- 19.10.2024
- Grasshopper Club Zürich – FC Zürich 1:2
- Super League (I)
- Stadion Letzigrund (Att: 19.223)
Nachdem ich jüngerer Vergangenheit bereits zwei Kurztrips zum Lago di Como (Comer See) unternommen hatte, reifte in mir der Wunsch eines etwas längeren Aufenthalt an diesem wunderschönen Ort. Ich fasste dieses Reiseziel deshalb für meinen Herbsturlaub 2024 ins Auge und konnte dafür auch meinen Kumpel Johnny Power gewinnen. Wir waren beide der Ansicht, dass eine An- und Abreise mit der Bahn am sinnvollsten ist und fanden eine Verbindung für 129 € pro Person (Hin- und Rückfahrt) von Hildesheim nach Chiasso, in jene ich auf der Hinreise außerdem noch einen Zwischenstopp in Zürich einbaute.

Am 19. Oktober ging es um 6:19 Uhr in Hildesheim los. Baustellenbedingt gab es im Reisezeitraum keine Direktverbindungen aus unserer Ecke Deutschlands in die Schweiz, so dass wir in Mannheim umsteigen mussten. Perfekt für ein Leberkässemmelfrühstück, sowie den Erwerb diverser Bierdosen für die Weiterreise. Nach einem weiteren Umstieg in Basel, erreichten wir Zürich schließlich um exakt 14 Uhr. Wir lösten sogleich zwei 24h-Tickets für den ÖPNV à 9,20 CHF (ca. 9,80 €) und fuhren per Tram zur umgerechnet 100 € pro Zimmer teuren Unterkunft namens Guesthouse Lochergut.

Lag für unsere Zwecke sehr gut (Letzigrund und Langstrasse waren jeweils nur wenige Fußminuten entfernt) und war abgesehen von Hostels und Vorstadthotels heute die günstigste gefundene Unterkunft in Zürich. Dafür erwartete uns dennoch solide Mittelklasse. Sogar Kühlschranke waren vorhanden, die gleich mal mit beim Supermarkt nebenan erworbenen Quöllfrisch (für den abendlichen Bierdurst) und Rivella (für den morgendlichen Nachdurst) befüllt wurden.

Kurz vor 15 Uhr ging es per Tram wieder zurück ins Stadtzentrum. Wir stiegen am Bellevue aus, wo eine St. Galler Kalbsbratwurst mit Bürli und scharfem Senf beim Sternen Grill ideal zur zweiten Mahlzeit des Tages taugte. Kostet mittlerweile 8,50 CHF (ca. 9 €), aber die 140 Gramm schwere Wurst und das knusprige Brötchen sind nicht nur lecker, sondern sorgen auch für Sättigung. Da Döner mittlerweile durchschnittlich 13 bis 15 CHF in Zürich kostet, ist der Sternen Grill definitiv eine der günstigsten Optionen was Warmes und Sättigendes in dieser Stadt bekommen.

Anschließend wollten wir dem Körper noch ein paar Kilokalorien aus der Dose zuführen, wofür wir uns mit eiskalten Feldschlösschen im Coop neben dem Sternen Grill eindeckt hatten. Mit dem Haupterzeugnis der umsatzstärksten Brauerei der Schweiz ließen wir uns am nahen Ufer des Zürichsees nieder. Weil die Sonne sich heute nicht über der größten Stadt des Landes (ca. 400.000 Einwohner) blicken lassen wollte, leider mit eingeschränktem Panorama. Aber immerhin war es trotz der vielen Wolken trocken und relativ warm, so dass wir bei weitem nicht die einzigen Ufergäste am heutigen Nachmittag waren.

Außerdem wollten wir dort eh nicht alt werden. Denn so zwei, drei Sehenswürdigkeiten musste ich meinem Mitreisenden bei seinem Erstbesuch in Zürich schon zeigen. Wir drehten also eine Bierlänge später ’ne kleine Runde rechts und links der Limmat mit u. a. dem Grossmünster, dem Fraumünster, dem Rathaus und den Zunfthäusern am Limmatquai. Natürlich ließ ich dabei auch mein bescheidenes Wissen über die Stadt- und Wirtschaftsgeschichte einfließen, aber eine Niederschrift meines Wortschwalls erspare ich dem Leser an dieser Stelle. Es steht schließlich schon alles im Bericht Zürich 02/2022.

Außerdem führte ich Herrn Power noch auf den Lindenhofhügel und damit zum römischen Ursprung der Stadt. Nachdem dort in exponierter Lage die zweite Dose Feldschlösschen geleert war, ging es nochmal schnell durch die nahe Fortunagasse (sollte sich auszahlen) und dann zeigte ich meinem Mitreisenden mit der Zürcher Bahnhofstrasse noch eine der teuersten und exklusivsten Einkaufsstraßen der Welt. An deren Nordende erwartete uns wieder der Hauptbahnhof und am dortigen Denkmal für Alfred Escher erzählte ich fix ein bisschen über dessen Lebensleistung und was diese für einen wirtschaftlichen Impact für Zürich und im Prinzip die ganze Schweiz hatte.

Dann ging es mit der Tram in Richtung Letzigrund, wo wir gegen 17:45 Uhr und somit eine Viertelstunde vor Anpfiff eintrafen. Ich hatte uns im Vorverkauf mit Karten für die Gegengerade auf Höhe der Mittellinie à 42,50 CHF (ca. 45 €) versorgt und von diesen Topplätzen konnten wir sowohl das Spielgeschehen, als auch das Treiben in den Kurven optimal verfolgen.

Zunächst gerieten natürlich die Ränge in den Fokus. Johnny erkannte schnell, dass die Grasshoppers nur auf dem Papier ein Heimspiel hatten und wurde sogleich von mir über die Zürcher Stadionproblematik, sowie die Kräfteverhältnisse in der Stadt aufgeklärt. Auch erzählte ich im Zuge dessen von einem Überfall unter der Woche, bei dem FCZ-Ultras in einer Turnhalle nahe Winterthur offenbar Teile der für heute geplanten GC-Choreo erbeuten konnten.

Wie sich heute noch herausstellen sollte, war eine Banderole der geplanten Choreographie in Feindeshand gelangt. Allerdings wurde in der GC-Kurve nun eine andere Banderole im gleichen Design gezeigt. Deren offenbar als Statement auf den Überfall verfasste Aussage: „Was au passiert – Mir kapitulieret nie“. Dazu wurde der Fansektor mit blauem und weißem Rauch eingenebelt.

Gegenüber hatte die Zürcher Südkurve auch ein choreographisches Statement zu Spielbeginn. Dieses lautete „Ei Stadt, ein Verein“ und war in Form von großen Buchstaben über die Ränge gespannt. Dazu wurde noch das Vereinswappen entrollt und alles mit lauter kleinen Fähnchen garniert. Damit machte man einmal mehr unmissverständlich klar, dass es im eigenen Selbstverständnis nur einen Verein in Zürich gibt.
Ei Stadt, ein Verein, i eusre Stadt git’s nur ein Verein. Züri ghört sitt über 100 Jahr am FC Züri, isch ja klar. Züri olé, Züri olé und mir singed bis zum Tode Züri olé…
Aus dem Liedgut der Zürcher Südkurve
Klar, da heute das 286. Stadtderby in Zürich stieg, muss es wohl immer noch zwei große Fußballclubs in dieser Stadt geben. Aber der 1886 gegründete Grasshopper Club, der sich übrigens nach wie vor als Rekordmeister rühmen darf (27 Meistertitel), verliert in der Gunst der Zürcher Fußballinteressierten immer weiter an Boden. Neben sportlichen Erfolgen (die letzte Meisterschaft wurde 2003 gefeiert), fehlt es dem historisch gesehen eher elitären Fußballclub der Stadt seit dem Abriss des Hardturmstadions (2008) vor allem an einer identitätsstiftenden Heimat. Denn auch wenn der Letzigrund Eigentum der Stadt ist, es ist einfach die angestammte Heimstätte des Rivalen und nie wird hier für GC-Fans ein Heimspielgefühl aufkommen.

Beim zehn Jahre jüngeren FC Zürich scheint der Zulauf an jungen Fans derweil ungebremst und der eigene Machtanspruch wird nicht nur verbal postuliert. So sind im Stadtbild mittlerweile fast ausschließlich Fanbekenntnisse und Reviermarkierungen des früheren Lieblings der Zürcher Arbeiterklasse zu sehen und selbst im Umland soll es immer weniger ratsam sein, sich sichtbar zum Grasshopper Club zu bekennen. Der Turnhallenüberfall unter der Woche war da so gesehen nur ein weiteres Glied in einer langen Kette von Auseinandersetzungen der beiden rivalisierenden Fanlager.

So nach 25 Minuten zeigte die Südkurve dann auch das Beutegut jenes schlagzeilenträchtigen Raubzuges. Offenbar wollten die GC-Ultras in ihrer geplanten Choreo eigentlich die Aussage platzieren, dass sie für ihren Club zu allem bereit sind. Die entsprechende Banderole hatte sie Südkurve nun in ihre provokanten Spruchbänder eingearbeitet. Auf jenen stand folgendes geschrieben: „Nämed mir de Hautigang – bruched ihr de Notusgang – Sit Tag Eis für dich zu allem bereit?“.

Doch erfreulicherweise passierte heute nicht nur auf den Rängen allerhand. Auf dem Rasen fand nebenbei ein recht spannendes Fußballspiel statt. Für meinen Sitznachbarn fast schon zu spannend. Denn Johnny hatte das goldene Wettgesetz „Derby immer X“ eiskalt ignoriert und 30 € auf den zur Zeit zweitplatzierten FCZ gesetzt. Sollte der FC Zürich gegen den gegenwärtig auf Platz 9 logierenden Stadtrivalen seiner Favoritenrolle gerecht werden, winkte ihm eine Auszahlung von ca. 70 €.

Sehr zu seiner Freude, machten die „Gäste“ nach Anpfiff gleich viel Druck und eine frühe Führung lag mehrmals in der Luft. Doch vor dem GC-Kasten endeten alle Angriffsbemühungen vorerst glücklos. Erst in der 32. Minute sorgte ein Schuss von Lindrit Kamberi aus der zweiten Reihe für die verdiente und von deutlich mehr als 50 % der Stadionbesucher umjubelte Führung. Die katapultierte den dreizehnfachen Meister nebenbei in der Blitztabelle auf Platz 1.

Distanzschüsse waren also möglicherweise ein probates Mittel, um die Defensive der Hoppers zu knacken. Dachte sich in der 38. Minute auch Antonio Marchesano und feuerte mal aus ca. 20 Metern ab. Auch diesmal hatte der gegnerische Tormann das Nachsehen und es stand 2:0 für den FCZ. Nach beiden Treffern wurde von der Südkurve selbstredend viel Pyrotechnik abgebrannt, während Johnny so langsam der Meinung war, dass bei seinem Wettschein eigentlich nichts mehr anbrennen kann.

Aber die 2. Halbzeit, welche der Anhang des Rekordmeisters mit einem schicken Feuerwerk einleitete, sollte sich anders gestalten. Der FCZ begann passiver und verlor zunehmend die Spielkontrolle. Nachdem GC-Trainer Marco Schällibaum nach einer Stunde schließlich einen offensiven Dreifachwechsel vollzog, fiel sodann der mittlerweile verdiente Anschlusstreffer. Der just ins Spiel geworfene Awer Mabil konnte eine abgefälschte Flanke mit der Brust über die Torlinie drücken (61.) und jetzt fackelte der „Heimanhang“ natürlich ordentlich was weg. An eine Spielfortsetzung war erst zu denken, als der Nebel hinreichend in den Nachthimmel gezogen war.

Nach der kurzen Unterbrechung entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für den GCZ. Es roch mittlerweile doch sehr nach dem berühmten X und ich hätte meinem Freund und Sitznachbarn nun natürlich gegönnt, dass die Kicker im FC-Dress ihre Konter nicht immer so fahrig abschließen. Doch es blieb bis zum Schluss eine echte Zitterpartie, deren größten Schockmoment für Johnny noch ein Pfostentreffer von GC-Stürmer Morandi war.

Am Ende hatte sich der Gang durch die Fortunagasse aber anscheinend bezahlt gemacht. Die Glücksgöttin war mit Johnny im Bunde und schenkte ihm den ersehnten (und hart erzitterten) Wettgewinn. Seine sicht- und hörbare Freude darüber schien ihn außerdem endgültig als eingefleischten FCZ-Fan zu outen, so dass sich nach Abpfiff noch eine Fachsimpelei über das gesehene Spiel und die kommenden Aufgaben des Siegerteams mit einem Sitznachbar aufzwang.

Wir kamen als Expertentrio zum übereinstimmenden Fazit, dass auch heute wieder konditionelle Defizite sichtbar wurden und der Tabellenstand deutlich über die durchwachsenen Leistungen der letzten Wochen hinwegtäuscht. Außerdem hat der aktuelle Kader einfach nicht die Qualität der letzten Meistermannschaft (Saison 2021/22) und deren Meistertrainer Breitenreiter war natürlich auch ein anderes Kaliber als Ricardo Moniz. Gegen Servette wird es nächste Woche mit so einer Leistung wie heute jedenfalls nicht reichen…*

Als sich das Stadion schließlich so langsam leerte, ging es für uns erstmal wieder in die nahe Unterkunft. Dort wartete eiskaltes Quöllfrisch auf uns. Bewaffnet mit ein paar Kannen davon sollte es zeitnah in die Langstrasse gehen. Wir flanierten Zürichs Amüsiermeile einmal auf und ab und kehrten nach dem Leeren der Quöllis ins Strauss ein. Eine alteingesessene Beiz in diesem Kiez, wo man uns halbe Liter Hürlimann in der Flasche à 5 CHF (ca. 5,30 €) über die Theke reichte. Weil dort ein Glücksspiel namens Subito beworben wurde, erzählte ich Johnny im Strauss außerdem noch ein bisschen von den Jugendunruhen in Zürich anno 1980 („Wir wollen alles, und zwar subito!“ war ein Leitspruch der seinerzeit gegen die stockkonservative Schweizer Obrigkeit aufbegehrenden Jugend).

Aber viel los war im Strauss gegen 23 Uhr (noch) nicht und so ging es nach einer Runde wieder auf die Piste. Zwischen all den am Verkauf ihrer Liebesdienstleistungen interessierten Damen, Herren und Zwischenlösungen entdecken wir gegen Mitternacht eine Bar namens Gotthard**. Als gute Hildesheimer mussten wir dort einfach einkehren und gönnten uns in jenem sehr gut besuchten Lokal nochmal 50 cl gezapftes Feldschlösschen à 8 CHF (ca. 8,45 €). War die letzte Runde des Abends, so dass wir gegen 1 Uhr zu Bette gingen und uns immerhin noch gute sechs Stunden Schlaf blieben.

Nichtsdestotrotz verfluchte ich am neuen Morgen meinen Wecker und nach dem einigermaßen munter machenden Duschbad realisierte ich um 7:30 Uhr obendrein, dass die Nachtruhe bei Johnny noch gar nicht vorbei war. Zum Glück hatte jedes Zimmer eine eigene Klingel, so dass ich relativ einfach für deren Ende sorgen konnte. Auf der anderen Seite der Tür folgten nun die nächsten Flüche, aber immerhin 15 Minuten Puffer hatten wir noch bis zur Abfahrt unserer Tram zum Hauptbahnhof.
- 20.10.2024
- Aurora San Francesco – Olginate Aurora 4:2
- Seconda Categoria – Lecco – Girone L (IX)
- Campo Sportivo Intercomunale (Att: 52)
8:33 Uhr rollte der gebuchte InterCity los und brachte uns binnen 2,5 Stunden zum Grenzbahnhof Chiasso (Pias). Ich wiederhole an dieser Stelle gerne nochmal meinen Spartipp: Wenn ihr mit der Bahn via Schweiz von Deutschland nach Italien wollt, dann bucht DB-Sparpreise bis Chiasso und fahrt ab da mit separaten italienischen Fahrscheinen weiter. Hätten wir unsere Zugreise Hildesheim-Lecco komplett bei der DB gebucht, wären über 200 € für Hin- und Rückfahrt fällig geworden. Bis Chiasso waren es hingegen nur 129 € und ab dort ging es mit Tickets von Trenitalia für 7,40 € pro Person weiter bis Lecco (Leck).

Die nach Como (Chum) zweitgrößte Stadt*** am Lago di Como (Comer See) erreichten wir kurz nach 13 Uhr und damit eine gute halbe Stunde nach Anpfiff der Drittligapartie Calcio Lecco vs. US Pergolettese. Porca miseria! Dabei sah es auf dem Papier zum Buchungszeitpunkt so gut aus. Lecco sollte laut Rahmenspieltag der Serie C heute um 15 Uhr spielen und wir rechneten uns nach dem Bezug des Apartments als zweite Amtshandlung einen schönen Spielbesuch im Stadio Rigamonti Ceppi aus. Aber ausgerechnet dieses Spiel musste kurzfristig auf 12:30 Uhr vorverlegt werden. Porco dio!

50 % der Reisegruppe ärgerten sich richtig derbe darüber und die andere Hälfte hätte durchaus auch Bock auf das Spiel gehabt. Aber zum Glück lag unser Apartment nicht nur direkt am Seeufer in Leccos Nachbargemeinde Malgrate, sondern auch ganz in der Nähe eines kleinen Stadions. Die in Italien für Fußballfreunde unerlässliche App Tuttocampo offenbarte nun als Trostpreis ein Amateurspiel auf jener Anlage um 15:30 Uhr.

Doch zunächst wurde die Unterkunft bezogen, welche es diese Woche von Sonntag bis Freitag zum Schnäppchenpreis von 520 €, sprich 260 € pro Person gab. Anbieterin Nunzia weilte zwar selbst mit einer Freundin im Urlaub, aber hatte trotzdem alles gute organisiert und ihrem Ehemann unseren Empfang aufgetragen. Da war fast pünktlich und hatte sogar ein paar Lebensmittel (u. a. Kekse, Wasser, Säfte, Joghurts, Nüsse) für uns eingekauft. Wäre auch noch Wein und Bier in seiner Einkaufstüte gewesen, hätte ich später die Höchstnote bei Booking vergeben. Aber für eine 9 reichte es allemal. Denn die Zwei-Zimmer-Wohnung war gepflegt und gut ausgestattet und für den Preis wollte ich nicht mal darüber meckern, dass fast alle Fenster an der Hangseite waren und dementsprechend wenig Tageslicht in die Bude kam. Eh egal, wenn man sich wie wir zuvorderst zum Schlafen dort aufhalten will.

Da bald alle Lokale schließen würden, musste nach dem Bezug der Unterkunft als nächstes ein Mittagessen her. Fast alle Optionen an der Uferpromenade hatten gegen 14:30 Uhr auch tatsächlich schon schon ihr Mittagsgeschäft beendet. Doch im Ristorante Soqquadro waren noch ein paar Tische besetzt und auf Nachfrage versicherte man uns, dass der Pizzaofen noch glüht. So gab es wenige Minuten später für Johnny eine Vesuvio mit Tomate, Mozzarella, Basilikum und einem Berg Prosciutto crudo. Ich bekam hingegen eine Calabra mit Tomate, Mozzarella, Nduja (pikante Streichwurst aus Kalabrien), Ricotta und einer höllisch scharfen Spitzpaprika serviert. Ferner gab es für jeden noch 40 cl Schweiger Bräu vom Fass und mit Coperto wurden uns letztlich für alles zusammen 45 € berechnet.

Im Anschluss war Fußball angesagt und zu unserer Überraschung fanden im gemeinsamen Sportpark der Nachbargemeinden Malgrate und Valmadrera sogar zwei Spiele parallel statt. Aber auch wenn das Spiel der zehntklassigen Terza Categoria zwischen ASD Osvaldo Zanetti und AC Victoria Calolziocorte auf dem Nebenplatz mit ca. 100 Zuschauern doppelt so gut besucht war, entschieden wir uns für die in Partie auf dem Hauptplatz. Dort trug der Platzhirsch Aurora San Francesco ein Spiel der neuntklassigen Seconda Categoria gegen Olginate Aurora aus und Eintritt wurde sowieso bei keiner der beiden Begegnungen erhoben.

Viel zu einem Kick auf Kreisliganiveau vor 52 Zuschauern werde ich nun natürlich nicht schreiben. Hängen geblieben ist jedoch, dass vier der sechs Tore per Strafstoß erzielt wurden. Ferner konnten sich die Besucher beider Partien an einer Bar mit Espresso, Kaltgetränken und kleinen Snacks versorgen. So genossen wir mit ein paar Kannen Ichnusa à 2 € das Spiel und vor allem das in allen vier Himmelsrichtungen geniale Bergpanorama. Aus Dokumentationszwecken für Europlan drehten wir außerdem noch eine komplette Runde um den Platz. Ein Skandal, dass so eine schöne Anlage mit kleiner Tribüne bisher noch nicht auf diesem Portal gelistet war.

Am Ende hatte Aurora San Francesco den Gast aus dem 9,6 km entfernten Olginate mit 4:2 in die Schranken gewiesen, während auf dem Nebenplatz ein souveränes 3:0 der Heimseite gefeiert wurde. Aber auch wenn wir das andere Spiel auch mit einem Auge verfolgt haben, wurde sich selbstverständlich nur der Hauptplatz eingetragen. Kein Bock auf Ärger mit der zu internationalen Haftbefehlen befähigten Hopperpolizei.

Nach dem Spiel gönnten wir uns nochmal ’ne Rutsche Bier an der Stadionbar und danach ging es wieder runter ans Seeufer. Nach Sonnenuntergang folgten wir dann der Pizzaempfehlung von Nunzias Mann und gingen ins nahe Restaurant Covo Nord Ovest. Während Johnny sich für seiner Aussage nach eher mittelmäßige Tagliatelle ai funghi porcini entschied, hatte ich kein Problem mit einer zweiten Pizza an diesem Tag. Es wurde die Trentino, die mit Tomate, Mozzarella, Pilzen, Oliven, sowie mit Rohschinken aus der namensgebenden Region belegt war und geschmacklich sogar die bereits gute Pizza vom frühen Nachmittag toppte. Zusammen mit einer Flasche Rotwein aus dem nahen Valtellina (Veltlin), zwei Flaschen Wasser, Coperto und einem kleinen Trinkgeld waren wir am Ende des Abends übrigens faire 70 € los.

Am zweiten Tag in Italien stand dann kein Fußball, sondern eine schöne Wanderung auf dem Programm. Wir wollten uns mal auf „unseren“ Hausberg Monte Barro wagen. Der ist mit 922 m ü. NN zwar bei weitem nicht der höchste Berg am Lago di Como, aber er bietet fantastische Ausblicke auf eben jene höheren Gipfel und selbstredend auch auf den malerischen See und die Gemeinden an dessen Ufer.

Von der Haustür ging es erstmal 1,8 km durch den Ort und nachdem wir uns in einem Supermarkt am Fuße des Berges noch mit Wasser und Proviant eingedeckt hatten, nahmen wir den nächstbesten Pfad zum Aufstieg. War eine dumme Idee. Einerseits verriet die üppige Vegetation bereits, dass dieser Pfad nicht der meistbegangene war und anderseits lag die ersten paar hundert Meter alles voll mit Esskastanien. Wir tauften den anspruchsvollen Bergweg mit 25 bis 30 % Steigung daher liebevoll Maronenstieg.

Auf gerade mal 1,5 weiteren Wanderkilometern hatten wir bereits stolze 360 Höhenmeter gemeistert und machten unterhalb des Gipfels auf ca. 610 m ü. NN bei herrlichem Ausblick (siehe Titelbild) die erste Pause der Tour. Zum Gipfel wären es von unserem Pausenplatz nochmal 1,5 km (und über 300 Höhenmeter) durch alpines Gelände gewesen. Da war es nach der Rast zu verlockend, lieber auf dem Panoramaweg Sentiero di Mezzo (Mittelweg) rund um den Gipfel zu wandern und auf der anderen Seite des Monte Barro auf einem gut ausgebauten Weg abzusteigen.

Der Sentiero di Mezzo stieg auf den nächsten 1,7 km nur sanft auf 675 m ü. NN an und bot die erhofften Traumausblicke. Auf jener Höhe kreuzte er dann eine befestigte Straße, die zu einer ehemaligen Einsiedelei nahe des Gipfels führte. Anstatt vor hier nochmal vermeintlich leichter auf den Gipfel zu wandern, beschlossen wir allerdings parallel zur Straße endgültig den Abstieg in Angriff zu nehmen. Das war auf einem Bergweg mit rutschigem Laub, glitschigen Felsbrocken und bis zu 33 % Gefälle allerdings zunächst kein Geschenk. Aber bald erreichten wir einen Rastplatz auf 590 m ü. NN und nach einer zweiten Pause ging es von dort sanft absteigend über einen Forstweg und durch einen ehemaligen Steinbruch hinunter ins Tal.

Auf unserem Wanderkilometer 8,1 standen wir schließlich am Ortsrand der Gemeinde Civate. Nur leider führte kein Fußweg in den Nachbarort von Valmadrera und Malgrate. So mussten wir noch ein Stück am Rand einer Schnellstraße marschieren, ehe es durch Industrie- und Wohngebiete ebenfalls wenig malerisch zurück zur Unterkunft ging. Wir stoppten nochmals am gleichen Supermarkt und nach exakt 13,12 km und 520 Höhenmetern in insgesamt 6:51 h (davon 3:52 h in Bewegung) waren wir wieder am Ausgangspunkt. Dank herrlicher Ausblicke war es definitiv eine schöne Tour gewesen. Allerdings auch schön anstrengend. Die Wege in den Alpen sind eben mitunter etwas anspruchsvoller, als jene in den deutschen Mittelgebirgen.

Nach den Duschbädern wurden revitalisierende Biere am Seeufer genossen und anschließend prüften wir die Osteria Era Ora an der Promenade von Malgrate. Dort hatten wir uns neben Wein, Wasser und Brot auch jeder zwei Gänge verdient und begangen den Schmaus übereinstimmend mit Tagliatelle con ragù di cinghiale alla bracconiera. Ebenfalls im Gleichklang lobten wir das gereichte Pastagericht mit der kräftigen Wildschweinsauce in den höchsten Tönen.

Beim zweiten Gang kamen unterschiedliche Gerichte an den Tisch. Bei mir blieb es mit Cinghiale con polenta e funghi (Wildschweingulasch mit Polenta und Pilzen) wild, während Johnny sich für die domestiezierte Verwandschaft entschied und Filetto di maiale con bacon e rosti in salsa al miele affumicata (Schweinefilet mit Speck, Rösti und Barbecuesauce) bestellte. Außerdem teilten wir uns noch eine Portion Patate arrosto (Röstkartoffeln mit Rosmarin) und eine Flasche Valcalepio Rosso Riserva (ein sehr trockener und kräftiger Rotwein aus der Region Bergamo, der gut zu beiden Hauptgerichten passte).

Während bei mir anschließend nur noch Platz für einen Espresso war, gönnte sich Johnny außerdem noch ein Stück Apfelkuchen mit Vanilleeis. Am Ende standen für alles absolut angemessene 130 € auf der Rechnung. Nachdem diese beglichen war und das Era Ora sowieso im Begriff war zu schließen, ging es gegen 21:30 Uhr noch auf eine Runde gezapftes Leffe (40 cl für 6 €) zur benachbarten und bereits bekannten Lokalität Bar e Ristorante Soqquadro. Dort klang die erste Hälfte des Urlaubs mit einem sehr zufriedenen Zwischenfazit aus.
*Da hatten wir tatsächlich richtig orakelt. Der FCZ unterlag Servette am kommenden Spieltag mit 1:3 und musste die Tabellenführung vorerst wieder abgeben.
**Namensgeber dieses Zürcher Lokals ist das Gotthardmassiv in den Schweizer Alpen, welches insbesondere durch den Gotthardpass und den Gotthard-Basistunnel international sehr bekannt ist. Benannt ist das Gotthardmassiv wiederum nach Godehard von Hildesheim, der 1022 zum Bischof von Hildesheim berufen wurde und 1131 durch Papst Innozenz II. heiliggesprochen wurde.
***Como hat ca. 84.000 Einwohner, Lecco zählt ca. 48.000 Einwohner.