Bad Grund 10/2024

  • 31.10.2024
  • SG Bad Grund / Badenhausen – TSV Nesselröden 2:7
  • Kreispokal Göttingen-Osterode (Achtelfinale)
  • Glück-Auf-Kampfbahn im Teufelstal (Att: 108)

Der 31. Oktober (a. k. a. Reformationstag) ist seit ein paar Jahren wieder Feiertag in Niedersachsen. Auch wenn Martin Luther nach heutigen Maßstäben eigentlich gecancelt gehört, nehme ich den freien Tag natürlich dankend an. Der fiel dieses Jahr auf einen Donnerstag, was nach einem Brückenfreitag und somit einem langen Wochenende schrie. Aber die darbende deutsche Volkswirtschaft brauchte mich am Freitag dringend, so dass lediglich ein Tagesausflug drin war.

St.-Antonius-Kirche in Bad Grund (15. Jahrhundert)

Da rückte umgehend der Harz ins Blickfeld, wo ich in Bad Grund einerseits ein Kreispokalachtelfinale zwischen der SG Bad Grund / Badenhausen und dem TSV Nesselröden entdeckte und andererseits noch zwei fehlende Stempel der Harzer Wandernadel auf mich warteten. So ging es am Feiertagsmorgen per Deutschlandticket in jene von ca. 2.300 Seelen bewohnte Berg- und Kurstadt, um dort exakt um 10:30 Uhr eine kleine Wandertour zu beginnen.

Unterwegs in der Altstadt von Bad Grund

Ich startete auf 310 m ü. NN im historischen Kern der 1317 erstmals urkundlich erwähnten Stadt, die nebenbei am 16. Juni 1524 von Herzog Heinrich II. zu Braunschweig-Lüneburg die Bergfreiheit verliehen bekam. Die großen Jubiläumsfeierlichkeiten zu 500 Jahre Bergfreiheit vom 14. bis 16. Juni 2024 hatte ich dementsprechend verpasst. Aber gut, meiner damaligen Tour nach Dessau und ins Wörlitzer Gartenreich hätte ich jenes Festwochenende eh nicht vorgezogen.

Der erste Anstieg

Vom Markt musste ich nur wenige Meter bis zum Waldrand gehen. An den Hängen des Totemannsberg machte ich die ersten Höhenmeter und erreichte nach gut 1,5 km den westlichen Anfang des WeltWalds. Dabei handelt es sich um ein rund 65 ha großes Arboretum mit über 600 Baum- und Straucharten aus Nordamerika, Asien und Europa, welches die Niedersächsischen Landesforsten 1975 ins Leben gerufen haben. 50 Jahre WeltWald merke ich mir also schon mal für 2025 vor… 😉

Unterwegs auf dem Koreaweg

Insgesamt kann man im kostenlos zugänglichen WeltWald ein über 12 km langes Wegenetz abwandern, wovon ich immerhin ca. 5 km in Angriff nahm. Ich spazierte im Zickzack u. a. den Japanweg, den Koreaweg, den Sierraweg und den Ostamerikaweg entlang, wo mich rechts und links der Pfade die Flora der entsprechenden Regionen erfreute. Im Herbst ist das bei den Laubbäumen aus aller Welt natürlich ein besonders farbenfrohes Unterfangen.

Herbst im WeltWald

Auf Wanderkilometer 5,6 – bzw. Wanderkilometer 4,1 im WeltWald – erwartete mich schließlich an einer zentralen Wegkreuzung mit Rastgelegenheit der Stempel der Harzer Wandernadel. Gerne schnaufte ich dort kurz durch, ehe mich meine Route über den Mammutbaumweg und den Birkenweg wieder hinaus aus diesem gelungenen und sicher zu jeder Jahreszeit sehenswerten Waldprojekt führte.

Ein Totem auf dem Ostamerikaweg

Am östlichen Ausgang des WeltWalds war mein nächstes Zwischenziel der Hübichenstein. Das sind zwei markante Kalksteinfelsnadeln, die auf 400 m ü. NN nochmal bis zu 48 weitere Meter aus dem Wald hinausragen. Man kann die Spitze der kleineren Nadel über in den Fels gehauene Stufen und Stahltreppen erreichen und von dort einen schönen Ausblick auf Bad Grund genießen. Die größere Nadel wird wiederum von einem bronzenen Adler mit stolzen 3 m Flügelspannweite gekrönt. Der Überrest eines 1897 errichteten Denkmals für Kaiser Wilhelm I. (* 22. März 1797; † 9. März 1888).

Der Hübichenstein

Anschließend musste ich Harzhochstraße (B 242) queren, um auf der anderen Straßenseite den Aufstieg zum Iberg zu beginnen. Jener Iberg ist übrigens wie der Hübichenstein Teil eines früheren Südsee-Korallenriffs. Durch die Kontinentalverschiebung wanderte dieses Riff im Devon vor fast 400 Mio Jahren auf die Nordhalbkugel der Erde und wurde rund 100 Mio Jahre später Teil eines durch die Variskische Orogenese entstandenen Mittelgebirges, welches wir heute Harz nennen.

Ausblick vom Hübichenstein auf Bad Grund

Auf dem Gipfel des Ibergs (562,6 m ü. NN) erwartete mich auf meinem Wanderkilometer 8,55 dann der zweite und letzte Stempel des Tages. Der Stempelkasten befindet sich am Iberger Albertturm, respektive nebenan an der gleichnamigen Baude. Jener 1908 errichtete und 1969 ausgebaute Aussichtsturm ist 34,6 m hoch und bietet bei entsprechenden Witterungsverhältnissen wahrscheinlich einen tollen Ausblick im Westharz. Ich glaube heute hätte sich die Mühe eines Aufstiegs jedoch nicht gelohnt.

Der Albertturm auf dem Gipfel des Ibergs

Außerdem war ich auch ein bisschen unter Zeitdruck. Im WeltWald hatte ich ziemlich getrödelt und gefühlt jede Infotafel durchgelesen. Jetzt war es bereits 13:30 Uhr und in einer halben Stunde sollte unten im Teufelstal mein anvisiertes Fußballspiel angepfiffen werden. Entsprechend machte ich mich schnellen Schrittes an den teils steilen Abstieg zum noch 1.896 m entfernten Sportplatz und hatte auch keine Zeit mehr für die kurz vor dem Ziel passierte Iberger Tropfsteinhöhle. Mit insgesamt 300 m – davon 123 m begehbar – ist es die längste des von etlichen Höhlen durchgezogen Kalksteins des Ibergs und garantiert mal einen Besuch wert.

Anstoß im Teufelstal

Auf meinem Kilometer 10,45 erreichte ich kurz vor 14 Uhr schließlich die Glück-Auf-Kampfbahn im Teufelstal. Dort beendete ich ca. 650 m vom Ausgangspunkt entfernt eine 10,45 Kilometer lange Tour mit 370 Höhenmetern (Gesamtzeit 3:29 h, davon 3:06 h in Bewegung). Da hatte ich mir natürlich sogleich eine Tüte Pommes verdient, die für 2 € in der Grillhütte des Sportplatzes angeboten wurde. Auch Bratwurst (2,50 €) und Krakauer (3 €) gab es in der Hütte zu fairen Preisen, während das Clubhaus einen Fensterverkauf mit Blechkuchen (1 €), Kaffee und Kaltgetränken (maximal 2 €) zu bieten hatte. Beides rege genutzt von den ca. 100 Besuchern dieses Pokalspiels.

Krosse Vesper

Beim Genuss der doch einen Tick zu lange frittierten Kartoffelstäbchen sah ich nun eine Premiere. Denn heute wurde der nigelnagelneue Kunstrasen in Bad Grund eingeweiht. Nachdem die Asche der Glück-Auf-Kampfbahn bereits 2002 einem artifiziellen Grasbelag gewichen war, hatte dieser erste Kunstrasen nach 22 Jahren einfach das Ende seiner Lebensdauer erreicht. So haben die seit 2022 als Spielgemeinschaft operierenden Fußballer des SV Viktoria Bad Grund und des VfL Badenhausen nun wieder einen 1a-Kunstrasenplatz für die kalte Jahreszeit zur Verfügung (im Sommer wird in Badenhausen auf Naturrasen gekickt).

Not a bad ground…

Auf dem neuen Geläuf machte die gastgebende, aber klassentiefere SG Bad Grund / Badenhausen (1. Kreisklasse) zunächst eine überraschend gute Figur. Durch Treffer von Eric Schneider (17.) und Max Haase (21.) konnte man zweimal in Führung gehen (17. / 21.). Doch der bisher in dieser Saiosn noch ungeschlagene Kreisligist aus Nesselröden glich jeweils prompt in Person von Wilfried „Willy“ Sampwede aus (18. / 22.), so dass es mit 2:2 in die Kabinen ging.

Der Name Glück-Auf-Kampfbahn deutet es an; in der Bergstadt Bad Grund ist der Fußball historisch eng mit dem Bergbau verbunden

Die Pause nutzte der Gästetrainer Mohamed Alayan für gleich vier Wechsel und wahrscheinlich auch die ein oder andere motivierende Ansage. Jedenfalls erzwang die neue offensive Marschrichtung rasch ein Eigentor der Hausherren (51.) und danach war der TSV endgültig in der Spur. In der 72. Minute besorgte der Joker Jan Osburg schließlich das vorentscheidende 2:4, während der ebenfalls eingewechselte Angreifer Euler Marino Lasso Figueroa in der Schlussphase mit einem lupenreinen Hattrick den Endstand von 2:7 fabrizierte (83. / 87. / 88.).

Schönes Spiel, schöner Ground… Entsprechend zufrieden ging es kurz nach Abpfiff die letzten 650 m zum Ausgangspunkt im Ortskern von Bad Grund, von wo ich um 16:30 Uhr via Clausthal-Zellerfeld und Goslar per Bus und Bahn binnen 2:12 h zurück in die Hildesheimat reiste. Feiertag sinnvoll genutzt, würde ich sagen.

Song of the Tour: Mein musikalischer Beitrag zu 500 Jahre Bergfreiheit