- 26.10.2025
- Torino FC – Genoa CFC 2:1
- Serie A (I)
- Stadio Olimpico Grande Torino (Att: 23.635)
Durch das abermalige hannoversche Erstrundenaus (siehe Cottbus 08/2025) war Mitte August bereits klar, dass ich mir meine Urlaubswoche Ende Oktober nicht für eine DFB-Pokal-Tour mit 96 freihalten muss. Stattdessen rückte Italien in meinen Fokus, wo vom 28. bis 30. Oktober in der Serie A eine englische Woche angesetzt war. Für jene Reisepläne konnte ich außerdem meine Freunde Johnny und Gianluca begeistern, so dass wir uns zu dritt auf eine Reise an den Golfo di Genova (Golf von Genua) einigten.

Los ging’s am 25. Oktober um 7:21 Uhr am Hildesheimer Hauptbahnhof. Denn wir hatten uns für eine Zugreise entschieden, die dank des altbekannten Chiasso-Kniffs* pro Person und Relation lediglich 75,76 € kostete (57,76 € gingen an die DB und 18 € an Trenitalia). Wir rollten pünktlich los, bekamen aber dennoch bald die Zugbindung aufgehoben. Denn in Hessen hatte sich etwas Verspätung angesammelt, die zwischenzeitlich größer als unsere acht Minuten Umstiegszeit in Mannheim war. Am Ende wurde es aber doch eine Punktlandung, auf die wir im nächsten ICE gleich mal mit drei Starnberger Hell aus dem Bordbistro anstießen.

Der zweite ICE des Tages erreichte seinen Endbahnhof Basel SBB auf die Minute genau, so dass uns dort eine Viertelstunde für den Umstieg in den IC nach Lugano (Lauis) blieb. Perfekt, um uns mit ausreichend Quöllfrisch für die folgende Durchquerung der Schweiz einzudecken. Entsprechend heiter ging es durch die Alpenrepublik und dank der reibungslosen Abläufe war der eingeplante Zeitpuffer am Grenzbahnhof Chiasso (Pias) obsolet geworden. Somit rauschten wir gleich weiter nach Milano (Mailand) und erreichten die norditalienische Metropole gegen 17:30 Uhr.

Bis zur Weiterfahrt nach Genova (Genua) hatten wir nun üppige 2,5 Stunden Zeit und wollten die gern für ein Abendessen in der Markthalle des Hauptbahnhofs nutzen. Weil heute Weltpastatag war, steuerten wir in jenem Mercato Centrale sogleich den Stand der Nudelspezialisten von der Famiglia Michelis an. Johnny bestellte sich die Rigatoni alla carbonara (13 €), Gianluca wählte die Fettucine ai porcini (14 €) und meiner einer entschied sich für die Pappardelle al ragu bianco di cervo (16 €). Begleitend orderte ich für uns außerdem dreimal 40 cl Baffo d’oro à 6 € aus dem Hause Birra Moretti.

Da die Pasta für alle die erste feste Nahrung seit zehn Stunden war, gingen wir anschließend noch rüber zur Pizzeria der Markthalle. Meine Freunde teilten sich dort eine Diavola (13 €) mit Tomaten, Fior di latte, Salame spianata und Oliven, während ich noch genug Platz im Magen für eine ganze Capitelli (15 €) mit Fior di latte, Stracciatella, Pancetta cotta und karamellisierten Zwiebeln hatte. Außerdem musste natürlich auch eine zweite Runde Baffo d’oro her, die wieder mit 18 € zu Buche schlug.

20:05 Uhr ging’s dann per InterCity weiter zu unserem Zielort. Den erreichten wir nach exakt 100 Minuten und nur wenige Wimpernschläge später konnten wir bereits den Türcode unseres Apartments eintippen. Denn ich hatte uns nur 300 m entfernt vom Bahnhof in der Via Balbi einquartiert. Dort hatten wir im Hinterhaus von einem stattlichen Altbau eine für fünf Nächte 600 € teure Bude mit u. a. drei Schlafkammern, zwei Badezimmern und einer netten Terrasse im Innenhof. Auf der tranken wir noch eine Runde Birra Moretti, ehe es gegen 23 Uhr ins Bett ging.

Am Sonntagmorgen stiegen wir zwar bereits um 7 Uhr aus den Federn, aber dank der heutigen Zeitumstellung waren das dennoch stolze neun Stunden Nachtruhe. Wenig später saßen wir auch schon wieder in einem Zug, da es um 8:27 Uhr für 14,90 € pro Nase auf dem Schienenweg nach Torino (Turin) ging. Denn anders als in unserem Urlaubsdomizil, sollte heute am Fuße der Alpen der Ball rollen. Bereits um 12:30 Uhr empfing der Torino Football Club passenderweise den Cricket and Football Club aus Genova. Ergo teilten wir uns den Zug mit vielen Auswärtsfahrern.

Nach 125 Minuten Fahrzeit erreichten wir Torino, womit uns noch knapp zwei Stunden bis zum Anpfiff blieben. Da drängte sich um diese Tageszeit natürlich ein Frühstück auf. Entsprechend spazierten wir erstmal in die bahnhofsnahe Pasticceria Uva, wo ein Cappuccino 1,70 € kostete, Törtchen für 3,30 € zu bekommen waren und kleine Pizzastücke mit 2,50 € zu Buche schlugen. In jeden Fall fand jeder was Passendes in den Auslagen.

Gegen 11:45 Uhr ging’s dann per Tram zum ca. 3,5 km entfernten Stadio Olimpico Grande Torino. Dieses aktuell 27.958 Zuschauer fassende Stadion wurde 1933 als Stadio Municipale Benito Mussolini eröffnet, bekam 1945 wenig überraschend einen neuen Namen (Stadio Comunale) und war sowohl für Juventus (ab 1934), als auch den früher als AC Torino firmierenden FC (ab 1963) jahrzehntelang die angestammte Heimat. Bis beide ins zur WM 1990 für bis zu 69.000 Zuschauer errichtete Stadio delle Alpi an den Stadtrand umzogen.

Doch mit der weitläufigen und überdimensionierten Betonschlüssel wurde keiner der beiden Clubs glücklich. Anfang des 21. Jahrhunderts reiften daher bei Juve die Pläne für den Bau einer modernen Fußballarena, während Torino eine Dimension kleiner dachte und gerne wieder ins Comunale zurückkehren wollte. Da war es eine glückliche Fügung, dass die Stadt den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2006 bekam und im Zuge dessen das Comunale grundlegend modernisiert wurde. Im Anschluss an die Spiele kehrten beide Lokalrivalen dann gern zurück an die alte Wirkungsstätte. Für Torino eine adäquate Dauerlösung, wohingegen Juve unterdessen das Stadio delle Alpi abreißen ließ und somit auf dessen Grund zwischen 2008 und 2011 das Juventus Stadium entstehen konnte.

Dementsprechend ist der Torino FC seit der Saison 2011/12 alleiniger Pächter des weiterhin im kommunalen Eigentum befindlichen Stadions und 2016 folgte eine Umbenennung in Stadio Olimpico Grande Torino. Das wiederum ehrt die erfolgreiche AC-Mannschaft der 1940er Jahre, die zwischen 1943 und 1949 stolze fünf Meistertitel in Folge** gewann und schon von Zeitgenossen ehrfürchtig Il Grande Torino getauft wurde. Leider endete die Ära dieser Erfolgsmannschaft am 4. Mai 1949 auf tragische Weise. Bis auf einen verletzten Spieler, befand sich der komplette Kader an jenem Tag auf dem Rückflug von einem Freundschaftsspiel gegen Benfica. Doch im Landeanflug auf Torino verunglückte die Maschine in dichtem Nebel unweit der Basilica di Superga auf dem gleichnamigen Hügel. Dabei kamen bedauerlicherweise alle Insassen des Flugzeugs ums Leben.

Eingerahmt werden die fünf Scudetti aus den 1940er Jahren übrigens von der ersten Meisterschaft 1928 und dem vorerst letzten Meistertitel im Jahre 1976. Il Toro (der Stier) durfte ferner fünf Pokalsiege feiern (zuletzt 1993). Bekanntermaßen hat der schwarz-weiße Nachbarclub einiges mehr in der Vitrine stehen und vor allem in den letzten 50 Jahren extrem viele nationale und internationale Trophäen gewonnen. Aber nichtsdestotrotz gilt der granatrote FC bis heute als liebstes Kind der Stadtbevölkerung, wohingegen Juventus aufgrund der unzähligen Titel in ganz Italien und weit über die Landesgrenzen hinaus eine riesige Anhängerschaft vorweisen kann.

Die Tifosi des Torino FC können außerdem sehr stolz auf die Geschichte ihrer Fankurve zurückblicken. Der Club war seit seiner Gründung im Jahr 1906 der Favorit der Arbeiterklasse und es soll bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert laut und leidenschaftlich auf den Rängen der damaligen Heimstätte Stadio Filadelfia zugegangen sein. Dieses Stadion stand übrigens im Arbeiterbezirk Lingotto, wo sich von 1923 bis 1982 auch das Hauptwerk von Fiat befand. Der Großteil der schraubenden Belegschaft fieberte seinerzeit mit der AC Torino, wohingegen die Chefetage des Automobilkonzerns seit jeher den vornehmeren Juventus FC unterstützt.

Einen besonderen Platz in der Historie der Fanszene nimmt das Jahr 1951 ein. Damals gründete sich mit den Fedelissimi Granata auf den Rängen des Stadio Filadelfia die erste organisierte Fangruppe Italiens. Die Fedelissimi (die Treuesten) unterstützten ihre Lieblingsmannschaft fortan nicht mehr nur mit vereinzelten Schlachtrufen und Szenenapplaus, sondern sorgten mit melodischen Fangesängen, Klatscheinlagen und Trommeln für eine neuartige Stimmung. Als Italien schließlich Ende der 1960er Jahre von großen sozialen und politischen Protesten erfasst wurde, war Torino eines der Zentren dieser Bewegung. Damit einhergehend politisierte sich die zweite Generation der Fedelissimi stark und überführte auf den Protestmärschen genutzte Elemente wie Banner, Doppelhalter, Megafone und auch Feuerwerkskörper in die Fankurve.

Die jungen Wilden nannten sich zur Abgrenzung von den gemäßigten Älteren ab ungefähr 1969 zunächst Commandos Fedelissimi und nutzten neben Commandos auch andere politisch inspirierte Kampfnamen wie Tupamaros oder Fedayn. Bis schließlich der 28. Februar 1971 zu einem unerwarteten Schlüsselmoment der Gruppe, respektive der gesamten italienischen Fankultur werden sollte. An diesem Tag ging ein Heimspiel der AC gegen Vicenza durch zwei fragwürdige Strafstoßentscheidungen in den letzten fünf Spielminuten mit 2:3 verloren. Nach Abpfiff wartete ein wütender Mob Tifosi vor dem Stadion auf Schiedsrichter Lo Bello und verfolgte den Mann letztlich bis zum Flughafen. Für diese Jagdszenen fehlten der Lokalzeitung Stampa Sera am nächsten Tag beinahe die Worte. Der Redakteur schrieb daher erstmals von Ultras, was das Verhalten der Fans gemäß der Wortbedeutung als zu extrem, bzw. jenseits des Vertretbaren einordnen sollte. Rasch etablierte sich der schmissige Begriff als Selbstbezeichnung der in der Tat extremen Fans und ab 1973 firmierte die neue Generation der Kurve offiziell als Ultras Granata ’69.

Die Ultras Granata haben seitdem mehrere Generationswechsel überstanden und sind bis heute die führende Gruppe in der hiesigen Fankurve Curva Maratona. Nichtsdestotrotz gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer mal neue Zusammenschlüsse, die sich den UG nicht unterordnen wollten. Daher hat sich in der gegenüberliegenden Curva Primavera ebenfalls ein kleiner Fanblock etabliert. Aktuell geben dort die 2015 gegründeten Torino Hooligans den Ton an, die in der Vergangenheit mehrmals auch körperlich mit den Ultras Granata aneinandergeraten waren. Durch diese internen Kämpfe, sowie weitere Zusammenstöße mit der Polizei und gegnerischen Fans, gerieten die Torino Hooligans allerdings verstärkt ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. 2019 hagelte es 75 Stadionverbote, was quasi die komplette Gruppe für fünf Jahre aus dem Verkehr zog. Doch die Torino Hooligans zerbrachen daran nicht und sind seit September 2024 wieder präsent in der Curva Primavera.

Wir hatten heute 25 € teure Tickets links neben den Hooligans und bekamen sogleich per Handzettel mitgeteilt, dass die Gruppe sich auch nach ihrer Rückkehr massiver Repression ausgesetzt sieht. Mit den Ultras Granata herrscht hingegen mittlerweile eine Art Burgfrieden. So verbindet die Kurven neben der Liebe zum granatroten Trikot auch die Abneigung gegenüber Urbano Cairo. Jener Mann ist seit 2005 Clubeigentümer, doch in den vergangenen zwei Dekaden kam dabei wenig Erbauliches zustande. Daher gab es bereits mehrere Fandemos gegen Cairo und im Stadion wird bei jedem Spiel mit Bannern und Sprechchören sein Abgang gefordert.

Überhaupt nicht feindselig war hingegen die Stimmung gegenüber den Gästefans. Seit Jahrzehnten fühlen sich die Anhänger des Torino FC mit denen des Genoa CFC freundschaftlich verbunden. So durften die Genovesi ohne Auflagen anreisen und füllten mehr als nur den etatmäßigen Gästesektor. Auch die angrenzenden Blöcke auf der Gegengerade waren noch fest in der Hand der Rossoblù (Rotblauen), so dass sich insgesamt rund 3.000 ligurische Schlachtenbummler unter die 23.635 Zuschauer gemischt haben dürften. Über die Fanszene des 1893 gegründeten Cricket and Football Club gäbe es natürlich ebenfalls viel zu erzählen. Aber wir sehen kommende Woche auch noch ein Heimspiel der Mannschaft mit dem Grifone (Greif) auf der Brust. Im entsprechenden Bericht werde ich der Kurve sicher etwas Raum geben.

Als der Ball nun rollte, unterstützten die zwei Fanlager ihre jeweilige Mannschaft erfreulicherweise sehr lautstark und hofften gleichermaßen auf wichtige drei Punkte. Denn der mit nur acht Zählern aus den ersten sieben Spielen mäßig in die Saison gestartete Torino FC wollte sich gerne etwas von den Abstiegsrängen absetzen. Genoa wiederum ging nach vier Niederlagen und drei Punkteteilungen als Vorletzter in diesen 8. Spieltag. Der erste Saisonsieg musste dringend her und bestenfalls stünde man mit drei Punkten mehr erstmal wieder über dem Strich.

Entsprechend enthusiastisch fiel der Torjubel im Gästesektor aus, als Morten Thorsby die Farben Rot und Blau bereits in der 7. Spielminute in Führung schoss. Mit der ersten Runde Birra Moretti in der Hand sahen wir anschließend wie die Torinesi auf dem Platz eine Antwort geben wollten, aber keine fanden. Demgemäß stand es immer noch 0:1, als unsererseits kurz vor dem Pausenpfiff weitere drei Biere à 6 € (50 cl) erworben wurden.

Sehr zum Ärger von Gianluca – der auf eine Halbzeitführung von Torino gewettet hatte (Quote 3.60) – nahmen die Genovesi die knappe Führung mit in die Kabine. Und auch Johnny war mit dem Spielstand unzufrieden, da er auf einen Heimsieg, sowie insgesamt über 1,5 Tore in dieser Partie gewettet hatte (Quote 3.35). Aber sein Schein lebte wenigstens noch und in den zweiten 45 Minuten würden wir vielleicht ein anderes Spiel der Granata sehen.

Zwar taten sich die Torinesi nach Wiederanpfiff zunächst weiterhin schwer, aber in der 63. Minute bekamen Johnny und sie unfreiwillige Unterstützung von Stefano Sabelli. Jener Verteidiger des CFC lenkte eine Flanke unglücklich ins eigene Tor. Mit einer dritten Runde Bier hofften wir nun auf eine packende Schlussphase. In dieser gierte der Stier tatsächlich nach mehr, aber der Greif wollte sich wenigstens an dem einen Punkt festkrallen. Als das Remis beinahe schon spruchreif war, sorgte Guillermo Maripán schließlich für spätes granatrotes Glück. Sein sehenswertes Volleytor in der 90. Minute ließ das Stadion nochmal beben und Johnny Power stimmte freudig in die Jubelchöre ein. Denn wenige Minuten später waren aus 10 € Einsatz nach Abzug der Anbietergebühren immerhin 31,72 € geworden.

Nach dem Spiel sollte es natürlich wieder per Tram ins Stadtzentrum gehen. Allerdings stoppten wir unterwegs nochmal für einen kleinen Imbiss in einem Café an der Haltestelle Vinzaglio. Im Caffè Corner gab es für jeden eine deftige Kleinigkeit – meinerseits ein 3,50 € teures Stück Blechpizza mit Salame piccante – und ein Fläschen Wasser (1,50 €).

Anschließend wären wir gerne nach Superga gefahren, wo neben der dortigen Basilika natürlich auch die Gedenkstätte für die verunglückte Fußballmannschaft einen Besuch wert gewesen wäre. Allerdings drohte das mit Öffis eine halbe Weltreise zu werden, die den gesamten Restnachmittag gefüllt hätte. Daher votierten wir bei unserem Erstbesuch in Torino doch lieber für einen Streifzug durch die Kernstadt.

Einen ersten Überblick wollten wir uns vom Monte dei Cappuccini (325 m ü. NN) verschaffen. Dazu mussten wir die Innenstadt einmal per Bus bis zum Ufer des Po durchqueren und nach der Überschreitung des Flusses ein paar Höhenmeter machen. Aber die lohnten sich sehr. Wir hatten von dem mit einem Kapzinerkloster aus der Renaissance (16. Jahrhundert) gekrönten Hügel ein fantastisches Panorama. Die gesamte Stadt war zu überblicken und am Horizont grüßten die Gipfel der Alpen.

Besonders auffällig im Stadtbild war natürlich die 167,5 m hohe Mole Antonelliana. Ihr kennt das markante Gebäude, welches nach Plänen des Architekten Alessandro Antonelli zwischen 1863 und 1889 errichtet wurde, wahrscheinlich von den italienischen Zwei-Cent-Münzen. Die Mole war urspünglich als Synagoge geplant, aber der jüdischen Gemeinde von Torino ging während der Bauzeit das Geld aus. Die Stadt sprang ein und anstatt eine Synagoge wurde das Gebäude nun ein Museum über das Risorgimento***. Heute wiederum beherbergt die Mole das stets gut besuchte Museo Nazionale del Cinema (Italiens bedeutendstes Filmmuseum) und der dortige Fahrstuhl zur Aussichtsterrasse in 85 m Höhe ist ebenfalls immer gut ausgelastet.

Die Mole Antonelliana wollten wir uns natürlich gerne auch aus der Nähe angucken, doch am Fuße des Monte dei Cappuccini lockte erst einmal die Granbar Torino zur nächsten Pause. Drei Stella Artois vom Fass à 7 € wurden zusammen mit einen paar Knabbereien gereicht und als die Gläser sich langsam wieder leerten, bemerkten wir die Kehrseite der heutigen Zeitumstellung. Es war just 17 Uhr durch und die Sonne bereits im Inbegriff unterzugehen.

Aber gut, einen kulturhistorischen Stadtspaziergang hatte ich heute eh nicht auf der Agenda. Irgendwann muss ich eh nochmal zur Komplettierung der Serie A zu Juventus und kann mich dann den römischen Siedlungsspuren, dem Sindone di Torino (Turiner Grabtuch) oder den prächtigen Schlössern des Hauses Savoyen widmen. An diesem Abend musste dagegen ein erster Orientierungsspaziergang genügen.




Zur Blauen Stunde machte Torino dabei schon mal eine ziemlich gute Figur und wir nahmen binnen 96 Minuten nahezu alle bedeutenden Sehenswürdigkeit zumindest von außen in Augenschein. Ferner konnten wir wenigstens ein Gebäude im historischen Stadtkern auch noch von innen besichtigten. Es handelte sich um ein schickes Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich im Erdgeschoss ein Pub namens McGuillycuddy’s eingerichtet hat.

Als dort zwei extra für diesen Pub gebraute McGuillycuddy’s American Pale Ale und ein Murphy’s Irish Red (6,50 € pro Pint) über den Tresen gegangen waren, lernten wir außerdem noch etwas über die italienische Gesetzgebung. Denn kaum war das mitgeführte Skatblatt auf dem Tisch, wurde mir ein offizieller Wisch unter die Nase gehalten. Wenn ich es uns richtig übersetzt habe, ist Kartenspielen in Italiens Kneipen tatsächlich verboten.

Dadurch hatte der Pub allerdings einen wichtigen Trumpf verloren. Ohne Altenburger Amusement beließen wir es bei nur einer Runde Bier und sehnten uns gegen 19 Uhr viel lieber nach einem Abendessen. Das wiederum durfte die in Sachen heutige Rückfahrt strategisch gut gelegene Pizzeria Grattacielo servieren. Gianluca stillte seinen Hunger dort mit Costata alla griglia con patate fritte (24 €), während Johnny und ich uns für Pizza entschieden. Seinerseits mit Prosciutto crudo und Grana padano belegt (10 €) und meinerseits mit Salsiccia und Gorgonzola (9 €).

Am Ende kamen wir zusammen mit drei Bieren (diesmal Poretti anstatt Moretti), drei Fläschen Wasser, zwei Kaffee und Coperto auf 75,50 €. Nachdem die Rechnungssumme aufgerundet bezahlt war, gab es obendrein die Offerte uns auf drei Limoncello einzuladen. Da sagten wir natürlich höflich Sì, ehe es zum 500 m von der Gaststube entfernten Busbahnhof ging. An diesem stiegen wir um 21 Uhr in einen pro Person 7,98 € teuren FlixBus, der uns binnen zwei Stunden nach Genova kutschierte. Dort ließen wir auch den zweiten Abend mit Birra Moretti auf der Terrasse ausklingen und konkretisierten unsere Pläne für den Folgetag. Am dem wollten wir natürlich endlich etwas mehr von Genova sehen, aber davon könnt ihr im nächsten Bericht lesen.
*Chiasso ist der letzte Schweizer Bahnhof vor der Grenze zu Italien. Bis dorthin kann man DB-Sparpreise abgreifen. Ab Chiasso sind wiederum Sparpreise bei Trenitalia zu Zielen in Italien buchbar. Diese Kombination erlaubt oft deutlich günstigere Reisepreise als eine durchgängige Buchung von Deutschland nach Italien zu internationalen Tarifen. Aber Obacht, Fahrgastrechte kann man bei zwei separaten Buchungen natürlich nicht durchgängig in Anspruch nehmen. Daher sollte man immer etwas Puffer einplanen, um in Chiasso nicht den gebuchten Anschlusszug aufgrund einer Verspätung zu verpassen.
**Kriegsbedingt wurden 1943/44 und 1944/45 keine Meisterschaften in Italien ausgespielt.
***Das Risorgimento (zu deutsch Wiederaufleben) ist eine bedeutende Epoche der jüngeren italienischen Geschichte. Sie grenzt in etwa den Zeitraum von 1815 bis 1871 ab, als sich zunächst ein italienisches Nationalbewusstsein entwickelte und Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich die nationale Einheit Italiens angestrebt wurde. Unter Führung des Königreichs Sardinien-Piemont, dessen Residenzstadt damals übrigens Torino war, vereinigten sich nahezu alle italienischen Kleinstaaten. Zugleich wurden Befreiungskriege gegen die Habsburgermonarchie geführt, die seinerzeit weite Teile Norditaliens beherrschte. 1861 konnte schließlich das Königreich Italien ausgerufen werden, dessen erster König Vittorio Emanuele II. aus dem Hause Savoyen wurde (bis dahin König von Sardinien-Piemont). Abgeschlossen gilt das Risorgimento jedoch erst mit der Annexion des Kirchenstaats mitsamt der heutigen Hauptstadt Roma (Rom) im Jahre 1871.