Lübeck 11/2024

  • 03.11.2024
  • 1. FC Phönix Lübeck – SV Meppen 1:1
  • Regionalliga Nord (IV)
  • Stadion Buniamshof (Att: 547)

Nachdem am ersten Novembersamstag dem Sprung von Hannover 96 an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga beigewohnt wurde (2:1 im Spitzenspiel gegen den KSC), musste auch am Sonntag ein halbwegs brauchbarer Kick mit vertretbarem Reiseaufwand her. Die Wahl fiel auf eine wunderschöne alte Hansestadt namens Lübeck, wo der 1. FC Phönix seine Pflichtspiele mittlerweile im Stadion Buniamshof* anstatt in seiner angestammten Heimat an der Travemünder Allee (Stadion Flugplatz) austragen muss.

Mit einem 2:1 Heimsieg gegen den KSC eroberte 96 am 2. November die Tabellenspitze der 2. Bundesliga

Jenes wunderbar zentral gelegene Stadion hat mit 12.500 Plätzen einerseits eine Größe, die grundsätzlich einen Besuch rechtfertigt. Anderseits gastierte mit dem SV Meppen am 3. November einer der wenigen norddeutschen Regionalligisten mit halbwegs großem Anhang. Weitere Argumente: Mit dem Deutschlandticket war die Anreise quasi kostenneutral und außerdem spielte der HSV parallel ein Heimspiel. Denn das eröffnete mir wiederum die Option mit meinen Lieblingsrauten Max, Kaja und Jan gemeinsam bis Hamburg zu fahren.

Deutschlands schönstes Stadttor

So war zumindest die um 8:40 Uhr in Hannover gestartete Hinfahrt ein geselliges Unterfangen. Nachdem knapp drei Stunden über Vergangenes und Zukünftiges gequatscht wurde, trennten sich die Wege aber zwangsläufig am Hamburger Hauptbahnhof. Für mich ging es 11:34 Uhr alleine weiter nach Lübeck, wo ich exakt 50 Minuten später eintraf. So blieben mir noch gute 1,5 Stunden für andere Beschäftigungsarten, als mäßig attraktiven Fußballspielen mit mittleren dreistelligen Zuschauerzahlen beizuwohnen.

Der Dom zu Lübeck

Die Lage des Buniamshofs auf einer von Stadtgraben und Trave umflossenen Insel, drängte einen kleinen Streifzug durch die angrenzende Altstadt regelrecht auf. Also drehte ich vom Hauptbahnhof eine Runde mit u. a. den Landmarken Holstentor, St. Marien, Rathaus und Dom. Für weitere Informationen zu den Sehenswürdigkeiten und zur Geschichte der Stadt verweise ich an dieser Stelle jedoch auf meinen Bericht Lübeck 09/2022 (da habe ich die touristischen Reize dieser geschichtsträchtigen Hansestadt bereits ausführlich behandelt).

Griechische Gaumenfreude vom Grillspieß

Irgendwo zwischen all den Kirchtürmen und Kontoren der Altstadt kehrte ich außerdem noch in einen griechischen Imbiss ein. Im so genannten Gyrosland ließ ich mir fix den Signature Dish des Hauses auf einem Teller anrichten. Kostete zusammen mit einer Dose Cola 15,40 € und war das Geld wert. Knackiger Salat und cremiges Zaziki begleiteten ein Gyros, wie es sein sollte. Außen kross, innen saftig und alles wunderbar würzig abgeschmeckt. Lediglich das Ambiente lud nicht zum Verweilen ein. Aber aufgrund des nahenden Anpfiffs der mediokren Fußballkost beim 1. FC Phönix, war das sowieso keine Option.

Die Haupttribüne des zuletzt 2021 renovierten Stadion Buniamshof

Für 12 € betrat ich um 13:50 Uhr schließlich das 1914 eröffnete Stadion Buniamshof, welches im Regionalligaspielbetrieb leider nur für 2.500 Zuschauer zugelassen ist. Den Gästen werden in der Südkurve des Stadions aktuell rund 1.000 Stehplätze zugestanden und ansonsten sind eigentlich nur die 1.500 Sitzplätze der Haupttribüne für Zuschauer vorgesehen. Da die Nordkurve allerdings nicht physisch abgesperrt war, stellte sich ein kleiner Hoppermob kurz vor Spielbeginn für brauchbare Fotos des Gästeblocks trotzdem dorthin. Doch nachdem die Partie knapp zehn Minuten verspätet angepfiffen war (einer aus dem Schiedsrichtergespann hatte sich beim Aufwärmen wohl leicht verletzt), wurden wir vom Ordnungsdienst höflichst ersucht auf die Haupttribüne zu wechseln.

Die mitgereisten Meppener

Vor 547 zahlenden Zuschauern folgte ein erwartungsgemäß nicht gerade hochklassiges, aber auf jeden Fall spannendes Spiel. Der SV Meppen – gegenwärtig Fünfter – kam mit einer kleinen Erfolgsserie im Rücken nach Lübeck und wollte seine mittlerweile gestartete Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze unbedingt fortsetzen. So begannen die Gäste selbstbewusst und verbuchten einige gute Torchancen im ersten Durchgang. Alles akustisch begleitet von einer kleinen, aber emsig bemühten Fanschar aus dem Emsland (hohe Mitmachquote, guter Fahneneinsatz ;-)).

Der Fanblock des 1. FC Phönix

Von der Offensive des 1. FC Phönix, die Teutonia Ottensen am Vorwochenende übrigens stolze neun Dinger eingeschenkt hatte, war dagegen zunächst wenig zu sehen. Dem passten sich die Heimfans solidarisch an und ließen nur wenig von sich hören. Ferner hatte der aktuell Achtplatzierte richtig Schwein, dass er nicht schon vor dem Pausenpfiff in Unterzahl geriet. Denn ihr französischer Mittelfeldstratege Tony Lesueur ging auch nach einer Gelben Karte noch äußerst griffig in die Zweikämpfe und bekam bei einem weiteren Regelverstoß in der 35. Minute eigentlich zu viel Gnade vom Schiedsrichter. Der Trainer nahm Lesueur danach umgehend aus dem Spiel. Kurios: Der eingewechselte Josef Ganda lief zu früh auf’s Feld und war dadurch ebenfalls sofort mit Gelb vorbelastet.

Kleiner Halbzeitsnack (4 €)

Nach dem Seitenwechsel belohnte sich der 1912 als Fußballclub Amisia gegründete Gastverein schließlich für seine bisherigen Mühen. Marek Janssen legte Niclas Wessels in der 58. Minute das verdiente 0:1 auf, welches die Mannschaft und die ca. 140 mitgereisten Fans emotional gleichermaßen packte. Doch leider ging’s vom Gipfel der Gefühle schnell runter ins Tal der Tränen. Der Schiedsrichter hatte seinen bisherigen Gnade-vor-Recht-Ansatz offenbar nochmal überdacht und stellte zwei Minuten nach dem Führungstreffer den Meppener Innenverteidiger Jonas Fedl mit Gelb-Rot vom Feld.

Die Freude nach dem Führungstreffer

Überraschenderweise kam der amtierende Niedersachsenpokalsieger zunächst gut mit dem Malus zurecht. Denn die Phönix-Fußballer – seit 1971 als 1. FC vom 1903 gegründeten Stammverein LBV Phönix ausgegliedert – fabrizierten auch in Überzahl wenig Erbauliches in des Gegners Hälfte. Meppen musste dementsprechend nicht die ganze Restspielzeit mauern und kurbelte bald wieder das eigene Offensivspiel an. So durfte sich der Lübecker Schlussmann Carl Leonhard u. a. nochmal gegen Wensing (74.) und Janssen (76.) auszeichnen.

Emotionale Emsländer

Ob der SV Meppen den bis dato verdienten Auswärtssieg tatsächlich einzufahren vermag oder dem 1. FC Phönix in den letzten Minuten vielleicht doch noch ein Lucky Punch gelingt, sollte leider ohne mein Beisein geklärt werden. Denn um 15:55 Uhr stand ich vor der rhetorischen Frage, ob ich für ein paar weitere Minuten Regionalligafußball eine Stunde später zuhause sein will. Wäre doch bloß pünktlich angepfiffen worden… Dann hätte die volle Spielzeit prima zum für die Heimfahrt auserkorenen Regionalexpress um 16:10 Uhr gepasst.

Dachte erst, dass auf dem Schild „Achtung! Lebensgefahr! Bei Personen, die vorzeitig den Ground verlassen, kann die Hopperpolizei von der Schusswaffe Gebrauch machen!“ steht

Schnellen Schrittes ging es um besagte Uhrzeit also zurück zum 1,5 km vom Buniamshof entfernten Hauptbahnhof. Den Zug in Richtung Lüneburg erwischte ich im letzten Augenblick, während es für die Emsländer parallel kein Happy End geben sollte. Ein aus Nigeria stammender US-Amerikaner namens Obina Johnson Iloka sorgte in der 7. Minute der Nachspielzeit, ergo ebenfalls in allerletzter Sekunde, doch noch für eine Punkteteilung. Blöd für Ambitionen der Meppener, die somit keinen Boden auf den gegenwärtigen Tabellenführer TSV Havelse gut machen können. Die Garbsener haben jetzt zwölf Punkte mehr als der SVM auf dem Konto (wenngleich sie bereits zwei Spiele mehr bestritten haben).

Herbst auf dem Lübecker Katzenberg

Mit der düsteren Vision, dass der TSV Havelse im Frühsommer 2025 vielleicht einem ostdeutschen Zuschauermagneten den Aufstieg in die 3. Liga versauen könnte, ging es also heim. Außerdem zerschlug sich meine Hoffnung ab Lüneburg wieder bewährte Gesprächspartner zu haben. Denn anstatt den erstbesten Metronom nach dem Abpfiff in Hamburg zu besteigen (16:57 Uhr), fuhren meine Freunde lieber bei Jans Vater im Auto mit. Das sparte ihnen aufgrund der Verkehrssituation zwar nicht wirklich Zeit (wir waren allesamt gegen 19:15 Uhr in Hannover). Doch wer eine Alternative zur Fahrt in einem heruntergekommenen und überfüllten Metronom hat, nutzt die als geistig gesunder Mensch selbstverständlich. Ich hätte gerade auf einem Sonntagabend nicht anders gehandelt.

*Der Name Buniamshof leitet sich von einer gleichnamigen früheren Bastion der Lübecker Festungsanlagen an dieser Stelle ab.