Loch Lomond 07/2025

  • 08.07.2025
  • Airdrieonians FC – St Mirren FC 0:2
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  • Excelsior Stadium (Att: 689)

Nachdem der Sonntag erstmal der Stadt Glasgow gehört hatte, lockte mich am Montag das voraussichtlich konstant gute Wetter ans Loch Lomond. So ging es nach dem Frühstück um 10:13 Uhr per Zug und Bus für £ 14.85 (ca. 17 €) return von Glasgow nach Balmaha, respektive Drymen. Denn auf dem Hinweg nach Balmaha sprang ich um kurz vor 12 Uhr schon in Drymen aus dem Bus, da mir das meiner Meinung nach eine nettere Route auf den Conic Hill ermöglichte.

Der erste Blick zum Conic Hill

Ab Drymen konnte ich nämlich ein schönes Stück auf dem Fernwanderweg West Highland Way wandern. Die Route führte natürlich schnell aus dem Örtchen heraus und entlang an Weidegrund ging es zu einem Waldstück namens Garadhban Forest. Das erreichte ich nach etwa zwei Kilometern und zwischen relativ jungem Baumbestand folgte ich dem West Highland Way weitere vier Kilometer.

Ausblick von meinem Pausenplatz

Dann ging der Wald in ein Moor über und ein erster Blick auf Loch Lomond eröffnete sich. Da fast Halbzeit war und ein Baumstumpf auf einer Anhöhe zu einer Rast mit herrlichem Panorama einlud, machte ich erstmal eine kurze Verschnaufpause. Das Wasser und das Studentenfutter will man schließlich nicht die ganze Wanderung mit sich rumschleppen.

Gipfel in Sicht

Anschließend führte der Weg durch das schöne Moor in eine Senke, wo ich auf meinem Wanderkilometer 7 den Bach Burn of Mar queren musste. Auf der anderen Seite stieg der Weg nun stetig zum Kamm des Conic Hill an. Genau hier lässt man die Lowlands hinter sich und die Highlands beginnen. Entsprechend ändert sich auch die Topographie. Nach Norden blickt man nun auf die ersten Berg- und Hügelketten jenes großen Hochlands. Beim Blick zurück nach Süden schaut man hingegen auf eine deutlich flachere Landschaft mit Mooren, Wäldern und Wiesen.

Die letzten Meter zum Gipfel

Witzigerweise änderte sich an diesem Punkt auch das Wetter schlagartig. Am Conic Hill peitschten heftige Winde und ich musste Jacke, Mütze und Schlauchtuch aus dem Rucksack holen. Daher lud der nach insgesamt neun Wanderkilometern erreichte Gipfel des Conic Hill (358 m ü. NN) trotz herrlicher Ausblicke nicht zum besonders langen Verweilen ein.

Der Ausblick vom Conic Hill

Nun musste ich nach Balmaha absteigen, aber auf der Hauptroute war mir zu viel Betrieb. Also ging es über grüne Hügel eine einsame Alternativroute hinunter. Laut Kartenmaterial sollte die direkt ans Ufer des Lochs führen. Allerdings landete man unten vor dem abgeschlossenen Tor einer kleinen Weide. Da das Tor am anderen Ende der Weide ebenfalls abgeschlossen war, musste ich gleich zweimal klettern, ehe meine Füße endlich im Wasser des flächenmäßig größten Sees Schottlands (ca. 71 km²) standen.

Ankunft am Loch

Der West Highland Way führte von hier weiter nach Norden, während ich mit wieder sauberen Boots in die andere Richtung nach Balmaha marschierte. Meinen Zielort erreichte ich nach insgesamt 12,6 Kilometern (und 370 Höhenmetern) um 16:05 Uhr. 26 Minuten später fuhr der nächste Bus nach Balloch, wo ich auf dem Schienenweg direkten Anschluss nach Glasgow hatte.

Wanderstiefelwaschanlage

Dort kam ich um exakt 18 Uhr an und war der Meinung, dass ich mir nach den sportlichen Spitzenleistungen des heutigen Tages ein absolut ungesundes Drei-Gänge-Menü in der Gourmetküche von J. D. Wetherspoon verdient hatte. Dazu ging es in Bahnhofsnähe in den Pub The Counting House, wo es am heutigen Montag das Angebot „Three small plates for £ 12“ gab.

The Counting House

Ich wählte ’ne kleine Pizza mit Hähnchenbrust, Salami und Schinken, sowie eine mit Chicken Shawarma beladene Portion Chips. Da ich weder zwei Pizzen, noch zwei Portionen Fritten bestellen wollte, wurde das Duo schließlich mit Chicken Filet Bites zum Trio gemacht. Ferner musste natürlich auch ein Bier her. Diesbezüglich entschied ich mich für ein preiswertes Pint Belhaven 80 Shilling und kam so auf eine Rechnungssumme von £ 13.79 (ca. 16 €).

Wetherspoonsche Tapas

Am Dienstagmorgen stand nach dem Frühstück erstmal der Check-out im Ibis Styles Glasgow Central (***) auf dem Programm. Allerdings hatte ich nicht vor Glasgow zu verlassen, sondern musste leider innerhalb der Stadt die Unterkunft wechseln. Denn mangels Zimmerverfügbarkeit konnte ich mich in keinem mir genehmen Hotel für zwei Wochen am Stück einbuchen. Für die kommenden fünf Nächte und Frühstücke war es nun das Premier Inn Pacific Quays (***) geworden, welches mir für diese Leistungen 560 € berechnete.

Letztes Frühstück im Ibis Styles Glasgow Central

Den Umzug wollte ich allerdings erst nachmittags vollziehen und ließ deshalb mein Gepäck noch im Ibis Styles aufbewahrt. Lediglich mit kleinem Wanderrucksack ging es nun abermals in die Natur. Zunächst dachte ich wieder an eine kleine Bergtour am Loch Lomond. Aber die Lust auf etwas Abwechslung obsiegte letztlich.

Startpunkt des West Highland Way in Milngavie

Es ging stattdessen per Bahn für £ 5 (ca. 5,80 €) return von Glasgow nach Milngavie. Dort ist der Startpunkt des gestern bereits ein bisschen kennengelernten West Highland Way. Dessen erste Etappe führt von Milngavie nach Drymen und schien mir mit 18,96 km und geringem Höhenprofil eine gute Ergänzung zu gestern. Zumal ich von Drymen wieder bequem per Bus nach Milngavie, respektive Glasgow zurückkehren könnte.

Der West Highland Way verläuft zunächst parallel zum Fluss Allander Water

Los ging es um 11:15 Uhr und die ersten Kilometer waren mangels größerer Anstiege schnell gemeistert. Allerdings fand ich den Beginn dieses berühmten Fernwanderwegs relativ unspektakulär und glaubte, dass sich das bis Drymen nicht mehr groß ändern wird. Da hier östlich des West Highland Way mit dem rund 260 Hektar großen Mugdock Country Park ein ebenfalls reizvolles Wandergebiet lag, überlegte ich mir eine spontane Planänderung.

Blick auf die südlichen Ausläufer der Highlands

Nach etwa sieben Kilometern bot sich eine Gelegenheit vom West Highland Way in den Country Park abzubiegen. Die nahm ich wahr und als erste interessante Landmarke erwarteten mich dort nach ungefähr drei weiteren Kilometern die Überreste von Craigend Castle. Ein einstiger Landsitz der Barone von Mugdock, der aber Mitte des 20. Jahrhunderts zur Ruine verfiel. Davor diente er übrigens zuletzt als Hauptgebäude eines kommerziell erfolglosen Zoos auf dem Gelände des Parks.

Ein Überrest von Craigend Castle

Der heutige Mugdock Country Park warübrigensseit dem Mittelalter Landbesitz des Graham Clans, deren Oberhäupter den erblichen Titel des Barons von Mugdock innehatten. Herzstück des Parks ist daher auch die Ruine ihrer im 14. Jahrhundert erbauten Stammburg Mugdock Castle. Hier lässt sich noch eine durchaus imposante mittelalterliche Burg mit Bergfried, Ringmauer und mehreren Wirtschaftsgebäuden erahnen. Sie wurde jedoch in den Bürgerkriegen des 17. Jahrhunderts stark zerstört und anschließend aufgegeben.

Die Ruine von Mugdock Castle

Da ich nun bereits 10,5 km Wegstrecke in den Beinen hatte, bot sich das kostenlos betretbare Mugdock Castle außerdem prima für eine Pause an. Danach ging es mit neuen Kräften an die letzten rund 3,5 km bis Milngavie. Auf meiner Route lagen dabei noch der kleine See Loch Mugdock und die großen Staubecken des Mugdock Reservoir (welches primär für die Wasserversorgung vom Großraum Glasgow zuständig ist). Zurück am Ausgangspunkt meiner Tour war ich um 14:44 Uhr. Ich bilanzierte 14,1 Kilometer und 160 Höhenmeter, ehe ich in den nächstbesten Zug nach Glasgow stieg.

Auch heute hatte ich einen netten Pausenplatz

Nach meiner nachmittäglichen Rückkehr musste nun erstmal das Gepäck von Hotel A zu Hotel B. Da meine neue Unterkunft sich jedoch rund 2,5 km vom Zentrum entfernt am im vorigen Bericht bereits vorgestellten Scottish Event Campus (SEC) befand, entschied ich mich für eine Busfahrt und löste aufgrund weiterer Abendplanungen gleich ein Tagesticket für £ 5.50 (ca. 6,40 €).

Meine neue Hood

Nachdem das neue Zimmer bezogen war, stand natürlich noch Fußball auf dem Programm. Ursprünglich hatte ich sogar was ganz Nettes im Visier. Denn eigentlich sollten heute die Lokalrivalen Greenock Morton und St Mirren in der Saisonvorbereitung ihr Renfrewshire Derby um den Communities Cup spielen. Nur leider konnten diesen Sommer stattfindende Dachreparaturarbeiten an Greenock Mortons schmuckem Stadion Cappielow Park nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.

Bahnhof Queen Street

Da wegen der Verlegung eines neues Rasens auch der St Mirren Park in Paisley nicht verfügbar war, aber der St Mirren FC trotzdem gerne noch einen Test vor dem ersten Pflichtspiel am kommenden Samstag absolvieren wollte, musste man sich also einen Ersatzgegner suchen. Letztlich erklärte sich der Airdrieonians FC bereit die Saints an diesem Dienstagabend zum freundschaftlichen Vergleich zu empfangen. Ich fuhr daher mit dem Bus vom Hotel zum Bahnhof Queen Street und von dort kostete eine Hin- und Rückfahrt nach Airdrie £ 6.10 (ca. 7,10 €).

Schöne Ausblicke haben sie in Airdrie ja schon

Um 18:36 Uhr erreichte ich den ca. 20 km von Glasgow entfernten Spielort und hatte dort mangels Sehenswürdigkeiten nichts außer Fußball auf der Agenda. Allerdings liegt das von rund 37.000 Menschen bewohnte Airdrie ziemlich hoch und zum rund 2.000 m vom Bahnhof entfernten Stadion musste ich einen der hiesigen Hügel überschreiten. Na ja, nennen wir es eine schöne Ergänzung zur heutigen Wanderung.

Ground in Sicht

Für £ 12 (ca. 14 €) bekam ich Zutritt zum 1998 eröffneten Excelsior Stadium, welches dem ursprünglichen Namen des Hauptnutzers Rechnung trägt. Dieser wurde nämlich 1878 als Excelsior FC gegründet, ehe er sich drei Jahre später in Airdrieonians FC umbenannte. Jener AFC war insbesondere in den 1920er Jahren eine Topadresse im schottischen Fußball und gewann 1924 im Endspiel gegen den Hibernian FC aus Edinburgh (2:0) sogar den nationalen Pokalwettbewerb. Außerdem stand man 1975, 1992 und 1995 ebenfalls im Pokalfinale, unterlag jedoch jeweils einem der beiden Branchenriesen aus Glasgow. Wobei die Niederlage 1992 dennoch zur bisher einzigen Europapokalteilnahme des AFC führte. Im Pokalsiegerwettbewerb 1992/93 bekam man allerdings nicht das Traumlos Hannover 96, sondern musste sich in der 1. Runde mit Sparta Praha messen und zog den Kürzeren.

Das 1998 eröffnete Excelsior Stadium ist mit 10.100 Sitzschalen ausgestattet

Zwei Jahre nach dem kurzem Gastspiel in Europa verkaufte man seine seit 1892 angestammte Heimat Broomfield Park leider an eine Supermarktkette und jenes wunderschöne Stadion nahe des örtlichen Bahnhofs musste einem Retail Park weichen. Bis zur Eröffnung des Excelsior Stadium spielte der AFC erstmal vier Jahre als Exilant in der Nachbarstadt Cumbernauld und irgendwie schien man seinerzeit ein paar finanzielle Fehlentscheidungen zu viel getroffen zu haben. Denn 2002 war der Airdrieonians FC zwar Vizemeister der 2. Liga geworden, aber zugleich so pleite, dass er liquidiert werden musste.

Die Gästefans aus Paisley

Noch im selben Jahr gab es eine Neugründung als Airdrie United, der wiederum die Lizenz des ebenfalls kriselnden Drittligisten Clydebank FC übernahm. Formell wurde das Ganze vom Verband als Umzug und Umbenennung des Clydebank FC abgesegnet. Aber auch wenn es rechtlich gesehen nun ein anderer Club sein mag, berief man sich bei Aidrie United weiterhin auf das Erbe des Traditionsvereins und benannte sich schließlich 2013 wieder in Airdrieonians FC um.

Seagullspotting

Aktuell kickt der AFC in der 2. Liga und beendete die Saison 2024/25 als Neunter. Dementsprechend war der erstklassige St Mirren FC, der die Scottish Premiership jüngst als Sechster abschloss, der heutige Favorit. Der insgesamt dreifache schottische Pokalsieger (1926, 1959 und 1987) wurde der Rolle auch gerecht und holte sich dank eines Doppelpacks von Mikael Mandron (15. / 57.) das nötige Selbstbewusstsein für das Ligapokalspiel beim Arbroath FC am kommenden Samstag.

Manche der heute eingesetzten Spieler hatten nicht einmal Rückennummern

Kurz nach dem zweiten Tor gab es jedoch um die 60. Minute herum bei beiden Mannschaften eine große Wechselorgie und danach standen hüben wie drüben mehrere Nachwuchs- und Probespieler auf dem Platz. Entsprechend hinfort war der bisherige Spielfluss. Aber Testspiele sind eben zum Testen da. Außerdem war der Schiedsrichter ein absoluter Ehrenmann. Er ließ weder erste, noch zweite Halbzeit auch nur eine Sekunde nachspielen. Somit war Punkt 21:15 Uhr Abpfiff und der nächste Zug nach Glasgow um 21:45 Uhr ganz gemütlich zu bekommen.

Abschied unter Flutlicht

Die Queen Street erreicht der Zug um 22:12 Uhr und eigentlich wollte ich gleich den erstbesten Bus zum Hotel nehmen. Doch an der Bushaltestelle fiel mir die Leuchtreklame von German Doner Kebab ins Auge und obendrein priesen sie auf einer Videoleinwand die World Doner Week an. Mit 50 % Rabatt auf den Standarddöner des Hauses sollte diese Drehspießfestwoche vom 7. bis 11. Juli gefeiert werden. Somit kostete der Döner aktuell nur £ 4.45 (ca. 5,20 €).

Mein Dönerdoppel bei GDK

Bei dem Preis und meinem großen Hunger durften es gleich zwei davon mit roter und weißer Sauce werden. Als sie auf dem Tablett waren, war mir allerdings auch gleich klar, dass die hiesige Dönertasche für regulär über 10 € ’ne Enttäuschung gewesen wäre. In der Heimat bekäme man zu 96 % mehr für sein Geld und geschmacklich war es nach deutschen Maßstäben auch nur Durchschnitt. Aber andererseits war mein ach so tolles Deutschland ein paar Kilometer zu weit weg für meinen heutigen Late Night Snack und im Vereinigten Königreich gehört diese Kette wahrscheinlich zu den besten Optionen für einen brauchbaren Döner. Von daher: No regrets!

Song of the Tour: Für alle Fans vom Effzeh Kölle