Warszawa (Warschau) 05/2025 (I)

am
  • 02.05.2025
  • Pogoń Szczecin – Legia Warszawa 3:4
  • Puchar Polski (Final)
  • Stadion Narodowy (Att: 51.233)

Die ersten Tage des Wonnemonats Mai hielt ich mir auch dieses Jahr für das polnische Pokalfinale frei. Als Anfang April die beiden Schwergewichte Pogoń und Legia siegreich aus den Halbfinals hervorgegangen waren, existierten endgültig keine Zweifel mehr an einer neuerlichen Endspielreise. Ergo wurden umgehend noch weitere Spiele für’s entsprechende Wochenende ausgewählt und die dafür notwendigen Züge und Unterkünfte gebucht.

Mal wieder in Polen erholen

Am 1. Mai begann die Reise schließlich um 8:37 Uhr in Hildesheim. Es ging für 89,99 € (1. Klasse) per ICE und EC einmal mehr auf dem Schienenweg nach Warszawa (Warschau). Meinen Zielort erreichte ich planmäßig um 17 Uhr und checkte wenige Minuten später im für drei Nächte à 86 € (inklusive Frühstück) gebuchten Ibis Styles Warszawa City (***) ein. War übrigens nicht nur das gleiche Hotel wie im Vorjahr (siehe Warszawa 05/2024), sondern auch der gleiche Übernachtungspreis.

Der Pałac Kultury i Nauki (Kultur- und Wissenschaftspalast) in Warszawa

Nachdem ich ein wenig das Panorama aus dem Fenster meines Zimmers im 12. Stock genossen hatte, ließ ich den ersten Abend der Reise mit einem Spaziergang und der einzigen richtigen Mahlzeit des Tages ausklingen. Dazu ging es nahe meines Hotels in das georgische Restaurant Madloba, welches erst im September 2024 an diesem Standort eröffnet hatte und daher im Vorjahr doch nicht meinen wachsamen Augen entgangen war.

Spaziergang durch meine Hood

Ich startete meine kulinarische Kaukasusreise mit dem gemischten Vorspeisenteller a. k. a. die Walnussplatte. Denn auf ihr befanden sich Badrijani (gegrillte Aubergine mit Walnusspaste), Charkhali (Rote Beete mit Walnuss), Stafilo (Karotte mit Walnuss) und Ispanakh (Spinat mit Walnuss). Ja, die Georgier lieben Walnüsse und verarbeiten sie nicht nur in vielen Desserts, sondern auch in Vorspeisen und Hauptgängen.

Georgische Antipasti

Meine anschließend servierten Chinkali kamen allerdings ohne Walnüsse aus. Die georgischen Teigtaschen waren stattdessen mit zartem Lammfleisch, Estragon und Petersilie gefüllt. Auf sie folgte als eigentlicher Hauptgang das ebenfalls walnussfreie Shkmeruli (Hähnchen in Knoblauchmilchsauce), für das ich außerdem noch einem kleinen Laib Hausbrot zum Dippen der köstlich-cremigen Sauce nachbestellte.

Schmackhaftes Shkmeruli

Weiterer Walnussgenuss wäre nun wieder am Ende mit einem der mir angepriesenen Desserts möglich gewesen. Aber ich war wirklich pappsatt und bat lieber um die Rechnung. Zusammen mit 0,5 l Borjomi waren am Ende 137 Złoty (ca. 32 €) für das Abendessen zu entrichten und wenige Minuten nach dem Bezahlvorgang trennte mich lediglich die Nachtruhe von der nächsten Völlerei.

Der nächtliche Ausblick von meinem Bett

Denn selbstredend würdigte ich am nächsten Morgen das Frühstücksbuffet meines Hotels ausgiebig und anschließend stieg ich gegen 10 Uhr in eine Metro nach Bemowo. In diesen Stadtteil im Westen Warszawas hatte mich zuvorderst die in den 1950er Jahren entstandene Siedlung Przyjaźń (deutsche Übersetzung: Freundschaft) gelockt.

Ein paar Kilojoule für die Aufgaben des Tages

Das besondere an dieser etwa 40 Hektar großen Siedlung ist, dass sie ausschließlich aus Holzhäusern besteht. Diese errichtete man eilig für die sowjetischen Erbauer des Pałac Kultury i Nauki (Kultur- und Wissenschaftspalast), der bekanntermaßen ein Geschenk von Stalin an der polnische Volk war und an dessen Bau daher auch etwa 3.500 sowjetischen Gastarbeiter beteiligt waren. Für die gemeinen Arbeiter entstanden in Przyjaźń über 30 Sammelunterkünfte, während die Vorarbeiter und Ingenieure mitsamt Familien nach Warszawa kamen und für sie kleine private Häuschen vorgesehen waren.

Die schnuckelige Siedlung Przyjaźń

Der erste Spatenstich für den Pałac Kultury i Nauki erfolgte übrigens symbolträchtig am 1. Mai 1952 und die zeitweilig bis zu 10.000 polnischen und sowjetischen Arbeiter auf der Großbaustelle sorgten für einen raschen Baufortschritt. Am 21. Juni 1955 wurde der 237 m hohe Wolkenkratzer schließlich feierlich eröffnet und die sowjetischen Gastarbeiter verließen Warszawa wieder.

Einstige Sammelunterkunft der sowjetischen Erbauer des Pałac Kultury i Nauki

Da Wohnraum durch die großflächigen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weiterhin knapp war, riss man die provisorische Siedlung Przyjaźń allerdings nicht wieder ab. Stattdessen stiftete man das Gelände den Hochschulen der Hauptstadt. Man widmete die Sammelunterkünfte zu Studentenwohnheimen um und die kleinen Häuschen waren fortan für Angestellte und Dozenten der Hochschulen vorgesehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenngleich zumindest die Zahl der Studentenunterkünfte aufgrund von Baufälligkeit und mangelnder Nachfrage gesunken ist. Die Einfamilienhäuser sind hingegen weiterhin fast alle von Angestellten der Universität, respektive deren Nachkommen bewohnt.

Großflächige Glückwünsche zum 100. Geburtstag von Legia

Nach meinem Streifzug durch Przyjaźń schaute ich mir gerne auch noch die benachbarten Großwohnsiedlungen Bemowos an. Die bis zu zehn Stockwerke hohen Plattenbauten waren natürlich landestypisch eine Fundgrube für Fußballgraffiti bzw. Wandbilder. Die Legia-Bande aus Bemowo scheint sehr umtriebig mit der Sprühdose zu sein und durfte u. a. auch zwei Hochhausfassaden großflächig bemalen. Eine anlässlich des 100. Vereinsgeburtstags ihres im März 1916* gegründeten Lieblingsfußballclubs, während die andere der Vereinslegende Lucjan Brychczy gewidmet ist. Brychczy wurde übrigens viermal als Spieler und zweimal als Trainer mit Legia Pokalsieger.

Mural zu Ehren von Lucjan Brychczy in Bemowo

Da der Pokal außerdem 14 x ohne Brychczys Zutun errungen wurde, ist Legia nicht nur polnischer Rekordmeister (15 Titel), sondern auch der Rekordpokalsieger der Rzeczpospolita Polska. Die Frage, ob heute Pokaltrophäe Nr. 21 gewonnen wird, sollte bei mir nun die zweite Tageshälfte ausfüllen. Entsprechend ging es gegen 13 Uhr wieder ins Stadtzentrum dort saugte ich unweit des Stadion Narodowy (Nationalstadion) schon etwas Finalstimmung am Westufer der Weichsel auf.

Bereits zwei Stunden vor Anpfiff strömten die Fans in Scharen zum am Ostufer gelegenen Stadion und ich beschloss die Weichsel ebenfalls besser früh als spät auf der Most Świętokrzyski zu überqueren. Vom anderen Ende der Brücke war es nur noch ein Katzensprung zur 2012 eröffneten Spielstätte des Pokalendspiels, wo eine Akkreditierung am Presseeingang auf mich wartete.

Ausblick vom Stadion auf die Skyline der Hauptstadt

Letztlich war ich 14:30 Uhr und damit exakt 90 Minuten vor Anpfiff im Stadion Narodowy. Dessen Ränge füllten sich rasch, wenngleich es handfeste Probleme zwischen Fans und Polizei am Eingang zur Legia-Kurve gab. Diese Scharmützel sollen laut Polizeibericht zu 30 der insgesamt 100 Festnahmen rund um dieses Endspiels geführt haben und waren obendrein der Grund, warum der Hauptstadtclub die ersten 30 Minuten leider ohne Support aus der Fankurve auskommen musste.

Pogońs neue Freunde

Aus Szczecin (Stettin) waren hingegen alle Schlachtenbummler pünktlich drin und ich staunte nicht schlecht, wen die so alles im Schlepptau hatten. Dass man wie beim Vorjahresfinale auf die Unterstützung der polnischen Alliierten von Kotwica Kołobrzeg, sowie auf befreundete Fans aus dem Ausland (Feyenoord Rotterdam, NK Osijek & BFC Dynamo) setzen konnte, war so klar wie eine Rosół. Doch heute gab es mit den Psycho Fans (Ruch Chorzów) und den Devils (Wisła Kraków) noch zwei Überraschungsgäste in der Pogoń-Kurve, die wiederum auch ein paar Leute aus der Szene von Widzew Łódź im Schlepptau gehabt haben sollen.

Die Nationalhymne durfte vor’m Anpfiff natürlich nicht fehlen

Pogoń hatte sich nämlich in jüngerer Vergangenheit den Szenen der WRWE Gang (Wisła, Ruch, Widzew & Elana) angenähert und mit dem gemeinsamen Auftreten beim heutigen Pokalfinale scheint eine gemeinsame Allianz offenbar besiegelt. Das wiederum macht Pogoń beim heutigen Gegner, mit dem man dereinst zwei Jahrzehnte ganz dicke war (von 1993 bis 2013 existierte ein Bündnis), nun endgültig zu einem Feind. Schließlich sind Ruch, Wisła und der Rest von der WRWE Gang sind bei den Legioniści absolut verhasst und jeder der mit ihnen anbandelt landet zwangsläufig mit auf die Feindesliste.

Choreo der Portowcy zu Spielbeginn

Die Portowcy (Hafenarbeiter) hatten aufgrund der schweigenden Legia-Kurve allerdings erst einmal ein Heimspiel im Feindesland und läuteten dieses mit einer schönen Choreographie ein. Papptafeln und bemalte Stoffbahnen bildeten den Kopf einer Bulldogge in einem Lorbeerkranz. Die Durchführung gelang zu etwa 96 %. Aber was irgendwie fehlte, war eine verbale Botschaft. Selbst wenn es nur etwas Banales wie der eigene Vereinsname oder die Forderung „Holt den Pokal“ gewesen wäre; gewohnheitsmäßig braucht eine Choreographie doch eigentlich immer eine Art Überschrift oder Untertitel.

Die Legia-Kurve zu Spielbeginn leider noch mit Lücken

Am akustischen Support nach Anpfiff gab es meinerseits allerdings nichts zu bemängeln. Die größtenteils einheitlich in bordeauxroten Finalshirts gekleidet Kurve machte mächtig Lärm und die Pogoń-Sektoren auf der Gegengerade und der Haupttribüne (hier alle in gelben Shirts) stiegen teilweise mit ein. Da trat auch die frühe Führung der Hauptstädter durch Luquinhas (13.) nur kurz auf die Euphoriebremse.

Zunächst beste Stimmung bei den Szczecinianie

Auf dem Rasen wurde ebenfalls gute Unterhaltung geboten. So fiel in der 20. Minute das vermeintliche 0:2 (formell hatte Pogoń das Heimrecht zugelost bekommen), welches aufgrund eines Handspiels jedoch vom VAR kassiert wurde. Zugleich offenbarte die Videosequenz allerdings auch ein Foulspiel von Pogońs Schlussmann Cojocaru an einem Legioniści, so dass Schiedsrichter Szymon Marciniak nicht nur das Tor aberkannte, sondern kurioserweise zugleich auf den Elfmeterpunkt zeigte. Allerdings konnte Cojocaru den Strafstoß von Legias Marc Gual erfolgreich parieren.

Legias Choreographie in der 28. Minute

Kurz nach diesen dramatischen Momenten begann auch die Kurve des einstigen Centralny Wojskowy Klub Sportowy (Zentraler Sportklub der Armee) ihren Tifo. Die bereits lange vor Spielbeginn ausgelegten Fähnchen in den Vereinsfarben rot-weiß-grün durften endlich gewedelt werden und ergaben in ihrem Muster außerdem den Schriftzug Legia. Es folgten brachial laute Schlachtrufe und Gesänge, womit mir fortan auf den Rängen ebenfalls ein mitreißendes Duell hatten.

Ein maritimer Sportklub aus einer Stadt am Meer…

Für beide Clubs ging es heute auch nicht nur um die prestigeträchtige Trophäe, sondern ebenso um’s internationale Geschäft in der Folgesaison. Denn in der Liga drohen Pogoń (gegenwärtig Vierter) und Legia (Fünfter) die Top 3 und damit die Europapokalplätze zu verpassen. Davon ab wollte der 1948 in Szczecin gegründete Morski Klub Sportowy (Maritimer Sportklub) nach zwei Vizemeisterschaften (1987 & 2001) und vier verlorenen Pokalendspielen (1981, 1982, 2010 & 2024) endlich den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte gewinnen. Daher umso erbaulicher für die etwa 18.000 mitgereisten Fans, dass Danijel Lončar kurz vor der Pause (41.) für den Ausgleich sorgen konnte.

Legia ist da was am planen dran

Nach dem Seitenwechsel lieferte Legia allerdings eine rasche Antwort. Der heute überragend spielende Ryoya Morishita, der bereits das 0:1 vorbereitet hatte, stellte in der 46. Minute die alten Verhältnisse her. Außerdem folgte auf den Torjubel sogleich die zweite Choreographie der Hauptstädter, die sie während der Halbzeitpause bereits akribisch vorbereitet hatten. Zu sehen war nun ein Sensenmann, der nach dem heute zu gewinnenden Pokal griff. Flankiert wurde die Darstellung ron roten und grünen Folien und wenig später erleuchteten auch Fackeln in jenen zwei Farben die Kurve. Auf irgend eine Banderole mit einer Parole verzichteten die Legioniści dabei zwar ebenfalls, aber eigentlich lieferte das Bild für sich genug Subtext.

Legias zweite Choreographie

Ferner schien Ilya Shkurin schon bald mit dem 1:3 (64.) für eine Vorentscheidung zu sorgen. Dafür, dass der Torschütze nicht zum buchstäblichen Sensenmann der pommerschen Pokalhoffnungen avancierte, sorgte allerdings kurz darauf ein Eigentor von Legias Verteidiger Rúben Vinagre (67.). Parallel zu diesem Erfolgsmonent versuchten sich die Szczecinianie außerdem an ihrer zweiten Choreographie. Eine Blockfahne hatte das gekrönte Vereinswappen und zum Motiv und auf Bannern war Ave MKS und Wielka Pogoń (großes Pogoń) zu lesen.

Freude über das zwischenzeitliche 2:3

Allerdings vermasselten die Portowcy den Ablauf der Aktion. Denn eigentlich sollte alles noch sehr schick mit goldenenen Papptafeln ergänzt werden. Doch bevor diese zum Einsatz kamen, legten die pommerschen Pyrotechniker bereits mit ihren roten Signalfackeln los. Die Choreographie verschwand daher unvollständig hinter einer Rauchwand und wenig später wurde im Nebel auch noch sinnloserweise ein zweites Mal gezündet.

Die zweite große Aktion der Portowcy

Am anderen Ende des Stadions gab es derweil noch eine Wahlempfehlung, bzw. Nichtempfehlung** für die kommende Präsidentschaftswahl am 18. Mai, ehe ab Mitte der 2. Halbzeit endlich an den Brüstungen angeflaggt wurde. Durch entsprechende Zaunfahnen war nun auch verifiziert, dass Legia wie erwartet Unterstützung aus den verbündeten Fanszenen von Olimpia Elbląg (100% Olimpia), Radomiak Radom (Radom Hooligans) und Zagłębie Sosnowiec (Barra Bravas & Nuovi Ultras) hatte. Außerdem waren Banner der internationalen Freunde vom FC Den Haag zu erspähen.

Politik war heute auch im Spiel**

Ferner wurden etliche kleine Handschwenker in der Kurve verteilt und ein Großteil der Fanatycy ze Stolicy (Fanatiker aus der Hauptstadt) entledigte sich im letzten im letzten Viertel der Spielzeit seiner Oberbekleidung. Mit blanker, wie stolzer Brust durfte man kurz vor Schluss sogar noch ein viertes Tor feiern. Rúben Vinagre (85.) konnte seinen Schnitzer quasi ausbügeln und animierte den Anhang zu Gesängen über Pogońs leere Pokalvitrine.

Viel Haut, aber wenig Haare

Zwar sagt man auch dem polnischen Pokal seine eigenen Gesetze nach. Doch die Uhr tickte jetzt gnadenlos gegen die Mannschaft in den marineblau und bordeauxrot gestreiften Trikots. Als die reguläre Spielzeit abgelaufen war, stand es weiterhin 2:4. Es gab zwar nochmal fünf Minuten extra, aber Legias Defensive schien nichts mehr anbrennen zu lassen. Erst in der wirklich allerletzten Sekunde musste Tormann Tobiasz doch noch ein drittes Mal hinter sich greifen. Da der Schiedsrichter danach allerdings nicht wieder anpfiff, hatte Torschütze Smoliński lediglich Ergebniskosmetik betrieben.

Geteiltes Leid

Nach Abpfiff zog es beide Teams rasch in die jeweiligen Kurven. Während die unterlegene Mannschaft etwas Trost gespendet bekam, wurde der Pokalsieger von seinen Fans natürlich frenetisch gefeiert. Unterdessen wurde auf dem Rasen eilig eine kleine Bühne aufgebaut. Ihr wisst ja alle, wie es nach so einem Endspiel abläuft und das ist in Polen natürlich nicht groß anders. Ergo erst Medaillen für alle und dann die Pokalübergabe im Blitzlichtgewitter und Konfettiregen.

Pokalsieg Nr. 21 für Legia

Anschließend ging für’s nächste Pressefoto vor die Kurve, wo es diesmal Konfetti in den Vereinsfarben regnete. Nach diesem obligatorischen Bild für die Gazetten und Jahrbücher konnten die Spieler schließlich direkt zu den Fans und wie es in Polen gute Sitte ist, bekam der Vorsänger den Pokal von Mannschaftskapitän Artur Jędrzejczyk erstmal ausgeborgt. Wie bereits erwähnt, machte diesen Pokal für Legia besonders wertvoll, dass er zugleich das neuerliche Ticket nach Europa ist. Man wird in der Qualifikation zur UEFA Europa League starten und hofft natürlich die Gruppenphase in entweder diesem Wettbewerb oder wenigstens eine Etage tiefer in der UEFA Conference League zu errreichen.

Das Feierfoto vor der Kurve

Nachdem ich genug von den Feierlichkeiten gesehen hatte, verließ ich das Nationalstadion gegen 18:30 Uhr. Außerhalb des Stadions setzte die Polizei nun relativ konsequent eine Fantrennung durch. Pogoń-Anhänger wurden nach Norden zur Most Świętokrzyski geleitet und die Legioniści sollten die Most Poniatowskiego über den Fluss nehmen. Da ich quasi genau an dieser Brücke stand, schloss ich mich der weißen Karawane an.

Fanmarsch zurück ins Stadtzentrum

Am anderen Ende der über 500 m langen Brücke orientierte ich mich langsam wieder gen Hotel und aus Bequemlichkeit nahm ich dort sogleich mein heutiges Abendessen ein. Wie nach dem Endspiel im Vorjahr durfte mich das mit im Gebäude untergebrachte montenegrinische Restaurant Munja bewirten und wie vor 365 Tagen bestellte ich Pljeskavica. Allerdings nicht wieder Punjena Pljeskavica, sondern diesmal zur Abwechslung Gurmanska Pljeskavica. Riesenunterschied, ich weiß…

Gurmanska Pljeskavica im Munja

War lecker. Doch stolze 118 Złoty (ca. 27,60 €) für ein Hacksteak mit KajmakAjvar, ein paar gerösteten Kartoffeln und einer Miniportion Šopska, sowie einen Maracuja Mocktail, erinnerten mich auch wieder daran, dass das Munja ein eher hochpreisiges Restaurant ist. Aber wenigstens konnte ich fast direkt von meinem Tisch per Fahrstuhl ins Bett fahren. Nach einem langen Tag mit vielen tausend Schritten in den Beinen, war das doch ein großer Mehrwert.

Song of the Tour: Das wahrscheinlich berühmtesteste Lied über Warszawa

*Legia Warszawa wurde im März 1916 während des Ersten Weltkrieges von Angehörigen der gegen das zaristische Russland kämpfenden polnischen Legionen unter dem Namen Drużyna Sportowa Legia gegründet.

**Am 18. Mai und 1. Juni 2025 finden die nächsten polnischen Präsidentschaftswahlen statt. Die Botschaft „Nie dopuśćmy, by zakłamany tęczowy Rafał rządził Polską ze Sławkiem Narkomanem“ (Lassen wir nicht zu, dass der heuchlerische Regenbogen-Rafał Polen zusammen mit dem Drogenabhängigen Sławek regiert) lässt vermuten, dass der harte Kern der Legioniści wohl nicht Rafał Trzaskowski wählen wird. Der bisherige Stadtpräsident von Warszawa tritt die für die liberal-konservative Regierungspartei Platforma Obywatelska (Bürgerplattform) an und ist bei der Legia-Szene u. a. aufgrund seiner LGBTQ-freundlichen Politik verpönt. Ferner gibt man auf dem Spruchband auch Spormininister Sławomir „Sławek“ Nitras (ebenfalls Platforma Obywatelska) einen mit.