Roma (Rom) 01/2025 (I)

„Ich bin Schneppe Tours, wenn ihr irgendwelche Reisewünsche für 2025 habt, ruft Sie einfach!“ „Mach das selbe Reisejahr nochmal!“ „Alles klar, das selbe Reisejahr. Und los!“… Okay, ganz so monoton wie das Repertoire der Cantina Band ist Schneppe Tours vielleicht nicht, aber ein bisschen ähnlich waren sich die Reisejahre 2023 und 2024 schon irgendwie. Jeweils Italientour zu Jahresanfang, große Sommerreise durch UK, Italientrip im Herbst, London zum Jahresausklang… Und nun geht das neue Jahr gleich wieder mit Italien los.

Mal wieder über die Alpen

Aber es ging einfach nicht anders. Der größte Malus meiner bisherigen Reisebiographie musste endlich beseitigt werden. Obwohl ich katholisch, italophil, reiselustig und auch ein kleines bisschen geschichtsinteressiert bin, war ich nämlich noch niemals in Roma (Rom). Wie schön also, dass El Glatto und ich gleich die erste Januarwoche für den überfälligen Trip ins Auge gefasst hatten. Denn in jenen Tagen stand nicht nur ein Annus iubilaeus (Jubeljahr) an seinem Anfang, sondern das erste Derby della Capitale des Jahres 2025 sollte ebenfalls steigen.

Die Porta Maggiore unweit unserer Unterkunft

Los ging’s am Morgen des 2. Januar um 7:31 Uhr in Hannover. Per ICE steuerten wir für 13,49 € pro Kopf das Ruhrgebiet an, wo um 12:50 Uhr am Flughafen DTM unser Flieger in die italienische Capitale abheben sollte. Der zweistündige Flug mit WizzAir (150 € return p. P.) war dank viel Beinfreiheit am Notausgang überraschend erträglich. Am Flughafen Roma-Fiumicino buchten wir uns sodann 8 € teure Zugtickets ins Zentrum und kamen dort gegen 16 Uhr an.

Mein römisches Bett für fünf Nächte

Erstes Ziel war natürlich unsere zwischen Porta Maggiore und Basilica di San Giovanni in Laterano (Lateranbasilika) gelegene Ferienwohnung. Die Anpreisung als Luxury Apartment schien zwar ’ne Übertreibung. Aber es war immerhin eine jüngst modernisierte Wohnung mit zwei Schlafzimmern in einer etwas besseren Wohngegend, welche nach intensiver Recherche mit 660 € für fünf Nächte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für unsere Bedürfnisse bot.

Kleiner Snack am Nachmittag

Nach kurzem Aufenthalt in der Wohnung ging es erst einmal in die Bar um die Ecke. Bei De Santis Santa Croce ließen wir uns für insgesamt 22 € zwei Biere (40 cl) zapfen und zwei Foccacia mit Prosciutto crudo und Mozzarella toasten. Außerdem wurden zum Bier noch salzige Mandeln und frisch hausgemachte Kartoffelchips gereicht.

Die Porta San Giovanni (Teil der Mura aureliane)

Auf den Aperitivo folgten ein paar notwendige Supermarkteinkäufe (im Luxury Apartment gab es u. a. keine Seife) und dann stand ein Abendspaziergang auf der Agenda. Wir wollten gern noch ein bisschen mehr von unserem Quartiere kennenlernen und schauten uns die teilweise noch sehr gut erhaltene Mura aureliane (Aurelianische Mauer) aus dem 3. Jahrhundert an. Auch warfen wir einen ersten Blick auf das 52 n. Chr. unter Kaiser Claudius errichtete Stadttor Porta Maggiore und bestaunten die sich dort kreuzenden Überreste von vier antiken Aquädukten. Einer davon, der Acqua Marcia, wird sogar heute noch zur Wasserversorgung der Stadt genutzt.

Der Acquedotto Neroniano nahe der Porta Maggiore

Da wir heute eindeutig zu viel Tageszeit sitzend verbracht hatten, ging es außerdem noch zur 1,5 km von der Porta Maggiore entfernten Basilica di Santa Maria Maggiore (eine der vier päpstlichen Basiliken). Im Umfeld der im 5. Jahrhundert errichteten und im 18. Jahrhundert barockisierten Pilgerkirche, in der sich u. a. das älteste Marienheiligtum des Abendlandes und eine Reliquie der Jesuskrippe befinden, hielten wir ferner Ausschau nach einer kulinarischen Einkehr.

Basilica di Santa Maria Maggiore

Buchstäblich ins Auge fiel eine Trattoria namens Vecchia Roma. Denn davor wartete eine sehr lange Schlange geduldig auf frei werdende Plätze. Die meisten sahen nicht so aus, als wenn sie in der Nachbarschaft wohnen und die Neugier zwang mich zu recherchieren. Ist offenbar ein Restaurant, dass in vielen Reiseführern und Reportagen für typische römische Küche und tolles Ambiente empfohlen wird. Außerdem angeblich die beste Amatriciana der Stadt… Wir müssen diese Behauptung mal so stehen lassen, da wir uns selbstverständlich nicht vor der Trattoria einreihten, sondern uns lieber ins nächstbeste Lokal mit freien Tischen setzten.

Palle di riso

Das war die Pizzeria Ardecore, die gleich um die Ecke kulinarische Köstlichkeiten aus Kampanien anbot. Dort bestellten wir vorweg Palle di riso (frittierte Reisbällchen mit Mozzarella und Ragù) und genossen anschließend jeder eine neapolitanische Pizza. Die waren beide grundsätzlich mit Pomodoro San Marzano und Fior di Latte d‘Agerola belegt. Glatto hatte in der Version Capricciosa außerdem noch Prosciutto cotto, Carciofi, Funghi champignon und Olive nere auf seiner Pizza, während auf meiner Quattro stagioni lediglich die Carciofi einer Scheibe Salame piccante weichen mussten (ansonsten waren die gleichen Zutaten drauf).

Quattro stagioni

Zu trinken gab außerdem eine Flasche Wasser und zwei gezapfte Biere (40 cl) der Marke Fravort Freshbeer aus der im Trentino (Trient) beheimateten Brauerei Birra Valsugana. Kostete alles zusammen mit Coperto faire 39 €. Danach ging’s zufrieden ins Bett.

***

Am nächsten Morgen bimmelten die Wecker bereits um 7 Uhr. Denn eine Stunde später sollte San Pietro in Vaticano seine Pforten für Besucher öffnen und da jene im deutschsprachigen Raum meist als Petersdom bezeichnete päpstliche Basilika von täglich über 20.000 Menschen besucht wird, wollten wir ganz gerne zu den ersten 1.000 gehören.

Die Kolonnaden auf dem Petersplatz markieren zugleich die Staatsgrenze des Vatikans

Per Metro ging es also zum kleinsten Staat der Welt (0,49 km² Staatsgebiet). Dort stellten wir uns, ich sag mal, taktisch klug an, so dass wir im Prinzip keine Wartezeit hatten. Wir mussten nur noch fix den Sicherheitscheck über uns ergehen lassen und schon konnten wir kurz nach 8 Uhr durch die Porta sancta (Heilige Pforte) in den Petersdom schreiten. Da 2025, wie eingangs erwähnt, ein Annus iubilaeus ist, war das für mich als vollwertiges und reuiges Mitglied der römisch-katholischen Kirche natürlich der absolute Jackpot.

Seit 1506 schützt die Schweizergarde den Papst und seine Residenzen

Denn die Porta sancta wird nur alle Jubeljahre (i. d. R. alle 25 Jahre) vom Papst geöffnet und wer dann in jenem Annus iubilaeus durch diese ansonsten versiegelte Pforte schreitet, bekommt einen vollständigen Ablass seiner Sünden. Da ich je nach Auslegung bereits gegen acht oder neun der zehn Gebote verstoßen habe, in Sachen Todsünden bei 7/7 stehe und auch sonst kaum ein Laster ausgelassen habe, fiel jetzt wirklich eine Zentnerlast von mir ab.

Die Fassade des Petersdoms schuf Carlo Maderno im 17. Jahrhundert 

Somit stolzierte ich anschließend leicht wie eine Feder durch die zwischen 1506 und 1626 errichtete Basilika, die passenderweise hauptsächlich von Sündern finanziert wurde. Ihr wisst ja; dieser Ablasshandel, den Luther und andere Reformatoren vor 500 Jahren so angeprangert haben…

Die Heilige Pforte (open until 06/01/26)

Der prunkvolle Neubau ersetzte die ursprüngliche Peterskirche aus dem 4. Jahrhundert. Die wiederum wurde an jener Stelle errichtet, wo der christlichen Überlieferung zufolge der Apostel Simon Petrus begraben wurde. Auch wenn es keine historische Belege dafür gibt, gilt jener Apostel als erster römischer Bischof. Demgemäß sehen sich alle römischen Bischöfe, respektive Päpste bis heute als Nachfolger Petri und leiten daraus ihre Primatstellung und Unfehlbarkeit ab. Denn Jesus Christus soll angeblich Petrus und all seinen Nachfolgern die Rolle als Vertreter auf Erden und irdisches Oberhaupt der gesamten Christenheit eingeräumt haben.

Das Hauptschiff des Petersdoms

Welche Macht und welcher Reichtum aus dieser Legende erwuchs, zeigte uns der Petersdom in den nächsten Stunden eindrucksvoll. Das nach einem Entwurf von Donato Bramante errichtete Bauwerk hat eine Länge von 211 m und ist im Querschiff 138 m breit. Auf einer Grundfläche von 15.160 m² finden bis zu 20.000 Menschen Platz. Ergo zählt diese päpstliche Basilika zu den größten Sakralbauwerken der Welt.

Die Pièta von Michelangelo ist wahrscheinlich die berühmteste Skulptur im Petersdom

Aber es ist nicht nur die Größe. Vor allem ist natürlich die kunstvolle Gestaltung des Bauwerks beeindruckend. Die Päpste der frühen Neuzeit konnten dafür Künstler wie Michelangelo, Bernini und Maderno gewinnen. Sie schufen meisterhafte Fresken und fast 400 Skulpturen für’s Innere der Basilika. Ich will jetzt nicht mit einer Aufzählung von Kunstwerken oder architektonischen Besonderheiten langweilen, aber zumindest die von Michelangelo entworfene zentrale Kuppel darf nicht unerwähnt bleiben. Dort erreicht San Pietro seine maximale Höhe von 136 m, während das freitragende Kuppelgewölbe immerhin stolze 43 m hoch ist und einen Durchmesser von 42 m hat.

Die zentrale Kuppel des Petersdoms

Obendrein schwebt die Kuppel sozusagen über dem größten Heiligtum der Basilika. Denn unter ihr befindet sich das vermeintliche Petrusgrab, welches mit dem Papstaltar und einem imposanten bronzenen Ziborium von Bernini überbaut ist. An diesem heiligen Ort bat ich natürlich gleich nochmal um die Vergebung meiner zahlreichen Sünden. Sicher ist sicher.

Berninis Hochaltar-Ziborium

Übrigens kann man gegen eine Gebühr in Höhe von 8 € auch zur Kuppel hinaufgehen. Genauso kann für 20 € ein Ticket für die Musei Vaticani (Vatikanische Museen) und die Cappella Sistina (Sixtinische Kapelle) erwerben. Aber wir wollten heute keine kulturelle Reizüberflutung riskieren und beließen es bei unserem Erstbesuch im Vatikan vorerst nur beim Petersdom. Der Rest muss bis zum nächsten Annus iubilaeus warten.

Das Bußemahl des reuigen Sünders

Darüberhinaus war es in den Mittagsstunden höchste Eisenbahn für die erste Mahlzeit des Tages. Die armen Seelen, die mit sich mit Touri-Nepp rund um den Vatikan versündigten, ignorierten wir aber selbstverständlich. Stattdessen ging es runter ans Tiberufer, wo das Café Il Chiosco der Abzocke eher unverdächtig wirkte. Für faire 13,60 € gab es dort nicht nur zwei Cappuccini, sondern auch Ciabatta mit Porchetta (Glatto) und Foccaccia mit Salame piccante e Formaggio (ich).

Das Castel Sant’Angelo

Nach der kleinen Mittagspause hatten wir wieder genug Energie für die nächsten touristischen Aufgaben. Wir machten als erstes einen Abstecher zum nahen Castel Sant’Angelo (Engelsburg), welches im 2. Jahrhundert ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian und seine Nachfolger errichtet wurde und später den Päpsten u. a. als militärische Festung und Gefängnis diente.

Barocke Pracht in der Chiesa Nuova

Anschließend wollten wir das Centro Storico erkunden. Es ging einmal quer von West nach Ost durch’s zentralste Quartier der Città eterna (ewigen Stadt) und zwangsläufig kamen wir dabei an vielen weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei. Zum Beispiel an der gemeinhin als Chiesa Nuova bekannten Kirche Santa Maria in Vallicella aus dem späten 16. Jahrhundert. Im Inneren dieser prunkvollen Barockkirche gibt es u. a. einen von Peter Paul Rubens gestalteten Hochaltar zu entdecken.

Die Piazza Navona mit der Fontana dei Quattro Fiumi und der Chiesa di Sant’Agnese

Durch Altstadtgassen ging es danach zur Piazza Navona. Deren langgezogene Form erinnert noch heute an das antike Stadion, welches hier im 1. Jahrhundert auf seinen Rängen schätzungsweise 30.000 Römern Platz bot. Im Mittelalter wurden die baufälligen Tribünen abgetragen und durch Häuserzeilen ersetzt, ehe die Piazza Mitte des 17. Jahrhunderts im Auftrag von Papst Innozenz X. barock umgestaltet wurde. Es entstanden u. a. der Palazzo Pamphilj (der Papst entstammte dem Adelsgeschlecht der Pamphilj) und drei wunderschöne Brunnen. Giacomo della Porta, ein Schüler Michelangelos, schuf an den beiden Enden des Platzes die Fontana del Moro (Mohrenbrunnen) und die Fontana del Nettuno (Neptunbrunnen), während Bernini die Fontana dei Quattro Fiumi (Vierströmebrunnen) in der Mitte des Platzes gestaltete.

Die Fontana del Nettuno

Außerdem ließ Innozenz X. die Chiesa di Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navone erbauen. Jene prächtige Barockkirche sollte zur neuen Grablege der Pamphilj werden, während der Papst mit dem Patronat der Kirche die frühchristliche Märtyrerin Agnes ehrte. Die soll der Legende nach im 3. Jahrhundert an dieser Stelle den Märtyrertod gefunden haben. Denn der Sohn eines Präfekten war angeblich scharf auf die gute Agnes, doch die behauptete bereits einen Lebensbund mit Jesus Christus eingegangen zu sein und dem Sohn Gottes ewige Jungfräulichkeit geschworen zu haben. Da sie sich partout nicht umstimmen ließ, wurde Agnes der Überlieferung nach im Stadion erst vergewaltigt und dann hingerichtet.

Kuppel der Chiesa di Sant’Agnese

Von der Piazza Navona spazierten wir weiter zum Pantheon. Denn das vielleicht am besten erhaltenen Bauwerk der Antike war natürlich auch Pflicht auf diesem Trip. Es entstand in seiner bis heute erhaltenen Baugestalt im frühen 2. Jahrhundert und war wahrscheinlich als Heiligtum für die alten römischen Götter gedacht. Eindeutig klar ist das tatsächlich nicht, aber einige Indizien legen das nahe. In jedem Fall ist die weitere Nutzung ab 609 bekannt. Denn in jenem Jahr wurde das Pantheon zu einer Kirche umgewidmet und als Santa Maria ad Martyres der heiligen Jungfrau Maria und allen christlichen Märtyrern geweiht.

Das Pantheon

Ab dem 16. Jahrhundert man hier außerdem weltliche Berühmtheiten wie den Maler Raffael bei, was das Pantheon weltweit zum Vorbild für Gedächtnis- und Begräbnisstätten nationaler Persönlichkeiten machte. Aber das bemerkenswerteste am Pantheon ist für mich letzten Endes, dass man hier nicht vor einer Ruine steht, sondern dieses Bauwerk zu 96 % noch so ausschaut wie bei seiner Fertigstellung vor 1.900 Jahren. Das spricht für das profunde Wissen seiner antiken Schöpfer in Sachen Statik und Baustoffkunde. Zumal die Kuppel des Pantheons mit einem Durchmesser von 43,4 m über 1.300 Jahre die größte Kuppel der Welt blieb. Erst 1436 lief der Duomo di Firenze dem Pantheon mit 45 m Kuppeldurchmesser den Rang ab.

Im Inneren des Pantheons

Nichtsdestotrotz behielt das Pantheon bis in die jüngere Neuzeit eine Vorbildfunktion für zahlreiche Bauwerke rund um den Globus. Zu nennen wären hier beispielsweise das Capitol in Washington, das französische Panthéon in Paris, das Alte Museum in Berlin und natürlich auch der nur 1.896 m vom Pantheon entfernte Petersdom. Fun Fact am Rande: Papst Urban VIII. ließ 1625 am Pantheon die Bronzeverkleidung des Portikus demontieren, damit daraus die Säulen des vormittags bereits bewunderten Ziboriums im Petersdom gegossen werden konnten. Somit ist nicht nur die dortige Kuppel eine architektonische Reminiszenz an das Pantheon, sondern darunter befindet sich auch ein physischer Bezug zum berühmten antiken Vorbild.

Grab des italienischen Königs Umberto I. (*1844; †1900) im Pantheon

Nach der Besichtigung des Pantheons hatten wir die Fontana di Trevi (Trevi-Brunnen) auf unserer Liste. Dieser von Nicola Salvi für Papst Clemens XII. in den Jahren 1732 bis 1762 geschaffene Brunnen wurde jüngst – wie vieles in der italienischen Hauptstadt – für’s Annus iubilaeus renoviert und erst vor zwei Wochen wiedereröffnet. Die Ertüchtigungsarbeiten am barocken Meisterwerk aus Marmor und Travertin nutzte man außerdem für den Bau von Barrieren auf der Piazza Trevi. Damit wird jetzt der Zugang reguliert. Maximal 400 Touristen gleichzeitig lassen die Ordnungshüter an den wahrscheinlich berühmtesten Brunnen der Welt heran.

Tourifreier Bildausschnitt des Trevi-Brunnens

Da Glatto und ich beide wunschlos glücklich sind und dementsprechend keine Münze in’s Wasser werfen wollten, blieben wir jedoch eh auf Distanz zum jährlich mit fast 2 Mio € gefütterten Bassin. Uns reichte ein Blick aus sicherer Entfernung, ehe wir zur nahe gelegenen Metrostation Barberini weiterzogen. Von dort ging es nachmittags unterirdisch zurück in unsere Wohngegend.

San Giovanni in Laterano

Doch bevor im Luxury Apartment die Beine hochgelegt werden konnten, musste 500 m entfernt noch ein weiterer sakraler Höhepunkt angesteuert werden. Es ging in die Basilica San Giovanni in Laterano (Lateranbasilika). Kathedrale der Diocesi di Roma (Bistum Rom) und zugleich die Erzbasilika der römisch-katholischen Kirche. Damit ist sie noch vor dem Petersdom das ranghöchste Gotteshaus und in ihr befindet sich demgemäß die Kathedra des Papstes (Cathedra Petri), die gemeinhin als der Heilige Stuhl bekannt ist.

Kaiser Konstantin I.

Auch bei der Lateranbasilika wurde vor wenigen Tage für’s Annus iubilaeus die hiesige Porta sancta geöffnet, durch die wir nun in die 313 vom weströmischen Kaiser Konstantin I. gestiftete Basilika schritten. In jenem Jahr hatten Konstantin und der oströmische Kaiser Licinius außerdem das Edictum Mediolanense (Mailänder Toleranzedikt) erklärt, womit allen Untertanen im Reich die Religionsfreiheit gewährt und dem Christentum der Weg zur neuen Staatsreligion geebnet wurde. Ein Hoch auf die so genannte Konstantinische Wende!

Das Hauptschiff der Lateranbasilika

Von der spätantiken Ursprungsbasilika ist allerdings nur das achteckige Baptisterium erhalten geblieben. Das heutige Antlitz von San Giovanni in Laterano entstand größtenteils im 17. Jahrhundert, als Papst Innozenz X. den Architekten Francesco Borromini mit der umfassenden Sanierung der bedeutenden Kirche betraute. Zugleich wurde Bernini für einige Skulpturen gewonnen und Michelangelo entwarf mehrere Fresken (die allerdings della Porta letzten Endes ausführen sollte).

Der so genannte Heilige Stuhl

Nach Vatikan und Lateran und all den Kirchen und sonstigen Kulturgütern dazwischen, war gegen 16 Uhr meinerseits aber wirklich die heutige kognitive Kapazitätsgrenze erreicht. Ferner hatten wir bereits 13,12 km Laufleistung in den Beinchen und aufgrund einer aus London mitgebrachten Erkältung war das ebenfalls nah an meinem Limit. Zum Glück hatte Glatto auch keine weiteren Basiliken, Brunnen und Barockpaläste mehr auf seiner Tagesliste stehen, so dass wir im Konsens zum Aperitivo schreiten konnten.

Aperol Spritz à 6 € wurde der heutige Aperitivo

Aus Konvenienz erneut in der Bar De Santis Santa Croce und anschließend folgte tatsächlich Füße im Apartment hochlegen, ehe wir um 20 Uhr noch eine Verabredung zum Abendessen wahrnahmen. Denn Vito, unser Sitznachbar beim Derby della Capitale, war heute Nachmittag auch in Roma gelandet und hatte in unserer Nachbarschaft Quartier bezogen.

Bucatino all’Amatriciana

Ebenfalls der Bequemlichkeit geschuldet, hatte ich für uns drei einen Tisch in der Trattoria de Santis reserviert, die sich praktischerweise neben der gleichnamigen Bar befindet und offenbar der selben Familie gehört. Das scheinen gute Gastronomen zu sein, die als Gruß aus der Küche erstmal deftige Rosmarinküchlein servierten.

Involtini alla romana

Danach kamen als Primi zweimal Spaghettone alla Carbonara und für mich Bucatino all’Amatriciana auf den Tisch. Meine Pasta war sehr delikat und von meinen Begleitern kamen auch keine Klagen. Ebenfalls sorgten die Secondi für zufriedene Gesichter. Glatto hatte Porchetta (Schweinerollbraten) mit Röstkartoffeln, Vito das Tartare di manzo (Rindertartar) und ich genoss Involtini alla romana (Rinderrouladen nach römischer Art). Anschließend bestellten Vito und ich nur noch Espressi, während Glatto sich tatsächlich noch an das hiesige Tiramisù wagte. Der Service steckte übrigens unaufgefordert gleich drei Löffel ins Dessert, so dass ich aus erster Hand von einem sehr leckeren Tiramisù sprechen kann.

Tiramisù

Am Ende waren für sieben Gänge, eine Flasche Wein (Kriya Montepulciano d’Abruzzo) und die restlichen Getränke inklusive Coperto faire 132 € fällig. Als die entrichtet waren, ging es gegen 22 Uhr erfüllt in die Heier.

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Während Vito am nächsten Morgen einen Tagesausflug ins 300 km entfernte Firenze (Florenz) auf seiner Agenda hatte, schliefen Glatto und ich erstmal schön aus. Gegen 10 Uhr wollten wir dann Porchetta bei einem traditionellen Stehimbiss in Bahnhofsnähe frühstücken. Doch Er Buchetto hat wohl nur Mo bis Fr geöffnet, so dass wir auf die nächstbeste Theke ausweichen mussten. Die stand im Café Massimo, wo wir uns unisono Cappuccino (2,80 €) und Foccacia mit Formaggio e Prosciutto cotto (6 €) bestellten.

Frühstück bei Massimo

Im Anschluss an die erste Mahlzeit des Tages zog es uns per Linienbus zur 62 v. Chr. fertiggestellten Ponte Fabricio. Es handelt sich dabei um die älteste noch im Ursprungszustand erhaltene Brücke der ewigen Stadt und es ist schon faszinierend, dass auf ihren Bögen über 2.000 Jahren später immer noch Menschen den Tiber überqueren.

Die im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaute Ponte Fabricio

Besagte Ponte Fabricio verbindet den Stadtteil Ripa mit der Isola Tiberina (Tiberinsel), während jene kleine Flussinsel auf der anderen Seite per Ponte Cestio mit dem Stadtteil Trastevere verbunden ist. Die Ponte Cestio wurde übrigens auch bereits 40 v. Chr. eröffnet. Allerdings ging der Ursprungszustand bei einer Modernisierung im 19. Jahrhundert weitgehend verloren.

Unterwegs in den Gassen von Trastevere

Am anderen Tiberufer flanierten wir nun den sonnigen Vormittag über durch die Gassen von Trastevere. Schon in der Antike so etwas wie die Vorstadt der einfachen Leute und in der Neuzeit ein Arbeiterquartier, welches im 20. Jahrhundert vermehrt Studenten und Künstler anzog. Ihr könnt es ahnen; jetzt ist das Thema Gentrifizierung nicht mehr weit und wir können außerdem die Stirn darüber runzeln, dass Trastevere in nahezu jedem Reiseführer als vermeintlicher Geheimtipp mit authentischem römischen Flair angepriesen wird.

Die Basilika Santa Maria in Trastevere

Aber Charme und Flair sind trotzdem zwei Schlagworte, die einem beim Flanieren durch Trastevere sofort in den Sinn kommen. Zumal hier zumindest in der Nebensaison die großen Tourimassen auszubleiben scheinen und man ohne Gedränge die spannende Mischung aus alter Architektur und zeitgenössischer Straßenkunst genießen kann. Dazu gibt es eine hohe Dichte an Bars und Restaurants, die Trastevere gewiss auch in den Abendstunden reizvoll macht.

Der Altar der Basilika und die Apsis mit Mosaiken aus dem 12. Jahrhundert

Tagsüber war hingegen ein Besuch der Basilica di Santa Maria Pflicht. Es wird gemutmaßt, dass es sich dabei um die älteste noch erhaltene Kirche in gesamten Stadtgebiet handelt (man geht von einer Weihe im frühen 3. Jahrhundert aus). Allerdings veranlasste Papst Innozenz II. im 12. Jahrhundert einen Neubau im romanischen Stil, so dass unter der Oberfläche lediglich noch die antiken Fundamente verborgen sind.

Rom ist hügelig und Trastevere bildet da keine Ausnahme

Weiters konnten wir unseren Abstecher nach Trastevere noch mit einem kleinen Panoramaspaziergang verbinden. In exponierter Lage gibt es dort nämlich die Passeggiata del Gianicolo. Diese von Platanen und den Büsten italienischer Nationalhelden gesäumte Allee bot uns mehrere schöne Aussichtspunkte, ehe es an ihrem Nordende wieder über Treppen hinab zum Tiber ging.

Schönes Panoroma

Unten am Wasser kam uns die Gegend sogleich bekannt vor. Wir erspähten das Café Il Chiosco und ließen uns dort gegen 14 Uhr abermals für eine kleine Vesper nieder. Diesmal nahmen wir beide Ciabatta mit Porchetta à 5 € und auch ich war sehr angetan von dieser römischen Rollbratenspezialität.

Ne ehrliche Porchettaschnitte

Für die Nachmittagsgestaltung hatten wir dann tatsächlich keinen richtigen Plan mehr. Aber in der Sonne war ein Spaziergang am Tiber ganz nett. Und weil man irgendwie doch ein Ziel braucht, entschieden wir uns für die 1725 fertiggestellte Scalinata di Trinità dei Monti. Jene Treppe der Dreifaltigkeit vom Berge – im deutschen Sprachraum besser als die Spanische Treppe – war am Vortag aus Konditionsgründen ausgelassen worden und irgendwie zu berühmt, um sie auf diesem Trip komplett zu ignorieren.

Unterwegs in der Via Condotti

Vom Tiber schoben wir uns durch die gut besuchte Nobeleinkaufsmeile Via Condotti und irgendwann standen wir auf der Piazza di Spagna vor den Stufen des Touristenmagneten. Vielleicht den mittlerweile schon wieder sehr müden Beinen geschuldet, fragten wir uns allerdings: „Was wollen wir hier eigentlich?“ Das Erklimmen der 136 Stufen reizte genauso wenig wie ein Verweilen auf dem hektischen Platz. Aus kulturhistorischen Motiven wäre eine Kaffeepause im Caffè Greco oder in ein Afternoon Tea in Babington’s Tea Room vielleicht schön gewesen. Aber die Preise dort machten eine Metrofahrt zum Apartment letztlich doch attraktiver.

Die Spanische Treppe

Dort wurde bei Birra Moretti und Taralli etwas entspannt, ehe sich am frühen Abend die Frage des Besuches eines Amateurfußballspieles stellte. Ein paar Partien spuckte Tuttocampo aus. Aber Glattos Begeisterung hielt sich in sehr engen Grenzen und ich wollte mit meiner Erkältung eigentlich auch nicht nochmal groß durch die Stadt eiern, um zwei Stunden am Stankett eines Sportplatzes der Seconda Categoria zu stehen.

Tagliolini carbonara

Also ging es lieber frühzeitig zum Abendessen und aus Kommodität blieben wir erneut in der Nachbarschaft. Diesmal fiel die Wahl auf die Osteria La Sol Fa. Als Primi kamen dort für Glatto Ravioli di gamberetti und für mich Tagliolini carbonara auf den Tisch. Danach wurde meinem Gegenüber Spezzatino alla cacciatora (Kalbsgeschnetzeltes in Weißweinsauce) serviert, während ich Palle del Nonno (Kalbshackbällchen im Speckmantel) kredenzte. Dazu teilten wir uns als Contorni noch Kartoffeln mit Tomate und Käse und frittierte Artischocken. Auch in dieser Osteria mundete alles ganz hervorragend und kostete zusammen mit einer Flasche Wasser, zweimal 40 cl Fassbier, zwei Espressi und Coperto angemessene 90 €.

Palle del Nonno nebst Beilagen

Nach zweieinhalb kulinarisch und kulturell vortrefflich gestalteten Tagen ging es anschließend sehr zufrieden zu Bette. Dazu gesellte sich die Vorfreude auf noch mehr Dolce vita und das Derby della Capitale am nächsten Tag. Doch davon lest ihr im folgenden Bericht.

Song of the Tour: Ein Italodisco-Welthit aus Rom

Postskriptum: Ganz so salopp, wie von mir geschildert, läuft der Generalablass in der römisch-katholischen Kirche natürlich nicht ab. Aber ich wollte jetzt auch keinen mit Auszügen aus dem Codex Iuris Canonici langweilen.