- 24.11.2024
- SV Waldhof Mannheim – Hannover 96 II 2:1
- 3. Liga (III)
- Carl-Benz-Stadion (Att: 9.376)
Weil bei der DFL offenbar keiner wusste, dass man in Niedersachsen an Totensonntag keine kommerziellen Sportveranstaltungen abhalten darf, wurde Hannover 96 gegen Darmstadt 98 nochmal kurzfristig vom 24. auf den 23. November 2024 vorverlegt. Dadurch war am Ursprungstermin Zeit für einen Ausflug nach Mannheim, wo die 2. Mannschaft des Hannoverschen SV beim SV Waldhof gastieren sollte. Denn in Baden-Württemberg ist der Totensonntag kein so genannter stiller Feiertag.

Ich war ewig nicht mehr im Carl-Benz-Stadion (zuletzt 2002) und für meine Freunde Bene und Milano Pete war es sogar ein neuer Ground. Entsprechend konnten wir dem kleinen Terminchaos der DFL doch etwas abgewinnen und buchten uns eine ICE-Tour (43,50 € return pro Kopf) in die Kurpfalz. 8:19 Uhr war Abfahrt in Hildesheim und der gute Bene hatte einen Sack mit Pülleken und Brauherren mitgebracht. Nach den alkoholgeschwängerten Vortagen (siehe Berlin & Hamburg 11/2024) hatte ich insgeheim auf einen trockenen Sonntag gehofft und extra nichts gekauft. Aber wenn da plötzlich so ’ne geöffnete Bierflasche vor einem steht, kann man natürlich schlecht nein sagen…

Ferner fungierte ich als neutraler Spielleiter bei unserer Einweihung des heiteren Ratespiels “DWIDSkids wissen das Vol. 2″. Das Spiel dauerte in der Konstellation tatsächlich über drei Stunden (ergo bis kurz vor Mannheim) und endete 16 zu 15 für Milano Pete. Am Ende fragt man sich bei so einer engen Kiste als unterlegener Bene natürlich schon, woran es gelegen hat. Ich glaube sein entscheidender Fehler war, dass er die Handtuchmafia Oberhausen noch immer auf der Gegengerade des Niederrheinstadions verortet hat. Aber wir wollen nicht zu viel spoilern…

Mannheim erreichten wir um 11:59 Uhr und es blieb somit noch genug Zeit für ein kleines Mittagessen. Heute hatte ich eigentlich Bock auf Gyros bei Pita Pita, aber die hatten Ruhetag. Also lief es doch wieder auf Döner bei Katik hinaus. Während meine Mitstreiter bereits gefrühstückt hatten und daher mit Rollos (9 €) zufrieden waren, bestellte ich mir gierig einen Teller (14,50 €). Wie immer sehr köstlich, ich hätte nur vielleicht nicht ganz so offensiv nachwürzen sollen.

Es folgte ein kleiner Spaziergang durch die Quadratestadt, bei dem en passant noch ein paar Sehenswürdigkeiten begutachtet wurden. Für detaillierte touristische Schilderungen verweise ich allerdings auf meinen Bericht Mannheim & Ludwigshafen 11/2019. Damals habe ich mich wesentlich intensiver mit der Historie und dem Stadtbild beschäftigen können und einiges von meinen Eindrücken niedergeschrieben. Nichtsdestotrotz möchte ich euch das kurze Fazit von Milano und Bene gerne mitteilen: „Ziemliche Drecksstadt!“

Die Cancha des SV Waldhof fanden sie hingegen megagut und ich konnte das absolut nachvollziehen. Das 1994 eröffnete und bis zu 24.302 Zuschauer fassende Carl-Benz-Stadion ist eben eines der wenigen reinen Fußballstadien in Deutschland, welches nicht zugleich die Aura einer modernen Arena hat. Dazu der mitunter raue Charme der Einheimischen und eine Fankurve, die bei entsprechenden Kracherspielen sicher hohen Unterhaltungswert hat.

Gegen 96 II konnten wir von Ultras Mannheim & Co hingegen nicht mehr als Dienst nach Vorschrift erwarten. Aber ein paar sehr laute Momente hatten die Buwe und Mädels auf der Otto-Siffling-Tribüne heute trotzdem. Fand übrigens auch Matteo, der pünktlich zum Anpfiff aus Pforzheim eingetroffen war und aus einem Gästefantrio auf der pro Ticket 26 € teuren Walter-Pradt-Tribüne (Gegengerade) ein Quartett machte.

Darüberhinaus war eine Buslandung 96er im etatmäßigen Gästebereich auf der Günter-Sebert-Tribüne anzutreffen. Allerdings verzichtet man bei den Spielen der eigenen Zweitvertretung weiterhin auf Zaunfahnen, sonstiges Material und klassischen Support. Lediglich über Tore wird sich sicht- und hörbar gefreut. Es ist eben der schwierige Spagat zwischen der eigentlich vertretenen Einstellung, dass Amateurteams nichts in Liga 3 zu suchen haben, und dem Umstand, dass da die eigenen Farben um Tore und Punkte kämpfen.

Jubeln durften die niedersächsischen Sonntagsausflügler zumindest einmal an diesem Nachmittag. Denn Tom Sanne glich in der 33. Minute zum 1:1 aus, nachdem Rieckmann die Waldhöfer zwei Minuten zuvor in Führung gebracht hatte. Übrigens beides Kopfballtore nach Eckstößen. Ansonsten wirkte der Waldhof im ersten Durchgang einen Tick aktiver, aber der 96-Nachwuchs bot gut Paroli, so dass das Ergebnis bis zum Halbzeitpfiff passte.

Nach der Pause zog der einstige Erstligist (1983 bis 1990) das Tempo allerdings nochmal an. Nur Abschlusspech und Tormann Toni Stahl verhinderten lange den neuerlichen Rückstand der jungen Roten. Doch in der 74. Minute war es leider soweit. Nach einem weiteren guten Reflex von Stahl konnte Rico Benatelli zum 2:1 abstauben. Großer Jubel auf drei Tribünen und plötzlich Feuer auf der vierten. Dass während des Treffers die animierten Flammen von Waldhofs Brandschutzpartner auf den digitalen Werbebanden loderten, schien einen niedersächsischen Feuerteufel einfach zu sehr zu triggern und er entzündete einen Haufen aus Papiertüchern und Pappe.

Auf dem Rasen war hingegen kaum noch Feuer drin. Die Mannheimer hielten die Gäste in der Schlussviertelstunde fast durchgängig von der Gefahrenzone fern, so dass ein Ausgleich nicht unbedingt in der Luft lag. Aber da man auch kein drittes Tor nachlegte, blieb wenigstens etwas Restspannung. Doch am Ende brachten die Hausherren die Führung über die Ziellinie und kletterten tabellarisch von 13 auf 12. Mit nun vier Punkten Vorsprung auf Platz 17 sind die Kurpfälzer vorerst aus der akuten Abstiegsnot raus.

Aus hannoverscher Sicht war es hingegen wie so oft in dieser Saison. Im Prinzip hält der Aufsteiger in der 3. Liga meist mit. Aber neben Erfahrung fehlt es offenbar vor allem an Torgefahr (erst 17 Treffer, zweitschlechtester Ligawert). Nichtsdestotrotz sollte man den Klassenerhalt noch nicht abschreiben. Zwar rutschen die Stendel-Schützlinge mit der heutigen Niederlage auf Platz 19, aber die Differenz zum rettenden Ufer beträgt weiterhin nur vier Punkte. Dass der etwaige Klassenerhalt leider zu Ungunsten eines Traditionsvereins ginge, wäre jedoch die Kehrseite.

Da unser gebuchter ICE bereits 16:07 Uhr abfahren sollte, nahmen wir nach Abpfiff sogleich die erstbeste Tram zum Hauptbahnhof und verabschiedeten uns von Matteo. Die DB war aber gewohnt kundenfreundlich und räumte uns doch noch ausreichend Zeit für den Erwerb von kleinen Snacks und alkoholhaltigen Kaltgetränken ein. Am Ende rollten wir erst 16:44 Uhr los und waren dementsprechend auch nicht planmäßig um 19:30 Uhr, sondern ’ne gute halbe Stunde später zurück in Hildesheim. Trotzdem; war im Großen und Ganzen ein netter Sonntagsausflug. Danke DB und DFL.