Essen & Gelsenkirchen 03/2026

  • 14.03.2026
  • Rot-Weiss Essen – FC Erzgebirge Aue 4:2
  • 3. Liga (III)
  • Stadion an der Hafenstraße (Att: 16.537)

Ich finde die Arena AufSchalke echt scheiße. Deshalb hatte ich bereits nach meinem dritten Besuch im Jahre 2005 beschlossen, dass ich bei allen kommenden 96-Gastspielen in Gelsenkirchen immer was Besseres vorhabe. Im November 2009 machte ich aufgrund eines sehr traurigen Anlasses zwar nochmal eine Ausnahme, doch ansonsten blieb ich stahlhart. Ich gab fortan keine Kohle mehr für Auswärtsspiele beim FC Schalke 04 aus und wollte das eigentlich nie mehr ändern.

Ruhrpottromantik

Auch 2026 hatte ich nicht vor die Roten Riesen nach Gelsenkirchen zu begleiten und ließ den Vorverkauf gewohnt links liegen. Aber ausgerechnet nach der wenig erbaulichen Heimniederlage gegen Fürth (1:2) bekam ich plötzlich einen Kaufimpuls, als ein kurzfristig verhinderter Fan seine Karte inserierte. War das klug? So ganz sicher war ich mir nicht und plante etwas mehr aus meiner Rückkehr in die so genannte Turnhalle zu machen.

Die Hafenstraße

Ich entschied ich bereits einen Tag vorher in den Kohlenpott zu fahren, um mal wieder etwas Zeit in Gelsenkirchens deutlich attraktiveren Nachbarstadt Essen zu verbringen. Aufgrund der Kurzfristigkeit gab es im Fernverkehr allerdings keine schönen Sparpreise mehr, so dass ich am Samstagmorgen tatsächlich per Deutschlandticket ins Ruhrgebiet reiste. Essener Boden betrat ich um 12:30 Uhr und steuerte umgehend das Stadion an der Hafenstraße im Stadtteil Bergeborbeck an.

Auch für Menschen ohne Personenbeförderungsschein ein Genuss

Doch bevor ich meine 31 € teure Eintrittskarte für die Rahn-Tribüne scannen ließ, musste unbedingt noch ein Taxi-Teller in den Wanst. Dafür wiederum hatte ich 9 € im Hafengrill zu investieren (+ 2,80 € für ’ne große Pulle Stauder). Nachdem das Perfect Match von Pott und Peloponnes meinen Tagesbedarf an Kalorien gedeckt hatte, bummelte ich schließlich die Hafenstraße hinunter zum 2012* eröffneten Stadion von RWE. Hier empfing Rot-Weiss Essen um 14 Uhr den FC Erzgebirge Aue und die Fans hatten dafür sogar eine kleine Choreografie vorbereitet.

Essener Choreo

Mit der Parole „Das Chaos im Herzen“ wurde die Mannschaft beim Blick zur Westtribüne empfangen. Dazu Folienbahnen, Fähnchen, Luftballons, Doppelhalter und Luftschlangen in den Farben rot und weiß. Halt ein wilder Mix von verschiedenen Stilmitteln, wie man ihn landauf und landab schon gesehen hat, wenn Ultras eine Choreographie mit dem Leitmotiv Chaos versehen. Dabei ist ihre laute, kreative und durchaus auch rebellische Fankultur selbst in solchen Momenten eher straff organisiert und damit das Gegenteil von chaotisch. Aber gut, ich mag die kleinen Widersprüchlichkeiten dieser Subkultur.

Koordiniertes Chaos

Davon ab, dass das organisierte Chaos in der Kurve natürlich gut aussah, klingt „Das Chaos im Herzen“ außerdem wie eine Beschreibung der DNA von RWE. Umso erstaunlicher, dass es seit ein paar Jahren an der Hafenstraße sportlich richtig gut läuft. Nach der Rückkehr in den Profifußball vor vier Jahren, der wiederum 14 Jahre Amateurfußball mit allerlei Existenzsorgen vorausgegangen waren, konnte man sich erfolgreich in der 3. Liga etablieren. Gleichsam kommt der Verein mittlerweile sogar halbwegs professionell rüber. Zumindest für Außenstehende.

Die Haupttribüne an der Hafenstraße

Vielleicht gelingt dieses Jahr sogar noch Größeres. Denn RWE hatte heute gegen abstiegsbedrohte Auer die Chance mit dem dritten Sieg in Serie auf den dritten Rang vorzurücken. Ergo wieder ganz dick im Aufstiegsrennen mitzumischen. Spielverderber wollte jedoch ausgerechnet Christoph Dabrowski werden. Der mittlerweile für die Veilchen verantwortliche Ex-RWE-Trainer (1. Juli 2022 – 9. Dezember 2024) musste heute gegen seinen Nachfolger auch ganz dringend punkten. Andernfalls würden im Schacht so langsam aber sicher alle Lichter ausgehen.

Die Gäste aus dem Erzgebirge

Die passende Kapelle für den drohenden Untergang war unterdessen im Gästeblock zu bewundern. Nur etwa 300 Fans hatten den FC Erzgebirge, der von 1951 bis 1990 als BSG Wismut ununterbrochen erstklassig war und überhaupt noch nie tiefer als 3. Liga gespielt hat, nach Essen begleitet. Aber bekanntermaßen hat die aktive Szene im Spätherbst 2025 nahezu ihr gesamtes Material bei einem Raubüberfall verloren. Während immer noch offiziell unbekannt ist, welche rivalisierende Szene nun u. a. die Zaunfahnen von Fialova Sbor und der Erzbrigade besitzt, befinden sich besagte Gruppen und ihr Umfeld gerade in einer Art Schock- und Schwebezustand. Lebendig wirkt das aktuell nur bedingt, aber zur Beerdigung der beraubten Gruppen hat man sich im Lössnitztal auch noch nicht durchringen können.

In der 1. Halbzeit gab es viel zu feiern für die Essener

Bei den über 16.000 Heimfans herrschte hingegen eine ganz andere Gemütslage. Erst recht nachdem Torben Müsel mit einem Traumtor per Hacke in der 28. Minute eine Schlussstrich unter die recht ausgeglichene Anfangsphase der Partie zog. Als Hofmann (33.) und Janssen (37.) mit kaum minder schön anzuschauenden Treffer aus der Distanz rasch auf 3:0 erhöhten, war die Hafenstraße natürlich ein Tollhaus. Dass Aues Ehlers in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit wenigstens noch verkürzen konnte, schien gegen sehr spielfreudige Essener indes nur verfrühte Ergebniskosmetik zu sein.

Die Auer wurden zwischenzeitlich sehr sauer

Doch die Koschinat-Elf ließ die eigenen Fans tatsächlich noch ein wenig Achterbahn fahren. So entglitt dem 1907 als Sportverein Vogelheim gegründeten RWE nach Wiederanpfiff die Spielkontrolle und ein zweites Gegentor durch Bär (61.) war die logische Konsequenz. Plötzlich war die Begegnung wieder offen und als wenig später nur das Aluminium den Ausgleich verhinderte (73.), schien sich dieses Heimspiel endgültig zu einer ungeahnten Zitterpartie zu entwickeln.

Die Partie war enger, als die Tabellensituation erwarten ließ

Letztlich nahm der heute bärenstarke Mizuta mit dem 4:2 (82.) aber doch vorzeitig die Spannung aus der Schlussphase. Da parallel der MSV Duisburg in Rostock eine Klatsche bekam (5:1), durfte der Deutsche Meister von 1955 neben dem dritten Sieg tatsächlich auch den Sprung auf den dritten Tabellenplatz feiern. Trotz der heute offenbarten Schwächen, darf also ein wenig Träumerei von der 2. Bundesliga erlaubt sein. Der dreifache DDR-Meister (1956, 1957 und 1959) bleibt dagegen sieglos im Jahr 2026 und muss bei mittlerweile neun Punkten Rückstand auf‘s rettende Ufer ziemlich sicher für die Regionalliga planen. Da mit Ulm, Havelse und Schweinfurt sogar drei Teams noch schlechter sind, scheinen bereits neun Spieltage vor Saisonende alle vier Absteiger mehr oder weniger festzustehen.

Spieler und Fans feiern drei wichtige Punkte im Aufstiegsrennen

Nach dem Spiel traf ich mich mit ein paar gut gelaunten Essener Kumpels am Hafenstübchen und gemeinsam steuerten wir bald den Süden der Stadt an. Als Erstes ging es dort zu Capello Rosso, um bei diesem indischen Italiener mit griechischen Servietten die deutschen Mägen mit Pizza zu füllen. Klar, ich war nach dem üppigen Mittagessen eigentlich noch gar nicht wieder hungrig. Aber den Essenern nur beim Essen zugucken, kam für mich natürlich auch nicht infrage. Also investierte ich 10 € in eine Pizza Mexiko.

Mexico, pendejo

Danach ging es zum nur wenige Fußminuten entfernten Stadtkrug, wo sich der späte Nachmittag nicht nur mit diversen fassfrischen Stauder (0,3 l für 3 €), sondern auch mit beliebten Wurf- und Würfelspielen vertrieben wurde. Bis irgendwann im Raum stand noch ein Konzert zu besuchen. So’n Kumpel, der auch zu Rot-Weiss fahre und Mucke mache, würde heute einen Auftritt haben. „Wat denn für Mucke?“ war meine logische Rückfrage. „Na ja, so Italopop…“

Fassfrisches Stauder im Stadtkrug

Da war ich natürlich für zu haben und fuhr mit nach Essen-Steele. Im dortigen Kulturforum boten die zwei Musiker von Due Cappuccini Tedeschi ab 20 Uhr bei freiem Eintritt die größten Hits von u. a. Gianna Nannini, Umberto Tozzi, Toto Cutugno und Ricchi e Poveri dar. Weil das Rot und das Weiß vom RWE zusammen mit dem Grün von Stauder die italienischen Nationalfarben ergeben, ist Essen bekanntermaßen die italienischste Stadt des Ruhrgebiets und entsprechend enthusiastisch begleitete das Publikum den mitreißenden Musikvortrag.

Die Ragazze e ragazzi von der Ruhr

Man merkte regelrecht, wie die Ragazze e ragazzi von der Ruhr nach jeder Runde Stauder – auch hier 0,3 l für 3 € – textsicherer wurden. Dank vehement geforderter Zugaben dehnte sich der Liederabend sogar auf fast zwei Stunden aus. Als der Vorhang irgendwann aber doch gefallen war, sollte es weiter eine Steeler Institution mit dem verheißungsvollen Namen Freak Show gehen. Doch uns erwartete am Eingang leider ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossene Gesellschaft“. Die Alternative zur Freak Show hieß nun Steeler Treff und war auf jeden Fall auch ein Ort mit interessantem Ambiente und spannenden Charakteren.

Zu Gast im Steeler Treff

Hier wurden kleine Stauder (0,2 l) für 1,80 € serviert und gute Gespräche mit den Stammgäste gab’s natürlich gratis dazu. Eigentlich schade, dass die Wirtin bereits kurz nach 23 Uhr ihren gewiss wohlverdienten Feierabend verkündete. Aber so war ich wenigstens noch vor Mitternacht im meinerseits für 54 € gebuchten Premier Inn am Essener Hauptbahnhof.

  • 15.03.2026
  • FC Schalke 04 – Hannover 96 2:2
  • 2. Bundesliga (II)
  • Arena AufSchalke (Att: 62.077)

Nach einer angenehmen Nachtruhe checkte ich gegen 10:30 Uhr aus und fuhr mit der nächstbesten S-Bahn nach Gelsenkirchen-Buer. War zwar ein Umweg, aber ich hatte keine Lust auf Gelsenkirchen Hbf und die gefühlt einstündige Fahrt in einer überfüllten Straßenbahn von dort zur Spielstätte des FC Schalke 04. Außerdem steht in Buer das nach der Arena mittlerweile zweitbekannteste Bauwerk der Stadt.

Dank des historischen Stadtkerns trägt Buer den Beinamen Rothenburg ob der Emscher

Die Rede ist natürlich von der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer. Dort verschafften sich Kriminelle im vergangenen Dezember während der Feiertage unter Tage (über die benachbarte Tiefgarage) in bester Bergmannstradition ( mittels Kernbohrer) einen Zugang zum Tresorraum. Unbemerkt von den Sicherheitssystemen, den Anwohnern und der Polizei konnten die Einbrecher in jenem Tresorraum ihr helles Licht anzünden und nun über 3.000 Schließfächer von Sparkassenkunden plündern.

Dunkle Wolken über der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer

Die dort gruben das Silber und das Gold bei der Nacht, scheinen ausgerechnet in der ärmsten Stadt der Bundesrepublik gigantische Reichtümer erbeutet zu haben. Denn obwohl die Versicherungssumme pro Schließfach gerade einmal 10.300 € betrug, wurde in den Medien in Berufung auf Ermittlerkreise eine Beute in Höhe von über 100 Mio € kolportiert. Das wiederum sorgte für Spekulationen, dass die Täter einerseits Insiderinformationen hatten und andererseits vielleicht unter den Opfern auch nicht nur kreuzbrave Leut‘ zu finden sind. Mal sehen ob die Polizei irgendwann Ermittlungserfolge feiern kann und etwas mehr Licht ins Dunkel kommt. Unabhängig davon loten gerade viele Geschädigte die rechtlichen Möglichkeiten aus, ob man die Sparkasse wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen in Vollhaftung für die entwendeten Werte nehmen kann. Von diesem Kriminalfall wird sicher noch viel zu lesen und zu hören sein.

So steigert man im Kohlenpott erfolgreich den Cholesterinspiegel

Doch kommen wir nun von hören und sehen zu schmecken. Ein kleines, möglichst ungesundes Frühstück musste natürlich vor dem Spiel auch noch her und die Wahl fiel Schuby’s am Rathaus Buer. Dort gab es für mich Currywurst mit Pommes frites auf die Faust (5,40 €) und anschließend ging es per Straßenbahn zur Arena. Aus Richtung Buer sind die Bahnen an Spieltagen natürlich ebenfalls Sardinenbüchsen, aber immerhin muss man von hier nur wenige Minuten bis zur Stadionhaltestelle fahren.

Die größte Sporthalle des Ruhrgebiets

Da bei meiner Ankunft noch knapp 1,5 Stunden bis zum Anpfiff verstreichen sollten, erkundete ich die 2001 eröffnete und bei Fußballspielen bis zu 62.271 Zuschauer fassende Multifunktionsarena noch ausgiebig von außen und innen. Dabei schloss ich mich dem Fazit meines jüngeren Ichs an. Diese Arena ist einfach maximal weit von meinen Idealvorstellungen eines Fußballstadions entfernt und passt meines Erachtens weder nach Gelsenkirchen, noch zum FC Schalke 04. Da stehen in anderen Städten des Ruhrgebiets deutlich attraktivere Stadien, die zugleich wesentlich besser zu ihren Nutzern passen.

Ein erstes Einklatschen weit vor Anpfiff

Wenigstens haben sie heute ihr Dach aufgelassen und immerhin passt ein Teil des Publikums sozioökonomisch weiterhin nicht zu dieser modernen Arena. Dazu ist nicht zu leugnen, dass die Architektur stimmungsfreundlich ist und die knapp über 6.000 Gästefans sich redlich mühen mussten, um akustisch gegen die Nordkurve anzukommen.

Die Schalker stimmen sich auf’s Spiel ein

Zumal der Spielverlauf zunächst auch auf Seiten der Knappen war. Es sah in der 1. Halbzeit schon sehr danach aus, als könne der derzeitige Tabellenführer seinen Fünf-Punkte-Vorsprung auf die fünftplatzierten Hannoveraner weiter ausbauen. So legte Ex-96er Kenan Karaman zunächst dem Schalker Königstransfer Edin Džeko das sechste Tor im achten Spiel auf (29.) und wenig später köpfte Karaman höchstselbst zum verdienten 2:0 ein (38.).

Über 6.000 mitgereiste Schlachtenbummler sahen in der 1. Halbzeit wenig Erbauliches von 96

Da war ich froh, dass ich nur die erste Viertelstunde im Heimbereich verbracht habe und danach auf meinen 40 € teuren Sitzplatz im Auswärtssektor gewechselt bin. So musste ich die Schalker Freudenausbrüche wenigstens nicht aus nächster Nähe ertragen. Im Umkehrschluss entging mir allerdings der Inhalt eines Mitte der 1. Halbzeit im Gästebereich präsentierten Spruchbands. Gefordert wurde „Frihet för alla Ultras i Sverige“ (Freiheit für alle Ultras in Schweden), was Bezug auf aktuelle Fanprobleme im Land der Mücken und Mettklösschen nahm. Der vorläufige Höhepunkt einer sich landesweit schon länger zuspitzenden Repressionswelle wurde nämlich just vor fünf Tagen erreicht. So stufte die schwedische Polizei am 10. März nicht nur die Göteborger Hooligangruppierung Wisemen, sondern auch die Ultragruppen Ultras Göteborg und Supras Göteborg als kriminelle Vereinigungen ein. Zielsetzung dabei sei die Zerschlagung eines kriminellen Netzwerks innerhalb der Fankurve von IFK Göteborg, so die Polizei.

Der UGE-Mob

Indes überlegte ich, ob ich kriminellerweise bereits nach einer Halbzeit aus Gelsenkirchen abhaue. Doch ausgerechnet der Typ, mit dem ich 2015 den Länderpunkt Schweden gemacht habe, hielt mich davon ab. So bot mir Milano Pete beim Pausentee an, dass ich mit ihm und seinem Vater Napoli Mike nach Spielende im PKW gen Hildesheim mitfahren könnte. Somit würde ich letztlich drei Stunden früher zuhause zu sein, wenn ich noch eine Dreiviertelstunde länger hier bliebe.

Die Hugos

Ich quälte mich also wieder in den Block und ausgerechnet Edin Džeko sorgte wenig später dafür, dass ich sogar zarte Hoffnungen auf ein Happy End hegte. Denn zwei Tage vor seinem 40. Geburtstag ging der bosnische Nationalstürmer mit hohem Bein in einen Zweikampf und trat dabei Chakroun mit seinem Stollenschuh in den Bauch. Sicher keine Absicht, aber eben gefährliches Spiel und daher berechtigterweise mit einem Platzverweis geahndet. Da konnte der deutsche Vizemeister von 1938 noch so rumzetern.

Perspektivwechsel

Blöd nur, dass der damalige Endspielgegner auch in Überzahl so gut wie keine Torgefahr ausstrahlte. Die Uhr lief gegen 96 und ich nahm fast schon freudig zur Kenntnis, dass Milano per Textnachricht einen vorzeitigen Aufbruch für die 80. Spielminute anregte. Doch als ich gerade zum vereinbarten Treffpunkt im Umlauf aufbrechen wollte, überschlugen sich die Ereignisse. Strafstoß für 96 in der 81. Minute! Leopold trat an und Karius parierte ins Toraus. Als ich mich nun fluchend abwendete, staubte Nawrocki bei der folgenden Ecke allerdings zum Anschlusstreffer ab (81.). Doch den Torjubel ließ der VAR plötzlich verstummen.

In der Stadt der 1000 Feuer ist die Hoffnung auf einen Heimsieg heute in allerletzter Sekunde verglüht

Zwar nahm der Unparteiische das Tor letztlich nicht zurück, aber ich war nun doch in den Umlauf gegangen und nach kurzem Zögern entschieden wir uns für die Variante „Abfahrtsstau vermeiden, statt weiter mit 96 zu leiden“. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott bekanntlich sofort und so verpassten wir dadurch den garantiert nicht verdienten, aber gewiss umso schöner zu genießenden Ausgleichstreffer durch Pichler in der 8. Minute der Nachspielzeit.

Während die anderen 96-Fans das Stadion nun als gefühlte Sieger verließen, wurde in einem bereits über die A2 rollenden PKW zur nüchternen Analyse gegriffen. Heute hatte 96 endlich einmal das Glück, was diese Saison in so manch anderer Partie gefehlt hat. Nichtsdestotrotz war das in Summe der vierte enttäuschende 96-Auftritt in Folge. Diese Serie darf kommenden Freitag auf keinen Fall ausgebaut werden. Ein Derbysieg ist absolute Pflicht!

Song of the Tour: Bei meiner heutigen Tatortbegehung hatte ich plötzlich diesen Song im Ohr

*2012 ersetzte an der Essener Hafenstraße ein räumlich leicht versetzter Neubau das 1923 eröffnete, aber deutlich in die Jahre gekommene Georg-Melches-Stadion. Dieses trug übrigens bis 1964 auch schon den Namen Stadion an der Hafenstraße, ehe man beschloss das Lebenswerk des RWE-Mitgründers, Mäzens und Funktionärs Georg Melches (* 1893; † 1963) posthum mit großer Geste zu würdigen.