- 13.03.2025
- Eintracht Frankfurt – AFC Ajax 4:1
- UEFA Europa League (Round of 16)
- Waldstadion (Att: 57.500)
Während Deutschland sich gerade mit den Ideen des Merz auseinandersetzen muss, nutzte ich die Iden des März für den bereits dritten Italientrip des Jahres 2025. Doch weil auf dem Weg nach Süden ein interessantes Europapokalspiel lockte, legte ich am 13. März noch einen kleinen Zwischenstopp auf deutschem Boden ein. Die Eintracht vom Main empfing den Ajax von der Amstel und für akzeptable 47 € kam ich im Vorverkauf an eine Eintrittskarte. Fast zeitgleich mit der Buchungsbestätigung des Ticketshops landete außerdem eine Werbemail von BahnBonus in meinem Postfach. Die dort offerierten Sonderkonditionen ermöglichten mir ein kurzfristiges ICE-Schnäppchen für 13,49 €.

Am Spieltag ging es 12:55 Uhr in Hannover los und erfreulicherweise bekam ich im ICE 1683 spontan Gesellschaft von Alex. Der war heute beruflich bei Eintracht vs. Ajax und gemeinsam vergingen gute 2,5 Stunden Bahnfahrt wie im Fluge. In der Mainmetropole trennten sich unsere Wege jedoch umgehend. Alex fuhr sofort weiter zum Waldstadion, während es mich mitsamt lästigem Reisegepäck zunächst ins bahnhofsnahe Mercure Hotel Kaiserhof (****) zog. Nach Einlösung von 2.000 Bonuspunkten ließ die Accor Group mich dort heute für einen fairen Restbetrag in Höhe von 24,60 € nächtigen.

Nachdem mein Gepäck im Hotelzimmer verstaut war, ging es um 16 Uhr sogleich in ein Café um die Ecke. Im Blank! in der Elbestraße erwartete mich ein beim DFB angestellter Kumpel, der nach seinem Feierabend noch prima ein kleines Treffen mit mir einbauen konnte. Bei Kaffee und alkoholfreiem Bier plauschten wir neben Privatem natürlich auch über Fußballthemen wie die noch fehlenden Lizenzunterlagen von Hannover 96, diverse DFB-Themen und populistische Politiker und Politikerinnen.

Um 17:30 Uhr mussten wir dann beide weiter zu unserem abendlichen Terminen, was in meinem Fall eine kurze Bahnfahrt zum 1925 eröffneten und zuletzt zwischen 2002 und 2005 grundlegend modernisierten Waldstadion erforderte. An dessen Eingang traf ich wenig später fast zeitgleich mit meinem mittlerweile in Pforzheim lebenden Kumpel Matteo ein. Praktischerweise saßen wir in zwei benachbarten Blöcken, so dass wir im Umlauf vor Spielbeginn noch ein wenig plaudern konnten.

Um der Mannschaftsaufstellung, der großen Schalparade zur Eintracht-Hymne „Im Herzen von Europa“ (siehe Titelbild) und einer etwaige Choreographie aus nächster Nähe beizuwohnen, ging es allerdings zehn Minuten vor Anpfiff auf die Plätze. Die erhoffte Choreographie gab es zwar nicht, aber dennoch war die Stimmung im restlos ausverkauften Rund bereits sehr elektrisierend. Da hatten die ca. 3.000 mitgereisten Niederländer es schwer, sich ebenfalls Gehör zu verschaffen.

Dass die Eintracht bereits in der 7. Minute durch Jean-Matteo Bahoya in Führung gehen konnte und der heute überragend spielende Mario Götze in der 25. Minute auf 2:0 erhöhte, war der Atmosphäre natürlich auch alles andere als abträglich. So brannten nach den beiden Treffern erste Freudenfeuer in der Nordwestkurve und die Mitmachquote bei den intonierten Fangesängen blieb konstant hoch. Bis zur Pause blieb die Diva vom Main so dominant, dass nach überzeugenden ersten 45 Minuten kaum noch jemand am Weiterkommen gezweifelt haben dürfte.

Aber was war das bitte auch für eine Ajax-Elf heute? Obwohl der niederländische Rekordmeister nach der knappen Hinspielniederlage (1:2) das Viertelfinale gewiss noch nicht abschreiben musste, tat ihr Trainer anscheinend genau das. So ließ Francesco Farioli heute eine Mischung aus zweitem und drittem Anzug auflaufen. Offenbar will der Trainer sich ganz auf die Meisterschaft konzentrieren. Als aktueller Tabellenführer mit stolzen acht Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten ist aber selbst das keine nachvollziehbare Erklärung für den Verzicht auf alle Leistungsträger. Zumal selbst die Vizemeisterschaft zur direkten Qualifikation für die lukrative UEFA Champions League führen würde und man sich von Platz 3 (CL-Quali) gar schon um 14 Punkte distanziert hat.

Während Ajax das Spiel also unbegreiflicherweise abschenkte, ließen sich Matteo und ich uns lieber was einschenken. In der Halbzeit trafen wir uns nochmal im Umlauf und fachsimpelten bei 0,5 l Binding à 5 € über das Gesehene und vor allem auch Gehörte. Vom Anhang aus Amsterdam waren wir beide etwas enttäuscht, wohingegen wir uns vom Heimpublikum gut unterhalten fühlten. Beim Pilsgenuss kam mir lediglich noch ein Verbesserungsvorschlag für’s optische Kurvenbild. Durch die vielen Schwenkfahnen machte die Nordwestkurve kurz vor Anpfiff zwar auch ohne Choreo gut was her. Doch ergänzt mit tausenden Pilsdeckchen, wäre das Bild regelrecht genial gewesen.

Nach dem Seitenwechsel tat die Mannschaft weiterhin ihr Bestes, um die Begeisterung auf den Rängen nicht einbrechen zu lassen. So behielt man die Spielkontrolle und ein drittes Tor schien nur eine Frage der Zeit. 20 Minuten nach Wiederanpfiff war es dank Hugo Etikité schließlich soweit. Der Franzose besorgte das vorentscheidende 3:0 und die Nordwestkurve holte ganz ergriffen ein paar verstaubte Gesangsklassiker raus. So etwas ist immer ein untrügliches Zeichen, dass man einem so genannten Fußballfest beiwohnt.

In die Euphorie vermochte auch der Anschlusstreffer des eingewechselten Kenneth Taylor nicht hinein zu grätschen (78.). Zumal ein gewisser Mario Götze fünf Minuten später quasi per Fernschreiben die passende Antwort verschickte. Amsterdams Tormann Matheus war zum Verteidigen weit aufgerückt und nach einem Ballverlust im Mittelfeld noch deutlich von seinem Gehäuse entfernt. Also versuchte Götze aus 40 Metern mal sein Glück und wurde belohnt. Vielleicht nicht unbedingt der unmögliche Superschuss, aber aus der Distanz aus dem laufenden Spiel heraus macht den auch nicht jeder.

Der mittlerweile von der Kurve zum Besten gegebene Kuttenklassiker „Wen woll’n wir fressen…“, der in Frankfurt mit der Formel „Ajax ist zum Putzen da“ endet, passte heute also gar im doppelten Wortsinn. Schließlich wurden die kickenden Namensvetter des Haushaltsreinigers buchstäblich von der Eintracht weggeputzt. Schon bitter für den trotzig weiter supportenden Gästeanhang, dass der Trainer den Kosten und Mühen der mitgereisten Fans so respektlos begegnet ist. Zumal der AFC Ajax, trotz wirklich beeindruckender Historie, heutzutage nicht in der Position ist, um die UEFA Europa League als zweitklassigen Wettbewerb abzutun.

Da ist der verdiente heutige Sieger sogleich das leuchtende Vorbild. Ich glaube niemand kann leidenschaftlicher darüber referieren, welche positive Effekte ein Titelgewinn in der UEFA Europa League haben kann. Es hätte dementsprechend auch niemand etwas gegen einen erneuten Triumph in diesem Wettbewerb. Aber erst einmal steht man nur im Viertelfinale, wo die Eintracht nun den Sieger des Duells Tottenham vs. Alkmaar zum Tanz bittet.

Während die Fans ihre Mannschaft nach Abpfiff noch gebührend feierten, ging es meinerseits ziemlich zügig per S-Bahn zurück zum Hauptbahnhof. Mein Plan war eigentlich ein schnelles Abendessen und anschließend so gegen 22 Uhr zu Bette zu gehen. Doch weil ich meine Spielbesuche (fast) immer in Echtzeit mit der Welt teile, kam es anders. Denn mein aus Hildesheim stammender, aber schon lange in Frankfurt lebender Freund Kilian war ebenfalls im Waldstadion gewesen und forderte mich virtuell zur Nachbesprechung des Spiels in einer Schankwirtschaft auf.

Dafür solle ich bitte umgehend zur Konstablerwache nachkommen. An besagter Bahnstation im Stadtzentrum erwartete mich Kilian bereits mit einem Kioskbier und die nächsten gehopften Kaltgetränke folgten zusammen mit Frankfurter Freunden von ihm im Butzenstübchen. Eine kleine und hoffnungslos überfüllte Kaschemme, in der ich mich natürlich sofort wohl fühlte.

Fast schon zu wohl. Aber weil ich mir heute auf keinen Fall den Hunger wegsaufen wollte und am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr aufstehen musste, zog ich gegen 22:30 Uhr die Reißleine. Die köstliche Belohnung für diese Vernunftentscheidung waren ein gemischter Grillteller (22 €) und ein gezapfter Ayran (3 €) in der nahen Ocakbasi Mangal, ehe es wenigstens noch vor Mitternacht ins Bett und schließlich wenige Stunden später weiter nach Italien ging.
P. S.: Noch ein Glückwunsch an Michy Batshuayi. Dank seiner Einwechselung in der 77. Minute sicherte sich der belgisch-kongolesische Stürmer einen alleinigen europäischen Rekord. Eintracht Frankfurt ist nun bereits der neunte Club, der Batshuayi im Europapokal eingesetzt hat. Bekommt ihr die anderen acht Clubs zusammen? Ich kam aus dem Stehgreif nur auf fünf von ihnen.