Milano (Mailand) 12/2025

  • 28.12.2025
  • AC Milan – Hellas Verona 3:0
  • Serie A (I)
  • Stadio Giuseppe Meazza (Att: 74.618)

Am Sonntagmorgen durften Kaja, Max und ich einen Neuzugang begrüßen. Unser Freund Jan hatte gestern in Venezia (Venedig) ebenfalls einen Kurzurlaub in Italien gestartet und war direkt nach dem Besuch der Partie Venezia vs. Virtus Entella gen Milano (Mailand) aufgebrochen. Er nächtigte wie wir im B&B Hotel Sesto San Giovanni und gemeinsam ging es heute um 9 Uhr zum Frühstücken in ein Café namens Boulangerie, welches sich unweit unserer Unterkunft befand.

Deftiges Backwerk

Dort entschieden sich fast alle für eine Kombination aus süßen Hörnchen und deftiger Blechpizza. Bei Pizza (2,50 € pro Stück) war ich ebenfalls dabei, doch darüber hinaus lächelte mich auch eine Lasagne mit Schinken und Spinat in der Warmtheke an. Eine Portion davon kostete 4,50 €, während für den obligatorischen Cappuccino 1,60 € fällig wurden.

Heftiges Bauwerk

Nach dem Frühstück suchten wir die gute 15 Fußminuten entfernte Metrostation Bignami auf. Die ist Endpunkt der Linie M5, deren anderer Endpunkt wiederum auf den schönen Namen San Siro Stadio hört. Dementsprechend konnten wir für 2,20 € pro Ticket in einem Stück zum 1926 eröffneten und zuletzt grundlegend für die WM 1990 modernisierten Stadio Giuseppe Meazza durchrauschen.

Das, was der Aufkleber sagt!

Wir erreichten das größte Stadion Italiens – aktuell für 75.817 Besucher zugelassen – gegen 10:45 Uhr und standen einmal mehr staunend vor diesem Fußballtempel. Bis Max plötzlich zu fluchen anfing. Denn er hatte bemerkt, dass sein u. a. mit der Geldbörse gefüllter Pusher Bag weg war. Zum Glück war er sich sehr sicher, dass er die kleine Umhängetasche nicht in der Metro, sondern im Café hat liegen lassen. So war es nach kurzem Telefonat erfreulicherweise auch wirklich. Allerdings mussten wir nun bis zum Anpfiff auf seine Gesellschaft verzichten, da er für den Stadioneinlass zwingend seinen im Portemonnaie befindlichen Personalausweis benötigte.

Alpenausblick

Dafür trafen wir alsbald Vito und Lena, die ebenfalls gerade Urlaub in Italien machten und unweit des Stadions vor der Bar e Caffetteria Derby etwas Sonne tankten. Nach ein wenig Plausch und dem ersten Bier des Tages ging es dann auf 12 Uhr ins Stadion. Dort verabschiedeten sich Vito und Lena in die Curva Sud, wohingegen unsere kleine Reisegruppe Tickets à 19 € für den dritten Rang der Westtribüne inne hatte.

Die markanten Spiralaufgänge zum dritten Rang

Zu den Klängen von „Sarà perché ti amo“ spurtete dann Max einen der spiralförmigen Türme zum dritten Rang hinauf und war pünktlich zum Anpfiff um 12:30 Uhr auf seinem Platz. Damit war nun wirklich fast jeder Sitz im Stadion belegt, wenngleich unter den 74.618 Zuschauern leider so gut wie keine Tifosi von Hellas zu erspähen waren. Denn das Comitato di Analisi per la Sicurezza delle Manifestazioni Sportive (Analysekomitee für die Sicherheit von Sportveranstaltungen) hatte den Verkauf von Tickets an Bewohner der Provincia di Verona untersagt und entsprechend ging der für Gästefans vorgesehene dritte Rang der Curva Nord ebenfalls für Anhänger der AC Milan in den Verkauf.

Einer der wenigen Gästefans im Stadion

Auch beim Blick in die Curva Sud kamen wir leider unweigerlich auf repressive Maßnahmen zu sprechen. Denn dort kämpft man immer noch mit den Folgen eines Schlags der Staatsgewalt gegen führende Köpfe der Kurven von Inter und AC. Im Vorjahr hatte die Polizei nämlich Razzien und Festnahmen wegen Verstrickungen beider Fanszenen in die organisierte Kriminalität durchgeführt. Im anhängigen großen Gerichtsverfahren Doppia Curva wurden bisher 16 Ultras beider Clubs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Curva Sud

Die AC Milan flankierte die Exekutive unterdessen mit Stadionverboten gegen etliche Ultras und untersagte zahlreiche Banner und Gruppensymbole im Stadion (u. a. Curva Sud Milano, Vecchia Maniera, Estremi Rimedi und Ultras 1976). Als Konsequenz tritt die Szene seit über einem Jahr nur als schwarzer Block auf und verzichtet generell auf Zaunfahnen, Schwenkfahnen, Schals oder andere Tifomaterialien. Lediglich den zwischenzeitlichen Stimmungsboykott hat man mittlerweile beendet und singt wieder lautstark für seine Ideale und Farben.

Das Fenster zur Stadt

Immerhin sportlich erleben die Fans bei Milan mittlerweile wieder bessere Zeiten. Denn nachdem die Vorsaison auf einem enttäuschenden 8. Platz endete und somit die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb verpasst wurde, logiert man aktuell mit 32 Punkten auf Rang 2 (ein Punkt Rückstand auf Tabellenführer Inter). Der heutige Herausforderer Hellas hat hingegen erst zwölf Punkte auf dem Konto und steht damit aktuell als Achtzehnter in der Abstiegszone. Sie haben allerdings zuletzt zwei Siege am Stück eingefahren und sich somit wieder ans rettende Ufer herangearbeitet. Heute ein Überraschungserfolg und die Gialloblù würden zum Jahreswechsel sogar über dem Strich stehen.

Milans teuflisches Maskottchen Milanello

Der 1903 gegründete Hellas Verona FC war dennoch krasser Außenseiter und hat in seiner langen Historie nebenbei noch nie im Stadio Giuseppe Meazza gewinnen können. Weder gegen Milan, noch gegen Inter konnte man bei bisher insgesamt 75 Versuchen mehr als einen Punkt aus San Siro entführen. Selbst in ihrer Meistersaison 1984/85 mussten die Veronesi sich mit zwei torlosen Remis in Milano begnügen. Aber ich bin mir sicher, dass die Schützlinge von Trainer Paolo Zanetti auch heute mit einem 0:0 vollends zufrieden gewesen wären.

Die Curva Nord

Entsprechend wurde seitens Gialloblù mächtig gemauert und der neunzehnfache italienische Meister (zuletzt 2022) tat sich im ersten Durchgang sehr schwer mit dem Knacken des Abwehrriegels der Gäste. Erst in der Nachspielzeit führte ein von Altstar Luka Modrić ausgeführter Eckstoß zum Durchbruch. Diesen konnte Christian Pulisic aus kurzer Distanz zum viel umjubelten 1:0 verwerten (45.+1).

Der Torschütze freut sich

Nach einem Halbzeitbier – leider wie schon am Vortag das us-amerikanische Bud (0,4 l für 6 €) – sahen wir dann eine optimale Rückkehr der Rossoneri auf dem Rasen. So kam Nkunku kurz nach Wiederanpfiff im Strafraum der Gäste zu Fall und der Unparteiische zeigte auf den Punkt. Von jenem erzielte der Gefoulte sicher das 2:0, was zugleich den ersten Treffer des Sommerneuzugangs vom Chelsea FC in der Serie A markierte (48.).

Nkunku trifft vom Punkt

Das Erfolgserlebnis vor heimischer Kulisse schien Nkunku beflügelt zu haben. so staubte der französische Offensivmann wenig später nach einem Pfostentreffer von Modrić zum 3:0 ab (53.). Mit so einem komfortablen Vorsprung sollte natürlich nichts mehr anbrennen. Ein paar Gelegenheiten zur Aufbesserung des Torverhältnisses bekam die am 16. Dezember 1899 gegründete Associazione Calcio Milan zwar noch, aber so richtig legten sie es nicht mehr auf weitere Treffer an.

Am Ende bekam der schwarze Block sogar noch eine Kontrastfarbe

Folgerichtig blieb das 3:0 auch der Endstand, mit dem sich Milan immerhin für die nächsten Stunden die Tabellenführung sicherte. Ob daraus auch mindestens eine Woche werden kann, hing von Inters abendlichem Abschneiden bei Atalanta ab. Milan scheint diese Saison aber wenigstens wieder ein echtes Spitzenteam zu sein, welches um den Scudetto ein Wörtchen mitreden kann. Und wenn die sich jetzt auch noch mit Niclas Füllkrug verstärken…

Der Tempel hat sich geleert

Während die Milanisti nach dem Schlusspfiff ihre siegreiche Mannschaft beklatschten, klatschten Max, Kaja und Jan meine Hand erst einmal zur Verabschiedung ab. Denn diese Fußballwahnsinnigen brachen doch tatsächlich umgehend nach Bologna auf, um heute bei der Partie Bologna FC – US Sassuolo (18 Uhr) noch fix das Stadio Renato Dall’Ara von der Bucket List zu bekommen. Da ich meine Pflichtschuld bei diesem Ground bereits beglichen hatte (siehe Bologna 03/2025), mussten sie die Kosten und Mühen ohne mich auf sich nehmen. Denn auch wenn das Dall’Ara ein wahres Prachtwerk ist, war mir das für einen Revisit zu viel Aufwand.

Panino con salamella

Stattdessen wollte ich mir in Milano endlich mal das Castello Sforzesco von innen angucken. Aber bevor ich dahin aufbrach, verblieb ich noch eine ganze Weile im sich rasch leerenden Stadio Giuseppe Meazza. Da das Frühstück mittlerweile schon wieder sechs Stunden her war, folgte vor den Stadiontoren außerdem noch ein kleiner Imbiss an einem der zahlreichen Food Trucks. Ich investierte dort 8 € für ein Panino mit Salamella, Zwiebeln, Pilzen und Paprika.

Statue des Heiligen Johannes Nepomuk im Castello Sforzesco

Nachdem der Snack verputzt war, ging es per Tram zum bereits vielfach von außen begutachteten Castello Sforzesco. Jenes Kastell wurde im 14. Jahrhundert nach römischem Vorbild von der damals in Milano herrschenden Adelsfamilie Visconti errichtet. Nachdem das Ducato di Milano (Herzogtum Mailand) 1447 an Francesco Sforza gefallen war, ließen er und seine Erben die Festung unter Mitwirkung von u. a. Filarete, Bramante und da Vinci zur herzoglichen Residenz ausbauen.

Das Wappen des Ducato di Milano teilen sich die Biscione* der Visconti und der deutsche Reichsadler

Trotz des Einzugs höfischen Lebens behielt das Castello weiterhin seine militärische Funktion und wurde im 17. Jahrhundert sogar zu einer der größten Zitadellen der Welt erweitert. Heute sind die Innenhöfe der Anlage hingegen eine frei zugängliche Touristenattraktion, während die Innenräume mittlerweile museal genutzt werden. So findet man im Castello Sforzesco das Museo d’Arte Antica (Museum der Alten Kunst), das Museo degli Strumenti Musicali (Museum der Musikinstrumente), das Museo delle Arti Decorative (Museum der dekorativen Künste), das Museo del Mobile (Möbelmuseum) und die frühgeschichtlichen und altägyptischen Sammlungen des Museo Archeologico (Archäologisches Museum). Ferner gibt es eine große Pinakothek und einen Extrabereich für die Pietà Rondanini (Michelangelos letzte Skulptur).

Grabmal des Bernabò Visconti (14. Jahrhundert) im Museo d’Arte Antica

Ich löste gegen 16:00 Uhr ein Kombiticket für 5 €, mit welchem man theoretisch alle Sammlungen besuchen kann. Da 90 Minuten später jedoch bereits alle Pforten geschlossen werden sollten, beschränkte ich mich auf zwei Ausstellungen und begann mit dem Museo d’Arte Antica. Hier erwarteten mich bildende Kunst von der Antike bis in die Renaissance. Außerdem ist eine große Sammlung von zuvorderst mittelalterlichen Waffen und Rüstungen Teil dieses Museums.

Das Gonfalone di Milano (Banner von Mailand), welches St. Ambrosius** zum Motiv hat (16. Jahrhundert)

Als Zweites widmete ich mich der Pinakothek. Dort hängen in insgesamt sieben Austellungsräumen über 200 Gemälde, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert gemalt wurden. Der erste Schwerpunkt liegt dabei auf lombardischen Werken der frühen Renaissance wie Andrea Mantegnas Altargemälde Pala Trivulzio (1497). Im zweiten Teil der Sammlung folgen indes Werke von großen Künstlern aus ganz Italien wie Tintoretto, Canaletto, Correggio und Bellini. 

Das Altargemälde Pala Trivulzio (1497)

Nachdem man mich um 17:30 Uhr aus der Pinakothek gescheucht hatte, genoss ich draußen noch wenig den Anblick des Castello Sforzesco zur blauen Stunde. Weitere Genussmomente des Abends sollten indes kulinarischer Natur sein und demgemäß ging es bald in eines nahes Pastalokal namens Miscusi.

Das Castello zur Blauen Stunde (in der Mitte der von Filarete geschaffene Hauptturm)

Miscusi ist eine kleine Kette mit aktuell 15 Standorten in Milano und Umgebung, die auf das Konzept Mix & Match setzt. Man sucht sich dort einfach aus diversen Nudelsorten und Saucen seine Wunschkombination aus. Ich entschied mich allerdings für das anlässlich der kommenden Olympischen Winterspiele vorkonfektionierte Aktionsgericht Milano Cortina. Bei diesem teilten sich Gnocchi, Cavolo nero (Schwarzkohl), Pilze, Nusssplitter und eine Crema di parmigiano den Teller.

Das Bruschetta-Trio

Außerdem gab es vorweg noch Bruschetta, die in Sachen Belag von den drei Pastasaucen Carbonara, Amatriciana und Cacio e pepe inspiriert waren. Und eine Karaffe Wasser durfte natürlich auch nicht fehlen. Kostete alles zusammen 21 € und nachdem die bezahlt waren, ging es per Metro zurück nach Sesto San Giovanni, wo der Abend der PDC World Darts Championship gehörte. Denn auch wenn es diesen Dezember leider nicht wie in den Vorjahren in den Ally Pally ging, verfolgte ich die meisten Sessions der WM natürlich gern am Bildschirm.

Mein winterlicher Gnocchischmaus

Am Montag machte ich mich dann bereits morgens abreisebereit. Allerdings ging es nach dem Check-out um 10 Uhr nochmal gemeinsam mit meinen in der Nacht nach Sesto San Giovanni zurückgekehrten Freunden frühstücken. Wir suchten abermals die benachbarte Boulangerie auf, wo es meinerseits heute eine Tasse Cappuccino, ein Stück Würstelpizza und eine Vollkornteigtasche mit Spinat-Mozzarella-Füllung wurden (alles zusammen 7 €).

Montagmorgenmahlzeit

Nach dem Frühstück musste ich mich leider von Max, Kaja und Jan verabschieden. Denn da ich an Neujahr und am 3. Januar zwei sehr schöne Veranstaltungen in der Heimat hatte, sollte ich den Jahreswechsel nicht wie sie in Italien erleben. Zwar ärgerte ich mich aufgrund des guten Wetters jetzt doch, dass ich nicht wenigsten noch ein, zwei Tage dran gehängt habe. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Das Stammhaus von Campari in Sesto San Giovanni

11:43 Uhr war Abfahrt und heute klappte alles reibungslos. So kam ich planmäßig um 21:35 Uhr wieder in Hildesheim an. Das am 2. Januar am Stiefel eingeläutete Reisejahr 2025 (siehe Roma 01/2025) hatte am 29. Dezember also auch einen italienischen Schlussgong bekommen. Die vielen tollen Trips dieses Jahres rekapitulierte ich in den nächsten Tagen nochmal in Ruhe und feilte zugleich an den Reiseplanungen für 2026. Auch im kommenden Jahr werde ich sicher viel in der Weltgeschichte unterwegs sein und ich freue mich bereits auf die erste Auslandsmission im Januar. Spoiler: Diesmal allerdings nicht nach Italien.

Song of the Tour: Ein Künstler aus Milano singt eine Hymne auf die Freundschaft

*Die Biscione ist ein blauer Schlangendrache, der einen Menschen verschlingt. Sie ist das Wappen der Familie Visconti und bis heute sehr präsent in Milano. So wird sie u. a. vom Fußballclub Inter und vom Automobilhersteller Alfa Romeo verwendet.

**Ambrosius wurde am 7. Dezember 374 zum Bischof der Dioecesis Mediolanensis (Bistum Mailand) gewählt. Im damaligen Konflikt mit den arianischen Christen setzte er sich vehement für die Dreifaltigkeit und somit die heute gültige christliche Lehre ein. Er hinterließ dabei eine umfangreiche Sammlung von theologischen Schriften und führte übrigens den heute so selbstverständlichen Gesang in die Liturgie ein. Ferner taufte er im Jahre 387 mit Augustinus von Hippo einen weiteren großen Kirchenlehrer der Spätantike. Schon zu Lebzeiten wurde Ambrosius wie ein Heiliger verehrt und nach seinem Tod wurde er zum Schutzheiligen der Stadt Milano erklärt.