Brighton 12/2024

  • 27.12.2024
  • Brighton & Hove Albion FC – Brentford FC 0:0
  • Premier League (I)
  • Falmer Stadium (Att: 31.548)

Nachdem am ersten Urlaubsmorgen schön üppig im Premier Inn London Wimbledon gefrühstückt wurde, trennten sich erstmal die Wege unserer kleinen Reisegruppe. Johnny und Daria verbrachten einen Tag im Zeichen von Harry Potter, während ich natürlich viel lieber Fußball gucken wollte. Allerdings standen am heutigen Freitag nur zwei Spiele zur Auswahl. Quasi vor der Haustür sollte Arsenal den Aufsteiger Ipswich Town empfangen und unten an der Küste bekam Brighton & Hove Albion einen Besuch vom Brentford FC.

Das erste Frühstück des Urlaubs

Meine Marktsondierungen ließen es unwahrscheinlich erscheinen, dass ich bei Arsenal für unter £ 100 (ca. 120 €) ins Stadion komme. Daher checkte ich auch die Option eines Tagestrip in die von ca. 277.000 Menschen bewohnte Doppelstadt Brighton and Hove (seit 1997 vereinigt). Dieser summierte sich auf £ 71 (ca. 86 €) für Zugfahrt und Eintrittskarte. Also raus aus London und ab an den Ärmelkanal!

Die St Peter’s Church in Preston

10:23 Uhr war Abfahrt in Wimbledon und nach Umstiegen in Clapham und Gatwick erreichte ich 96 Minuten später Brighton and Hove. Genauer gesagt den Vorortbahnhof Preston Park. Ich beschloss den Zug bereits dort zu verlassen, da die ca. 1250 errichtete St Peter’s Church im Stadtteil Preston als ältestes Bauwerk auf dem Stadtgebiet von Brighton and Hove gilt. Obendrein erwarteten mich im Inneren der gotischen Kirche originale Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert.

Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert

Insgesamt sind mittelalterliche Bauwerke in der Küstenstadt allerdings rar gesät, da Brighton, Hove oder eben Preston jahrhundertelang nur kleine Fischerdörfer mit wenigen hundert Seelen waren. Erst im 18. Jahrhundert begann ein aristokratischer Kurtourismus an diesem Abschnitt des Ärmelkanals und damit ging eine rasche Urbanisierung einher. Es entstanden erste Kurhotels und wer es sich leisten konnte, baute sich gleich sein eigenes Sommerhaus in Brighton oder der Umgebung.

Unterwegs im alten Dorfkern von Preston

Prominentester Bauherr war seinerzeit der englische Kronprinz George Augustus Frederick (Georg August Friedrich) aus dem Hause Hannover, der 1786 ein Grundstück in Brighton erwarb. Er ließ das darauf befindliche Farmhaus in ein gehobenes Feriendomizil umbauen, in jenem er fortan viel Zeit mit seiner Mätresse Maria Fitzherbert verbrachte und sich ansonsten mit seinen Dandy-Freunden bei Saufgelagen und Glücksspiel vergnügte. Mit solchen Kuraufenthalte könnte ich mich wohl auch anfreunden…

Eingang eines alten Cottage

Als der Kronprinz aufgrund des schlechten Gesundheitszustands seines Vaters King George III im Jahre 1811 bereits zum Regenten des britischen Königreichs aufstieg, veranlasste er außerdem den großzügigen Ausbau seines Anwesens zur königlichen Sommerresidenz, welche der ausführende Architekt John Nash im Stile eines indischen Mogulpalastes gestaltete. 1822 – und damit ein Jahr nach seiner Krönung zu King George IV (Georg IV.) – war sein so genannter Royal Pavillon schließlich fertig.

Der Hintereingang des Royal Pavillion

Doch Brightons Boom, den die 1841 eröffnete Eisenbahnverbindung nach London nochmal verstärkte, vertrieb die Royals recht schnell wieder aus der wachsenden und zugleich neugierigen Nachbarschaft. Ab 1845 zog es die königliche Familie vor ihre Ferien im Osborne House auf der Isle of Wright zu verbringen, wo eine intimere Sommerfrische möglich war. Der Royal Pavillon wurde hingegen 1850 der Stadt Brighton überlassen, für die jener Prachtbau bis heute ein wichtiger Touristenmagnet ist.

Der Royal Pavillon wird von Godzilla heimgesucht (Wandkunst im London Road Quarter)

Der royale Rückzug aus Brighton hatte auch keineswegs negative Folgen für die weitere Entwicklung zum führenden Seebad an der englischen Südküste. Aus 7.339 Einwohnern im Jahr 1801 waren 1851 bereits 65.569 geworden und nochmal 50 Jahre später ermittelte der Zensus stolze 123.478 Brightonians. Gleichsam stieg die Anzahl der Hotels und Touristenattraktionen immer weiter. Man legte hübsche Kurparks an und baute u. a. Strandpromenaden, Seebrücken, Aquarien, Vergnügungsparks, Theater und Tanzsäle.

Die London Road ist eine sehr farbenfrohe Straße

Einiges aus dieser goldenen Epoche des mondänen Bädertourismus ist noch heute zu bewundern. Doch bevor ich den Sehenswürdigkeiten direkt am Meer widmen konnte, musste ich mich erstmal von Preston per pedes nach Süden vorarbeiten. Es ging von der St Peter’s Church durch den ca. 250.000 m² großen Preston Park. An dessen Südende beginnt das Quartier rund die London Road. Dieses Viertel ist bunt und quirlig. Es gibt dort etliche gastronomische Optionen, einen beliebten Trödelmarkt (Brighton Open Market) und obendrein viel Streetart zu entdecken. Besonders tat es mir die Fassade des Pubs Hobgoblin an. Innen übrigens auch ein hübsches Lokal, wie ich bei einem erfrischenden Cider der Mosterei Aspall feststellen durfte.

Der Hobgoblin

Kurz hinter’m Hobgoblin begann auf meinem Weg gen Meeresküste das Quartier North Laine. In den schmalen und bunten Gassen dieses Stadtviertels potenzierte sich das Flair des London Road Quarter noch einmal. Schallplattenläden, Shops mit Vintage Mode oder Trödelkram, Mode- und Schmuckboutiquen, Souvenirläden und vieles mehr luden zum Bummeln ein. Dazu eine große Bandbreite an Bars, Cafés und Restaurants.

Mural für Hürzelers erfolgreichen Vorgänger Roberto De Zerbi im London Road Quarter

Brighton machte hier einen ziemlich hippen Ersteindruck und erinnerte mich ein Stück weit an Londoner Viertel wie Camden Town. Es wirkte auf mich regelrecht wie die legitime maritime Erweiterung der Hauptstadt. Fun Fact am Rande: Von Londons südlichen Bezirken bin ich mit Öffis teilweise in 45 min in Brighton. Nach Camden Town komme ich aus Croydon, Bromley oder Sutton auch nicht schneller. Diese gefühlte direkte Nachbarschaft ist vielleicht einer der Gründe, warum der Südlondoner Fußballclub Crystal Palace FC und der Brighton & Hove Albion FC sich gewissermaßen als Derbygegner sehen und seit Jahrzehnten eine erbitterte Rivalität pflegen.

Das geschäftige North Laine Quarter

Doch um Fußball kümmern wir uns später noch… Weiter auf Kurs Küste durchstreifte ich als nächstes The Lanes. Sozusagen die Altstadt von Brighton. In den verwinkelten Gassen und Durchgängen dieses Quartiers lässt sich mitunter noch das einstige Fischerdorf erahnen. Zumal einen hier mit dem The Cricketers auch Brightons ältester Pub erwartet. Aber Schande über mich. Ich bin dort nachmittags nicht eingekehrt, sondern wollte den Ärmelkanal unbedingt noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.

Brightons ältester Pub

Auf dem Weg dorthin passierte ich nebenbei den bereits erwähnten Royal Pavillon (Bild siehe weiter oben), aber für eine kostenpflichtige Besichtigung war heute leider ebenfalls keine Zeit. Obendrein schränkte das derzeit vor dem dortigen Haupteingang aufgebaute Winter Wonderland mit Eisbahn, Buden und Fahrgeschäften die Fotogenität des Bauwerks massiv ein.

Elegante viktorianische Architektur in Strandnähe

Aber umso schneller hatte ich nun das Rauschen des Meeres im Ohr. An einem windigen Wintertag war an der Strandpromenade nicht besonders viel los. Dennoch deutete die vorhandene Infrastruktur darauf hin, dass Brighton immer noch einer der beliebtesten Ferienorte der Briten ist. Ein breites Angebot an Vergnügungsmöglichkeiten konkurriert um die jährlich fast 10 Mio Feriengäste und Tagestouristen. Hauptattraktion am Strand ist dabei wahrscheinlich noch immer der 1899 eröffnete Palace Pier. Über 500 m ragt diese Seebrücke ins Meer hinaus. Allerdings ist die viktorianische Pracht mittlerweile Kulisse für Spielhallen und einen regelrechten Jahrmarkt mit etlichen Fahrgeschäften. Sogar eine Achterbahn hat man auf diesen zur Kirmes transformierten Pier gebaut.

Brighton Palace Pier (die Kirmes ist leider nicht mehr Bild)

Während der Palace Pier dadurch allerdings selbst im Winter sehr lebendig wirkt, ist sein 1866 eröffneter Nachbar West Pier mittlerweile noch weniger als eine Ruine. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 2003 steht von dieser Seebrücke lediglich ein Stahlskelett im salzigen Meerwasser. Wiederaufbaupläne ließen sich nicht realisieren. Stattdessen steckte die Stadt jüngst viel Geld in einen 162 m hohen Aussichtsturm namens i360. Doch diese 2016 eröffnete Attraktion wurde nie wirtschaftlich. Just am 20. Dezember 2024 setzte die insolvente Betreibergesellschaft nun ihre 109 Mitarbeiter auf die Straße, während sie der Stadt Brighton and Hove angeblich noch £ 51 Mio (ca. 60 Mio €) schulden.

Die Überreste vom West Pier

Nach der Begutachtung dieses Milliongrabs, ging es am späten Nachmittag auf ein Pint Worthington’s Creamflow in den nächstbesten Wetherspoon’s namens The Bright Helm. Den fand ich allerdings selbst für einen Wetherspoon’s unterdurchschnittlich gemütlich und gab daher bald dem Schwesterpub The Post & Telegraph eine Chance. Der ist in einem vor über 100 Jahren ursprünglich für die National Provincial Bank errichteten Geschäftsgebäude in der North Street zu finden und war in der Tat etwas gemütlicher eingerichtet.

North Laine Quarter after dark… (rechts an der Ecke ist der The Post & Telegraph)

Dort bestellte ich mir gegen 17:15 Uhr erstmal ein Pint Grainstore Ten Fifty (ein Ale mit sehr bitterer Hopfennote, aber dafür umso süßeren Malzaromen). Als ich davon kostete, schrieb mich außerdem ein weiterer Tagestourist aus Hannover an, ob er dazu stoßen könne. Gemeinsam mit Daniel gab es im gut gefüllten Pub anschließend noch eine Runde Theakston Old Peculier (ein rubinfarbenes, süffiges Ale mit vielen Fruchtnoten).

Grainstore Ten Fifty im The Post & Telegraph

Danach folgte allerdings ein weiterer Tapetenwechsel. Das heutige Match nahte zwar bedrohlich, doch auf dem Weg zum Bahnhof könnte man ja noch zwei, drei weitere Pubs beehren… Erste Station: William the Fourth im North Laine Quarter. Im nach dem Bruder und Thronfolger von King George IV benannten Pub gönnte sich Daniel sich ein Bitter namens Evolve von der Mad Squirrel Brewery, während ich mich für ein fruchtiges und zweifach gehopftes Sussex Haze der 360° Brewing Company entschied.

Pints im William the Fourth

Zweiter Stopp wurde The Brighton Tavern, wo wir unisono Sussex Best Bitter von der Harvey’s Brewery orderten. Eigentlich schmeckte es schon wieder zu gut und im Nachhinein wäre ein Pub Crawl die sinnvollere Abendgestaltung gegenüber dem Kick von Brighton & Hove Albion gewesen. Dann würde ich jetzt schön weiter über die hiesige Pub- und Kulturszene schreiben und vielleicht auch ein paar alte Geschichten über Mods und Rocker rauskramen, ohne die ein Bericht aus Brighton normal nicht auskommen darf.

The Brighton Tavern

Aber die irrsinnige Vorstellung, dass der heutige Kick der Höhepunkt des Tages werden könnte, lebte 45 Minuten vor Abpfiff noch. Ergo machten wir nach jenem Pint in der Brighton Tavern die letzten 400 Meter zum Hauptbahnhof. Um 18:56 Uhr quetschten wir uns schließlich in einen abfahrbereiten Zug, der uns binnen 10 Minuten vom Stadtzentrum nach Falmer brachte. Ein kleines Dorf direkt an der Stadtgrenze von Brighton and Hove, in welchem am 17. Dezember 2008 der erste Spatenstich für ein bis zu 31.780 Zuschauer fassendes Fußballstadion erfolgte. Das wurde am 30. Juli 2011 eröffnet und ist seitdem die Heimstätte* des Brighton & Hove Albion FC.

Für diesen Pub am Bahnhof war leider keine Zeit mehr

Damals war der BHAFC gerade in die zweitklassige Championship aufgestiegen und sechs Jahre später sollte der große Wurf gelingen. 2017 stieß man in die Premier League vor und war damit erstmals seit 1983 wieder erstklassig. Man etablierte sich im Oberhaus und 2023 gelang als Sechster der Premier League sogar die Qualifikation für die UEFA Europa League. Bei der Premiere auf europäischem Parkett stießen die Seagulls (Seemöwen)** immerhin in die Runde der letzten 16 vor, wo man jedoch der AS Roma unterlag.

Das aktuelle Clubwappen (seit 1977 mit Seemöwe)

Die jüngsten Erfolge gingen dabei u. a. auf das Konto von Roberto De Zerbi, der im Sommer jedoch den Cheftrainerposten bei Olympique de Marseille übernahm und in Brighton von Fabian Hürzeler beerbt wurde. Das Wirken unseres Landmanns beobachteten Daniel und ich nun von unterschiedlichen Plätzen à £ 41 (ca. 49 €) auf der Gegengerade. Dabei kam es heute zu einem vermeintlich spannenden Kampf der „Computerclubs“. Denn nicht nur der heutige Gast aus Westlondon setzt bei seiner Kaderzusammenstellung und vielem mehr auf eine selbst entwickelte Software (siehe London 08/2024). In Brighton hat man einen ähnlichen Weg eingeschlagen und das hat wie in Brentford mit Mathematik und Sportwetten zu tun.

Kleine Pyroshow zu Spielbeginn

Maßgeblich verantwortlich ist dafür ein professioneller Pokerspieler namens Tony Bloom. Der aus Brighton stammende Bloom übernahm 2009 die Mehrheit an seinem Lieblingsclub und hatte das dafür notwendige Geld nicht nur am Pokertisch gewonnen. Vor allem kam der Mathematikabsolvent der University of Manchester durch Sportwetten zu seinem beträchtlichen Vermögen. Mit einer Datenanalysesoftware konnte er offenbar den Faktor Glück deutlich minimieren und war Anfang der 2000er Jahre insbesondere bei asiatischen Handicapwetten sehr erfolgreich unterwegs. Dafür holte er 2001 übrigens den heutigen Brentford-Eigentümer Matthew Benham ins Boot. Doch 2004 trennte man sich im Streit und soll angeblich bis heute nicht mehr miteinander reden.

Das Falmer Stadium an einem nasskalten Winterabend

Wie Benham beim Brentford FC, sollte Bloom bei Albion den Beweis erbringen, dass man mit der entsprechenden Datenanalysesoftware auch direkt im Fußballgeschäft erfolgreich sein kann. Jedenfalls ist die hiesige Transferbilanz seit Blooms Einstieg beeindruckend. Offenbar mit Hilfe der Software Starlizard*** wurden Spieler wie Alexis Mac Allister, Marc Cucurella oder Moisés Caicedo als sinnvolle Verstärkungen identifiziert. Die kamen dann für kleines Geld, brachten sehr gute Leistungen in Brighton und gingen anschließend für Riesenbeträge zu Branchenriesen. Allein mit diesen drei Spielern hat man in Summe schätzungsweise ein Transferplus von 200 Mio € erwirtschaftet.

Im Sommer ist hingegen oft von Falmer de Mallorca die Rede

Ferner hat sich Bloom 2018 mit dem belgischen Hauptstadtclub Royale Union Saint-Gilloise noch ein zweites Team gegönnt. Bei diesem Traditionsverein – 1897 gegründet und im frühen 20. Jahrhundert stolze elfmal belgischer Meister – hatte Starlizard seinen Anteil an Zugängen wie Mohamed Amoura, Victor Boniface und Deniz Undav. Die haben wiederum dazu beigetragen, dass die RUSG binnen weniger Jahre vom mittelmäßigen Zweitligisten zum Pokalsieger (2024), Europapokalteilnehmer und Meisterschaftskandidaten gereift ist. Aktueller Trainer in Saint-Gilloise ist nebenbei Ex-96er Sébastien Pocognoli, der im Sommer 2024 Alexander Blessin beerbte, da dieser als Nachfolger von Fabian Hürzeler zum FC St. Pauli gewechselt ist. Riecht irgendwie danach, als hätte Bloom nicht nur geschätzte 7,5 Mio € Ablöse für Hürzeler gezahlt, sondern auch noch seinen RUSG-Erfolgstrainer zum Teil des Deals gemacht.

Der Gästemob

Mit dem Hürzeler ist man in Brighton bisher halbwegs zufrieden. Albion ging mit 25 Punkten als Zehnter in den heutigen 18. Spieltag. Zur Abstiegszone ist der Abstand groß (zwölf Punkte), zu den Europapokalplätzen hingegen klein (drei Punkte). Ein Heimsieg gegen den Tabellennachbarn Brentford FC (Zwölfter mit 23 Punkten) und die Halbjahresbilanz würde noch positiver ausfallen. Aber man hätte es fast ahnen können. Zwei Clubs mit artverwandten Ansätzen zur Revolutionierung des Fußballgeschäfts, die sich obendrein gerade sportlich auf Augenhöhe befinden… Die vermögen sich vielleicht auch gut zu neutralisieren.

Eine der zumindest in Halbzeit zwo raren Strafraumszenen

Trotz insbesondere vieler guter Torchancen in der 1. Halbzeit, erwartete die Zuschauer leider ein 0:0, welches in Sachen Stadionstimmung ebenfalls eine Nullnummer war. Lautester Moment des Abends (abgesehen von der Hymne Sussex by the Sea“ vor Spielbeginn): Als Yoane Wissa in der 14. Minute das vermeintliche 0:1 für die Gäste erzielte, der VAR das Tor jedoch zum Ärger der ca. 3.000 Gästefans wieder kassierte. War auch aus neutraler Sicht schade, denn – £ 5 (ca. 6 €) ins Phrasenschwein – ein Tor hätte dem Spiel sicher gut getan und taktische Marschrichtungen über den Haufen geworfen.

Pausenbrot

Nach der noch halbwegs sehenswerten 1. Halbzeit, traf ich mich mit Daniel nochmal auf eine Runde Birra Moretti aus dem Zapfautomaten. Außerdem musste meinerseits dringend die zweite Mahlzeit des Tages her. Es wurde ein Double Cheeseburger und ich wünschte mir natürlich, dass der Brighton & Hove Albion FC für jedes Patty und der Brentford FC für jede Schmelzkäsescheibe je einmal im zweiten Durchgang trifft. Doch die Partie wurde schlechter und fortan waren gefährliche Strafraumszenen auf beiden Seiten Mangelware.

Schlange stehen am Stadionbahnhof

Ach wäre ich doch nur schon vor Abpfiff abgehauen. Dann hätte ich vielleicht den erstbesten Zug in Richtung London bekommen und mir knapp 30 Minuten Anstehen am Stadionbahnhof bei nasskaltem Wetter (mittlerweile 3° C und Regen) erspart. Aber 21:50 Uhr saß ich endlich im warmen Zug und 110 Minuten später war ich zurück in Wimbledon. Da Brighton als Stadt beim Erstbesuch durchaus Lust auf mehr gemacht hat, ziehe ich bei diesem Tagesausflug aber trotzdem ein positives Gesamtfazit.

Song of the Tour: Popular 90ies EDM from Brighton

*Zuvor war der 1901 gegründete BHAFC zunächst 96 Jahre im Goldstone Ground in Hove zuhause. Von 1997 bis 1999 folgte ein zweijähriges Exil in Gillinghams Priestfield, ehe von 1999 bis 2011 das Withdean Stadium in Brighton zur neuen Übergangslösung wurde. Dabei sei angemerkt, dass das Withdean Stadium ein Leichtathletikstadion mit Laufbahn ist und eigentlich nur eine Tribüne mit ca. 1.500 Sitzschalen hat. Mit Stahlrohrtribünen schraubte man die Kapazität jedoch auf 8.850 Plätze hoch. Nichtsdestotrotz war dieses Stadion zwischen 1999 und 2011 ein absolutes Kuriosum im englischen Profifußball.

**Kurioserweise entstand dieser Nickname 1977 bei einem Duell mit dem Rivalen Crystal Palace. Auf das langgezogene Eagles der Gästefans aus Südlondon begann das Heimpublikum mit einem ebenfalls langgezogenen Seagulls zu reagieren. Zuvor war der tierische Spitzname des Club eigentlich Dolphins.

***Blooms Spitzname als Pokerspieler lautet The Lizard, weil er am Pokertisch angeblich so kaltblütig wie ein Reptil ist.