europapokalspiel von Malmö FF und Handball-EM so günstig angeboten wurden. Denn die Auslastung war durchaus hoch.

Da meine Rückreise erst 13:20 Uhr beginnen sollte, stellte sich nach dem Frühstück natürlich die Frage: Was tun mit dem angebrochenen Vormittag? Städtetouristischen Druck hatte ich zum Glück nicht, da ich die wichtigen Landmarken alle bei meinem Erstbesuch vor ein paar Jahren in Augenschein genommen hatte. Somit konnte ich gute Gewissens in der warmen Stube mit dem Verfassen dieses Textes beginnen und verweise für die an Sehenswürdigkeiten und Stadtgeschichte interessierten Leser auf den entsprechenden Bericht aus dem Jahr 2022 (siehe Malmö 09/2022).

Gegen 10:30 Uhr wagte ich mich allerdings doch vorzeitig in die garstige Kälte. Denn 30 Minuten später sollte das Malmö museum im Schloss Malmöhus öffnen. Gegen eine Eintrittsgebühr in Höhe von 60 SEK (ca. 5,70 €) konnte ich dort nochmal mein Wissen über Malmö auffrischen. So begann mein Rundgang mit einer Ausstellung zur Stadt- und Schlossgeschichte, wo ich u. a. erfuhr, wer der ominöse Namenspate meines Hotels war. Jörgen Kock (* 1487; † 1556) verdiente sich im 16. Jahrhundert als Bürgermeister der Stadt anscheinend großen Ruhm und gilt als Wegbereiter der Reformation in Malmö.

Zu Kocks Lebzeiten entstand auch das zwischen 1526 und 1539 erbaute Malmöhus, welches zugleich das älteste erhaltene Renaissanceschloss in Skandinavien ist. Nach seiner Zeit als Adelsresidenz und militärische Festung diente das Schloss im 18. und 19. Jahrhundert schließlich als Gefängnis und Notunterkunft, ehe es Mitte des 20. Jahrhunderts zum Museum umfunktioniert wurde.

Als Museum bekam das Schloss auch einen modernen Anbau und für ein paar der dortigen Ausstellungsräume reichte meine heutige Besuchszeit ebenfalls. So widmete ich mich gerne noch der hiesigen Kunstsammlung und Gemäldegalerie. Außerdem schlenderte ich durch die naturwissenschaftlichen und zoologischen Ausstellungen. Bei letzterer wurde ich mit zahlreichen Aquarien und Terrarien im Untergeschoss des Museums überrascht. Dort erwarten einen nämlich nicht nur Fossilien und Skelette, sondern auch lebendige Fische, Meerestiere und Reptilien aus aller Welt.

Nach meinem zweistündigen Museumsbesuch ging es dann zum ca. 1.000 m entfernten Bahnhof und von dort zur bereits erwähnten Abfahrtszeit via København und Hamburg gen Heimat. Hannover erreichte ich planmäßig um 20:48 Uhr und stellte fest, dass es dort auch nicht viel wärmer als in Malmö war. Lediglich der Wind war in unseren Breitengraden nicht ganz so eisig. Nächsten Monat suche ich mir wärmere Gefilde für einen etwaigen Auslandstrip aus. Das könnt ihr mir aber mal glauben.
Nachtrag: Etliche Fans des FK Crvena zvezda hatten keine entspannte Rückreise. Sie waren am Freitag von Malmö nach Tuzla in Bosnien geflogen und wurden dort nach ihrer Landung von der Torcida aus Split attackiert. Somit kam es nun auf bosnischem, statt schwedischem Boden zu kroatisch-serbischen Auseinandersetzungen. Diese wurden offenbar mit großer Brutalität geführt, so dass 23 beteiligte Personen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten und die Polizei 93 Festnahmen meldete.
*Åge Hareide (* 1953; † 2025) übernahm Malmö FF im Januar 2014 als amtierenden Meister und schaffte mit dem Team prompt die Titelverteidigung. Außerdem führte er die Schweden im Sommer 2014 erstmals in der Vereinsgeschichte in die Gruppenphase der UEFA Champions League. 2015 gelang das sogleich ein zweites Mal. Jedoch verließ Hareide Malmö FF am Ende seines zweiten Jahres, um die dänische Nationalmannschaft zu übernehmen.
**Wenige Tage vor dem heutigen Spiel hatte der schwedische Fußballverband grünes Licht für den Einstieg von Parken Sport & Entertainment beim FC Rosengård 1917 gegeben. Deren Herrenmannschaft spielt aktuell in der drittklassigen Division 1 und soll in Zukunft natürlich eng mit dem designierten Schwesterclub FC København zusammenarbeiten. Um dort geparkten Talenten des dänischen Topclubs optimale Bedingungen zu bieten, strebt man perspektivisch den Aufstieg in die Allsvenskan und ist spätestens dann ein direkter und ernstzunehmender Konkurrent von Malmö FF. Entsprechend kritisch blicken Fans und Verantwortliche des schwedischen Rekordmeisters auf dieses dänische Projekt vor der eigenen Haustür. Zumal der FC København in der Fanszene von Malmö FF generell verhasst ist.
***Die Gallehushornen (Goldhörner von Gallehus) zählen zu den bedeutendsten archäologischen Funden Dänemarks. Sie wurden vermutlich im 4. Jahrhundert gefertigt und im 17. Jahrhundert in Jütland ausgegraben. 1802 wurden sie allerdings gestohlen und sind seitdem verschollen. Rund 150 Jahre nach dem Diebstahl bekam die Stadt Malmö zwei Replikate der Hörner vom Königreich Dänemark geschenkt. Das war eine Geste der Dankbarkeit, weil Malmö im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) viele dänische Flüchtlinge aufgenommen hatte.